Freitag, 18. Mai 2012
Neue Zeiten brechen an
"Möchtest du die vielleicht haben? Sonst werfe ich sie weg", fragte die Büronachbarin, Modedesignerin, nachdem sie einen zehn Jahre im Abstellraum dämmernden Karton geöffnet und ihre erste Overlock, Baujahr 1984 wiedergefunden hatte.
Das war vor einigen Wochen, heute hatte ich endlich Zeit, mich mit der Anleitung auseinanderzusetzen. Nachdem ich im Nähmaschinenladen von Yves Meckelburg, der praktischerweise schräg gegenüber liegt, 10,95€ für spezielle Rundkolbennadeln ausgegeben hatte, näht sie im Prinzip prima. Jedenfalls festen Baumwollstoff. Manchmal bleiben am Rand ein paar Fitzel stehen - aber die Büronachbarin hat irgendwo noch ein Ersatzmesser. Damit probiere ich es am Montag aus, und mit Jersey natürlich. Huijuijui, spannend wird das! Ich freue mich wirklich außerordentlich. Neue Zeiten.
(Btw. die Maschine wiegt laut Gebrauchsanleitung 8 Kilo und besteht, so weit ich sehen kann, komplett aus Metall. Bis auf die Gummifüße und die Drehknöpfe an der Spannungsregelung. Sowas Solides habe ich lange nicht gesehen.)
Mittwoch, 16. Mai 2012
Wochenrückblick Kw 19
1. Applikationen waren das Thema beim Quiltgruppentreffen am Sonntag. Ich oute mich hiermit als Handnäh-Streberin, wenn ich verrate, dass mir die „klassische“ Applikationsmethode leichter fiel als Fitzelgebügel mit Freezer Paper und Sprühstärke. Aber ein paar gute Tricks konnte ich auf jeden Fall mitnehmen. Ansonsten hatte ich ziemlich viel zu tun, und das kalte Wetter macht mich ziemlich übellaunig – abends zuhause frieren ist gar nichts für mich. Vielleicht doch die Heizung wieder anstellen?
2. Gefunden: Kleines Kunstwerk auf Beton (?) in der Gipsstraße, Mitte.
3. Selbermacher geklickt: Ein tolles Kleid aus neun Hemden von Katja. Im Moment friere ich schon beim Ansehen, aber so ein zusammengeknöpftes Rockteil wäre definitiv auch was für mich.
Freitag, 11. Mai 2012
Für die einen ist es Müll, für die anderen Material: Kunst-Stoffe in Pankow
Wer kennt das nicht: Für ein Projekt braucht man eine kleine Holzleiste, ein Stück Glas oder eine einzelne Kachel, oder etwas anderes, das man so nicht im Laden kaufen könnte. Oder: übermorgen ist Kindergeburtstag und die geplante Bastelrunde droht zu scheitern, weil man viel zu spät angefangen hat, Pappröhren und Flaschendeckel zu sammeln. Oder: man muss eine Laientheatergruppe praktisch ohne Budget mit sebstgenähten Kostümen ausstatten. Oder man möchte einfach mal durch die unterschiedlichsten und unerwartetsten Materialien stöbern, um auf neue Ideen zu kommen.
Für alle diese Fälle ist der Verein Kunst-Stoffe am S-Bahnhof Pankow die richtige Adresse. Das Projekt sammelt von Unternehmen und Privatpersonen Dinge ein – Gebrauchtes, Reste, Ausschuss - die sich als Material für Künstler und Selbermacher eignen. Nach Materialtypen grob sortiert, warten sie in Pankow im Lager und können gegen eine Spende mitgenommen werden. Das schont Ressourcen, weil so Dinge, die sonst weggeworfen würden, mit Menschen zusammengebracht werden, die eine Verwendung dafür haben.
Die vollgestopften Räume haben eine Anmutung zwischen Messiewohnung und Kuriositätenkabinett: werden alte VHS-Kassetten und Telefondrähte wirklich einmal den Übergang von Müll zu Kunst schaffen? In welcher gruseligen Inszenierung haben die mit Farbe übergossenen Babypuppen wohl schon einmal eine Rolle gespielt? Was könnte man aus einem Neopren-Taucheranzug machen? Gibt es ein zweites Leben für alte Ladenschilder?
Antworten auf diese und andere Fragen zu finden, macht gerade zu zweit viel Spaß. Das Angebot im Materiallager wechselt ständig, und es gibt keine Garantie, genau das zu finden, was man gerade benötigt – dafür aber vielleicht etwas anderes. Wenn es noch an handwerklicher Expertise oder Werkzeug mangelt, um die eigenen Vorstellungen umzusetzen, kann man einen der Kurse besuchen oder eine der gut ausgestatteten Werkstätten nutzen. Sollte der Transport der Fundstücke Probleme bereiten, dann verleiht Kunst-Stoffe Lastenfahrräder. Und nicht zuletzt bietet Kunst-Stoffe in einem Artists-in-residence-Programm jedes Jahr drei internationalen Künstlern Unterkunft und Arbeitsraum. Also rundherum eine gute Sache.
Die Bilder zeigen einige Impressionen aus dem Raum für Stoffe und Kurzwaren.
Am 3. Juni ist übrigens Tag der offenen Tür bei Kunst-Stoffe. Anlässlich des Deutschen Aktionstags Nachhaltigkeit ist das Materiallager von 15-19.00 Uhr geöffnet, es gibt einen Hängemattenbau-Workshop und einen Verschenkflohmarkt.
Kunst-Stoffe
Berliner Str 17, 13189 Berlin
am S-/U-Bahnhof Pankow (S2, U2)
Materiallager geöffnet Mittwoch 14-18.00 Uhr, Freitag 11-18.00 Uhr und jeden letzten Sonntag im Monat von 15-18.00 Uhr
www. kunst-stoffe-berlin.de
Ergänzung März 2014:
Im alten Flughafen Tempelhof gibt es seit einiger Zeit eine zweite Filiale, geöffnet zur Zeit Dienstags von 15.00 bis 19.30 Uhr, nähere Informationen und Wegbeschreibung hier.
Montag, 7. Mai 2012
Wochenrückblick Kw 18
1. Endlich eine passable (und günstige) Ausgabe von Ruth Zechlins Handarbeitsbuch-Klassiker "Werkbuch für Mädchen" ergattert und sofort etwas ausprobiert - die Idee ist buchstäblich ausbaufähig. Antiquarische Handarbeits- und Bastelbücher finde ich übrigens oft bei Tauschticket. Das ist eine Bücher-, CD-, Film- und mittlerweile auch alles mögliche-Tauschbörse, leider seit einiger Zeit nicht mehr ganz kostenlos. Über die Jahre habe ich mir dort aber einen schönen Nähbücherfundus zusammengetauscht.
2. Neu entdeckt: Madame Zucker am Wildenbruchplatz in Neukölln - da wohnt man nichtsahnend ganz in der Nähe, und dann macht da so ein liebenswertes Café auf und man braucht glatt ein Jahr, bis man das merkt. Neben Kaffee, Kuchen, Frühstück, Waffeln und Tagessuppe gibt es dort auch wechselnde Ausstellungen - im Moment Illustrationen von Julia Rehme.
3. Feed me! Banker wollen auch leben. Paste-up, Waldemarstraße Kreuzberg.
Mittwoch, 2. Mai 2012
Me-made-Mittwoch*: Knotenrock
Nach langer Zeit konnte ich mal wieder ein MMM-Foto eintakten, Schuld ist nur der erste Mai, den verbrachte ich nämlich im neuen Büro, das sich für Bilder ganz ausgezeichnet eignet. Den Kabelsalat von früher vermisse ich jedenfalls nicht.
Ich bin euch ja noch ein Foto meines Knotenrocks schuldig, Nummer 128 aus Burdastyle 3/2012, trocken gebloggt (aber mit Knotenanleitung!) schon mal hier. Den Tragetest hat er bestanden, er ist ein angenehmer Zeitgenosse mit Taschen in der Seitennaht, den ich sicher häufig anziehen werde.
Etwas ungelungen am Schnittmuster finde ich nur den Saum, oder besser gesagt den Zuschnitt der Vorderteile im Knotenbereich. Die Saumlinie geht in der unteren Lage der Falten deutlich nach oben, die Faltentiefe ist einfach ein Stück kürzer. Das sieht nicht nur merkwürdig aus, sondern ist meiner Meinung nach auch gar nicht nötig, weil die Rockteile in der vorderen Mitte ohne weiteres verlängert werden könnten. Siebensachen näht dieses Modell gerade auch, und ich bin gespannt, ob sie den Saumknick eliminieren kann.
*) Beim me-made-Mittwoch geht es darum, Selbstgemachtes anzuziehen und zu dokumentieren - die Teilnehmerinnen sammelt wie immer Cathérine - heute hier.
Rubriken
Burdastyle,
MMM,
Nähen,
Rock
Dienstag, 1. Mai 2012
Selbstgemacht Kw 17
1. Nudeln, Nudeln, Nudeln. Sie ist neu und läuft fast der Nähmaschine den Rang ab.
2. Die ist auch ganz neu - und steht momentan wie ein gelandetes Ufo im Baustelleninferno des Ostkreuzes. Nur wer auf diesem maroden Bahnhof mit schwerem Gepäck umsteigen und sich Behelfstreppen rauf- und runterquälen musste, kann ermessen, was das bedeutet. Leider führt die Rolltreppe nur zu dem Bahnsteig, wo ich meistens nicht hinwill, aber 2016 soll dann alles fertig sein.
3. Fred le chevalier braust dem Sommer entgegen - paste up am Kottbusser Damm.
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