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Mittwoch, 5. Februar 2020

Agate Dress von named clothing (mit Schlitzverarbeitung nach Frau Waas, Lummerland)

Wie die heutige MMM-Gastgeberin Carola Nähkatze wollte ich heute meinen fertigen Trenchcoat vom AnNäherungswochenende 2020 präsentieren - und meiner hat sogar Knöpfe und Knopflöcher, aber ich habe einfach noch keine Zeit zum Fotografieren gehabt. Auch bei mir kommt daher ein noch nicht verbloggtes Kleidungsstück zu Zuge, das ich letztes Jahr genäht habe und dessen Schnitt, obwohl einfach zu nähen, mir etwas Kopfzerbrechen bereitet hat.


Der Schnitt für das Agate Pencil Dress gefiel mir schon  bei Erscheinen, es war aber ziemlich schwierig, zum Schnittmuster passende Stoffe zu finden: Sie sollten dünn und gut fallend sein und sich in Farbe und Muster irgendwie ergänzen, und wie immer, wenn zwei Stoffe für ein Teil gefragt sind, tat ich mich ziemlich schwer. Schließlich fand ich ein bedrucktes Doppelgewebe aus Bambusviskose von Lillestoff, das sich von beiden Seiten verwenden ließ und das schön schwer fällt.


Ein schönes Kleid! Ich werde regelmäßig gefragt, ob ich denn "noch was vorhabe", wenn ich es trage. Von der Konstruktion des Schnitts bin ich nach dem Nähen nicht mehr so überzeugt, er hat nicht die Raffinesse, die ich bei einem Schnitt von Named clothing erwartet hatte, nach all den Schnitten, die ich von den finnischen Schwestern schon ausprobiert hatte. 

Zum einen sind die abgesetzten seitlichen Streifen rechts und links vom Mittelteil nur Dekoration. Anders als ich erwartet hatte, sind in den Teilungsnähten keine Abnäher versteckt, die Kanten der beiden Schnittteile passen genau aufeinander. Das Kleid wird nur über die Seitennähte und über je zwei senkrechte Abnäher im Vorder- und Rückenteil geformt. Wenn man wollte, könnte man die Schnittteile einfach zusammenlegen (genauso wie die Teile, aus denen sich die Ärmel zusammensetzen), und hätte damit einen Schnitt für ein ziemlich einfach geschnittenes Kleid, das nur durch die Flächenaufteilung etwas interessanter gemacht wird.


Die zweite Merkwürdigkeit ist die im Schnitt eingezeichnete Brustlinie, die sich nur 20 cm unter der Schulter befindet. Ich messe bei den meisten Schnittmustern die Weite auf Brusthöhe kurz nach, um den Schnitt unter Umständen zu ändern, daher fiel mir die merkwürdige Lage auf.

Fachsprachlich heißt der Abstand von der Schulter zur stärksten Stelle der Brust (da, wo die Brustabnäher enden) "Brusttiefe", und in Standardmaßtabellen wird bei Größe 38 von 28 cm Brusttiefe ausgegangen (nachgeschaut bei Hofenbitzer, Schnittkonstruktion für Damenmode). Die Maßtabelle von Named clothing gibt keine Brusttiefe an, ich halte es aber für unwahrscheinlich, dass irgendjemand an dieser Stelle ernsthaft von 20 cm ausgeht - wenn ich von meiner Schulter 20 cm senkrecht nach unten messe, lande ich in der Achselhöhle.


Über diese merkwürdigen Proportionen des Schnitts grübelte ich zwei Abende lang nach, maß immer wieder nach, überlegte, ob ich Besonderheiten wie eine vorverlegte Schulternaht oder eine Passe übersehen hatte, wodurch sich der Abstand verändern würde, musste aber schließlich einsehen, dass der Fehler nicht bei mir liegt, auch wenn ich so gerne daran glauben wollte. Das Oberteil ist quasi zusammengestaucht, und ich verlängerte es um 4 cm, damit landete die schmalste Stelle des Kleides dann auch in meiner Taille.


Da das Kleid nicht besonders eng sitzt und die Armausschnitte reichlich weit und überschnitten sind, hätte es sicher auch ohne Änderungen einigermaßen gepasst - im Nachhinein fiel mir dann aber auf, dass man vergleichsweise wenige genähte Versionen dieses Schnittes im Netz findet,  viel weniger, als von anderen Schnitten von Named clothing, woraus ich schließe, dass der Schnitt wirklich nicht besonders gut zu den Proportionen der meisten Menschen passt.

Ein Detail hat dieser Schnitt aber, das ich besonders mag, die oben schon erwähnte Schlitzverarbeitung nach Frau Waas, Lummerland. Frau Waas aus Lummerland ist, wie sicher die meisten wissen, die Ziehmutter Jim Knopfs und die Erfinderin des auf- und zuknöpfbaren Lochs, das Hosenflicken überflüssig macht: Statt die Hose am Knie zu zerreißen, knöpft man das Loch einfach auf, und statt es zu flicken, wird es einfach wieder zugeknöpft.


Dieses geniale Prinzip übernahm Named Clothing für die Verarbeitung eines Schlitzes im Rockteil in der Naht zwischen Vorder- und Seitenteil. Der Schlitz wird von einem nahtverdeckten Reißverschluss gebildet, der nach oben aufgezogen werden kann, genauso weit, wie man es gerade braucht. Weil der Reißverschluss nachgeben kann, kann das obere Ende des Schlitzes nicht ausreißen - der Reißverschluss öffnet sich dann einfach ein bißchen weiter, und man zieht ihn bei Gelegenheit einfach wieder zu, anstatt das ausgerissene Ende des Schlitzes reparieren zu müssen. Genial, nicht wahr? Mir kommt dieses lummerländische Patent sehr entgegen, denn ich schaffe es fast immer, Rockschlitze durch raumgreifende Bewegungen zu zerstören. Und so ist dieses Kleid wirklich sehr bequem und für alles geeignet, was man so vorhaben kann.

Alle Teilnehmerinnen des MeMadeMittwoch treffen sich heute hier.

Die Details auf einen Blick:
Schnitt: Agate Pencil Dress von Named clothing 
Änderungen: Oberteil 4 cm verlängert
Stoff: Bambus-Musselin (Doppelgewebe) von Lillestoff (nicht mehr erhältlich), dunkelblau mit aufgedrucktem Muster, Vorder- und Rückseite des Stoffes verwendet

Mittwoch, 3. Juli 2019

Hose, Rock, oder Rose, Hock - im Urlaub zuhause in 104C Burdastyle 2/2017 und "Pam" LMV

Ist ein Hosenrock laut Definition ein Rock, der wie eine Hose konstruiert ist oder eine Hose, die wie ein Rock aussieht, und gibt es zwischen beidem einen Unterschied? Und ist eine Culotte heutzutage identisch mit einem Hosenrock, oder handelt es sich um einen bestimmten Hosentypus?



Diese Fragen stelle ich mir, seitdem ich Modell 104C aus Burdastyle 2/2017 genäht habe - laut Beschreibung eine "Culotte", und in Wirklichkeit nicht halb so rock- oder hosenrockartig, wie ich sie mir vorgestellt hatte, eher eine weite Hose in Dreiviertellänge. Hätte ich das Modellfoto im Heft  richtig angeschaut, wäre mir das nicht entgangen - und auf der russischen Burda-Seite gibt es viele Bilder von Leserinnen, auf denen der Hosencharakter des Schnitts deutlich zu erkennen ist.


Ursprünglich - der olivgrüne Baumwolltwill lag im Januar auf meinem Nähstapel - hatte ich daraus den Hosenrock Milly aus La Maison Victor nähen wollen, dann fiel mir aber auf, dass Milly keine Taschen hat und ich suchte nach einem ähnlichen Schnitt mit Taschen. Burdastyle 104C ähnelt nun zwar nicht dem LMV-Hosenrock, aber was soll's - er hat hat auf Anhieb gut gepasst und passt auch zu vielen meiner Oberteile, so dass ich schon eine zweite, schwarze zugeschnitten habe.

Mit Taschen!


Auf der Straße begegnet mir sowas wie meine Hose ständig, diese Hosenform ist in Berlin derzeit die bevorzugte Bekleidung von Frauen zwischen 25 und 65, wahrscheinlich gerade weil sie zu so vielem passt. Zum Beispiel passt sie zu so gut wie allen Schuhen von Flipflop bis Stiefelette, und die Berlinerin mag es praktisch. Kaum zu glauben, dass Hosenröcke/Culottes/weite und nicht ganz bodenlange Hosen vor ein paar Jahren noch ganz neu waren und wir ernsthaft darüber nachdachten, ob man das wirklich tragen könne ("Clown oder Couture, Amish oder Avantgarde?" fragte ich mich im April 2015). Ob jetzt gerade (Stichwort: Zadie-Jumpsuit-Manie) dasselbe mit den Jumpsuits passiert? Wie werden wir in ein paar Jahren darüber denken?

Die sichtbare abgekettelte Kante links beim Knopf irritiert mich, aber sonst ist das Innenleben ganz schön geworden
 
Aber das führt jetzt vom Thema weg. In punkto Hosenschnitt lässt sich noch sagen, dass das Modell in der Taille sehr hoch geschnitten ist - etwas ungewohnt, aber nicht unangenehm. Der Schnitt hat keinen Bund, nur einen Beleg innen und ein geknöpfter Untertritt nimmt oben den Zug vom Reißverschluss weg. Die Beleg-Untertritt-Konstruktion konnte ich nach der Anleitung problemlos nachnähen, allerdings frage ich mich, ob man die sichtbare abgekettelte Kante des Schlitzbelegs beim Nähen nicht auch noch einschlagen könnte. (Bei der zweiten Version des Schnitts, die so gut wie fertig ist, habe ich das aber auch nicht hingekriegt, an der Stelle hatte ich schon vorbeigenäht, ehe ich es merkte).



Das Oberteil ist ebenfalls aus einem "Stapelstoff" vom Januar, kreppige Viskose aus Italien mit einem Streifenmuster in tollen Farben: Schwarz, Weiß, Beige, Rot, Orange, Rosa und Royalblau. Passt zu allem, leider sind es nur 1,20 Meter, so dass ich nach viel Schnittsucherei dann doch wieder bei Pam aus La Maison Victor gelandet bin.

Über den Streifenverlauf dachte ich lange nach, ich wollte auf jeden Fall, dass die Streifen bei Vorder- und Rückenteil und Ärmeln in dieselbe Richtung verlaufen, das passte aber nur quer zum Fadenlauf auf den Stoff. Ich probierte ziemlich lange hin- und her und schnitt dann - nicht besonders überzeugt - Querstreifen zu.  Mittlerweile finde ich die waagerechten Streifen gerade gut  und merke mir für die Zukunft: Öfter mal Querstreifen in Erwägung ziehen.  



Der MeMadeMittwoch, die monatliche Verlinkungsaktion für selbstgenähte Kleidung, hat heute das Sommerspecial Urlaubsgarderobe - egal, wo Urlaub stattfindet - leider ist mein Sommerurlaub für dieses Jahr schon vorbei, aber Berlin ist ja bekanntlich die Stadt, wo andere Leute Urlaub machen, und hier lässt es sich im Sommer ganz gut aushalten (abzüglich der Tage mit 35 Grad natürlich, aber die sind auch an den meisten Urlaubsorten anstrengend). Urlaubsgarderoben en masse zur Inspiration also jetzt beim MeMadeMittwoch.


Die Details kurz gefasst:

Hose ("Culotte")
Schnitt: 104C aus Burdastyle 2/2017
Stoff: 1,80 m olivgrüner Baumwolltwill ohne Elasthan
Änderungen: Etwa 3 cm kürzer als das Schnittmuster

Bluse
Schnitt "Pam" aus La Maison Victor Januar/Februar 2016
Stoff: 1,20 leicht gecrashte Viskose, quer zum Fadenlauf zugeschnitten (und gebügelt), Ausschnittbeleg aus schwarzem Baumwollvoile
Änderungen: Rückennaht mit leichter Hohlkreuzanpassung

Mittwoch, 5. September 2018

Das Kranich-Kaftan-Kleid (Fashionstyle Juni 2018)

An den letzten warmen Tagen möchte ich noch mein - vermutlich - letztes Sommerkleid für dieses Jahr zeigen. Im Grunde plante ich schon seit Jahren, mir ein ganz leichtes, weites Hochsommerkleid aus ganz dünnem Stoff für die Tage über 30 Grad zu nähen. In den vorigen Sommern ist dieser Plan nie gelungen, obwohl im Laufe der Jahre schon mehrere Schnittmuster für künftige Hochsommerkleider auserkoren waren. Aber immer war es dann schlagartig viel zu warm, um an der Nähmaschine zu sitzen - man glaubt gar nicht, wie viel Wärme selbst der Motor der Maschine abstrahlt, wenn man bei normalen Temperaturen davor sitzt. Ganz zu schweigen von der 15-Watt-Glühbirne in meiner alten Nähmaschine: bei mehr als 25, 26 Grad einfach unerträglich!


Dieses Jahr klappte das rechtzeitige Nähen, vermutlich, weil die Maschine jetzt LED-Beleuchtung hat und weil ich den Schnitt und den leider sehr unfotogenen Stoff fast gleichzeitig entdeckte, kaufte und genau dann eine kleine, zweitägige Abkühlung einsetzte, die es erlaubte, das Kleid zu nähen, so dass es dann pünktlich zur nächsten Hitzewelle fertig war.

Der Schnitt stammt aus der Fashionstyle-Ausgabe von Juni, einer Übersetzung der niederländischen Knipmode. Die deutschen Hefte erscheinen etwa einen Monat später als das Original, daher bekommt man die festlichen Silvesterkleider erst Ende Januar zu sehen - die Übersetzung braucht Zeit - aber dafür ist sie auch ziemlich gut. Die Schnitte sind nach meiner nicht sehr umfangreichen Erfahrung auch gut, fallen vielleicht ein bißchen groß aus. Im Sommer 2015 nähte ich ein Kleid aus im Hausflur gefundenen Stoff nach Fashionstyle-Schnitt, das mag ich sehr.


Das Kleid Nummer 9 aus der Juniausgabe (als Nummer 10 in Tunikaversion mit langen Ärmeln - man könnte also auch das Kleid mit diesen Ärmeln nähen) ist von der Grundlage her ganz einfach: Ein Vorder- und ein Rückenteil mit weiten, angeschnittenen kurzen Ärmeln, nur geformt durch zwei gesmokte Partien und einen hinten angenähten Stoffgürtel.


Durch den V-Ausschnitt mit einem breiten Beleg, die Schulterpasse und den kleinen Stehkragen, in dem ein Bindeband mitgefasst ist, ist das Kleid aber weit mehr als nur ein Sack mit Gummizug.

Beleg und innere Passe aus anderem Stoff

Den Ausschnittbeleg und den inneren Teil der Schulterpasse habe ich aus dünnem Baumwollstoff zugeschnitten, der etwas stabiler ist als die leichte Viskose, wodurch ich für den Beleg keine Einlage brauchte. Außerdem konnte ich Stoff sparen: Die Anleitung verlangt satte 3,05 m für Größe 38, ich hatte nur 2,70 m, schnitt den Gürtel und die Passe quer zum Fadenlauf zu, was sich wegen des Musterverlaufs sowieso anbot, und kam damit gut hin.

Smok mit transparentem Gummi von hinten - man sieht noch die blaue Vorzeichnung

Die gesmokten Partien habe ich etwas unorthodox mit feinem, transparentem Gummiband (wie Framilonband) gemokt: Stepplinie auf der linken Seite des Stoffes markieren, Gummi gedehnt auf die Linie legen und mit etwas länger eingestellten Stichen aufsteppen. Für die traditionelle Methode mit Gummifaden, der auf die Unterfadenspule gewickelt wird, fehlte mir der Gummifaden und auch die Muße, die Einstellungen der Maschine auszuprobieren.


Für meine Verhältnisse habe ich das Kleid wirklich in rasender Gewschwindigkeit innerhalb von zwei Tagen genäht - es ist erstaunlich, wie schnell das geht, wenn man einen Schnitt ohne Anprobieren einfach "aus der Packung" nähen kann, weil die Schnittform überall weit ist.

Ärmelabschluss mit einem Schrägstreifen, der nach außen umgeschlagen und aufgesteppt wird

Ein unförmiger Sack ist das Kleid trotzdem nicht, und es hat sich bei den im August noch folgenden Hitzetagen bewährt - sehr luftig, nicht einengend und leicht, dabei aber nicht durchsichtig, kann man morgens überwerfen, den ganzen Tag und Abend tragen, weil es überall hinpasst, und abends in die Wäsche werfen. Um für Hitzewellen umfassend gerüstet zu sein, müsste ich mehrere davon haben, aber das kann ich ja für nächstes Frühjahr anpeilen. So schön der Sommer war, jetzt freue ich mich ehrlich gesagt schon wieder auf Strickjacken und Wollröcke und die ganzen Herbstsachen.


Ob bundesweit noch Spätsommer- oder schon Frühherbstgarderobe getragen wird heute beim MeMadeMittwoch.

Die Details auf einen Blick

Schnitt: Fashionstyle Heft 6/2018, Modell 9
Material: Bedruckter Viskosestoff, 2,70m (bei Größe 38)
Änderungen: Ausschnittbeleg und innere Passe aus feinem Baumwollstoff zugeschnitten, äußere Passe und Gürtelteile wegen des Musters und aus Stoffspargründen quer zum Fadenlauf aufgelegt.

Mittwoch, 6. September 2017

Fast wie ein heißer Sommertag in China: Maxirock und Burda-Knotenshirt (125 aus Burda 8/2016)

In einem Blogbeitrag über das aktuelle oder vergangene Wetter zu reden ist in der Regel ebenso langweilig wie überflüssig, aber eines muss ich hier doch loswerden: War das ein bescheidener Sommer in Berlin! In den letzten Sommern war es immer heiß, zeitweise sogar sehr heiß, es gab Wochen, in denen man nur nach Mitternacht Türen und Fenster öffnete und sich mit möglichst wenig Bewegung durch den Tag schleppte. Dieses Jahr war alles anders, jeder leidlich warme Tag wurde sogleich von einem Unwetter abgelöst. Es schüttete und stürmte wie in den Tropen und unser Hof lief etwa einmal in der Woche voll, dazwischen gab es Phasen mit nur 18 Grad, in denen eine Strumpfhose gut getan hätte.


Und das obwohl ich mich im Frühjahr endlich nähtechnisch auf superheißes Wetter vorbereitet hatte! Schon im Mai hatte ich mir einen luftigen, flattrigen Maxirock aus dünner Viskose für die sehr, sehr heißen Tage genäht - und dann bis Juli keine dementsprechenden Temperaturen vogefunden. Und es danach nie geschafft, den einen heißen Tag zwischen den Unwettern abzupassen.


Beim Besuch der IGA, der Internationalen Gartenausstellung in Berlin, habe ich den Rock vor ein paar Tagen dann auch eher aus Trotz angezogen: Er musste jetzt einfach noch einmal raus, bevor er überhaupt nicht mehr in die Jahreszeit passt. 


Die Konstruktion des Maxirocks ist denkbar simpel: Zwei etwas ausgestellte Rechtecke, knapp einen Meter breit, an den Seiten bis auf zwei hohe Schlitze zusammengenäht. Im Bund ist ein breites Gummiband eingenäht.


In die linke Seitennaht habe ich eine Tasche eingearbeitet - im zweiten Anlauf, ich hatte den Rock schon fertiggenäht, als mir einfiel, dass ich Taschen haben wollte. Daher wurde es dann nur eine, ich hatte keine Lust, beide Seitennähte wieder aufzutrennen. 


Zum Rock trage ich ein Knotenshirt aus Viskosejersey nach Burdaschnitt 125 aus Heft 8/2016 vom letzten Sommer, ein Shirt mit überschnittenen Schultern und angeschnittenen Zipfeln zum Knoten am Ausschnitt. Letztes Jahr hatte ich ausführlich über den Schnitt geschrieben. Er neigt aufgrund des Materials zur Formlosigkeit, was aber an sehr, sehr heißen Tagen genau richtig ist.


Auf der IGA war "sehr, sehr heiß" aber nur gespielt (ich trug eine gekaufte Jeansjacke dazu), genauso wie die chinesische Landschaft im Hintergrund nur gespielt und Teil der Gartenausstellung ist. Den Chinesischen Garten kann man als Teil der "Gärten der Welt" in Berlin-Marzahn auch nächstes Jahr noch besuchen - für den größten Teil der Gartenausstellung und vermutlich auch für die Seilbahn gilt das nicht, da ist am 15. Oktober wohl Schluss. Wer einen ein-Tages-Kurzurlaub in allen möglichen Landschaften machen möchte, sollte sich also beeilen!

Echte Urlaubsgeschichten gibts heute im MeMadeMittwoch-Blog, der wöchentlichen Vernetzungsaktion für selbstgenähte Kleidung.


Mittwoch, 27. Juli 2016

MeMadeMittwoch - Sonderedition: Koffer packen. Ein einfach genähtes Oberteil aus Viskosejersey


Der letzte Me made Mittwoch vor der Sommerpause ist traditionell der Urlaubsgarderobe gewidmet. Ich habe mangels Urlaub im Moment keinen gut gefüllten Koffer vorzuweisen, aber ich habe das Problem der kurzärmeligen, luftigen Oberteile zumindest teilweise gelöst. Einen guten Schnitt für kurzärmelige Webstoffoberteile suche ich noch, aber meinen Restbestand an Viskosejerseys werde ich zu Nummer 125 aus Burdastyle 8/2016, ein T-Shirt mit überschnittenen Schultern und einer Art angeschnittener Schluppe verarbeiten.

Vor ein paar Jahren waren solche Jerseys omnipräsent auf dem Markt, ich hatte einige gekauft, und erst später gemerkt, dass ich Viskosejerseys nicht besonders gerne anziehe: Wenn es wirklich warm ist, finde ich sie zu warm, dicht und schwer, in der kälteren Jahreshälfte sind sie für meinen Geschmack zu dünn und substanzlos. 


Zu dem Schnitt aus der Augustburda passen die flutschigen, fließenden Jerseys aber sehr gut und das Oberteil ist auch noch sehr schnell genäht - man könnte ohne weiteres noch drei bis fünf Stück in der Nacht vor der Abreise runterrattern.

Das Säumen der angeschnittenen Bänder und des vorderen Ausschnitts ist die größte Herausforderung. Mit der Zwillingsnadel traktiere ich mein Nerven nicht mehr (ich sage nur: kilometerlange Probenähte und beim eigentlichen Saum funktioniert dann nichts...), eine Coverlock habe ich nicht, abgesehen davon, dass gecoverte Säume an der Stelle möglicherweise sowieso zu knubbelig wären. Ich mache also etwas vollkommen Verbotenes: Ich klebe die Säume vor, bevor ich sie mit Elastikstich nähe.


Ich verwende einen ganz normalen Klebestift aus dem Bürobedarf - die meisten Marken sind bei 30° oder im kalten Wasser auswaschbar. Die Nahtzugabe schneide ich erstmal nicht zurück, es näht sich besser, wenn das Füßchen über doppelten Stoff gleitet. Stattdessen klebe ich die Nahtzugabe fest, der Rand wird dadurch stabilisiert und dehnt sich beim Nähen nicht aus.


Die Säume nähe ich in etwa 5 mm Breite fest, mit einem schmalen Elastikstich, der wie ein Blitz aussieht. Ein schmal eingestellter Zickzackstich geht genauso gut. Anschließend schneide ich die Nahtzugabe bis an die Stiche zurück - dazu muss man das Geklebte stellenweise wieder abpulen. Das Oberteil ziehe ich dann mit dem Kleber im Saum auch gleich an. Der Saum ist etwas härter als der Rest, das stört beim Tragen nicht und wäscht sich dann nach und nach heraus. Die fertig genähten Oberteile können von der Maschine also gleich in den Koffer wandern.


Bei dem sehr dehnbaren Viskosejersey empfiehlt es sich auch, die Schulternähte und den hinteren Halsausschnitt mit einem eingenhten Band oder einem Streifen Einlage zu stabilisieren. Ich hatte im hinteren Ausschnitt zuerst keine Verstärkung und habe dann in das fertige Oberteil noch einen Streifen Einlage hineinoperiert, weil der relative schwere Knoten vorne das ganze Oberteil nach vorne zieht und der Auschnitt beim Tragen ausleierte - schulterfrei ist der Schnitt ja nicht gedacht. Das T-Shirt hat trotzdem eine gewisse Tendenz zur Formlosigkeit, aber für ein lockeres Sommeroberteil finde ich das in Ordnung.

Ergänzt: Der Schnitt funktioniert auch mit dünnem Webstoff, sagt die Burda-Community, siehe hier und hier.


Die Bilder entstanden am Wochenende in Königswusterhausen - zum Jerseyoberteil trage ich einen (verknitterten) Leinen-Baumwoll-Rock (Nr. 106, Burdastyle 5/2012, genäht 2013).

Später werde ich mal schauen, ob ich in den Urlaubskoffern des MeMadeMittwochs heute doch noch einen Schnitt für Webstoffoberteile finde.

Schnittdetails kurzgefasst:
Schnitt: 125 aus Burdastyle 8/2016 
Material: dünner Viskosejersey
Größe 38, unterhalb der Brustlinie etwas enger genäht, Bund unten weggelassen
Schulternähte mit eingenähtem Band verstärkt, hinteren Halsausschnitt mit einem schmalen Streifen Bügeleinlage stabilisiert

Sonntag, 5. Juni 2016

Sommerock-Sewalong: Allround-Rock aus ödem Stoff

Drüben im MeMadeMittwoch-Blog begleiten Meike und ich den Sommerrock-SewAlong, also gemeinsames betreutes Nähen, so dass sich vielleicht auch Nicht-Bekleidungsnäherinnen an ein Kleidungsstück für sich heranwagen (und im Sinne der Weltherrschaft der Nähnerds bekehrt werden, harhar).

Heute geht es dort um Schnitte und Stoffe, und ehrlich gesagt freue ich mich auf diesen Teil der Sewalongs immer besonders, denn bei diesen Inspirationssammlungen werden so interessante Schnitte ausgegraben, auf die ich selbst nie gekommen wäre, dass ich jedes Mal eine neue Liste mit nachnähwürdigen Schnittideen füllen kann. Was Sommerrockschnitte betrifft, ist das derzeit besonders nötig, denn wenn ich dem Blog hier trauen kann, dann habe ich 2015 genau einen Sommerrock genäht und 2014 und 2013 auch höchstens einen, und die älteren sind teilweise schon ganz schön abgewetzt. Der Großteil meiner Röcke ist aus Wolle und gefüttert - ich stelle eine Sommerrock-Schwäche fest, von der ich noch gar nichts ahnte!


Um die Rockabteilung aufzufüllen, entschied ich mich daher für einen Stoff und Schnitt vom Typ "Allrounder ohne besondere Merkmale": Der Schnitt ist Nummer 101 aus Burdastyle 3/2016, wobei ich noch nicht sicher bin, ob ich den Schnitt mit Stoffgürtel nähe. Das Band wird an den Seitennähten mitgefasst und könnte etwas zu viel Gebamsel sein, wenn ich z. B. eine der Pam-Blusen mit Schleife am Ausschnitt dazu anziehe (oben Schleife, unten Schleife = vielzuviel Schleife überall). Ansonsten ist der Schnitt mittelweit, mittellang und mit Taschen, das sind schon mal gute Eckdaten für einen Rock, den ich wahrscheinlich oft anziehen werde.


Bei dem Stoff hatte ich mich zwischenzeitlich schon gefragt, warum ich eine so unfassbar langweilige Meterware kaufen musste - und wieso ich beim Kauf nicht erkannte, dass die feinen Webstreifen in schwarz und beige aus mehr als einem Meter Entfernung betrachtet einen grau-braunen Schlammton ergeben. Meine Entschuldigung bisher: Es war bei einem Stoffverkauf bei Thatchers, und bei Fabrikverkäufen und ähnlichen Events funktioniert das mein Hirn nicht so wie sonst. 

Jetzt aber kommt dieser Stoff genau recht, die Qualität ist nämlich ganz wunderbar, es ist ein fester, kaum knitternder, sehr angenehmer Baumwollstoff - also ein Stoff "mit Stand" - mit dem die Falten im Rockvorderteil gut funktionieren werden. Damit der Rock nicht vollkommen grau-in-grau wird, werde ich zwischen oberem Teil und der angesetzten Saumblende eine knallblaue, selbstgemachte Paspel einfügen.


Die blaue Paspel würde auch gut zum Bonusprojekt passen: Falls der Rockschnitt die Erwartungen erfüllt, würde ich ihn eventuell noch einmal aus dem selbstbedruckten Stoff vom Siebdruckworkshop mit Kristina Schaper nähen. Aber eines nach dem anderen! Ganz sicher finden sich in der Inspirationssammlung im MMM-Blog jede Menge andere vielversprechende Schnitte.   

Mittwoch, 25. Mai 2016

Mottotag "Tier" beim MMM und der perfekte Oberteilschnitt


Der MeMadeMittwoch, die Vernetzungsaktion für selbstgemachte Kleidung, steht heute unter dem Motto "Tierstoffe". Animalprints im engeren Sinne, also Fellmusterdrucke von G wie Giraffe bis Z wie Zebra oder gar Schlangenhaut, Federn oder Schuppen finden sich nicht in meinem Kleiderschrank. Aber ich wage die Prognose: Das wird nicht so bleiben. Der Einfluss der Tiermusterträgerinnen im MMM-Team (ich schaue vor allem nach Bielefeld) wird sich durchsetzen - und das ist ja überhaupt das Schöne am Austausch hier beim MMM: Die Ermutigung, auch mal etwas ganz anderes auszuprobieren und Farben, Muster und Schnittformen zu testen, auf die ich ansonsten nicht gekommen wäre.

Für den Mottotag heute konnte ich leider noch kein schönes, zu mir passendes Tierfellmuster beschaffen (aber ich weine einem dunkelroten Viskosestoff mit abstrahiertem Leomuster von Stoff&Stil nach, den es letzten Herbst noch gab und den ich blöderweise doch nicht kaufte). Aber Tiere auf Stoff fand ich, und das Zustandekommen dieser Bluse wäre ohne die Nähbloggerinnengemeinschaft auch nicht möglich gewesen. Den Stoff machte nämlich Yvonet ausfindig, nähte die Bluse "Pam" aus La Maison Victor daraus (Heft Januar/Februar 2016), es ergab sich eine Gelegenheit zum Anprobieren, ich war begeistert, Yvonne hatte nichts dagegen, dass ich ihre Bluse genau so nachnähe, Wiebke bestellte eine größere Menge des Stoffes - den sie heute auch trägt - und der bevorstehende Mottotag führte dazu, dass ich die Zugvögel auf Viskosekrepp nicht übermäßig lange streichelte, sondern nach geringer Ablagerungszeit anschnitt.


Der Schnitt "Pam" war in den letzten Wochen oft beim MeMadeMittwoch zu sehen, ich erinnere mich zum Beispiel an die schönen Versionen von Frau Vau hier und hier, von Birgit - Lila und gelb hier, von Steffi - Einmal Mond und zurück hier und von Andrea - Lya und ich hier aus gestreiftem Jersey. Nach einem guten Oberteilschnitt für leichte Webstoffe habe ich schon sehr lange gesucht, und "Pam" ist meiner Meinung nach ideal: Dank Brustabnäher nicht zu sackig, die Arme lassen sich gut bewegen und die nicht dominierende Schleife ist ein nettes Detail. Ich habe direkt gleich mal drei Stück genäht. 


Bei der leichten Viskose dehnen sich schräg geschnittene Partien schon aus, wenn man die Schnittteile nur hochhebt und zur Nähmaschine trägt. Die Nahtlinien von Ausschnitt und Schlitz habe ich daher als erstes mit einer Stütznaht gesichert. Was sich dann noch dehnte, ließ sich glücklicherweise beim Annähen des Belegs wieder zusammenschieben.

Den Beleg habe ich durch "understitching", Feststeppen auf der Nahtzugabe befestigt, und außerdem in den Schulternähten und der aus Anpassungsründen eingefügten Rückennaht durchgesteppt. Die Nähte sind sämtlich rechts-links-Nähte (sogenannte "französische Nähte").    


Der Schlitz im Vorderteil ist eine Stelle, an der es mit der Zeit leicht zum Ausfransen kommen kann, er ist deshalb zweifach gesichert: einmal durch die Stütznaht auf der Nahtzugabe knapp neben der Nahtlinie, zweitens ist der untere Teil des Schlitzes ganz knapp an der Kante abgesteppt, was bei dem körnigen Stoff kaum auffällt (auf dem Foto leider auch nicht).

Nachdem der in meinen Augen perfekte Schnitt für langärmelige Webstoffoberteile gefunden ist, suche ich nun als nächstes einen ebenso guten Schnitt für kurzärmelige Webstoffoberteile, also eine Art T-Shirt-Ersatz. Luzies vergleichendes Nähen von drei Webstoff-Oberteilschnitten vor kurzem war schon mal sehr aufschlussreich, Miss Margerite hatte letzten Sommer hier ein paar Schnitte zusammengestellt. Oder ich verwende einfach "Pam" als Grundlage und experimentiere mit überschnittenen Schultern, mal sehen. Einstweilen geb ich zurück zum MemadeMittwoch mit vielen schönen Beispielen für Kleidung mit und ohne Tier.

Details Bluse
Schnitt: "Pam" aus La Maison Victor, Januar/Februar 2016, Größe 38
Änderungen: Rücken mit Naht zugeschnitten und etwas ausgeformt, Brustabnäher ca. 1,5 cm nach unten versetzt
Material: ca. 1,30 m Viskosecrêpe

Details Rock (Prada-Sewalong)
Schnitt: Sechs-Bahnen-Rock selbst aus einem Acht-Bahnen-Rock erstellt
Material: Reste schwarzes Leinen, offenkantig verarbeitet und sichtbar zusammengesteppt - weitere Bilder hier.

Mittwoch, 24. Februar 2016

Ein typischer (Me made) Mittwoch


Heute ist Mittwoch, auch heute habe ich mich angezogen und wie fast immer ist das meiste davon selbstgemacht. Und als wäre es so beabsichtigt, habe ich mir beim Fotografieren von der Schreibtischkante aus den Kopf abgeschnitten.

Ich trage einen pseudo-gewickelten Rock aus Wollstoff mit eingewebten Streifen (130 aus Burdastyle 8/2013, hier vorgestellt), ein graues langärmeliges T-Shirt (Burda-Standardschnitt, mehrfach modifiziert) und die schwarze Strickjacke, die zu allem passt und deshalb so viel getragen wird, dass ich schon an einem Ersatz stricke. (Und die ich vor dem Foto besser mal zurechtgezogen hätte: die Vorderteile sind natürlich gleich lang.)

Den Wollrock habe ich inzwischen schätzen gelernt. Am Anfang war ich ja nicht so begeistert, einfach weil ich mir den Schnitt anders vorgestellt hatte: Deutlicher als Wickelrock zu erkennen, mit raffinierten Streifeneffekten. Mittlerweile, ohne diese ganzen Erwartungen, finde ich ihn aber sehr in Ordnung, weil er schmal und elegant aussieht, aber durch das übergeschlagene Vorderteil, das beim Bewegen nachgibt, ungeheuer bequem ist.


Die Sache mit dem Kopf war ja keine Absicht, deshalb hier noch ein Detailbild mit dem Versuch, das bestickte Stoffcollier aus der letzten Stoffspielerei zu zeigen. Puh, Selfies mit suboptimaler Kamera sind gar nicht so einfach, aber das Bild gibt immerhin einen Eindruck. Die Bilder, die mein heimischer Fotograf von dem Collier machte, waren allerdings auch nicht schärfer.

Ich wünsche euch noch einen schönen Mittwoch, kommt gut durch die Woche, und damit gebe ich zurück zum Me made Mittwoch, dem Treffpunkt für Selbermacherinnen in selbstgenähter Kleidung, heute mit Gastgeberin Meike.  

Mittwoch, 13. Januar 2016

Lieblingsstück 2015 - Me made Mittwoch

Beim MeMadeMittwoch, der Versammlung selbstgenäht bekleideter Menschen im Netz, geht es heute um das selbstgemachte Lieblingsstück 2015. Ich musste da nicht lange überlegen: Es ist die Culotte alias der Hosenrock vom April 2015. Die sich damals stellenden Fragen (Clown, Couture, Amish, Avantgarde?) lassen sich mit "kommt drauf an" beantworten, manchmal auch mit "sowohl als auch" - in allen Fällen ist die Culotte aber ein sehr bequemes, kombinierfreudiges und dabei nicht langweiliges Kleidungsstück.


Nachdem sich Hosenröcke schon 2013 und 2014 ankündigten und 2015 dann gleichzeitig eine Menge Schnittmuster dafür verfügbar waren, bin ich gespannt, ob dieses Kleidungsstück 2016 noch eine Rolle spielen wird. Im Burdaheft 2/2016 gibt es in der große-Größen-Strecke nochmal eine Culotte - aber möglicherweise wird sie uns auch als kurzlebiger Nähtrend im Sommer 2015 in Erinnerung bleiben.

Und was kommt danach? Wie immer die wirklich spannende Frage, und ich freue mich auf ein weiteres gemeinsames Nähjahr mit euch und die Trends und Vorlieben der Nähbloggerinnencommunity, wie sie sich jeden Mittwoch beim Me made Mittwoch ablesen lassen.

Dienstag, 15. Dezember 2015

Die Spendenaktion des MemadeMittwoch 2015: Wir unterstützen "Made auf Veddel"

Mittlerweile ist es schon eine schöne Tradition geworden, dass wir vom MemadeMittwoch-Team zum Ende des Jahres auf ein Projekt aufmerksam machen, das die Ausbildung und Selbständigkeit von Frauen fördert und das für seine Arbeit auf Spenden angewiesen ist.

Dieses Jahr haben wir uns für Made auf Veddel entschieden. Der Hamburger Verein ermöglicht es Frauen mit Migrationshintergrund, mit dem Geld zu verdienen, was sie können: Mit Stricken und Häkeln. Die Produkte werden dabei von der Designerin Sibilla Pavenstedt entworfen und aus hochwertigen Materialien umgesetzt - das ermöglicht hohe, und damit angemessene Preise für die Handarbeit und damit auch eine angemessene Bezahlung der Handwerkerinnen. Nächstes Jahr will der Verein ein entsprechendes Projekt für geflüchtete Frauen hochziehen.

Über das Projekt informieren könnt ihr euch auf der Webseite des Vereins Made auf Veddel und hier im MemadeMittwoch-Blog, finanziell unterstützen könnt ihr es über den Spendenbutton unten oder über die Aktionsseite bei betterplace. (Die Höhe der Spende ist frei wählbar, tragt einfach euren Wuschnbetrag ein, und die zusätzliche Spende an betterplace nicht zwingend notwendig, die Auswahl kann auf "0" gesetzt werden. Spenden ist möglich per Bankeinzug, Kreditkarte, Paypal oder Giropay).

Natürlich haben wir uns als Dankeschön für eure Unterstützung wieder etwas ausgedacht: Dieses Jahr wird es rätselhaft - und hoffentlich lustig!  


Mittwoch, 21. Oktober 2015

Me made Mittwoch mit gut Kaffee und slect Deutsch oder: Die Tücken der Straßenfotografie


Solange der Kaffee gut ist, sind slect Deutsch und begrenzte mimische Möglichkeiten (2 Fotos - 1 Gesichtsausdruck) gar nicht so schlimm! Ein Bild aus dem wahren Leben mit der Strickjacke von letzter Woche und einer schon verknautschten Bluse von 2013. Solche unkomplizierten, dokumentarischen Schnappschüsse würde ich mir ja öfter fürs Blog wünschen, aber meistens fehlt mir dafür die Fotografin.

Die Strickjacke aus Cotton Merino hat sich so gut in meine Garderobe eingefügt, als hätte ich sie schon immer gehabt. Eine Bluse mit Kragen zu einer Strickjacke mit Kragen zu tragen, ist nicht das Günstigste, aber die Jacke ist so warm (wärmer als ich dachte, das Garn besteht ja zur Hälfte aus Baumwolle) und kratzt überhaupt nicht  - anders als die Jacken aus Sockengarn - dass ich morgens sehr gern dazu greife. Das matte Himbeerrosa und das Dunkelgrün passen aber auch sehr gut zusammen!


Im Me made Mittwoch-Blog zeigt Gast Ella Mara heute ein Wickelkleid aus Viskosekrepp und schreibt über das Auf und Ab beim Nähen - wenn der Stoff beim Zuschnitt verkehrt herum liegt, und am Ende dann doch noch alles gut wird.

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Die grüne Strickjacke und das (vorläufige) Ende der Strickkrise

 
Drüben beim Me made Mittwoch bin ich heute Gastgeberin und zeige diese Strickjacke aus Cotton Merino, die mich wirklich Nerven gekostet hat. Ich bin zwar eine begeisterte, aber ehrgeizlose Strickerin. Anders als beim Nähen habe ich beim Stricken nicht den inneren Antrieb, alles verstehen und alles lernen zu wollen. Ich finde das Stricken an sich sehr entspannend und immer dann am besten, wenn ich einfach einer Anleitung folgen oder bei selbst ausgerechneten Strickteilen vor mich hinstricken kann. Wenn Entscheidungen getroffen werden müssen oder technisch etwas schwierigere Elemente anstehen (Bündchen, Kragen, mehrere Abnahmen oder Zunahmen gleichzeitig), dann bleibt das Gestrickte oft liegen, weil ich auf den Moment warte, wenn ich "mal richtig Zeit" habe, um mich damit zu beschäftigen. Dieser Moment kommt natürlich niemals, und so sind diese "Stellen" bei der Mittwochsmasche schon zum running gag geworden.


Die Strickjacke war, nachdem Vorderteile, Rücktenteil und Ärmel fertig waren, sozusagen eine einzige "Stelle": Weder hatte ich vorher schon mal Taschen in ein Kleidungsstück gestrickt, noch einen Schalkragen, und die Technik der verkürzten Reihen muss ich bei jedem Anlauf wieder im Detail nachlesen. Ich nehme mir sonst bei Strickprojekten höchstens eine mir bisher unbekannte neue Technik vor, sonst wird es mir zu anstrengend - und genau das war hier passiert, die Jacke war anstrengend. 


Für die technische Seite von eingestrickten Taschen und angestrickten Kragen war "Wir stricken und häkeln" von Ulrike und Kurt Wermut Graef aus den 1970er Jahren sehr hilfreich. Die Strickmodelle in dem Buch würde man heute zwar nicht mehr tragen wollen, aber der sehr umfangreiche Technikteil enthält zum Beispiel eine Doppelseite Kragenlösungen, die ausreichend ausfürhlich beschrieben werden.


Auch die eingestrickte Taschen (die bei der Jacke leider etwas zu klein sind und etwas zu hoch liegen, um wirklich brauchbar zu sein), strickte ich nach der Anleitung im Buch.

Lustig ist es auch - ich liebe den starren Blick des Dackels auf diesem Foto, der wahrscheinlich damit zu tun hat, dass ihm jemand außerhalb des Bildes eine Wurst zeigt:


Die Fertigstellung der Jacke schob ich im späten Frühjahr jedenfalls derartig auf die lange Bank, dass völlig überraschend Sommer und superheiß wurde. Bei über 30 Grad stricke ich nicht mehr - schon gar nicht mit wollhaltigem Garn - und im September hatte ich derartig vergessen, was ich vorhatte, dass der Neustart sehr holprig und langwierig war.

 


Ich bin wirklich froh, die Jacke bewältigt zu haben, merke mir für nächstes Mal, dass eingestrickte Taschen etwas tiefer sitzen sollten (und eine Jacke mit Taschen daher länger sein muss) und dass ein angestrickter Schalkragen eigentlich gar nicht so schwierig ist - auch wenn ich die Sache mit den verkürzten Reihen beim nächsten Mal sicher wieder nachschlagen muss. Und als nächstes stricke ich dann mal etwas Einfaches nach Anleitung! 

Technische Details
Garn: Cotton Merino - Drops, Farbe 22, dunkelgrün, etwa 450g (allein Blenden und Kragen verschlangen fast 50g), Rest für die Taschenbeutel
Nadel: Nr. 4, für Bündchen 3,5
Muster: Zickzackmuster aus rechten und linken Maschen, Bündchen 1re verschränkt, 1 links