Ringelshirts sind zum Beispiel eine Konstante in meinem Kleiderschrank. Im Laufe der Zeit hatte ich schon welche in allen möglichen Farben und Streifenbreiten und finde Ringelshirts eigentlich nie verkehrt, je geradezu unverzichtbar.
Ganz anders hingegen die Streifenbluse: eine Bluse im klassischen Schnitt, längs gestreift wie ein Herrenhemd, finde ich einfach nur bieder. Liegt es an der Kombination von Muster und Material? Sind Streifen also nicht gleich Streifen, und würde eine Bluse mit Querstreifen etwas von der Lässigkeit eines Ringelshirts annehmen?
In meinem Kleiderschrank findet sich daher nur eine gestreifte Wickelbluse, Schnitt aus einem Burdaheft von 2005, die mir leider nicht sehr gut passt (der Schnitt hätte eine FBA gebraucht), und eine Bluse aus einem abgelegten Herrenhemd. So sind Streifen gerade noch in Ordnung.
Kommen wir zu den Unterteilen: Da ist einmal (hinten) der relativ neue Knotenrock 128 aus Burdastyle 3/2012 (Knotenanleitung hier). Ein prima Teil, mit Taschen, unkompliziert anzuziehen, passt zu vielem. Der Schnitt ist mein heißer Tipp, wenn man einen Rock mit Streifenspielerei nähen möchte, ohne beim Zuschneiden wahnsinnig zu werden: Der Streifenverlauf ergibt sich automatisch.
Der grüne Streifenrock ist das gerettete Unterteil eines Kleides - die Geschichte hatte ich vor langer Zeit hier erzählt. Während bei dem Rock die Streifen weder positiv noch negativ ins Gewicht fallen, sah das Kleid aus diesem Stoff einfach nur scheußlich aus: Kittelalarm! Wahrscheinlich eine Kombination aus schlechter Passform, schrecklichem Material (der matte, grobfädige, gecrashte Baumwollstoff ist nicht wirklich schön), ungünstiger Farbe und Längsstreifen.
Jetzt im Streifenmonat sehe ich mich also eher nicht von Kopf bis Fuß in Streifen. Ich mag Streifen vor allem als Ergänzung zu Einfarbigem und und anderen kleinen Mustern, mit denen sie ja auch gut harmonieren, wenn die Farben zusammenpassen.
Geplant habe ich
- einen Streifenrock, wahrscheinlich einen weiten und ziemlich langen, leichten Sommerrock, bei dem der Streifenverlauf eine tragende Rolle bekommt. Diese zwei Stoffe aus dem Fundus stehen zur Auswahl, beide bekam ich geschenkt. Links ein etwas festerer Stoff mit eingewebten Streifen, Baumwolle mit Polybeimischung, schätze ich. Da der Stoff nicht wirklich luftig ist, tendiere ich zu dem Stoff rechts: aufgedruckte Streifen, reine Baumwolle, knittert leicht, fasst sich aber sehr angenehm an.
- eventuell ein luftiges Jersey-Streifenkleid nach dieser Anleitung von Katja. Ich bin nicht sicher, ob der Rückenausschnitt etwas für mich ist. Der Streifenverlauf, in dem keine Richtung dominiert, gefällt mir schon einmal. Ob ich das angehe hängt davon ab, ob ich in den nächsten Wochen passenden Streifenjersey bekomme - mir schwebt eine dunkle Farbe mit schmalen, helleren Streifen vor.
Die junge Frau trägt eine Schürze aus - na klar- Streifenstoffen. Schürzen und Nachthemden (mit Kimonoärmel) waren übrigens die zwei Objekte, die 1957 laut Lehrplan im Handarbeitsunterricht genäht werden sollten. Die Fotos zum Artikel zeigen jeweils Nähproben mit Streifenstoffen, die mögliche Anwendung bei Kleidungsstücken vermittelte man in sehr charmanten Zeichnungen.
Der Artikel gibt natürlich auch Verarbeitungshinweise: Die Autorin Irmgard Hartmann empfahl, die Streifenanschlüsse mit schrägen Heftstichen von rechts mit der Hand zu heften und dann von links mit der Maschine nachzunähen. Manche Formen wie Dreiecke und Zacken wurden hingegen auf der rechten Stoffseite aufgesteppt. Falls ihr zu einem bestimmten Beispiel Näheres wissen wollt, fragt in den Kommentaren danach - meistens steht da noch irgendwo ein knapper Satz, den ich weitergeben kann.
Hier haben wir zum Beispiel quer gestreifte Blusen. An dem Kleid finde ich vor allem die Kragen- bzw. Ausschnittlösung interessant.
Der oberste Rock wäre ein Kandidat für meinen Streifenstoff: drei schräge Partien, durch schmale Querstreifen getrennt. Wenn man diese Röcke aus einer in Falten gelegten geraden Rockbahn näht, ist das auch gar nicht so schwierig. Kompliziert wird es erst beim obersten und beim untersten Kleid, dort deutet der Zeichner oder die Zeichnerin einen Bahnenrock an, wobei die Querstreifen beim oberen Kleid patchworkmäßig eingesetzt wurden, beim unteren Kleid sind es zwischengefasste Blenden. Immerhin muss man so nicht auf den Streifenanschluss achten.
Hier finde ich den Rock auch ganz interessant. Da nur die schmalen eingesetzten Streifen schräg geschnitten sind, wäre das Modell auch nicht allzu stofffressend.
Schaut euch aber einmal das Kleid genau an, und zwar aus Schneiderinnensicht, nicht aus der Sicht eines Illustrators: Da hat doch der Wahnsinn schon die Türklinke zum Nähzimmer in der Hand. Eingesetzte zweiteilige Godets mit schrägem Streifenverlauf, und an der Naht laufen die Streifen genau zusammen! Das kann man vielleicht so zeichnen - nähen kann man das eigentlich nicht.
Das obere Kleid ist schon realistischer: alles quergestreift. Das bienenkorbartige Objekt darunter ist ein Kaffeewärmer, und die Idee der versetzten Streifen bei den beiden Teilen ganz unten gefällt mir. Nur dass das wahrscheinlich mit lauter gleich breiten Streifen wie in den Nähproben besser aussieht, als mit meinem unregelmäßig gestreiften Stoff.
Die Fünfziger liebten große, aufgesetzte Taschen, jedenfalls am "Waschkleid", dem Kleid, das man alltags zuhause trug. Die Oberteillösung samt Streifen am unteren Kleid ist auch ganz schön, nicht wahr?
Hier gibts noch einmal die schönen Kragen an den breiten, flachen Ausschnitten, die typisch Fünfziger sind.
Hier scheint es sich wieder um Bahnenröcke zu handeln. Die Musterplazierung im echten Leben so auszutüfteln, dürfte alles andere als einfach sein.
Genauso hier - die Bordüre beim unteren Kleid soll man aufsteppen. Dabei muss man den Musterrapport so ausrechnen, dass die Verzierung dann auch mit einem vollständigen Quadrat endet. Und dann muss die Höhe der schräg gestellten Quadrate auch noch mit der Rocklänge und der Streifenbreite harmonieren. Puh.
Den Streifenrauteneinsatz am Oberteil finde ich sehr hübsch, auf spitze Taschen auf der Schürze kann ich hingegen verzichten (bzw. auf Schürzen überhaupt, aber darum geht es hier ja nicht). In den Taschenspitzen lassen sich bestimmt hervorragend Krümel sammeln.
Oben: ein Schlafanzug - unten: ein verstürztes Band, das durch große Knopflöcher im Rock gezogen wird. Also auswechselbar.
Im folgenden Heft von "Handarbeiten und Hauswirtschaft" gab es diesen Nachtrag: Blockstreifen können so gefaltet und zusammengesteppt werden, dass neue, interessante Streifenmuster entstehen.
An Ideen ist also kein Mangel - weitere wie gesagt hier beim Auftakt des Streifenmonats -, ich bin selbst gespannt, was es schließlich wird.

