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Freitag, 26. Januar 2018

Sternenkriege auf Hawaii (Burda 7/2000)


In den letzten Monaten des letzten Jahres hattee ich - von Patchwork abgesehen - wenig genäht. So wenig, dass ich im Dezember, nach Kilometern runtergeratterter gerader Nähte, schon Zweifel hatte, ob ich überhaupt noch in der Lage wäre, jemals wieder ein Kleidungsstück zu nähen. Ich brauchte ganz klar eine Nähpause, und die gönnte ich mir.

Nur, dass ich auch noch ein genähtes Weihnachtsgeschenk für den Liebsten geplant hatte. Die Idee war mir sowieso ziemlich spät zugefallen - als ich zuhause erwähnt hatte, dass das Stoffgeschäft, in dem ich einmal die Woche arbeite, eine Partie ziemlich coolen Patchworkstoff mit Star-Wars-Motiven geliefert bekommen hatte. Ich sagte nebenher sowas wie "da werden viele Star-Wars-Fans genähte Sachen zu Weihnachten bekommen" und bekam ein halb empörtes "ICH bin auch Star-Wars-Fan!" zurück. Aha. Ich muss zugeben, dass mir diese begeisterte Anhängerschaft in den letzten Jahren nicht aufgefallen war. Zumindest äußerte es sich nicht im Anschaffen von Star-Wars-Devotionalien. Ich beschrieb noch ein bißchen den Stoff, und dass der wirklich auffällig sei, wir redeten eher allgemein darüber, was man daraus nähen könnte, und ich plante schließlich ein Hawaiihemd als Weihnachtsgeschenk, mehr aus Spaß an der Sache, als in der Überzeugung, dass es wirklich angezogen werden würde. 


Mir schien die Hawaiihemdform, also ein gerades Hemd mit geradem Saum, ohne Unterteilungen und mit angeschnittener Knopfleiste, als ideale Schnittform für den Stoff. Bei nur wenigen Schnittteilen wird das Muster  nicht so stark zerschnitten, durch die kurzen Ärmel wirkt das Hemd und damit das Muster nicht so massiv, und man trägt es tendenziell bei über 30 Grad, wenn kleidungstechnisch sowieso schon fast alles egal ist. (Und, weiterer, geheimer Bonus: Diese Schnittform lässt sich auch gut als Pyjamaoberteil tragen - wenn die Fanbegeisterung dann doch nicht so groß sein sollte, mit diesem Muster auf die Straße zu gehen.)


Die Suche nach einem Schnitt war schwieriger, als ich erwartet hatte - bei Burda gibt es nur wenige aktuelle Hemdschnitte, und keinen davon mit dem typischen Umlegekragen eines Hawaiihemds. In einem Heftstapel aus den späten 1990ern und frühern 2000ern, die mir eine nicht mehr nähende Nachbarin überlassen hatte, wurde ich fündig: In Heft 7/2000 gibt es eine ganze Strecke aus großformatigen Blumenstoffen, darunter auch ein Herrenhemd (Schnitt 140). Ich hatte mich schon gefragt, ob ich diese Hefte jemals nutzen werde, was für ein Glück, dass ich sie aufbewahrt hatte!


Nach Ausmessen der Schnittteile und dem Vergleich des Schnitts mit einem passenden Hemd entschied ich mich für Größe 48, auch wenn laut Maßtabelle eher 50 oder 52 in Frage gekommen wären. Kurz vor dem Zuschneiden verließ mich aber der Mut, mich auf meine Messungen zu verlassen, und ich unterteilte das Rückenteil doch noch in eine Passe und ein Unterteil, um beim Unterteil die zwei typischen Oberhemd-Falten für die Bewegungsfreiheit der Schultern einbauen zu können. Auch ein Teil des Vorderteils ist in die Passe eingeflossen, so dass die Schulternaht etwas nach vorne verlegt ist. Die Passe habe ich dann mit einem inneren Passenteil verstürzt, das ist sowieso günstig, um diesen Bereich zu stabilisieren.


Bei der Ansatznaht des Kragens im Rückenteil sieht die Anleitung vor, dass der verstürzte Kragen einfach doppelt liegend an den Halsausschnitt genäht wird, so dass die Nahtzugaben von Halsausschnitt und Kragen von Schulternaht zu Schulternaht sichtbar sind. Ich kann mich nicht erinnern, so eine nicht besonders schöne Verarbeitung schon mal bei einem Hemd gesehen zu haben - normalerweise gibt es für den hinteren Halsausschnitt wenigstens einen kleinen Beleg, damit die Naht verdeckt ist. Mir fiel das Problem natürlich erst mitten im Nähen, am 22. Dezember abends auf, so dass ich kurzerhand einen hellblauen Schrägstreifen über die Naht steppte, der rechts und links unter den Vorderteilbelegen verschwindet. Eine von außen und innen ansehnliche Lösung, aber für das nächste Mal überlege ich mir dann, wie Kragen und Schulterpasse richtig verarbeitet werden, es muss doch eine Möglichkeit geben, alles zu verstürzen.

Damit habe ich schon verraten, dass ich von dem Schnitt wirklich begeistert bin, er ist schnell genäht und vor allem passt er wirklich gut, er hat die genau die richtige Weite für ein leichtes Sommerhemd. Die zusätzlichen  Fältchen im Rückenteil wären nicht unbedingt nötig gewesen, es schadet aber auch nicht, dass sie da sind. Die Schnittdetails sind auf den Fotos durch den Stoff leider nur zu erahnen.

Die Begeisterung für das Hemd war bei dem beschenkten Star-Wars-Fan übrigens eher theoretischer Natur, wie ich es erwartet hatte. Schön genäht ist das Hemd ja, und glücklicherweise hat das Nähen auch großen Spaß gemacht. Angezogen wird es, wenn überhaupt, wahrscheinlich wirklich nur als Pyjamaoberteil. Exaltierte Fan-Kleidung ist nicht die Sache des Liebsten, das hatte ich schon richtig eingeschätzt. Falls ich trotzdem ein Foto vom Hemdbesitzer im Hemd erhaschen kann, werde ich euch das natürlich nicht vorenthalten!

Schnitt: 140 aus Burda 7/2000
Material: Patchworkstoff aus Baumwolle, ca. 1,60 m (bei 1,10 m Stoffbreite), 6 Knöpfe
Änderungen: 
Rückenpasse mit leicht (1,5 cm) nach vorne verlegter Schulternaht abgeteilt und die Passe doppelt verarbeitet. 
Am Ansatz der Passe im unteren Rückenteil zwei Bewegungsfalten eingebaut. Kragenansatznaht hinten mit Schrägband verdeckt.   
Genähte Größe: 48, Schnitt fällt m. E. eher weit aus

Freitag, 26. August 2016

Burda "Cut and go" - ein Versuch mit Print on Demand in den Neunzigern

Letzte Woche schenkte mir eine Nachbarin einen Stapel alter Burdas aus den Neunzigern. In den Neunzigern nähte ich zwar schon, aber ich hätte damals niemals die spießige Burda mit ihren spießigen Kostümen gekauft. Meine Nähhefte waren die Brigitte-Sonderhefte und ab und zu ein Einzelschnitt.


Das kleinteilige, unübersichtliche Layout wirkt mittlerweile ganz schön angejahrt - das kennt man so heute nur noch von billigen Klatschpostillen. Wenn ich die Schnitte duchschaue, erinnere ich mich wieder sehr gut, warum ich die Burda früher nie kaufen konnte: Im Durchschnitt gefallen mir ein bis zwei Schnitte pro Heft, daneben fallen jede Menge bizarr überambitionierte Modelle mit Schnürungen, Asymmetrien, Rüschen, merkwürdigen Taschen und kleinteiligem Materialmix ins Auge.

Richtig lustig ist auch, das hin- und her der Heftkonzepte zu verfolgen: Mal gab es Maßschnitte zum Bestellen, mal war der Designerschnitt im Heft enthalten, mal musste er für 20 oder 30 Mark extra geordert werden. Über die Kuchenrezepte im aktuellen Heft regte ich mich etwas auf, in der Vergangenheit war es aber noch wesentlich schlimmer: Zwei Kochstrecken pro Heft, meistens ganze Menus.


In Heft 6 von 1995 fand ich schließlich diese revolutionäre Erfindung, die sich, wie wir heute wissen, nicht durchgesetzt hat. Burda cut and go ist keine Friseurladenkette, sondern ein Versuch, den Verkauf von Papierschnittmustern ohne die lästige Lagerhaltung zu organisieren.

Der Prototyp des Geräts stand in der Stoffabteilung der Karstadtfiliale Oberpollinger in München. Es handelt sich anscheinend um einen Plotter, verbunden mit einer Steuerung per Touchscreen. Die Schnittmusterkundin konnte dort einen von sechzig Schnitten auswählen und der Plotter spuckte das frisch gedruckte Schnittmuster in ihrer Konfektionsgröße aus. Was die Cut-and-go-Schnitte kosteten, vor allem im Vergleich zu den abgepackten, gedruckten Einzelschnitten, ist leider nicht überliefert, im Heft ist ein Rabattgutschein über 2 Mark abgedruckt. Kann sich jemand an das Gerät erinnern? Gab es das dann, wie im Artikel angekündigt, auch in anderen Städten? 

Mittwoch, 17. September 2014

Eine Wickelbluse (110 Burda 6/2006) und der erste Me made Mittwoch*) nach der Sommerpause


Der Me made Mittwoch*) ist aus der Sommerpause zurückgekehrt - und mit ihm der Sommer! Zum Auftakt trage ich heute zwei bewährte Schnitte: einen grauen Rock aus einer Leinen-Baumwoll-Mischung (106, Burdastyle 5/2012), den ich schon mal gezeigt hatte und der sich mit seiner Neutralität sehr bewährt hat. Ein sehr beliebtes Modell in der Nähblog-Community: zuletzt sah ich ihn letzte Woche beim Beswingten Fräulein. Ich möchte eure Aufmerksamkeit daher auf die Bluse lenken - 110 aus Burda 6/2006 - eine Wickelbluse mit Kragen, die ganz neu ist, bzw. nicht ganz, denn 2006 hatte ich den Schnitt schon zwei Mal genäht.


Ich habe es nämlich geschafft, meinen Oberteilschwäche - unter Selbermacherinnen anscheinend ein verbreitetes Problem: immer nur Röcke nähen - genauer zu analysieren, zumindest im Hinblick auf Sommeroberteile. Komischerweise sind viele Schnitte für Sommeroberteile so konzipiert, dass sie für gefällige Gesamtproportionen in den Rockbund gesteckt werden müssten. Furchtbar bei wirklich warmem Wetter, weil man dann einen schönen mehrlagigen Stoffwust um die Körpermitte trägt und sich der Blusensaum unter dünnen Sommerröcken abzeichnet. Kein Wunder, dass mir die meisten Oberteilschnitte erst gar nicht gefallen.

Ich dachte also über Oberteile nach, die locker über dem Rockbund getragen werden können und kam auf zwei Lösungsansätze:

1. Schößchenblusen (dieser Lösungsweg wird im nächsten Jahr ausprobiert)
2. die erwähnte Wickelbluse 110 aus Burda 6/2006


Der Wickelblusenschnitt ist dazu noch simpel und recht schnell genäht: die Prinzessnähte im Vorder- und Rückenteil lassen sich gut anpassen, der Kragen besteht aus nur einem Schnittteil, ohne Steg, die Ansatznaht wird mit einem Schrägband versäubert. Die Ärmel haben einfache Ärmelaufschläge, keine Manschetten. Der blaugestreifte Hemdenstoff vom Markt knittert fast nicht und muss nach der Wäsche nur einmal kurz und schlampig überbügelt werden. So mag ich das! 


Das breite, gewickelte und und in der Taille geknotete Band macht Gürtel überflüssig (sehr gut, da ich auch eine Accessoires-Legasthenikerin bin), und durch die zweiteiligen und nicht allzu engen Ärmel ist auch die Bewegungsfähigkeit der Arme gesichert. Also kurzum: für mittelwarmes Wetter wie jetzt die ideale Bekleidung, und ich schließe nicht aus, den Schnitt noch ein paar Male zu nähen - was einer Sensation gleichkäme, da ich kaum jemals einen Schnitt zweimal nähe, geschweige denn drei- oder viermal.

*) Beim Me made Mittwoch geht es darum, selbst gemachte Kleidung zu tragen und dies zu dokumentieren - alle Teilnehmerinnen finden sich heute hier auf dem Me made Mittwoch-Blog.

Mittwoch, 6. November 2013

MeMadeMittwoch*) mit rosa Bluse (101, Burda 3/2007)


Seid ihr ein Blusen- oder ein Tshirttyp? Diese Frage ist ja wohl von ähnlich grundlegender Bedeutung wie die Wahl zwischen Jersey- und Webstoffkleidern. Ich bin phasenweise mal das eine, mal das andere, wobei als „Phase“ ein Zeitraum von mehreren Jahren angesehen werden muss. Und nun fühle ich am Ende einer langen, langen Tshirtphase eine neue Blusenphase heraufdämmern.


Initiiert wurde diese Phase anscheinend von einem Foto in der Berliner Zeitung in der Klatsch-und-Tratsch-Rubrik, auf dem eine dunkelhaarige Schauspielerin eine rosa Bluse mit dunklen Paspeln an Knopfleiste, Kragen und Manschetten trug und wunderschön aussah. Den Namen der Schauspielerin vergaß ich gleich wieder – aber die Bluse! Kennt ihr das, wenn einen plötzlich eine Liebe zu einem Kleidungsstück überfällt, das man irgendwo nur ganz kurz gesehen hat, das man aber unbedingt besitzen möchte? Als ich noch nicht so oft Kleidung nähte, wurde ich immer ganz kribbelig und schließlich unglücklich, denn es ist ja meistens unmöglich, diese Liebe zu verwirklichen. (Es sei denn, man stellt nach der ersten Begegnung fest, dass es sich bei dem ersehnten Objekt um den Verkaufsschlager der Saison bei H&M handelte. Womit die Sache für mich meistens erledigt war. Ich will ja nicht das haben, was alle haben und was leicht zu bekommen ist.)


Seitdem ich regelmäßig nähe, müssen solche Traumkleidungsstücke kein Traum mehr bleiben, ja, ich kann ganz gelassen an die Umsetzung herangehen, weil ich ja weiß, dass nichts mein Traumkleidungsstück und mich trennen kann. Himbeerrosa Blusenstoff hatte ich sogar im Lager, dunkelblaue Paspeln machte ich mir selbst, als paspelgeeigneten Schnitt suchte ich mir die Nummer 101 aus Burda 3/2007 aus, eine Bluse mit Passe und Brustabnähern.


Die richtige Passform, also vor allem die Weite, finde ich bei Blusen nicht so einfach, weil mir komplett die  Erfahrungswerte fehlen, wie viel Mehrweite der Schnitt gegenüber den Körpermaßen haben sollte. Die Knopfleiste darf auf gar keinen Fall aufklaffen - man sieht auf der Straße in der Hinsicht ja manchmal Erstaunliches - , andererseits möchte ich in der Taille nicht so viel Stoff haben.


Mit der Modellwahl hatte ich aber richtig Glück: schmal aber nicht eng, die Ärmel sind auch schmal (Achtung, könnten je nach Arm zu schmal sein), genau so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Und das Blusentraggefühl, der glatte, relativ feste Stoff, der Kragen, das mag ich - das ist der Beginn einer wunderbaren neuen Phase.


Bluse:
101 aus Burda 3/2007
dünner Baumwollstoff (Hemdenstoff) himbeerrosa
selbst gemachte dunkelblaue Paspel
dunkelblaue Knöpfe vom Nähkontor

Rock:
Das Designermodell von Karl Lagerfeld aus Burda 10/2010 - Schnittbesprechung und bessere Bilder hier.

*) Der Me Made Mittwoch ist eine Vernetzungsaktion, bei der es darum geht, selbstgemachte Kleidung zu tragen, dies zu dokumentieren und sich darüber auszutauschen - alle TeilnehmerInnen treffen sich im Me Made Mittwoch-Blog.

Montag, 19. August 2013

Woche 33

 

Es ist jeden Sonntag schön, die Speicherkarte der kleinen Knipskamera zu leeren und nachzuschauen, was ich eigentlich so getrieben habe die ganze Woche. Wenn ich meine Bildersammlung nicht hätte, wüsste ich es oft selbst nicht mehr. Die letzte Woche ging ungeheuer schnell und scheinbar ereignislos vorbei, dabei habe ich

1. Das Ufer des Plötzensees von einem Ruderboot aus betrachtet.

2. Im Birkenwäldchen des Mauerparks die Ausstellung der Fotogruppe "Blauen Laterne" angeschaut.

3. Am Neuköllner Schifffahrtskanal ein Turmspringer-paste-up gefunden.

Und ein paar Linkempfehlungen habe ich auch:

Das Herbstheft der Ottobre (5/2013), das immer Schnittmuster für Damen enthält, erscheint Anfang September. Das Titelbild und ein paar Seiten aus dem Heft (werden durch Anklicken ein wenig größer) sind hier im Ottobre-Fanblog schon zu sehen. Die Mini-Vorschau begeistert mich jetzt noch nicht, aber das war ja auch noch nicht alles. 

Und noch ein Herbstheft: Burda Easy richtet sich nicht so sehr an absolute Nähanfänger (auch wenn die Anleitungen schön ausführlich mit Bildern sind), sondern eher an jüngere Leserinnen. Einen ersten Blick auf die Modelle gibt es hier. Sehr interessant zum Beispiel diese Kreuzung aus Blazer und Cape - oder sind das zwei separate Teile? Mitte September wissen wir mehr.

4. Und noch eine gute Nachricht: Das Nähkontor, der tolle Kurzwarenladen in der Bötzowstraße, hat endlich einen Onlineshop: Naehkontor.de. Das ist nicht nur gut, weil jetzt das gesamte Bundesgebiet mit Kugelknöpfen versorgt werden kann, sondern auch, weil Nina und Elke monatelang Knöpfe fotografiert, Knöpfe gezählt, Knöpfe ausgemessen haben, sich Namen für Borten ausdachten, dabei noch das Ladengeschäft offen war und sie bei all dem tatsächlich nicht verrückt geworden sind. Es ist noch längst nicht alles im Onlineshop einsortiert, was im Laden vorhanden ist, es wird nach und nach immer mehr dazukommen. Schon jetzt gibt es aber zum Beispiel tolles Baumwoll-Gurtband in vielen verschiedenen Farben und sehr günstige nahtverdeckte Reißverschlüsse. Ach ja, und noch bis zum 22. August 10% Rabatt auf die Bestellung. Herzlichen Glückwunsch zu diesem großen Schritt und viel Erfolg damit!  

Dienstag, 21. Mai 2013

Das Himmelfahrtskleid: die B-Premiere


Lieber spät als nie, nicht wahr? Und so reihe ich mich heute in die Reihe der Finalistinnen des Himmelfahrtskommando-B-Finales ein, die bei Alex gesammelt werden. Pfingstsonntag, am einzigen warmen Tag des langen Pfingstwochenendes, durfte das Kleid auch schon raus an den Müggelsee und erwies sich als bequem und weitgehend knitterfrei - ja. ich glaube wir können Freunde werden, das Kleid und ich.


Zwischen meinem Fotografen und mir treten bei solchen Gelegenheiten oft leichte Differenzen auf, wie ein "gutes" Kleidfoto auszusehen hat. Der Fotograf wäre erst mit einem Foto "mit Spannung" zufrieden, was aber bei diesem Sujet - Lucy trägt ein Kleid - nicht erreicht werden kann, es sei denn, man fügt einige Löwen, Tiger oder Krokodile hinzu. Alternativ könnte ich auch "etwas tun", zum Beispiel einen Hundwelpen kraulen. Das musste am Sonntag mangels verfügbarer Hundewelpen auch ausfallen, Eis gabs auch nicht, daher stehe ich einfach nur unmotiviert in der Gegend herum.


Mein Wunsch ist immer "ein Foto, auf dem man das Kleid gut erkennt". Dabei kam das obige Bild heraus. Nunja. Immerhin sieht man, dass die Passform prima ist, sogar im Schulterbereich. Ich führe das auf auf eine Besonderheit des Schnittes 108 aus Burda 6/2008 zurück, die man hier auf der Schnittzeichnung gut erkennen kann: Das Oberteil hat sogenannte Minusschultern, das heißt die Schulternaht endet deutlich vor dem Schulterpunkt. Für meine Figur bedeutet das offenbar, dass die Schultern endlich einmal nicht zu breit sind.


Die Ärmel fasste ich mit einem einfarbigen blau-grauen Stoff ein, der auch für die extra eingebaute Nahttasche links herhalten musste.Die obere Kante des Taschenbeutels ist in dem aufgesteppten Tunnel für das Gummiband mitgefasst.


Neben der Verlängerung des Oberteils um 2 cm zwischen Armausschnitt und Taille - eine Standardänderung bei mir - verschmälerte ich die angeschnittene Knopfleiste auf 2 cm. Die vorgesehenen 3 cm Breite erschienen mir zu wuchtig im Verhältnis zum Kragen und zu den Knöpfen. 


Also: Mission Sommerkleid erfüllt! Ohne die Himmelfahrtskommandoaktion von MamamachtSachen und 81GradNord wäre ich noch lange nicht so weit gekommen. Vielen Dank nochmal für den Anstoß und die Organisation! Die Teilnehmerinnen der B-Premiere findet ihr heute hier.

Donnerstag, 16. Mai 2013

Woche 19


Eine neue Woche, wir reiben uns die Augen und stellen fest: unsere Ecke des Internets steht ja immer noch! Obwohl es zwischenzeitlich nicht danach aussah. Es hält doch einiges aus, dieses Netz. Ein weiterer Grund zur Freude: Mein Leipzig-Kurztrip gestern war nicht nur erfolgreich (ich zitiere: "Ich lese ihre Texte sehr gerne, Frau D.!") sondern auch weniger strapaziös, weil insgesamt kürzer. Ich fuhr eine Strecke mit dem Bus, das reduzierte die Außer-Haus-Zeit um zwei Stunden, weshalb ich heute nicht das Gefühl habe, dringend einen freien Tag zu brauchen. Aber auch das seit kurzem schöne Wetter beflügelt, und ich freue mich schon aufs Flanieren am Pfingstwochenende.

1. Flanieren im neuen Kleid. Das Himmelfahrtskleid wurde am Wochenende fertig. Mal sehen, ob ich für die B-Premiere am Pfingstmontag Fotos und eine Schnittbesprechung liefern kann.  

2. Wachsen auf dem Balkon. Den Stadtgarten muss ich diese Saison auch endlich einmal dokumentieren, ich bin nämlich immer noch dabei herauszufinden, was als Balkonbepflanzung auf der der guerillabegärtnerten Baumscheibe gut wächst. Die Balkontomaten vom letzten Jahr brachten zwar riesige, für zwei Quadratmeter etwas zu raumgreifende Büsche hervor, aber wenig Tomaten. Deshalb schaffte ich nun eine Gurke an, die sich am Balkongeländer entlangranken soll.    

3. Burda kreativ für euch. Das aktuelle Heft mit allerlei Näh-, Bastel- und Häkelanleitungen für sommerliche Deko, Taschen, Schürzen, Topflappen flog mir vor ein paar Tagen zu, und da ich nicht so die Dekonäherin bin und einige Anleitungen schon aus der normalen Burda kenne, verschenke ich es lieber gleich weiter, ehe es hier Staub ansetzt. Bitte meldet euch in den Kommentaren, falls ihr das Heft bekommen möchtet (und falls ihr eine deutsche Adresse habt, an die ich es schicken kann). Bis Montag früh, dann lose ich, falls es mehr als eine Interessentin gibt.

4. Paste up in Mitte, Linienstraße.

Montag, 6. Mai 2013

Himmelfahrtskommando IV: Flexible Response


Den letzten Termin des Himmelfahrtskommando-Sewalongs von Alex - MamamachtSachen und Steffi - 81GradNord musste ich auslassen, ich bin aber nach wie vor an Bord. Zugegebenermaßen machte ich erst am Samstag Vormittag den ersten Schnitt in den Stoff - aber da ja der Mantel immer noch nicht richtig fertig war, wollte ich mit dem Kleid nicht eher anfangen. In unserem militärischen Kontext hier nennt man sowas Zweifrontenkrieg, und dass der nicht zu gewinnen ist, wissen wir ja aus der Geschichte.

Mit dem Kleid (Nummer 108 aus Burda 6/2008) kam ich am Wochenende gut voran. Besonders förderlich: die Vorarbeiten konnten auf dem Balkon erledigt werden. Ich nahm mir ein Beispiel an der Gewinnerin des Great British Sewing Bee (natürlich bin ich von dieser BBC-Serie ebenso hingerissen wie alle anderen) und markierte die Nahtlinien mit Heftfaden, weil Kreide und Seife auf dem Stoff kaum zu erkennen waren. Tatsächlich zahlte sich das aus, denn ich kann mir nicht erinnern, einen Schnitt in letzter Zeit so problemlos zusammengefügt zu haben. Das Nähen an der Maschine war wirklich nur noch ein Klacks.

Samstag und Sonntag werkelte ich vor mich hin, zum ersten Mal seit langem - ich glaube seit dem letzten Nähkränzchen - jeweils ein paar Stunden ganz ungestört, und ich merkte mal wieder, wie sehr mir das Nähen an sich gefällt. Es ist nicht nur der Faktor des Könnens, dass ich mir im Prinzip die Kleider genau so herstellen kann, wie ich sie gerne hätte, wie es Catherine neulich so gut formuliert hatte. Das ist ein Faktor, aber auch die Tätigkeit an sich, das nerdige Vor-sich-hinwerkeln macht mir Freude. Ich spreche mit mir, mit meiner Nähmaschine, laufe murmelnd durch die Wohnung, und werde später bestimmt eine verschrobene alte Tante. Aber eine gut angezogene verschrobene alte Tante! (Und ich finde es verblüffend, wie sehr man doch immer, immer dieselbe bleibt - schon als Kind konnte ich stundenlang so vor mich hinbasteln.)   

Aber zurück zum Kleid. Weil das Nähen so gut flutschte (bis auf die Stelle, als ich den Kragen annähte und der Unterfaden alle war - ich liebe das ja, da hat frau so eine kniffelige Partie mühsam gesteckt, näht drüber und zieht dabei alle Stecknadeln heraus - und hat dann die Teile doch wieder lose in der Hand), also: weil das Nähen so gut flutschte, sind die Restarbeiten überschaubar:
  • inneren Kragensteg einschlagen und per Hand festnähen
  • Falten am Ärmelsaum einlegen und Ärmelsäume mit Stoffstreifen einfassen
  • Knopflöcher und Knöpfe
  • Saum 
  • eventuell Gummiband in den Tunnel einziehen 
Die Passform ist, soweit ich das jetzt beurteilen kann, gut, aber nicht ganz so, wie erwartet. Erst einmal verlängerte ich das Oberteil gleich am Schnittmuster um 2cm. Das ist Standard bei mir, ich habe eine langen Oberkörper, ziemlich viel Oberweite und hasse nichts so sehr wie das Gefühl, dass die Taille für mich einen Tick zu hoch sitzt. Bei diesem Schnitt ersetzen Falten in Vorder- und Rückenteil die Abnäher, außerdem gibt es einen Tunnel mit einem Gummizug, der 4cm über der natürlichen Taille liegen soll. Mit meiner Änderung kommt das gut hin, der Tunnel sitzt über der Taille und klemmt mir nicht unter den Achseln, aber viel Stoff, der gerafft werden könnte, ist da nicht. Ohne Gummizug sitzt es eigentlich genau so, wie ein Kleid sitzen sollte.

Recht merkwürdig - die Taille ist ja definitionsgemäß die dünnste Stelle, und darüber werde ich nun mal breiter, aber offenbar schneller, als das die Standardmaßtabelle vorsieht. Da auch die Rezensentinnen bei pattern review fast alle auf das Gummiband verzichteten, bin ich geneigt, die Ursache auch ein klein wenig beim Schnitt zu suchen. Wie die relativ üppig gekräuselte Taillierung auf dem Burda-Foto unten (Modell 107 - Bluse nach dem gleichen Schnitt wie das Kleid) zustande kommt, ist mir jedenfalls ein Rätsel. Davon abgesehen ist der innen aufgesteppte Tunnelzug aber prima geeignet, um den Taschenbeutel am Platz zu halten.  

Bis Donnerstag wird das Kleid ganz sicher nicht fertig, weil ich erst am Donnerstag wieder Nähzeit habe - ganz im Gegensatz zu den vielen anderen Sewalong-Teilnehmerinnen, die diesmal bei Alex gesammelt werden, und die ihre Projekte teilweise schon fertig haben. Aber das wird, spätestens am Wochenende!

Freitag, 15. März 2013

Welche Schnittmuster gibt es? Eine Übersicht

In letzter Zeit habe ich häufig mit Nähanfängerinnen zu tun - der Handarbeitszug hat in meiner Umgebung mächtig Fahrt aufgenommen und immer mehr springen auf – und werde häufig über Schnittmuster und Schnittmusterzeitschriften ausgefragt. Wo findet man Schnittmuster, die man auch als Nähanfänger versteht? Welche Größen gibt es da so? Gibt es eigentlich noch etwas anderes als Burda?  Das sind so die Fragen, wenn frau zum ersten Mal Kleider für sich selbst nähen will. Da sich das alles weder schnell noch pauschal beantworten lässt und ich derzeit wenig zum Nähen komme, dachte ich, ich mache eine kleine Serie im Blog daraus.

Heute: aktuelle Schnittmusterhefte


Vorweg: ich bin ja eine große Freundin von Schnittmusterheften. Für wenig Geld bekommt man einen Haufen Schnitte, und selbst wenn mir in einem Heft zuerst nur ein einziges Schnittmuster gefällt, kommt der Rest oft noch Jahre später zum Einsatz - Schnittmuster werden ja nicht schlecht. Schnittmusterhefte kommen damit meinem Spar-Gen und meinem Hamster-Gen entgegen. Es ist auch toll, bei spontanen Nähideen einfach aus einen großen Schnittfundus schöpfen zu können. Da jede Zeitschrift von einer eigenen Maßtabelle und von einem eigenen Grundschnitt ausgeht, lohnt es sich, Schnitte aus verschiedenen Quellen auszuprobieren, um den Hersteller herauszufinden, dessen Schnittmuster am besten zur eigenen Figur passen.

Die Burda-Familie


Über Burda wird in der Näh-Community ja gerne gelästert, und was einige stilistische Marotten der Zeitschrift betrifft – die häufig einfältigen Texte, die denglischen Begriffe, die seltsamen Bastelvorschläge, von der Hüh- und Hott-Internetstrategie ganz zu schweigen – stimme ich gerne in die Lästereien ein. Die Schnitte aber, die Schnitte sind grundsätzlich nicht verkehrt: sorgfältig erstellt, verlässlich, und mittlerweile bedienen sie auch viele verschiedene Stilrichtungen, nicht nur konsverativ-elegante Empfangssekretärinnen mit einem Faible für kragenlose Chaneljacken-Klone.

 

Burdastyle


Das monatlich erscheinende Hauptheft von Burda. Für 5,50€ bekommt man ca. 40 Schnitte mit Abwandlungen, davon meistens einen in den Kurzgrößen 17-21, einen in den Langgrößen 72-88 und etwa 6 bis 8 Schnitte in den Größen 44-52. Die Standard-Maßtabelle geht von einer Körpergröße von 168cm aus. Viele der Normalgrößenschnitte gehen bis Größe 44, hierbei muss man beachten, dass die Normalgrößen-44 bei Burda nicht ganz mit der Plusgrößen-44 identisch ist. Die Plusgrößen gehen von einem anderen, etwas anders proportionierten Grundschnitt aus, während die Normalgrößen-44 aus einer kleineren Größe hochgradiert wurde.

Die Schnittbögen sind mittelmäßig unübersichtlich, die Anleitungen größtenteils knapp, bis auf zwei Ausnahmen: Im Heft gibt es jeweils eine anfängertaugliche Schritt-für-Schritt-Anleitung mit vielen Zeichnungen für eines der einfachen Modelle, und im Anleitungsheft eine ähnliche Bildanleitung für eines der komplexeren Schnittmuster. 

Easy Fashion


Ein Sonderheft für die jüngere Zielgruppe, Easy Fashion erscheint zwei Mal im Jahr, im März und im September. „Easy“ bedeutet nicht, dass die Schnittmuster besonders einfach zu nähen wären – es gibt wie in den normalen Heften Einfaches und Komplizierteres, auch mal Jacken mit Paspeltaschen, Futter und Reverskragen.

Dabei ist aber der Schnittbogen der Easy Fashion besonders übersichtlich, die Schnittteile können in der benötigten Größe direkt ausgeschnitten werden, und zu jedem Schnitt gibt es eine ganz ausführliche Anleitung mit Bildern. Damit kommen Nähanfängerinnen auf jeden Fall zurecht, und mit der Bildanleitung für die aufwendigen Stücke kann man sich als halbwegs talentierter Anfänger auch an etwas schwierigere Teile wagen. Mit so einer Bildanleitung nähte ich vor Urzeiten als erstes "richtiges" Nähprojekt eine Bluse mit allen Schikanen - Manschetten, Ärmelschlitz, Hemdkragen, Knopfleiste - weil ich gar nicht wusste, wie schwierig das ist. Die Hefte enthalten ca. 10 modische Schnitte mit Abwandlungen, meistens in den Größen 34 - 44, Easy Fashion kostete zuletzt 7,50€.

Burda Plus


Sonderheft für große Größen (44-52), erscheint zweimal jährlich (frühes Frühjahr/Herbst). Das Konzept der Burda Plus hat sich in letzter Zeit ein paar Mal geändert: während im letzten Jahr die Schnitte in großen Größen aus den Burdastyle-Monatsheften in den Sonderheften nur noch einmal recycelt wurden, gibt es im aktuellen Heft vom Januar 2013 nun fast 30 ganz neue Schnittmuster.

Ottobre Woman


Eigentlich eine finnische Schnittmusterzeitschrift für Kindersachen, aber zweimal im Jahr (März und September) kommt Ottobre als "Ottobre Woman" mit Erwachsenenkleidung heraus. Die Schnittmuster sind in der Art einer Grundgarderobe aufeinander abgestimmt: alles passt zu allem, und es gibt auch mal Schnitte für Sportklamotten, Unterwäsche oder einen Badeanzug. Pro Heft sind das etwa 20 Schnitte in den Größen 34-52 , ausgehend von einer Körpergröße von 1,68 m. 

Die Anleitungen sind knapp, manchmal etwas holprig übersetzt und daher nicht unbedingt für Anfänger geeignet, auch wenn in jedem Heft nähtechnisch einfache Teile dabei sind. Die Schnittbögen sind trotz Mehrfarbigkeit nicht gerade übersichtlich, die Anleitungen haben keinen Schnittauflageplan, also kein Schema, wie man die Schnittteile beim Zuschneiden möglichst stoffsparend auf dem Stoff anordnet. Für erste Kleidungsnähversuche würde ich Ottobre daher nicht empfehlen, wenn man keine erfahrenere Nähfreundin dabei hat, die helfen kann.

Das Heft kostete zuletzt 8,50€, in meiner Stadt gibt’s die Ottobre z. B. in großen Supermärkten und am Bahnhof.

Eine Spezialität der Ottobre ist das „Framilonband“, das gefühlt für fast jedes Modell als Nähzutat angegeben wird. Es handelt sich um ein transparentes Gummiband, das Ottobre z. B. verwendet, um Schnittteile einzukräuseln – also für Nähvorgänge, die genauso gut ohne Spezialkurzware zu bewältigen wären. Ob Ottobre mit den Herstellern des Framilonbands unter einer Decke steckt oder ob die Zeitschrift durch den Framilonband-Verkauf quersubventioniert wird, ist mir leider nicht bekannt, ich bin aber für jedes Gerücht offen.

Meine Nähmode


Meine Nähmode erscheint vier Mal im Jahr, in den Heften werden ältere Schnittmuster des amerikanischen Herstellers Simplicity abgedruckt. Dabei gehen ab und zu Abnäher verloren, und da im Heft nicht so viel Platz ist, werden aus Einzelgrößen oft Doppelgrößen. Die Fotos und die ganze Aufmachung sind schrecklich altbacken (wie die Schnittmusterumschläge von Simplicity eben), aber wenn man darüber hinwegsehen kann, indem man am besten nur die Schnittzeichnungen anguckt, findet man für 5,50€ viele brauchbare Schnittmuster in den Größen 34 – 54. Die Anleitungen sind recht ausführlich mit vielen Zeichnungen, genauso wie bei den Simplicity-Einzelschnitten, also anfängertauglich. Die Zeitschrift steht im Laden meistens in Gesellschaft der billigen Häkel- und Strickheftchen im Regal.

Cut


Erscheint zwei Mal im Jahr, wobei die Termine wechseln. Bisher enthielten die Hefte jeweils 3 Schnitte, davon immer einer Tasche und zwei Kleidungsstücke. Den Berlinmitte-Hipsterstil von Cut muss man mögen, davon abgesehen wird das Nähen aber sehr gut erklärt. Die Fotoanleitungen sind sehr deutlich und setzen kaum Nähwissen voraus, alle Schnittteile sind zum Ausschneiden auf dem Bogen und die Schnitte stellen keine großen Ansprüche an die Passform, also ideal, wenn man mit dem Nähen beginnt. Das letzte Heft (Nummer 8) vom Dezember 2012 für 9,50€ ist noch im Handel, wann das nächste Heft herauskommt, erfährt man wohl am besten, wenn man die Cut-Webseite im Auge behält. Cut gibt es vor allen in schicken Buch- und Zeitschriftenläden, Stoff- und Schnickschnackläden, eine Liste der Verkaufsstellen findet sich ebenfalls auf der Webseite.  

Nächste Folgen: Fremdsprachige Schnittmusterhefte, Vintage-Schnittmusterhefte, Einzelschnitte

Donnerstag, 21. Februar 2013

Parka oder Trench?

Ich brauche eine praktische Jacke. Wer mich im richtigen Leben kennt, weiß, dass ich nicht der Typ für praktische Jacken bin: Ich zelte nicht, ich mache keine ausgedehnten Wanderungen in der Wildnis, ich besitze weder richtige Turnschuhe noch Wanderschuhe und eben auch keine dieser hochtechnischen, superpraktischen, wind- und wasserdichten, atmungsaktiven und mit zahlreichen weiteren unverzeichtbaren Attributen (und tausend Taschen!) ausgestatteten Jacken. Lacht ruhig! Aber ich wohne nunmal in der Stadt, gegen Dauerregen gibt es Regenschirme, richtig starker Wind oder andere Wetterextreme kommen nur selten vor - warum also praktische Jacken tragen, wenn man nicht muss?

Nur ein einziges Mal vermisste ich in den letzten Jahren eine praktische Jacke, das war im Oktober an der Ostsee - da trug ich dann notgedrungen eine billige und hässliche rote Regenjacke und knisterte wie eine alte Plastiktüte. Seitdem hatte ich den Plan im Hinterkopf, mir doch einmal eine schöne und praktische Jacke oder einen Regenmantel oder sowas zu nähen (und, zugegeben, wenn man häufig in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, kann man eine abwaschbare Jacke auch gut gebrauchen). 3,60 m einer dunkelkhakigrauen, wasserabweisenden Polyester-Baumwollmischung mit feinen hellen Streifen (die sich nur als Bildstörung fotografieren lässt) habe ich noch viel länger im Fundus.

Ich schwanke zwischen zwei Schnitten:      

Einmal dem Parka 129 aus Burdastyle 9/2012, den sich Andrea - lyaundich aus einem tollen roten Wollstoff beim Wintermantel-Sewalong genäht hatte.

Vorteile: die großen Taschen und die Kapuze. Außerdem mag ich die Taillierung und den geteilten Rücken mit Schlitz - anders als die meisten anderen Parkaschnittmuster sieht dieses hier nicht nach einem Sack mit Ärmeln aus. Außerdem reizt es mich, den Schnitt zu nähen, weil er einfach mal etwas ganz anderes ist, als das, was ich sonst nähe und trage. Einen passenden gemusterten Jersey für das Futter hätte ich auch.

Nachteile: Parkas waren in Berlin diesen Winter die beliebteste Bekleidung bei Menschen zwischen 15 und 35. Wie ich den Laden hier kenne, werden sich Parkas im nächsten Herbst und Winter in allen anderen Altersgruppen ebenso verbreiten. Auch wenn die Schnittdetails (siehe oben) diesen Parka ein wenig vom Durchschnitt abheben, nähe ich ja nicht, um am Ende das zu haben, was alle haben.
Stoffverbrauch: Das Schnittmuster verlangt 4,50 m Stoff - es könnte extrem sportlich werden, den Zuschnitt aus 3,60 m herauszuquetschen.  

 

Zum zweiten den Trenchcoat 118 aus Burdastyle 12/2011. Von vorne ganz schlicht und schmal, im Rückenteil gibt es eine große Kellerfalte, die sich zum Saum hin verbreitert.

Vorteile: Der Schnitt ist zeitlos, ich müsste mir keine Gedanken darüber machen, ob ich im derzeitigen Mode-Mainstream mitschwimme. Der Stoff reicht auf jeden Fall. Innen hat der Mantel ein Teilfutter, die sichtbaren Nahtzugaben werden mit Schrägband eingefasst - dort könnte ich mich mit ein bißchen Farbe austoben.

Nachteile: Ist das noch Fußball? Ist das noch eine praktische Jacke? Ich habe den Verdacht, dass ich mit dieser Schnittwahl wieder fast unmerklich auf ausgefahrene Gleise einschwenke. Wie ich schon sagte: ich bin nicht der Typ für praktische Jacken! Aber ist das schlimm?

Bis zum Wochenende hätte ich mich gerne entschieden. Plant ihr auch gerade Frühlingsjacken?

Montag, 18. Februar 2013

Ufo-Angriff, die letzte: wenigstens eins erlegt


Die vereinten Ufo-Bekämpferinnen treffen sich heute zum letzten Mal bei Miss Margerite. Ich fühle mich semi-erfolgreich: letztlich habe ich nur ein einziges Teil von der ursprünglichen Liste fertiggestellt, aber eines ist besser als keines, nicht wahr? Und das gilt noch viel mehr, da es sich ja nicht um ein Teil handelte, dass man mal eben an einem Nachmittag zusammentackert.

Mit dem Blazer bin ich nun so leidlich zufrieden - ich hatte mir ja vorgenommen, nicht mehr so viel an meinen Sachen herumzukritteln. Dass sich die Naht des rechten Ärmels etwas nach vorne dreht, übersehe ich deshalb einfach. Beim Nähen lernt man ja nie aus, es gibt so viele Möglichkeiten der Verarbeitung, die alle zum Ziel führen, jedes Material verhält sich anders, jeder Schnitt hat seine Besonderheiten - ich werde noch viele Blazer nähen und viel ausprobieren, ehe ich mich auf diesem Gebiet als Könnerin betrachten kann. Aber das ist völlig in Ordnung, denn dieser Lernprozess macht für mich das Hobby aus. Wo wäre denn da die Herausforderung, wenn sich alles einfach so runternähen ließe? Dass ich es mag, herausfordernde Dinge zu nähen, selbst wenn es länger dauert, habe ich bei diesem Projekt auch wieder gemerkt. Deshalb steht als nächstes herausforderndes Vorhaben auch eine Frühlingsjacke oder ein Frühlingsmantel auf der mentalen Liste.


Demnächst gibt es dann auch noch ein Bild mit Blazer und mir - so traurig auf dem Bügel hängend und bei den derzeitigen Lichtverhältnissen sieht der wirklich "nach nichts aus", wie man früher bei uns immer sagte. Beim Futter habe ich mich diesmal nicht großartig ausgetobt: es ist einfach neutral schwarz. Die grau-schwarzen Knöpfe sind schon älter und stammen aus dem Fundus. Der Blazerschnitt war die Nummer 110 aus Heft 8/2005, unverändert bis auf ein paar kleinere Passformänderungen.

Wie ist es wohl den anderen Ufo-Jägerinnen ergangen? Hier bei Miss Margerite sind sie versammelt

Montag, 11. Februar 2013

Ufo-Angriff 4 - Zwischenstand: die Hoffnung stirbt zuletzt und einige Gedanken über Passform und Selbernähen

Ich habe noch nicht aufgegeben. Nachdem der Angriff virenförmiger intergalaktischer Sturmtruppen auf mein Immunsystem (ich sprach an dieser Stelle schon fünf- bis zehnmal davon) mich die letzten zwei Wochen außer Gefecht gesetzt hatte (oh, eine Kriegsmetapher, tss), gibt es nun Fortschritte in Sachen Blazer zu vermelden.


Beim Einsetzen der Ärmel waren die Anleitungen von Lucia ungeheuer hilfreich, die sie anlässlich des Wintermantel-Sewalongs gemacht hatte: Armloch anpassen, das rückwärtige Armloch mit einem Schrägstreifen einhalten, den Vorderärmel stabilisieren. Das Verschmälern der Schultern um gut 1cm beseitigte wundersamerweise auch Falten über der Brust. Dennoch war ich Samstag Nacht nicht so hundertprozentig von der Passform überzeugt. Oder genauer gesagt, ich schwankte zwischen: entweder werfe ich es jetzt weg oder ich trenne alles nochmal auf und fange mit der Anpassung noch einmal ganz von vorne an.

Glücklicherweise gab ich keinem der beiden Impulse nach, sondern ging erstmal schlafen. Und Sonntag entdeckte ich die Geheimwaffe, die in meinem Schrank hing. Ich zog nämlich einen gekauften schwarzen Cordblazer an, einfach um mal zu sehen, wie so ein Blazer eigentlich richtig sitzen muss. Ich war vollkommen überzeugt, die Jacke werde prima passen, schließlich hatte ich sie im Geschäft anprobiert, ausgewählt und jahrelang zufrieden getragen. Aber jetzt war etwas anders. 
Um mit Sherlock Holmes zu sprechen: "Watson, Sie sehen, aber Sie beobachten nicht!" 

Ich war Watson. Wie hatte mir so lange entgehen können, dass die Schultern des Kaufblazers zu breit waren? Wie hatte ich die Falten von der Schulter zur Brust ignorieren können? Und die Tatsache, dass ich die Jacke über der Brust nur mit Mühe zuknöpfen konnte? Das Ding war ein einziger geballter Passformmangel, und das hatte ich jahrelang nicht erkannt. Aber mein halbfertiger, selbstgenähter Blazer hatte mir die Augen geöffnet.

Und damit brachte mich der Vergleich mit dem Kaufblazer wieder zurück auf den Boden der Tatsachen: Eine Maßschneiderin mit zehn Jahren Berufserfahrung könnte eine Jacke sehr wahrscheinlich noch sehr viel besser an meinen Körperbau anpassen. Aber ist es vernünftig, diesen Maßstab aufs Selbernähen anzuwenden? - Nein! Wir Hobbynäherinnen (das überlegte ich mir, während ich auf dem Boden herumkroch, um das Futter zuzuschneiden), haben es ja in vielerlei Hinsicht viel schwerer als Nähprofis: wir haben keine systematische Ausbildung. Es fehlt uns oft an technischen Voraussetzungen - ich sage nur Zuschneidetisch, Bügelanlage, Nähzimmer. Wir nähen in kurzen Etappen, mitten in der Nacht oder mit eineinhalb Augen bei quengelnden Kindern, oder irgendwann zwischendurch. Und wenn wir unter den Bedingungen Sachen produzieren, die locker mit jedem gekauften Teil konkurrieren können, können wir doch stolz auf uns sein, oder?

Eim zweiter Aspekt an der Sache ist ja auch noch, dass zu viel Anpassen auch nicht gut ist. Man steigert sich so in den Wunsch hinein, alle Falten zu eliminieren und findet dabei kein Ende, so dass das Ergebnis letztlich weder schmeichelhaft noch bequem ist. Im englischen gibt es für diesen Vorgang den Begriff "overfitting". Die deutsche Sprache lässt uns trotz ihrer Wortzusammensetzmöglichkeiten hier im Stich, und auch in der deutschen Näh-Literatur kommt das Phänomen meines Wissens nicht vor. Oder kennt jemand eine deutsche Bezeichnung? Wenn ich hier von "Überanpassung" spräche, dächte man wohl eher an ein sozialpsychologisches Problem, nicht an zu stark angepasste Kleidung.

Aber wie auch immer: das Bewusstmachen meiner begrenzten Möglichkeiten und Fähigkeiten, der Vergleich mit einem ganz passablen Kaufteil und das Wissen, dass Kleidungsstücke auch zu gut passen können, nämlich so gut, dass man sich in ihnen nicht mehr bewegen kann, führten dazu, dass ich meine eigenen Nähversuche zunächst einmal mit mehr Nachsicht betrachte. Das schließt ja nicht aus, dass man dazulernen und bei jedem Teil ein bißchen besser werden kann - aber Perfektion sollte nicht der Maßstab sein. Mit meiner neu erworbenen Lockerheit bin ich jedenfalls ganz optimistisch, dass ich bis zum Ufo-Finale am nächsten Montag das Futter in den Blazer nähen kann. Den aktuellen Zwischenstand der tapferen Ufo-Bekämpferinnen sammelt heute wie jeden Montag die furchtlose Miss Margerite.