Samstag, 3. August 2013

Woche 31


1. Eine Woche zum Durchschnaufen vor der nächsten Hitzewelle.

2. Sich über ein ganz besonderes Schnittmuster freuen.

3. Eine gegrillte Makrele essen - im Fisch-Kebab-Haus in der Sonnenallee 21.

4. Auch mal zu spät kommen: das Paste-up von Peter Pink sah mal so aus - ich fotografierte es als typisches Neuköllner Gesamtkunstwerk, in das sogar eine abgestellte Matratze von einem Sprayer in die Komposition eingebunden wurde. (Und schaut euch unbedingt auf Peter Pinks Webseite die Kartoffel-Installationen an!)

5. Mal was aus alten Jeans nähen? Meine Bekannte Carola hätte 5 Kilo Jeans gegen Porto zu verschenken - wie sie mir schrieb handelt es sich um "Jeans in allen möglichen Blau- und Schwarztönen und Strukturen, die unbedingt weg sollen. Die Jeans sind sauber gewaschen, aus einem trockenen Raum und Nichtraucherhaushalt, aber mit Katze!! Alle sind irgendwie kaputt - meistens am Hinterteil/Sitzfläche durchgerubbelt oder am Saum durchgescheuert." Aus dem Stoff könnten Refashionistas aber noch eine Menge nähen - daher fand sie Carola für die Altkleidersammlung zu schade (und man weiß ja sowieso nicht, ob es sinnvoll ist, Kleidung in diese Container zu werfen.) Wer Interesse hat, meldet sich bitte bei Carola per Mail unter cf ÄTT abf1 PUNKT de. (ÄTT ist in der Mailadresse durch @ zu ersetzen, PUNKT durch .) Nicht schüchtern sein - Carola ist froh, wenn sie die Jeans an jemanden loswird, der daraus noch etwas machen kann. 

6. Vorfreude auskosten: Die Vorschau auf die Modelle der September-Burda voller Herbstsachen und Mäntel und weißer Blusen ist da! Und - das wurde ja schon gemunkelt - Stoff&Stil eröffnet in (naja: bei) Hamburg sein erstes Ladengeschäft in Deutschland. Am 29. August ist Eröffnung in Halstenbek (via @FrauCrafteln). Fun Fact: ich verbrachte den Jahreswechsel 2000/2001 mit Freunden, wir waren im Haus der Eltern eines der Freunde einquartiert - "in Hamburg", wie es vor der Reise hieß. Das Haus war dann letztlich in Rellingen-Krupunder und damit in fußläufiger Entfernung zu der neuen Stoff&Stil-Filiale.) Nächstes Jahr soll es wohl eine zweite Filiale in Berlin geben - ich bete jetzt schon, dass sie sich nicht Kleinmachnow oder Henningsdorf  aussuchen.

Donnerstag, 1. August 2013

Nähen, um sich selbst mehr zu mögen


Ich saß heute ein bißchen kopfschmerzig und verquollen am Schreibtisch und brachte nichts rechtes zustande (die U-Bahn-Baustelle vor der Tür war auch nicht hilfreich), aber ich las die aktuelle Näh-Kolumne von Karen Ball im Netzauftritt des Guardian: "Can sewing change your body image?" (Btw, so eine regelmäßige Kolumne übers Nähen, Stricken oder wenigstens übers Selbermachen im Allgemeinen wünsche mir ja auch in deutschen Tageszeitungen! Dass Handarbeiten und DIY nun "wieder im Trend ist" wurde ja mittlerweile in allen Medien rauf und runter festgestellt, jetzt wäre es an der Zeit, diesem Trend, der alles andere als kurzlebig ist, einen festen Platz im Blatt oder im Webauftritt einzuräumen.)   

Aber zurück zu Karen Ball. Sie schreibt über die befreiende Erfahrung, sich beim Selbernähen von herkömmlichen Kleidergrüßen abkoppeln zu können. "Here's the big, liberating secret about making clothes with a needle and thread: you lose any ability to judge yourself by an accepted set of measurements." Während ihr Kaufmode, die nicht passte, ihr das Gefühl des Ausgeschlossenseins vermittelte, lernte sie durch das Nähen, ihren Körper und seine Abweichungen von Idealmaßen differenzierter und sachlicher zu betrachten. Das Maßband sei ein Werkzeug, das sie brauche, um die richtige Schnittmustergröße zu ermitteln, aber die Zahlen darauf implizierten keine Wertung, anders als eine Kleidergröße einer bestimmten Marke.

So habe ich das auch erlebt. Ich konnte mir früher noch so rational sagen, dass eine Kleidergröße nichts anderes als eine willkürlich gesetzte Zahl ist - ein Besuch bei Zara und die Erkenntnis, dass ich dort nur ganz knapp (und manchmal gar nicht) in Größe L hineinpasse, fühlte sich wie eine Niederlage an. Vor ein paar Wochen las ich mit Sympathie und manchmal auch mit  Bestürzung die Artikel, die bei der #waagnis-Aktion in vielen Blogs veröffentlicht wurden. Wahrscheinlich habt ihr die Debatte ja auch verfolgt: angestoßen durch einen Artikel von Maike im Blog Kleinerdrei setzten Frauen ihre Waagen aus und dachten über die Folgen jener ständigen Selbstbeobachtung durch Gewichtskontrolle, über das Zweifeln und das Sich-zu-dick-finden nach, das bei uns anscheinend zur Lebenserfahrung so gut wie jeder erwachsenen Frau gehört. (Zusammmenfassung der Aktion und Links zu vielen #waagnis-Artikeln hier).

Als früher immer viel zu dünnes Kind bin ich in meinem Erwachsenenleben von der obsessiven Beschäftigung mit meinem Körpergewicht und mit dem, was ich esse oder gerade nicht esse, verschont geblieben. Das diffuse Gefühl „zu dick“ zu sein kenne ich dennoch, aber es beschäftigte mich glücklicherweise nie dauerhaft. Eine Körperwaage ist im Haushalt nicht mehr vorhanden, seitdem ich vor mehr als 20 Jahren zuhause auszog. Darüber hinaus relativierte sich das „zu-dick“-Gefühl mit den Jahren: ich fühlte mich mit Anfang Zwanzig, als ich dünner war als jetzt, auf genau die gleiche Weise „zu dick“ wie heute. Figur und Gewicht waren also für mich nie ein großes Thema. Ich führe das darauf zurück, dass ich Glück gehabt habe: mit Eltern und Elternhaus, mit den Menschen in meiner Umgebung, ja sogar mit meiner Schule (ich hätte nie gedacht, dass ich das mal schreiben würde) und vielleicht auch mit einer einigermaßen robusten psychischen Grundausstattung.  

Die teilweise sehr offenen Artikel zu #waagnis boten für mich daher einen Einblick in eine mir fremde Welt, und ich kann den Autorinnen nicht genug dafür danken. Durch die Debatte nehme ich Artikel und Aussagen, in denen über die wünschenswerte Körperbeschaffenheit von Frauen geurteilt und diskutiert wird, ganz anders und viel genauer wahr als früher. Ich gewann eine schwache Ahnung davon, wie die Welt für Leute aussehen muss, für die das Thema, nicht den überall präsentierten idealisierten Körperbildern zu genügen,  ein wunder Punkt ist – und ich sehe, dass diese Wunde so, wie die Welt beschaffen ist, niemals zuheilen kann.

Zugleich bin ich zwiegespalten: so sehr ich beispielsweise die Mode liebe, so sehr stört mich ihre ausschließende Attitude. (Wobei es eine andere, gesondert zu diskutierende Frage wäre, ob es so etwas wie „demokratische Mode“ überhaupt geben kann, wenn doch die Distinktion, das Sich-Unterscheiden von den einen, und das Sich-Identifizieren mit anderen, das Bestreben jeder Mode ist.). So sehr stört mich die Imagebildung, die anscheinend zwangsläufig mit dem Verächtlichmachen derer einhergeht, die dem Ideal nicht entsprechen können.

Eine kleine, ungeordnete Zusammenstellung von Beobachtungen der letzten Wochen: Ich hatte hier vor kurzem schon im Wochenrückblick den Artikel von Miss Bartoz über ihre Beobachtungen zur Messe „Curvy is sexy“ am Katzentisch der Berlin Fashion Week verlinkt. Wie jedes Jahr gab es zur Modewoche in Berlin auch wieder die medialen Diskussionen über „zu dicke“ und „zu dünne“ Models (siehe Titelseite oben). Auf der Mode- und Stil-Seite im Wochenendteil der Berliner Zeitung wurde am 6. Juli über die "thigh gap" berichtet, die Lücke zwischen den Oberschenkeln bei sehr schlanken Frauen, auf die nicht so schlanke Frauen hintrainieren - zwar mit kritischem Tenor, aber ich frage mich doch, ob es Anfang Juli wirklich kein relevanteres und interessanteres Mode- oder Stilthema gab? Picknickdecken, die Rückkehr des Bootsschuhs, oder meinetwegen Gartenmöbel? (Zumal der Artikel nicht einmal neu war, sondern fast gleichlautend schon am 14. 4. schon in der NZZ erschien und am 31. 5. im Blog der Autorin). Kaum ist in Großbritannien das königliche Baby da, spekulieren Zeitschriften über Kates Diätpläne, damit sie wieder "in Form kommt". Im Mai kochten die im Grunde seit Jahren bekannten Aussagen Mike Jeffries', des Chefs von Abercrombie&Fitch wieder hoch, der als Kundschaft nur schlanke Menschen haben möchte - unter anderem mit der Begründng, dies seien die beliebten und "coolen" Kids, mit denen die Marke identifiziert werden solle.

Auf der persönlichen Ebene ist das Selbernähen für mich eine Lösung, genauso, wie es Karen Ball im Guardian schreibt. Ich nähe seit meiner Schulzeit mehr oder weniger intensiv und hatte auch einige Phasen, in denen ich wenig oder gar keine Kleidung genäht habe. Rückblickend würde ich sagen, dass ich mich in den Phasen mit selbstgemachter Kleidung am besten und am meisten bei mir gefühlt habe. Der Versuch, eine passende Jeans zu kaufen, setzte bei mir zwar kein unentrinnbares ich-muss-abnehmen-Gedankenkarussell in Gang, besonders gute Laune machte er aber auch nicht. Es ist für mich ganz persönlich ein Zugewinn an Lebensqualität, Kaufklamotten nur noch als Inspirationsquelle zu betrachten und so nicht mehr auf die Inkompatibilität meiner Körperformen mit der Normfigur der Bekleidungsindustrie aufmerksam gemacht zu werden. Und das, obwohl ich, wie gesagt, von der Gewicht- und Körperformenproblematik und der damit einhergehenden Selbstabwertung eigentlich nicht betroffen bin. Denn, das ist das Perfide an der Konfrontation mit Körpernormen: die damit verbundenen Wertungen sind so irrational und so tief verankert, dass frau sich noch so oft "ist mir doch egal" mantramäßig vorsagen kann - es ist ihr eben doch nicht völlig egal. Wäre das Problem durch Nachdenken zu lösen, wäre es gar keins.

Auf der strukturellen Ebene des Problems, bin ich ehrlich gesagt ratlos. Das Vergleichen wird sich dem Menschen nicht austreiben lassen und das Selbernähen, seien wir ehrlich, eignet sich nicht zur  Massenbewegung. Dazu verlangt es zu viel Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz und handwerkliches Geschick, und auch wenn ab und zu schon das Ende der Massenproduktion ausgerufen wird, erscheint es mir utopisch, dass unser Kleidungsbedarf auf absehbarer Zeit durch Eigenproduktion und Manufakturproduktion im eigenen Land gedeckt werden wird. Eine echte Massenbewegung müsste das Selbernähen schon werden, um langsam von der Kleidergrößenfixierung und den damit verbundenen Bewertungen wegzukommen. Eine Fixierung, die uns ja nicht allein die böse Bekleidungsindustrie aus Profitstreben eingetrichtert hat, sondern die wir alle mehr oder weniger auch selbst in unseren Köpfen hegen und pflegen.

Was meinen eigenen Kopf betrifft bin ich gespannt, wohin das Nähen mich noch führen wird. Falls ich so alt werden sollte wie Ann Rowley, die 81-jährige Gewinnerin des Great British Sewing Bee, hätte ich noch mehr als 40 Jahre des Nähens vor mir - eine schöne und tröstliche Vorstellung. Denn auch wenn das Selbernähen keinen Weg darstellt, an den Realitäten der industriellen Kleiderproduktion in einem kapitalistischen System und ihren Begleiterscheinungen grundlegend etwas zu ändern, es hilft dabei, sich ihren Folgen zu entziehen und das eigene Wohlbefinden zu verbessern. Wie es Karen Ball formulierte: "Do you still judge yourself by what fashion conglomerates think you should be? Then, you need to stop now. Buy a sewing pattern, enjoy a spontaneous fabric purchase and learn to love your tape measure. Don't judge yourself by your dress size. That's a fool's game." DIY ist zwar keine grundlegende Lösung (aber wann gibt es schon mal grundlegende Lösungen?), aber immerhin das beste, was wir im Moment haben.

Sonntag, 28. Juli 2013

Stoffspielerei im Juli: Bunte Schnüre

"Fäden" sind das Thema der Stoffspielerei, das frifris für den Juli vorgeschlagen hatte. Ich probierte diesmal verschiedene Techniken aus, mit gemischten Ergebnissen.

Die erste Idee: ich wollte etwas mit dem glänzenden Viskose-Stickgarn machen, das ich vor längerer Zeit in einem ertauschten Garnpaket bekommen hatte. Bei einer der Stoffmanipulationen vom letzten Jahr hatte ich ein ähnliches Garn schon einmal verwendet und festgestellt, dass Knoten von selber wieder aufgehen, weil es so glatt ist. Die absonderlichen Farben im Fundus - drei kräftige Gelbtöne, Rosa, Dunkelblau und ein komisches Rotbraun - fand ich aber gerade wegen ihrer Absonderlichkeit ganz hübsch.    


Ich drehte aus Baumwollgarn eine lockere Kordel und wickelte das Stickgarn eng darum. Der Anfang einer neuen Farbe wurde jeweils mit umwickelt, das Ende mit einer Nadel im schon Gewickelten verstopft.


Ich wollte etwas herstellen, das man wie ein Collier um den Hals tragen kann, aber die bunte Schnur wurde ziemlich steif.  Die Garne (im einzelnen: "Decora" von Madeira und "Elvira" und Elga" aus Altenburg) sind unterschiedlich dick und unterschiedlich glänznd, das sieht im Prinzip nicht schlecht aus, aber die Haptik lässt zu wünschen übrig. 


Vielleicht besiedele ich die bunte Schnur mit gestrickten Monsterchen wie von Anna Hrachovec? (Dieses hier scheint aber auch nicht zufrieden zu sein.)


Nach diesem Zwischenergebnis dachte ich weiter darüber nach, wie ich weiche bunte Schnüre aus dem Garn herstellen könnte, und probierte es mit Stricken.

Sogenannte I-Cords strickt man mit zwei Nadeln (eine gute Bildanleitung gibt es hier), es kommt so etwas wie eine Stricklieselschnur dabei heraus, aber mit bis zu 10 Maschen. Ja, das ergibt eine Kordel, aber so richtig gefiel mir das auch nicht.

Ich verfiel also auf etwas ganze Absurdes, nämlich auf die Technik, die gerne als Beispiel für besonders nutzlose und/oder hässliche Handarbeit angeführt wird: Makramee. Aus meiner Grundschulzeit kann ich mich noch erinnern, dass bei einigen Klassenkameraden zuhause die heute sprichwörtlich gewordenen Makramee-Blumenampeln oder Makramee-Eulen hingen. Das Problem an diesen Kunstwerken war aus heutiger Sicht vor allem das typische Material: rustikale Jute- oder Sisalschnüre in Erdtönen. Nachdem ich den Gebrauchtbuchmarkt zum Thema Makramee gescannt habe, möchte ich behaupten, dass Makramee in den 1970ern bis in die frühen 80er Jahre fast ausschließlich aus so einer Art dickem Paketband geknüpft wurde, und danach (mehr oder weniger zu Recht) ausstarb. 


Mein Lieblings-Referenzbuch, wenn es um alte Handarbeitstechniken geht, zeigt aber, dass es früher ganz anders war: Mizi Donner und Carl Schnebel widmen 1913 in Ich kann Handarbeiten *) dem Knüpfen drei Kapitel, "Die Knüpfflechtarbeit", "Die Makrameeknüpfarbeit" und "Die Posamentenknüpfarbeit". Knüpfflechtarbeit und Makrameeknüpfarbeit entsprechen den Techniken, die heute unter der Bezeichnung Makramee bekannt sind. Allerdings küpfte man zum Beispiel kunstvolle Fransen für Repräsentationshandtücher aus Leinengarn oder verzierte Tischdecken mit feinen, spitzenartigen geknüpften Borten.


Ich knotete eine Zackenborte  - "aus der Zeitschrift Die praktische Berlinerin, Modell von Helene Becker, Berlin" nach, die im Original "in stahlgrauer Kordonnetseide in Verbindung mit runden, violett eingefärbten, polierten Holzperlen" geknüpft wird. Bei mir sinds lila Filethäkelgarn und schwarze Glasperlen. Die Einzelknoten werden auf einer Menge Seiten im Netz erklärt, ich verwendete für die Grundlagen das Makramee-Kapitel in Basteln, Werken, Handarbeiten von Jutta Lammér (1980) **).


Fürs Knoten ist es praktisch, die Arbeit irgendwo zu befestigen, z. B. mit einer Sicherheitsnadel auf einem Kissen. Der Rippenknoten, neben dem Kreuzknoten das Hauptelement der Makrameeknüpferei, entpuppte sich als alter Bekannter, nämlich als der Knoten, der auch für Freundschaftsbänder verwendet wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass man mit etwas Einarbeitung in die Knoterei sehr bald dazu kommt, sich eigene Muster auszudenken.

Die Anwendungsmöglichkeiten bleiben aber dennoch der Schwachpunkt dieser Technik: Fransen, kurze Borten, kleine Taschen (=Blumenampeln!) sind möglich. Ein Gürtel wird schon ziemlich kompliziert, weil das Knüpfmaterial etwa die fünffache Länge des fertigen Stücks haben muss, man müsste also mit etwa 5 Meter langen Schnüren losknoten.

Die Stoffspielereien sammelt frifris heute hier - die nächste Spielerei ist am 25. August und wird von Karen ausgerichtet.  

Bücher:
*) Mizi Donner, Carl Schnebel: Ich kann Handarbeiten, Berlin 1913 - gibt es als Nachdruck aus den 1980ern und 1990ern, z. B. unter dem Titel "Handarbeiten wie zu Großmutters Zeiten", oft auch sehr günstig antiquarisch.

**) Jutta Lammér: Basteln, Werken, Handarbeiten, Leipzig 1980 - erschien zuerst 1970 und 1977 unter dem Titel Das große Ravensburger Hobbybuch in Ravensburg, die Leipziger Ausgabe ist die "Lizenzausgabe für die sozialistischen Länder", bisher konnte ich noch nicht überprüfen, ob die Ausgabe gekürzt wurde.    


Samstag, 27. Juli 2013

Woche 29+30


Der Sommer ist da! Das bedeutet: unnötige Wege - vor allem mit öffentlichen Verkehrsmitteln - vermeiden und dafür ganz viel:

1. Im Treptower Park liegen und in die Baumkronen schauen.

2. Kalte Nudeln essen - z. B. japanische im Daruma in der Uhlandstraße: Mit Omelette, Gurken, Sojasprossen, Algen, Shitakepilzen, Hähnchenfleisch, eingelegtem Ingwer und Surimi.

3. Die halbe Nacht in netter Gesellschaft stricken, bei der MittwochsMasche, dem 14-tägigen Strick- und Häkeltreffen im Café Provinz in Alt-Treptow. Beim letzten Mal waren eine dunkelgrüne Miette-Strickjacke, ein rosarotes Elefantenkringel-Tuch, ein lila Strickmantel, ein hellgraugrüner Zopfmusterpulli nach eigenem Entwurf und eine dunkelblaue Raglanstrickjacke auf den Nadeln, und wir strickten und plauderten bis halb zwei. (Aber fragt nicht nach dem Donnerstagmorgen). Die nächste MittwochsMasche ist am 7. August. am 14. und wieder am 28. August - immer am 2. und 4. Mittwoch im Monat.


4. Eine Gurke ernten.   

5. Auf Abkühlung hoffen. Samstag kam dann um Mitternacht ein bißchen Regen, und die Nachbarn zeigten Dias.

6. Selbermacher klicken: Ich bin kein Fan von Game of Thrones, weder als Film noch als Buch, aber die Handstickereien, die Michele Carragher für die Kostüme in der Fernsehserie geschaffen hat, sind atemberaubend. Auf ihrer Webseite zeigt sie den Entstehungsprozess.    

7. Selber Selbermachen: die Materialmafia und die Prinzessinnengärten am Moritzplatz machen  jeden ersten Samstag im Monat zum Re-Use-Tag: ab 11.00 Uhr gibt es offene Workshops zur kreativen Neu- und Weiterverwendung von Materialien - aktuelle Informationen dazu immer hier (und schaut euch doch mal die tollen Häkelkörbe aus Plastiktüten an!). Nächster Re-Use-Tag am 3. August. 

Sonntag, 21. Juli 2013

Heute schon an Weihnachten denken


In gut 5 Monaten ist Weihnachten! Ich komme aber ehrlich gesagt jetzt nur darauf zu sprechen, weil ich die kürzlich verschenkte Strickjacke hier noch einmal im Detail vorstellen wollte. Und irgendwie muss ich herbstlichen Strickcontent ausgerechnet jetzt ja rechtfertigen. Das Strickmuster ist Avast von Jesse Loesberg über knitty.com, eine geräumige Jacke mit Reißverschluss, gestrickt als Raglan von unten. Als Weihnachtsgeschenk kommt sie bestimmt gut an, und bis dahin könnte man diese Jacke ganz gemütlich nebenher stricken, während ich mich in knapp 8 Wochen, vom Beginn des Drops-Garnsales Anfang Mai bis zum Verschenktermin Anfang Juli, ziemlich ranhalten musste.     


Das Komplizierteste strickt man bei dieser Jacke zuerst: ein schmales Band mit einem Zopf, aus dessen Längsseite man anschließend Maschen aufnimmt, mit denen man glatt rechts weiterarbeitet, bis man unter den Achseln angekommen ist. Die Ärmel werden in Reihen ebenfalls bis zur Achsel gestrickt, dann kommt alles auf eine einzige große Rundnadel. Jetzt werden in jeder Hinreihe an den Übergängen von Ärmel- und Rumpfteilen immer zwei Maschen abgenommen. Das ist alles leicht zu behalten und hat den Vorteil, dass man immer mal schnell zwischendurch ein paar Reihen stricken kann, ohne sich erst wieder in die Anleitung hineindenken zu müssen.   


Die Jacke strickte ich aus Lima von Drops in dunkelgrau, der Kragen, die Ärmelabschlüsse, die vordere Mitte und der untere Abschluss haben angestrickte Belege, für die ich ein weicheres dunkelblaues Merinogarn von Drops verwendete.


Die Ausarbeitung, das Schließen der Ärmelnähte, das Einnähen des Reißverschlusses und das Festnähen der Belege dauerte nochmal gut 4 Stunden - ich weiß es so genau, weil ich Schlag Mitternacht, also in den ersten Minuten des Geburtstages, damit fertig war. Den Reißverschluss nähte ich mit der Hand ein. Da die vordere Kante mit dem Beleg schon ziemlich dick ist, kommt man dort mit der Nähmaschine nicht weiter. Auf der Rückseite verdeckt ein Baumwollband das Band des Reißverschlusses - ein schmaleres Band wäre hier besser gewesen, allerdings hatte ich keine Zeit mehr, um Geschäfte danach abzusuchen. Auch ein abschließendes Spannen und trocken lassen musste zugunsten des Verschenkens ausfallen.

Von dem Garn bin ich ziemlich begeistert, es wurde durch das Durchwaschen und Spannen schön weich und flauschig, Anfang und Ende ließen sich bei einem neuen Knäuel gut zusammenfilzen.  Die Anleitung ist, wie gesagt, einfach, wenn man einmal die unterschiedlichen Strickrichtungen verstanden hat. Bis die Jacke getragen wird, ist es hoffentlich noch lange hin - es ist aber eine richtige "Wohnstrickjacke" geworden. Also, falls ihr jetzt schon an Weihnachten und Weihnachtsgeschenke denkt: es ist ja für aufwendige Geschenke nie zu früh! Bei Twitter machte vor über einer Woche schon ein Foto mit Lebkuchen und Spekulatius die Runde, die in einem Supermarkt gesichtet wurden. Ich mache mich jetzt aber trotzdem zur Eisdiele auf!

Strickmuster: Avast
Garn: 700g Drops Lima dunkelgrau, 50g Drops Merino Extra Fine marineblau
Nadeln 4,0 und 4,5

Dienstag, 16. Juli 2013

Woche 28


1. Der Bär machts vor: die Dachterrasse der Karstadtfiliale am Hermannplatz ist im Sommer "the place to be" (die @zibebe wusste das allerdings schon vorher). Aber aufpassen: bei starkem Wind wird einem im Außenbereich des Kaufhausrestaurants das Essen vom Teller geweht. An warmen, windstilleren Tagen wie jetzt jedoch, könnte man dort unter dem einschläfernden Gemurmel des Verkehrs sechs Stockwerke weiter unten, zwischen mittagessenden Rentnern, den ganzen Tag verdämmern. Das Karstadt-Kaufhausrestaurant sieht außerdem fast noch genauso aus wie früher und erzeugt daher bei mir wärmste Kindheitsgefühle. Nur dass von fünf Kaffeeautomaten zwei außer Betrieb waren, ebenso wie der Orangensaft-Automat, lässt nichts Gutes für diese Zeitblase ahnen.    

2. In der Nachbarschaft entdeckt: Die Bio-Bäckerei Endorphina hat ihre Backstube im zweiten Hinterhof in der Elsenstraße 52 in Neukölln und betreibt dort ein Café und einen Backwaren-Verkauf - jeden Tag ab 9.00 Uhr, auch am Sonntag. Das bedeutet auch für vergessliche BrotkäuferInnen wie unsereins: nie wieder aus Not Knäckebrot oder Aufbackbrötchen zum Sonntagsfrühstück.

3. Neues Strickprojekt: Drops 69-17 aus Babyalpaca-Silk marineblau. Das Garn ist toll weich und die Farbe, einmal verstrickt, wirklich sensationell. Nur was die Formstabilität des Gestrickten betrifft, darf man wohl nicht zu viel erwarten. Die Jacke wird als Raglan-von-unten gestrickt, die Knopfleisten werde ich allerdings nachträglich anstricken. Überhaupt wird hier derzeit weit mehr gestrickt als genäht. Ich habe noch mindestens vier Strickprojekte im Kopf, und ich fürchte: ich muss die einfach umsetzen. Naja, andere Leute bauen Landschaften für die Modelleisenbahn.

4. Paste-up  von Justin Person, Wildenbruchbrücke, Neukölln. Einen Artikel über den französischen Künstler, der in Berlin lebt, gab es anlässlich seiner Ausstellung hier.   

Selbermacher geklickt: Eine Liebeserkläerung ans Selbermachen von Nicole auf kleinderdrei.org (via @drehumdiebolzen) und einen Bericht von Miss Bartoz von der Berlin Fashion Week, bei der es erstmals unter dem Motto "Curvy is Sexy" eine Messe für Mode in größeren Größen gab - wobei sich Miss Bartoz die Frage stellt, warum "Mode" und "Mode für größere Kleidergrößen" getrennt voneinander behandelt werden, so als hätte das eine mit dem anderen nichts zu tun (via @FrauCrafteln). Außerdem berichten wir auf dem Me-made-Mittwoch-Blog, was aus unserer Weihnachtsspendenaktion wurde