Urlaub hat einen entscheidenden Nachteil: danach ist der Lebens-, Arbeits- und damit auch Blogrhythmus durcheinander. Seit der Fahrt nach Franken hänge ich ziemlich hinterher. Vom alten Montagstakt der Wochenrückblicke kann keine Rede mehr sein, ich habe eine Wust gesammelter Links, bei denen ich selbst gar nicht mehr weiß, was das war, und mit der Umstellung zur Winterzeit ist es unmöglich geworden, am frühen Abend nach der Arbeit noch brauchbare Fotos zu machen. Von allem anderen gar nicht zu reden. Aber nie wieder Urlaub ist ja auch keine Alternative.
Was war also los in den vergangenen 14 Tagen? Der Liebste und ich büxten am wirklich allerletzen schönen Herbstttag noch einmal aus und fuhren auf die Pfaueninsel. Perfekt, wenn man noch einmal die Illusion haben will, ganz weit weg von Berlin zu sein. Die Fähre bringt einen in ca. 30 Sekunden hinüber in den Landschaftspark mit Schlösschen, Mini-Landwirtschaft und Gebäuden, die Ruinen oder englischen Landsitzen ähneln. Die namensgebenden freilaufenden Pfaue sind recht verfressen. Im Cafe auf der großen Wiese umkreisen sie die Tische, an denen Kuchen gegessen wird.
Ich strickte noch einmal die wunderbaren Leaving cuffs (ravelry-Link) zum Verschenken und häkelte wie blöd. Die Sechsecke nach dieser Anleitung erinnern mich an Briefbeschwerer aus venezianischem Glas. Es macht einfach zu großen Spaß, neue Farbkombinationen auszuprobieren, und ein paar Minuten für ein Sechseck lassen sich zwischendurch immer einschieben.
Dann erledigte ich einige Pflicht-Nähaufgaben: ein Kameraband mit rutschhemmendem Silikongummiband restaurieren, ein Mantelfutter austauschen. Besonders bei letzterem bin ich froh, dass ich mich aufgerafft habe: ich habe meinen alten Wintermantel gerettet! Er war so schmuddelig, hing über ein Jahr unbenutzt an der Garderobe, und ich stellte ihn vor die Wahl: entweder Wollwaschgang - oder Müll. Er kam fast wie neu aus der Maschine und bekam daher von mir das neue Futter spendiert. Nach den Pflichtaufgaben konnte ich dann beim Nähkränzchen, über das Monika und Wiebke ja schon geschrieben hatten, ein Spaßprojekt beginnen: einen Rock aus einem Stoff, den fast alle total scheulich fanden.
Die Selbermach-Links der Woche:
Die Vorschau für die November-Burda ist da - und ich sehe noch mehr Zipfel. Und Hochwasserhosen wie in den frühen Neunzigern. Mit Plateauschuhen aus Lackleder. Oh, ich glaube es wird viel zu lästern geben.
Garmenter.com ist eine brandneue (gestern gestartete!) schwedische Schnittmusterfirma, die mit individuell angepassten Grundschnitten arbeitet: man kauft ein Set, bestehend aus einem bereits auf Nessel gedruckten Schnitt für Kleid oder Rock, näht diesen und passt ihn mit Hilfe gezeichneter Diagramme und eines Videos auf der Garmenter-Webseite an die eigene Figur an. Die geänderten Schnittteile dienen dann als Basis für die Modelle, die mit Hilfe von Tutorials selbst erstellt werden. Ich bin ja skeptisch, ob sich solche Schnitte zum Selberbasteln wirklich gut verkaufen lassen, auch wenn jede mit ein bißchen Nähpraxis irgendwann einsehen muss, dass frau um Schnittänderungen nicht herum kommt.
Und da ich bei Miz Kitty gerade von Schnittbasteleien las und sie in ihrer Liste auch den Punkt "Schneiderpuppe bauen" aufführt: Mir ist vor kurzem dieses Video untergekommen, in dem das Abformen einer Schneiderpuppe mit Nassklebeband wirklich akribisch erklärt wird. Bei Minute 10 wird das richtige Vermessen gezeigt - sehr hilfreich, falls ihr euch wie ich auch schon gefragt habt, wie man die Rückenlänge ermittelt. Davon abgesehen entfaltet der Film mit seinem Sprechertext im Telekolleg-Stil und den Bildern stumm agierender junger Frauen eine seltsame, groteske Faszination. Möglicherweise ist das Kunst, und ich habe es nur nicht gemerkt.
Apropos Kunst: Bestrickte Bäume verstehe ich nicht schrieb Stef (gefunden via @kittykoma), und ich stimme ihr zu: mittlerweile hole ich nur noch selten die Kamera heraus, wenn ich irgendwo ein umstricktes Geländer sehe. Urban-Knitting-Installationen, die subversiv auf ihre Umgebung eingehen, die mit Witz und Ironie den Blick auf bestimmte Elemente der Stadt lenken, oder eine Botschaft verbreiten und die nicht zuletzt auch einen minimalen ästhetischen Anspruch verfolgen, die findet man nämlich kaum noch. Meistens scheint es sich um irgendwelche Restwolle zu handeln, die irgendwie verhäkelt oder verstrickt und dann im öffentlichen Raum installiert wurde. Wenn es sich um ein Projekt wie den Tintenfisch-Baum in San Mateo handelt, der einen verwahrlosten Platz aufwertet, oder um eine temporäre Installation wie die Strickkunst in der Würzburger Semmelstraße, bei der die Bewohnerinnen einiger Seniorenheime beteiligt waren, dann lasse ich mir auch umstrickte Bäume gefallen.
Und apropos gestrickte Kunst: Auf ein gestricktes Lebenswerk von 500 Pullovern seit 1955 kann die Niederländerin Loes Veenstra zurückblicken. Alle Pullover wurden von der Designerin Christien Meidertsma in einem Bildband dokumentiert - und in einem Video werden die Werke zum ersten Mal getragen. Hinter der Pulloversammlung steckt aber keine tragische Geschichte, wenn man diesem Artikel glauben darf: Loes Veenstra strickte quasi am Stück und produzierte so über die Jahrzehnte einfach mehr Pullover, als sie verschenken oder selbst tragen konnte.





























