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Sonntag, 25. September 2016

Stoffspielerei im September: Goldstickerei ganz einfach


Für die Stoffspielerei hatte Suschna diesen Monat das Thema Goldstickerei vorgegeben. Eine der witzigen Broschen von Macon et Lesquoy, die ihre Inspiration waren, besitze ich sogar - sie sind in der Art traditioneller Goldstickereien gestickt, wie man sie von militärischen Rangabzeichen und Uniformen des 18. und 19. Jahhunderts kennt. Das ist eine Handwerkskunst mit sehr speziellen Materialien, die man nicht einfach so mal eben für eine Stoffspielerei ausprobieren kann (Wer sich für Details interessiert, unter dem Stichwort "Kantillenstickerei" und "Sprengarbeit" findet man einiges, die Näherinnen historischer Kleider kennen sich gut aus, z. B. hier. In dem Buch "Handarbeiten wie zu Großmutters Zeiten" (Mizi Donner, Carl Schnebel, als Reprint günstig antiquarisch zu bekommen) gibt es ein großes Kapitel über verschiedene Techniken der Goldstickerei.)


Aber ich dachte, wie gesagt, ich probiere es supersimpel und günstig, und kaufe mal so eine Rolle billiges Metallnähgarn und versuche, damit zu sticken. 


Das Nähgarn scheint wirklich Metall zu enthalten und ist sehr störrisch - wie das durch die Nähmaschine laufen soll (eigentlich ist das wohl fürs Absteppen oder Zierstiche gedacht), ist mir nicht klar, ich vermute, das geht gar nicht. Mit der Hand sticken funktioniert aber, auch wenn sich der Faden nicht immer so legt, wie man sich das vorgestellt hat. 


Ich habe ganz einfache Muster auf schwarzes Leinen gestickt, einmal Kreuze, mit zwei Fäden gestickt.


Hier wollte ich - mit einfachem Faden - abstrakte Dreiecksgebilde sticken, bis ich entdeckte, dass dabei auch so eine Art Blümchen herauskommen können. Die Stickerei ist ganz zart, sowas könnte ich mir auch auf Kleidung vorstellen. Man müsste die bestickten Partien aber auf jeden Fall füttern, denn der Faden ist wirklich kratzig.


Die bestickten Stücke habe ich mit passenden Stoffresten zu Täschchen ergänzt.


Die Reißverschlüsse sind alte Jeansreißverschlüsse. Als ich vor einem Jahr mit dem Upcycling-Buch beschäftigt war, hatte ich einige Jeans verwurstet und die Reißverschlüsse vorsichtshalber aufgehoben - jetzt fiel mir auf, was für schöne, goldige Messingfarben sie haben, die perfekt zu der Metallstickerei passen.

Alle Stoffspielereien mit Metallstickerei sammelt Suschna hier auf "Textile Geschichten" Die nächste Stoffspielerei ist am 30. Oktober bei Griselda/Machwerk zum Thema "Blätter".

Sonntag, 29. Dezember 2013

Stoffspielerei im Dezember oder: der lange Weg zum Papierkorb


Das Thema der Stoffspielerei - Behältnisse - kam mir sehr entgegen: einmal suchte ich schon lange nach einem Papierkorb, am besten einen ganz günstigen, gebrauchten, und fand keinen, zweitens wollte ich das Körbenähen sowieso einmal ausprobieren. Für diese Technik gibt es unter den Stichworten "fabric coil basket", "fabric coiled basket" oder "fabric bowl" recht viele englischsprachige Anleitungen. "They are fast, and fun, and look spectakular", heißt es in einer Workshopankündigung.


Also, das ist alles relativ, aber ich will nicht vorgreifen. Ich ging im wesentlichen nach dieser Anleitung vor, besorgte mir im Ein-Euro-Laden 30 Meter Wäscheleine, zerschnitt eine kurzärmelige schwarze Bluse und das Oberteil des unbügelbaren Retrokleides zu Schrägstreifen und legte los. Die Leine wird partienweise mit den Schrägstreifen umwickelt, die man am besten alle 15-20 cm mit Wäscheklammern fixiert. Das umwickelte Seil rollt man schneckenförmig auf und näht mit großem Zickzack die Wicklungen fest, immer im Kreis. Und näht und näht und näht und näht einige Stellen nochmal nach. Und schneidet neue Schrägstreifen und wickelt und näht und spult und näht und spult und näht und sucht weitere Stoffreste und schneidet Stoffstreifen und näht und spult und näht und spult wieder und stellt nach 30 Metern Wäscheleine fest, dass bisher nur eine große, flache, Schüssel entstanden ist:  

Am nächsten Tag besorgt man eine weitere Wäscheleine, fügt die beiden Leinen mit Tesa zusammen (weil einem jetzt schon halb alles egal ist) und näht mit deutlich weniger Begeisterung weiter.


Nach fast 60 Metern Wäscheleine ist doch so etwas wie ein Papierkorb entstanden, mit etwa 30 cm Durchmesser und knapp 30 cm Höhe. Die Bluse, das Kleid und mehrere große Stoffreste wurden verarbeitet, außerdem ungezählte volle Unterfadenspulen. Ich dachte, das Projekt wäre eine gute Gelegenheit, alle Spulen mit nicht mehr benötigten Garnfarben leerzunähen - sie reichten nicht einmal für den Boden des Korbes. Die Stoffstreifen waren schneller alle, als ich schneiden konnte, leider kann ich nicht einmal schätzen, wie viele Meter Schrägstreifen dieser Korb verschlungen hat - ein Vielfaches der 60 Meter Leine, also vielleicht einige Kilometer?


Ich finde aber, dass man dem Korb den ungeheuren Materialaufwand nicht unbedingt ansieht. Die dichten Zickzackstiche ergeben eine sehr schöne, interessante Struktur und das Behältnis ist sehr stabil - aber "fast, fun, spectacular"?  Schnell geht es nicht, "spectacular" ist es auch nicht, jedenfalls nicht in meinem Verständnis, fun - Geschmackssache. Für Leute, die am Nähen vor allem das Nähen an der Maschine lieben, sind solche Seilkörbe bestimmt ein großer Spaß.


Zum Abschluss ein paar Tipps aus der Praxis, falls ihr euch auch an solchen Körben versuchen wollt:

- Die Wäscheleine, die ich hier verwendet habe, hatte ungefähr 6 mm Durchmesser. Für eine kleinere Schüssel wäre sicher eine etwas dünnere Schnur gut.

- Die Stoffstreifen waren bei mir 3 cm breit. In einigen Anleitungen werden Streifen im geraden Fadenlauf verwendet (Vorteil: man kann sie reißen), aber davon rate ich ab. Schrägstreifen fransen an den Rändern nicht aus und schmiegen sich beim Wickeln viel besser an das Seil an.

- Die Schrägstreifen schnitt ich nicht überall im exakten 45°-Winkel zu Fadenlauf, sondern so, wie es am besten auf den Stoff passte. Sollte man bei Schneiderprojekten nicht machen, weil sich der Streifen unterschiedlich dehnen könnte, hier ist das nicht so wichtig. Außerdem schnitt ich die Streifen einfach quer über die gesamte Bluse zu und schnitt die Nahtzugaben der Seitennähte zurück.

- Die einzelnen Schrägstreifen setzte ich mit Quernähten - also nicht im Fadenlauf - zu einem langen Streifen zusammen, ebenfalls ein schneidertechnisches no-go, aber hier unproblematisch.

- Die Leine lässt sich besonders gut umwickeln, wenn man das Schrägstreifenknäuel mit einer Wäscheklammer am Abwickeln hindert und das so beschwerte Knäuel um das Seil schwingen lässt.

Ergänzung 31. 12. 2013:

Hier noch ein Detailbild der verwendeten Wäscheleine: ein geflochtenes Kunststoffseil. Mit einer dickeren Nadel (100er) kommt die Nähmaschine problemlos durch. Wäscheleinen mit Metallkern nicht verwenden, das könnte für die Maschine gefährlich werden, wenn man den Draht erwischt!

Und nun bin ich gespannt, welche Behältnisse aus oder mit Stoff frifris heute für die Stoffspielerei im Dezember gesammelt hat - Danke fürs Vernetzen!

Sonntag, 24. November 2013

Stoffspielerei im November: Schneeflocken-Untersetzer

Das Thema der Stoffspielerei vom November habe ich ein bißchen verfehlt: Griselda schlug vor, wir sollten aus einem unserer Anleitungsbücher ein Projekt umsetzen  - oft kauft man ja bloß Bücher, ohne sie jemals zu benutzen - und brachte selbst das neueste Buch von Alabama Chanin ins Spiel. Das Buch habe ich ja auch, und sogar schon ab und zu davon inspirierte Projekte verwirklicht.



Die November-Stoffspielerei kam dann ohne einen einzigen Blick in dieses oder ein anderes Buch zustande. Der assoziative Gedankengang von Alabama Chanin, einer Firma für Textilprodukte, die vor allem für handgenähte Applikationen mit Jerseystoffen bekannt ist, zu maschinegenähten Filzuntersetzern verlief ungefähr so: Beim Abwischen der Wohnzimmertischchen vor zwei Wochen wurde mir der dringende Bedarf an Untersetzern bewusst - diese Ringe überall! (Die Möbelpolitur habe ich übrigens bis jetzt noch nicht rausgekramt, obwohl ich das damals gleich machen wollte, fällt mir gerade auf.) Hm, Untersetzer im Stil von Alabama Chanin - also mit Applikationen - aber aus Jersey? Was könnte man denn noch für Materialien nehmen? Was habe ich überhaupt da? Die selbstgenähte Laptophülle aus grauem Filz könnte ich ja mal ausschlachten - den Laptop gibt es gar nicht mehr. Der Filz wäre ja ein gutes Untersetzermaterial. Aber Jersey draufapplizieren? Vielleicht anderen Filz nehmen? Aber das dann mit der Hand nähen?

Als Vorlage für die Muster habe ich in Scherenschnitt-Manier "Schneeflocken" geschnitten, also erst aus Papierkreisen, mehrfach gefaltet, Muster geschnitten und diese Muster auf die Papierseite vom Vliesofix übertragen.



Ich kann dazu auch noch eine genauere Anleitung nachliefern, falls gewünscht, denn die Untersetzer könnte man sogar an Leute verschenken, die Handarbeit ansonsten nichts abgewinnen können, denke ich. Aber nicht in vorweihnachtlicher Hektik und Nervenzerrrüttung nähen, dann wird das garantiert nichts mit dem Aufsteppen!

Alle Stoffspielereien sammelt heute Griselda. (Nächster Termin am 29. 12. bei frifris.)

Sonntag, 27. Oktober 2013

Stoffspielerei im Oktober: Summ, summ, summ... und der rettende Schmetterling

"Insekten" hatte Suschna als Thema der Stofffspielerei vorgeschlagen. Mir gingen einige vage Ideen von Schmetterlingsflügeln und dicken, glänzenden Laufkäfern durch den Kopf, aber ich hatte nicht genug Zeit, um über die Ideen länger nachzubrüten und ein konkretes Projekt daraus zu machen. Dann hatte ich kurz vor dem Einschlafen einen Einfall, und wie das mit solchen Einfällen ja ist: ob sie großartig oder großer Blödsinn sind, weiß man im Moment des Einschlafens noch nicht.

Mir fiel nämlich meine angefangene Sechseck-Patchworkdecke ein, die ich schon lange nicht mehr angefasst hatte. Von Sechsecken zu Bienenwaben und also zu Bienen war es nur ein winziger assoziativer Sprung. Allein, das Sticken einer Biene ist alles andere als einfach, nur mit einer Zeichnung aus dem Lexikon als Vorbild. Es war also ein Experiment.


Entdeckt ihr die Biene?
Näher ran:


Und hier ein Referenz-Wespenfoto von letzter Woche:

 

Nunja, eine vage Ähnlichkeit ist vorhanden. Die gestickte Biene (oder besser: die pummelige "Biene") ist noch flügellos. Ich hatte mir überlegt, Flügel aus durchsichtigem, dünnen Gewebe anzusetzen und wollte zu diesem Zweck helles Organza-Geschenkband kaufen, Flügel zuschneiden, mit dem Feuerzeug die Kanten verkleben und die Flügel annähen. Aber solches Geschenkband war letzte Woche in mehreren Läden nicht zu finden, obwohl ich sicher bin, sowas schon oft gesehen zu haben. 


Das Tier ist mit einfädigem Sticktwist gestickt, auf einer Unterlage aus weißem Batist mit Bleistift-Vorzeichnung. Den Batist habe ich nach der erste Schicht Stickstiche, mit der ich die Grundformen angelegt hatte, eng an der Stickerei abgeschnitten. Der Körper ist mit kleinen Knötchenstichen bedeckt, um das Borstige des Bienenkörpers nachzuahmen, für die Augen kam ein Faden des gräßlichen, glänzenden Viskose-Stickgarns zum Einsatz. Aber letztlich sieht man von der ganzen Mühe bei normaler Betrachtungsdistanz überhaupt nichts - und die "Echt-und-Falsch"-Serie überlasse ich wohl besser ihrer Urheberin, die heute beeindruckend eklige gestickte Larven und Würmer zeigt.

Das Internte spülte mir vor ein paar Tagen aber auch noch eine Anleitung für einen hübschen Stoffschmetterling vor die Füße: über Mema, die die Anleitung bei Seelenruhig gefunden hatte, kam ich auf diese japanische Seite,  anscheinend so eine Art japanisches Pinterest.


Man versteht ja überhaupt nichts, aber die Faltanleitung konnte ich nach etwas Herumgerätsel nachvollziehen - Tipp: auf dem letzten Bild steht der Schmetterling auf dem Kopf. 

Suschna sammelt heute hier Insekten und anderes aus Stoff - wie gesagt: gestickte Larven - ich bin beeindruckt, was den anderes alles eingefallen ist!

Donnerstag, 19. September 2013

Wie der Zufall so spielt


Menschen, die regelmäßig Mittagsschlaf halten, seien gesünder, klüger, leistungsfähiger, ja glücklicher als andere – diese bahnbrechende Erkenntnis der Wissenschaft hatte ich im Frühjahr so oft gelesen, dass ich große Lust bekam, die Mittagsschlaf-Decke fürs Bürosofa zu nähen, die schon so lange geplant war. Ich habe ja einen Schreibplatz in einer Bürogemeinschaft, und dort steht ein nickerchengeeignetes Sofa auf dem Gang. Auch wenn ich davon bisher nur wenig Gebrauch gemacht habe – das gefürchtete Nachmittagstief ab 14.00 Uhr war in letzter Zeit weniger tief – ist es ja immer gut, vorbereitet zu sein.


Wollstoffreste hatte ich schon seit längerer Zeit gesammelt, und von Wiebke und Frau Kirsche wurde ich großzügig mit Zuschnittresten versorgt – vielen Dank nochmal dafür! Wie das Muster zustande gekommen ist, darüber könnte ich euch jetzt lange rätseln lassen: es sieht ja irgendwie nach moderner Kunst aus. In Wirklichkeit ist die Anordnung Zufall, oder besser gesagt, ein gesteuerter Zufall.


Für Zufallsquilts gibt es ja eine Menge Anleitungen. Manche basieren darauf, dass man einfach eine Menge Stoffschnipsel in eine Tüte steckt und die Schnipsel Stück für Stück zufällig zusammennäht. Das ergibt ein ansehnliches Ergebnis, wenn sich in der Tüte ein paar schöne moderne Quiltstoffserien, vielleicht gemixt mit ein paar Punkten und einfarbigen Stoffen in gefälligen Farben befinden. Mit dem Inhalt meiner Baumwollstoff-Kiste funktioniert das nicht: Merkwürdige Stoffe in Kombination mit noch mehr merkwürdigen Stoffen neutralisieren sich nicht gegenseitig, oder jedenfalls nur manchmal.


Diese Anleitung für einen Quilt, die ich über Textile Ideen fand, war deshalb ein guter Ausgangspunkt, um den Zufall einzubeziehen, sich ihm aber nicht völlig auszuliefern. Für den Quilt verwendete ich Wollstoffreste in schwarz, schwarz-weiß, grau, dunkelblau, braun, dunkelrot als Hauptfarbe und Reste in einfarbig rot und rotem Fischgrat als Akzentfarbe. Während die Originalanleitung mit langen Streifen aus Patchworkstoff arbeitet, sind bei mir die langen Streifen aus verschiedenen Stoffen zusammengesetzt. Ich schnitt einfach nach und nach alle Reste in 12 cm breite Streifen und fügte sie grob nach Farben geordnet zusammen, so dass ich 20 Streifen von etwa 1,20 m Länge erhielt. Diese Streifen setzte ich dann in zufälliger Reihenfolge abwechselnd mit kurzen Stücken aus den Akzentfarben zusammen zu einem einzigen, mehr als 25 Meter langen Streifen.

Was dann kommt, macht richtig Spaß: Wann kann man schon mal mehr als 10 Meter einfach nur geradeaus nähen? Der Streifen wird der Länge nach zusammengefaltet. Da die Näherei nicht besonders präzise sein muss, reicht es aus, einfach die beiden Enden zusammenzulegen, so, dass der Streifen nicht in sich verdreht ist, und von dort aus Richtung Bruch entlang der Längskante loszunähen. Den Bruch schneidet man auf und faltet den Streifen wieder zusammen und näht wieder an der Längskante entlang - und das so lange, bis ein rechteckiges Deckenformat entstanden ist. Dann aufhören!


Durch die farblich vorsortierten Streifen kommt es zu einer abwechslungsreichen Quiltfläche mit helleren und dunkleren Partien und genügend Kontrasten, dass die Sache nicht langweilig wirkt - und ohne dass man beim Falten und Nähen noch Einfluss darauf hätte. Um so eine unzufällig-zufällige Stoffanordnung bewusst herzustellen, hätte ich lange herumrpobieren müssen.


Die gepatchte Oberseite verarbeitete ich dann ganz konventionell weiter: die Rückseite besteht aus einem großen Reststück karierten Baumwollflanells, als Füllung dient eine dünne und günstige Fleecedecke. Die Decke wurde jeweils in einigem Abstand von den Nähten quer durchgesteppt. Und so werde ich nun ab und an unter dieser Decke dem Glück und dem Erfolg entgegenschlafen.

Samstag, 29. Juni 2013

Stoffspielerei im Juni: Kartoffeldruck


"Druck und Farbe" hatte Griselda in diesem Monat als Thema der Stoffspielerei vorgeschlagen (und selbst schon mit einem entfärbten Kissenbezug vorgelegt). Das traf sich gut, denn der Liebste hatte kürzlich den Wunsch nach Tischsets geäußert. Ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen, denn wann kommt es im Leben eines handarbeitenden Menschen schon einmal vor, dass aktiv nach textilen Hervorbringungen, und dann auch noch nach Deckchen verlangt wird? Eben. 


Ich wollte nur vorhandene Materialien verwenden und nichts Neues anschaffen. Im Fundus fanden sich verschiedene Stoffmalfarben auf Acrylbasis und ein hellblau-weiß gewebtes Laken mit interessanter Struktur. Die Technik des Kartoffeldrucks dürfte ja noch aus dem Kindergarten bekannt sein: Kartoffeln aufschneiden, zum Stempel schnitzen, Farbe mit einem Pinsel oder Schwamm auftragen und stempeln. Auf der feuchten Kartoffelfläche verteilt sich die Farbe besonders gut, besser zum Beispiel als auf Moosgummi. Es sind nur relativ einfache Stempelformen möglich, aber da man die Stempel nicht aufheben kann, würde es sich auch gar nicht lohnen, komplizierte Muster zu schnitzen.  


Ich schnitt vier verschiedene Formen aus und stempelte sie in zwei verschiedenen Rottönen. Die Verteilung ist mehr oder weniger zufällig (beim zweiten Set zufälliger als beim ersten, weil ich mich während des Stempelns unterhielt und in den letzten fünf Minuten merkte, dass ich gleich zu einer Verabredung losmusste). Um die gestempelten Formen einigermaßen in Reihe platzieren zu können, zeichnete ich mit einem Stift, der beim Bügeln wieder verschwindet, ein Raster vor. Mit dem Stempel musste ich dann nur noch das Kästchen treffen - so ist die Anordung regelmäßig, aber nicht zu regelmäßig. 


Genäht sind die zwei Sets dann wie kleine Quilts: Oberseite, Volumenvliesfüllung und Rückseitenstoff mit dreigeteiltem Zickzackstich durchgesteppt, am Rand mit Schrägband aus verschiedenen roten Stoffresten eingefasst.


Vielleicht bedrucke ich so mal Stoff für einen Rock? Nur mit einem einzigen einfachen Motiv?
Die Stoffspielereien sammelt diesmal Griselda.


(Die nächste Stoffspielerei-Sammlung am 28. Juli bei frifris - macht mit!)

Dienstag, 26. März 2013

Schneiderleins Osterdeko


Wer sagt denn, dass man zu Ostern immer bunte Eier an den Baum hängen muss? Die Hobbyschneiderin wählt eine zünftige Alternative und hängt bunte Garnrollen in knospende Kirschzweige.


Die Bastelei ist lächerlich einfach und ganz schnell gemacht. Am Kompliziertesten ist, so ein buntes Nähgarnset ausfindig zu machen. In meiner Gegend gibt es das in 1-Euro-Läden. Die Röllchen sind keine 3cm lang und es ist kaum Garn darauf, zum ernsthaften Nähen also völlig ungeeignet. Etwas größere Garnröllchen aus Pappe gehen sicher auch. Außerdem braucht ihr kleine Knöpfe mit zwei Löchern und stärkeres Garn zum Aufhängen: Häkelgarn, Perlgarn oder Sternzwirn. Den Knoten im Aufhänger so drehen, dass er in der Mitte des Garnröllchens verschwindet.  


Nun denn, habt schöne Osterfeiertage! Die Stoffspielerei am Ostersonntag ist verschoben - der nächste Spielerei-Terim ist nun am 28. 4., und Karen sammelt dann die Beiträge.


Dienstag, 26. Februar 2013

Stoffspielerei im Februar: Schon wieder Alabama Chanin


Etwas verspätet und nicht unbedingt innovativ kommt hier meine Stoffspielerei im Februar – ich beschäftigte mich zum x-ten Mal mit den Applikationstechniken vonAlabama Chanin. Derzeit fehlt mir ein wenig die Muße, um mich auf Stoffspielereien einzulassen. Das ist weniger eine Zeitfrage, denn eine Kopffrage: wenn ich viel zu tun habe und davon gedanklich absorbiert werde, bleibt im Kopf kein Platz, dann suche ich mir besser etwas mit einer Anleitung. Das entlastet.


Da ich mir aber un-be-dingt (seit mindestens zwei Jahren) einen Jerseyrock mit Applikationen oder ausgeschnittenen Applikationen machen möchte, probierte ich im Februar die einfache Jersey-auf-Jersey-Applikation nach Alabama Chanin aus. Erstmal an einem Schal und mit dem denkbar einfachsten (aber selbst ausgedachten) Muster. Anders als bei meinem Versuch mit Jersey-auf-Baumwollvoile gefällt mir die Wirkung schon viel besser. Es ist bei dieser Technik wohl entscheidend, dass die beiden Schichten in Dicke, Festigkeit, Struktur ähnlich sind.


Der Untergrund ist ein altes weißes T-Shirt, unter den Armen durchgeschnitten und später an einer Seitennaht aufgeschnitten. Da ich wie üblich nicht sehr weit vorausplante, kam mir erst nach einiger Zeit die Idee, die Schalenden mit grauem Jersey (ein abgeschnittenes Trägerhemd) abzusetzen.
Die frei Hand ganz unregelmäßig geschnittenen Kreise aus Jerseyresten in blau, grau und rot habe ich mit dreifädigem rotem Sticktwist aufgenäht.


Hier noch einmal im Überblick: Das zweite Schalende ist noch fast unbearbeitet (und unverstürzt). Das kommt aber noch - diese Stickerei ist eine meditative Handarbeit, fast so wie stricken. 


Die Stoffspielereien sammelt diesmal frifris - vielen Dank dafür!

(Nächster Termin: 31. 3. bei Karen.)

Sonntag, 9. Dezember 2012

Basteln + Buchvorstellung bei Volksfaden

Habt ihr am 16. 12., also am dritten Advent schon was vor? Und seid ihr wirklich sicher, dass ihr ausreichend Weihnachtsdekorationen besitzt?

Wenn ihr zögert und die Fragen mit "Nein" beantwortet, kommt doch am Sonntag Nachmittag zu Volksfaden in die Crellestraße. Über Volksfaden, in meinen Augen der schönste Patchworkstoffladen in Berlin, hatte ich hier ja schon einmal geschrieben - seither sind viele neue, gut gefüllte Stoffregale dazu gekommen. Volksfaden hat am dritten Adventssonntag ab 12.00 Uhr geöffnet, es gibt Punsch und Kekse, einen kleinen Weihnachtsmarkt mit handgemachten Sachen auf dem Platz vor dem Laden und  außerdem 20% Rabatt auf alle Stoffe. Um 15.00 Uhr stelle ich dort mein Buch vor - kommt vorbei, falls ihr mal darin blättern wollt, oder einfach nur Hallo sagen. Ich würde mich freuen!

Den ganzen Nachmittag über könnt ihr bei Volksfaden außerdem Weihnachtsschmuck aus Stoff basteln: von 13.00-14.30 Stoffkugeln mit Diana, später dann Anhänger aus Stoffyoyos mit mir. Die dekorativen Teilchen machen sich nicht nur gut am Weihnachtsbaum, sondern verzieren auch Geschenke, bei nicht-weihnachtlicher Stoffwahl (schließlich geht auch das schönste Weihnachtsfest einmal vorbei) und entsprechendem Unterbau lassen sie sich auch als Brosche oder Haarspange verwenden.

Ich  hoffe, dass man sich den Weg nach Schöneberg nächsten Sonntag nicht mit dem Spaten bahnen muss (heute hat es nämlich den ganzen Tag geschneit) - vielleicht sehen wir uns ja? Alle Daten und Fakten findet ihr kurz und knapp (und auch auf Englisch) auch noch einmal im Volksfaden-Blog


Mittwoch, 25. April 2012

Das 90°-Dingsbums-Einsteckding


Immer wieder bewundere ich, was Karen mit Papier, Farbe, Schere und Kleber alles anstellt. Früher hatte ich selbst oft auch mit Papier gebastelt - aber seit einigen Jahren liegt bei mir eben alles voller Stoff und Papier spielt keine große Rolle mehr. Vor einiger Zeit zeigte Karen aber Dingsbums-Einsteckdinger in ihrem Blog, die mir sehr gefielen - gefaltet aus alten Büchern.

Ich habe auch eine Weile gebraucht, um mich selbst davon zu überzeugen, dass man Bücher verbasteln "darf". Bei einigen Büchern ist dazu nicht so wahnsinnig viel Selbstsuggestion nötig - ich meine, so eine Schwarte wie "Die besten Tipps für Windows 2000" würde ich sogar am hellichten Tag in die Altpapiertonne werfen. Für ein Dingsbums-Einsteckding nimmt man aber am besten ein ansehnliches gebundenes Buch, und da liegt die Hemmschwelle schon wesentlich höher.



Man braucht also ein optisch ansprechendes Buch mit möglichst nichtssagendem oder fragwürdigen Inhalt, und genau sowas förderte der Büroumzug zutage. Aus dem "kann weg"-Stapel suchte ich mir das Buch mit dem schönsten Einband aus - einen von der Volkswagen-Stiftung finanzierten, auf bestem Papier gesetzen Band mit zwei Essays über das Lesen. Ich war trotzdem nicht in der Lage, das Buch ungesehen wegzufalten und nicht wenigstens schnell querzulesen, was ziemlich schnell ging, da die Texte jeweils auf Deutsch und Englisch abgedruckt und locker gesetzt sind - mit Karen würde ich sagen: eine Broschüre im Nerz. Als ich so festgestellt hatte, dass dieser Band nun wirklich kein wertvolles Wissen birgt, sondern ziemlich viele Allgemeinplätze, konnte ich beruhigt falten.     



Die 142 Seiten ergaben allerdings kein 180°-Einsteckdings, obwohl das Papier schön dick ist - aber das finde ich nicht weiter tragisch, denn auch mit 90° sieht das Einsteckdings schön aus. Für künftige Faltaktionen suche ich mir ein uninteressantes Buch mit mindestens 300 Seiten - vielleicht so ein schönes Politiker-Bekenntnisbuch?