Montag, 29. Oktober 2012

Wintermantel-Sewalong 7: Futter nähen und einsetzen



Doppeltermin: Wir kämpfen gemeinsam mit dem Futter und finden dabei vielleicht eine ganz einfache Methode. L. und C. zeigen zwei unterschiedliche Methoden, einen Mantel zu füttern.

Oder: der allseits mit Spannung erwartete Höhepunkt des Wintermantel-Sewalongs: das Füttern. Entschuldigt, dass ich die Spannung so weit getrieben habe - ich habe mich nicht, unter Zurücklassung eines halbfertigen Mantels und einer ratlosen Mitbloggerin, heimlich vom Acker gemacht. Aber in dieser Phase des Mantelprojekts wollte ich mir lieber die nötige Zeit nehmen (und eine zuverlässige Internetverbindung zum Hochladen der Fotos wäre auch nicht schlecht).

Erster Akt: Futter zuschneiden


Also, zur Erinnerung, mein Futterstoff ist dieses psychedelische Wunderwerk der Chemieindustrie:


Leider nur 2,30 m anstatt der laut Schnittmuster nötigen 2,90 m, noch dazu mit Richtung, das heißt die blattähnlichen Muster "wachsen" alle nach oben. Ich hatte mich schon darauf eingerichtet, das Futter für die Ärmel aus einem einfarbigen Rest zuzuschneiden, aber mit Überlegung und viel Hin- und Herschieben bekam ich alle Schnittteile aus dem Stoff heraus: Ich nahm den Stoff quer, und legte die Teile so auf, dass die Blätter abwechselnd nach rechts und nach links zeigen.

Die Flutschigkeit des Stoffes ließ sich auf dem Teppich ganz gut in den Griff bekommen. Auf dem Zuschneidetisch könnte man ein Laken unter den Stoff legen, das dämmt die Rutscherei auch etwas ein. Am Rückenteil in der Mitte an die 2cm extra für die Bewegungsfalte denken. Ich lasse außerdem immer reichlich Stoff am Saum und an den Ärmelsäumen stehen, auch wenn die Anleitung einem weismachen will, 1,5 cm seien genug. Aber das ist Geschmackssache - wie ein Nahtzugabencheck beim vorletzten Stricktreffen ergab (zu dem auch viele Selbernäherinnen kommen), sind meine Nahtzugaben generell breiter als bei anderen. Ich gehe gerne auf Nummer sicher.

Zweiter Akt: Futtermantel nähen

Das ging besser als befürchtet, denn der Flutschstoff hat immerhin eine griffige Rückseite. Puha.

Der Futtermantel wird im Prinzip genauso genäht wie der Außenstoff, mit zwei Ausnahmen: Im Rückenteil an der senkrechten Mittelnaht wird die Bewegungsfalte am Hals ein paar Zentimeter zugesteppt. Die Mehrweite der Ärmel in der Armkugel, die man beim Außenstoff eingehalten hat, bringt man in ein oder zwei Falten unter.

Dritter Akt: Mantel säumen


Wenn man der 1,5 cm-Saumzugabe-Doktrin der Nähanleitungen vertraut, kann man den Außenmantel und das Futter rundherum verstürzen, so wie das auch in der Fabrik gemacht wird. Bei Falten und/oder Schlitzen im Rückenteil und bei generellem Misstrauen gegenüber der eigenen Fähigkeit zur Präzision wählt man besser eine Kombimethode: Futter an den Belegen verstürzen und an den Säumen von Hand annähen.

Dazu muss der Mantel zuerst einmal gesäumt werden. Ich hatte mir sehr viel Zeit genommen, den Außenmantel jetzt noch einmal ganz sorgfältig zu bügeln, einige Nahtzugaben zurückzuschneiden, Schulterpolster zu befestigen und die Länge festzulegen. Der Mantel wird nun etwa 3 cm kürzer als vom Schnitt vorgesehen, was immer noch superlang ist.


Die Säume bügelte ich ein und schnitt an den Saumzugaben die Nahtzugaben zurück, dann wird die Stelle nicht so dick (unnötig, wenn ihr ohnehin schmale Nahtzugaben habt).

Der Bereich des Vorderteilbelegs macht mir immer etwas Kopfzerbrechen. Traditionellerweise werden Beleg und Vorderteil jeweils für sich gesäumt, so dass hier vier Lagen Stoff aufeinander liegen. (Und jedes Mal frage ich mich, warum man die Ecke nicht einfach verstürzt?)

Der Saum vom Beleg muss einen Tick weiter umgeschlagen werden, so dass man ihn von außen nicht sieht.

Vierter Akt: Futter verstürzen


Jetzt wirds unübersichtlich! Der zusammengenähte Futtermantel und der Außenmantel werden entlang der Belege rechts auf rechts gesteckt und anschließend genäht. Was man so lapidar in einem Satz hinschreiben kann, bedeutet in der Praxis einen riesigen Berg Stoff durch die Maschine zu ziehen, und auch das Foto ist alles andere als aussagekräftig, illustriert aber wenigsten die Unübersichtlichkeit des Vorgangs:


Jetzt heißt es hoffen: wenn man vorher präsize gearbeitet hat, dann passt das Futter nach dem Wenden gut in den Mantel und die Futterärmel lassen sich in die Mantelärmel ziehen

Fünfter Akt: Futter ansäumen


Bleiben noch die Säume und einige Kniffelstellen, zum Beispiel die beliebte Ecke Vorderteilbeleg/Vorderteil/Futter.


Hier: die rechts-auf-rechts-Naht vom Verstürzen hört einige Zentimeter über dem Saum auf. Rechts ist das Futter schon an den Saum gesteckt (mit etwas Spiel, es soll lockerer sitzen als der Oberstoff).

 
Das Futter steckt man in Verlängerung der senkrechten Naht an den Beleg und am unteren Ende um den Beleg herum, die Saumzugabe vom Futter liegt da also zwischen Beleg und Außenmantel. Schwer zu erklären, aber es erschließt sich, wenn man die Stelle selbst vor sich hat. Den Futtersaum nähe ich mit der Hand fest.


Zweite kniffelige Stelle: Der obere Abschluss des Rückenschlitzes. Links ist das Futter schon an den Schlitz-Untertritt gesäumt, oben halte ich den Stoff fest, damit man bei dieser Musterkatastrophe wenigstens erahnen kann, wo ich da den Futterstoff zurückgeschnitten habe.


Suchbild mit Stecknadeln: hier ist das Futter schon mal so gesteckt, wie es dann auch angenäht werden wird.  Das Prinzip erkennt man wesentlich besser in diesem Beitrag von Berry - da geht es zwar um einen Rockschlitz, aber es ist eigentlich die gleiche Konstruktion.

Und bei euch so? Die pünklichen Mantelnäherinnen haben sich schon bei Catherine versammelt.

Wenn ihr zufallig gerade mit den Ärmeln beschäftigt seid, lege ich euch Lucias Blogserie ans Herz: Armloch anpassen und Jackenärmel einnähen.

17 Kommentare:

  1. mensch Lucy, da hast du dir aber eine Menge Arbeit gemacht für uns:) danke dir!
    jetzt hab ich mein Futter hinten am Schlitz leider nur so reingefummelt...aber das nächste Mal dann!
    meine Anleitung in der Burda fürs Füttern des Parka war die Anfängerversion:) das hab ich nach einem Telefonat von einer sehr netten Mitarbeiterin erfahren...

    dein Futterstoff ist der Hammer!

    liebe grüsse
    andrea

    AntwortenLöschen
  2. Ich habe die Belegecke ja einfach verstürzt. Nicht verwunderlich, ich habe ja den ganzen Mantel komplett verstürzt. Da sieht man das faule Schneiderlein... Was bei meinem Stoff bezüglich des Saumes eine Erleichterung war, dass ich die Saumzugaben komplett mit Einlage versehen hatte, so war das Bügeln bei meinem Stoff zumindest annäherungsweise möglich.
    Vielen Dank für deine Beschreibung und liebe Grüße
    Julia

    AntwortenLöschen
  3. Ich neige auch hier mein Haupt vor sooooo viel Handarbeit! Man merkt, das Niveau der Mantel-Näherei ist ganz unterschiedlich, aber alle werden am Ende stolz sein, oder?
    Auf jeden Fall habe ich dich gestern schon ganz verwundert vermisst- nun ist aber klar, warum! Für einen solch ausführlichen Post braucht man fast so viel Zeit wie fürs Nähen!
    Danke, dass du dir mit Catherine gemeinsam so viel Arbeit machst, und uns alle davon profitieren lässt!
    Liebe Grüße,
    BuxSen

    AntwortenLöschen
  4. Boah, ich Les ja nur staunend mit und Nähe nicht. Aber: was für ein genialer Futterstoff!!!
    Ich bin total gespannt auf das Endergebnis.
    Viel Erfolg und Spass weiterhin!
    Viele Grüsse
    Uta

    AntwortenLöschen
  5. Wenn ich deine Posts lese, merke ich, dass ich immer wieder Antworten auf Fragen finde und von Woche zu Woche dazu lerne - auch wenn ich jetzt schon einiges an meinem Mantel "falsch" gemacht habe, aber der ist ja auch ein Anfängerstück. Bei meinem alten Mantel, den meine Mutter mit Schneiderausbildung in den 50er Jahren genäht hat, waren die Belege übrigens einfach umgeklappt, das ganze Futter hatte sie auch mit der Hand eingenäht (ließ sich daher sehr gut auftrennen - ich kannte nur die Farbenmix Variante von den Kinderjacken - einmal mit der Nähmaschine rundrum nähen und durch den Ärmel ziehen- so wollte ich es diesmal auch machen...). LG Anja

    AntwortenLöschen
  6. Danke für die genaue Erklärung des Fütterns!
    Ich muss zwar nur noch unten, aber da traue ich mich jetzt morgen mal dran.
    Der Rest war Samstag schon fertig.
    Katti Rocksaum

    AntwortenLöschen
  7. Vielen Dank für Deine ausführlichen Posts über Einlagen und heute Futter !Das lässt mich hoffen , wenn ich dann in der nächsten Woche ans Einnähen gehe
    liebe Grüsse Dodo

    AntwortenLöschen
  8. Danke für die ausführliche Beschreibung. Das hast Du gut und verständlich geschrieben, was ja echt nicht leicht ist.
    Der Futterstoff ist super!

    AntwortenLöschen
  9. was für ein toller Futterstoff!! ich bin ja ein großer Fan der internationalen Pharmaindustrie (na ja, nicht wirklich, aber es sagt sich so schön..), und nun auf jeden Fall auch noch der internationalen chemischen Industrie, die ja wirklich sensationelle Dinge aus Öl und anderem Kram herstellt :-) Das wird/ist bereits ein ganz großartiger Mantel!!!
    Schöne Woche noch dir,
    Claudia

    AntwortenLöschen
  10. Wow - das wird ja ein Traummantel. Danke für die Anleitung - und das Vorstellen, was alles dazugehört, wenn man ein Futter mit einnäht. Was für eine Arbeit!!!!!

    Ich habe mir auch einen Mantel-Schnitt bestellt. Mal sehen, ob ich das ganze dann auch hinbekomme. Den Futterstoff finde ich irgendwie super. Schön bunt und passt toll zu dem schwarzen Mantelstoff ( auch wenn man diesen nicht wirklich viel sieht.

    Bin schon gespannt auf das Ergebnis!
    Liebe Grüße Tinki

    AntwortenLöschen
  11. was für ein schickes Innefutter, gefällt mir ausgesprochen gut.

    AntwortenLöschen
  12. Wiedermal ein sehr aufwendiger Posteintrag! Danke für die Mühe, die ich sehr gerne geflattert hätte, wenn es bei dir die Möglichkeit dazu gäbe ... http://amberlight-label.blogspot.de/2012/10/overlockfu-flattr.html

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke! Mit flattr muss ich mich nochmal beschäftigen - mir war so als brauche man unbedingt paypal (will ich nicht) oder eine Kreditkarte (bekomme ich nicht), um mitzumachen.

      viele Grüße!

      Löschen
    2. Das Gefühl muss natürlich ohnehin stimmen und ich hoffe, dass ich mit meinem Vorschlag jetzt nicht in die "Werbe- und Selbstbeweihräucherungsplattform-Ecke" bei dir gerutscht bin, denn den Schaut-her-wie-toll-ich-bin-Stempel mag ich so gar nicht, aber etwas Gutes tun (wie das Schaf für Äthopien) schon ...

      Löschen
    3. Nene, natürlich nicht! Deine Spenden-Idee finde ich im Gegenteil sehr toll.

      Löschen
  13. Das Futter ist so wunderschön! Danke für die tolle Organisation und Hilfe bis hierher - wollte ich nur mal schnell loswerden.

    Liebe Grüße
    mei

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für deinen Kommentar!