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Mittwoch, 2. Dezember 2020

Der rote Wollmantel (107 aus Burdastyle 10/2018) oder: eine typische Geschichte

Gerade noch rechtzeitig vor dem Beginn der Winterkälte hier im Nordosten ist mein Wollmantel fertig geworden. Ich hatte das Projekt im Januar 2019 bei der Annäherung in Bielefeld begonnen, und es scheint bei mir ein Naturgesetz des Nähens zu sein, dass ein Mantel immer erst ein Jahr ablagern muss (mindestens!) bis er fertig gestellt wird. In Bielefeld brauchte ich ewig für die Taschen - Paspeltaschen mit Klappe, auf die die Teilungsnaht im Oberteil zuläuft - fürs Zusammennähen, fürs Bügeln, und ich wDar dann schon ganz stolz, dass ich mit einer zusammengenähten Mantel-Außenhülle nach Hause fahrren konnte. Der Schnitt, Nurmmer 107 aus Burdastyle 10/2018 ist immerhin ein Vier-Punkte-Projekt bei Burda.

 

Der Mantel hing dann - auch das ist mittlerweile Tradtion - den ganzen Sommer auf einem Kleiderbügel hinter der Tür meines Nähzimmers. Der Herbst 2019 verging, ich hatte keine Lust, mich ans Füttern zu machen.

 

Es wurde Winter, der Jahreswechsel kam und die Annäherung 2020 näherte sich. Ich dachte an den Mantel, an das Futter und stellte fest, dass ich keine Ahnung hatte, wo sich der herauskopierte Schnitt des Mantels befand. Ich suchte einen halben Nachmittag und schaute in gefühlt tausend Klarsichthüllen und kam dann zu der Überzeugung, dass ich den Schnitt bestimmt bei einer Aufräumaktion weggeworfen hatte. Alles nochmal schnell neu auskopieren, damit der Mantel vor dem Nähtreffen 2020 fertig werden konnte? Niemals! Ich nähte in Bielefeld einfach was anderes, der halbfertige Mantel blieb auf dem Bügel hinter der Tür.

 Irgendwann im Frühjahr (genau erinnere ich mich nicht), fing ich tatsächlich an, den Futterschnitt noch einmal herauszukopieren - also zumindest die Ärmel, da relativ kleine Teile. Diese Anstrengung versandete aber irgendwann. Da fand ich eines Tages, als ich Regal mit den Nähbüchern etwas ganz anderes suchte, meine Schnittkopie von 2019 wieder. Ich hatte sie - sicher mit dem Gedanken, dass ich sie ja bald brauchen würde - zusammengefaltet quer auf eine Reihe Bücher ins Regal geschoben, von vorne leider so gut wie unsichtbar. Das Wiederfinden des Schnittmusters motivierte mich ein wenig, aber nicht so sehr, als dass ich im (heißen) Sommer einen wolligen Mantel zuendegenäht hätte. Das schaffte erst das virtuelle Nähkränzchen am Wochenende vor zwei Wochen, wo ich mich zuerst in Plänen und Träumen über schöne, neue Nähprojekte erging, ehe ich wieder an den Mantel dachte und dann wirklich, aber jetzt WIRKLICH das Futter für den Mantel zuschnitt und im Laufe des Wochenendes einnähte.

Es gab auch so gut wie keine Pannen dabei - außer: 

1. Das Futter war - nach Anleitung zugeschnitten - etwa 5 cm zu kurz. Das ist mir tatsächlich bei Burda-Schnittmustern schon öfter passiert, nach meiner Erfahrung reicht es nie, wenn man wie angegeben die Futterteile mit nur 1,5 cm Saumzugabe zuschneidet. Leider war mir dieses Wissen im entscheidenden Moment entfallen, aber ich schreibe es hier noch einmal auf, dann erinnere ich mich vielleicht beim nächsten Mal daran. Ich fand es dann etwas doof, schwarzes Futter anzustückeln, sondern verwendete einen Rest hellblauen Futterstoff, gut zum dunkelroten Oberstoff passt. Das ist sogar ein ganz guter Kompromiss, denn ich hatte zuerst überlegt, ein farbiges Futter einzunähen, mich dann aber doch für langweiliges Schwarz entschieden.   

2. Ich schnitt bei dem Versuch, die Nahtzugabe des Futters am Schlitz im Rückenteil zurückzuschnieden, auf einer Seite in das Futterrückenteil. Das sah zuerst ziemlich dramatisch aus, aber irgendwie war an der Stelle genügend Futterstoff vorhanden, so dass ich den Einschnitt beim Ansäumen am Schlitzbeleg nach innen schieben konnte. Ich verstehe im Grunde nicht ganz, wie das sein kann, aber auf jeden Fall sieht das Futter OK aus, der Schnitt ist weg, es spannt nirgends - also bin ich zufrieden. Die feinheiten des Abfütterns, bei denen ich nicht besonders fit bin, sind wahrscheinlich das, was den vierten Schwierigkeitspunkt bei diesem Schnitt ausmacht.

Hier nochmal zum Angeben die Paspeltasche aus der Nähe! 

Beim MeMadeMittwoch versammeln sich heute wieder Menschen im Selbstgenähten - ich bin gespannt, wie viele Mäntel dabei sind. 

Details zum Schnitt:

Schnittmuster: 107 aus Burdastyle 10/2018

Stoff: ca. 3,20 m dunkelroter Wollstoff , ca. 2 m schwarzes Viskosefutter und ein Futterstreifen in hellblau von ca. 7,5 cm Breite

4 Druckknöpfe

Einlage: auf dem gesamten Vorderteil, Kragen, ein Streifen auf Ärmelsäumen und Säumen und auf den Schlitzkanten im Rückenteil. Ärmelfische und dünne Schulterpolster. 

Mittwoch, 1. April 2020

Ein regenfester Trenchcoat - Isla von named clothing


Heute hätte die Präsentation dieses schon vor zwei Monaten fertiggenähten Trenchcoats beinahe wieder nicht geklappt, weil ich den MeMadeMittwoch-Termin fast vergessen hätte. Ehrlich, ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wer hat nur das Gerücht in die Welt gesetzt, derzeit könne man die Entschleunigung leben, mal wieder ein gutes Buch lesen, sich auf das Wesentliche besinnen, die Beziehungen im Familienverband stärken, so als wären wir alle kollektiv in einen luxuriösen Wellness-Achtsamkeitsurlaub geschickt worden? Ich habe genauso viel zu tun wie vorher auch, und dazu noch diverse Sorgen um Familienangehörige, Einkommen und die Zukunft obendrauf, ich brauche keine Tipps "gegen die Langeweile zuhause", lese und nähe weniger als im Januar und Februar, und ich habe den Eindruck, so wie mir geht es gerade den meisten Menschen.


Dass heute MeMadeMittwoch ist, wäre so fast an mir vorbeigegangen, aber immerhin ist der Liebste derzeit zuhause im Urlaub und konnte am Nachmittag auf dem Hof noch schnell ein Foto von mir machen. Im Moment sind die Temperaturen nämlich immer noch nicht danach, dass man einen Trenchcoat tragen könnte, vorgestern hatte es sogar geschneit. 


Der Schnitt des Trenchcoats Isla vom finnischen Schnittmusterlabel named clothing ist bewährt, getestet und geliebt - den ersten Mantel nach dem Schnitt nähte ich 2017, leider aus einem wenig geeigneten Stoff. Der grüne Baumwollsatin schabte sich an den Kanten ziemlich schnell ab, auf einer Seite fing ich mir dann noch eine Art Bleichefleck ein, und der Mantel sah schon im letzten Frühhjahr aus, als würde ich darin wohnen.


Da der Schnitt aufwendig und sehr detailreich ist - man muss allein ein halbes Dutzend schmale Streifen für diverse Schlaufen, Riegel und Gürtel verstürzen und absteppen, was schon einge Stunden dauert - war mir klar, dass ich den Ersatzmantel nicht mal eben nebenher nähen würde und nahm mir das Projekt für das Annäherungs-Nähwochenende im Januar vor. Mir Carola Nähkatze, die ihren fertigen Mantel schon vor zwei Wochen gezeigt hatte und Birgit fand sich bei dem Treffen sogar eine kleine Trenchcoat-Neigungsgruppe zusammen. Birgit und ich kauften unabgesprochen sogar denselben Stoff für das Projekt, einen marineblauen Bibernylon von Stoff&Stil.


Der Bibernylon ist ein sehr robuster Stoff in Köperbindung aus 50% Baumwolle und 50% Nylon und aufgrund des Materials wasserabweisend, das heißt ein Regenschauer perlt daran ab, für stundenlange Wanderungen im Dauerregen wäre das Material aber nicht geeignet. Ich nehme an, dass es Biberylon ("Biber-" wie bei Biberbettwäsche) heißt, weil die Unterseite des Stoffes matt, rau und fast ein bisschen flauschig ist (oder es handelt sich einfach nur um eine wörtliche Übersetzung aus dem Dänischen (Stoff&Stil ist ein dänisches Unternehmen) und es müsste in Wirklichkeit auf Deutsch ganz anders heißen). Der Stoff ist jedenfalls ziemlich fest, mit einem guten Fall, lässt sich mit einer relativ feinen, spitzen Nadel (höchstens 80er) gut nähen und auch gut bügeln. Beim Absteppen der schon erwähnten Riegel muss man mit Nadel und Stichlänge ein bisschen herumprobieren, denn das Material ist so dicht, dass die Nadel bei doppelten Lagen stark abgebremst wird und die Fadenverschlingung der Naht gerade auf der Unterseite nicht mehr so gut aussieht.


Das Schnittmuster war jetzt im zweiten Durchgang ganz unproblematisch, ich habe den Schnitt einfach so, wie er war, noch einmal genäht, ich wusste ja, dass er passt. Größe 40 fand ich genau richtig, weil die Ärmel und Schultern ziemlich schmal ausfallen und ich dicke Pullover unter dem Mantel tragen möchte. Ich finde aber ziemlich überraschend, dass der neue Mantel durch den stärker glänzenden Stoff ganz anders wirkt, zumindest auf den Fotos. In Wirklichkeit fällt der Glanz nicht so stark ins Auge, scheint mir.


Am Nähwochenende wurde ich natürlich nicht komplett fertig (und eine Tasche musste ich zweimal nähen, weil ich sie verkehrtherum eingesetzt hatte), aber was zuhause noch zu tun war, hielt sich in Grenzen: Gürtelschlaufen annähen, Außenmantel und Futter verstürzen, Knopflöcher einnähen, Knöpfe annähen und zuallerletzt den Schlitz im Rückenteil durch alle Lagen schräg zusteppen, so dass es von innen und von außen ordentlich aussieht. Das war die größte Herausforderung bei diesem Projekt, ich habe an zwei Abenden ungefähr 15mal getrennt und wieder neu gesteppt. Und so habe ich tatsächlich ohne die sonst übliche mehrmonatige Ablagerungszeit innerhalb von 4 Wochen einen neuen Mantel genäht, ich kann es selbst kaum glauben.

Mehr Selbstgenähtes gibt es heute beim MeMadeMittwoch, der Vernetzungsaktion für Menschen, die ihre Kleidung selbst nähen, immer am ersten Mittwoch im Monat, der nächste Termin ist der 6. Mai.

Die technischen Details in Kürze:

Schnittmuster: Isla Trenchcoat, named clothing  
Stoff: knapp 4 Meter Bibernylon marine von Stoff&Stil
hellblaues Viskosefutter
Genähte Größe: 40. Der Schnitt hat relativ schmale Ärmel
Änderungen: Im Vorderteil nur 10 Knöpfe statt 12 (unterstes Paar weggelassen)
Isla Nummer 1 hier. 

Mittwoch, 12. April 2017

La isla bonita - Isla Trench Coat von namedclothing


Es gibt Nähprojekte, die sind so zeitaufwendig, dass ich erst mal einige Zeit Abstand von ihnen brauche, ehe ich sie anziehen kann, scheint mir. Der Trenchcoat nach dem Schnittmuster Isla von namedclothing hing über ein Jahr ohne Knöpfe und Knopflöcher an wechselnden Stellen der Wohnung und nervte den Liebsten, ehe ich vor zwei Wochen, am Abend vor der Abreise nach Köln, endlich noch einmal den Schnitt hervorholte, die Position der Knopflöcher markierte und die Knopflöcher nähte. Die Reise konnte ich dann mit Mantel antreten, aber es war knapp. Die richtige Übergangsjahreszeit im Frühjahr oder Herbst, in der ein Trenchcoat zur Temperatur passt, hatte ich ja schon zwei Mal verpasst.  


Begonnen hatte ich mit dem Mantel bei der Annäherung, dem großen Nähtreffen in Bielefeld im Januar 2016. Der Schnitt ist sehr gut geeignet für ein Nähtreffen, weil er sehr aufwendig ist, mit vielen Details. Den ersten Abend verstürzte ich nur einen Berg Stoffstreifen in unterschiedlichen Breiten, die Ärmelriegel, Kragenriegel, Gürtel und Gürtelschlaufen werden sollten und steppte sie ab. Solche Arbeiten, bei denen man ewig näht, aber keine Fortschritte sieht, muss ich mir zuhause immer erst schmackhaft machen.


Am nächsten Tag nähte ich ziemlich stur die großen Teile zusammen und schaute nicht rechts und nicht links und probierte vor allem nichts an. Die Mitglieder meiner Trenchcoatselbsthilfegruppe, mir immer ein paar Nähte voraus, hatten scheinbar ein Passformproblem bei dem Schnitt aufgedeckt: Viel zu enge Ärmel und Schultern. Ich wollte das nach den Kilometern an verstürzten Streifen vom Vortag lieber gar nicht so genau wissen und versuchte, die Katastrophenmeldungen links von mir zu überhören.


Ziemlich spät am Samstag Abend stellte sich heraus, dass das Passformproblem in Wirklichkeit ein Schnitt-Skalierungs-Problem beim Ausdrucken war, und ich traute mich, den noch futterlosen Mantel überzuwerfen: Er passte, genauso wie mein Kontrollkästchen auf den Schnittmuster.




Nach dem Nähtreffen verstürzte ich noch das Futter, und das war alles, was für sehr lange Zeit passierte. Die Selbsthilfegruppe, alias Claudia und Sybille, hatte ihre Mäntel längst fertig und schon jeweils einen zweiten genäht - Sybilles Mäntel sieht man hier, Claudia hatte aus dem Schnitt zuletzt einen leichten Wintermantel gemacht, den Annäherungs-Mantel hatte sie gar nicht gebloggt, glaube ich.


Ich bin jetzt sehr zufrieden mit meinem Mantel, den ich in Originallänge gelassen habe.


Das Schnittmuster ist so gut, wie man es von namedclothing gewöhnt ist. Besonders der separate Futterschnitt hat mich begeistert, er war nämlich wirklich so konstruiert, dass das gesamte Futter, sogar am Rückenschlitz, verstürzt werden konnte. Als ich Außenmantel und Futter dann durch einen kleinen Lücke am Vorderteilbeleg auseinanderzog und alles, wirklich alles passte und der Saum nirgends hochgezogen wurde, konnte ich es kaum glauben.




Von anderen Schnittherstellern kenne ich Futterschnitte, die nur so ungefähr passen, oder die man - abzüglich Belege, plus Bewegungsfalte im Rückenteil - aus den Schnittteilen des Oberstoffs selbst erstellen muss. Das hat bei mir immer nur mittelmäßig geklappt, so dass ich Mantelfutter meistens mit der Hand einnähe. Namedclothing zeigt, dass es besser geht.


Das Tragegefühl des Mantels ist wirklich gut, er ist zwar weit, so wie Trenchcoats eben geschnitten sind, aber nicht unförmig. Besonders die Schultern passen sehr gut und sind nicht überschnitten.


Darunter trug ich am Foto-Tag einen anderen Schnitt von namedclothing, den ich mittlerweile, obwohl ungewohnt, auch sehr mag, das Wenona-Kleid, das ich dieses Jahr bei der Annäherung genäht und sogar komplett fertig bekommen hatte - hier war schon die Rede davon.

Mehr selbstgemachte Kleidung gibt es wie immer Mittwochs beim MeMadeMittwoch zu sehen.

Zusammenfassung

Schnittmuster: Isla Trench Coat, namedclothing
Stoff: Knapp 4 m kräftiger Baumwollsatin mit etwas Elasthan in olivgrün, schwarzes Viskosefutter
Genähte Größe: 40
Änderungen: Im Vorderteil nur 10 Knöpfe anstatt 12 - das unterste Paar wäre für meinen Geschmack zu weit unten gewesen, daher habe ich es weggelassen.

Dienstag, 6. Dezember 2016

Neuer Schnitt: Der Stadtmantel aus Walk (Werbung)


Seit heute gibt es in Meikes Schnittmusterkiosk einen neuen Schnitt, den Stadtmantel, einen leichten, langen Mantel aus Walk. Auf den Schnitt war ich ehrlich gesagt schon scharf, als das ganze Projekt losging, die Schnitte von stokx für Hobbyschneiderinnen aufzubereiten: Der Mantel ist so herrlich leicht und bequem, hat eine schwingende Weite und sieht so selbstverständlich elegant aus, ohne aufgebrezelt zu sein. Ich hatte den fertigen Mantel bei stokx im Laden im Haus Schwarzenberg anprobiert und wollte das Teil unbedingt unter der Nähmaschine haben. Der Mantel ist wie erwartet ein Lieblingsteil geworden, im Herbst habe ich ihn täglich angezogen.

Sachen aus Walk sehen ja oft ökomäßig-rustikal aus, wenn die Säume und Kanten offen gelassen werden und der Walk an den Nähten dachziegelartig links auf rechts verarbeitet wird. Die Designerin Lindy hat sich für die Verarbeitung des Walks ein paar Kniffe ausgedacht, so dass die Säume nicht mehr so eine unfertige Optik haben, aber auch nicht übermäßig wulstig werden. Ich überlege schon, wie diese Techniken bei anderen Kleidungsstücken aus Walk eingesetzt werden könnten - den Newcastle-Cardigan würde ich beim nächsten Mal anders verarbeiten. Aber das nur am Rande.



Hier sieht man die geniale Verarbeitung der Kanten und Säume: Die Vorderkanten sind mit einer Blende aus festem Stoff verstürzt, so kann die Kante nicht ausleiern und die Druckknöpfe haben einen festen Untergrund. Mit den Druckknöpfen umgeht man auch die Schwierigkeiten, die Knopflöcher in Walkstoffen normalerweise bereiten. Und die Kante ist schön flach. leicht und elegant.
 

Wenn man den Mantel bis oben hin zuknöpft, hat er einen kleinen, ziemlich eng anliegenden Kragen, der sehr gut wärmt. Der Mantel auf den Bildern ist übrigens Größe 2, es passt bei mir problemlos noch eine Strickjacke darunter. Man kann den Mantel aber auch als Strickjacken-Ersatz im Haus tragen (ich denke da an zugige Altbau-Büros). 


Hier sieht man das Rücken- und Schulterfutter, das nicht nur das Anziehen erleichtert, sondern auch die Schulternähte und den Halsausschnitt stabilisiert. Walk neigt ja zum Ausleiern, durch das feste Futter bleibt der Schulter- und Kragenbereich des Mantels schön in Form. Weil das Futter aus zwei Teilen besteht und im Rücken nur überlappt, hat man aber im Rücken immer noch Bewegungsfreiheit, denn der Walk kann sich dort mitdehnen.

Für das Ärmelfutter reichen Futterreste, dort sollte man einen glatten Stoff nehmen, damit man leicht in den Mantel hineinkommt. Den Mantel komplett füttern zu wollen, würde ich nicht empfehlen - ich wurde schon danach gefragt, ob das denn ginge, aber ich rate ab. Natürlich könnte man sich einen Futterschnitt zurechtbasteln, aber dann hätte man nicht mehr diese Bequemlichkeit und Leichtigkeit des Walks und das durchdachte Design, mal abgesehen davon, dass man sich überlegen müsste, wie man die Verbindung Futter-Walk an den vorderen Kanten löst. Eventuell wäre es möglich, den Schnitt aus Wollstoff wie einen herkömmlichen Wintermantel zu nähen und Belege und einen gedoppelten Kragen zu konstruieren - aber dann wäre der Stadtmantel-Schnitt nur die Grundlage für ein ganz anderes Kleidungsstück.


Hier nochmal ein Detailbild des Kragens: Die ganze vordere Kante bis zur Kragenecke ist mit der Blende aus festem Stoff verstürzt, die Blende liegt bei beiden Vorderteilen zum Körper hin. Der breite Saum des Kragens wird auf die Unterseite gebügelt und da mit Zickzackstich festgenäht. Wenn man genau passendes Garn nimmt und die Naht mit etwas Dampf bügelt, sinken die Stiche so in den Walk ein, dass man sie fast nicht mehr sieht.

Der qualitativ sehr tolle Walkstoff stammt vom Roten Faden, es gibt ihn in vielen schönen Farben, derzeit reduziert, ich habe das melierte Dunkelgrau "Pflasterstein" vernäht. Wer in den nächsten 14 Tagen Walk für den Stadtmantel beim Roten Faden bestellt, bekommt gratis eine Rolle Nähgarn (Coats Epic 1000m) im passenden Farbton dazu. Schreibt bei der Bestellung „bitte kostenlos passendes Nähgarn beilegen“ ins Feld für Anmerkungen. Außerdem ist beim Roten Faden bis zum 22. 12. die Bestellung versandkostenfrei. Der Schnitt für den Stadtmantel ist bei Crafteln im Schnittmustershop bis zum 22. 12. ebenfalls reduziert.

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Ein Oversize-Experiment - Mantel Burdastyle 128, Heft 8/2014

Heute mal schlecht gestylte MemadeMittwoch-Fotos mitten aus dem Leben, von der Bushaltestelle im Schneeregen, der Bus gerade weggefahren. Am Sonntag ging ja der Winterjacken-Sewalong 2015 zuende, den Karin und ich drüben im MemadeMittwoch-Blog moderiert haben - dort findet ihr auch die Ergebnisse aller Mitnäherinnen (und wenn euer Mantel oder eure Jacke noch nicht fertig ist, keine Sorge: am 10. Januar gibt es ein Finale der Herzen). Vielen Dank vor allem an Karin, die lauter gute Ideen für die Organisation des Sewalongs hatte, während ich in der zweiten Hälfte nur noch in den Seilen hing!


Fertig ist mein Mantel trotzdem geworden - was ein Glück, dass ich mir einen einfachen Schnitt ausgesucht hatte. Die nähtechnischen Details und die ersten Trageerfahrungen damit gibt es hier. 
Ich habe Nummer 128 aus Burdastyle 8/2014 genäht, einen sehr weit und locker sitzenden, kniekurzen Mantel mit schmalem Revers und einem großen verdeckten Schlitz in Rücken.


Das ist ja die Mantelsilhouette, die zur Zeit viel getragen wird, hier in Berlin oft von großen dünnen Mädchen, die dazu Plateausohlen und manchmal Dutt kombinieren, und dadurch noch größer und gestreckter aussehen, als sie ohnehin schon sind. Ich war ein bißchen skeptisch, ob mir so eine Oversize-Form an mir gefallen würde, schließlich hatte ich bisher nur taillierte Wintermäntel gehabt, dachte ich.

Kleiner Einschub: Nachdem ich die Nummer 128 schon zugeschnitten hatte, fiel mir aber ein Mantel ein, den ich etwa 1992/1993 zu Gymnasiumszeiten besessen hatte: Ein schwarzer, weiter, knapp knielanger Swinger, ohne Verschluss, mit einem langen Schalkragen aus Fake-Leopardenfell. Den hatte ich geliebt! Wie ich in einem Mantel, den man nicht zumachen konnte, auch nur einen Winter überstehen konnte, ist mir heute nicht mehr klar. Die Hamburger Winter der frühen 1990er müssen außerordentlich mild gewesen sein.)


Nach gut 14 Tagen im Tragetest bin ich von dem Mantel 128 und dem Schnitt aber so gut wie überzeugt. Es ist zwar viel Stoff, und der Mantel sieht vor allem auf Fotos nicht "schlank" aus (im Leben und in Bewegung wirkt er etwas anders - der Stoff wirkt nicht so flächig), er ist aber herrlich weich und locker und trägt sich ganz leicht, ohne zu beschweren und einzuengen. Das tiefgezogene Revers passt gut zu dicken Schals und im Zug kann der Mantel als Decke genutzt werden (auf der Rückfahrt von Köln schon probiert). Für Temperaturen bis Null Grad ist dieser Mantel genau das Richtige. Wenn es kälter wird, habe ich noch den schwarzen, langen und fünfmal so schweren Mantel aus dem Sewalong 2012.

Sogar mit dem asymmetrisch abgesteppten, verdeckten Schlitz im Rückenteil bin ich jetzt zufrieden. Die Querstepplinie an der Oberkante des Schlitzes musste ich zwar fünf Mal auftrennen und neu steppen und dazwischen jedes Mal dämpfen und von Hand heften, ehe das Rückenteil glatt fiel, und ich war nicht überzeugt, ob so ein asymmetrischer Hingucker auf dem Po überhaupt etwas wäre, das man sich wünschen sollte. Der Schlitz unterteilt aber die große Fläche des Rückenteils, ich denke es ist für den Gesamteindruck gut, dass da dem Auge noch etwas geboten wird.

Ungünstig ist, dass diese Mantelform zu vielen anderen meiner Kleidungsstücke nicht passt - man sieht das sehr schön an den Fotos: Ich müsste einen kurzen, schmalen Rock oder eine schmale Hose dazu tragen  - so wie auf den Bildern, mit einem längeren Rock, wirke ich wie die Leute, die auf dem Hermannplatz Publikationen religiöser Splittergruppen verteilen. Aber so ist das eben mit echt getragener Kleidung: Man wirft schnell mal was über und stürmt aus dem Haus, und sieht tagsüber manchmal passender, manchmal weniger passend gekleidet aus. Und ich kann das ja als Ansporn nehmen, mir nächsten Herbst noch einen leichten, taillierten Mantel zu nähen.

Was andere heute am Mittwoch beim Losstürmen übergeworfen oder vor dem Kleiderschrank sorgfältig ausgewählt haben - hier ist die Sammlung im Me made Mittwoch-Blog.

Noch ein paar technische Details:


Die Taschen in der Seitennaht bestehen jeweils aus einem Taschenbeutelteil, das unter das Vorderteil gesteppt wird - die Hände kann man hineintun, Dinge besser nicht, denn sie zeichen sich außen ab.

Die Schultern sind weit überschnitten, ohne Schulterpolster. Auch wenn der Mantel auf dem Bildern sehr gerade aussieht - er wird zum Saum hin ein bißchen schmaler, ist dort auf jeden Fall schmaler als auf Höhe der Armausschnitte. 

Zusammenfassung 

Schnitt Mantel 128 aus Burdastyle 8/2014
Oberstoff: 2, 60 m Wollvelours dunkelgrün (Maybachmarkt)
Futter: 1, 80 m Viskosefutter
2 große Druckknöpfe

Verstärkung: Bügeleinlage im Vorderteil ca. bis zur Hüfte, beim Rückenteil im Schulterbereich, rund um die Armausschnitte und Schlitz und Schlitzbeleg. Mantelsaum und Ärmelsäume, Vorderteilbeleg und Kragen.

Sonntag, 4. Oktober 2015

Winterjacken-Sewalong Teil II: Schnitt und Stoffvorstellung

Beim zweiten Treffen des Sewalongs geht es um Stoffe und Schnitte und im MemadeMittwoch-Blog auch um Membrane und Funktionsstoffe, die man zwischen Futter und Oberstoff verarbeiten kann, um Jacke und Mantel wärmer und windundurchlässig machen. Karin gibt dort einen Überblick und sammelt heute und morgen die Beiträge. Ihr seid herzlich eingeladen, in den Kommentaren eure Erfahrungen mit diesen Zwischenlagen und eure Bezugsquellen zu verraten, so dass wir alle davon profitieren können.

Da ich einen Übergangsmantel nähen möchte, muss ich mich mit solchen Materialfragen nicht herumschlagen: Der Mantel besteht nur aus Oberstoff - einem ganz weichen, smaragdgrünen Mantelvelours aus Wolle - und magentarotem Viskosefutter, für diesen Zweck seit 2012 gelagert und mittlerweile genügend abgelagert und gereift, um angeschnitten zu werden. 

Die Suche nach dem richtigen Schnitt hat mich allerdings tagelang beschäftigt. Bei meiner Schnittmusterauswahl am Anfang war ja kein unangefochtener Favorit dabei, dann habe ich mir natürlich die 73 verlinkten Beiträge angeschaut und einige auch ganz interessante Schnitte gesehen, aber eben nichts Passendes zu meinem Stoff, was mich vollkommen umgehauen hätte. Spannend fand ich, dass es wirklich einen Näh-Trend zu weit geschnittenen Mänteln und Jacken gibt im Vergleich zum Herbstjackensewalong letztes Jahr - Monika hatte das beim letzten Treffen schon bemerkt, und den Eindruck hatte ich auch. Aber wir arbeiten wohl alle noch daran, uns an die weiten Schnitte zu gewöhnen: Wie weit ist zu weit? Und was zieht man dazu an? Schließlich möchte niemand den Winter in einem unförmigen Jackensack verbringen.


Da ich mit Überlegen und dem Lauschen aufs Bauchgefühl nicht weiter kam und außerdem ein Nähkränzchen unmittebar bevorstand, ging ich pragmatisch vor und schnitt kurzerhand Mantel 128 aus  Burda 8/2014 zu, für den mein Stoff reichte und der wegen der symmetrischen Front auch gut aussehen würde, wenn ich ihn offen trage.


Kurzerhand, weil ich dazu neige, größere Nähprojekte so lange zu zerdenken, bis ich schließlich gar nichts nähe. Wenn ich mich von dem Anspruch befreie, den aller-allerbesten Mantel aller Zeiten mit perfekter Harmonie aus Stoff und Schnitt nähen zu müssen, geht's eigentlich.

Alle Nähpläne auf der Suche nach Perfektion und Stoff-Schnitt-Harmonie finden sich im MemadeMittwoch-Blog. Weiter geht's am 17. Oktober mit dem zweiten Zwischenstand und dem Thema: "Was ihr schon immer über Reverskragen wissen wolltet, aber euch nicht zu fragen trautet." 

Dienstag, 15. September 2015

Ankündigung: Winterjacken-Sewalong ab 20. September im MeMadeMittwoch-Blog

Bei großen Nähprojekten ist es doch immer gut, wenn man nicht alleine unterwegs ist, nicht wahr? Ich möchte mir schon seit dem Frühjahr einen halblangen, gefütterten Übergangsmantel nähen und habe das Anfangen nur immer wieder und wieder verschoben.

Deshalb freue ich mich sehr, dass es jetzt im Herbst einen Winterjacken-Sewalong im MeMadeMittwoch-Blog gibt, den Karin und ich betreuen - da bin ich einfach gezwungen, mitzunähen und vor allem: durchzuhalten. Los geht's am 20. 9., nächsten Sonntag, mit der Inspirationssammlung: Was für einen Mantel oder was für eine Jacke will ich? Wovon träume ich, was brauche ich? Welche Stoffe, welche Farbe kommt für mich in Frage? Wir werden uns alle 14 Tage treffen, und bei den Treffen wird es - darüber freue ich mich besonders - einige Tutorials der MMM-Teammitglieder zu den schwierigen Details beim Jacken- und Mantelnähen geben. Den genauen Zeitplan gibt's dann am Sonntag.

Zur Einstimmung aufs Winterbekleidungsthema werde ich mich heute Abend in die Beiträge des Herbstjackensewalongs vom letzten Jahr bei Chrissy und bei Karin vertiefen. Stoff und Futter für einen geplanten Mantel habe ich schon seit zwei oder drei Jahren, aber nur eine ungefähre Vorstellung, wie der Schnitt aussehen soll. Da ich Vortunerin bin, wäre ja ein Schnitt gut, den ich ohne große Änderungen einfach nachnähen könnte.

Also bis Sonntag, Karin und ich freuen uns auf euch!  

Mittwoch, 5. Juni 2013

MMM: Heavy Rotation oder Einsicht in die Notwendigkeit

Hallo zum Me made Mittwoch, dem allwöchentlichen Treffen der Selbermacherinnen in ihrem selbstgemachten Kleidern. Ich zeige heute das selbstgemachte Kleidungsstück, das bei mir zur Zeit in heavy rotation ist - Tag für Tag für Tag, und das seit zwei Wochen. Wer hier im Blog regelmäßiger liest, erinnert sich möglicherweise noch an meine leichte Unzufriedenheit mit diesem Mantel und dem sich hinziehenden Fertigstellungsprozess: eigentlich fehlten nur noch Kleinigkeiten, uneigentlich summierten sich hundert Kleinigkeiten zu doch noch ganz schön viel Arbeit auf, und das zu einer Zeit, als ich lieber ein Projekt genäht hätte, bei dem die Nähmaschine einfach geradeausgaloppieren kann. Nun ist der Mantel aber seit einigen Wochen fertig und ich komme nicht umhin zuzugeben, dass ich lange nicht mehr etwas so Nützliches genäht habe.   


Der Mantel wurde seit Fertigstellung wirklich jeden Tag angezogen, die Bügelfotos daher im knittrigen Zustand, wie er nach dem Praxistest eben aussieht. Ich finde immer noch, dass er etwas farbenfroher sein könnte, und für das nächste Mal nehme ich auf jeden Fall einen Schnitt mit einem richtigen Reverskragen, aber wie ich mich kenne, werde ich den nächsten Trench nicht so bald nachschieben, sondern wahrscheinlich erst dann, wenn dieser Mantel hier mir vom Leib fällt. Denn - auch das ergab der Praxistest - der Mantel füllt eine Lücke in meinem Kleiderschrank. Anders als bei Jacken ist es so gut wie egal, was ich dazu bzw. darunter trage: Mantel überwerfen, und gut ist. Kein Abstimmen, kein Überlegen, passt immer.  


Der Mantelschnitt ist Nr. 118 aus Burda 12/2011, und das Modellbild im Heft täuscht ein wenig über die tatsächliche Stofffülle hinweg. Ich nähte den Mantel ohne Änderungen - bei der Weite des Schnitts ist Anpassen im Grunde nicht erforderlich. Auch die Ärmel sind so großzügig geschnitten, dass Pullover oder sogar dünne Blazer ohne Probleme darunterpassen.


Die Kragenlösung finde ich, wie gesagt, nur mittelprächtig. Wie  die Anleitung vorschlägt, nähte ich als Verschluss große Druckknöpfe auf. Nachdem der Liebste jetzt bemerkte, das sähe "unfertig" aus, fiel mir ein, dass ich sogar Druckknöpfe zum Einschlagen im Vorrat habe. Möglicherweise tausche ich die Knöpfe noch aus. Diese außen sichtbar aufgenähten Druckknöpfe waren ja 2011 ganz große Mode, man sah sie häufig auch an Kaufkleidung, sie haben sich aber nicht durchsetzen können: der desinteressierte Laie hält sie für einen Verarbeitungsfehler.


Die Rückenansicht mit der Passe und der Kellerfalte, die zwangsläufig immer "irgendwie" liegt, finde ich ganz gelungen - man kann aber schon erahnen, dass das ganze ohne Gürtel nach nichts aussieht.

Oder genauer gesagt: so. Zur Not kann ich noch jemanden mit rein nehmen.


Für die knifflige Taschenbeutelnahteinfassung (uff!) mit Schrägband, zu der sich Tante Burda in der Anleitung ausschwieg, gab es eine ganz ansprechende Frickellösung. Ich bin Tante Burda auch nicht mehr böse, dass sie da nicht nachgedacht hat. In der Diskussion in den Kommentaren ergaben sich zwei Ansätze, wie sich diese Stelle von Anfang an besser verarbeiten lässt - Danke nochmal für euren Input.

Yvonne verglich mit einer Kaufjacke und stellte fest, dass dort der hintere Taschenbeutel so weit verlängert wurde, dass er bis zur Seitennaht reicht und dort mitgefasst werden kann. Meiner Ansicht nach die eleganteste Lösung, durch die außerdem die Tasche stabilisiert wird: der Zug liegt nicht mehr allein auf der Ansatznaht des Taschenbeutels am Einschnitt. Einen zweiten Lösungsansatz für saubere Taschenverarbeitung zeigte Luzie bei ihrem Himmelfahrtskommandomantel: Die untere Kante der Patte wird umgeschlagen und per Hand angenäht. Ich brauchte eine Weile, bis ich verstand, dass ich für diese Lösung doch nicht ganz das richtige Problem habe, denn bei mir verdeckt der vordere Taschenbeutel diese Stelle, während sich die Ansatznaht des hinteren Taschenbeutels, um die es mir geht, so nicht verarbeiten lässt - dann wäre die Tasche nämlich zugenäht. Aber trotzdem gut, diese Verarbeitungsweise zu kennen, wer weiß, ob man nicht genau die eines Tages - beim nächsten Trenchcoat zum Beispiel - brauchen kann.

Jetzt trage ich aber erstmal diesen - auch wenn ich froh wäre, wenn jetzt mal nicht ganz so oft das passende Wetter dafür wäre. Wobei: das Wetter macht sich! Heute bin ich im Gegensatz zu gestern schon ohne Stiefel unterwegs, und morgen möglicherweise sogar schon ohne Strumpfhose! Wow. (Mit ganz großem Pech verpasse ich heute wieder mal den einzigen warmen Tag auf Wochen - diese Frau mit Strumpfhose im langärmeligen Kleid und Regenschirm, der Melleni begegnet ist, das bin nämlich ich - im Prinzip. Ich brauche immer ein paar Tage Anlaufzeit, um auf Sommer umzuschalten, und wie die Verhältnisse dieses Jahr sind, ist das gute Wetter dann schon wieder vorbei.) Ob in anderen Landesteilen Strumpfhosen und Regenschirme vonnöten sind, und was frau dazu Selbstgemachtes anzieht, sieht man im MMM-Blog, heute mit Julia als Gastgeberin.

Das Wichtigste zum Schnitt auf einen Blick: 
Schnittmuster: 118 aus Burda 12/2011   
Größe 38, keine Änderungen
Außenstoff: knapp 3,50 m Mantelpopeline aus Baumwolle/Polyester mit feinen gewebten Streifen
Futter: 0,8 m Neva Viskon (Futter im Ärmel und oberen Rücken)
Taschenbeutel und Nahteinfassungen aus dünner Baumwolle

Samstag, 20. April 2013

Ich mag ihn nicht mehr

Den Mantel. Den Frühlingsmantel. Das wetterfeste Herzstück meiner Frühjahrsgarderobe. Wenn man Dinge "über" haben kann, sich an etwas überessen zum Beispiel, dann habe ich mich an diesem Mantel wohl übernäht. Ich dachte schon fünf- bis zehnmal, er wäre fast fertig - nur noch dieser Abend, dann kann ich ihn anziehen! Irrtum, es bleiben immer noch eine Menge Frickelarbeiten, und die Liste wird nicht kürzer, egal, wie viel ich an so einem Abend schon erledigen konnte. Merkwürdig, oder? Die ganze Arbeit versickert einfach irgendwohin. Ich frage mich, ob hier eine Raum-Zeit-Anomalie vorliegt, das Frühlingsmantel-Paradox, denn aus meiner näheren Umgebung weiß ich von einem anderen Frühlingsmantel, der auch beharrlich in einem unfertigen Zustand verharrt, der anscheinend in keinem Verhältnis zum investierten Aufwand steht.


Die Liste noch nötiger Arbeiten sieht so aus (und, hallo Paradox, ich werde sie scharf im Auge behalten, dass sich da keine weiteren Punkte draufschummeln):

- Vorderteilbelege und Saum verstürzen
- Saum zuende annähen
- Nähte an der Kellerfalte bis unten schließen, Nahtzugaben abschrägen und trotzdem die Nahteinfassung drumfrickeln
- Gürtelschlaufen zuschneiden, verstürzen, annähen
- Aufhänger zuschneiden bzw. ein passendes Band suchen und den Aufnäher in die schon geschlossene Naht zwischen Kragensteg und Beleg frickeln
- Ärmellänge festlegen, Ärmelsäume und Futtersäume nähen
- Ärmelriegel wie von der Anleitung gewünscht mit einem großen Kreuzstich dekorativ befestigen
- Blenden an den Tascheneingriffen irgendwie (wie?) unsichtbar festnähen
- endlich die vermaledeite Einfassung der Taschen-Nahtzugaben innen hinfrickeln, über das Problem hatte ich hier schon einmal geklagt. Es wird nicht so gut aussehen wie es könnte, und auch das ärgert mich
- Gürtel zuschneiden, verstärken, verstürzen, absteppen
- Druckknöpfe ganzganz ordentlich annähen - soll von außen dekorativ und wahnsinnig gekonnt aussehen
- Mantelfutter am unteren Rand der Armlöcher mit einem kleinen Riegel befestigen
- die ganze Chose nochmal sorgfältig bügeln

Sieht diese Liste danach aus, als könnte man sie an einem Nachmittag oder Abend bequem abarbeiten? Nein, oder? Das ist zwar einerseits entmutigend, aber andererseits verfalle ich dann wenigstens nicht der irrigen Annahme, der Mantel sei morgen fertig und bin dann auch nicht enttäuscht, wenn das nicht eintritt.

Wobei ich der Fertigstellung des Mantels sowieso nicht mehr so sehr entgegen fiebere - ich möchte vor allem, dass er einfach weg ist. Wie ich schon sagte, ich mag ihn nicht mehr so sehr. Die trübe Farbe - Gutwillige nennen sie "klassisch". Diese Kellerfalte im Rückenteil, die nach dem ersten Anziehen wahrscheinlich ein zerknittertes Stoffgewurschtel sein wird. Ich kann ja schließlich kein Reisebügeleisen bei mir tragen, um die Falte hin und wieder aufzubügeln. (Allerdings wäre das lustig - und in Cafés, wo viele Leute mit Laptops sitzen, gibt es auch genügend Steckdosen. Die Blicke möchte ich sehen, wenn ich da ein kleines Bügeleisen und eine Bügelunterlage heraushole. Wo ist eigentlich das orange Kinderbügeleisen hingekommen, das ich einmal hatte?)

Hätte ich nicht lieber einen farbigeren Mantel nähen sollen? Oder einen schwarzen Mantel? (Nur über den Parka bin ich drüber weg.) Ich bin in dem gleichen Zustand, in den ich manchmal beim Essen im Restaurant gerate, wenn ich meine Bestellung als Fehlentscheidung ansehe und lieber das auf dem Teller hätte, was mein Gegenüber oder jemand am Nebentisch gerade serviert bekommt. Deswegen kann ich einen ganzen Abend unzufrieden sein! Ich muss mich gerade selbst an das erinnern, was ich anderen immer predige: dass man so einen Mantel auf jeden Fall ein paar Jahre anzieht und dass es nicht nötig ist, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, ob es sich nun um den absoluten, für alle denkbaren und undenkbaren Gelegenheiten passenden Supertraummantel handelt. Neuer Mantel, neues Glück oder so. Stoff für einen schwarzen Mantel hätte ich sogar im Vorrat, ein Nylongewebe mit Metallanteil, das sich interessant knautscht. Während ich diesen Mantel fertignähe, könnte ich ja schon mal von dem nächsten Mantel träumen, den ich mir machen werde... Wie beim Fußball: Nach dem Mantel ist vor dem Mantel (und wichtig ist aufm Platz!).

Ergänzung: Heute um 23.30 Uhr bin ich schon ein kleines Stück weiter - ich streiche jetzt immer alles durch, was erledigt ist. 

Mittwoch, 13. März 2013

Woche 10

 

1. Füße weg = 15cm Schnee. An einem Tag. Am nächsten Tag immer noch. Unverschämtheit.

2. Nähkränzchen bei uns in Kreuzberg - und die Nähmaschinen ratterten am Sonntag im ganzen Land: Wir nähten virtuell verbunden mit dem Pott-Nähkränzchen und den Single-Nähkränzchen von Monika, Madamsel, Anick und 81GradNord. Und da es wieder so viel Spaß gemacht hat, sollte es überall noch viel mehr und noch größere Nähkränzchen geben, Nähkränzchen wie LAN-Parties (und mit ebensovielen Steckdosenleisten!). 

3. Nachnähkränzlicher Stand des Trenchcoats. Sieht noch nicht nach viel aus, aber allein für die Pattentaschen brauchte ich mehrere Stunden: Patte und Taschenbeutel aufnähen, hundertmal überprüfen, ob alles richtig herum und an der richtigen Stelle sitzt, ein Stück Kuchen essen, noch einmal die Platzierung kontrollieren, durchatmen, und erst dann einen Schlitz ins Vorderteil schneiden.

4. Mit der Innenseite bin ich noch nicht zufrieden: der Mantel bekommt nur in der oberen Hälfte ein Futter, deshalb werden die Nahtzugaben dekorativ mit Schrägband versäubert – ein so genanntes Hong Kong finish oder Hong Kong binding, auf Deutsch würde man das wohl als eingefasste Nahtzugaben bezeichnen.

Schaut mal hier: was mache ich mit der Naht, mit der Patte und Taschenbeutel festgenäht werden und dem eingeschnittenen Schlitz? Liebe Burda, wie hast du dir das gedacht, hm? Für die hässliche sichtbare Einlage kannst du nichts, das war allein meine Idee - ich schneide nirgendwo einen Riesenschlitz rein, wenn ich den Stoff vorher nicht mit Bügeleinlage gesichert habe. Alte Gewohnheit. Werde ich zum Teil wieder ablösen. Aber die Naht? Ich kann da jetzt mit ein paar Handnähten noch einen Schrägstreifen hinpfuschen, aber hättest du mir nicht in der Anleitung sagen sollen, wie das richtig geht?

Beim Grübeln vor dem Einschlafen kam ich zu dem Schluss, dass man eigentlich gleich beim Annähen der Patte auf der linken Seite einen Schrägstreifen mitfassen müsste, den man dann später um die eingeschnittene Kante schlagen und von Hand festnähen könnte. Gute Idee oder Blödsinn? Wie würdet ihr diese Stelle verarbeiten? Kennt ihr Anleitungen im Netz, die sich mit solchen kniffeligen Stellen befassen?