Beim Nähen gilt: viele Wege führen zum Ziel, und Tricks und Kniffe kann man nie genug kennen. Daher die "Nähgeheimnisse", in denen ich anhand meiner laufenden Nähprojekte solche Tricks dokumentiere, die nicht unbedingt in jedem Nähbuch stehen, die für mich aber hilfreich, einleuchtend, Zeit sparend oder sonstwie nützlich sind - und ich hoffe für euch auch.
Das Problem:
Paspeln, also in der Naht zwischengefaßte Zierstreifen aus kontrastierendem Stoff sehen ungeheuer schick aus, es gibt sie aber meistens nur in wenigen Farben und Qualitäten fertig zu kaufen. Die Erkenntnis, dass man gar nicht auf das Ladenangebot angewiesen ist, war für mich ein echtes Aha-Erlebnis - warum nur hatte mir das nie jemand früher erzählt?.
Die Lösung:
Wir machen unsere Paspeln selbst. Sie können aus nahezu jedem Stoff und in verschiedenen Stärken leicht angefertigt werden, wenn man den Reißverschlussfuß der Maschine zur Hilfe nimmt.
Wir brauchen:
Schrägband, gekauft oder selbstgemacht – für eine dünne Paspel wie hier beschrieben etwa 2,5 bis 3cm breit, bei einer dickeren Paspeleinlage entprechend breiter
Schnur als Paspeleinlage – zarte, weiche Paspeln für Kleidung fülle ich mit dem typischen Topflappengarn aus Baumwolle („Schulgarn“, siehe Foto), bisweilen kann man im Kurzwarenhandel spezielle Paspelschnur als Einlage kaufen. Es gehen aber auch dünne Kordeln bzw. Seile vom Meter (Kurzwaren oder Baumarkt), oder auch Wäscheleine, falls eine kräftige Paspel gebraucht wird.
Reißverschlussfüßchen
Garn, Nähmaschine
1. Schrägband bügeln
Schrägband in gewünschter Länge abschneiden, der Länge nach Kante auf Kante falten und den Bruch leicht einbügeln. Damit muss man sich nicht lange aufhalten, einen scharf gebügelten Knick braucht man nicht, aber er hilft, die Schrägbandkanten beim Nähen später genauer aufeinander zu legen.
2. Paspelschnur einlegen und nähen
Die Paspelfüllung am Bruch einlegen, Reißverschlussfuß an die Maschine und mit großen Stichen eng an der Füllung entlang nähen (große Stiche deshalb, weil sie nichts halten müssen und sich im Falle des Falles leichter trennen lassen). Der Reißverschlussfuß hat auf der Unterseite eine Ausbuchtung, mit der er automatisch im richtigen Abstand von den Reißverschlusszähnchen geführt wird. Beim Paspelnähen läuft er genau so an der Wulst der Paspel entlang – fast wie von selbst.
3. Fertig
Immer passende Paspeln – jederzeit.
Zum Einnähen nimmt man am besten auch das Reißverschlussfüßchen, und wenn es scharf um die Ecke oder in die Rundung gehen soll, schneidet man die Paspel-Nahtzugabe leicht ein.
Meistens nähe ich die Paspel erst auf einem Schnitteil an - das ist einfach, denn man sieht ja, was man tut. Dann stecke ich das zweite Schnitteil rechts auf rechts entlang der Paspel fest. Wenn man das Teil mit der festgenähten Paspel an der Maschine nach oben legt, sieht man diese Fixiernaht und kann sich für die zweite Naht (diese mit normaler Stichlänge, denn sie soll ja etwas aushalten) danach richten.
Hilfreiche Ergänzungen aus den Kommentaren:
Von Griselda stammt die Idee, Paspeln mit Jerseystreifen zu füllen, sie schrieb:
"Wenn man eine richtig voluminöse und weiche Paspel haben will, kann man auch Singlejersey im waagerechten Maschenlauf in schmale Streifen schneiden, das rollt sich bei Zug auch schön auf."
Gaby probierte die Anleitung gleich bei einem Shirt aus - und hier kam von Julia der Hinweis auf die Jersey-Paspel: dabei wird in der Naht ein quer zum Maschenlauf geschnittener Streifen Jersey mitgefasst, der sich schön einrollt und sich im Gegensatz zu der verstärkten Paspel auch mitdehnen kann. Eine Anleitung dazu gibt es hier.
Montag, 27. Juni 2011
Nähgeheimnisse: Paspeln herstellen
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43 Kommentare:
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ach, es kann so einfach sein! bin gespannt, was für tolle nähgeheimnisse da noch kommen... liebe grüße
AntwortenLöschenvielen Dank!
AntwortenLöschenDas ist ja wirklich ein AHA-Erlebnis, und es wird sicher nicht lange dauern, bis ich was mit einer Paspel nähen werde!
Hei, das ist ja toll. Vielen Dank für die Anleitung.
AntwortenLöschenLiebes Grüßle
Tanja
So mach ich das auch. Ich hab die Paspeln auch schon "ohne Füllung" genäht, je nach Wunsch und Optik.
AntwortenLöschenPaspeln sind prima! Damit sieht so vieles gleich um einiges raffinierter aus.
Cool, danke für das TUT! Werde ich GARANTIERT auch mal testen!
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Kirsti
Paspeln werten viele Kleider erst richtig auf. Ich dachte erst, das mit der Paspelherstellung, das weiss ich doch schon, doch dann dein letzter Abschnitt: erst Paspel fixieren, dann anderes Teil rechts auf rechts drauf legen und dann umdrehen zum Nähen, dass man die Naht sieht. Ein super Tipp, sowas einfaches, aber der Meister (ich) komme nicht darauf sondern nähe blind auf der andren Seite. Das sind genau die kleinen feinen Unterschiede und Kniffe, die gute und schlechte Laune ausmachen...
AntwortenLöschenIch freue mich sehr auf weitere Nähgeheimnisse!
Vielen Dank und viele Grüße
Julia
Paspeln rocken!
AntwortenLöschenIch mache die auch immer selbst, aber jetzt lese ich zum ersten mal, daß ich dafür auch etwas anderes verwenden könnte, als gekaufte Paspelschnur ... hah - Spitzenidee, so werd ich auch die dicke Wolle mal los!
Christel
Am besten machst du eine Seite oben auf der Leiste neben den anderen; dann kann ich in deine Nähgeheimnisse schauen, wenn ich denn mal wieder nähen sollte :-)
AntwortenLöschenWäre doch schade, wenn deine Mühe so im Tagesgeschehen des Blogs untergehen würde.
Herzliche Grüße vom Wald in die Großstadt
Tally
Super!!! Danke für die Anleitung!
AntwortenLöschenLG Steffi
Bei uns im Ort konnte ich letzte Woche nicht einmal schwarze Paspel kaufen und habe mir deshalb auch selber welche gemacht. Satinband passte sowieso viel besser. Dieses Nähgeheimnis kannte ich also schon, jetzt bin ich gespannt, auf die nächsten. Danke, dass du dir so viel Mühe machst!
AntwortenLöschenLG Rita
hach genial...1000 dank...wird bestimmt bald ausprobiert...
AntwortenLöschenglg emma
Vielen Dank! Ich habe gerade wieder etwas dazu gelernt!
AntwortenLöschenIch bin schon sehr gespannt, welche Geheimnisse Du noch lüften wirst.
LG Gaby
Genial! Ich wäre nie drauf gekommen die Paspel in zwei Schritten anzunähen. Darum ist der letzte Versuch auch ziemlich schief geworden...
AntwortenLöschenDanke für die tollen Tipps :o)
LG Anja
Deine Reihe ist eine richtig gute Idee, Danke Lucy!
AntwortenLöschenJa, so geht das im Optimalfall m it den Paspeln.
Meine alte Pfaff hat leider nur so ein einseitiges Reißverschlussfüßchen, da kann man die Schnur nicht direkt einnähen. Das wird irgendwie krumm und schief. So muss ich halt mit einem normalen Füßchen nähen und ziehe dann die Schnur im Nachhinein mit einer schmalen Schließnadel ein.
Geht auch, macht aber doppelt Arbeit. Leider.....
Wenn man eine richtig voluminöse und weiche Paspel haben will, kann man auch Singlejersey im waagerechten Maschenlauf in schmale Streifen schneiden, das rollt sich bei Zug auch schön auf.
Genial einfach! Wieder was gelernt, jetzt mach ich mich dann aber auch bald ans eigene Klamotten nähen ran ;-) - versprochen LG Aylin
AntwortenLöscheneinfach genial oder genial einfach! Tausend Dank für den tollen Tip!
AntwortenLöschenLG Anja
genau, so mach ich das auch!!
AntwortenLöschenWas ist denn aus der Bluse geworden ????
Ich bin ja gespannt, wie du das löst.......
Liebe Grüße, Claudi
Prima Idee, deine Plaudereien aus dem Nähkästchen. Ich bin gespannt auf mehr.
AntwortenLöschenLG Malou
Tolle Idee, hört sich ganz einfach an und sieht auch so aus. Das probiere ich bald mal aus.
AntwortenLöschenlg otti
Wie man eine Paspel theoretisch herstellt, habe ich schon gewusst. Ich hatte mich aber noch gefragt, wie ich denn auch nahe an der Kordel nähen kann. Dass ich einfach den Reißverschlussfuß nehmen muss, darauf bin ich alleine nicht gekommen. So einfach, jetzt muss ich es nur mal praktisch nachmachen. Die Paspel an deinem Kleid gefällt mir sehr gut. Da ich auch gerade ein Kleid mit einem ähnlichen Oberteil nähe, bei dem ich aber nicht weiterkomme, werde ich da auch mal eine Paspel probieren. :)
AntwortenLöschenKlasse, ich werde jetzt treuer Fan deiner Nähgeheimnisse! Vielen Dank, man lernt ja immer gerne was dazu.
AntwortenLöschenLG, berry
Tolle Anleitung. Vielen Dank. Habe mich bisher auch noch nicht an Paspeln getraut. Jetzt probier ich´s doch mal aus. Der Tipp mit dem Annähen in zwei Schritten ist klasse. Bin schon auf deine nächsten Nähgeheimnisse gespannt. Lieber Gruß, Muriel
AntwortenLöschenAlso, es freut mich total, dass sogar die, die den "Trick" im Prinzip schon kannten, hier z. T. noch etwas Neues gefunden haben. Ich hatte nämlich schwer überlegt, ob das ganze nicht zu banal, zu technisch, oder zu was-auch-immer ist. Die Zusatztipps, die hier noch zusammengekommen sind (Danke, Griselda!) arbeite ich oben noch ein, und eine Extra-Seite lege ich auch an (@Tally), letzteres wird aber ein bißchen dauern.
AntwortenLöschenLiebe Lucy, irgendwie habe ich diesen Beitrag verpaßt... erkommt bei mir sofort in "gute Anleitungen" - ich habe deine Vorschläge zu diesem Thema schon bei Machen und Tun gelesen und konnte mir die Ecken schwerlich vorstellen. Nun weiß ich wie es geht! Danke!
AntwortenLöschendas ist ja wirklich eine sehr schöne idee. vielen dank für die anleitung. das werde ich bei gelegenheit gleich mal ausprobieren.
AntwortenLöschenfunktioniert vielleicht auch anderherum (paspel aus gemustertem stoff, kleidungsstück uni)
Uih! Danke!! Ich habe hier eine Nackenrollenanleitung liegen, was auch mit Paspeln funktioniert. Und ich finde die sooo schön, aber ich hätte wohl die Variante ohne gewählt. Nun vielleicht doch nicht! *freu*
AntwortenLöschenSonnige Grüße von der Muddi
Danke eine tolle Anleitung, direkt gespeichert
AntwortenLöschenJessi
Ganz lange schon vorgenommen und nun endlich umgesetzt: http://amberlight-label.blogspot.com/2011/12/weihnachtskleid-sew-along-teil-4-nahen.html DANKE
AntwortenLöschenIch, als Nähanfängerin, war schon ewig auf der Suche wie dieses Schlauch-Naht-Gedöns überhaupt heißt! Mit meinen Suchbegriffen kam ich da nicht besonders weit. Und dann stoß ich zufällig bei dir auf diesen Bericht und finde damit auch noch eine Anleitung zum selbermachen! Hab mich riesig gefreut. Danke dir :)
AntwortenLöschenVielen Dank für diesen Wahnsinns-Tipp.. er hat mir in vielerlei Hinsicht weitergeholfen *FREU*
AntwortenLöschenWäscheleine - das ist ja die Idee für die richtige Verstärkung von Taschen. Super! Das werde ich als Nächstes mal probieren.
AntwortenLöschenDanke für die Anleitung :)
Lieben Gruß,
minnies
Super genial! Geht so einfach (ich bin totaler Nähanfänger und versuche gerade zum ersten Mal, ein Täschchen für eine Freundin zu nähen) und funktioniert perfekt! Danke :)
AntwortenLöschenLG aus Heidelberg
Nina
Bin gerade auf's Thema gestoßen.
AntwortenLöschenAm einfachsten lassen sich Paspel natürlich mit einem Paspelfuß herstellen und verarbeiten. :-)
Mit deisem Teil hat man die perfekte Führung, die Paspel kann zu keiner Seite verrutschen.
Gruß Mathias
Heute Früh bin ich auf diese Post gestoßen. Finde ich richtig Super, wie Du es beschrieben hast. So habe ich es in meiner Lehre auch gelernt und zu DDR-Zeiten öfters machen müssen. Es gab solches fertiges Band ganz ganz schwer.
AntwortenLöschenLG Heike
Bin gerade beim Stöbern des letzten RUMS über deinen Blog gestolpert und freue mich, mal wieder eine tolle Anleitung für einen Anfänger wie mich gefunden zu haben!! Vielen Dank! Wenn es solche Leute nicht gäbe, hätten es die ganzen Anfänger echt schwer! Bei meinem nächsten Rock werde ich das mit der selbstgemachten Paspel mal ausprobieren!
AntwortenLöschenHallo,
AntwortenLöschenbin auf der Suche nach Schnüren weil ich das Oberteil von meinem Dirndl paspeln möchte. Welche Schüre hast Du genommen beim vorletzten Bild mit den grünen und roten Paspeln? Tolle Anleitung und schöne Bilder.
Liebe Grüße
Sonja
Das ist beides dickes Baumwollgarn: Bei der grünen Paspel so ein stärker verzwirntes Häkelgarn, wie man es z. B. für Filethäkelei nimmt, in der roten Paspel ist diese typische Topflappenbaumwolle drin. Es gibt sogar spezielle Paspelschnur als Meterware zu kaufen, nur haben das die meisten Kurzwarenläden nicht. Aber mit Baumwollgarn aus dem Wollgeschäft bin ich bisher auch immer gut hingekommen.
Löschenviele Grüße! Lucy
danke für die schnell Antwort, Lucy. Normalerweise bringe ich mir die Paspelschnur immer von Österreich mit, habe sie aber leider vergessen. Das ist ein guter Tipp mit dem Wollgeschäft, da müsste ich doch ein stärkeres Garn finden, das ein bisschen fester ist. Vielen Dank und liebe Grüße Sonja
LöschenEcht coole Anleitung.
AntwortenLöschenDa ich keine Paspelschnur habe dafür aber Wolle im Überfluss, habe ich mir aus eben dieser Wolle eine Kordel gehäkelt und diese zur Paspel verarbeitet.
AntwortenLöschenIch habe auch schon bei einer taillierten Nickijacke alle Teilungsnähte mit "Paspeln" versehen: ich nahm die eine Hälfte eines Reisverschlusses, den man als Meterware einkaufen kann. Sieht auch gut aus!
AntwortenLöschenMan kann auch alte Schnürsenkel als Füllung nehmen;)
AntwortenLöschenAußerdem kann man auch Geschenkband nehmen, allerdings werden die Paspeln dann oft etwas zerknitter
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