2014 war für mich vom Zusammenwachsen der Nähbloggerinnengemeinschaft, von Gemeinschaftsaktionen und Sewalongs geprägt. Wann immer man das Internet aufschlägt, immer gibt es irgendwo etwas Interessantes über unser gemeinsames Hobby zu lesen. Das ist so toll! Ich hätte 2008, als ich mit diesem Blog begann, nicht gedacht, dass es einmal so eine Vielfalt geben würde. Die vielen verschiedenen Stimmen, jede mit ihrem eigenen Blickwinkel, sind für mich eine ungeheure Bereicherung. Ich kann mir das Nähhobby ohne diese Begleitung gar nicht mehr vorstellen. Zwar sind ein paar interessante Blogs dieses Jahr verschwunden oder wurden eingestellt, ich vermisse Oh Mimmi, schaue immer mal wieder bei Danyeela nach, ob sie nicht doch wieder etwas bastelt, und ich bedaure es, Brontes (Mit Spaten und Faden) gnadenlos ehrliche (und witzige!) Strickmuster-Rezensionen des Gesamtwerks von Kim Hargreaves nicht mehr lesen zu können, um nur einige zu nennen. Aber gleichzeitig entstanden noch mehr neue Blogs, von denen mir sicher einiges ans Herz wachsen werden.
Gelegenheiten, Nähnerds im echten Leben zu begegnen, gab es zuhauf, und Berlin ist dafür der ideale Wohnort, denn früher oder später geht doch jede auf den Maybachmarkt, und dann ist da ja noch den Nähstammtisch, den Chrissy organisiert, und die Mittwochsmasche. Nicht zuletzt war das Nähbloggerinnentreffen in Bielefeld im Frühjahr ein sehr schönes Erlebnis, ich bin jedes Mal bei solchen Treffen total überwältigt von der Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft unter Nähnerds und freue mich schon sehr auf die Treffen in diesem Jahr.
Nähbloggen und Twitter
Der Austausch der Nähenden bei Twitter hat sich 2014 ebenfalls intensiviert, und Twitter ist oft auch der Ort, wo Ideen zu Sewalongs oder anderen Aktionen geboren und in kurzer Zeit in die Tat umgesetzt werden. Ich finde es ganz erstaunlich, dass so ein im Grunde völlig unzulängliches Kommunikationsmittel wie Twitter mit seinen 140-Zeichen-Botschaften, die zur Verknappung und zur Oberflächlichkeit zwingen, trotzdem so ein emotionales Zusammenrücken in unserer Community bewirkt hat. Ein großer Vorteil ist sicher, dass Unterhaltungen sowohl zeitverzögert - man antwortet einfach irgendwann später - als auch nicht-zeitverzögert, unmittelbar, wie in einem persönlichen Gespräch, geführt werden können. Den zweiten großen Vorteil sehe ich in der prinzipiellen Hierarchielosigkeit und Offenheit Twitters: wer mitredet, gehört dazu. (Zumindest ist das in unseren Selbermacher-Kreisen so. Dass irgendwelche Twitter-Prominenz, wenn angesprochen, nicht antwortet, damit muss man rechnen. Die sind aber auch nicht bei Twitter, um dialogisch zu kommunizieren, sondern um sich selbst zu promoten.)
Die Offenheit bei Twitter ist jedenfalls etwas anderes als der Austausch durch Blogposts und Kommentarspalte, dem die Unmittelbarkeit fehlt und bei dem immer ein Gefälle zwischen der Bloggerin und den Kommentierenden besteht. Twitter ist ideal für kleine Blödeleien, für Fragen wie: Welche Knöpfe nehme ich? oder: Soll ich lieber Schnitt X oder Schnitt Y nähen? und für mich ist es außerdem eine Möglichkeit, mit wenig Aufwand Schnittmuster-Neuigkeiten und andere Näh-Nachrichten aufzuschnappen.
Ich bin gespannt, wie sich diese Nähnerd-Kommunikation entwickelt, zum Beispiel ob es noch möglich sein wird, einzelnen Gesprächen zu folgen, wenn noch mehr Selbermacherinnen Twitter nutzen, oder ob sich kleinere, informelle Sub-Zirkel bilden, in denen man unter sich bleibt. Die Gefahr, dass die Blogs durch Twitter austrocknen, weil alle nur noch kurz zwitschern, statt zu bloggen und zu kommentieren - mit diesem Problem haben viele Querbeet-Blogger zu kämpfen - scheint den Nähblogs nicht zu drohen, ich habe jedenfalls noch nicht bemerkt, das jemand aufs Bloggen verzichtet und sich damit begnügt, ein Nähprojekt nur bei Twitter mit einem Foto und einem halben Satz zu zeigen.
Diesem kleinen Blog hier geht es jedenfalls gut, und ich freue mich sehr darüber, dass so viele von euch immer noch Lust haben, hier zu lesen und zu kommentieren - bei dem Angebot, was es da draußen mittlerweile gibt. Im Mai wurde Nahtzugabe in der Beilage des "Standard" zitiert, im September als Multiplikatorin für einen Upcycling-Wettbewerb bei arte creative angesprochen - das sind die kleinen Highlights des Blogjahres, die dem Ego schmeicheln, aber keine Brötchen bezahlen.
An mir selbst beobachte ich, dass meine Aufmerksamkeitsspanne für Blogbeiträge gesunken ist, weil alles so viel mehr geworden ist: mehr Blogs, mehr Posts, mehr Sew-alongs, mehr Verlinkungsaktionen und ich merke, dass man aufpassen muss, mit dem Wunsch, alles mitzukriegen, nicht in Gehetze zu verfallen. Ich komme seltener zum Kommentieren, als ich möchte, lese oft "nur mal eben schnell" zwischendurch, und habe beispielsweise bei großen Sew-alongs trotzdem das Gefühl, die einzelnen Beiträge nicht richtig gewürdigt zu haben. Ich habe mir daher fest vorgenommen, mir regelmäßig bewusst Zeit für Kommentare zu nehmen, weil sie Blogs lebendig halten.
Viele hochfliegende Pläne für das Blog habe ich natürlich auch, zumindest in Gedanken bzw. in meiner Gehirn-Ergänzung aka Notizbuch: wieder mehr Tutorials! Video ausprobieren! Die Stoffladenbesprechungen wieder aufleben lassen! Total tolle Sachen nähen! Bücher besprechen! In der Praxis wird es so sein, wie jedes Jahr: letztlich bestimmt die verfügbare Zeit und Lust und Laune, was den Weg ins Blog schafft, und so schlecht bin ich bin ich mit der Taktik, die keine Taktik ist, bisher ja nicht gefahren.
Das Leben neben dem Nähen
Das Jahr 2014 war für mich angenehm ereignislos, weder besondere Höhepunkte, noch besondere Tiefpunkte, was nach dem schrecklichen Jahr 2012, an dem ich 2013 noch knabberte, ganz und gar nicht schlecht ist. Im Herbst schaffte ich mir einen Nebenjob an, von dem ich euch schon die ganze Zeit erzählen wollte: seit der Eröffnung der Berliner Filiale von Stoff&Stil stehe ich dort einmal in der Woche im Laden - sprecht mich gerne an, wenn ihr mich entdeckt, ich freue mich immer, Blogleserinnen zu begegnen! Die Stoffverkauferei macht großen Spaß, die Kolleginnen sind nett, und was das Stoffkaufen betrifft, kann ich mich glücklicherweise ganz gut zurückhalten (sonst hätte das mit dem Nebenjob ja auch wenig Sinn).
Trotzdem brauche ich, wenn in ein paar Wochen ein anderes Projekt fürs erste abgeschlossen ist, auf lange Sicht einen Hauptjob. Wie ich mich kenne, werde ich es sowieso nicht lange ohne etwas Anspruchsvolles aushalten, das mich geistig wirklich fordert. Ich bin ja eigentlich Germanistin, aber nach einigen Jahren "draußen" zieht mich nichts oder fast nichts an die Uni zurück. Im Spätsommer hatte ich mir überlegt, als Zwischenprojekt vielleicht doch wieder ein Nähbuch zu machen und verschickte einige Exposés, bloß ist mein alter Verlag jetzt gerade von einer anderen Verlagsgruppe übernommen worden, und wenn ich das Frühjahrsprogramm betrachte, habe ich eher nicht den Eindruck, dass Handarbeiten dort auf lange Sicht ein Zuhause haben. Mal sehen, der Laden muss sich nach so einem Eigentümerwechsel sicher erstmal neu sortieren. Mit dem was ich kann - lesen, schreiben,
Genähtes und Nähpläne 2015
Gestern, als ich kurz über das Lieblingsstück 2014 schrieb, dachte ich, ich hätte im vergangenen Jahr nicht viel fertiggenäht, aber die Erinnerung trügt. 2014 ist bei mir zwar das Jahr der abgebrochenen Sew-alongs geworden (nur die Termine für die Stoffwechsel-Stofftauschaktion, Ergebnisse hier und hier hielt ich ein - das war mir aber auch sehr wichtig), der Näh-Ertrag war aber gar nicht so schlecht: 5 Röcke, 5 Kleider, 2 Blusen, 2 Taschen, 3 genähte Strickjacken (2 davon noch unverbloggt), 2 gestrickte Strickjacken, 1 Morgenjacke, 1 einfache Steppjacke, 1 Hose, 1 Tshirt, 1 Dirndlmieder und 1 gestrickter Schal, macht 25 Teile. Und wie ich gestern schon sagte, bin ich mit den meisten recht zufrieden, auch wenn ich viele einfache Schnitte nähte und keine großen nähtechnischen Herausforderungen anging.
Mittlerweile bin ich in meiner Nähkarriere so weit, dass ich nichts mehr nähen muss, weil ich es brauche. Der Kleiderschrank ist mit Genähtem für alle Gelegenheiten, das mir passt und gefällt, gut gefüllt. Das Motto für 2015 lautet also: Klasse statt Masse, denn auch Stoffkonsum ist Konsum, und gedankenlos meterweise Material zu verbraten finde ich auch nicht viel besser als den Einkauf in irgendeinem Billigklamottenladen. Nach den ganzen eher anspruchslosen Sachen der letzten Zeit habe ich gerade auch wieder richtig große Lust auf kniffelige Projekte.
Im kommenden Jahr möchte ich:
- die beim Dirndl-Sewalong angefangene Trachtenkombination fertignähen.
- mir im Frühjahr einen Trenchcoat nähen. Den Mantel von 2013 ziehe ich ständig an, weil er ungeheuer praktisch ist. Er sieht bereits nicht mehr ganz taufrisch aus, und mit Farbe und Schnitt war ich ja von Anfang an nicht hundertprozentig zufrieden. Daher habe ich mir überlegt, dass ich so einen Frühlingsmantel "in schön" brauche. Der Mantel wird wahrscheinlich dunkelgrün, ich werde aber erst im März loslegen, denke ich.
- für Mitte Juni ein Kleid für eine Hochzeitsfeier nähen. Dazu habe ich im Moment noch gar keine Idee, der Sommer scheint noch ewig entfernt, ich weiß noch nicht, wie und wo die Hochzeit gefeiert wird und lasse das mal auf mich zukommen. Falls mir nichts einfällt oder die Zeit knapp wird, habe ich bestimmt etwas Hübsches im Schrank, das ich anziehen kann.
- regelmäßig und mit besserer Zeitplanung bei den Stoffspielereien teilnehmen. Dieses monatliche offene Treffen, das sich Suschna - textile Geschichten ausgedacht hat, ist für mich jedes Mal der Höhepunkt des Monats. Das Spielerische - also etwas auszuprobieren, ohne einen direkten Zweck zu verfolgen, ist bei meiner Handarbeiterei in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen. Ich möchte wieder mehr experimentieren!
- Stoffdrucktechniken machen mir immer besonders viel Spaß, bisher habe ich aber immer nur kleine Stoffstücke bearbeitet, also sozusagen immer nur Probestücke. Dieses Jahr nehme ich mir vor, den Stoff für ein Kleidungsstück selbst zu bedrucken.
Lasst also das Nähjahr beginnen! Ein Projekt für die AnNäherung, das große Nähtreffen in Bielefeld in gut einer Woche, ist schon zugeschnitten.























