Donnerstag, 8. Januar 2015

Rückblick 2014: Das Nähen, das Leben und der ganze Rest, sowie Pläne für 2015

In den erste Tagen des neuen Jahres ist es schon Tradition hier im Blog, auf das Nähjahr zurückzublicken. Was ist passiert, wie  hat sich mein Nähen und das Nähen im allgemeinen verändert, wie soll es weitergehen?

2014 war für mich vom Zusammenwachsen der Nähbloggerinnengemeinschaft, von Gemeinschaftsaktionen und Sewalongs geprägt. Wann immer man das Internet aufschlägt, immer gibt es irgendwo etwas Interessantes über unser gemeinsames Hobby zu lesen. Das ist so toll! Ich hätte 2008, als ich mit diesem Blog begann, nicht gedacht, dass es einmal so eine Vielfalt geben würde. Die vielen verschiedenen Stimmen, jede mit ihrem eigenen Blickwinkel, sind für mich eine ungeheure Bereicherung. Ich kann mir das Nähhobby ohne diese Begleitung gar nicht mehr vorstellen. Zwar sind ein paar interessante Blogs dieses Jahr verschwunden oder wurden eingestellt, ich vermisse Oh Mimmi, schaue immer mal wieder bei Danyeela nach, ob sie nicht doch wieder etwas bastelt, und ich bedaure es, Brontes (Mit Spaten und Faden) gnadenlos ehrliche (und witzige!) Strickmuster-Rezensionen des Gesamtwerks von Kim Hargreaves nicht mehr lesen zu können, um nur einige zu nennen. Aber gleichzeitig entstanden noch mehr neue Blogs, von denen mir sicher einiges ans Herz wachsen werden.


Gelegenheiten, Nähnerds im echten Leben zu begegnen, gab es zuhauf, und Berlin ist dafür der ideale Wohnort, denn früher oder später geht doch jede auf den Maybachmarkt, und dann ist da ja noch den Nähstammtisch, den Chrissy organisiert, und die Mittwochsmasche. Nicht zuletzt war das Nähbloggerinnentreffen in Bielefeld im Frühjahr ein sehr schönes Erlebnis, ich bin jedes Mal bei solchen Treffen total überwältigt von der Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft unter Nähnerds und freue mich schon sehr auf die Treffen in diesem Jahr.

Nähbloggen und Twitter


Der Austausch der Nähenden bei Twitter hat sich 2014 ebenfalls intensiviert, und Twitter ist oft auch der Ort, wo Ideen zu Sewalongs oder anderen Aktionen geboren und in kurzer Zeit in die Tat umgesetzt werden. Ich finde es ganz erstaunlich, dass so ein im Grunde völlig unzulängliches Kommunikationsmittel wie Twitter mit seinen 140-Zeichen-Botschaften, die zur Verknappung und zur Oberflächlichkeit zwingen, trotzdem so ein emotionales Zusammenrücken in unserer Community bewirkt hat. Ein großer Vorteil ist sicher, dass Unterhaltungen sowohl zeitverzögert - man antwortet einfach irgendwann später - als auch nicht-zeitverzögert, unmittelbar, wie in einem persönlichen Gespräch, geführt werden können. Den zweiten großen Vorteil sehe ich in der prinzipiellen Hierarchielosigkeit und Offenheit Twitters: wer mitredet, gehört dazu. (Zumindest ist das in unseren Selbermacher-Kreisen so. Dass irgendwelche Twitter-Prominenz, wenn angesprochen, nicht antwortet, damit muss man rechnen. Die sind aber auch nicht bei Twitter, um dialogisch zu kommunizieren, sondern um sich selbst zu promoten.)


Die Offenheit bei Twitter ist jedenfalls etwas anderes als der Austausch durch Blogposts und Kommentarspalte, dem die Unmittelbarkeit fehlt und bei dem immer ein Gefälle zwischen der Bloggerin und den Kommentierenden besteht. Twitter ist ideal für kleine Blödeleien, für Fragen wie: Welche Knöpfe nehme ich? oder: Soll ich lieber Schnitt X oder Schnitt Y nähen? und für mich ist es außerdem eine Möglichkeit, mit wenig Aufwand Schnittmuster-Neuigkeiten und andere Näh-Nachrichten aufzuschnappen.

Ich bin gespannt, wie sich diese Nähnerd-Kommunikation entwickelt, zum Beispiel ob es noch möglich sein wird, einzelnen Gesprächen zu folgen, wenn noch mehr Selbermacherinnen Twitter nutzen, oder ob sich kleinere, informelle Sub-Zirkel bilden, in denen man unter sich bleibt. Die Gefahr, dass die Blogs durch Twitter austrocknen, weil alle nur noch kurz zwitschern, statt zu bloggen und zu kommentieren - mit diesem Problem haben viele Querbeet-Blogger zu kämpfen - scheint den Nähblogs nicht zu drohen, ich habe jedenfalls noch nicht bemerkt, das jemand aufs Bloggen verzichtet und sich damit begnügt, ein Nähprojekt nur bei Twitter mit einem Foto und einem halben Satz zu zeigen.


Diesem kleinen Blog hier geht es jedenfalls gut, und ich freue mich sehr darüber, dass so viele von euch immer noch Lust haben, hier zu lesen und zu kommentieren - bei dem Angebot, was es da draußen mittlerweile gibt. Im Mai wurde Nahtzugabe in der Beilage des "Standard" zitiert, im September als Multiplikatorin für einen Upcycling-Wettbewerb bei arte creative angesprochen - das sind die kleinen Highlights des Blogjahres, die dem Ego schmeicheln, aber keine Brötchen bezahlen.

An mir selbst beobachte ich, dass meine Aufmerksamkeitsspanne für Blogbeiträge gesunken ist, weil alles so viel mehr geworden ist: mehr Blogs, mehr Posts, mehr Sew-alongs, mehr Verlinkungsaktionen und ich merke, dass man aufpassen muss, mit dem Wunsch, alles mitzukriegen, nicht in Gehetze zu verfallen. Ich komme seltener zum Kommentieren, als ich möchte, lese oft "nur mal eben schnell" zwischendurch, und habe beispielsweise bei großen Sew-alongs  trotzdem das Gefühl, die einzelnen Beiträge nicht richtig gewürdigt zu haben. Ich habe mir daher fest vorgenommen, mir regelmäßig bewusst Zeit für Kommentare zu nehmen, weil sie Blogs lebendig halten.


Viele hochfliegende Pläne für das Blog habe ich natürlich auch, zumindest in Gedanken bzw. in meiner Gehirn-Ergänzung aka Notizbuch: wieder mehr Tutorials! Video ausprobieren! Die Stoffladenbesprechungen wieder aufleben lassen! Total tolle Sachen nähen! Bücher besprechen! In der Praxis wird es so sein, wie jedes Jahr: letztlich bestimmt die verfügbare Zeit und Lust und Laune, was den Weg ins Blog schafft, und so schlecht bin ich bin ich mit der Taktik, die keine Taktik ist, bisher ja nicht gefahren. 

Das Leben neben dem Nähen

 

Das Jahr 2014 war für mich angenehm ereignislos, weder besondere Höhepunkte, noch besondere Tiefpunkte, was nach dem schrecklichen Jahr 2012, an dem ich 2013 noch knabberte, ganz und gar nicht schlecht ist. Im Herbst schaffte ich mir einen Nebenjob an, von dem ich euch schon die ganze Zeit erzählen wollte: seit der Eröffnung der Berliner Filiale von Stoff&Stil stehe ich dort einmal in der Woche im Laden - sprecht mich gerne an, wenn ihr mich entdeckt, ich freue mich immer, Blogleserinnen zu begegnen! Die Stoffverkauferei macht großen Spaß, die Kolleginnen sind nett, und was das Stoffkaufen betrifft, kann ich mich glücklicherweise ganz gut zurückhalten (sonst hätte das mit dem Nebenjob ja auch wenig Sinn).


Trotzdem brauche ich, wenn in ein paar Wochen ein anderes Projekt fürs erste abgeschlossen ist, auf lange Sicht einen Hauptjob. Wie ich mich kenne, werde ich es sowieso nicht lange ohne etwas Anspruchsvolles aushalten, das mich geistig wirklich fordert. Ich bin ja eigentlich Germanistin, aber nach einigen Jahren "draußen" zieht mich nichts oder fast nichts an die Uni zurück. Im Spätsommer hatte ich mir überlegt, als Zwischenprojekt vielleicht doch wieder ein Nähbuch zu machen und verschickte einige Exposés, bloß ist mein alter Verlag jetzt gerade von einer anderen Verlagsgruppe übernommen worden, und wenn ich das Frühjahrsprogramm betrachte, habe ich eher nicht den Eindruck, dass Handarbeiten dort auf lange Sicht ein Zuhause haben. Mal sehen, der Laden muss sich nach so einem Eigentümerwechsel sicher erstmal neu sortieren. Mit dem was ich kann - lesen, schreiben, rechnen ... äh, recherchieren, analysieren - Geld zu verdienen ist nicht einfach, aber ich habe ein paar Ideen und bin fürs erste ganz gespannt, was 2015 für mich bereithält. Möglicherweise steht auch ein Umzug bevor, dann werde ich euch im Blog mit Renovierungsgeschichten nerven!

Genähtes und Nähpläne 2015


Gestern, als ich kurz über das Lieblingsstück 2014 schrieb, dachte ich, ich hätte im vergangenen Jahr nicht viel fertiggenäht, aber die Erinnerung trügt. 2014 ist bei mir zwar das Jahr der abgebrochenen Sew-alongs geworden (nur die Termine für die Stoffwechsel-Stofftauschaktion, Ergebnisse hier und hier hielt ich ein - das war mir aber auch sehr wichtig), der Näh-Ertrag war aber gar nicht so schlecht: 5 Röcke, 5 Kleider, 2 Blusen, 2 Taschen, 3 genähte Strickjacken (2 davon noch unverbloggt), 2 gestrickte Strickjacken, 1 Morgenjacke, 1 einfache Steppjacke, 1 Hose, 1 Tshirt, 1 Dirndlmieder und 1 gestrickter Schal, macht 25 Teile. Und wie ich gestern schon sagte, bin ich mit den meisten recht zufrieden, auch wenn ich viele einfache Schnitte nähte und keine großen nähtechnischen Herausforderungen anging.

Mittlerweile bin ich in meiner Nähkarriere so weit, dass ich nichts mehr nähen muss, weil ich es brauche. Der Kleiderschrank ist mit Genähtem für alle Gelegenheiten, das mir passt und gefällt, gut gefüllt. Das Motto für 2015 lautet also: Klasse statt Masse, denn auch Stoffkonsum ist Konsum, und gedankenlos meterweise Material zu verbraten finde ich auch nicht viel besser als den Einkauf in irgendeinem Billigklamottenladen. Nach den ganzen eher anspruchslosen Sachen der letzten Zeit habe ich gerade auch wieder richtig große Lust auf kniffelige Projekte.



Im kommenden Jahr möchte ich:

- die beim Dirndl-Sewalong angefangene Trachtenkombination fertignähen.

- mir im Frühjahr einen Trenchcoat nähen. Den Mantel von 2013 ziehe ich ständig an, weil er ungeheuer praktisch ist. Er sieht bereits nicht mehr ganz taufrisch aus, und mit Farbe und Schnitt war ich ja von Anfang an nicht hundertprozentig zufrieden. Daher habe ich mir überlegt, dass ich so einen Frühlingsmantel "in schön" brauche. Der Mantel wird wahrscheinlich dunkelgrün, ich werde aber erst im März loslegen, denke ich.

- für Mitte Juni ein Kleid für eine Hochzeitsfeier nähen. Dazu habe ich im Moment noch gar keine Idee, der Sommer scheint noch ewig entfernt, ich weiß noch nicht, wie und wo die Hochzeit gefeiert wird und lasse das mal auf mich zukommen. Falls mir nichts einfällt oder die Zeit knapp wird, habe ich bestimmt etwas Hübsches im Schrank, das ich anziehen kann.  

- regelmäßig und mit besserer Zeitplanung bei den Stoffspielereien teilnehmen. Dieses monatliche offene Treffen, das sich Suschna - textile Geschichten ausgedacht hat, ist für mich jedes Mal der Höhepunkt des Monats. Das Spielerische - also etwas auszuprobieren, ohne einen direkten Zweck zu verfolgen, ist bei meiner Handarbeiterei in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen. Ich möchte wieder mehr experimentieren!

- Stoffdrucktechniken machen mir immer besonders viel Spaß, bisher habe ich aber immer nur kleine Stoffstücke bearbeitet, also sozusagen immer nur Probestücke. Dieses Jahr nehme ich mir vor, den Stoff für ein Kleidungsstück selbst zu bedrucken.

Lasst also das Nähjahr beginnen! Ein Projekt für die AnNäherung, das große Nähtreffen in Bielefeld in gut einer Woche, ist schon zugeschnitten.

Mittwoch, 7. Januar 2015

Lieblingsstück 2014


Zum Auftakt des Me made Mittwoch, der wöchentlichen Linksammlung selbstgemachter Kleidung, geht es heute um das Lieblings-Kleidungsstück 2014.

Im Grunde ist es fast unmöglich für mich, eine Auswahl zu treffen, denn ich habe 2014 zwar nicht viel genäht, aber was ich genäht habe, war größtenteils sehr erfolgreich. Die beiden Teile aus der Stoffwechsel-Stofftauschaktion, das schwarze Kleid mit den Blumen und der asymmetrische Wollrock vom Herbst-Stoffwechsel sind in der 2014er Hitparade auf jeden Fall ganz vorne mit dabei, und über die Helgoland-Morgenjacke freue ich mich immer noch jeden Tag. Das Dakota-Kleid von named patterns aus Finnland vom Bild oben war - später noch einmal aus Karostoff genäht - für mich der beste Schnitt 2014, es gibt nämlich so gut wie nie Kleiderschnitte mit langen Ärmeln, die mir gefallen. Nicht auszuschließen, dass es auch noch eine Version 2015 geben wird.

Relative Flops sind nur zwei zu vermelden - relativ, weil sie zwar an sich nicht verkehrt sind, aber nicht zu meinen Kleidungsgewohnheiten passen. Ein Flop ist in dieser Hinsicht die Steppjacke nach einem koreanischen Schnittschema aus der ersten Nix-für-Lemminge Challenge: im Prinzip angenehm zu tragen, aber es passen wegen der weiten Ärmel keinerlei andere Jacken darüber. Um die Steppjacke außer Haus als einzige Jacke zu tragen, ist eine ganz bestimmte Wetterkonstellation (um die 18°C, trocken, nicht windig) nötig, die es entweder nur selten in Berlin gibt, oder die ich regelmäßig verpasse. Dass die Jacke keinen Verschluss hat und der Schnitt nicht zu jedem Unterteil passt, macht die Sache nicht einfacher.

Aus ähnlichen Gründen habe ich auch Schwierigkeiten mit Carmine, der Strickstoffjacke nach einem Schnitt von Cake patterns. Hier sind es die dreiviertellangen Ärmel, die dazu führen, dass es für die Jacke immer entweder zu warm oder zu kalt ist. Ich gebe Carmine in diesem Jahr aber noch eine Chance - es muss doch ein Temperaturbereich zu finden sein, in dem diese Jacke funktioniert!  

Damit gebe ich ab zu den Lieblingsstücken 2014 im MMM-Blog - spannend, was da alles zusammengekommen ist!        

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Spontaner Spitzenrock: ein Näh-Quickie für Weihnachten und Silvester


Jetzt hab' ich mir doch noch etwas Festliches nähen können. Für den Weihnachtskleid-Sewalong hatte ich zu wenig Zeit, aber einen Weihnachts- und Silvesterrock habe ich vor Heiligabend noch hingekriegt. Das komplette Material lag schon einige Wochen auf dem Zwischenlagerplatz Bügelbrett bereit, nachdem ein Bild von Pinterest, das irgendjemand bei twitter zeigte, mich schlagartig davon überzeugte, einen Spitzenrock besitzen zu müssen. Was für ein Glück, dass einer der Stoffdealer auf dem Markt (der Laden in der ehemaligen Pizzeria) ständig Spitzenstoffe in verschiedenen Farben vorrätig hat!


Der Trick, damit billige Spitze nicht billig aussieht, besteht darin, eine unverdächtige Farbe auszuwählen: weiß sieht aus wie Gardine, rot, rosa, pink wie Faschingskostüm, schwarz wie Gruftiklamotte. Ich suchte nach dunkelblau, blaugrau, undefinierbar schmutzig-braunrosa ("nude") oder einer grünlichen Schlammfarbe und fand ein schönes khakigrünbraun. Am Jerseystand gab es weichen Viskosejersey in exakt demselben Farbton - Bingo!


Der Metallreißverschluss, Stoff für den Bund und ein Knopf waren vorhanden - es geht doch nichts über ordentliche Vorräte. Das Knopfloch muss ich im Detail zeigen:  



Es wurde mit meinem Geburtstagsgeschenk gemacht, mit einer Nähmaschine, die wirklich anbetungswürdige Knopflöcher näht. Ich bin gerade dabei, mich an sie zu gewöhnen. Noch grummelt die alte Meckertante in mir bei dieser und jener Funktion und elektronischen Finesse ein "das ist doch überhaupt nicht nötig" und findet auf der anderen Seite den Mangel an Nähfüßen etwas empörend, aber bei solchen Knopflöchern kann man nichts sagen, oder?   


Zum Schnittmuster: wie für ein Nähquickie angemessen keine großen Experimente. Der Rock ist ein halber Teller an einem schmalen Formbund von irgendeinem Burda-Rockschnitt. Als Taillenumfang für die obere Kante der Rockbahn messe ich den Umfang an der unteren Kante des Formbundes (ohne den Untertritt) und lasse mir die Maße von der Tellerrock-App hier berechnen. Der Reißverschluss ist hinten in Mitte einfach nur sichtbar aufgenäht, der Saum nur geschnitten. Der Spitzenstoff veränderte sich beim Aushängen überhaupt nicht, den Jerseyunterrock musste ich nach einem Tag nachschneiden.

Und so sieht das ganze aus:


Damit gehe ich gleich mit ein paar zauseligen Alt-68ern, teils Taxifahrern, teils Journalisten, Nudelsalat essen, ein Gesellschaftsspiel spielen und später vom Balkon aus das Feuerwerk über Neukölln betrachten. Das wird alles andere als glamourös, aber sicher sehr lustig.

Rutscht gut rein heute Nacht! Der DIY-Jahresrückblick ist gedanklich schon vorformuliert, und eine nicht ganz ernstzunehmende DIY-Prognose für 2015 möchte ich auch wieder schreiben. Und vergesst nicht, bei Chrissy über das Nähnerd-Wort 2014 abzustimmen!

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Frohe Weihnachten!

Minimalistische Weihnachtsdeko im Hause Nahtzugabe - Dekorieren ist einfach nicht so mein Ding

Ihr Lieben, in Berlin ist Stille eingekehrt, die Läden geschlossen, unsere Nachbarn im Haus fast alle verreist, es wird Weihnachten! Ich wünsche euch schöne Weihnachten, falls ihr feiert, und wenn nicht, genießt die freien Tage! Ich hoffe, ihr habt ein bißchen Ruhe, um euch mit dem zu beschäftigen, was euch Freude macht.

Falls zwischendurch Langeweile aufkommt (oder als Untermalung beim Nähen), hört euch doch das Me made Mittwoch-Weihnachtshörspiel an, ein Weihnachtsmärchen über Nähnerds im Jahr 2057, unser Dankeschön für eure großzügigen Spenden, mit denen mehr als vier Ausbildungen für afghanische Frauen finanziert werden können. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an alle SpenderInnen und an alle TeilnehmerInnen des Me made Mittwoch im vergangenen Jahr. Wie bei unserer letzten Spendenaktion vor zwei Jahren fragten wir uns zwischendurch, wie wir eigentlich so verrückt sein konnten, uns in der Adventszeit zusätzlich noch sowas aufzuhalsen - aber bei eurem Engagement und eurer Begeisterung war klar, dass wir die Hörspielaufnahmen durchziehen mussten, und letztlich hat ja auch alles geklappt. Danke Meike hatten wir eine Geschichte, Dank Katharina dieses Mal mit richtiger Musik, Dodo, Meike, Julia, Wiebke und ihre entzückende Tochter (ein Nachwuchs-Nähnerd!) sprachen die wichtigsten Rollen, Juli steuerte den Abspann und den Blogpost bei, und Dank der technischen Unterstützung von Muriel konnten wir das ganze ins Blog bringen. Viel Spaß beim Zuhören!  


Dunkelgrüne Spitze - die Zutaten für einen Weihnachtsrock
Gestern Abend wurde sogar noch mein Weihnachtsrock fertig: ein Halbtellerrock aus khakigrüner Spitze und gleichfarbigem Jersey, hinten mit einem sichtbar aufgenähten Metallreißverschluss. Damit geht es nach Weihnachten hier weiter, jetzt muss ich doch noch ein paar Kleinigkeiten im Haushalt erledigen und ein Geschenk fertigmachen. Wir lesen uns!

Dienstag, 16. Dezember 2014

Loben und Lästern: Burdastyle 1/2015

Neuer Jahrgang, neuer Anlauf: Ihr erinnert euch vielleicht an die Loben-und-Lästern-Artikelreihe im Herbst 2013 und Frühjahr 2014, in der wir gemeinsam mehr oder weniger liebevoll über die neuesten modischen Ideen des Burda-Verlags herzogen. In den letzten Monaten wurde ich virtuell und im echten Leben sehr oft angestupst, diese Rubrik wieder aufzunehmen, und da mir der Austausch über die Schnitte auch immer viel Spaß gemacht hat und man über Geschmack so vortrefflich unterschiedlicher Meinung sein kann, erspare ich euch jetzt jedes unsexy Lamento über Zeitmangel, sondern springe direkt zu ersten Burdastyle-Ausgabe des Jahres 2015. Wie immer: drei Lieblingsschnitte, drei Flops, und alles garantiert höchst subjektiv.


Bevor ich aber zu den Schnitten komme, muss ich noch etwas anderes feststellen: ich hatte Recht! Pannesamt kommt zurück! Beweis ist das Modell 117 auf Seite 15, ein Shirt mit interessanten Querfalten aus Metallic-Pannesamt (92% Polyester, 8% Elasthan). Das Material wird in diesem Zusammenhang als „sinnlich“ bezeichnet und man lobt die unkomplizierte Pflege. Tja, hatte ich nicht schon im Juni vorhergesagt, dass mit der Rückkehr des elektrisierenden Stoffklassikers zu rechnen ist? Das einzige, was mir Sorgen macht: die daraus erwachsende quasi-moralische Verpflichtung, an der Rehabilitation des viel geschmähten Materials mitzuwirken und selbst ein Stück aus Pannesamt zu nähen. Vielleicht finde ich auf dem Markt einen Pannesamt aus Viskose, dann wird die Näherei nicht ganz so schlimm?

Das Januar-Heft ist traditionellerweise die Ausgabe mit den einfachen Teilen aus Pailettenstoff, die man am Nachmittag des Silvestertages noch schnell zusammenrattern kann, mit den Faschingskostümen und in diesem Fall – seit langer Zeit zum ersten Mal – mit Umstandsmode. Also lauter Kleidungsstücke für Spezialbedürfnisse, die bei mir nicht anliegen. Was bleibt übrig?

Das Beste



Der Rock 109 fiel mir in der Ausgabe gleich als erstes auf, wegen der frappierenden Ähnlichkeit mit dem Jupe Anémone von Deer&Doe, einer kleinen Schnittmusterfirma aus Frankreich. Die ausgestellten Seitenteile des kurzen Rocks liegen doppelt und sind aufgedreht, so dass sie kleine, wippende Volants an den Seiten bilden. Die Burda-Redaktion bannte die Niedlichkeitsgefahr dieses Röckchens durch das Material: einmal stark strukturiertes Wollgewebe, das andere Mal Wildlederimitat. An Lederimitate taste ich mich buchstäblich gerade heran. Mein Nebenjob-Arbeitgeber hat eine große Auswahl davon, daher konnte ich in letzter Zeit einiges befühlen. Zum Teil macht das Zeug einen ganz guten Eindruck, es gibt auch Stoffe, die nicht komplett aus PVC bestehen, sondern eher ein beschichteter Stoff sind, der ein bißchen wie Leder aussieht. Was meint ihr – Rock 109 aus Lederimitat, ja oder nein? Es ist durchaus möglich, dass ich nur auf sehr dumme Ideen komme, weil ich in letzter Zeit so oft mit Kunstleder zu tun hatte.

Von diesem Rock abgesehen, macht es mir diese Ausgabe aber schwer, weitere potentielle Lieblingsschnitte zu entdecken: Es gibt eine Menge sehr kastige Oberteile (106, 107, 119) oder solche, die mit einem Gummizug zum Oberteil oder Kleid getrimmt werden (113).


Die schmale Jacke 104 mit einem hohen angeschnittenen Kelchkragen, der aus einer mehrfach unterteilten Schulterpasse herauswächst, finde ich schnitttechnisch interessant, und sie erinnert mich auf die gute Art an die Uniformen bei Raumschiff Enterprise, sollte aber besser passen als das Exemplar auf S. 49 (und die Kombination mit einer ebenfalls patchworkartig zusammengesetzten Hose finde ich unglücklich: das sieht doch etwas nach Clownsanzug aus. Aber das wäre ja schon wieder gelästert, und das wollen wir ja jetzt noch nicht!).


Ein weiteres Stutzen erzeugt bei mir der Wickelrock 108, wobei ich mich innerlich winde, dieses Stutzen tatsächlich positiv zu deuten, vereint dieser Rock doch fast alle Schnittdetails, die ich bis vor kurzen als absolut verabscheuungswürdig angesehen hätte: ein vorne kurzer, hinten langer Saum, der auch noch asymmetrisch ist, also rechts kürzer als links. Außerdem liegen die Vorderteile nur so wenig übereinander, dass der Rock sicher nur bei einem Stehempfang bei Windstille praktikabel ist. Vielleicht liegt meine leichte Sympathie an dem Rockfoto auf Seite 47, das den Rock aus einem hübschen Karostoff zeigt (und auf dem man die Mehrfach-Asymmetrie kaum erkennen kann): man zeige mir irgendetwas – egal was – mit Karos, und ich finde es gut. Oder es ist dieser unerklärliche Reflex, der sich „Mode“ nennt.

Das Schlimmste


Zum Läster-Einstand können wir aber gleich bei dem Foto von Seite 47 bleiben, bei dem krampfhaft originellen Oberteil 115. Es wird als „Plaidjacke“ bezeichnet, übersetzt bedeutet das wohl: eine Jacke mit einer angeflanschten Sofadecke, die schwungvoll über die Schulter geworfen werden soll. Sofadecke. Muss ich mehr sagen? Ja? Dann füge ich hinzu: zugige Dreiviertelärmel. Nochwas? Stellt euch einfach vor, wie ihr in dieser Jacke an einem kalten Buffet steht und versucht, einen Teller mit Kartoffelsalat zu beladen und ein Glas zu halten, ohne dass euch die Decke ins Essen fällt.

Das Oberteil 111 (S. 22 und 39) gefällt mir nicht unbedingt besser – Schals an der Kleidung sind generell nicht so mein Fall, scheint mir - aber wenigstens wird hier alles festgenäht, kann damit nicht in die Soße fallen. Abendessen gerettet, alles gut.

Anderes Thema: Burda und die Rechtecke. Einer der seit Jahren mit großer Beharrlichkeit geäußerten Vorwürfe gegenüber Burda lautet: Das sind doch alles nur Rechtecke! Wir wollen Schnitte, und keine Rechtecke! Ehrlich gesagt nervte mich die Penetranz ein wenig, mit der dieser Vorwurf jeden Monat wieder irgendwo erhoben wurde, und ich fand diese Dauerkritik ungerecht. Ja, ab und zu gab es einen Poncho (ein Rechteck mit Loch für den Kopf) oder einen Sarouel (ein Rechteck, das man um sich herumwickelt), aber generell stimmt es ja so nicht, dass Burda immer und überall nur Rechtecke als Schnitte verkaufen würde.

 

Die Parkajacke 134 auf Seite 70 fiel mir zuerst nur ins Auge, weil ich sie einfach scheußlich fand: ein unförmiges Ungetüm aus Glanzstoff mit Gummizügen überall. Beim Blick auf die Schnittzeichnung kapierte ich: Das sind ja alles nur Rechtecke! Für die Jacke gibt es gar keinen Schnitt – nur Anweisungen, was für Rechtecke zuzuschneiden sind. Ein Gefühl, als würde mir der Boden unter den Füßen weggezogen: Burda gibt Rechtecke als Schnittmuster aus! Alle, alle hatten sie Recht! Ich blicke in einen Abgrund.

Ich hoffe, mit Heft 2/2015 kann ich mich von dem Rechteck-Schock erholen – es wird dort bereits sommerlich.
Und ihr, was sind eure Lieblingsschnitte? Habt ihr noch etwas entdeckt, was ich übersehen habe?

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Wir können mehr als nähen: Spenden, feiern, podcasten!

Heute möchte ich auf drei sehr unterschiedliche, gleichermaßen großartige Initiativen hinweisen, die gemeinsam haben, dass sie auf die eine oder andere Weise aus unserer Selbermacherinnen-Gemeinschaft hervorgegangen sind. Fangen wir mit einem ernsten Thema an:

MeMadeMittwoch-Spendenaktion für die Ausbildung afghanischer Frauen 

 

Wir, also das Team um den Me-made-Mittwoch, organisierten ja schon vor zwei Jahren eine Spendenaktion zugunsten der Bildung marokkanischer Frauen. Dieses Jahr wollen wir wieder ein Projekt unterstützen: der Verein NAZO e. V. sorgt zusammen mit afghanischen Partnern seit mehr als zehn Jahren die Ausbildung von Frauen zur Schneiderin. Die Frauen werden in fünf NAZO-eigenen Werkstätten ein Jahr lang unterrichtet. Nach dem Abschluss können die Frauen die Nähmaschine aus ihrer Ausbildung behalten und werden von NAZO dabei unterstützt, sich zu Werkstätten zusammenzuschließen und selbständig zu arbeiten.

Seit Anfang Dezember sind für dieses Projekt schon mehr als 4000 Euro Spenden von euch eingegangen, das ursprüngliche Spendenziel wurde schon zwei Mal übertroffen und wir sind völlig überwältigt - vielen, vielen Dank! Es ist ein tolles Gefühl zu sehen, dass sich der MemadeMittwoch nicht nur um schöne Kleider dreht, sondern eine Gemeinschaft ist, die mehr bewirken kann. Weitere Informationen und die Spendenmöglichkeit findet ihr hier im MMM-Blog - im Moment sind fast vier Ausbildungen finanziert. Übrigens: wie vor zwei Jahren wird es wieder ein Dankeschön von uns geben - ihr dürft gespannt sein. Wir haben uns da ganz schön was aufgehalst und sind ziemlich nervös, ob wir das in der knappen Zeit schaffen!


Dressmaker's Ball - Der Pott goes Glam oder: Nähnerds und Freunde tanzen


Quelle: Thiophene Guy via flickr.com - unter CC-Lizenz (CC-BY-NC-SA 2.0)
Wer nähen kann, kann auch feiern - und wer sich ein Weihnachtskleid, ein Ballkleid oder ein Cocktailkleid zu einem besonderen Anlass näht, möchte die Robe mehr als ein Mal aus dem Schrank lassen. Im März 2015 gibt es dazu im Ruhrgebiet die Gelegenheit: die großartige und nimmermüde Alex von Mamamachtsachen organisiert den Dressmaker's Ball, einen festlichen Abend mit Musik, Tanz, Essen und Trinken, alles inklusive. Eingeladen sind Selbernäherinnen und Selbernäher - selbstverständlich im Selbstgenähten - und ihre Begleitung. So lässt sich das Feiern auch noch mit dem Fachsimpeln verbinden. Karten - bis zum 15. 12. zum günstigen Frühbucher-Preis - können über Alex' Blog bestellt werden.   

Näh-Podcast


Quelle: Infrogmation of New Orleans via flickr.com - unter CC-Lizenz (CC-BY 2.0)
Es geht doch nichts über ein schönes Stück im Radio und ein Tässchen Tee! Anders als der oben abgebildete Herr nutzen Selbermacherinnen und Selbermachen Serien und Hörbücher aber oft als unterhaltende Begleitung beim Nähen oder Stricken - was liegt also näher, als beim Nähen einer Sendung zum Thema Nähen zu lauschen?

Die neuen Nähpodcasts von Muriel - Nahtzugabe 5cm, die sich in wochenlanger Arbeit mit der ganzen Technik vertraut machte, eignen sich vorzüglich dazu. In der ersten Folge unterhielt sich Muriel mit der Drehumdiebolzeningenieurin, in der zweiten mit Frau Crafteln - und weitere Folgen sind geplant. Ein Podcast ist quasi sowas wie ein Radiobeitrag, den man herunterladen und offline anhören kann (über einen beliebigen mp3-Player, z. B. im Handy), ihr könnte die Beiträge aber auch einfach mit dem Player in Muriels Blog abspielen. Hört mal rein -  es ist spannend, die Stimme zu einem Blog zu erleben, man nimmt die Bloggerinnen noch einmal ganz anders wahr, und das Nähgeplauder sorgt für ein richtiges Nähkränzchen-Gefühl, auch wenn man in Wirklichkeit ganz alleine vor sich hinwerkelt.