Fieser Nieselregen und Nebel, so dass man mittags schon das Licht anmachen muss und ich mich zwingen muss, überhaupt einen Fuß vor die Tür zu setzen, so sieht es hier momentan aus. Dazu passend habe ich mich - neben dem Stricken - in einige sehr nerdige Fachbücher über Textilherstellung, Stoffe und Materialien eingegraben. Ich habe Chemie zwar nach der 10. Klasse abgewählt, aber es ist gar nicht dumm, ein bißchen mehr über den Aufbau von Fasern zu wissen und damit zum Beispiel auch, was mit den Fasern passiert, wenn ein Gewebe aus Synthetik sehr heiß gewaschen wird oder ein gestricktes Tuch aus Wolle eingeweicht und gespannt wird. Die Lektüre sorgt für Aha-Effekte am laufenden Band, spannend! Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich verstehe gerne den Hintergrund von Regeln und Empfehlungen. Jetzt denke ich beim Einweichen von Wolle oder beim Bügeln mit Dampf "nun lösen sich die Wasserstoffbrücken" und freue mich daran, dass ich weiß, was in der Faser passiert.
Genäht wird aber auch immer noch, und zwar Nützliches, schnöde Pyjamas und Unterwäsche. Pyjamas nähe ich gerne aus Baumwollstoffen, die mir für draußen zu bunt sind, das macht das Schlafen fröhlicher. Die Ideen für die neue Nähsaison kommen so nach und nach beim Stricken, ich gehe im Kopf mein Stofflager durch und kombiniere mit Schnitten und Ideen. Den Gedanken an Cordröcke (kuschelig! warm! flauschig!) habe ich vorerst verdrängt, der ist sicher nur auf das feuchtkalte Wetter zurückzuführen.
Geplant ist auf jeden Fall ein
Skyline Skirt aus alten Jeans, den brauche ich im März als Arbeitskleidung. Dann denke ich an einen Rock wie
Colette Beignet aus dünnem blauen Wollstoff und an den
Rock 101 aus der aktuellen Burda aus fein gestreiftem blau-beigen Baumwollstoff. In diesem Sommer möchte ich außerdem einen weiß-schwarz-blauen Waxprint verarbeiten, vermutlich zu einem Sommerkleid, habe aber noch keine Ahnung, wie das aussehen soll.
Ein paar Bilder habe ich schon gesammelt, das richtige war noch nicht dabei, die Idee muss noch reifen.
Andere Ideen kommen von außen, wer weiß, was da wieder herumwabert, was ich gesehen oder gehört habe, das mir unmerklich ins Bewusstsein diffundiert: Mir steht der Sinn nach einer Bluse mit Schluppe (aus einem feinen, grün-rosa-braun-geblümten Batist), sie sollte einen flachen runden Ausschnitt haben, keinen Kragen und keine Puffärmel, daher ist der Schnitt noch offen. Sowas gibt es bestimmt bei Burda.
Und ich denke über einen Rock aus Jeans nach, mit dieser Waschung, die in den frühen Neunzigern "moon wash" hieß (und die ich als Schülerin unsäglich, absolut unmöglich, untragbar fand) und die heute als "acid wash" bezeichnet wird. Bei Pinterest gibt es lauter Bilder mit Vintage-1990er-Jeansjacken, Latzhosen und Shorts mit dieser Waschung, und ich fürchte es ist ein Trend. Und ich fürchte, ich finde das teilweise gut und verstehe das selbst nicht. Jetzt ist es raus. Ich hoffe die Nähbloggerinnengemeinschaft gibt mir nach diesem Geständnis noch eine Chance, selbst wenn ich eines Tages tatsächlich Domestos auf einen Jeansrock kippen sollte.
Kommen wir zu etwas Erfreulicherem, interessanten Links, die mir in letzter Zeit untergekommen sind:
In
Lörrach bei KBC Stoffe, einer Firma, die mir von den Materialangaben bei Burdastyle her bekannt vorkommt, gibt es einen
Stoff-Fabrikverkauf, geöffnet ist Dienstag, Donnerstag und Samstag. War vielleicht schon jemand dort und kann berichten?
Muriel, die den Link bei twitter herumschickte, und ein paar andere süddeutsche Selbermacherinnen planen schon einen Ausflug.
Eine Art
ravelry fürs Nähen, also eine
Plattform, auf der Schnittmuster päsentiert und genähte Versionen betrachtet und verglichen werden können, mit einer großen, durchsuchbaren Schnittmusterdatenbank im Hintergrund, ist einer der großen, unerfüllten Wünsche der Nähcommunity. Viele kleinere Plattformen gibt es bereits, aber der große Wurf war bisher nicht darunter.
Pattern review, die erste Plattform dieser Art, ist vom Design her mächtig in die Jahre gekommen, und man muss die Suchfunktion schon sehr gut kennen, um dort einen Schnitt zu finden. Die Seite
The foldline (Link gefunden via
@goldengelchen_) startet einen neuen Versuch, das
ravelry des Nähens zu werden. Aber ob das jetzt der große Wurf ist?
Ausmalbücher für Erwachsene sind ja gerade
der Buchtrend und verdrängen zum Teil schon die DIY-Ratgeber von den Tischen der Buchhandlungen. Ich habe noch niemanden beim Ausmalen gesehen, aber vermutlich wirkt das Malen ebenso wie das Stricken: beruhigend, zeitvertreibend und die Gedanken können schweifen. Wer mal etwas anderes ausmalen will: Viele Museen und Bibliotheken stellen neuerdings
Vorlagen zur Verfügung - Ornamente, Buchillustrationen, Tier- und Pflanzenabbildungen. Eine Linkliste findet sich
hier bei openculture.com.
Zum Schauen und Schwelgen: Die argentinische Künstlerin Alexandra Kehayoglou stattete vor zwei Jahren eine Runwayschau von
Dries van Noten mit einem
Wollteppich aus, über den die Models wie über einen Moosteppich schritten. Sie beschäftigt sich aber schon viel länger mit Teppichen, die Natur nachahmen, und ich finde es ganz frappierend, wie echt diese Bodenbeläge zum Teil wirken. Das fällt besonders im
Instagramfeed von Alexandra Kehayoglou auf, wo Bilder von fertigen Teppichen, vom Knüpfen, vom Material, aber auch Naturfotos nebeneinander stehen.