Sonntag, 25. November 2012

Wintermantel-Sewalong 10: Finale!

Herzlich Willkommen zum letzten Termin unseres Wintermantel-Sewalongs: dem großen Finale! Viele, hoffentlich glückliche Mantelnäherinnen präsentieren heute ihr fertiges Nähprojekt. Danke, dass ihr mitgemacht habt, Danke für den regen Austausch über Schnitte, Stoffe und Verarbeitung. Es war toll, so vielen unterschiedlichen Mänteln beim Entstehen zuzusehen - ich habe ungeheuer viel gelernt, das Mantelnähen hat seinen Schrecken verloren. (Ehrlich gesagt freue ich mich schon auf meinen nächsten Mantel und habe beim Markbesuch am Blogtreffenwochenende vorsorglich schon Stoff dafür besorgt.)




Noch kurz zu den technischen Daten meines Mantels: Schnitt 107 aus Burda 10/2011, ca. 3cm gekürzt. Ich habe ihn schon eine Woche in der freien Wildbahn getestet: er ist ziemlich schwer, aber superwarm. Genauer gesagt, im Moment fast noch zu warm. Die Ärmel sind tatsächlich recht eng geschnitten - einerseits gefällt mir das, weil der Mantel dadurch nicht so massiv wirkt, andererseits sind sie schon mit einer dünnen Strickjacke wie hier sehr gut ausgefüllt (und krumpeln eigentlich immer, es sei denn man lässt die Arme locker herunterhängen).


Und das Futter...
... ist schön bunt!


Und jetzt ihr: hier kommen eure wunderbaren, individuellen Wintermäntel!



Mittwoch, 21. November 2012

Paulie - eigentlich ein Nachtrag zum Bloggertreffen


Was wäre eine wichtige Veranstaltung, auf die man wochenlang hinfiebert, ohne mindestens ein Kleidungsstück, das nicht rechtzeitig fertig wird? Nicht denkbar, oder? Diese Strickjacke nach einer Anleitung namens Paulie wollte ich am Sonntag zum großen Bloggerinnentreffen tragen: Donnerstag strickte ich den zweiten Ärmel zuende, Freitag Abend und am Samstag vernähte ich die gar nicht so wenigen Fäden und zog die Jacke durch warmes Wasser, um sie in Form zu spannen.


Sonntag früh war sie noch nicht trocken - Mist! Und Knöpfe hatte sie auch noch nicht. Also zog ich zum Treffen etwas anderes an. Und Doppel-Mist: Eigentlich wollte ich mit der Jacke heute am Me made Mittwoch teilnehmen, aber für ein Foto an mir war auch keine Gelegenheit. Wir hier in Berlin haben die Sonne seit ca. einer Woche nicht mehr gesehen, jetzt ist es 15.00 Uhr und ich muss das Licht anmachen. Kein Fotolicht, nirgends.


In der Zwischenzeit erzähle ich euch noch etwas über Paulie: Die Jacke ist aus Sockengarn gestrickt, und zwar aus einem Garn von Coats, "Red Heart Sport Socks", das es nebenan in der größten Rossmann-Filiale der Welt gab. Das Garn ist relativ weich und angenehm - weicher jedenfalls als die Standard-Regia-Garne, die hier in der Gegend die Wolladenregale verstopfen und die ich schrecklich kratzig und unangenehm finde. Ich brauchte für Größe M etwa 250g davon, von dem blauen Garn, das ich vor längerer Zeit geschenkt bekam, wahrscheinlich keine 50g. Gestrickt habe ich mit Nadelstärke 3.


Die Jacke wird als "Raglan von oben" gestrickt - also auf einer großen Rundnadel vom Halsausschnitt mit Zunahmen nach unten. Die Maschen für die Ärmel werden zunächst stillgelegt und Vorder- und Rückenteil bis zum Bündchen fertiggestellt. Die Ärmelmaschen nimmt man dann wieder neu auf die Nadeln und strickt die Ärmel in Runden. Das wird in der Anleitung alles sehr gut beschrieben.

Bei meiner Jacke sind die Proportionen aber etwas anders als beim Original: Die Paulie-Designerin ist wohl eine sehr große und dünne Frau, ich bin allenfalls mittel und nicht so dünn, sondern kurvig. Meine Srickjacke hat daher nur nur 11 blaue Streifen, nicht 12, und reicht mir damit bis zum Hüftknochen. Die Ärmel haben 13 Streifen wie das Original, bei mir aber eine normale Ärmellänge, kein Dreiviertelärmel. Gut, das sieht man dann besser, wenn ich ein Foto an mir nachliefern kann.

Es ist jedenfalls ein Vorteil beim "Raglan von oben", dass solche Längenanpassungen beim Stricken vorgenommen werden können, wenn es so weit ist. Die Passform um die Schultern herum finde ich aber bei der herkönmmlichen Lösung mit eingesetzten Ärmeln immer einen Tick besser. Der angestrickte Kragen mit verkürzten Reihen ist auch so ein bißchen unentschlossen: zu klein für einen richtigen Schalkragen, aber zu groß um glatt zu liegen. Aber da das auf allen Fotos bei allen anderen Paulies auch so ist, lasse ich das jetzt so.

Montag, 19. November 2012

Inspiriert und beflügelt - Berliner Bloggerinnentreffen 2012



Noch ganz überwältigt von den vielen Gesprächen und Eindrücken des Wochenendes bin ich eigentlich auch noch viel zu müde, um viel zu schreiben. Nur soviel: Danke, dass ihr alle von nah und fern gekommen seid, für euer Interesse und für eiure Freundlichkeit. Beim Nähbloggertreffen entstand nach kurzer Zeit wieder diese ganz besondere vertraute Atmosphäre - man kennt sich ja eigentlich gar nicht, aber durch die Blogs eben doch, und selbst wenn nicht kommt man über die gemeinsame Leidenschaft schnell ins Gespräch.

Wenn ich  nochmal irgendwo so einen neunmalklugen Artikel lese, die Menschen (oder besser "die Jugend") hätten jetzt ja "nur noch" virtuelle Kontakte und würden dadurch vereinsamen und keine "richtigen Freunde" mehr haben, dann kann ich jetzt um so herzhafter darüber lachen: Hallo liebe Internetexperten da draußen, Internetfreunde sind "richtige" Freunde! Ich habe mich mit Menschen, die ich nach Internetexpertendefinition eigentlich gar nicht kenne, weil das Netz ja nicht zählt, schon wesentlich persönlicher unterhalten als mit Menschen, mit denen ich acht Jahre lang in die gleiche Klasse gegangen bin. Das Kennenlernen über die Blogs setzt so viel in Gang, das dann in der persönlichen Begegnung ausgebaut werden kann. Diese positiv aufgeladene Atmosphäre war am Sonntag ganz deutlich spürbar, fand ich, und ich hoffe dass gerade diejenigen, die im "realen" Leben ohne sogenannte "echte" Craftista-Freunde auskommen müssen, dadurch gestärkt, inspiriert und beflügelt wieder nach Hause gefahren sind. 

Donnerstag, 15. November 2012

Wenn man Gerhart Hauptmann am Strand sieht...


... und denkt: "Der Saum ist bei diesem Mantel aber schlecht genäht. Das drückt sich ja alles nach rechts durch. Damit wäre ich nicht zufrieden! Überhaupt ein komischer Schnitt, dieser Mantel. Diese labberigen Ärmel! Ist das möglicherweise ein Bademantel und gar kein Wintermantel? Aber wie Frottier sieht das ja nun nicht aus. Und er trägt Straßenschuhe und einen Stock dazu. Also doch ein richtiger Mantel? Merkwürdig." - dann, ja dann weiß man, dass es höchste Zeit war, das Mantelprojekt abzuschließen und sich neuen Nähabenteuern zu widmen. 

Dienstag, 13. November 2012

Wochenrückblick Kw 45




1. Bügeltäschchen-Niete. Es ist amtlich, ich bin eine lausige Bastlerin. Beim Quilttreffen zeigte uns Christiane, wie man Taschenbügel zu schicken kleinen Täschchen verarbeitet. Ich schwelgte in Vorfreude, sah vor meinem geistigen Auge schon die schönsten Bügeltaschen in allen Größen, Formen und Farben und plante, mindestens ein halbes Dutzend zu Weihnachten zu verschenken. Das Nähen und Verstürzen des Beutels war kein Problem - nähen kann ich - aber die Montage stellte mich vor bisher unüberwindliche Hindernisse: 1. Tasche falschrum an Bügel geklebt. 2. Tasche windschief an Bügel geklebt. --> Tasche aus Bügel herausrupfen, ehe der Kleber getrocknet ist und es zuhause nochmal in Ruhe versuchen. Der Ausgang ist offen, ich halte euch auf dem Laufenden.

2. Babypflanzen-Blüte - oder sowas Ähnliches. Es ist grün und borstig.

3. Ehemaliger Kiosk, Reuterplatz, Neukölln. Die große Figur ist neu - sie ist aber nicht von Owys, wie der Vergleich mit diesem Foto zeigt, von Owys stammte das schon wieder übermalte Porträt von Ai Weiwei links. 

4. Selbermacher geklickt: Die Stoffmanipulation wird zur Stoffspielerei und wird nun im Wechsel bei Suschna, frifris, Griselda, Karen, Kathrin und bei mir gesammelt, immer am letzten Sonntag im Monat. Den Anfang macht am 25. 11. Kathrin - annekata, die sich mit Origami oder Licht und Schatten oder - wenn das zu nichts führt - mit einem zufälligen Wort aus dem Wörterbuch beschäftigen wird. Eure Spielereien mit Stoff - fertige oder unfertige Projekte und Experimente sind willkommen, hinterlasst am 25. einen Kommentar bei Kathrin oder schickt ihr euren Link (kathrinATannekataPUNKTcom).

Sonntag, 11. November 2012

Wintermantel-Sewalong 9: Fertigstellen



Am Mantel fehlt nur noch der letzte Schliff: Knöpfe, Aufhänger, Gürtel...

Die Spannung steigt: wir nähern uns dem Vor-Finale beim Blogtreffen nächsten Sonntag und dem großen Finale am 25. 11.! Wie ich gesehen habe, haben einige ihre Mäntel sogar schon fertig, andere haben in der vergangenen Woche endlich den ersten Schnitt in ihren Stoff getan.

Egal in welchem Zwischenstadium ihr euch gerade befindet, ihr könnt auf jeden Fall stolz auf euch sein. In den letzten Wochen betrachtete ich außer Haus quasi ununterbrochen die Kaufmäntel, die mir tagtäglich begegneten – das ist ja eine alte Selbermacherinnen-Krankheit: Näht man einen Mantel, schaut man sich überall die Mäntel an, tüftelt man an einem Hosenschnitt, schaut man bei allen anderen nach der Hosenpassform. Ich war daher vollkommen auf Mäntel fixiert, Mantelschnitte, Mantelstoffe, Mantelverarbeitung, Mantelpassform... und gerade in punkto Mantelpassform habe ich viele schauerliche Dinge gesehen. Zum Beispiel das wohlbekannte und unübersehbare Problem, dass viele Frauen im Oberteil eine andere Kleidergröße brauchen als beim unteren Teil, was häufig in Schulternähten resultiert, die irgendwo auf dem Oberarm hängen, oder in kaum zu schließenden Mantelunterteilen, kurz gesagt in Problemen, die sich beim Selbernähen relativ einfach vermeiden lassen. Jedenfalls hatte ich nach dem Abscannen hunderter Mäntel den Eindruck, dass selbstgenähte Mäntel auf jeden Fall schöner, passender, kleidsamer, ja, besser sind, als das meiste, was man so kaufen kann. Und wie der Mantel-Sewalong zeigt: es ist in einer überschaubaren Zeitspanne machbar! 

Was war in der letzten Woche noch zu tun?

Seitdem das Futter festgenäht ist, habe ich den Mantel entfusselt, Markierungen entfernt und die Knöpfe (aus dem Fundus von Carola) festgenäht. Diejenigen, die tatsächlich funktional sind, bekamen auf der Innenseite einen Gegenknopf. Der Knopf ist dadurch nicht nur am Stoff befestigt, der ausreißen könnte, der Zug wird vielmehr vom Gegenknopf aufgenommen.


Über Knöpfe und Knopflöcher hatten wir in einer der vorigen Folgen des Wintermantelsewalongs schon gesprochen, ich wiederhole aber gerne noch einmal den guten Tipp von Meike, die Knopflöcher unter Umständen von einer Änderungsschneiderei nähen zu lassen. So ein Wollmantel mit zwei dicken Lagen Stoff – vier im Bereich der Nahtzugaben vorne am Beleg – das überfordert so manche Knopflochautomatik.


Für die Aufhänger-Vergessen-Fraktion gibt es nachträglich einnähbare Mantelaufhänger. (Solche ganz billigen (wie auf dem Bild) solltet ihr aber nicht kaufen, die sind wegen der scharfen Kanten an den Ösen schneller wieder abgerissen, als man gucken kann. War ein Fehlkauf von mir, habe ich nach dem Foto weggeworfen.) Tja, und damit wäre - für mich fast unfassbar - mein Wintermantel tatsächlich fertig. Für meine Verhältnisse in Rekordzeit! (Und da ich gerade so gut "drin" bin, sollte ich mich sofort um die ärmellose Blazerleiche kümmern, die hier noch herumhängt...)

Und wie sieht es bei euch aus? Noch mit den fiddeligen Details beschäftigt, schon fertig oder gerade erst richtig angefangen?