Was kann man mit einer typischen Handarbeit des 18. Jahrhunderts heute noch anstellen? war meine Leitfrage für die
Stoffmanipulation im Mai, Suschnas
Handarbeitsrätsel vor einigen Wochen der Anlass. Marie Antoinette und die anderen porträtierten Damen fabrizierten Knotenschnüre, eine zu ihrer Zeit sehr beliebte Handarbeit, wie Suschna
hier das Rätsel aufklärte. Ein Zeitvertreib, der die Damen im Gespräch auf elegante Weise beschäftigt, aber nicht
zu beschäftigt wirken ließ? Oder mehr als ein Zeitvertreib, weil die geknüpften Schnüre zu Quasten verarbeitet oder dekorativ aufgenäht werden konnten, und man so beim Aufputz des neuen Kleides doch ein bißchen sparen konnte? Wer weiß.
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Links: single knot, rechts: chenille knot |
Den damaligen Stellenwert der Knoterei im Leben einer Dame wird man heute wohl nicht mehr aufklären können - ob das Knoten machen womöglich zum neuen Trendhobby des 21. Jahrhunderts taugt, wollte ich im Selbstversuch herausfinden. Eine Anleitung für verschiedene Knoten findet sich
hier, die Grundlage bildet immer ein einfacher Knoten, fortlaufend dicht aneinander oder in Gruppen, die durch weitere Knoten verbunden werden.
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Chenille knot mit großem Abstand zwischen den einzelnen Knoten |
Wie Susanne wickelte ich das Garn - naturfarbenes Baumwollhäkelgarn - um eine Wäscheklammer und knotete los: im Bus, und zuhause, wenn sich kleine Wartezeiten zwischendurch ergaben. Im Bus erntete ich interessierte bis belustigte Blicke, zuhause erreichte ich zuletzt eine solche Automatisierung, dass ich parallel Zeitung lesen und knoten konnte. Die Knotenabstände stimmten auch erst mit einiger Übung: man muss die Knoten dichter setzen, als man zuerst denkt, und man benötigt unglaubliche Mengen Garn, wenn man es richtig macht.
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Double sided knot |
Der Strang mit
double sided knots - jeweils zwei einfache Knoten werden mit einem dritten Knoten zusammengefaßt - verbrauchte eine voll gewickelte Wäscheklammer und ergab nur ein kleines Endchen, nicht mal 30cm. Daher bin ich mit meinem Monatsprojekt auch nicht so weit gekommen wie geplant: die Knoterei ist mit so dünnem Garn wirklich zeitaufwendig.
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Chenille knot aufgenäht |
Aufgenäht im Wechsel mit ungeknotetem Häkelgarn ergeben sich aber interessante Strukturen aus den Knotenschnüren. Da ich wie immer ohne Stickrahmen unterwegs war, zog sich der Stoff zusammen - in der Mitte der Kreise gefällt mir das sehr, am Rand der Kreise nicht so. Aber wenn der Stoffstreifen erst in eine Tasche eingenäht ist, wird das kaum noch auffallen.
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Single knot, aufgenäht |
Und wie ist es nun um die Trendtauglichkeit dieser Handarbeit bestellt? Nicht schlecht, würde ich sagen, wenn man eine halbwegs schick-dekorative Anwendung der geknüpften Schnüre und ein spezielles Knüpfmaterial lancieren würde. Einfache Knotentechniken werden ja immer wieder mal nach oben gespült, sind eine Weile populär - erinnert sich noch jemand an
Scoubidou? - und verschwinden nach einiger Zeit der Popularität wieder. Im Moment sind die
Freundschaftsbänder dran, Makramee steht wahrscheinlich schon in den Startlöchern, und danach dann vielleicht Knoten knüpfen?
Womit ihr euch in stoffmanipulativer Absicht beschäftigt habt, trage ich in Vertretung von Suschna heute zusammen.
Einen Beitrag hatte ich vor ein paar Tagen schon bei Monika erspäht: Als
Abschluss für einen Rock verwendete sie die Cording-Technik nach Stitch magic von Alison Reid.
Kathrin (tinistaschen) hat diesmal
mit der Maschine appliziert und frei gestickt - ein Stoffbild aus Seidenresten.
Kathrin (annekata) experimentierte mit
Einzelteilen aus festem Stoff, die zu dreidimensionalen Gebilden zusammengesetzt und verformt werden können.
Siebensachen hat gleich zwei Teile in Arbeit:
eine Jacke in Trapunto-Technik und ein Oberteil mit Biesen, das später gefärbt werden soll.
Bei Griselda gibt es heute
Volants für Rüschenverächterinnen.
Suschna probierte
Rug Hooking aus, dabei werden Stoffstreifen in ein lockeres Grundgewebe eingezogen.
(wird ergänzt)