Sonntag, 2. Februar 2014

From a far away place: Probemodelle (Nix für Lemminge 1/3)


Heute ist das dritte Treffen des Far-away-Projekts und es geht um die nähtechnische Umsetzung der Entwürfe vom letzten Mal. Ich habe ich mich seitdem um den Jackenschnitt gekümmert. Der Ausgangspunkt war ein rekonstruiertes Schnittschema für eine koreanische Jacke aus dem 16. Jahrhundert.


Die erste Probejacke hatte ich schon gezeigt...


... und so sieht sie angezogen aus. Im 16. Jahrhundert war von der hohen Taille noch keine Rede. Die Jacke ist ziemlich üppig, da es als ein Zeichen von Reichtum angesehen wurde, wenn man mit solchen Stoffmengen protzen konnte.


Das zweite Probeteil. Änderungen gegenüber Version 1:
  • Jackenteile um 10 cm gekürzt 
  • Ärmel auf 40 cm Umfang verschmälert
  • an den Seiten ist jeweils nur noch eines der Seitengodets eingenäht (ursprünglich gehören da zwei hin)
  • der Kragenstreifen ist nur noch halb so breit wie bei der ersten Version 

Das kommt meinen Vorstellungen schon näher, ist aber immer noch einen Tick zu lang. Im Rücken hat die Jacke auch noch viel Luft.


Hier ein Blick auf die Partie unter dem Arm: Seitenteil und der Zwickel, der für Bewegungsfreiheit sorgt. Ich bin ganz begeistert, wie gut diese supersimple Konstruktion funktioniert.

Pläne für Version 3:

  • Jacke noch einmal um ca. 5 cm kürzen
  • Seitenteil und Zwickel zu einem einzigen Schnittteil zusammenfassen
  • Jacke an der Naht zwischen Seitenteil und Rückenteil und an der rückwärtigen Mittelnaht verschmälern
  • einen geraden Abschluss für die Vorderteile und den Kragen überlegen - wahrscheinlich reicht abschneiden 
  • die Größe und den Verlauf des Ausschnitts festlegen
  • und sicher noch irgendwelche anderen Änderungen, die jetzt noch nicht vorhersehbar sind

Was die Verarbeitung betrifft, plane ich mittlerweile mit einem nicht ganz so dünnen Volumenvlies, seitdem ich nämlich über Fragolinchen auf die modernisierten Hanbok-Modelle einer koreanischen Designerin stieß: Steppjacken! Kuschelige Steppjacken mit Plüsch und dicken gesteppten Röcken! Es hat sicher mit den derzeitigen Temperaturen zu tun, dass mir diese Vorstellung im Moment viel verlockender vorkommt als der Gedanke an flatternde dünne Röcke und blusenartige Jäckchen.

Was die Mitstreiterinnen so treiben  - von denen ja einige unerschrocken an Sommerkleidern werkeln - sammelt wie immer Mamamachtsachen.

17 Kommentare:

  1. das ist ja schön, dass du auch noch dabei bist - und ich bewundere das, was du bis jetzt erreicht hast - die silhouette sieht man ja nun wirklich nicht jeden tag.

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  2. Ich hab schon auf den Bericht zu deinen Fortschritten gewartet, weil ich das, was du dir ausgedacht hast ganz interessant finde. Ich merke ja schon, es ist viel Arbeit, aber die lohnt sich – das wird ganz toll aussehen!!!
    LG Yvonne

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  3. Ah, angezogen und es sieht wirklich gut aus. Wobei mir beim ersten, alten Modell die deutlich weiteren Ärmel irgendwie besser gefallen, das macht das Oberteil optisch schmaler. Aber das sieht sicher jede(r) anders und praktischer ist das zweite ja sowieso!
    Schließt du die Jacke vorne irgendwie, oder kommt da noch was zum Wickeln dran?

    Spannend und sehr sehr vielversprechend.
    LG frifris

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    1. Beim Verschluss denke ich an Druckknöpfe, also Jackendruckknöpfe zum Einschlagen.

      Ich finde es auch sehr interessant, dass die erste Version auf dem Foto so schmal wirkt - dieser Schnitt macht schlank! In Wirklichkeit ist das nämlich eine riesige Menge Stoff. Aber du könntest Recht haben, dass dieser Effekt durch die weiten Ärmel zustande kommt.

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  4. Aah, in diese Steppjacke - und eigentlich alle anderen Klamotten der Designerin - hatte ich mich auch schon verliebt. Wärst Du jetzt in der Nähe, würde ich sagen: Bei Turmstoffe haben sie so einen leichten Steppstoff auch in nem tollen Grün ;-) Version 2 der Jacke sieht wirklich ziemlich klasse aus. Aber der erste hat auch was. SO: tja, ich kann's mir halt leisten, so lässigen Kram zu tragen. Auch irgendwie spannend. Bräuchte dann aber evtl. was Knackiges in Kombi dazu. Hach, jedes Mal, wenn ich nu gucken geh bei Euch anderen Hanbok-Inspirierten, dann kommen mir gleich noch 23 weitere Ideen. Wie grandios und entnervend.

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  5. Ich bin total beeindruckt , wie Du Schritt für Schritt weiterentwickelst ! Ich glaube auch wie Yvonnet , dass Du anschliessend ein ganz tolles Unikat haben wirst . ( Ich mochte auch die weiteren Ärmel sehr gern , aber die sind erfahrungsgemäss ja so gar nicht alltagstauglich )
    LG Dodo

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  6. Mit Spannung verfolge ich Deine Schnittänderungen und bin gespannt auf Stoffwahl, Ausschnitt-Form und Verschluss-Lösung. Über Absteppen denke ich auch nach.
    LG Ute

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  7. Deine zweite Variante gefällt mir gut. Die erste wirkt bissel wuchtig.
    Bei den Temperaturen sehnt man sich noch nach was Kuscheligem, aber der Frühling kommt, da bin ich sicher. Und mit ihm der Wunsch nach luftigen Kleidern.
    Liebe Grüße

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  8. Sehr schön wie du dich historisch so annäherst.Ich finde das obige aber eindeutig besser, stimmiger. Vielleicht liegt es daran, dass an der schmaleren Variante die Ärmel zu viel Falten ziehen, weil so schmal eben nur eine Kugelärmel richtig geht?ein konischen Ärmel wäre zu weit weg vom Ausgangsmodell? Ich bin gespannt wie es weitergeht.Vg kaze

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    1. Ich glaube das fällt später nochmal ganz anders, weil es ja ein gesteppter Stoff sein wird. Von faltenfreien Ärmeln muss man sich bei dieser Schnittform verabschieden, aber das ist für mich in Ordnung - die modernen Jeogoris haben auch genau diese Falten, wenn man mal genau schaut. Wobei es wohl auch bei modernen Jacken ab und zu eingesetzte Ärmel mit Armkugel gibt. Mal sehen, wie es dann im Originalstoff aussieht. Dakommt dann wahrscheinlich auch besser raus, dass selbst die schmaleren Ärmel alles andere als eng sind.

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  9. Ich finde die erste längere Variante mit den weiteren Ärmeln macht irgendwie eine schmalere Silhouette und schöner zu dem schmalen schwarzen Rock, den Du auf dem Foto gerade anhast. Aber weite Ärmel finde ich persönlich gerade am Frühstückstisch nicht praktisch oder alltagstauglich. Vermutlich müßte man bei schmalen Ärmeln den "Kimono-Keil" an der Achsel konstruieren, damit dadurch die erforderliche Weite für die Bewegungsfreiheit vorhanden ist.

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    1. Ach, siehst Du - kommt davon, wenn man nur kurz drüberliest - den Keil hattest Du ja schon. Meinst Du der Faltenwurf an den Ärmeln wird weniger, wenn der Keil verlängert wird, also noch weiter in den Ärmel ragt?

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    2. Das könnte ich bei Version 3 wirklich nochmal probieren, gute Idee! Die Bewegungsfreiheit ist so auch schon gegeben, aber mit längerem Keil lässt sich vielleicht noch was rausholen.

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  10. Du weisst genau was du willst und wie du deinen Schnitt haben willst, das ist mir schon klar und das ist auch richtig so, aber.ich mag die erste Version mit den weiten Ärmeln so gern leiden.
    Grundsätzlich finde ich es toll, was du hier machst und diese geniale Rechteck-Jackenkonstruktion will ich mir merken!

    Liebe Grüße,
    Immi
    (... eine gar nicht so unterschrockene Sommerkleidnäherin, die noch niemals nie zuvor antizyklisch genäht hat!)

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  11. Mir gefallen Deine Änderungen sehr gut (von Version 1 nach 2) aber ich kann auch all die Stimmern verstehen: weite Ärmel. Das gefällt mir an der ersten Version wirklich gut. Die Steppjacken und überhaupt vieles der Designerin gefällt mir total gut...Ich bin sehr gepannt auf Version 3...
    Liebe Grüße Susi

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  12. Deine Version und die Umsetzungspläne wow.Ich bin neugierig auf deine weiteren Ergebnisse.Nähe die Jacke auf jedenfall in Wohlfühllänge.
    LG Annette

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  13. Ich glaube der verschlankende Effekt des ersten Oberteils kommt nicht nur von den Ärmeln, sondern auch durch die Zipfel im Vorderteil. Zumindest meinem Auge gaukelt der dunkle Rock und der etwas dunklere Stoffstreifen in der Mitte vor, dass die Zipfel die Silhouette abbilden ;)

    Ich finde die historische Herangehensweise sehr spannend und auch die zweite Version gefällt mir sehr gut - ich finde das ist noch voll im Thema! :)

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Vielen Dank für deinen Kommentar!