Wir schreiben das Jahr 2010. Berlin ist von einem Gletscher bedeckt, der jeden Tag einige Zentimeter an Stärke dazugewinnt. Höchste Zeit also, ein letztes Mal nahestehende Menschen anzurufen und "Ich liebe dich!" in den Hörer zu schluchzen, denn, wir kennen das ja aus The day after tomorrow, wenn die Klimakatastrophe erstmal in Gang ist, steckt man in Nullkommanix im Existenzkampf.
Wie man sieht habe ich einen Schneekoller. Es schneit nämlich schon seit mehr als 24 Stunden - sehr feinen Schnee, wie gefrorener Nieselregen, aber dafür unaufhörlich. Die Freude und Überraschung vor sechs Wochen - hach, die Straßen und Bäume so weiß, wie das auch glitzert, und die dicken Schneemützen auf den Autos und Mülltonnen - hat sich abgenutzt. Und gleich muss ich nochmal raus, um etwas Nahrung in den Bau zu schleppen.
Das einzig gute: mangels Alternativen bleibt am Wochenende jede Menge Zeit zum Nähen. Diese leicht frühlingsgrünen Notizbücher mit Hüllen sind am letzten Wochenende entstanden. Die Notizbücher im Format A6 gekauft, die Hüllen selbstgemacht und zum Verschenken gedacht. So ein kleines Notizbuch in einer hübschen Hülle ist für fast jeden ein gutes Geschenk - die Stoffe kann man auf die Beschenkte oder den Beschenkten abstimmen, in der Herrenversion zum Beispiel aus Tweed (oder für einen Baumfreund mit aufgedruckte Blättern).
Hier bei Mamas Kram gibt es eine Fotoanleitung, wie man eine gefütterte Buchhülle näht. Nach diesem Prinzip mache ich das auch, nur dass der Außenstoff der Hülle bei mir noch mit einer festen Bügeleinlage (Vlieseline H250 oder entsprechendes) verstärkt wird, und bei diesen Hüllen habe ich in der hinteren Klappe noch ein Gummi mitgefasst, mit dem man das Buch verschließen kann.
Aus der Serie Berlins härteste Zimmerpflanzen: meine seltsame Riesenbegonie, deren Namen ich nicht kenne, glaubt fest an den Frühling und blüht, ausgerechnet jetzt. Dank Heizungsluft sehen die Blätter entsetzlich aus. Aber schön, dass wenigstens ein Familienmitglied Optimismus verbreitet.
(Erster Teil der Serie, der Geldbaum, hier.)