Oder eher tue ich mich mit dem Februar schwer. Dieser Februar war nicht viel mehr als Warten auf den Frühling, auf die erste warme Luft. Hier in Berlin haben wir vergeblich gewartet, aber seit einigen Tagen gruppiert sich die Krähenkolonie auf dem Baum vor dem Bürofenster des Liebsten zu Paaren, immer eine größere und eine kleinere Krähe, und es wird geherzt und geschnäbelt. Niedlich, sofern Krähen niedlich sein können.
Der Februar ist für mich grau-bunt, das war mir schon ohne langes Nachdenken klar, und ebenso klar hatte ich sehr schnell eine Vorstellung von der „fertigen“ Seite vor Augen, nämlich von kaleidoskopartigen Rosetten aus Stoff und Garn vor einem grau-blauen Hintergrundstoff. Die Umsetzung dieser Vorstellung hatte dann mehr Tücken, als ich dachte.
Für den Hintergrund wollte ich ganz einfache Scherenschnittrosetten mit einer Spritztechnik auf den Stoff bringen. Technisch höchst einfach, auf diese Weise hatte ich vor Äonen schon mal Glückwunschkarten gemacht: Die ausgeschnittenen Formen aus Papier liegen auf dem Stoff, die verdünnte Farbe wird mit einer Zahnbürste gleichmäßig darüber gespritzt. Nicht bedacht hatte ich, dass gespritzte graue Stofffarbe, und dann noch auf hellblau, in erster Linie wie Dreck aussieht. Vielleicht handelt es sich aber auch um einen Fall von unbewusster Beeinflussung, das Ergebnis ähnelt nämlich sehr dem Fußweg vor unserem Haus in den letzten vier Wochen: Schneematsch und dunkelgraues Streugranulat. Bin ich froh, dass ich nicht gleich, wie ursprünglich angedacht, eine ganze T-Shirt-Vorderseite so bespritzt habe.
Als zweite Schicht sollten ausgeschnittene Rosetten aus Stoff appliziert werden. Merke: aus Stoff lassen sie sich nicht so einfach schneiden wie aus Papier. Für das Applizieren habe ich bei diesen Versuchen keinen Randabschluss gefunden, der mir zusagt. Zufällig fand ich in dem gerade ertauschten Garnvorrat rosa Sticktwist und fliederfarbenes Spitzenhäkelgarn, die farblich so genau zu meinen Stoffresten passten, als wären sie extra dafür gekauft worden. Aber die umrandeten Rosetten (mit Kettenstich, Schlingstich oder einem aufgenähten dickeren Stopfgarn) sehen trotzdem nicht mehr so recht wie Scherenschnitte aus. Falls ich sowas noch einmal probieren sollte, greife ich lieber zu Schablone und Farbe. (Apropos Scherenschnitte: Was mit dieser Kunst alles möglich ist, kann man bei All about Papercutting bewundern.)
Die gehäkelten Rosetten sind meine ersten Versuche, etwas Komplizierteres als ein Einkaufsnetz zu häkeln und dementsprechend mit Nachsicht zu betrachten. Ich kann noch viel lernen und bewundere die Taschentuchumhäklerinnen in meiner Verwandtschaft.
Auf die Anleitung für die aufgestickten Spiegelpailetten – indische Art – stieß ich zufällig in einem Neuzugang meiner Handarbeitsbüchersammlung. Dazu schreibe ich demnächst noch einmal ausführlich, bisher hatte ich solche umstickten Spiegelchen nur in manchen Perlen- und Kurzwarenläden gesehen, dabei ist es verhältnismäßig einfach, sie selbst zu machen. Da man dann nicht zwangsläufig Spiegel umsticken muss, ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten.
Ein paar Stickereien und aufgenähte Flitter (Karneval!) versuchen, noch etwas Fröhlichkeit in den Februar zu bringen - aber ehrlich, ich bin ganz froh, dass er jetzt vorbei ist und freue mich auf den März.
Weitere Monatsseiten: Transparenz und Leichtigkeit bei Tally, ein Februargarten bei Griselda und eine Wendetasche bei Wollixundstoffix.
(Und was es mit der ganzen Monatsseitengeschichte auf sich hat, kann man hier bei Tally nachlesen.)
