Dienstag, 5. Juni 2012

Wochenrückblick KW 22




1. Ausprobiert: Mit der neuen alten Overlock das erste Tshirt zusammengetackert. Weitere werden folgen, weil, das muss ich jetzt schon zugeben (verzeiht mir, ihr Zickzackversäuberinnen da draußen): das ist schon was ganz anderes als mit der Haushaltsnähmaschine. Der blau-orange Rock ist inzwischen auch fertig (Bilder gibt es, sobald die Temperaturen wieder über 15° steigen), und das Versäubern der vielen Nähte war damit wirklich ein Vergnügen. An den Garnverbrauch, den man mit dem Ding hat, muss ich mich noch gewöhnen - und Freitag Overlockkonen auf dem Markt kaufen.Wenigstens ist sie nicht wählerisch und frisst alles, was man ihr vorsetzt.
Das 28 Jahre alte Schätzchen ist übrigens Made in Japan und wurde unter dem Namen "Victoria Artisan 400" bei Karstadt verkauft. Da Japan vermutlich nicht so schrecklich viele Overlockfabrikanten hat, nehme  ich an, das es sich in Wirklichkeit um eine Juki oder Janome handelt.

2. Genäht: Zwischendurch immer mal wieder ein kleines Projekt, zum Beispiel eine neue Tasche für den Ebook-Reader des Liebsten. Tasche Nummer eins fährt leider in der U8 zwischen Hermannstraße und Wittenau hin und her, falls sie euch begegnet, dürft ihr sie mit nach Hause nehmen.

3. Die blauen Linien sind mit dreifädigem Sticktwist gestickt - sie halten gleichzeitig eine Wattierung aus dünnem Vlies an ihrem Platz.

4. Selbermacher geklickt: Am kommenden Wochendende ist wieder die Textile Art, die große Textilkunst- und Kunsthandwerksausstellung in der Carl-von-Ossietzky-Schule am Südstern. Wie jedes Jahr ist das Programm bunt und umfangreich. Die Einzelausstellungen zeigen unter anderem Ikats aus Indonesien, Textilentwürfe aus den 20er Jahren von Alice Klank, textile Bücher und Mixed-Media-Arbeiten - ein paar Bilder gibt es schon hier. Daneben gibt es auch wieder zahlreiche Verkaufsstände, die Materialien anbieten, die man anderswo nur schwer bekommt. Ich werde nach feinem Seiden-Nähgarn Ausschau halten, denn das war einer der Tipps von Julia beim Applizieren vor ein paar Wochen beim Quilttreffen.

Montag, 4. Juni 2012

Blümchenmonat Mai: Bestandsaufnahme und Pläne zum Finale der Herzen

Finale der Herzen in Meikes Blümchenmonat Mai - das bedeutet: während andere mit etlichen frisch genähten Blümchenstücken den Zieldurchlauf feiern, habe ich mich gerade so weit sortiert, dass ich loslegen kann. Umso mehr freue ich mich, dass es in 14 Tagen noch einen Besenwagen-Termin für Spätstarter wie mich gibt.

Aus den ganzen Blümchenmonat-Beiträgen habe ich jedenfalls gelernt, dass mein eigenes reserviertes Verhältnis zu Blümchenmustern gar nicht so selten ist. Ein bedingungsloses Bekenntnis zu Blümchen, zu  Blümchen in jeder Form und Farbe, habe ich selten gelesen. Vorbehalte gegenüber Blümchen oder bestimmten Blümchen überwogen, auch wenn sie mit Hilfe des Blümchenmonats zum Teil überwunden werden konnten - ich denke nur an Großblumenträgerin Dodos absolut gelungenes Kleid mit Mini-Blümchen. Ein Problem mit dem Niedlichkeitsfaktor - wann sind Blümchen zu mädchenhaft oder gar kindlich - haben viele, und ich konnte mich in vielen Beiträgen wiederfinden.

Besonders horizonterweiternd war für mich dieser Beitrag von Lucia, weil sie auf zwei Aspekte eingeht, die ich vorher noch nie bewusst in den Blick genommen hatte: Material und Stoffstruktur. Ihrer Theorie, dass Blümchenmuster auf "erwachsenen" Materialien (Seide, Chiffon, Satin) ganz anders wirken, als auf kräftiger Baumwolle, kann ich viel abgewinnen. Diese Regel habe ich sogar unbewusst zum Teil schon befolgt, und sie erklärt für mich auch, warum Kleidungsstücke aus Patchworkstoff oft nicht überzeugend rüberkommen, auch wenn das Muster an sich schön und kleidungstauglich ist.  
Außerdem gab es noch einen interessanten Beitrag, in dem verschiedene Blumenmusterstoff hinsichtlich verborgener übergeordneter Muster und sich daraus ergebender Schwierigkeiten analysiert wurden - den finde ich leider gerade nicht wieder, ich dachte es wäre bei Eben Julia gewesen. (Falls jemand weiß, wo das war: bitte melden!)     


Aber nun zur Bestandsaufnahme. In meinem Kleiderschrank findet sich wenig Geblümtes. Ich bevorzugte bisher kleine, gleichmäßig verteilte Muster, weil sie mir nähtechnisch am unkompliziertesten erschienen. Man muss sich um die Musterplatzierung keine Gedanken machen, und von weitem sehen sie fast einfarbig aus.

Das Problem: kleine Streublümchenmuster wirken lieblich und niedlich. Mit meinem gesammelten küchenpsychologischen Wissen kann ich nicht so recht sagen, warum ich solche Muster vor einigen Jahren sehr gerne getragen habe, das Niedliche aber heute um jeden Preis vermeide. Dazwischen lag eine beruflich bedingte Hosenanzug-Verkleidungsphase (steht mir nämlich überhaupt nicht), und danach, zusammenfallend mit dem Umzug nach Berlin, war ich irgendwie auf der Suche und bin es eigentlich immer noch.

Die kräftig pink-rote Bluse oben (alter Schnitt von Brigitte) ist ein Relikt der Blümchen-Epoche. Leicht gekreppte Viskose mit Blümchen in lila und Ranken in weiß. Ich ziehe sie gerne zusammen mit einem weißen Leinenrock mit Häkelspitze an - aber nur zuhause oder im erweiterten Zuhause (mein Kiez, Büro, Ausflug aufs Land), nicht "in der Stadt".

Die zweite Bluse war ein Versuch, Blümchenromantik und Stadttauglichkeit zu versöhnen. Wie wir schon festgestellt hatten., sind ja Blümchenröcke quasi Blümchen für Anfänger, weil man dazu Einfarbiges tragen kann und das Blümchen, anders als bei Blümchen-von-Kopf-bis-Fuß-im Blümchenkleid nicht den Grundton des Outfits bestimmt. Dasselbe gilt im Prinzip auch für Blümchenblusen. Mit Jeans(jacke), Lederjacke, Blazer ist dem Blümchen die ländliche Romantik genommen. Zumindest in der Theorie. Praktisch gesehen gefällt mir die Bluse (107 B aus Burda 3/2007) an mir überhaupt nicht. Dabei ist der Stoff eigentlich ganz schön, leicht transparenter Viskosekrepp mit Blümchen in rosa, blau, moosgrünen Ranken und roten Beeren. Zum Herbst hin würde ich gerne nochmal einen Blümchenblusenversuch unternehmen, aber diese Bluse kommt jetzt weg, ich ziehe sie nämlich nur im Notfall an, wenn alles andere in der Wäsche ist, das war im letzten Sommer ein Mal der Fall.    


Der Rock vom August 2009  erfüllt hingegen die Blümchen-für-Anfänger-Erwartungen voll und ganz. Das Muster kann man auch nur mit viel gutem Willen als Blümchen bezeichnen, aber für das Prinzip ist das egal: Blümchenrock geht fast immer.

Das Kleid, ein länger andauerndes Projekt, ziehe ich seltener an und denke dann aber jedes Mal "das solltest du häufiger tragen". Ich glaube es ist mir noch einen Tick zu niedlich, aber immerhin sind die Blümchenranken hinreichend abstrahiert (weiß auf lila), und der Stoff, ein leicht glänzender Baumwollsatin, erfüllt Lucias Kriterium des "erwachsenen" Materials.

Die Piroschka-Jacke kommt auch verhältnismäßig selten zum Einsatz. Das liegt zum Teil an den auffälligen türkis-grünen Rosen, die nur mit schwarz oder grau richtig gut harmonieren, vor allem aber am Verschwinden der Übergangszeiten in Herbst und Frühling. Piroschka ist eine Jacke für 15 bis 20°, und diese Temperaturen haben wir vielleicht noch drei Wochen im Jahr. Gerade jetzt ist eine Piroschka-Phase, aber man kann die Tage wirklich zählen, an denen es mit dieser Jacke nicht zu warm oder zu kalt ist.

Wie man sieht ist der derzeitige Blümchen-Bestand wirklich sehr übersichtlich. In den Stoffvorräten sieht das aber schon anders aus. Ich greife gerne zu, wenn Material und Farben mir grundsätzlich gefallen und die Blumen etwas verfremdet oder abstrahiert sind, zum Beispiel nicht mehr ihre natürliche Farbe haben. Auch etwas großformatigere Blumen habe ich mittlerweile schon gekauft, ich zeige euch mal ein paar Stoffe aus dem Vorrat:    


Diesen Stoff habe ich für das erwähnte Herbst-Blümchenblusenprojekt im Auge. Eine feine Baumwolle, kleine Blümchen, die Farben finde ich sehr schön. Der Schnitt ist mir noch unklar, aber diesmal auf jeden Fall nix mit Puffärmelchen. 


Das hier ist der allerschönste Blümchenstoff aus meinem Vorrat, ganz tolle, feine Baumwolle. Ich hab drei Meter und werde vermutlich nie in der Lage sein, diesen Stoff anzuschneiden.


Dieser Stoff ist schöner schwerer Viskosejersey. Er gehört in die "irgendwie find ich ihn gut - aber warum nur?"-Kategorie, das heißt er gefällt mir, ich bin mir aber nicht sicher, ob er wirklich was für mich ist. Das Gelb ist teilweise senfgelb, teilweise so ein sonnenblumengelb, das aus dem Grau und den Schwarz herausleuchtet. Der Haupteindruck ist aber grau/schwarz, daher könnte ich ihn vermutlich ganz gut tragen. Die Frage ist nur: als was?  Als Jerseykleid? Als Oberteil? Das Muster ist ziemlich großformatig. Da es im Moment so viel grau-gelbes gibt und ich den Stoff schon drei Jahre habe, sollte ich ihn bald vernähen.  


Und hier kommen wir endlich zu dem Stoff, auf den sich meine Blümchenmonat-Pläne beziehen. Für mich auch ziemlich gewagt: die Blumen sind groß, teils schwarz, teils gehen sie in grau und beige über. Die Kontraste sind ziemlich stark - problematisch - der Untergrund weiß - auch problematisch. Trotzdem sah ich letztes Jahr um diese Zeit diesen Stoff und dachte "Wickelkleid". Darin liegt wahrscheinlich eine weitere Schwierigkeit, denn ich habe den Eindruck, dass Wickelkleider aus nicht-elastischen Stoffen nur selten wirklich gut funktionieren. Der Plan sieht also vor, mit dem Wickelkleidschnitt 122 aus Burda 2/2007 für nicht-elastische Stoffe ein Kleid zu nähen, das mir passt und bequem ist. Gestern Abend habe ich den Schnitt herausgezeichnett, und der Gesamteindruck, wenn ich mich in den Stoff wickele, ist gar nicht so schlecht. Ich halte euch in den 14 Tagen bis zum letzten Blümchenmonat-Termin auf jeden Fall auf dem Laufenden und werde vor allem meine Änderungsversuche am Schnitt dokumentieren, vielleicht kann das ja auch jemand anderes gebrauchen. Einstweilen finden sich alle Blümchenergebnisse des Blümchenmonats Mai hier bei Meike.  

Mittwoch, 30. Mai 2012

Wochenrückblick KW 21





Die erste echte Sommerwoche, und dann auch noch Feiertage: endlich Zeit zum lange Aufbleiben und Ausschlafen!

1. Am Donnerstag bei einer Vorführung animierter Dokumentations(kurz)filme im Blood orange east in Friedrichshain-Ost (naja: Lichtenberg). Eine tolle Location in einer Turnhalle von 1911, mit Garten.

2. Nach Sonnenuntergang wars ganz schön kalt, sonst hätte ich den Garten und den Heimweg über die Frankfurter Allee mehr genossen. Aber das kann noch werden – zumindest sah es schon sehr nach Sommer aus.

3. Tagsüber ein bißchen im Park liegen. Dass ich seit Weihnachten Besitzerin eines Sony readers bin, daran ist dieser Artikel von Couturette nicht ganz unschuldig. Auch wenn ich derzeit vor allem Sci-Fi-Schund lese: das Ding ist klasse. Klein, leicht, prima zum Mitnehmen. Nur als neulich der Akku überraschend alle war und ich die Sherlock-Holmes-Geschichte nicht zuende lesen konnte, war das eine Katastrophe.

4. Am Montag Abend spontan im Tabibito, einem winzigen japanischen Restaurant in Neukölln, das eigentlich immer voll ist, aber wir hatten Glück. Man sitzt in einem puppenstubenkleinen Raum zwischen dem in 20 Jahren akkumulierten Nippes. Wenn dann noch an einem Feiertagsabend die Karl-Marx-Straße dörflich ruhig ist, fühlt man sich wie weggebeamt in eine andere Welt. Das Essen (wir probierten Yakitorispieße, Misosuppe, Gyoza) fand ich trotzdem nur mittelmäßig. Vielleicht muss man da Sushi bestellen, um in die Lobeshymmnen bei Qype einstimmen zu können? Das wird später noch mal getestet.     

Sonntag, 27. Mai 2012

Stoffdimensionen - Stoffmanipulationen im Mai: allerlei Verknotetes

Was kann man mit einer typischen Handarbeit des 18. Jahrhunderts heute noch anstellen? war meine Leitfrage für die Stoffmanipulation im Mai, Suschnas Handarbeitsrätsel vor einigen Wochen der Anlass. Marie Antoinette und die anderen porträtierten Damen fabrizierten Knotenschnüre, eine zu ihrer Zeit sehr beliebte Handarbeit, wie Suschna hier das Rätsel aufklärte. Ein Zeitvertreib, der die Damen im Gespräch auf elegante Weise beschäftigt, aber nicht zu beschäftigt wirken ließ? Oder mehr als ein Zeitvertreib, weil die geknüpften Schnüre zu Quasten verarbeitet oder dekorativ aufgenäht werden konnten, und man so beim Aufputz des neuen Kleides doch ein bißchen sparen konnte? Wer weiß.

Links: single knot, rechts: chenille knot

Den damaligen Stellenwert der Knoterei im Leben einer Dame wird man heute wohl nicht mehr aufklären können - ob das Knoten machen womöglich zum neuen Trendhobby des 21. Jahrhunderts taugt, wollte ich im Selbstversuch herausfinden. Eine Anleitung für verschiedene Knoten findet sich hier, die Grundlage bildet immer ein einfacher Knoten, fortlaufend dicht aneinander oder in Gruppen, die durch weitere Knoten verbunden werden.

Chenille knot mit großem Abstand zwischen den einzelnen Knoten

Wie Susanne wickelte ich das Garn - naturfarbenes Baumwollhäkelgarn - um eine Wäscheklammer und knotete los: im Bus, und zuhause, wenn sich kleine Wartezeiten zwischendurch ergaben. Im Bus erntete ich interessierte bis belustigte Blicke, zuhause erreichte ich zuletzt eine solche Automatisierung, dass ich parallel Zeitung lesen und knoten konnte. Die Knotenabstände stimmten auch erst mit einiger Übung: man muss die Knoten dichter setzen, als man zuerst denkt, und man benötigt unglaubliche Mengen Garn, wenn man es richtig macht.   

Double sided knot
Der Strang mit double sided knots - jeweils zwei einfache Knoten werden mit einem dritten Knoten zusammengefaßt - verbrauchte eine voll gewickelte Wäscheklammer und ergab nur ein kleines Endchen, nicht mal 30cm. Daher bin ich mit meinem Monatsprojekt auch nicht so weit gekommen wie geplant: die Knoterei ist mit so dünnem Garn wirklich zeitaufwendig.

Chenille knot aufgenäht
 Aufgenäht im Wechsel mit ungeknotetem Häkelgarn ergeben sich aber interessante Strukturen aus den Knotenschnüren. Da ich wie immer ohne Stickrahmen unterwegs war, zog sich der Stoff zusammen - in der Mitte der Kreise gefällt mir das sehr, am Rand der Kreise nicht so. Aber wenn der Stoffstreifen erst in eine Tasche eingenäht ist, wird das kaum noch auffallen.

Single knot, aufgenäht
Und wie ist es nun um die Trendtauglichkeit dieser Handarbeit bestellt? Nicht schlecht, würde ich sagen, wenn man eine halbwegs schick-dekorative Anwendung der geknüpften Schnüre und ein spezielles Knüpfmaterial lancieren würde. Einfache Knotentechniken werden ja immer wieder mal nach oben gespült, sind eine Weile populär - erinnert sich noch jemand an Scoubidou? - und verschwinden nach einiger Zeit der Popularität wieder. Im Moment sind die Freundschaftsbänder dran, Makramee steht wahrscheinlich schon in den Startlöchern, und danach dann vielleicht Knoten knüpfen? 

Womit ihr euch in stoffmanipulativer Absicht beschäftigt habt, trage ich in Vertretung von Suschna heute zusammen.

Einen Beitrag hatte ich vor ein paar Tagen schon bei Monika erspäht: Als Abschluss für einen Rock verwendete sie die Cording-Technik nach Stitch magic von Alison Reid. 

Kathrin (tinistaschen) hat diesmal mit der Maschine appliziert und frei gestickt - ein Stoffbild aus Seidenresten.   

Kathrin (annekata) experimentierte mit Einzelteilen aus festem Stoff, die zu dreidimensionalen Gebilden zusammengesetzt und verformt werden können.

Siebensachen hat gleich zwei Teile in Arbeit: eine Jacke in Trapunto-Technik und ein Oberteil mit Biesen, das später gefärbt werden soll.

Bei Griselda gibt es heute Volants für Rüschenverächterinnen.

Suschna probierte Rug Hooking aus, dabei werden Stoffstreifen in ein lockeres Grundgewebe eingezogen. 



(wird ergänzt)

Mittwoch, 23. Mai 2012

Was hat die Modeindustrie in meinem Kopf zu schaffen? oder: plötzlich verrückt nach Tangerine Tango

Vor kurzem las ich den Roman „Die Marionettenspieler/ The Puppet Masters“ von Robert A. Heinlein.*) In diesem Klassiker der Science Fiction aus den 50er Jahren wird die Menschheit von außerirdischen Parasiten befallen, glibbrigen Gallertwesen, die sich zwischen die Schulterblätter setzen und durch direkte Eingriffe ins Gehirn ihre Wirte fernsteuern. Die tun dann nur noch Dinge, die den Parasiten nützen, zum Beispiel die Fernsehnachrichten manipulieren oder andere Menschen mit Glubschblasen infizieren, und kommen selbst dabei ziemlich herunter, weil sie weder zum Essen noch zum Schlafen Zeit haben.

In dem Punkt „Dinge tun nähen, die man selbst nicht versteht“ frage ich mich, ob nicht so ein kleiner Parasit des modisch-industriellen Komplexes (Credit für diesen Ausdruck geht an Meike) auf meiner Schulter sitzt. Bei einem sehr netten Stoffmarktbummel mit Maria und Wiebke und Mr.Schildis Cousine vor ein paar Wochen ergriff mich nämlich plötzlich der Gedanke, einen orangen oder blau-orangen Rock nähen zu wollen. Der Parasit sprach aus mir, und ich versuchte, Wiebke zu infizieren - „näh dir doch daraus und daraus (*aufStoffezeig*) den Skyline-Rock!“.  Als das nicht fruchtete, kaufte ich mir selbst eineinhalb Meter Stoff in dunkelorange.


Ausgerechnet orange! Eigentlich hasse ich die Farbe. Ich habe bestimmt seit 1990 nichts mehr in orange gehabt. Mit meiner orange-blauen Rockidee springe ich auch noch auf den derzeitigen Trend des Colorblockings auf, der alle drei bis fünf Jahre wiederkehrt und gegen den ich bisher völlig immun war. Da stimmt doch was nicht! Aber ich muss mich einem Willen ergeben, der größer ist als meiner.

Weitere Belege, dass ich von fremden Mächten ferngesteuert werde: Die Farb- und Trendagentur Pantone hat Tangerine Tango, ein kräftiges Mandarinenorange, zur Farbe des Sommers 2012 gekürt. Und dann, zwei Wochen nach dem Marktbesuch, schlug ich die Tageszeitung auf und fand in einem Prospekt von Galeria Kaufhof das:


Orange, blau, mit weiß und in Streifen. Mit dem letzten Rest von dem, was noch von meinem freien Willen übrig ist, entschied ich, meinen Rock nach der längeren Version von Rock 106 aus Burdastyle 5/2012 zu nähen. Vor allem aus dem blauen Stoff, ins untere Drittel kommt ein breiter orange Streifen, weiße und schwarze Bänder: mal sehen.

Bis jetzt sieht es vielversprechend aus. Aber ich bin beunruhigt: Die Berliner S-Bahn fährt schon den zweiten Tag unregelmäßig, Oskar Lafontaine gibt den Vorsitz der Linken auf, Bayern München verliert alle Spiele - bin das ich? Bzw. mein Parasit? Was kommt noch? Ich kann mir das alles nicht erklären.


*) Japp, ihr dürft alle über meine trashige Lektüre die Nase rümpfen: ich habe eine Vorliebe für Science Fiction, und auch wenn Heinlein nicht mit Stanislaw Lem oder Philip K. Dick mithalten kann, war der Roman ganz unterhaltsam. Hätte doch nur die taffe Geheimagentin im letzten Drittel des Buches, nach ihrer Heirat mit dem Helden, noch etwas mehr zu sagen gehabt als „Ja, Liebling“! Auf Deutsch erschien das Buch übrigens zuerst mit dem Titel „Weltraum-Mollusken erobern die Erde“.

Montag, 21. Mai 2012

Wochenrückblick KW 20









1. Unbekannte Mächte zwingen mich, blaue und orange Stoffbahnen aneinanderzunähen. Hoffentlich sieht das nachher was aus.

2. Sonntagsausflug - vom Hottengrund über den Berliner Mauerweg zur Heilandskirche in Sacrow.