Montag, 15. Juli 2013

Alle Räder stehen still...


... wenn dein starker Arm es, äh nein, wenn der Schmierstoff fehlt. Gestern Nachmittag war ich gerade dabei, eine Kreuzung aus dem Vichy-Kleid von Schnittquelle und einem Brigitte-Schnitt von 1970 zusammenzuschweißen, als ich fand, dass sich die Overlock neuerdings ja wirklich laut anhöre. Ich konnte kaum noch "sollte ich vielleicht doch mal ölen" denken, als sie schon stillstand. Der Motor brummte noch etwas verzweifelt, das Handrad ließ sich noch ein bißchen drehen - bis zu einem deutlichen, mechanischen Widerstand. Das wars. Sollte sie etwa kaputt sein, einfach so? Da es zuvor kein dramatisches Ereignis gegeben hatte, keinen Knall, kein häßliches Geräusch, wenn Metall auf Metall schlägt, fädelte ich sie erstmal aus, entstaubte sie und holte die Ölflasche.


Vielleicht erinnert ihr euch noch an die Geschichte (gebloggt hier und hier) - meine Kettelmaschine ist fast dreißig Jahre alt, ich bekam sie von der Büronachbarin geschenkt, nachdem sie (die Maschine natürlich) gut zehn Jahre in einem Abstellraum verbracht hatte. Und ich hatte sie, nach einem Blick in die Gebrauchsanleitung völlig sicher, dass ich das Richtige tue, nie geölt. In bester, holprig übersetzter Gebrauchsanleitungsprosa heißt es dort nämlich

"Weil die wichtige Teile aus speziellem ölhaltigen Material hergestellt sind, ist eine zusätzliche Schmierung kaum erforderlich. Jedoch wird regelmäßige Schmierung (ein- oder zweimal pro Monat) von ein oder zwei Tropfen die Lebensdauer der Maschine verlängert."

Ich hatte mich vollkommen auf den ersten Satz verlassen, und die Einschränkung im zweiten Satz überlesen. Gestern folgte ich also den bebilderten Anweisungen, in denen ja auf einmal von viel mehr Öl als nur "ein oder zwei Tropfen" die Rede war, träufelte oben 10 Tropfen Öl hinein, an alle anderen Stellen einen Tropfen und wartete ab.


Gestern Abend tat sich noch gar nichts, aber heute Morgen ließ sich das Handrad wieder bewegen! Drückt mir mal die Daumen, dass es nur der Ölmangel war und ich sie nicht zum Schrauber bringen muss. Und gebt euren Maschinen heute von mir mal einen Schluck Öl aus!

Dienstag, 9. Juli 2013

Woche 26 + 27



In der 26. und 27. Woche entdeckte ich eine Krawattenskulptur auf dem böhmischen Platz in Neukölln, verschenkte eine kuschelige Strickjacke (Details folgen) und spielte mit dem Geburtstagfeiernden einen Tag Tourist in der eigenen Stadt: Essen in der Tapasbar Gastón an der Weichsel/Ecke Weserstraße und danach noch an den Potsdamer Platz.

Selbermacher geklickt: Im russischen Blog http://p-an-da.blogspot.de/ gibt es nicht nur schon viel früher als offiziell eine Modellvorschau für das kommende Burda-Heft 8/2013, sondern auch alle technischen Zeichnungen der Jahrgänge 1993-1999 und 2000-2013 als Übersicht. Einfach großartig.

Edit nur 5 Minuten später: Na toll, die Beiträge mit den gescannten Schnittmusterzeichnungen wurden anscheinend gerade vom Netz genommen. Schade! Ich sehe natürlich auch, dass das eine Urheberrechtsverletzung darstellte. Wenn nur die Burda-eigenen Webseiten einen derartigen Service bieten würden!   

Die Seite The pattern magic index  stellt Nähprojekte zusammen, die nach den Pattern-magic-Schnittkonstruktionsbüchern von Tomoko Nakamichi entstanden sind. Die Bücher hatte ich hier vorgestellt und letztes Jahr im März eine Jacke nach dem Rechteck-Schnitt aus Pattern magic 2 genäht. Mittlerweile besitze ich auch den dritten Band und habe einige Modelle auf meiner inneren Nähliste - wenn denn die Zeit dafür da wäre. Es ist jedenfalls ganz motivierend, sich schon mal anschauen zu können, wie die eine oder andere Designidee nicht nur als Nesselmodell, sondern an einem richtigen Kleidungsstück aussehen könnte.    

Sonntag, 7. Juli 2013

Muster-, Vorsaison- und Stoffverkauf bei Thatchers


Es war zweifellos etwas voreilig von mir, den Schneidereibedarfsladen letzte Woche als "Geheimtipp" zu bezeichnen, oder genauer gesagt; wenn das ein Geheimtipp war, dann ist der Vorsaison- und Stoffverkauf von Thatchers in Neukölln absolut top secret, wie ja auch die Werbepostkarten nahelegen. Thatchers ist ein Berliner Label mit Läden in den Hackeschen Höfen und in der Kastanienallee 21. Seit letztem Herbst befindet sich die Designzentrale, in der auch ein Großteil der Kollektionen hergestellt wird, im südlichen Neukölln nahe dem S-Bahnhof Hermannstraße. Jeden ersten Freitagnachmittag im Monat ist dort geöffnet, es werden Einzelstücke aus früheren Saisons, Musterteile und auch Stoffe angeboten.

Die Damen wollten z. T.  nicht erkannt werden
Die Stoffe waren eigentlich der Grund, weswegen Wiebke, Lotti und ich uns am vergangenen Freitag dort verabredeten. Aber die Kleider von Thatchers waren so schön, mit interessanten Schnittdetails wie Falten, Raffungen und Knoten, aber nicht überkandidelt, so dass Wiebke und Lotti doch einiges anprobierten und schließlich auch einiges kauften. Denn, das muss man auch noch dazu sagen, die "barmherzigen Preise", von denen in der Verkaufsankündigung die Rede ist, sind derartig niedrig, dass es einer Hobbyschneiderin die Tränen in die Augen treiben muss, schließlich werden die Sachen aus hochwertigen Materialien in Berlin genäht.     

Das Stoffangebot, nachdem wir da waren (es gibt aber immer wieder Neues)
Die Stoffauswahl ist klein, aber fein (zugegeben, bevor wir kamen, war sie noch etwas größer als auf dem Bild). Es gibt "Reste" ab 1€, die aber so groß sind, dass sich daraus noch etwas nähen lässt, und es gibt Meterware.

Als Nähnerds interessierte uns natürlich auch die Hardware
Da Wiebke Thomas, den Designer hinter Thatchers kennt (daran muss man sich gewöhnen: Wiebke kennt immer alle, und alle kennen sie), kamen wir auch noch in den Genuss von Prosecco und einer Hinter-den-Kulissen-Führung. Meine Fotos sind demzufolge auch etwas Prosecco-vernebelt geworden, so dass ich leider kein wirklich brauchbares Bild von den Kleiderstangen im Laden habe. (Falls ich jemals auf Modebloggerin umsatteln möchte, muss ich das mit dem Alkoholkonsum und dem Fotografieren noch üben, schätze ich.)  

Das kam mit: Wollstoff, Jersey, Stoff mit Metallfäden - alles für 7,50€
Über die Mode von Thatchers und den Werdegang des Labels ist Anfang des Jahres hier ein lesenswertes Interview erschienen, und im Onlineshop könnt ihr euch einen Überblick verschaffen, was euch in den Läden erwartet.

Thatchers Berlin Fashion

Shop1: Kastanienallee 21, 10435 Berlin - Station: Eberswalder Str. (U2)
Shop2: Hackesche Höfe, Rosenthaler Straße 40/41, 10178 Berlin - Station: Hackescher Markt (S-Bahn-Hauptstrecke)

Style Store: Nogatstraße 28/Ecke Hermannstraße, 12051 Berlin - Station: Hermannstraße (U8 und Ringbahn S 41, S 42)
geöffnet Di-Sa 12.00-18.00 Uhr - fragt nach der Stoffmappe!

Thatchers Salon mit Kulturprogramm an jedem ersten Freitag im Monat im Laden in der Nogatstraße, ca. 14.00-19.00 Uhr, Informationen auf der Webseite

(aktualisiert am 4. 9. 2016)

www. thatchers.de

Aus touristischer Sicht ist das südliche Neukölln ja derzeit noch nicht sehr ergiebig, ja, an der Hermannstraße mag man sich manchmal sogar fragen, wo zum Teufel man dort eigentlich hingeraten ist. Zwei Straßenecken vom Thatchers Sonderverkauf entfernt gibt es aber eine ausgezeichnete Kaffeetrinkmöglichkeit direkt am Körnerpark, das Nini et petitrosso, ein kleines italienisches Café.
Kleiner Italiener am Körnerpark
Wir testeten neben dem Kaffee die süßen Sachen: Tiramisu und süße Teilchen mit Zitronencremefüllung. Die Pizzastücke, Pasta und Salate, die neben uns an den Tischen serviert wurden, sahen aber auch sehr gut aus. 
Schmeckt so gut wie es aussieht
Ich schätze, damit wurde soeben eine neue Tradition begründet: am ersten Freitag im Monat erst Stoffe bei Thatchers schauen, dann am Körnerpark Kaffee trinken. Ich markiere mir jedenfalls den 2. August schon mal im Kalender und hoffe, dass Lotti und Wiebke dann auch Zeit haben. 

Nini e pettirosso, Selkestraße 27, 12051 Berlin

(wie alle Ladenbesprechungen hier im Blog wurde dieser Beitrag weder bestellt noch gekauft)

Donnerstag, 4. Juli 2013

Schneidereibedarf Yavas: Geheimtipp in Charlottenburg

Es gibt Kurzwarenläden zum Stöbern und Schwelgen, in denen man sich am liebsten um jeden schönen Knopf und jedes Band herum ein Nähprojekt ausdenken würde, und es gibt Läden, da geht man mit einer Einkaufsliste rein, sagt, was man möchte, und geht nach 5 Minuten zufrieden mit dem Einkauf wieder raus. Yavas Schneidereibedarf in der Schillerstraße 21 im nördlichen, unglamourösen Teil Charlottenburgs gehört zur zweiten Kategorie.

Dieser Kurzwarenladen war ein Tipp meiner Büronachbarin, Modedesignerin, die dort einen großen Teil ihrer Kurzwaren kauft. Ohne ihre Empfehlung hätte ich ihn bestimmt nie betreten: der Laden sieht von außen so uninteressant aus, wie es das Foto zeigt. In dem ersten, düsteren Raum hinter der Tür sind eine Menge Stoffrollen chaotisch bis zur Decke aufgestapelt, es stehen große Plastikwannen mit einem Durcheinander von Reißverschlüssen und irgendwelche Kartons auf dem Boden. Geradeaus geht es weiter in einen größeren, neonbeleuchteten Raum mit Zuschneidetisch, dessen Wände mit weiteren Regalen bestückt sind. Eine Wand wird vollkommen von lauter weiß-blauen Schachteln eingenommen: Reißverschlüsse in allen Farben und Längen. Die Stirnwand bietet vermutlich das gesamte Prym-Sortiment an Druckknöpfen und Ösen zum Einschlagen, rechts stehen große Rollen mit Gummibändern, Schrägbändern und anderen Bändern, ein Knopfregal, ein Garnregal und noch so manches, das ich in der kurzen Zeit nicht so genau in Augenschein nehmen konnte.

Denn die Bedienung erfolgte in Schallgeschwindigkeit: Einen teilbaren Reißverschluss, 80cm, mit Metallspirale, in dunkelbau? Kein Problem, in wenigen Sekunden ist das Gewünschte in einer großen Plastikkiste gefunden. Darfs noch etwas sein? Bügeleinlage? Gibt es in weiß, schwarz, naturfarben, dicker, dünner. Zwei Meter sind in Nullkommnix abgeschnitten. Das wars? Macht 11,90€. Brutto. Nach ein paar Minuten war ich wieder draußen - zufrieden und beeindruckt. Denn der Reißverschluss ist ein Markenprodukt und hätte im Kaufhaus locker das doppelte gekostet. Selbst auf dem Maybachmarkt wäre die Gewebeeinlage zum Aufbügeln teurer gewesen als hier. Wenns also nicht ums Schwelgen und Stöbern, um Dekoratives und Schönes geht, sondern um die schieren Näh-Notwendigkeiten, ist Yavas ab sofort meine erste Wahl.

Das Nähmaschinenzentrum Berlin-Charlottenburg (ohne Webseite) ist übrigens gleich um die Ecke in der Wilmersdorfer Str. 130. Auf dem Weg dorthin gibt es in der Schillerstraße 35 einen sympathisch vollgestopftes kleinen Secondhandladen von Efamilia e. V. und auch der Laden von Dawanda und die Geschäfte in der Leonhardstraße und in der Kantstraße, über die ich hier geschrieben hatte, sind nicht weit entfernt.   

Schneidereibedarf Yavas
Schillerstraße 21
10625 Berlin

Ergänzt:
Öffnungszeiten (Stand 12. 12. 2013):
MO, MI 9.00-21.00 Uhr, Mittagspause 14.00-15.00 Uhr
DI, DO 9.00-19.00 Uhr, Mittagspause 14.00-15.00 Uhr
FR 9.00-17.00 Uhr, SA 10.00-16.00 Uhr

Die Webseite www.yavas-berlin.de wird zur Zeit überarbeitet.
Haltestelle Bismarckstraße (U2, U7)

(Disclaimer: wie alle Ladenbesprechungen in diesem Blog wurde dieser Artikel weder gesponsert noch bestellt.)

Montag, 1. Juli 2013

Berlin Fashion Week für alle



Am Dienstag beginnt hier in Berlin wieder die Fashion Week. Seit ihren Anfängen mit ein paar Shows im Postbahnhof am Ostbahnhof hat sich die Modewoche zu einem Großevent gemausert. In der der Fülle der Messen und Shows und Kollektionsvorstellungen gibt es immer auch eine Reihe von Veranstaltungen, die ohne Akkreditierung für jede/n zugänglich sind. Eine bestimmt nicht vollständige Liste:

  • Der Showfloor Berlin zeigt am 3. und 4. Juli im alten Kosmos-Kino an der Karl-Marx-Allee junge Designer aus Berlin und aus Portugal, dem diesjährigen Partnerland. Da die Plätze begrenzt sind, ist die Anmeldung per Mail erforderlich. 
  • Der Lavera Showfloor im Umspannwerk am Alexanderplatz (Voltairestraße) zeigt vom 3. bis 5. Juli grüne Mode.
  • Unter dem Motto "Who is the next big thing" stehen die Showroom Days vom 1. bis zum 6. Juli an verschiedenen Orten der Stadt.

Samstag, 29. Juni 2013

Stoffspielerei im Juni: Kartoffeldruck


"Druck und Farbe" hatte Griselda in diesem Monat als Thema der Stoffspielerei vorgeschlagen (und selbst schon mit einem entfärbten Kissenbezug vorgelegt). Das traf sich gut, denn der Liebste hatte kürzlich den Wunsch nach Tischsets geäußert. Ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen, denn wann kommt es im Leben eines handarbeitenden Menschen schon einmal vor, dass aktiv nach textilen Hervorbringungen, und dann auch noch nach Deckchen verlangt wird? Eben. 


Ich wollte nur vorhandene Materialien verwenden und nichts Neues anschaffen. Im Fundus fanden sich verschiedene Stoffmalfarben auf Acrylbasis und ein hellblau-weiß gewebtes Laken mit interessanter Struktur. Die Technik des Kartoffeldrucks dürfte ja noch aus dem Kindergarten bekannt sein: Kartoffeln aufschneiden, zum Stempel schnitzen, Farbe mit einem Pinsel oder Schwamm auftragen und stempeln. Auf der feuchten Kartoffelfläche verteilt sich die Farbe besonders gut, besser zum Beispiel als auf Moosgummi. Es sind nur relativ einfache Stempelformen möglich, aber da man die Stempel nicht aufheben kann, würde es sich auch gar nicht lohnen, komplizierte Muster zu schnitzen.  


Ich schnitt vier verschiedene Formen aus und stempelte sie in zwei verschiedenen Rottönen. Die Verteilung ist mehr oder weniger zufällig (beim zweiten Set zufälliger als beim ersten, weil ich mich während des Stempelns unterhielt und in den letzten fünf Minuten merkte, dass ich gleich zu einer Verabredung losmusste). Um die gestempelten Formen einigermaßen in Reihe platzieren zu können, zeichnete ich mit einem Stift, der beim Bügeln wieder verschwindet, ein Raster vor. Mit dem Stempel musste ich dann nur noch das Kästchen treffen - so ist die Anordung regelmäßig, aber nicht zu regelmäßig. 


Genäht sind die zwei Sets dann wie kleine Quilts: Oberseite, Volumenvliesfüllung und Rückseitenstoff mit dreigeteiltem Zickzackstich durchgesteppt, am Rand mit Schrägband aus verschiedenen roten Stoffresten eingefasst.


Vielleicht bedrucke ich so mal Stoff für einen Rock? Nur mit einem einzigen einfachen Motiv?
Die Stoffspielereien sammelt diesmal Griselda.


(Die nächste Stoffspielerei-Sammlung am 28. Juli bei frifris - macht mit!)