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Freitag, 3. Februar 2017

Stoffe, Nähmaschinen und Nähkurse in Berlin-Schöneberg: Smilla Berlin


Der Kiez um die Akazienstraße in Schöneberg, oder, mehr als ein Kiez, die Gegend zwischen Winterfeldtplatz und Kaiser-Wilhelm-Platz, ist eine wunderbare Gegend zum Bummeln, finde ich. Es gibt Schuhgeschäfte, Geschäfte mit skandinavischer Mode, einen sehr guten Laden für Küchenzubehör, mittendrin liegt Bastel-Rüther, man kann ein Vermögen für schöne Postkarten und anderen Schnickeldi ausgeben, und auch wenn meine bervorzugte Espressobar vor etwa zwei Jahren schloss und ich noch keinen guten Ersatz gefunden habe, sind Akazienstraße und Goltzstraße ab und zu das Ziel für einen kleinen Ausflug am Samstag.

Dass es in der Eisenacher Straße mit Smilla Berlin einen Stoffladen gibt, hatte ich lange Zeit nicht auf der inneren Landkarte, bis eine Kollegin aus dem Stoffladen dorthin wechselte. Kurz vor Weihnachten schaffte ich es endlich, sie zu besuchen.


Smilla ist ein Laden, der von der Straße aus kleiner aussieht, als er tatsächlich ist. An den ersten Raum mit bunt bedruckten Baumwollstoffen in Patchworkqualität, den man vom Schaufenster aus sieht, schließt sich nämlich ein zweiter, viel größerer an, in dem es Jeansstoffe, Cord, Jerseys, Sweat, Bänder, Kurzwaren von Prym und nicht zuletzt Nähmaschinen gibt.

Die Nähkurse - die unter anderem meine Ex-Kollegin betreut - finden in einem weiteren, sehr geräumigen Nebenraum statt. Zu den Zeiten außerhalb der Kurse kann man dort im Nähcafé stundenweise an den Nähmaschinen und Overlocks nähen. Eine der Pfaff-Computernähmaschinen kann man sogar tageweise mieten um sie zuhause zu nutzen - eine sehr gute Idee, finde ich. Beim Reisen zu Nähtreffen habe ich mir schon öfter gewünscht, ich müsste meine Maschine nicht durch das halbe Land schleppen, sondern könnte mir am Zielort einfach eine leihen, so wie man sich im Urlaub ein Fahrrad leiht.


Bei den Stoffen versammeln sich einige bekannte Hersteller und Designerinnen: Hamburger Liebe, Gütermann ring a roses, Swafing, Free Spirit, Hilco, Cotton&Steel, Tula Pink, Jolijou, Birch fabrics, Art Gallery. Man findet also vorwiegend festere Baumwollstoffe und Jerseys bei Smilla. Muster und Farben werden nach Erfahrung und Intuition ausgewählt: was könnte den Kundinnen gefallen? Hypes um bestimmte Designs, wie sie ab und zu durch die Blogs schwappen, setzen sich außerhalb des Netzes nur selten fort, so ist die Erfahrung der Smilla-Besatzung. Stoff wird intuitiv gekauft, nach Bauchgefühl, und das schlägt vor einem Stoffregal oftmals anders an, als im Internet.



Dekorative Kurzwaren, Knöpfe und anderes Nähzubehör sind auf die Stoffe - und auf die Themen der Nähkurse - abgestimmt, so dass alles vorhanden ist, um ein Nähprojekt erfolgreich abzuschließen, und wer sich schließlich mit dem Nähen trotz aller Beratung doch nicht anfreunden kann, kann bei Smilla Vorhänge, Kissenbezüge und Kindersachen nähen lassen.
 
smilla
Eisenacher Straße 64
10823 Berlin

Öffnungszeiten:
Mo-Fr 10.00 - 19.00, Sa 11.00 - 16.00

http://www.smilla-berlin.de/

Der Laden liegt jeweils einen längeren Spaziergang vom U-Bahnhof Eisenacher Straße (U7) oder S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke (S1) entfernt. Direkt kommt man mit den Bussen 104, 187, M48 und M85 hin (Haltestelle Albertstraße).

Sonntag, 18. Oktober 2015

Winterjacken-Sewalong Teil III: Zwischenstand oder: Was ihr schon immer über Reverskragen wissen wolltet, aber euch nicht zu fragen trautet

Im Memademittwoch-Blog ist heute das dritte Treffen des Winterjackensewalongs und damit Gelegenheit, den Fortschritt zu dokumentieren und Hilfe zu finden, falls es Probleme gibt. Da ich  heute mit einem Reverskragentutorial Gastgeberin bin, habe ich schon sehr strebsam vorgenäht. Das Tutorial gibt' s zusätzlich hier im Blog, die Linksammlung mit allen Zwischenständen drüben.

Mit Reverskragen habe ich mich auch erst schwergetan. Die meisten Anleitungen sind einfach zu knapp gehalten, als dass man wüsste, worauf man achten muss. Nach ein paar Kragenversuchen und etwas ergänzender Nähbuch-Lektüre habe ich jetzt aber eine Methode gefunden, mit der ich gut zurechtkomme, und die stelle ich hier vor.

Anatomie eines Reverskragens


Bevor es losgeht, ist es vielleicht sinnvoll, sich erst mal über die Einzelteile eines Reverskragens klar zu werden, ich habe daher einen älteren Mantel von mir von innen fotografiert und die Schnittteile nachgezeichnet:



Die Form des gesamten Kragenbereichs, also von Vorderteilbeleg und dem eigentlichen Kragen, wird in der Herrenschneiderei auch "Fasson" genannt - achtet mal auf der Straße drauf, oder auch bei Anzugjacketts, da gibt es ganz verschiedene Formen: Die Spitze des Belegs kann nach oben oder nach unten zeigen (steigendes bzw. fallendes Revers), die sichtbare Verbindungsnaht zwischen Beleg und Kragen (die so genannte Spiegelnaht) kann einen ganz unterschiedlichen Verlauf nehmen, der Winkel, der sich an der Außenkante zwischen Kragen und Vorderteil bildet (der Crochet oder Fassonspiegel) kann spitzer oder stumpfer sein.

Reverskragen nähen 


1.  Vor dem Nähen werden der Vorderteilbeleg, der Rückenteilbeleg sowie jeweils ein Kragen und ein Kragensteg mit Einlage verstärkt. Ob es besser ist, den Unterkragen oder den Oberkragen bzw. den äußeren oder den inneren Kragensteg zu verstärken, darüber könnte man endlos diskutieren. Ich verstärke den Unterkragen und den äußeren Steg, denn dann lässt sich meiner Meinung nach der Stoff des Oberkragens leichter so hinbügeln, dass man an den Kragenkanten die Naht nicht mehr sieht, wenn man auf den Kragen guckt.

Außerdem zeichne ich die Nahtlinien der Kragenteile und die Passzeichen noch einmal ganz genau auf die Einlageseite auf. Wollstoff kann man ja normalerweise nicht so gut und präzise markieren, daher freue ich mich, wenn ich wenigstens auf einer Seite ganz genau weiß, wo ich entlangnähen muss.  

2.  Bei meinem Mantel besteht der Kragen nur aus einem Teil - der Kragensteg ist angeschnitten, daher entfällt bei mir der erste Nähschritt: Kragen und Kragensteg verbinden. Ihr näht jeweils das Kragenteil mit Einlage und das Stegteil mit Einlage und die beiden Teile ohne Einlage rechts auf rechts zusammen. Vorher gut stecken und dann ganz langsam - da die Nahtlinien, die zusammentreffen, unterschiedlich gebogen sind, ist das Steppen etwas kniffelig. Die Nahtzugabe schneidet ihr auf 5 mm zurück und bügelt sie auseinander. Probiert das Flachbügeln erst mal, ohne die Nahtzugaben quer zur Naht einzuschneiden - bei Wollstoff geht das, und der Kragensteg bleibt so stabiler. Meistens steppt man die Teile auch noch rechts und links der Verbindungsnaht ab - schaut nach, was die Anleitung dazu sagt.


3.  Als nächstes werden Oberkragen und Unterkragen verstürzt. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass der Oberkragen etwas mehr Länge und Weite braucht als der Unterkragen, das kann man sich leicht veranschaulichen, wenn man sich die zwei Kragenteile über die Hand hängt: Das obere Teil muss wegen der Biegung sozusagen einen längeren "Weg" zurücklegen - und bei dem umgebogenen Kragen am Mantel ist das später dann genauso. Richtig ausgeklügelte Schnittmuster berücksichtigen das sogar schon und haben unterschiedlich große Schnittteile für Ober- und Unterkragen.


So sieht das "blasige" Feststecken des Oberkragens bei mir aus

Bei den meisten Schnitten wird für beide Kragenteile das gleiche Schnittteil verwendet,  und daher muss man den Oberkragen etwas "blasig" rechts auf rechts auf den Unterkragen stecken. Versucht, den Oberkragen beim Stecken etwas zusammenzustauchen. Ihr steppt dann mit der Einlageseite nach oben entlang der aufgezeichneten Nahtlinie, so dass der Transporteur im besten Fall die unten liegende unverstärkte Seite etwas einhält. Und, ganz wichtig: Näht nur genau vom Anfang der Nahtlinie bis zum Ende, also beginnt und endet nicht wie sonst auf der Nahtzugabe!

Gesteppt, Nahtzugaben zurückgeschnitten

Gewendet und gebügelt, von unten - die Naht liegt auf der Unterseite des Kragens

Wenn ihr jetzt die Nahtzugaben zurückschneidet, an den Kragenspitzen quer abschneidet, an Rundungen quer zur Naht vorsichtig einschneidet und  den Kragen wendet und bügelt, sollte sich der Oberkragen ganz leicht so hinschieben lassen, dass die Naht einen Tick auf der Unterseite des Kragens liegt. Haltet den Kragen so, wie er später getragen wird, also umgeklappt und rund gebogen, und probiert, ob er sich schön legt. Bei Wollstoff kann man in diesem Stadium mit Bügeln noch eine Menge erreichen, wenn sich z. B. die Kragenecken nach oben ziehen.

4.  Jetzt müssen die Belegteile zusammengefügt werden. Ich überlege jedes Mal, wie herum der Rückenteilbeleg an die Vorderteilbelege gehört, und bin jetzt darauf gekommen, dass ich mir die Teile am besten so umhänge, wie sie später im Mantel auch zu liegen kommen: Die rechte Stoffseite zu mir, den Rückenteilbeleg um den Hals und die Vorderteilbelege im Anschluss, so dass ich die Ecke zum Revers umklappen kann, dann mache ich das nicht jedes Mal falsch. Näht die Belegteile an den schmalen Seiten zusammen - in diesem Fall auch über die Nahtzugaben drüber - und bügelt die Naht auseinander.

Vorderteilbeleg rechts auf rechts ans Vorderteil nähen - aber nur bis zum Passzeichen nähen

5.  Die Belege werden jetzt rechts auf rechts auf die Mantelvorderteile gesteckt, jeweils vom Querzeichen, wo der Kragen endet, bis nach unten zum Saum. Da der Beleg beim fertigen Revers umgeklappt getragen wird, braucht er auch wieder etwas mehr Weite und muss "blasig" festgesteckt werden. Ihr näht die Belege dann auch jeweils vom Querzeichen (wo ihr die Naht verriegelt) bis zum Saum fest. Schneidet die Nahtzugaben stufig zurück - Einschneiden ist meistens nicht nötig, da die Strecke ziemlich gerade ist - und bügelt die Nahtzugaben erst von der linken Seite auseinander, stülpt dann den Beleg komplett nach innen um und bügelt die vorderen Kanten. Ich hefte oft auch einmal mit der Hand an der Vorderkante entlag, damit mir das mühsam Gebügelte nicht beim weiteren Nähen immer wieder auseinander fällt.


6.  Nun wird der Kragen in den Halsausschnitt eingesetzt. Steckt den Unterkragen (rechte Seite des Unterkragens liegt auf der rechten Seite des Mantels) im Halsausschnitt fest, die Passzeichen am Kragen treffen auf die Schulternähte, und an den Mantelvorderteilen reicht der Kragen genau bis zu dem Passzeichen, bis zu dem ihr eben den Beleg festgenäht habt. Näht den Kragen ein, auch hier wieder genau von Nahtende bis Nahtanfang, und bügelt die zurückgeschnittenen Nahtzugaben des Ansatznaht auseinander.


7.  Zuletzt ist nur noch der Oberkragen locker, und da die Nahtzugaben des Kragens nicht mit festgenäht wurden, ist es gar nicht so schwer, den Oberkragen an den Halsbeleg und den Vorderteilbeleg zu stecken und zu nähen. Achtet auch wieder darauf, dass der Oberkragen mehr Länge braucht, um sich umzulegen. Steckt erstmal, klappt die Belege nach innen und formt den Kragen so, wie er dann später getragen wird: rund um den Hals und umgeschlagen. Wenn das noch nicht sitzt, lasst noch etwas Nahtzugabe raus, steckt nochmal und probiert es wieder. Volle 100 Punkte erhaltet ihr, wenn ihr jetzt daran denkt, einen Aufhänger in dieser Naht mitzufassen

Es ist jetzt ein bißchen kniffelig, die Ansatznaht ordentlich auszubügeln, weil man an die Stelle so schlecht dran kommt - aber das schafft ihr! Zuletzt näht ihr die Nahtzugaben von Rückenteil und Rückenteilbeleg von innen ein Stück weit aufeinander, um das Ganze zu fixieren, und damit habt ihr den Reverskragen auch schon bezwungen!

Ergänzende Tipps und Tricks sind gerne gesehen - alternativ gibt es ja z. B. die Methode, bei der man den Unterkragen an den Mantel und den Oberkreagen an die Belege näht und dann alles in einem Rutsch - Kragenaußenkanten. Reversecke, Belege - miteinander verstürzt. Man muss dabei mit ziemlich großen Teilen hantieren, daher habe ich mich noch nicht getraut, diese Reihenfolge auszuprobieren. Was meint ihr dazu? Ist das praktikabel?

Sonntag, 21. September 2014

Nahtzugabe unterwegs in Lyon: Die Stoffgeschäfte

Während des Urlaubs in Lyon schaute ich natürlich auch nach Stoffgeschäften. In Frankreich gibt es ja mindestens genauso viele Nähbegeisterte wie hier, und Lyon ist die Heimat von Nähbloggerinnen, daher war die Recherche der Adressen ziemlich einfach. Ich fand sehr schnell diese Liste und diesen Blogpost und besuchte in den acht Tagen die Läden, die bei unseren Unternehmungen am Wegesrand lagen, also Geschäfte in den Altstadtbezirken. Einige Male hatte ich Pech und stand vor verschlossener Tür: kleine Läden legen oft zwischen ca. 12 und ca. 14/15.00 Uhr eine Mittagspause ein, Montags ist häufig ganz oder teilweise geschlossen, und bei einigen kam ich nur abends mal zufällig vorbei.

Lyon ist im Prinzip nicht schlecht mit Stoffgeschäften ausgestattet (und von Stoffen abgesehen gibt es nach meinem Eindruck sowieso ungeheuer viele Geschäfte in Lyon, zum Beispiel sind fast alle Luxusmarken vertreten, was ich so nicht erwartet hätte - Hannover hat das nicht.) Aber - das klingt sicher nach Hauptstadtsnobismus und nach "zuhause ist es sowieso am schönsten" - ich habe mal wieder festgestellt, dass die Stoffauswahl in Berlin wirklich so gut ist, dass Kaufen woanders schwer fällt.

Lyon 1, Les Terreaux

 


Toto, 80 Place Louis Pradel (an der Ecke des Platzes zur Rhône hin) ist eine Ladenkette, die es in ganz Frankreich gibt, und bei der eine gewisse Ramschigkeit in Angebot und Aufmachung zum Programm gehört. Es wird absolut nichts dekoriert: Die Schaufenster sind mit Plakaten und Angeboten zugeklebt, man geht durch ein Drehkreuz hinein und nimmt einen Einkaufskorb, innen hängen verwirrend viele handbeschriftete Schilder, die Stoffrollen liegen auf großen Tischen und sind grob nach Materialien sortiert, und in jede Ecke ist noch ein Drahtkorb mit irgendwelchen anderen Angeboten gequetscht. 

Neben Bettwäsche, Handtüchern, Koffern und Gardinen gibt es Meterware und Kurzwaren zu günstigen Preisen und noch günstigere Stoffcoupons. Anfang September waren anscheinend gerade die ersten Winterstoffe einsortiert worden, lauter dunkle Wolle-Viskosemischungen mit Streifen, dunklen Karos, leichter Pfeffer-und-Salz-Tweed, Fischgrat, dünner Strickstoff, alles für 6 bis 8 Euro pro Meter. Keine schlechte Qualität, solche Stoffe gibt es im Winter auch immer auf unserem Berliner Markt. Von den Sommerstoffen waren nur noch Restrollen da, ziemlich grob gewebte Baumwollstoffe mit Blümchendruck, die mir nicht gefielen (der Maybachmarkt bietet Besseres), ein bißchen Leinenartiges, etwas Vichykaro, gepunktete und karierte Baumwollstoffe und außerdem Standards wie Jeans in verschiedenen Blautönen und Stärken, Frottier, Faschingssatin, Tüll und natürlich Pannesamt.

Von den Stoffcoupons hatte ich mir mehr versprochen, weil ich mal gelesen hatte, dass dort unter anderem Konfektionsreste zu haben wären. Bei meinem Besuch lagen dort aber genau die gleichen Stoffe, die es auch von der Rolle gab, nur noch günstiger: 3 Meter immer für 10 Euro. Ich konnte mich aber für nichts begeistern: die Sommerstoffe gefielen mir nicht, aber bei 26° Grad ernsthaft Winterstoffe begutachten konnte ich auch nicht, zumal es ja sehr ähnliche Stoffe auch in Berlin gibt.

Toto führt außerdem Waxprints, die typischen "Afrikastoffe", die immer in Coupons zu 6 yard (ca. 5,40 m) verkauft werden. In Lyon waren diese Stoffe in einer Ecke hinter einem separaten
Tresen untergebracht, und hätte ich mich nicht gerade an einer Sammelbestellung beteiligt, hier hätte ich schwach werden können. Die Coupons kosteten dort zwischen 15 und 25 Euro, das ist sogar noch etwas günstiger, als wir durchschnittlich für die Waxprints aus London bezahlt hatten. 

An einem weiteren Laden in der Nähe, Tissus des Terreaux, 2 Rue Algérie kurz vor der Brücke fuhr ich nur einmal im Bus vorbei - schade, denn der Webseite entnehme ich jetzt, dass es dort unter anderem Seide und Vintage-Stoffe gegeben hätte. Auch an der rue Paul Chenevard, in der es einen Stoffladen und einen Kurzwarenladen geben soll, kam ich leider nicht vorbei.

Lyon 2, Les Cordeliers



Das Gegenprogramm zu Toto und nur ein paar hundert Meter von der Oper entfernt ist La Droguerie, 4 rue Gentil. Ebenfalls eine in allen großen Städten Frankreichs vertretene Kette, aber französisch geschmackvoll, edel, teuer. Schon der Laden selbst mit seinen frei gelegten Balkendecken und den geweißten Ziegelwänden ist eine Augenweide. Perlen, Schmuckzubehör und Knöpfe stehen sehr dekorativ in durchsichtigen Bonbongläsern in offenen Regalen, Fat quarter liegen in Weidekörbchen, dekorativ abgeschrabbelte alte Kommoden wurden zu Verkaufstischen umfunktioniert.

Der Schwerpunkt liegt bei La Droguerie auf dekorativen Kurzwaren und Perlen, weniger bei den Stoffen. Sehr interessant fand ich die Wollauswahl im hinteren Teil des Geschäfts: es gab  Garnmischungen mit Leinen, Seide und Mohair in sehr schönen satten Farben. Wenn ich das Prinzip richtig verstanden habe, waren die Stränge, die im Laden hingen, lediglich Griffproben - wenn man Wolle kaufen möchte, muss man eine Verkäuferin fragen und bekommt die gewünschte Menge von einer großen Kone abgespult. Da man sich Bänder und Stoffe natürlich nicht selbst abschneidet und auch die Perlengläser nicht geöffnet werden sollen, muss man an manchen Tagen sicher etwas Geduld mitbringen. Materialpakete mit Anleitung gibt es hingegen gleich zum Mitnehmen, schön verpackt in silbernen Blechdosen mit transparentem Deckel, also zum Beispiel Wolle, Knöpfe, Stricknadeln und Anleitung für ein gestricktes Babyjäckchen, oder Perlen, Kordel, Verschluss für ein Collier. Über die Preise decke ich lieber den Mantel des Schweigens - aber sehenswert ist La Droguerie allemal, bei uns gibt es nichts Vergleichbares.    


Lydo Tissus, 42 rue du Président Edouard Herriot liegt nur ein paar Schritte um die Ecke von La Droguerie. Ein hochpreisiger Stoffladen alten Schlags mit einer älteren Besitzerin, die mich als "Mademoiselle" anprach und mir die Materialzusammensetzung der Stoffe erläuterte, auf die ich meinen Blick richtete, während sie gleichzeitig mit einer anderen Kundin plauderte und einer dritten Stoff abschnitt. Das winzige Erdgeschoß mit den vom Boden bis zur Decke gestapelten Stoffballen war mit uns vieren dann auch schon klaustrophobisch voll. Links vom Eingang führt eine steile Treppe ins Obergeschoß und zu weiteren Stoffen.

Ich war nach einem Tag voller Besichtigungen und einem ausgedehnten Stadtbummel schon am Rand meiner Aufnahmefähigkeit, und visuelle Aufnahmefähigkeit und Geduld braucht man in diesem kleinen Laden, denn von den Stoffballen und -rollen bekommt man im Grunde immer nur ein Eckchen zu sehen und zu fühlen. Bei dem Preisschildern, die ich so ausmachen konnte - z. B. Kammgarnstoffe für 69,-€/Meter, typische Baumwoll-Hosenstoffe für 20,-€/Meter - wollte ich nicht anfangen, einzelne Ballen herauszuziehen - Madame hätte das bestimmt missbilligt und zu Recht, womöglich wäre eine Stofflawine niedergegangen. In der richtigen Einkaufsstimmung könnte Lydo Tissus aber der Laden sein, in dem man den einen, ganz besonderen, Herzklopfen verursachenden Stoff findet, den man sich nur gönnt, weil Urlaub ist und den man dann jahrelang nicht anschneidet. 


Ganz bodenständig ist hingegen der Laden Au Liseron, 82 rue du Président Edouard Herriot nahe place des Jacobins. Im Erdgeschoss gibt es Kurzwaren, Stickgarne, Wolle und viele Knöpfe. Eine verspiegelte Treppe ganz hinten führt in den ersten Stock zu den Stoffen. Auch hier waren Anfang September die erste Winterstoffe angekommen und die Sommerstoffe um 50% reduziert, auch hier viele Blümchenmuster auf recht grober Baumwolle.

Für mich fallen solche Stoffe eher in die Rubrik Deko, ich wüsste zumindest nicht, was man daraus nähen sollte, außer vielleicht ein Kinderkleid oder eine Schürze, und ich habe auch nicht so recht verstanden, was der nähende Teil der Franzosen daran findet - auf der Straße und bei Kaufkleidung sieht man solche Stoffe jedenfalls nicht. Möglicherweise waren die guten Sommerstoffe aber einfach schon ausverkauft, und ich hatte hier nur noch mit den Ladenhütern zu tun. Mich sprach jedenfalls kein Stoff besonders an, obwohl hier bei Meterpreisen zwsichen 10 und 20 Euro (und bei den Resten vom Sommer die Hälfte) ein kleiner Einkauf durchaus drin gewesen wäre.    

Lyon 2, Bellecour

 


Was ich gerade über die offenkundige Beliebtheit kleingemusterter Blümchenstoffe schrieb, lässt sich noch steigern: Um Liberty lawn, die Blümchenstoffe des Kaufhaus Liberty aus London, gibt es in Frankreich geradezu einen Hype. Nur dewegen ist der Laden 1000 Mercis, 13 rue Francois Dauphin, eine Querstraße von der place Bellecour entfernt, überhaupt eine Erwähnung wert.

Es handelt sich nämlich um einen winzigen Schnickschnack-Laden, in dem sich nach meinem Eindruck kaum Ware befand: Die tollen Kindernähmaschinen aus den 70ern in den oberen Regalfächern waren nur unverkäufliche Deko, in den unteren Fächern lagen recht locker verteilt kleine Reißverschlusstäschchen, Häkeldeckchen, Postkarten, Einkaufsnetze und Kissenbezüge, neben den erwähnten Liberty-Stoffen, von denen der Laden vermutlich lebt. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass sich eine Ladenfläche in der Gegend durch den Verkauf von selbstgehäkelten Untersetzern für 3 Euro auf die Dauer erhalten lässt.

(Das Foto ist aus einem seltsamen spitzen Winkel aufgenommen, da man die Straße wegen einer Riesenbaustelle nicht betreten konnte.) 


Die Straßen rund um das Stoffmuseum im südlicheren Teil der Halbinsel sind eine nette Gegend mit vielen kleinen Cafés und Läden, allerdings hatte ich hier mit den Öffnungszeiten überhaupt kein Glück: es war Mittwoch Nachmittag und alle Ladenbesitzerinnen hatten sich gegen mich verschworen. L'atelier des Abécedaires, ein Laden für Patchworkstoffe und Stickzubehör, ist gerade ein paar Häuser weiter gezogen, hat sich vergrößert  und findet sich jetzt 40 rue des remparts d'Ainay. Geöffnet ist nur am Mittwoch Vormittag von 9.30 bis 12.30 Uhr und am Donnerstag von 9.30 bis 12.30 und 14.00 bis 18.30 Uhr, ich nehme an, das ist nur vorübergehend wegen des Umzugs, am alten Standort waren die Öffnungszeiten wohl etwas ausgedehnter.


Auf der Suche nach dem Patchworkladen fand ich an der Kreuzung mit der rue du Charité dieses Geschäft, Le Lyon qui tricote, ein sehr nett ausehendes Strickcafé mit großer Wollauswahl, so weit sich das durch die Schaufensterscheiben erkennen ließ. Denn dieser Laden hat Mittwoch komplett geschlossen. Anscheinend kennt man sich dort auch mit Strickmaschinen aus, man kann Pullover in Auftrag geben, und in der oberen Etage standen sogar einige Nähmaschinen.


Lyon 4, Croix Rousse

 


Lyons viertes Arrondissement ist für seinen großen Lebensmittelmarkt auf dem boulevard de la Croix Rousse bekannt, der außer am Montag jeden Vormittag stattfindet. Am Dienstag Vormittag kommt eine zweite Standreihe mit Bekleidung, Haushaltswaren, Kunstblumen, Schuhen und auch Stoffen dazu, und der Markt zieht sich dann den ganzen Boulevard entlang.

Wer den Berliner Markt kennt, für den ist das ein vertrauter Anblick, auch wenn die Zahl der Stoff- und Kurzwarenstände hier klein ist: ich zählte fünf oder sechs Stoffstände und zwei Kurzwarenstände, einer davon sehr groß, mit vielen alten Knöpfen auf Karten, Gürtelschnallen, Borten und Spitzen. Und die Preise sind tatsächlich genau so wie in Berlin: Undefinierbares für einen Euro pro Meter (siehe Foto), wirklich schönes Leinen gab es für 3 Euro pro Meter. Am boulevard de la Croix Rousse hinter dem Rathaus befindet sich außerdem ein großer Kurzwarenladen.

In dem Lyoner Nähblog werden noch einige andere Märkte mit Stoffständen an anderen Wochentagen aufgeführt, am besten erreichbar für Touristen dürfte der Markt Montag Vormittag am quai Saint Antoine in Lyon 2 sein.   

Lyon 5, Fourvière


Die Adresse von Trésor de Soie, 2 place du gouvernement fand ich über die Stoffladenliste. Leider war auch dort geschlossen (und es war bestimmt noch vor 20.00 Uhr). Durchs Schaufenster wirkte das Geschäft wie ein typischer Touristenladen, aber laut Webseite soll die Meterware ja in einem zweiten Raum zu finden sein. Das wäre möglicherweise interessant gewesen! Tja, aber so geht es mir immer - ein Besuch in einer anderen Stadt ist nie lang genug. Dass ich aber trotz Gelegenheiten ohne ein einziges Stück Stoff zurückkehre, das hätte ich nicht gedacht - wie konnte das nur passieren?

Ergänzung 5. 11. 2014:
Schaut auch in die Kommentare, dort gibts Stoffkauftipps von den Leserinnen.

Freitag, 5. September 2014

Nahtzugabe unterwegs: Berlin (Flohmarkt auf der Straße des 17. Juni)


Wenn man schon länger in einer Stadt lebt, hört man ja irgendwann auf,  Touristensachen zu machen. Man besichtigt nichts mehr, man fährt nicht mehr ins Stadtzentrum, wo die Sehenswürdigkeiten sind, man macht keine Bootsfahrten und Stadtführungen schon gar nicht, es sei denn, Besucher von außerhalb wünschen dies. Auch an mir erkenne ich dieses Muster: Unter den Linden nur noch mit Besuch, KadeWe nur noch mit Besuch (da wollte leider schon lange keiner mehr hin), auf die Museumsinsel wird der Besuch alleine geschickt, und von einigen typischen Touristensachen rate ich sogar ab.

Der Flohmarkt auf der Straße des 17. Juni war so eine Touristensache, von der ich schon oft abgeraten hatte, aber, wie ich jetzt zugeben muss, zu Unrecht. Ich hatte nämlich angenommen, Flohmärkte in Berlin seien generell überteuerte Touristenfallen die nur von dem Glauben der Touristen lebten, Flohmarktbesuche gehörten zum typischen Berliner Lebensgefühl. (Die Ursache meiner pauschalen Flohmarkt-Ablehnung liegt wohl beim Markt an der Arena Treptow, in dessen Nähe ich wohne und der in jedem Berlin-Reiseführer online wie offline empfohlen wird: Muffige Hallen, durchzogen vom Geruch nach altem Fett, der von einer schmuddeligen Pommesbude ausgeht, hingeschüttete Haufen alten Hausrats, kein Stück, das nicht schmutzig oder angeschlagen wäre, schlecht gelaunte Händler, die dafür Mondpreise verlangen, und keiner kauft. Ein Flohmarkt mit schlechtem Karma, Hallen, die vor Unzufriedenheit summen. Auch ein Vorurteil? Vielleicht - ich war bestimmt zwei Jahre nicht mehr auf diesem Markt und werde meinen Eindruck demnächst überprüfen).   

Auf den Trödelmarkt, der jeden Samstag und Sonntag auf der Straße des 17. Juni zwischen der Station Tiergarten und dem Charlottenburger Tor stattfindet, schleifte mich der Liebste nun vor einigen Wochen und zwang mich, meine Vorurteile zu revidieren. Uns erwartete ein gut besuchter, aber nicht überfüllter netter kleiner Markt mit einer Mischung aus professionellen Händlern und Gelegenheitsverkäufern. Es wurde viel geredet und gekauft, die Preise, die ich mitbekam, kamen mir nicht überzogen vor - Käufer glücklich, Händler glücklich, und damit ergibt sich gleich eine positiv gestimmte Atmosphäre, ich finde das merkt man. 

Die mich mitriss, denn an einem Stand, wo mehrere Freundinnen Klamotten  verhökerten, erstand ich voller Begeisterung eine sehr niedliche, sehr winzige Abendhandtasche aus den Achtzigern, in die nur ein Geldschein, der Hausschlüssel und ein Lippenstift passt. Ich muss ein Faible für solche unpraktischen Taschen haben, von dem ich bis jetzt noch nichts wusste - beim Heimkommen fand ich in meinem Accessoirekorb, in den ich selten hineinschaue, drei weitere secondhand erstandene Minitaschen vor, deren Existenz ich komplett vergessen hatte. Zugegeben, keine so schön wie die neue. 



Auch für Textilliebhaberinnen bietet der Flohmarkt auf der Straße des 17. Junis so einiges. Es gibt mehrere Stände mit schönen alten Leinenservietten, Geschirrtüchern, gestickten Überhandtüchern und Decken, hier und da mal ein  Nähkästchen oder eine Nähmaschine, und vor allem gibt es (im rechten Gang vom S-Bahnhof Tiergarten aus) einen großen Knopf- und Kurzwarenstand. Ich habe da auch schöne alte Gürtelschnallen gesehen, Karten mit Perlmuttknöpfen, ein paar Garne und Borten, und selbst in den 1-Bund-1-Euro-Kisten liegen sehr brauchbare Jacken- und Mäntelknöpfe, immer fünf bis zehn zusammen aufgefädelt. Hätte ich nicht schon die Tasche gekauft, hätte ich hier noch ein paar Perlmuttknöpfe mitgenommen.

Jenseits des Charlottenburger Tors Richtung Ernst-Reuter-Platz schließt sich ein Kunsthandwerkmarkt an, den fand ich bei unserem Besuch nicht so interessant. Es gab viel "Kunsthandwerk", das zwar sicher auch das Werk kunstfertiger Hände war, aber eben von Händen in China oder Indien, aber auch das mag sich ändern.

Nach dem Schaufenstergucken bei Manufactum in der Hardenbergstraße kehrten wir noch auf Kaffee und Kuchen im Café Hardenberg ein, was mir einen kleinen Nostalgieanfall bescherte, denn in diesem Studentencafé scheint die Zeit seit zwanzig Jahren stehengeblieben. Das gilt für die Einrichtung, fürs Essen gilt das glücklicherweise nicht. Und so erwies sich ein Nachmittag mit typischem Touristenprogramm als ein rundum gelungener Ausflug.

Trödelmarkt an der Straße des 17. Juni
Samstag und Sonntag 10- 17.00 Uhr
Haltestelle Tiergarten (Stadtbahn)

Freitag, 11. April 2014

Seit einem Jahr in Kreuzberg: 1000Stoff in der Muskauer Straße


Aus unerfindlichen Gründen ist Kreuzberg bisher nicht besonders gut mit Stoffläden ausgestattet. Liegt es an der Nähe zum Maybachmarkt, interessiert sich die typische Kreuzbergerin mehr fürs Ausgehen als fürs Selbermachen, oder ist der Wandel gerade in den früher etwas verödeten Kiezen im östlichen Kreuzberg noch zu frisch? 


1000Stoff hat sich vor etwas über einem Jahr in dieser Gegend angesiedelt, nur ein paar Schritte von der neu belebten Markthalle Neun entfernt. Fast genauso lange hatte ich eine Postkarte des Ladens an der Pinnwand hängen, aber zufällig verschlug es mich  immer nur Sonntags oder am Abend in die Nähe. Es brauchte erst eine Mail von Lara, der Ladenbesitzerin, dass ich mich einmal gezielt zu den Ladenöffnungszeiten auf den Weg machte. Am Montag Vormittag herrscht ein reges Kommen und Gehen: Nachbarn präsentieren frische Babys, Stammkundinnen sagen Hallo, im hinteren Teil des Ladens werden Kinderhosen genäht.


Lara ist von Hause aus Architektin und nähte im Prinzip schon immer. Wie so viele entdeckte sie das Selbermachen nach der Geburt ihrer Kinder wieder neu, entdeckte die Welt der bunten Patchworkstoffe und entschloss sich zur Selbständigkeit, weil die Jobpendelei mit zwei kleinen Kindern kein Dauerzustand werden konnte. In ihrem Laden spezialisierte sie sich dann auch auf die bunten amerikanischen Designerstoffe wie Amy Butler und Riley Blake und die schönen japanischen Druckstoffe von Kokka und Echino. Als großer Fan von graphischen Mustern sucht sie die Stoffe so aus, dass das meiste auch für Erwachsene tragbar ist. Neben einer kleinen Auswahl an Standardstoffen wie Jeans, Cord und einfarbigen Jersey gibt es Schnittmuster von Minikrea, Knöpfe, Bänder und einige fertig genähte Einzelstücke, zum Beispiel Taschen, Kissenhüllen und Kinderkleidung.  


Im zweiten Raum des Ladens - charmant kreuzbergerisch mit verwittertem Stuck an der Decke - finden die Nähkurse statt, bei denen im kleinen Kreis und mit fachkundiger Hilfe an einem eigenen Projekt gewerkelt werden kann. Die Kindernähkurse und die Nähgeburtstage sind Lara zufolge besonders beliebt, so dass wir uns um den Selbermacher-Nachwuchs keine Sorgen machen müssen. Vielleicht wird aus Kreuzberg ja doch noch ein Selbermacher-Dorado. 

1000Stoff
Muskauer Str. 49
10997 Berlin

Geöffnet: MO-FR 11-18.30 Uhr, SA 11-16.00 Uhr

Haltstelle: Görlitzer Bahnhof (U1)

www.1000Stoff.de

Freitag, 22. November 2013

Drops-Wolle in Berlin: Wollreich und Liljedal Verkhus

In Berlin gibt es wieder Wolle von Drops! StrickerInnen werden wissen, dass die Garne der norwegischen Firma in Deutschland nur in wenigen Läden angeboten werden. Ich nehme an, der Verzicht auf ein dichtes Händlernetz senkt die Kosten und erklärt auch die relativ geringen Preise der Wolle. Im letzten Jahr gab es für kurze Zeit einen Wollladen in Neukölln, der Wolle von Drops führte, mit der Inhaberin wurde ich aber überhaupt nicht warm (ich sage vorbeugend, dass das sicher an mir lag), also habe ich die Wolle dann doch meistens bestellt. Aber viel schöner ist es natürlich, die Wolle direkt anfassen zu können und die Farben vor sich zu sehen, und natürlich ist es sinnvoll, kleine Einzelhändler dort zu unterstützen, wo man wohnt. Und in dieser Hinsicht hat sich in Berlin nun einiges getan: Zwei neue Geschäfte, in Charlottenburg und Liljedal in Alt-Treptow, haben das Garn im Programm.
Spätere Ergänzung: Im Wollreich in Charlottenburg gibt es nun kein Garn von Drops mehr, dafür aber in einem Laden in der Brunnenstraße, Handsache Berlin.

Wollreich Charlottenburg



Das Wollreich ist ein netter kleiner Laden in der Knobelsdorffstraße um die Ecke von der Sophie-Charlotten-Straße. Schurrmurr hatte im Frühjahr hier schon darüber geschrieben, ich habe nur bis jetzt gebraucht, um mich in den Westen der Stadt aufzumachen.

In erster Linie trieb mich Baby Merino in Schwarz dorthin, denn einer angefangenen Strickjacke fehlt noch immer der zweite Ärmel - nur gab es zwar Baby Merino in vielen schönen Farben, doch Schwarz war leider nicht darunter. Aber das war nicht so schlimm, denn davon abgesehen finde ich die Garnqualitäten gut ausgewählt, es gibt dickeres wie dünneres, Mohair, Merino, Alpaca und Baumwolle, alle Garne und alle Farben kann ein Laden mit begrenztem Platz nun mal nicht vorrätig haben. Es gibt schon genug Aha-Erlebnisse, wenn man zum Beispiel einige Drops-Alpaca-Farben wirklich in der Hand hält und nicht nur die Farbkarte im Internet anstarrt. Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass Farbe 3969 "rot lila" ein wunderbares, sattes, blaustichiges Dunkelrot ist. Welche Drops-Garne das Wollreich führt, findet man hier auf der Händlerliste.

Neben Drops gibt es auch Wolle von einigen anderen Herstellern, zum Beispiel Zauberbälle von Schoppel, Mohairgarn von ggh, Seidengarn von Bergère de France, außerdem natürlich Stricknadeln, Maschenmarkierer und Anleitungshefte.

Wollreich
Knobelsdorffstr. 43
14059 Berlin

geöffnet: DI 10.30-18.00 Uhr, MI-FR 10.30-18.30 Uhr, SA 11-15.00 Uhr

Haltestellen:  Messe Nord oder Westend (S 41/42) oder Sophie-Charlotte-Platz (U2)

http://www.wollreich-berlin.de/

Nicht ganz zum Woll-Thema passend, aber nur wenige Schritte vom Wollreich entfernt, gibt es noch ein Selbermach-Lädchen, das Schurrmurr auch schon mal erwähnt hatte.


An Wunderschick fand ich zuerst einmal das winzige, dreieckige Lädchen selbst faszinierend - es ist ein kleiner Anbau in einem Winkel zwischen zwei Wohnhäusern. Neben herzigem Schnickschnack, Postkarten, Bildern, kleinen Möbeln und Genähtem werden dort auch Selbermach-Kurse abgehalten, Stricken und Häkeln, oder am 21. Dezember ein aller-allerletztes Weihnachtsgeschenkebasteln. Leider war geschlossen, als ich vorbeikam - am besten erfährt man wohl im Wunderschick-Blog, was so los ist.

Liljedal Verkhus



Der zweite Berliner Laden mit Drops-Garnen, das Liljedal Verkhus Handarbeits-Atelier, eröffnete letzten Freitag quasi vor meiner Haustür. In meinem Kiez!

Ich muss etwas ausholen, warum das so unglaublich ist: niemals, wirklich niemals hätte ich vor gut sechs Jahren mit sowas gerechnet, als der Liebste und ich in diese Gegend zogen. Meine Straße war eine lange, graue Straße mit heruntergelassenden Rolläden. Die Gegend, früher auf östlicher Seite im Schatten der Mauer gelegen, wirkte entvölkert und immer noch wie abgeschnitten vom Rest der Welt. (Was die Internetverbindung betrifft, ist das übrigens noch nicht viel besser geworden). Fast alle Geschäfte standen leer. Ein bißchen deprimierend war es schon da draußen, aber dafür waren der Landwehrkanal, die Spree, der Görlitzer und der Treptower Park nicht weit, und man gelangte schnell nach Kreuzberg, Mitte oder andere aufregendere Orte. Wir hatten den richtigen Riecher, denn mittlerweile ist es bei uns richtig nett geworden. Und ein Wollladen vor meiner Haustür ist natürlich die Krönung!

Ich war sehr gespannt - dass in dem Geschäft gewerkelt wurde, war mir schon vor zwei, drei Monaten aufgefallen. Dann tauchten Blumenkübel vor der Tür auf, ab und zu waren die Rolladen hochgezogen und ich konnte einmal ein paar Nähmaschinen erspähen. Die Chefin des Lieblingsrestaurants erzählte mir vor ein paar Wochen ganz begeistert, dass sie dort Wolle gesehen habe - Wolle! Vor kurzem wurde das Schild mit der vielversprechenden Aufschrift "Handarbeits-Atelier" montiert - und als ich am letzten Wochenende den großen Aufkleber "Autorisierter Drops-Händler" auf dem Briefkasten sah, wäre ich am liebsten in Ohnmacht gefallen.            


Das Liljedal Verkhus ist tatsächlich sowohl Woll- als auch Nähladen: neben Drops-Wolle gibt es eine kleine, feine Auswahl Westfalenstoffe, Schrägbänder und anderes Nähzubehör. Im Nebenraum stehen schon einige Nähmaschinen bereit - im nächsten Jahr soll es hier auch Kurse geben. Das kommt aber alles erst nach und nach, im Sommer wird die Tochter der Inhaberin mit einsteigen, dann werden die Öffnungszeiten verlängert, und das Stoffangebot soll sich nach Möglichkeit vergrößern, so erzählte mir die Besitzerin. Wie sich der Laden entwickelt, hängt natürlich davon ab, wie er bei uns im Kiez angenommen wird. Ich setze große Hoffnung in meine Nachbarinnen und Nachbarn und kaufte am Mittwoch gleich mal drei Knäuel Wolle.

In der Drops-Händlerliste wird das Liljedal Verkhus im Moment noch nicht aufgeführt - ich erinnere mich an die Garnsorten Merino extra fine, Big Merino, Karisma, Lace, Andes, Fabel, Nepal, Safran, das neue Cotton-Merino und das neue, mohairartige Alpaca-Silk. (Sobald es einen Händlereintrag mit Garnliste gibt, verlinke ich ihn hier). Ergänzt: hier ist der Händlereintrag mit Garnliste.


und die aktuellen Öffnungszeiten (Stand 12. 12. 2013):
MI, DO 15.00-19.00 Uhr
SA 10.30-15.30 Uhr

Liljedal Verkus Handarbeits-Atelier
Karl-Kunger-Str. 9
12435 Berlin

Geöffnet zur Zeit MI und FR Nachmittag und Samstag
Haltestelle: Treptower Park (S41/42) oder Herrmannplatz (U7/U8) und weiter mit dem Bus 194 bis Lohmühlenstraße.

http://liljedal.de/

Donnerstag, 4. Juli 2013

Schneidereibedarf Yavas: Geheimtipp in Charlottenburg

Es gibt Kurzwarenläden zum Stöbern und Schwelgen, in denen man sich am liebsten um jeden schönen Knopf und jedes Band herum ein Nähprojekt ausdenken würde, und es gibt Läden, da geht man mit einer Einkaufsliste rein, sagt, was man möchte, und geht nach 5 Minuten zufrieden mit dem Einkauf wieder raus. Yavas Schneidereibedarf in der Schillerstraße 21 im nördlichen, unglamourösen Teil Charlottenburgs gehört zur zweiten Kategorie.

Dieser Kurzwarenladen war ein Tipp meiner Büronachbarin, Modedesignerin, die dort einen großen Teil ihrer Kurzwaren kauft. Ohne ihre Empfehlung hätte ich ihn bestimmt nie betreten: der Laden sieht von außen so uninteressant aus, wie es das Foto zeigt. In dem ersten, düsteren Raum hinter der Tür sind eine Menge Stoffrollen chaotisch bis zur Decke aufgestapelt, es stehen große Plastikwannen mit einem Durcheinander von Reißverschlüssen und irgendwelche Kartons auf dem Boden. Geradeaus geht es weiter in einen größeren, neonbeleuchteten Raum mit Zuschneidetisch, dessen Wände mit weiteren Regalen bestückt sind. Eine Wand wird vollkommen von lauter weiß-blauen Schachteln eingenommen: Reißverschlüsse in allen Farben und Längen. Die Stirnwand bietet vermutlich das gesamte Prym-Sortiment an Druckknöpfen und Ösen zum Einschlagen, rechts stehen große Rollen mit Gummibändern, Schrägbändern und anderen Bändern, ein Knopfregal, ein Garnregal und noch so manches, das ich in der kurzen Zeit nicht so genau in Augenschein nehmen konnte.

Denn die Bedienung erfolgte in Schallgeschwindigkeit: Einen teilbaren Reißverschluss, 80cm, mit Metallspirale, in dunkelbau? Kein Problem, in wenigen Sekunden ist das Gewünschte in einer großen Plastikkiste gefunden. Darfs noch etwas sein? Bügeleinlage? Gibt es in weiß, schwarz, naturfarben, dicker, dünner. Zwei Meter sind in Nullkommnix abgeschnitten. Das wars? Macht 11,90€. Brutto. Nach ein paar Minuten war ich wieder draußen - zufrieden und beeindruckt. Denn der Reißverschluss ist ein Markenprodukt und hätte im Kaufhaus locker das doppelte gekostet. Selbst auf dem Maybachmarkt wäre die Gewebeeinlage zum Aufbügeln teurer gewesen als hier. Wenns also nicht ums Schwelgen und Stöbern, um Dekoratives und Schönes geht, sondern um die schieren Näh-Notwendigkeiten, ist Yavas ab sofort meine erste Wahl.

Das Nähmaschinenzentrum Berlin-Charlottenburg (ohne Webseite) ist übrigens gleich um die Ecke in der Wilmersdorfer Str. 130. Auf dem Weg dorthin gibt es in der Schillerstraße 35 einen sympathisch vollgestopftes kleinen Secondhandladen von Efamilia e. V. und auch der Laden von Dawanda und die Geschäfte in der Leonhardstraße und in der Kantstraße, über die ich hier geschrieben hatte, sind nicht weit entfernt.   

Schneidereibedarf Yavas
Schillerstraße 21
10625 Berlin

Ergänzt:
Öffnungszeiten (Stand 12. 12. 2013):
MO, MI 9.00-21.00 Uhr, Mittagspause 14.00-15.00 Uhr
DI, DO 9.00-19.00 Uhr, Mittagspause 14.00-15.00 Uhr
FR 9.00-17.00 Uhr, SA 10.00-16.00 Uhr

Die Webseite www.yavas-berlin.de wird zur Zeit überarbeitet.
Haltestelle Bismarckstraße (U2, U7)

(Disclaimer: wie alle Ladenbesprechungen in diesem Blog wurde dieser Artikel weder gesponsert noch bestellt.)

Mittwoch, 28. November 2012

Das Nähkontor: Knöpfe, Borten, Retrostoffe in Prenzlauer Berg


Im Wochenrückblick hatte ich vor zwei Tagen ja schon ansatzweise vom Nähkontor in der Bötzowstraße geschwärmt, zu dessen Eröffnung das Kreuzberger Nähkränzchen am Samstag eine Betriebsausflug unternahm. Schon nach einer oberflächlichen Sichtung des Sortiments waren Catherine, Wiebke und ich uns einig: wäre dieser Laden in Kreuzberg und damit in unserer Nähe, es wäre unser Ruin. So eine große Auswahl an Knöpfen, so schöne Retroborten und -Stoffe und so ein stilvolles Geschäft kann man nämlich lange suchen.


Nina und ihre Geschäftspartnerin Elke übernahmen Möbel und Warenbestand eines alt eingesessenen Kurzwarenladens in Konstanz. Einige von euch werden sich vielleicht daran erinnern: Über dieses Geschäft, das es mehr als ein halbes Jahrhundert gegeben hatte, sendete der Bayerische Rundfunk vor etwa zwei Jahren einen kurzen Bericht, als die Besitzerin aus Altersgründen aufhören musste. Herz und Seele des Kurzwarenhandels sind nun nach Berlin transplantiert worden - in einen luftigen Eckladen mit Fünfzigerjahre-blaugrauen Wänden.


Dekorative Borten aus den letzten Jahrzehnten und eine Riesenauswahl an wirklich wunderbaren Knöpfen und dekorativen Gürtelschnallen teilen sich nun die Regale mit Kurzwaren eher praktischer Art wie Schräg- und Gummibändern, Bündchen und Reißverschlüssen und Einlagen. Ergänzt werden die alten Stoffe und Borten von neuer Ware, Stoffstandards wie guten Futterstoffen, Feincord und Jersey in verschiedenen Farben, aber auch einigen Jersey- und Baumwolldrucken.    


Sehr angenehm finde ich, dass das Stoffangebot nicht in erster Linie auf zu benähende Kinder ausgerichtet ist, wie in vielen anderen Läden. Nein, hier bekommt man alles, um ernsthaft für Erwachsene zu nähen. Besonders interessant dürfte das Nähkontor für die Retronäherinnen unter uns sein: sucht ihr zu dem Sommerkleidschnitt aus den 50ern oder dem Jackie-Kennedy-Jäckchen aus den Sechzigern den passenden Originalknopf, findet ihr ihn vermutlich hier. 


Stoffbezogene Knöpfe und Gürtelschnallen passend zum Kleid können die zwei Damen vom Nähkontor demnächst auch herstellen, die Maschinen stehen schon bereit.


Nina lernte ich ursprünglich in der Strickrunde kennen, wo sie ab und zu von den Fortschritten bei Ladenumbau und Warensortierung erzählte, über die sie auch im Nähkontor-Blog berichtete. Die beiden renovierten den Laden nämlich zu einem großen Teil selbst, und die Kurzwaren aus Konstanz kamen in Umzugskisten verpackt und müssen sortiert, gezählt und inventarisiert werden. Bei der Eröffnung durfte ich einen kurzen Blick in einen Nebenraum werfen - dort waren die Kisten immer noch bis zur Decke gestapelt, nach Ninas Schätzung lagert dort noch einmal so viel, wie jetzt schon im Laden einsortiert ist, und demnächst soll es das meiste auch in einem Online-shop geben.[Ergänzung 19.8. 2013: der Onlineshop ist jetzt eröffnet: naehkontor.de.]


Nicht zuletzt laufen ab sofort auch Nähkurse und Nähworkshops für Erwachsene und Kinder, die in einem gut ausgestatteten Kursraum stattfinden, von dem ich leider kein Foto gemacht habe. 

Nähkontor
Bötzowstr. 13/Ecke Käthe-Niederkirchner-Str.
10407 Berlin

www.naehkontor.de 

Wer einen weiten Weg ins Bötzowviertel auf sich nehmen muss, braucht vor der Heimreise bestimmt eine Stärkung: in der Österreichischen Konditorei Franz-Karl in der Bötzowstraße 15 (laut Webseite nur Mittwoch bis Sonntag geöffnet) gibt es beste Torten, z. B. Mohn-Apfel-Karamelltorte.

Besuchenswert ist außerdem der Laden der Fachfrau, Bötzowstraße 37. Das Konzept ist ähnlich wie in der "Galerie von Fach zu Fach", auf die ich bei meiner Charlottenburg-Tour gestoßen war: Die Regalfächer können wochenweise gemietet werden, angeboten werden Kunst, Selbstgemachtes und Altes.

Freitag, 12. Oktober 2012

Nähgeheimnis: Schulterpolster selber machen

Beim Nähen gilt: viele Wege führen zum Ziel, und Tricks und Kniffe kann man nie genug kennen. Daher die "Nähgeheimnisse", in denen ich anhand meiner laufenden Nähprojekte solche Tricks dokumentiere, die nicht unbedingt in jedem Nähbuch stehen, die für mich aber hilfreich, einleuchtend, Zeit sparend oder sonstwie nützlich sind - und ich hoffe für euch auch.

Alle von uns, die die 1980er Jahre bewusst miterlebt haben, tragen bis heute ein Schulterpolstertrauma mit sich - aber keine Angst, um diese Art der Schulterpolster geht es hier nicht. Vielmehr brauchen Blazer und Mäntel ein kleines Schulterpolster, damit die Schulterpartie glatt liegt und sich nicht verzieht. Solche Schneiderschulterpolster (Lucia zeigte in diesem Blogbeitrag ganz am Ende eine kleine Auswahl) sind aber nicht überall leicht zu bekommen - daher war ich sehr froh, als ich in Claire Shaeffers Couture Sewing Techniques eine Anleitung fürs Selbermachen fand. Das beste ist: die Polster lassen sich exakt auf den Mantel- oder Blazerschnitt abstimmen! Meine Polster sind noch etwas kleiner im Vergleich zu Shaeffers, und ich verwende Material, das ich immer im Haus habe.

Man braucht:
  • Papier, Lineal und Bleistift für den Schnitt
  • Schnitteile für Vorder- und Rückenteil
  • Nessel
  • Volumenvlies-Reste
  • Nadel und Faden

 Schnittmuster zeichnen



1. Auf dem Papier eine Linie ziehen und an einem Ende eine Strecke von 2,5 cm einzeichnen.



2. Die Schnitteile für Vorder- und Rückenteil an dieser Linie anlegen, und zwar so, wie die Schulternaht verlaufen würde. Die markierten 2,5 cm sind der Startpunkt, der Armausschnitt ist rechts. Den verlauf des Armausschnitts auf dem Papier nachzeichnen.


3. An der Armausschnittlinie von der Mitte nach oben (Vorderteil) 10 cm abmessen, von der Mitte nach unten (Rückenteil) 12 cm. 


4. Die Endpunkte der Armausschnittlinie mit zwei Bögen mit dem rechten Strich der 2,5 cm-Markierung verbinden. Im Vorderteil (oben) einen steilen Bogen zeichnen, der nahezu im 90°-Winkel abknickt, im Rückenteil einen flachen Bogen, fast einen Viertelkreis zeichnen. Den Fadenlauf im Winkel von 45° zur Schulternahtlinie einzeichnen.    

Zuschneiden



5. Das Schnittteil vier Mal aus Nessel zuschneiden...


6. ... und 6-8 mal aus Volumenvlies.
Ab jetzt muss man darauf achten, dass man tatsächlich ein rechtes und ein linkes Schulterpolster anfertigt - und nicht zwei gleiche.

Nessel stecken und heften



7. Jeweils zwei Nesselteile übereinander legen und an der Schulternahtlinie umklappen - vorne und hinten liegen die Kanten nun nicht mehr übereinander, die obere Schicht ist kürzer.


8. So feststecken - das ist ein Schritt, der sich unmöglich gleichzeitig ausführen und fotografieren lässt. Die obere Schicht bildet eine Art "Blase", wenn das Teil flach liegt. Wenn man es an der Schulternahtlinie über die Hand hängen lässt, ist die obere Schicht glatt.


9. Die beiden Schichten im gebogenen Zustand mit schrägen Heftstichen zusammenheften - die Mehrweite der oberen Schicht dabei gleichmäßig verteilen.

Mit Vlies belegen



10. Wer eine Schneiderpuppe hat, kann die Polster jetzt auf die Schultern der Puppe legen und dort weiterarbeiten. Die anderen nehmen z. B. ein zusammengerolltes Handtuch. 

Die zugeschnittenen Vliesteile auf den Polstern anordnen. Bei der untersten Schicht auslaufend zu den Rundungen Vlies wegzupfen und ausdünnen, jede folgende Schicht ist einen Tick größer als die vorige. Am Armausschnitt ist das Polster also am dicksten und wird zur Rundung (=Richtung Halsaussschnitt) auslaufend immer dünner. Als letzte Schicht kommt ein vollständiges Vliesteil darauf.






11. Die Vliesschichten ebenfalls mit schräg laufenden Heftstichen festheften, dabei das Teil nicht plattdrücken, sondern so gerundet in der Hand halten, wie es von der Handtuchwurst kommt. Durch die festgehefteten Vliesschichten hält das Polster jetzt die Form. Eventuell auf Handtuchwurst/Schneiderpuppenschulter etwas bügeln, das Volumenvlies verdichtet sich dadurch noch.


12. So sieht das Polster von der Rückseite aus.

Eingenäht ist es klein, leicht und unauffällig, knapp einen Zentimeter hoch, und macht garantiert keine Preisboxerschultern.