Schloss Cecilienhof, ein überschaubar wirkendes, aber 176 Zimmer beherbergendes Schloss im englischen Landhausstil im Potsdamer Neuen Garten war unser erstes Ziel. Das Marmorpalais am See nicht weit entfernt versetzte uns mit seinen Kübelpflanzen, den luftigen Arkaden und den großen Seeterrassen nach Italien.
Die Schlossküche ist in einer künstlichen Ruine untergebracht. Wo Zypressen nicht gedeihen, pflanzt man eben Pappeln.
Die Orangerie wurde im ägyptischen Stil dekoriert, und sitzt man hinter den Säulen unter der Sphinx, blickt man auf die holländischen Backsteinhäuschen, in denen früher die Gärtner wohnten.
Die heutigen Gärtner in Potsdam legen immer noch wunderbare Blumenbeete an und ich werde ganz neidisch, wenn ich an meinen Balkon denke, der dieses Jahr nur zwei Tomaten hervorgebracht hat, und eine Kapuzinerkresse, die nicht blühen will. Hier wachsen auch Buntnesseln, Artischocken und Mais - ich nehme an, das sind historisch korrekte Bestandteile der Beflanzung auf dem Stand des späten 18. Jahrhunderts.
Auf das Wandmosaik in der Dortusstraße, Ecke Breite Straße - hier nur eines von den vielen Bildern der Serie - trafen wir ganz zufällig, als wir auf der Suche nach einer Tapasbar in der vollkommen falschen Richtung in Potsdams Zentrum herumstolperten. Die Serie von Fritz Eisel mit dem Titel Der Mensch bezwingt den Kosmos am heutigen Landesamt für Datenverarbeitung ist bei Wikipedia Bild für Bild zu sehen. Vor dem Gebäude wird für den sehr umstrittenen Neubau der Garnisonkirche an dieser Stelle geworben - es gibt einen Verein der Befürworter und einen der Gegner und offenbar immer noch eine große Sehnsucht nach Kulissenarchitektur, um sich an einen anderen Ort oder in eine andere Zeit zu versetzen.
Selbermach-Links der Woche
Ende August kommen traditionellerweise die Wintermäntel und die Lebkuchen in die Läden, und die Schnittmusteranbieter machen keine Ausnahme und präsentieren neue Herbstmodelle. Der Trend geht zur Hose, und insbesondere zur Latzhose.
Da trifft es sich gut, das Frau Crafteln mit untrüglichem Riecher den Hosen-Herbst, einen Hosen-Sew-along ohne Zeitdruck organisiert. Von jetzt bis Anfang Dezember wird Monat für Monat Hosen-Wissen gesammelt, es werden Hosen-Probleme erörtert und hoffentlich gemeinschaftlich gelöst. Ich zähle darauf, dass Sinje - Strich&Faden sich des Latzhosentrends annimmt. Zwei neue Indie-Schnittmuster stünden dazu zur Verfügung: die Turia-Latzhose von Pauline Alice, eine Latzhose eher traditionellen Zuschnitts, und die etwas stromlinienförmigeren Bly Overalls von named Patterns aus Finnland.
Die named-Latzhose ist nur ein Teil einer ganzen Herbst-Winter-Kollektion, von der ich ganz angetan bin - besonders vom Leotie-Dress, einem Schnitt für ein Kleid aus Webstoff mit halblangen Ärmeln, der meiner Meinung nach viel Potential hat. Die herzförmig geschwungene Naht zwischen Schulterpassen und Unterteil gefällt mir sehr, ich sehe schon eine Menge interessante Kombinationen verschiedener Texturen, Muster und Farben vor mir.
Sewaholic Patterns brachte gleich zwei neue Schnitte heraus: Yaletown ist ein Schnitt für ein lockeres Wickelkleid mit leicht angekraustem Rock oder abgewandelt als Bluse mit Schößchen und kurzen Ärmeln. Wer noch nicht weiß, ob er sich denn Schnitt zutraut, kann den gerade gestarteten Sew-along im Sewaholic-Blog verfolgen - dort wird der ganze Nähprozess Schritt für Schritt mit Fotos gezeigt.
Der Rae-Skirt von Sewaholic ist ein sehr einfach zu nähender, aber trotzdem raffinierter Schnitt für einen Bahnenrock mit Gummizug in zwei Längen, als Minirock oder knielang. Eben kein typischer Sack-mit-Gummizug-Rock, sondern ein Kleidungsstück, das eine Form besitzt, aber trotzdem als erstes Nähprojekt für Anfänger geeignet ist. Auch für diesen Schnitt gibt es eine Fotoanleitung im Sewaholic-Blog.
Ein bißchen enttäuschend finde ich dieses Jahr die Vorschau für das Ottobre-Woman-Heft, das Ende September bei uns erscheint. Früher war dieses Herbstheft nach meinem Eindruck ein Ereignis in der Nähwelt, den Finnen gelang es jedes Mal, eine komplette Garderobe mit aufeinander abgestimmten Teilen mit kleinen modischen Details zusammenzustellen, die irgendwie immer genau das trafen, was viele von uns in dem Moment nähen und anziehen wollten. Dieses Mal sind die Schnitte allesamt vollkommen uninteressant für mich. Passend zum Hosenthema ist ein Schnitt für eine enge Jeans dabei, ganz interessant ist vielleicht noch die Kaupzenjacke mit schrägem Reißverschluss - aber alles andere finde ich schon sehr banal oder es ist einfach nicht mein Fall, wie die untaillierten Tunikakleider.
So weit zum Herbst - in nächster Zeit ist noch ein neuer Schnitt von by hand London zu erwarten, ein Jumpsuit namens Holly mit Varianten (die Übergänge zur Latzhose sind fließend!), von dem bisher nur einige Bilder bekannt sind. In früheren Jahren gab es im September außerdem ein Easy-Fashion-Heft von Burda, aber die zuverlässige russische Quelle meldet davon noch nichts. Dafür gibt es dort eine komplette Übersicht mit Schnittzeichnungen für das Burda-Plus-Herbst/Winter-Heft, das in Russland am 3. September erscheint - bei uns soll es bereits seit gestern (20. 8.) erhältlich sein, ich kann allerdings auf der deutschen Burda-Webseite nichts außer einer unvollständigen Vorschau dazu finden.
Zum Abschluss noch zwei unterhaltsame Links:
Kekse zum Kuscheln, außerdem eine Ladenkasse aus Filz, Tageszeitungen, Fischstäbchenpackungen und Getränkedosen aus Filz, all das findet sich bis Ende August in einem Tante-Emma-Laden in London, den die britische Textilkünstlerin Lucy Sparrow austattete, um auf den Verfall kleiner Läden aufmerksam zu machen. Bilder und ein kurzer Bericht hier, interessant ist aber auch das Blog zum Projekt. Lucy Sparrow nähte das Inventar innerhalb der letzte sieben Monate mit der Hand, und zwar rund um die Uhr und quasi in jeder Lebenslage. Wie jedes moderne Geschäft hat der Corner Shop auch einen Onlineshop, in dem die mehr als 4000 Filzobjekte nach Abschluss der Installation verkauft werden.
Über die deutsche Adaption des Great British Sewing Bee hatten wir hier ja schon spekuliert, das französische Fernsehen ist bereits einen Schritt weiter: auf dem Sender M6 läuft am 30. August um 18.00 Uhr die erste Folge der französischen Version mit dem Titel "Cousu Main". Ein Trailer und ein fürchterlicher, schriller und komplett gestellter "Blick hinter die Kulissen" findet sich hier auf der Seite des Senders (Vorsicht, bei mir läuft das Video sofort an und plärrt ziemlich laut los). In der Vorschau sind schon ein paar schöne genähte Kleider zu sehen, finde ich, außerdem wird anscheinend auf den modischen Aspekt des Selbernähens viel Wert gelegt, das gefällt mir - aber die Moderatorin ist einfach eine Nervensäge, das glaube ich schon nach 90 Sekunden feststellen zu können.
(via @suschna)






















