Ich hatte ja sogar zwei schöne Stoffe zugeschickt bekommen: einen leichten, dunkelblauen Wollstoff und einen wild gemusterten Viskosestoff. Für den dunkelblauen Wollstoff, der ganz meinem Beuteschema entspricht, hatte ich bei der Stoffvorstellung gleich einen Plan gefasst: ich wollte zuerst einen Bleistiftrock mit rückwärtigem Godet nähen, hatte aber übersehen, dass der geplante Burda-Schnitt für Stoff mit Elasthananteil gedacht ist, und der Stoffwechsel-Stoff überhaupt nicht elastisch ist. Etwas Schnittrecherche ergab, dass die Elastizität bei diesem Schnitt wohl tatsächlich benötigt wird, und da ich mich kenne und weiß, dass ich ein unbequemes Kleidungsstück einfach nicht anziehen würde, wollte ich kein Risiko eingehen und vertagte den Bleistiftrockschnitt auf später und auf einen anderen Stoff.
Was nun? Die Suche nach einer Alternative wurde zuerst davon bestimmt, dass ich unbedingt einen Schnitt finden wollte, der zu dem geplanten Schößchentop aus dem zweiten Stoffwechsel-Stoff passen würde - und da kam eigentlich nur ein schmaler Rock in Frage. Einen anderen schmalen Rock als den ursprünglich ausgesuchten wollte ich aber nicht nähen. Naja, nach etwas gedanklichem Hin- und Her kam ich zu dem Schluss, dass es die Sache nur unnötig kompliziert, wenn ich unbedingt so planen will, dass beide Stoffwechsel-Stücke zusammen angezogen werden können. Der Stoffwechsel-Sache wäre besser gedient, wenn ich einfach Schnitte umsetzen würde, die mir ganz grundsätzlich gefielen und die in meinen Kleiderschrank passen würden.
Und da tauchte genau zur rechten Zeit der Me-made-Mittwoch-Gastbeitrag von Birgit auf, in dem sie entdeckte, dass die Nummer 105 aus Burdastyle 8/2014 ein sehr schöner Schnitt ist, wenn man in der Lage ist, von der kreischbunten Umsetzung im Burda-Heft zu abstrahieren. Im Prinzip handelt es sich um einen leicht ausgestellten Rock mit einem rechteckigen Ausschnitt im Vorder- und Rückenteil, in den zwei große Godets eingesetzt werden - ideal für so einen weich fallenden Wollstoff wie den Stoffwechselstoff.
Es war ein großes Vergnügen, diesen Stoff zu verarbeiten! Reine Wolle näht und bügelt sich einfach wunderbar, ich könnte auf der Stelle einen ganzen Ballen von dem Zeug wegnähen. Außerdem passte der Schnitt ohne wesentliche Änderungen. Das Futterproblem (der Schnitt sieht kein Futter vor) löste ich einfach, indem ich die Rockschnittteile an der vorderen und hinteren Mitte faltete und die Hälften aus Futter im Bruch zuschnitt. Der Futterrock ist also ein simpler ausgestellter Rock, der oben im Beleg mitgefasst wird. In den Seitennähten ließ ich 15 cm lange Schlitze offen. Die Godets haben eine schmalen, handgenähten Saum, der Saum vom eigentlichen Rock ist 4 cm breit und auch mit der Hand angenäht. Und so siehts aus:
Ich bin von dem Rock ganz begeistert, er trägt sich sehr bequem, passt zu den meisten Sachen in meinem Kleiderschrank und ich bin sicher, dass ich ihn sehr oft anziehen werde. Ein voller Erfolg, da bin ich sicher.
Das zweite Stoffwechsel-Teil aus dem gemusterten Viskosestoff ist nicht so eine sichere Bank, allerdings konnte ich es auch noch nicht so richtig eintragen, denn Strickjacken, meine bevorzugte Oberbekleidung, passen einfach nicht so gut dazu, und um so ein Schößchentop aus dünnem Stoff einzeln zu tragen, dazu ist es mir im Moment zu kalt. Daher gibt es derzeit auch kein Foto davon in freier Wildbahn - ich werde aber noch ein Küchenfoto nachliefern.
Wie zuerst geplant, nähte ich ein Schößchentop (Nr. 113 aus Burda 8/2012) aus der gemusterten Viskose. Den Ausschnitt, der ganz eng am Hals anlag, vergrößerte und verbreiterte ich etwas. Ich weiß noch nicht, ob diese Schnittform wirklich in mein ständiges Kleiderschrankrepertoire eingehen wird - das muss wirklich der echte Tragetest ergeben - vor dem Spiegel finde ich es aber gut. Dieser fluffelige, schwingende, vorne kürzere, hinten längere Volant macht Spaß.
Hier erkennt man nicht viel, vor allem nicht, dass sich in der Mitte der Rückens ein nahtverdeckter Reißverschluss befindet. Der Musteranschluss ist mir dieses Mal ganz ungewöhnlich gut gelungen. Ob die Musterverteilung die günstigste ist, ist eine andere Frage - die großen Motive waren nicht einfach zu verteilen, und erst jetzt auf dem Foto oben sehe ich, dass ich wohl einen rosaroten Blumentuff mitten auf dem Po haben muss. Die Küchenfotos werden es zeigen.
Wer meine Stoffpatin ist, davon habe ich immer noch keine Ahnung. Bei Siebenhundertsachen haben sich ja schon die meisten Finalistinnen verlinkt, und viele Stoffpatinnen haben sich schon geoutet, so dass ich eine Strichliste anlegen könnte, um herauszufinden, wer noch übrig bleibt. Das mache ich aber besser, nachdem ich mich verlinkt habe, denn die Frist läuft gleich ab. Meiner Stoffpatin auf jeden Fall vielen Dank für die Stoffe! Mit dem Wollstoff hast du mir eine große Freude gemacht, und ich habe mir ein echtes Lieblingsteil nähen können. Der Viskosestoff war eine tolle Gelegenheit zum Experimentieren, und ich glaube, dass das Top im Frühjahr noch seinen großen Auftritt haben wird. Und nicht zuletzt Siebenhundertsachen und Lotti vielen Dank für die liebevolle Organisation des Tauschs!
*) Stoffwechsel - Für die, die erst später zugeschaltet haben: Bei der Aktion suchten die Teilnehmerinnen jeweils für eine zugeloste Partnerin Stoff aus und schickten ihn ihr zu und bekamen selbst von einer anderen Teilnehmerin Stoff geschickt. Die fertigen Werke aus den Stoffen werden jetzt vorgestellt - alle Teilnehmerinnen sind hier verlinkt, und das Geheimnis, wer wem Stoff geschickt hat, lüftet sich.




















