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Freitag, 1. Mai 2015

Me made May 2015 - 1. Woche

me-made-may'14
In der englischsprachigen Nähbloggerwelt gibt es schon seit Jahren Blogaktionen, in denen die selbstgemachte Kleidung gefeiert wird. Der Me-made-March, der Self-stitched-September oder in den letzten Jahren der Me-made-May vernetzen Selbernäherinnen aus aller Welt, die auf verschiedenen Plattformen, im eigenen Blog oder bei Flickr, Pinterest und Instagram, einen Monat lang täglich ihre selbstgenähten Outfits präsentieren. Ich wollte dabei schon lange einmal mitmachen und habe mich nun für den Me-made-May angemeldet. Ich werde im Mai ziemlich viel unterwegs sein, der tägliche Outfitschnappschuss sollte also recht abwechslungsreich werden!

Das tägliche Foto ist für mich die erste besondere Herausforderung bei der Aktion, darüber hinaus werde ich natürlich versuchen, mich möglichst abwechslungsreich anzuziehen und möglicherweise sogar an meiner Accessoiresschwäche zu arbeiten. Und nicht zuletzt freue ich mich darauf, Nähblogs aus aller Welt zu entdecken - wie Karin vor ein paar Tagen schrieb, ist die Begegnung mit Nähbloggerinnen aus aller Welt auch ein Beitrag für den Weltfrieden. Menschen, die kein Hobby haben, mögen das vielleicht lächerlich und zu hoch gegriffen finden. Wer aber selbst schon einmal ein Treffen mit bisher unbekannten Nähbloggerinnen erlebt hat, kennt den besonderen Nähnerd-Geist solcher Veranstaltungen. Die gemeinsam geteilte Leidenschaft ist wichtiger als alle Unterschiede und ermöglicht eine Vertrautheit, die sich ansonsten erst nach längerer Zeit einstellt.

Alle Informationen über die Aktion Me Made May hier bei der Organisatorin Zoe, in den Kommentaren zu dem Post findet man die Blogs der Teilnehmenden, außerdem gibt es eine Flickr-Gruppe, ein Pinterestboard und bei Instagram und Twitter findet man die Beiträge unter dem Hashtah #mmmay15.

Dieser Beitrag wird jeden Tag mit einem neuen Bild ergänzt, in einer Woche gibts einen neuen Sammelpost.

1. Mai 2015, Brandenburger Tor, am Rand der Gewerkschaftsdemo.
14°C, windig und sonnig, Stimmung: heiter.
Strickjacke: aus Sockenwolle mit Lochmuster, eigener Schnitt, hier gebloggt.
Rock: Designerschnitt Stephan Schneider, Nummer 130, Burda 8/2005, hier gebloggt.
TShirt: mein modifizierter Standardschnitt, ehemals Burda.

2. Mai 2015, Elsenstraße, Alt-Treptow. Kaffeepause nach dem Wocheneinkauf.
14°C, mal sonnig, mal bewölkt, Stimmung: gut.
Strickjacke: Jacke mit Schleifenmuster aus Drops Babymerino, eigener Schnitt, hier gebloggt.
Rock: uralter Lieblingsrock aus Wollstoff, Nr. 118 aus Burda 9/2005, hier besser zu erkennen.
TShirt (nicht sichtbar): modifizierter Burdaschnitt
Schal: uralt von H&M

3. Mai 2015, Kunstquartier Silent Green, Wedding. Pictoplasma-Festival.
19°C, sonnig und windig, Stimmung: neugierig.
Strickjacke: Jacke mit Schleifenmuster wie gestern
Rock: Rock mit einseitigem Godet, 105 aus Burda 8/2014 aus dunkelblauem Wollstoff, hier gebloggt.
TShirt: Schnitt mit Fledermausärmeln, Schnitt von Burda ca. 2012, ungebloggt.

4. Mai 2015, in meiner Schreibbude, Neukölln.
19°C, wolkig. Stimmung: tatkräftig.
Strickjacke: Jacke mit Schleifenmuster wie gestern und vorgestern.
Rock: angekräuselter Rock mit Passe aus Viskose mit Digitalprint, hier gebloggt.
TShirt: Schnitt mit Fledermausärmeln wie gestern.

5. Mai 2015, in meiner Schreibbude, Neukölln.
20°C, regnerisch. Stimmung: genervt.
Strickjacke: Jacke mit Schleifenmuster wie die letzten zwei Tage.
Rock: Pseudo-Wickelrock aus Nadelstreifenstoff, Nummer 130 aus Burdastyle 8/2013, hier gebloggt.
TShirt: Standardschnitt aus Ottobre.

Morgen zum Me made Mittwoch gibt's einen neuen Post. Fürs Tagebuch: Die Bahn streikt seit heute, daher ist man ewig unterwegs, die Mitarbeiter der Geldtransportunternehmen streiken schon ein paar Tage länger, daher sind die Geldautomaten leer und ich habe kein Bargeld mehr, und die Briefzusteller haben Anfang des Monats gestreikt und möglicherweise liegt deshalb der Vertrag immer noch nicht im Briefkasten, auf den ich warte.

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Die irische-Fischer-Strickjacke: Seanair von Judith Brodnicki


Als ich in den Achtzigern stricken lernte, sprach man bei Strickpullovern mit kombinierten Zopf- und anderen plastischen Mustern von sogenannten "irischen" Pullovern. Sie waren gerade geschnitten, meistens übergroß mit überschnittenen Schultern und aus naturweißer, ziemlich dicker Wolle gestrickt. Mit der damals üblichen Karottenjeans und einer großzügig geschnittenen Jeansjacke kombiniert, entstand die Silhouette einer Tonne. Einer geschlechtslosen Tonne, denn diesen Look trugen Männer wie Frauen und sahen darin nahezu gleich aus. In den frühen Neunzigern wurde die Karottenjeans bei Gymnasiastinnen dann vielfach durch Leggings ersetzt - der Pullover sollte dann knapp über den Po reichen. Weniger wagemutige Mädchen (ich) trugen stattdessen Shorts oder abgeschnittene Jeans und eine blickdichte Strumpfhose. Dazu hohe Schnürstiefeletten aus braunem Wildleder, ähnlich wie Desert Boots. Noch häufiger als den irischen Pullover trug ich eine lange, geknöpfte Strickjacke mit V-Ausschnitt, aus hellgrau melierter Wolle, ebenfalls mit den typischen Rauten und Zöpfen. (Und ich hatte dunkelgrüne, geschnürte Wildlederpumps mit etwas Plateau - was würde ich dafür geben, wenn ich diese Schuhe noch einmal bekommen könnte!) Einen dunkelgrünen Pullover mit lauter Rauten gab es auch, und wenn ich mich richtig erinnere, hatte ich auch noch einen ähnlichen weinroten.


Ihr seht, mich verbindet eine längere Geschichte mit diesen Strickmustern und den Pullovern, die man früher undifferenziert als "irisch" bezeichnete. Seither habe ich zwar sehr viel über das Stricken dazugelernt, aber nie wieder einen ganzen Pullover oder eine ganze Jacke mit Zopfmustern angefertigt. Die untaillierten, kastigen Pulloverschnitte gerieten aus der Mode, und die Zopfmuster irgendwie auch, zumindest, wenn sie auf traditionell anmutende Weise mit Wabenmustern, Rauten und Perlmuster kombiniert waren.


Als es im Sommer an die Suche nach einem passenden Strickmuster für ein Geburtstagsgeschenk für Herrn Nahtzugabe ging, bekam ich aber unbändige Lust, nach Jahren mal wieder Zöpfe zu stricken - und zwar nicht einen Zopf hier und da, und den Rest glatt, sondern sozusagen Zöpfe satt und Muster überall.


Die Suche in Zeitschriften und im Netz nach einem Strickmuster, das meiner Vorstellung entsprach, geriet ziemlich kurz: Es gibt recht wenig Anleitungen für Herrenstrickjacken, und da ich mich schon für ein bestimmtes Garn (Drops Lima, Farbe 4305 dunkelblau) entschieden hatte, schrumpfte der Kreis der Kandidaten schnell zusammen. Übrig blieb die Jacke "Seanair" von Judith Brodnicki, 2012 bei knitty.com erschienen. Glücklicherweise schaute ich auch bei ravelry nach und entdeckte rechtzeitig die Korrekturen der Anleitung - es sind auch einige Fehler in der Reihe, in der das Muster angelegt wird. Davon abgesehen fand ich die Anleitung wirklich gut und ich danke einmal mehr der internationalen Strickcommunity, die solche ausgeklügelten Anleitungen kostenlos zur Verfügung stellt.


Die Jacke wird von unten nach oben ohne Nähte gestrickt. Die Zopfmuster hat man schnell im Kopf, nur das rechts-links-Rautenmuster an der Seite im unteren Teil fand ich ein bißchen anstrengend und war froh, als es zu breiten Rippen wechselte. Die Ärmel werden in die Armlöcher eingestrickt, ohne Armkugel, aber in der Achsel gibt es einen Zwickel, bei dem einige Maschen abgenommen werden, so dass der Schnitt doch etwas raffinierter ist als die T-förmigen Pullover der Achtziger. Die Ärmel waren viel zu lang, das ahnte ich schon, denn viele Strickerinnen berichteten bei ravelry davon. Ich kürzte sie daher gleich etwas, aber noch nicht genug, so dass ich die Ärmelabschlüsse nach dem Anprobieren um weitere 5 cm verkürzte.


Das Einnähen des Reißverschlusses war nicht so ein Drama, wie ich befürchtet hatte. Natürlich musste die fertig gestrickte Jacke ein bißchen ablagern, ehe sie für den Reißverschluss reif war. Da sich der Reißverschlusskauf bei Yavas, meinem Lieblingsladen für solche Kurzwaren, mit einer taiwanesischen Nudelsuppe im Lon Men's Noodle House auf der Kantstraße verbinden ließ, wurde sie pünktlich zu Beginn der Strickjackensaison fertig.


Den Reißverschluss nähte ich mit normalem Nähgarn mit der Hand ein (mit Rückstichen) und nähte anschließend ein schmales, schwarzes Schrägband von innen dagegen, das die Stiche der Rückstichnaht verdeckt. Oben verschwindet der Reißverschluss im doppelt gelegten Kragen, unten ist das Schrägband um das Reißverschlussende herumgefaltet.


Und ist "Seanair" nur eine "irische" Strickjacke? Nicht ganz. Ich habe mich nur ein wenig in die verwickelte Geschichte des Strickpullovers auf den Britischen Inseln vertieft. Die cremeweißen, grobgestrickten Pullover mit Zopfmustern in Längsrichtung, die bei uns in den späten 1980ern und frühen 1990ern so beliebt waren, sind Pullover von der Insel Aran, einer Insel vor der Westküste Irlands.

Die von einem Heimatforscher in die Welt gesetzte Legende, die Musterung der Aranpullover gehe auf keltische Zeiten zurück, wurde aber inzwischen widerlegt. Tatsächlich entwickelte sich dieser Pullovertyp wohl erst Ende des 19. Jahrhunderts, als es in Irland ein staatliches Programm gab, das zur Verbesserung der Lebensumstände in besonders armen Regionen beitragen sollte. Die Bewohner der Araninseln bekamn nicht nur Know-How in Sachen Fischerei vermittelt, auch das Stricken von Pullovern nach Vorbild der Ganseys oder Guernseys - plastisch gemusterte Fischerpullover von der Insel Kanalinsel Guernsey - wurde angeregt. Die Bewohner Arans verwendeten die lokale, gröbere Wolle zum Stricken, beließen sie in der Naturfarbe, und gaben den Mustern ihren eigenen Twist. Während klassische Ganseys aus dunkelblauer, feinerer Wolle vor allem im oberen Teil gemustert sind und Unterarme und unterer Teil des Rumpfes glatt bleiben, verlaufen die Muster bei Aranpullovern über die ganze Länge von Vorder- und Rückenteil, und ein Wabenmuster als Mittelstreifen scheint typisch zu sein. Der Pullovertypus des Gansey verbreitete sich mit der Zeit in allen Küstenorten Großbritanniens und Irlands, wobei jede Region charakteristische Muster und Musterzusammenstellungen entwickelte.

Wohl doch nur Ornamente und nichts Gestricktes

So viel in Kürze - ich würde mich gerne noch ausgiebiger mit dieser Stricktradition beschäftigen. Wie bei den deutschen Trachten, die größtenteils auch erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts entstanden, sind die Fischerpullover wohl ebenso ein Produkt dieser Zeit, die von kulturell begründeter Identitätspolitik geradezu besessen war. Was auch immer David im "Book of Kells" aus dem 9. Jahrhundert trägt, es handelt sich wohl nicht um "die erste bildliche Darstellung von Gestricktem". Davon abgesehen habe ich immer noch Lust, Zopfmuster zu stricken, besitze von 500g Drops Lima in rubinrot im Wollvorrat und denke über einen Pullover für mich nach.   

 

tl, dr oder: die Fakten zur Strickjacke


Anleitung: Seanair von Judith Brodnicki via knitty.com
unbedingt die Korrekturen bei ravelry beachten! 

Garn und Nadeln: Drops Lima, 100 m Lauflänge auf 50 Gramm - knapp 800 Gramm verwendet, verstrickt mit Nadeln Nr. 4, für die Bündchen Stärke 3,5.

Gestrickte Größe: M, Ärmel ca. 8 cm kürzer als in der Anleitung angegeben, Abnahmen im Ärmel enger gesetzt

Mittwoch, 28. August 2013

Erster Me-made-Mittwoch nach der Sommerpause

Der erste Me-made-Mittwoch nach der Sommerpause macht da weiter, wo mein letzter Me-made-Mittwoch vor der Sommerpause endete: mit dem langen Leinenrock aus Burdastyle 5/2012, Schnittbesprechung hier. Wenn dadurch der Eindruck entsteht, ich hätte den Sommer von Ende  Juni bis Ende August in diesem Rock verbracht: das ist richtig! Wie geplant passte der graue Rock zu fast allem, war an heißen Tagen schön luftig und an nicht zu heißen Tagen wie heute wärmt er ein bißchen mehr als ein kürzerer Rock. Klingt paradox, stimmt aber.    

Die Strickjacke - denn heute braucht man leider schon eine Strickjacke - aus Drops Alpaca-silk ist gerade neu fertiggeworden, in den nächsten Tagen folgt noch ein gesonderter Post dazu. Ich bin mal gespannt, wie sich das Garn auf die Dauer trägt. Ich finde, es neigt doch etwas zum Kratzen, eine richtige Sommerstrickjacke habe ich hier also doch nicht fabriziert. Nunja, mit dem Sommer hats sich ja auch bald, jedenfalls hier in Berlin.

Was in anderen Landesteilen heute getragen wird, ist hier beim Me-made-Mittwoch versammelt.

[Rock: Nummer 106 aus Burdastyle 5/2012, Strickjacke: Drops 69-17 aus Alpaca silk, Brosche: Kanzashi von 2009.]

Freitag, 25. Januar 2013

Nur fürs Protokoll: Strickjacke "Swing" (Drops 97/18) aus Alpaca


Hier siehts noch nicht so wirklich wieder gut aus - heute war ich zum ersten Mal seit einer Woche nicht nur für allernötigste Medikamente- und Lebensmitteleinkäufe draußen, sondern saß eine Stunde im Café nebenan, um Kaffee zu trinken und die "Zeit" durchzublättern. War nicht so richtig der Hit - warum ist woanders herumzusitzen und zu lesen anstrengender als zuhause im Bett zu sitzen und zu lesen? Ich hab' mich jedenfalls gleich wieder mit dem Laptop ins Bett verkrümelt und überlege, alle angedachten Ausflüge nach draußen bis Montag zu verschieben.

Handarbeitstechnisch passiert dieser Tage daher auch nicht viel, bis darauf, dass ich vor dem Caféausflug einen Stoff kaputtgebügelt habe, was mir, glaube ich, auch noch nie passiert ist. Ehe ich noch sonstwas anrichte, schreibe ich jetzt lieber schnell die wichtigsten Fakten zu dieser Strickjacke auf, die ich beim Me-made-Mittwoch am 16. 1. schon gezeigt hatte. Nichts Neues also, aber da das Blog auch als Archiv der fertiggestellten Sachen dient und ich diese Anleitung möglicherweise sogar noch einmal stricken werde, darf die Zusammenfassung hier nicht fehlen.   


Anleitung: Strickjacke "Swing" (Drops 97-18)
Wieso diese Jacke "Swing" heißt, ist allerdings unerklärlich, denn da swingt oder schwingt überhaupt nichts, es handelt sich vielmehr um ein tailliertes Jäckchen, geformt über Ab- und Zunahmen in den Vorder- und Rückenteilen.

Abweichungen von der Anleitung: Unteren Rand mit schmalem Bündchen im Perlmuster gestrickt, angestrickte Verschlussblenden ebenfalls im Perlmuster statt kraus rechts.

Material: knapp 300g Drops Alpaca (blau meliert 6360), verstrickt mit Nadelstärke 3,5. Von dem Garn bin ich begeistert, es ist sehr leicht, weich und flauschig. Es hat nach meinem Eindruck mehr Volumen als z. B. ein Merinogarn mit gleicher Lauflänge, daher ergibt sich bei meiner eher festen Strickweise mit Nadelstärke 3,5 ein wunderbar leichtes, aber nicht löchriges Gestrick. 


Die wunderbaren, ganz genau (aber wirklich ganz, ganz genau) passenden Knöpfe hatte ich vor Weihnachten im Nähkontor gekauft, dem tollen neuen Kurzwarenladen in der Bötzowstraße, über den ich hier anlässlich der Eröffnung schon geschwärmt hatte. Wie ich gerade sehe, hat Nina, eine der Inhaberinnen, gerade noch ein privates Blog aufgemacht, um dann auch beim Me-made-Mittwoch teilnehmen zu können: ninusch.blogspot.com. Na dann, willkommen, Nina, in unserer Runde! 

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Me made Mittwoch mit gut Kaffee und slect Deutsch oder: Die Tücken der Straßenfotografie


Solange der Kaffee gut ist, sind slect Deutsch und begrenzte mimische Möglichkeiten (2 Fotos - 1 Gesichtsausdruck) gar nicht so schlimm! Ein Bild aus dem wahren Leben mit der Strickjacke von letzter Woche und einer schon verknautschten Bluse von 2013. Solche unkomplizierten, dokumentarischen Schnappschüsse würde ich mir ja öfter fürs Blog wünschen, aber meistens fehlt mir dafür die Fotografin.

Die Strickjacke aus Cotton Merino hat sich so gut in meine Garderobe eingefügt, als hätte ich sie schon immer gehabt. Eine Bluse mit Kragen zu einer Strickjacke mit Kragen zu tragen, ist nicht das Günstigste, aber die Jacke ist so warm (wärmer als ich dachte, das Garn besteht ja zur Hälfte aus Baumwolle) und kratzt überhaupt nicht  - anders als die Jacken aus Sockengarn - dass ich morgens sehr gern dazu greife. Das matte Himbeerrosa und das Dunkelgrün passen aber auch sehr gut zusammen!


Im Me made Mittwoch-Blog zeigt Gast Ella Mara heute ein Wickelkleid aus Viskosekrepp und schreibt über das Auf und Ab beim Nähen - wenn der Stoff beim Zuschnitt verkehrt herum liegt, und am Ende dann doch noch alles gut wird.

Freitag, 6. April 2012

Die Strickjacke, ein scheues Reh (Burdastyle 107 aus 12/2010)


Ist euch auch schon mal aufgefallen, dass es in den Burdastyle-Heften grundsätzlich zwei Kategorien von Schnitten gibt? Eine Sorte Schnitte, die im Heft in einer Handvoll Variationen auftaucht (ihr wisst schon: ein Blusenschnitt, einmal mit, einmal ohne Ärmel, einmal mit, einmal ohne Kragen und einmal verlängert zum Kleid = fünf totaaal verschiedene Modelle), und die Solitäre, die genau ein Mal auftreten. Die scheuen Rehe. Denn im Gegensatz zu den variierten Schnitten, die folgerichtig auf mehreren Fotos abgebildet sind, bekommt man die Reh-Schnitte meist nur auf einem einzigen Bild schemenhaft zu sehen.

Die Strickjacke 107 aus Burda 12/2010 ist so ein Fall, wobei das Modellfoto auch noch besonders wenig hergibt: Das Model trägt die Jacke offen, nach hinten geschoben, die Arme nach vorn gezogen und an den Körper gepresst. Die Schnittzeichnung verspricht so etwas wie eine extra lange Strickjacke mit Bündchen - im ungünstigen Fall allerdings mit Tendenz zum Sack.


Das Reh entpuppte sich als großräumiges, wie vom großen Bruder geklautes Strickjackenmodell, wie es zur Zeit dünne Berlinmittemädchen mit Leggings darunter tragen. Die überschnittenen Schultern, die überlangen Ärmel: natürlich alles Absicht. Dank dem dünnen, fließenden Strickstoff fällt die Jacke aber körpernah, so dass ich das Teil zur Zeit sehr gerne anziehe. Und die Ärmel sind ganz schmal geschnitten - das ist ein kleidsames Detail, das die heutigen wieder aufgekochten Achtzigerjahreschnitte von den echten Achtzigern, wie wir Älteren sie noch selbst erlebt haben, unterscheidet. Wäre dieser Schnitt, sagen wir, Baujahr 1986 und nicht 2010, dann würden die Schultern von einem frühstückstellergroßen Schulterpolster aufgespannt, und aus dem Stoff der Ärmel könnte man glatt einen schmalen Rock nähen. 


Glück gehabt, dass es nicht mehr so ist. Im Übergang vom Kragen zur Schulter ist übrigens ein Vorderteilabnäher versteckt - den hätte man 1986 auch nicht gehabt. Ja, das Nähenlernen damals war schon angenehm einfach, denn mit Abnähern musste man sich im allgemeinen nicht befassen. 

Vordere Blende und Bündchen von vorne...

...und die Rückseite

Ein etwas kniffeliges Detail ist die Verarbeitung von Bündchen und Vorderkante. Leider habe ich davon keine Schritt-für-Schritt-Bilder, im Prinzip wird die untere Ecke mit dem Vorderteilbeleg verstürzt. Die Schmalseite des Belegs kommt rechts auf rechts an die untere Kante des Vorderteils, bügeln, dann wird  die schmale Kante des Bündchens rechts auf rechts an Vorderteil und Beleg genäht, an der Ecke am Vorderteil wird eingeschnitten, dann erst wird das Bündchen längs gefaltet und gedehnt an die Unterkante von Vorder-und Rückenteilen genäht.

Schneidet das Bündchen vorsichtshalber erstmal etwas länger zu als angegeben: Mit nicht sehr elastischen Strickstoff wie hier war es nicht so einfach, das Bündchen beim Nähen ausreichend zu dehnen. Möglicherweise ließe sich dieses Detail überhaupt besser verarbeiten, wenn man die Jackenunterkante einfach mit einem Hilfsfaden einkräuselt und die gekräuselte Kante an das Bündchen näht.

Burda sagt einem dann nicht, was mit dem nicht-verstürzten Teil des Vorderteilbelegs geschehen soll, außer dass darauf die Druckknöpfe angenäht werden. Ich habe die offene Kante eingeschlagen und mit der Hand festgenäht - da ich Jacken mindestens genauso oft offen wie geschlossen trage, stört es mich immens, wenn man versäuberte Nahtzugaben sehen kann. Bei diesem wie gesagt nicht sehr elastischen Material funktionierte das gut, es macht gar nichts, dass die Handnaht nicht sehr dehnfähig ist.

Ich bin also rundherum zufrieden mit dem scheuen Reh, das ich mir da gefangen habe - Glück gehabt, es hätte sich auch um einen dicken, alten Bären handeln können.  



Schnitt: 107 aus Burdastyle 12/2010, nur mit 4 Druckknöpfen statt vorgesehenen 9 – es ist nicht praktikabel, weil gehbehindernd, die Jacke bis unten zu schließen, und so dekorativ finde ich die Druckknöpfe nicht, dass ich unbedingt mehr davon brauche..

Material: 2m dunkelgrüner Viskose-und-anderes-Strickstoff vom Markt

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Die grüne Strickjacke und das (vorläufige) Ende der Strickkrise

 
Drüben beim Me made Mittwoch bin ich heute Gastgeberin und zeige diese Strickjacke aus Cotton Merino, die mich wirklich Nerven gekostet hat. Ich bin zwar eine begeisterte, aber ehrgeizlose Strickerin. Anders als beim Nähen habe ich beim Stricken nicht den inneren Antrieb, alles verstehen und alles lernen zu wollen. Ich finde das Stricken an sich sehr entspannend und immer dann am besten, wenn ich einfach einer Anleitung folgen oder bei selbst ausgerechneten Strickteilen vor mich hinstricken kann. Wenn Entscheidungen getroffen werden müssen oder technisch etwas schwierigere Elemente anstehen (Bündchen, Kragen, mehrere Abnahmen oder Zunahmen gleichzeitig), dann bleibt das Gestrickte oft liegen, weil ich auf den Moment warte, wenn ich "mal richtig Zeit" habe, um mich damit zu beschäftigen. Dieser Moment kommt natürlich niemals, und so sind diese "Stellen" bei der Mittwochsmasche schon zum running gag geworden.


Die Strickjacke war, nachdem Vorderteile, Rücktenteil und Ärmel fertig waren, sozusagen eine einzige "Stelle": Weder hatte ich vorher schon mal Taschen in ein Kleidungsstück gestrickt, noch einen Schalkragen, und die Technik der verkürzten Reihen muss ich bei jedem Anlauf wieder im Detail nachlesen. Ich nehme mir sonst bei Strickprojekten höchstens eine mir bisher unbekannte neue Technik vor, sonst wird es mir zu anstrengend - und genau das war hier passiert, die Jacke war anstrengend. 


Für die technische Seite von eingestrickten Taschen und angestrickten Kragen war "Wir stricken und häkeln" von Ulrike und Kurt Wermut Graef aus den 1970er Jahren sehr hilfreich. Die Strickmodelle in dem Buch würde man heute zwar nicht mehr tragen wollen, aber der sehr umfangreiche Technikteil enthält zum Beispiel eine Doppelseite Kragenlösungen, die ausreichend ausfürhlich beschrieben werden.


Auch die eingestrickte Taschen (die bei der Jacke leider etwas zu klein sind und etwas zu hoch liegen, um wirklich brauchbar zu sein), strickte ich nach der Anleitung im Buch.

Lustig ist es auch - ich liebe den starren Blick des Dackels auf diesem Foto, der wahrscheinlich damit zu tun hat, dass ihm jemand außerhalb des Bildes eine Wurst zeigt:


Die Fertigstellung der Jacke schob ich im späten Frühjahr jedenfalls derartig auf die lange Bank, dass völlig überraschend Sommer und superheiß wurde. Bei über 30 Grad stricke ich nicht mehr - schon gar nicht mit wollhaltigem Garn - und im September hatte ich derartig vergessen, was ich vorhatte, dass der Neustart sehr holprig und langwierig war.

 


Ich bin wirklich froh, die Jacke bewältigt zu haben, merke mir für nächstes Mal, dass eingestrickte Taschen etwas tiefer sitzen sollten (und eine Jacke mit Taschen daher länger sein muss) und dass ein angestrickter Schalkragen eigentlich gar nicht so schwierig ist - auch wenn ich die Sache mit den verkürzten Reihen beim nächsten Mal sicher wieder nachschlagen muss. Und als nächstes stricke ich dann mal etwas Einfaches nach Anleitung! 

Technische Details
Garn: Cotton Merino - Drops, Farbe 22, dunkelgrün, etwa 450g (allein Blenden und Kragen verschlangen fast 50g), Rest für die Taschenbeutel
Nadel: Nr. 4, für Bündchen 3,5
Muster: Zickzackmuster aus rechten und linken Maschen, Bündchen 1re verschränkt, 1 links

Montag, 3. Februar 2014

Frühlingsjäckchen-Knitalong


Ihr habt sicher schon gesehen, dass Meike im Me-made-Mittwoch-Blog den Frühlingsjäckchen-Knitalong betreut: bis Ostern werden gemeinsam Jäckchen (oder auch Pullöverchen...) gestrickt und gehäkelt. Ich bin sehr gerne dabei, denn ich möchte mir eine marineblaue Strickjacke machen, nachdem die blaue Strickjacke aus Babyalpaca-Silk doch etwas pillt und manchmal auch sehr stark auf die darunter getragenen Sachen abfusselt. Vor kurzem trug ich die Jacke über meiner rosa Bluse und war danach total verflust! Damit werde ich einfach nicht glücklich. Ich glaube das Garn ist für Tücher und Schals geeigneter als für Strickjacken.

Aber jetzt zum neuen Projekt. Den neuen Versuch möchte ich aus marineblauem Cotton-Merino stricken, das Garn hatte ich vor kurzem im Laden in der Hand. Es scheint nicht zu fusseln, kratzt nicht, und das Blau gefällt mir auch gut. Das Strickmuster möchte ich selbst entwickeln. Die grüne Strickjacke die ich mir auch selbst ausgedacht habe, ist nämlich meine liebste und am besten passende Jacke. Und es fasziniert mich außerordentlich, wie einfach sich beim Stricken nur mit ein bißchen Rechnerei eigene Ideen umsetzen lassen. Natürlich fabriziere ich dabei keine große Kunst. Das was manche Strickanleitungen bieten, quergestrickte Schößchen, abgerundete Blenden und sowas, kann ich nicht umsetzen. Gestern abend blätterte ich schon durch einige Knitalong-Beiträge und entdeckte gleich wieder eine Menge schöner Anleitungen, also das nach-Anleitung-Stricken habe ich nicht ad acta gelegt, da gibt es so viel, was ich mir niemals ausdenken könnte.

Die Jacke, die mir jetzt vorschwebt, soll aber im Prinzip ganz einfach geschnitten sein: ich stelle mir ein hohes Bündchen vor, und entlang der vorderen Kanten ein Streifen plastisches Muster, irgendwas mit zierlichen Zöpfen und vielleicht etwas Lochmuster. Das Muster würde sich in der Mitte des Rückenteils wiederholen. Oder - das ist die zweite Idee, die ich aufgekritzelt habe - (Loch-)musterstreifen v-förmig abgestuft im Vorderteil. Da weiß ich aber noch nicht, wie das Rückenteil aussehen könnte. Wiederholt man da das Muster einfach so wie beim Vorderteil? Oder nur glatt rechts, aber ist das nicht etwas langweilig? Die Jacke soll auf jeden Fall einen runden Ausschnitt bekommen, separat angestrickte Knopfleisten und schmale, lange Ärmel.

Bis zum nächsten Treffen in 14 Tagen werde ich ein paar Maschenproben stricken und Muster testen. Dann erzähle ich auch noch etwas mehr über meine Schnittvorlage und darüber, wie ich aus der Maschenprobe zu einer Art Anleitung komme. Ich quäle mich hier gerade mit einem saulangsamen Netbook ab, das kein vernünftiges Bildbearbeitungsprogramm hat, deshalb heute mal ganz kurz und knapp.Viele tolle Strickprojekte sind auf dem Me-made-Mittwoch-Blog versammelt - Strickinspiration für die nächsten zwei Jahre, mindestens.

Donnerstag, 20. März 2014

Strickprotokoll: die schwarze Strickjacke mit Schleifenmuster


Vor ein paar Mittwochen hatte ich die schwarze Strickjacke ja schon gezeigt, hatte aber bisher keine Zeit, noch ein paar Zeilen zu den technischen Details zu schreiben und hole das jetzt nach. Die Schlampenstrickmethode bringt leider mit sich, dass so gut wie keine archivierbaren Aufzeichnungen vorliegen und jedes Strickstück prinzipiell nicht reproduzierbar ist. Umso wichtiger ist es, bald nach der Fertigstellung ein paar Details zu notieren, denn mit solchen Zetteln:   


... mit solchen Zetteln lässt sich kurze Zeit später nichts mehr anfangen. Bei dieser Jacke gelangte die Schlampenstrickmethode außerdem an ihre Grenzen, denn das Garn, Baby Merino von Drops, legt doch noch um einiges zu, wenn man es wäscht. Die Jacke ist daher ein bißchen weiter und länger geworden, als ich mir das ursprünglich ausgerechnet hatte. 


Der Schnitt war wieder der bewährte Schnitt des Swing Cardigans von drops, ich brauchte ca. 400g Baby Merino in schwarz, verstrickt mit Nadelstärke 3, das Designvorbild war diese Strickjacke von Monika. Das Strickmuster mit den kleinen Noppen fand ich in Brigitte Stricken, Band 2, es nennt sich Schleifenmuster. Normalerweise werden die Umschläge unverschränkt abgestrickt, ich fand aber die entstehenden Löcher bei meinem Garn zu dominant. Die tollen Knöpfe mit Sternen sind von Lotti - es sind Hosenknöpfe aus dem Fundus ihres Opas, eines Herrenschneiders. 


abgewandeltes Schleifenmuster


(Maschenzahl durch 10 teilbar + an jeder Seite eine Randmasche)

1. R.: rechts
2. R.: links
3. R.: rechts
4. R.: links
5. R.: rechts
6. R.: Randmasche *1 M. links, 1 Umschlag, 4 M. links zusammenstricken, die 4 M. aber nicht von der Nadel gleiten lassen, sondern noch einmal rechts zusammenstricken, 1 Umschlag, 5 M. links* Randmasche (von * - * wiederholen)
7. R.: rechts, die Umschläge rechts verschränkt abstricken
8. R.: links
9. R.: rechts
10. R.: links
11. R.: rechts
12. R.: Randmasche * 6 M. links, 1 Umschlag, 4 M. links zusammenstricken, aber nicht von der Nadel gleiten lassen, sondern noch einmal rechts zusammenstricken, 1 Umschlag * Randmasche (von * - * wiederholen)
13. R.: rechts, die Umschläge rechts verschränkt abstricken

Die 2. bis 13. Reihe wiederholen.

Mal sehen, ob mich beim Frühlingsjäckchen der Gruppendruck der MittwochsMasche zum Führen nachvollziehbarer Aufzeichnungen bringt. Ich fühle mich in der Runde, wenn alle ihre vorbildlich geführten Stricknotizbücher auspacken, nämlich ein bißchen wie der Loser in der Klasse, der bloß einen zerfledderten Collegeblock und eine Werbekugelschreiber vorweisen kann, während die Streber-Mädchen Schnellhefter und Textmarker in allen Farben des Regenbogens besitzen.

Nina druckt zum Beispiel die Strickanleitungen aus und klebt sie in ein A5-Notizbuch mit Spiralbindung, das man flach hinlegen kann. Lotti führt neuerdings ein Maschenproben- und Musterbuch, in das sie die gestrickten gewaschenen (!) Läppchen und eine Garnbanderole einklebt, hier konnte man das auf einem Foto schon sehen. S. strickte beim letzten Mal ein Lochmuster, das so kompliziert ist, dass sie dabei nicht sprechen konnte, und hatte sich nun auch ein Stricknotizbuch angeschafft, und wenn ich lese, wie akribisch Chrissy die Sache mit der Strickmaschine angeht, nehme ich an, dass sie ihre Unterlagen auch beim Handstricken sorgfältig führt, auch wenn mir das konkret noch nicht aufgefallen ist. Und ich als Strickschlampe dazwischen - und das, obwohl ich in anderen Lebensbereichen durchaus zum Herumstrebern neige (bis auf die Textmarker, sowas benutze ich nicht)... 

Sonntag, 17. Mai 2015

Me made May - die dritte Woche

Der Me Made May geht in die dritte Woche, und ich habe weiter fleißig Bilder gesammelt. Die zweite Woche hat mir einige neue Erkenntnisse beschert: Ich brauche noch eine, besser zwei schwarze Strickjacken. Die schwarze Jacke aus Merinogarn ist das bei weitem am häufigsten getragene Kleidungsstück. Eine weitere Jacke aus Baumwoll-Merino-Mischgarn für wärmere und eine aus Alpacagarn für kältere Tage würde diese Jacke gut ergänzen.

Zweite Erkenntnis: Das Wetter nervt mich unendlich, ich habe derzeit keine große Lust, mich anzuziehen. Am Mittwoch trug ich nach einem Temperatursturz von mehr als 10 Grad aus Entnervung dasselbe wie am Dienstag, nur mit Strickjacke und Strumpfhose und fror trotzdem. Am Himmelfahrtstag fror ich noch mehr, ebenso wie am Samstag Abend auf einer Hochzeitsfeier (im Wickelkleid) und am meisten fror ich Sonntag Vormittag bei einsetzendem Regen auf dem Rückweg vom Frühstückscafé nach Hause. Fotos wurden daher dort gemacht, wo es trocken und warm war.

Die Bilder des internationalen Me made May finden sich bei flickr - beneidenswert, wie warm es anderswo schon ist!

13. Mai 2015. In meiner Schreibbude, Neukölln.
17°C, bewölkt. Stimmung: sehr müde, am Nachmittag besser.
Oberteil: schwarze Strickjacke wie fast immer.
Rock: Fake-Wickelrock Burda 2008, wie gestern.
Schal: gekauft von H&M.

14. Mai 2015. Himmelfahrtsspaziergang, Neukölln.
13°C, regnerisch. Stimmung: frierend.
Oberteil: Jacke und Schal H&M, uralt
Rock: "Designerschnitt" Karl Lagerfeld, 136 aus Burda 10/2010, hier gebloggt.

15. Mai 2015, beim Stoffladen-Zweitjob, Friedrichshain.
18°C, sonnig. Stimmung: gut.
Oberteil: Tshirt mit Fledermausärmeln, Schnitt von Burda ca. 2012.
Rock: Rock mit Passe aus Viskose mit Digitalprint wie in der ersten Woche.

16. Mai 2015, beim Stoffladen-Zweitjob, Friedrichshain.
17°C, Regenschauer. Stimmung: leicht genervt.
Oberteil: Shirt aus Ringeljersey nach modifiziertem Burda-Schnitt.
Rock: Halbtellerrock aus dunkelgrüner Spitze mit Jerseyfutter, hier gebloggt


17. 5. 2015, zuhause, Alt-Treptow
14°C, Regenschauer. Stimmung: ich mach' gleich die Heizung wieder an. 
Oberteil: Ringelshirt wie gestern, schwarze Strickjacke wie immer.
Rock: Spitzenrock wie gestern.

18. 5. 2015, beim Stoffladen-Zweitjob, Friedrichshain
17°C, bedeckt. Stimmung: ist es bald vorbei?
Oberteil: Standard-Shirt nach modifinziertem Burdaschnitt aus grauem Jersey
Rock: Roter Rock aus Wolle-Viskose-Mischung von 2007, Schnitt 110, Burda 10/2006.

Mittwoch, 25. Januar 2012

Herzenswunsch (Drops 135-21)


Jedes Jahr das gleiche Drama: auch mir fällt es schwer, für den Liebsten ein Weihnachtsgeschenk zu ersinnen. Fotokrams kauft er sich selbst, Elektronikgadgets auch, außerdem hat er ja mich und ist ansonsten wunschlos glücklich. Auf die Frage, was er sich zu Weihnachten wünsche, gab es immer nur eine Antwort: „Nichts.“

Dass doch zumindest ein ganz konkreter Wunsch in dem Mann schlummert, wurde mir klar, als wir im Herbst zufällig am KaDeWe vorbeikamen und da eine Strickjacke irgendeiner bekannten Marke im Fenster hing: sah aus wie handgestrickt, kostete 850 Euro, und der Liebste betrachtete sie mit leuchtenden Augen. Wie gerne hätte er doch wieder so eine kuschelige Strickjacke, wie er sie früher einmal gehabt hätte. Ob ich ihm nicht sowas stricken könnte?


Hilfe! Noch nicht einmal für mich selbst stricke ich derzeit solche langwierigen Projekte. Irgendwie konnte ich auf ein anderes Thema überleiten, aber die übliche was-wünschst-du dir-zu-Weihnachten-Frage hatte fortan eine andere Antwort: „Eine schöne Strickjacke! Sonst nichts.“

Anfang Dezember und mithin für Weihnachten eigentlich viel zu spät, war ich zermürbt. Schließlich kann ich stricken, wie könnte ich meinem Liebsten nur aus Faulheit einen Herzenswunsch versagen? Ich suchte nach Strickjackenanleitungen, fand das meiste blöd oder ungeeignet und verfiel, schon in leichter Panik, auf Drops 135-21, eine Jacke mit Schalkragen und Einstrickmuster. Die bestellte Wolle kam glücklicherweise schon nach wenigen Tagen.

Warum ich nicht daran gedacht hatte, dass mir das Einstrickmuster erstmal nicht so leicht von der Nadel gehen würde, weiß ich nicht mehr. Und dann auch noch eins mit Hin- und Rückreihen, so dass beim zweifarbigen Linksstricken die Fäden vor dem Gestrickten liegen. Couturette hatte Recht: das sollte man vermeiden (und wie sich Musterstrickjacken in der Runde arbeiten lassen erklären die Links in ihrem Beitrag, das merke ich mir für nächstes Mal). Ich entwickelte dann meine eigene krude kontinental-angelsächsische Strickmethode, bei der die Hauptfarbe nach deutscher Art um den Finger gewickelt und die Musterfarbe englisch hineingeworfen wird.


Vorder- und Rückenteile strickte ich mit einer zwischen Größe M und L liegenden Maschenzahl, nach Vorbild einer passenden Kaufstrickjacke. Die Ärmel sind recht seltsam, so, wie sie die Anleitung vorsieht: sehr lang und schmal, genauer gesagt 8 Zentimeter länger als die Ärmel der Vorbildjacke, in Größe M aber so eng, dass sie nicht einmal mir gepasst hätten. Ärmel für Menschen mit der Größe eines Basketballprofis, aber ohne die Muskeln. Nach einem Ärmeldrittel musste ich also noch einmal von vorne anfangen, mit der Maschenzahl von Größe XL und neu berechneten Zunahmen.

Das warf mich arg zurück, so dass ich mit dem Stricken (und dem Vernähen der tausend Fäden erst!) exakt bis Heiligabend beschäftigt war, aber es hat sich gelohnt: ich habe einen glücklichen Menschen zuhause, der quasi mit der Jacke verwachsen ist. Und ich habe die Erkenntnis gewonnen, dass Männerstrickjacken mit Nadelstärke 5 gar nicht so schlimm sind und denke schon über eine Wiederholung nach. Dann fange ich aber spätestens im Oktober an!


Strickmuster: Drops 135/21  
Garn: Drops Alaska olive-meliert und beige und Drops Nepal in rot  
Nadeln: Stärke 4,5 für Bündchen und Schalkragen, Stärke 5 für alles andere

Änderungen: Ärmel knapp zwei Nummern breiter und dafür 8cm kürzer gestrickt.
Knopflöcher über drei Maschen statt gehäkelte Schlaufen.
Die Garnmenge ist sehr großzügig berechnet: Von den Musterfarben hätten je 100g dicke gereicht, auch von der Hauptfarbe blieb mehr als ein Knäuel übrig.