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Mittwoch, 6. Oktober 2021

Auf der Suche nach der (für mich) perfekten Bluse (Spoiler: Fashionstyle 10/2018, Schnitt 23 ist es nicht)


Seid ihr schon im Herbstnähmodus? Mir fehlt es noch etwas an Ideen, was ich im Herbst und Winter tragen möchte (nur dass es etwas mit Breitcord zu tun haben wird, das ist relativ klar. Brauche ich eventuell einen grünen Cordmantel?). Ich hoffe, dass ich beim MeMadeMittwoch heute, dem Treffpunkt für Menschen, die ihre Kleidung selbst nähen, etwas Inspiration finde.   

Bluse aus FashionStyle 10/2018, Nr. 23
Inzwischen kann ich euch noch ein mäßig erfolgreiches Projekt der letzten Monate zeigen. Ich bin ja seit Jahren, ach was, seit Jahrzehnten, auf der Suche nach einem guten, DEM guten Blusenschnitt. Dasss ich klassische Hemdblusen zwar gerne nähe (ich verarbeite gerne Hemdenstoffe, ich liebe Kragen und Manschetten und all' das), aber letztlich nicht trage, habe ich inzwischen herausgefunden. Irgendwie sieht so ein Hemdschnitt an mir nie so lässig aus, wie ich es mir vorstelle, der Kragen kommt immer mit der Jacke ins Gehege, irgendwas stimmt da nicht. 


Dann hatte ich den Blusenschnitt "Pam" aus La Maison Victor für mich entdeckt (und einige Exemplare genäht, zum Beispiel mit Ananas), ein einfaches, verschlussloses Oberteil mit langen Ärmeln und rundem Ausschnitt, der mit einer Art Mini-Schluppe, einem kleinen, verstürzten Band geschlossen wird. Das war zwar ganz schön, aber ein bisschen einfach, denn ich suchte ja eigentlich nach einem Schnitt, der klassische Blusenelemente enthält - Knopfleiste, Kragen, Manschetten - ohne eine Hemdbluse zu sein. (Wenn ich meine Problembeschreibung hier schwarz auf weiß lese, bekomme ich selbst den Eindruck, dass ich im Grunde das Unmögliche suche.)   

Jedenfalls dachte ich, im Schnitt 23 aus Fashionstyle 10/2018 möglicherweise die ideale Bluse gefunden zu haben, oder zumindest einen Schnitt, der einen Versuch wert war: Sie hat eine Schluppe wie Pam, die aber am hinteren Ausschnitt einen Art Kragen bildet. Sie hat Ärmel mit Schlitzen und Manschetten und eine Knopfleiste, die in einem V-Ausschnitt endet und sie hat Prinzessnähte und zusätzlich einen kleinen Brustabnäher. Das klang vielversprechend.


In Wirklichkeit habe ich schon beim Nähen etwas geflucht, weil ich mir einen Rest sehr weichen, wenig formstabilen Viskosecrêpe ausgesucht hatte, dunkelblau mit Strandszenen, und das Nähen dadurch kniffelig war. Übrigens ein Stoff vom Tauschtisch von der Annäherung in Bielefeld 2020, erkennt ihn jemand wieder? Die Kragenschluppe habe ich komplett mit Einlage verstärkt, die Knopfleiste und die Manschetten sowieso, trotzdem ist die allgemeine Labberigkeit des Stoffes auch bei der fertigen Bluse einfach etwas ungünstig. 

 

Die Taillierung durch die Prinzessnähte kommt bei so wenig Stand im Stoff kaum heraus, außerdem sitzen der Armausschnitt und der Schulterbereich nicht besonders gut - ich habe nicht herausgefunden, woran das genau liegt, denn eigentlich passt sich der Stoff an alles an. Aber vielleicht ist das genau das ein Teil des Problem. 

Schnitt 23 aus FashionStyle 10/2018 ist also vermutlich nicht der gesuchte perfekte Blusenschnitt, auch wenn ich mich beim Betrachten der Schnittzeichnung schon gefreut hatte. Aber vielleicht finde ich den perfekten Blusenschnitt ja heute beim MeMadeMittwoch!  

Die Details kurzgefasst:

Schnitt: 23 aus FashionStyle 10/2018 ohne Änderungen

Stoff: sehr weicher Viskosecrêpe 

Einlage: leichte Bügelvlieseinlage in Schluppe, Knopfleiste und Manschetten

Mittwoch, 2. Juni 2021

Pyjama für draußen: Keana-Bluse von named clothing

Wie steht ihr zu Pyjamas als Straßenbekleidung? In Shanghai und manchen anderen Städten in China scheint es üblich zu sein, im Pyjama zum Einkaufen zu gehen oder zumindest kleine Besorgungen in der Nähe des Zuhauses zu machen. Ich kann mich erinnern, dass ich zuerst kurz vor oder während der Sommerolympiade in Peking von dieser Gewohnheit las, weil die chinesische Regierung das Tragen von Pyjamas in der Öffentlichkeit verbieten wollte, um im Ausland einen guten Eindruck zu machen. Kurz vor der Weltausstellung in Shanghai 2010 gab es wieder solche Bestrebungen und aktuell wird anscheinend immer noch gegen das Pyjamatragen in der Öffentlichkeit vorgegangen, das als "unzivilisiert" gilt - mit Hilfe von automatischer Gesichterkennungssoftware und Anprangern bei WeChat. 

Herrje. Was ich mir als launigen Einstieg für meine pyjamaähnliche Bluse gedacht hatte, hat mich unerwartet in ein ernstes Thema manöviert. Wie bekomme ich jetzt den Dreh zu Schnittmustern und Stoffen? Mir würde es nämlich gut gefallen, wenn Pyjamas aus Baumwollwebware auch bei uns im Sommer auf der Straße getragen würden. Im Vergleich mit einer Kombination aus Shorts und Tanktop oder neben formlosen Sportklamotten wirkte ein klassischer Pyjama geradezu seriös. Immerhin sind die Hosen und die Ärmel lang, das Oberteil hat Taschen und einen Kragen und ähnelt einer Jacke - der Unterschied zu einem Sommeranzug ist allenfalls graduell. 

Gerade das pyjamaähnliche Design gefiel mir schon längere Zeit am Blusenschnitt Keana von named clothing - auch ein Schnitt, den named vor einiger Zeit (letztes Jahr?) aus dem Programm genommen hatte und den ich mir vorher noch schnell sicherte (wer mir etwas verkaufen will muss nur ankündigen, dass es das bald nicht mehr gibt). 

Kragen, Vorderkanten und Ärmelblenden kann man mit feinen Paspeln absetzen, named schlägt dafür vor, ein gefalztes Baumwollschrägband längs zu halbieren und die Stoffstreifen als Paspel zu nutzen. Ich schnitt mir die Schrägstreifen selbst aus einem Stoffrest (vermutlich Polyester) zu und erwischte damit einen Stoff, der sich auch im schrägen Fadenlauf so gut wie nicht dehnt und der sich daher auch nicht so richtig glatt um die Kragenecken legen will. Die Paspelbreite überall einzuhalten fand ich auch sehr schwierig - das ist definitiv einfacher, wenn die Paspel eine Füllung hat und sich der Nähfuß daran orientieren kann. Also, was präzises Nähen betrifft, ist hier noch Luft nach oben, aber im Gesamtbild nimmt man die Unregelmäßigkeiten nicht so sehr wahr. Oder sie werden von dem entzückenden Stoffmuster - Batist mit Artischocken, Bohnen und anderem Obst und Gemüse - gut überspielt. 

Der Blusenschnitt fällt sehr kurz aus - der Saum endet normalerweise etwa in der Taille, ich habe die Bluse um etwa 4 cm verlängert, denn ganz so kurz wollte ich sie doch nicht haben. Die Proportionen sind aber gut durchdacht: Keana passt so gut zu hoch geschnittenen Hosen und Röcken. Die Passform an den Schultern ist relativ reichlich, die Armausschnitte sind ziemlich groß, das soll ein eher kastiges, weites Oberteil sein, daher würde ich den Schnitt wirklich nicht mehr verlängern als unbedingt nötig. Keana ist eben eine Kreuzung aus Pyjamaoberteil und Hawaihemd, aber mit vielen schönen Details. 

Mir gefällt vor allem der breite, doppelt umgeschlagene Saum, der an den Seitennähten Schlitze hat - das ist gut durchdacht beim Nähen und passt sehr gut zu einer Bluse, die über dem Hosen- oder Rockbund getragen wird. Eine einfarbige Version - zum Beispiel ganz pyjamamäßig in dunkelblau mit weißen Paspeln - könnte ich mir auch gut vorstellen. Für leichte Stoffe wie Batist oder auch Viskosestoffe ist der Schnitt sehr gut geeignet, und man braucht außerordentlich wenig Stoff (ca. 1,30 m). 

Die Hose ist Schnitt 104c aus Burdastyle 2/2017, die ich 2019 genäht hatte (und auch noch einmal in grün besitze), passt am besten zum derzeitigen Übergangswetter, da es für Strumpfhosen zu warm, für Röcke mit nackten Beinen aber außer mittags noch zu kalt ist.  

Beim MeMadeMittwoch, dem monatlichen Treffen für Menschen, die ihre Kleidung selbst machen, lässt sich bestimmt gut abesen, wie es um die Temperaturen anderswo bestellt ist. Vielen Dank für die unermüdliche Organisation, liebes MMM-Team!  

Details in Kürze  

Bluse: Schnitt: Keana von named clothing (wird nicht mehr angeboten) 

Änderungen: etwa 4 cm über der Taille verlängert (Größe 40 genäht) 

Stoff: 1,30 m Batist, Rest Unistoff für die Paspeln (Schrägband)  

Hose: Schnitt 104 c aus Burdastyle 2/2017, der Blogpost dazu ist hier.

Mittwoch, 4. September 2019

Beinahe Marimekko - die Stella-Jean-Bluse aus Fashionstyle 4-2016


Nähen vom Stapel, also einen Stoffstapel mit zugeordneten Schnittmustern anlegen und diesen nach und nach wegnähen, hat sich für mich als gute Methode erwiesen, am Ball zu bleiben, und so kann ich heute beim MeMadeMittwoch zwei Teile des aktuellen Stapels zeigen.

Die Hose (104 c aus Burdastyle 2/2017) hatte ich im Juni schon mal aus grünem Baumwolltwill genäht. Der Schnitt war also eine sichere Bank, aber wie es bei Hosen meistens der Fall ist, entsteht bei einem anderen Stoff der Eindruck, eine andere Hose zu tragen. Die schwarze Hose aus Leinen-Viskose-Gemisch fällt irgendwie anders, und, ich kann das nicht genau festmachen, sie fühlt sich beim Tragen auch anders an als die grüne, als wäre sie weniger weit.



Das Oberteil ist die Stella-Jean-Bluse aus Fashionstyle 4/2016, bei der mir die Musterplatzierung an der Knopfleiste nicht so gelungen war, wie ich vorgehabt hatte - ich klagte schon einmal darüber. Es gab ja jede Menge hilfreiche Ideen, wie man die halbierte Blütenreihe mit einem aufgenähten Band kaschieren könnte, aber letztlich habe ich mich dazu entschieden, die Bluse einfach so zu lassen. Es wäre schade gewesen, den feinen Batist mit etwas Aufgenähtem zu beschweren, und jetzt, mit etwas Abstand, finde ich das Problem auch gar nicht mehr so auffällig. Der Moment, in dem einem ein Fehler bewusst wird, ist eben immer der schlimmste.


Der Blusenschnitt mit glockigen Ärmeln ist an ein Modell der italienischen Designerin Stella Jean angelehnt und wurde im Schnittmusterheft aus einem Waxprintstoff gezeigt (die Stoffe lässt Stella Jean exklusiv in afrikanischen Ländern anfertigen, sie verwendet keine Waxprints aus Holland). Mein Batist hat etwas weniger Stand, aber noch ausreichend für eine Bluse mit Knopfleiste und Hemdkragen. Ein sehr guter Marktfund war das, feinfädig, glatt, blickdicht und knittert kaum, erinnert vor der Stoffqualiät her fast an einen Lawn von Liberty.


Der an sich einfache Schnitt ist sorgfältig erstellt und hat ein paar schöne Details wie einen leicht geschwungenen Saum mit kleinen Seitenschlitzen. Die Länge ist sehr gut zum Darübertragen geeignet, wenn man nicht gerade ein Unterteil mit so erhöhter Taille wie die Burdahose dazu trägt.


Knöpfe in genau dem passen Türkis hatte ich wunderbarerweise im Vorrat. Ich habe sie mit dunkelblauen Garn angenäht, sichtbare Nähte und Knopflöcher sind mit blaugrauem Garn genäht. Bei so einem kontrastreichen Stoffmuster ist es schwierig, passendes Garn zu finden - mich überzeugte weder ein dunkles Blau noch Weiß noch Türkis, am Harmonischsten und Unauffälligsten fand ich tatsächlich eine Farbe, die im Muster gar nicht vorkommt.


Die Knopfplatzierung richtete ich ein bisschen am Muster aus: Ein Knopf alle zwei Blütenreihen, auf der Höhe der Blütenmitte.


Die Ärmel sollten eigentlich mit einem schmaleren Saum (1 cm) abschließen, ich fand einen breiten Saum aber deutlich schöner. Bei einem aufgedrehten, glockigen Ärmel wie hier entsteht dann bei der Saumzugabe einiges an Mehrweite, die habe ich in ein paar kleinen Fältchen untergebracht.

Ob sich die Bluse im Kleiderschrank etabliert, wird sich erst noch zeigen müssen - ich fand es sehr ungewohnt, in einer Bluse mit Hemdkragen unterwegs zu sein, sowas habe ich schon lange nicht mehr besessen. Vielleicht ist es auch das für mich eher untypische Muster, was mich etwas fremdeln lässt, obwohl ich die Bluse auf dem Foto gut finde.

Wir werden sehen, manche Teile müssen ja auch erst noch im Kleiderschrank etwas nachreifen, und da es bestimmt nicht mehr lange so warm bleibt, hat die Bluse dazu bestimmt noch ausreichend Gelegenheit.

Schnitt- und Stoffinformationen kurzgefasst


Hose
Schnitt: 104 C Burdastyle 2/2017
Stoff: 1,60 m Leinen-Viskose-Mischung, ergänzt durch Reste für Innenbeleg, vordere Taschenbeutel und Gürtel
Änderungen: etwa 4 cm kürzer als Schnittmuster

Bluse
Schnitt: 23 aus FashionStyle 04/2016
Stoff: Gut 1 Meter Baumwollbatist
Änderungen: Ärmelsaum 3 cm breit statt nur schmal eingeschlagen

Weitere selbstgenähte Kleidung gibt es jetzt (und jeden ersten Mittwoch im Monat) beim MeMadeMittwoch.

Mittwoch, 3. Juli 2019

Hose, Rock, oder Rose, Hock - im Urlaub zuhause in 104C Burdastyle 2/2017 und "Pam" LMV

Ist ein Hosenrock laut Definition ein Rock, der wie eine Hose konstruiert ist oder eine Hose, die wie ein Rock aussieht, und gibt es zwischen beidem einen Unterschied? Und ist eine Culotte heutzutage identisch mit einem Hosenrock, oder handelt es sich um einen bestimmten Hosentypus?



Diese Fragen stelle ich mir, seitdem ich Modell 104C aus Burdastyle 2/2017 genäht habe - laut Beschreibung eine "Culotte", und in Wirklichkeit nicht halb so rock- oder hosenrockartig, wie ich sie mir vorgestellt hatte, eher eine weite Hose in Dreiviertellänge. Hätte ich das Modellfoto im Heft  richtig angeschaut, wäre mir das nicht entgangen - und auf der russischen Burda-Seite gibt es viele Bilder von Leserinnen, auf denen der Hosencharakter des Schnitts deutlich zu erkennen ist.


Ursprünglich - der olivgrüne Baumwolltwill lag im Januar auf meinem Nähstapel - hatte ich daraus den Hosenrock Milly aus La Maison Victor nähen wollen, dann fiel mir aber auf, dass Milly keine Taschen hat und ich suchte nach einem ähnlichen Schnitt mit Taschen. Burdastyle 104C ähnelt nun zwar nicht dem LMV-Hosenrock, aber was soll's - er hat hat auf Anhieb gut gepasst und passt auch zu vielen meiner Oberteile, so dass ich schon eine zweite, schwarze zugeschnitten habe.

Mit Taschen!


Auf der Straße begegnet mir sowas wie meine Hose ständig, diese Hosenform ist in Berlin derzeit die bevorzugte Bekleidung von Frauen zwischen 25 und 65, wahrscheinlich gerade weil sie zu so vielem passt. Zum Beispiel passt sie zu so gut wie allen Schuhen von Flipflop bis Stiefelette, und die Berlinerin mag es praktisch. Kaum zu glauben, dass Hosenröcke/Culottes/weite und nicht ganz bodenlange Hosen vor ein paar Jahren noch ganz neu waren und wir ernsthaft darüber nachdachten, ob man das wirklich tragen könne ("Clown oder Couture, Amish oder Avantgarde?" fragte ich mich im April 2015). Ob jetzt gerade (Stichwort: Zadie-Jumpsuit-Manie) dasselbe mit den Jumpsuits passiert? Wie werden wir in ein paar Jahren darüber denken?

Die sichtbare abgekettelte Kante links beim Knopf irritiert mich, aber sonst ist das Innenleben ganz schön geworden
 
Aber das führt jetzt vom Thema weg. In punkto Hosenschnitt lässt sich noch sagen, dass das Modell in der Taille sehr hoch geschnitten ist - etwas ungewohnt, aber nicht unangenehm. Der Schnitt hat keinen Bund, nur einen Beleg innen und ein geknöpfter Untertritt nimmt oben den Zug vom Reißverschluss weg. Die Beleg-Untertritt-Konstruktion konnte ich nach der Anleitung problemlos nachnähen, allerdings frage ich mich, ob man die sichtbare abgekettelte Kante des Schlitzbelegs beim Nähen nicht auch noch einschlagen könnte. (Bei der zweiten Version des Schnitts, die so gut wie fertig ist, habe ich das aber auch nicht hingekriegt, an der Stelle hatte ich schon vorbeigenäht, ehe ich es merkte).



Das Oberteil ist ebenfalls aus einem "Stapelstoff" vom Januar, kreppige Viskose aus Italien mit einem Streifenmuster in tollen Farben: Schwarz, Weiß, Beige, Rot, Orange, Rosa und Royalblau. Passt zu allem, leider sind es nur 1,20 Meter, so dass ich nach viel Schnittsucherei dann doch wieder bei Pam aus La Maison Victor gelandet bin.

Über den Streifenverlauf dachte ich lange nach, ich wollte auf jeden Fall, dass die Streifen bei Vorder- und Rückenteil und Ärmeln in dieselbe Richtung verlaufen, das passte aber nur quer zum Fadenlauf auf den Stoff. Ich probierte ziemlich lange hin- und her und schnitt dann - nicht besonders überzeugt - Querstreifen zu.  Mittlerweile finde ich die waagerechten Streifen gerade gut  und merke mir für die Zukunft: Öfter mal Querstreifen in Erwägung ziehen.  



Der MeMadeMittwoch, die monatliche Verlinkungsaktion für selbstgenähte Kleidung, hat heute das Sommerspecial Urlaubsgarderobe - egal, wo Urlaub stattfindet - leider ist mein Sommerurlaub für dieses Jahr schon vorbei, aber Berlin ist ja bekanntlich die Stadt, wo andere Leute Urlaub machen, und hier lässt es sich im Sommer ganz gut aushalten (abzüglich der Tage mit 35 Grad natürlich, aber die sind auch an den meisten Urlaubsorten anstrengend). Urlaubsgarderoben en masse zur Inspiration also jetzt beim MeMadeMittwoch.


Die Details kurz gefasst:

Hose ("Culotte")
Schnitt: 104C aus Burdastyle 2/2017
Stoff: 1,80 m olivgrüner Baumwolltwill ohne Elasthan
Änderungen: Etwa 3 cm kürzer als das Schnittmuster

Bluse
Schnitt "Pam" aus La Maison Victor Januar/Februar 2016
Stoff: 1,20 leicht gecrashte Viskose, quer zum Fadenlauf zugeschnitten (und gebügelt), Ausschnittbeleg aus schwarzem Baumwollvoile
Änderungen: Rückennaht mit leichter Hohlkreuzanpassung

Dienstag, 15. Mai 2018

Peak Trompetenärmel (#111 Burdastyle 10/2017)

Drama, Baby!

Wann beginnt ein modischer Trend, kein Trend mehr zu sein? Definiert man "Trend" als eine Entwicklung in eine bestimmte Richtung, dann kann ein Trend wohl als abgeschlossen gelten, wenn das betreffende Trend-Phänomen allgegenwärtig geworden ist und es nicht möglich erscheint, dass es zukünftig noch häufiger auftreten könnte, als es aktuell der Fall ist.

Ein Ärmel ohne Trompete ist kein Ärmel
Der Trompetenärmel-Trend befindet sich nach dieser Definition bereits kurz vor dem Zenit oder vielleicht sogar schon darüber - das dachte ich, als ich vor einigen Wochen einen Kaufhaus-Werbeprospekt aus der Tagezeitung durchblätterte, in dem auf jeder Seite mit Damenmode mindestens ein Kleidungsstück mit Trompetenärmeln zu sehen war: Blusen und T-Shirts mit Trompetenärmeln, Blazer und Strickjacken mit Trompetenärmeln, Übergangsmäntel mit Trompetenärmeln - im Herbst werden vielleicht noch Wintermäntel mit Trompetenärmeln folgen, eventuell Pyjamas und Bademäntel mit Trompetenärmeln, und dann ist das Konzept Trompetenärmel wohl durchgespielt.

Ich malte mir aus, wie der dem Kaufkleidungsangebot ausgelieferte Teil der Menschheit notgedrungen Trompetenärmel mit Trompetenärmel kombinieren müsste, wenn es Jacken nur noch mit Trompetenärmeln gäbe, ebenso wie Blusen und T-Shirts. Man müsste auf schön abgestufte Ärmellängen achten, so dass der rüschige Abschluss des unteren Kleidungsstücks dekorativ aus dem Ärmel des oberen Kleidungsstücks herausquellen könnte - so, wie schon einmal im 18. Jahrhundert, als die Engageantes, üppige Volants oder Rüschen aus Spitze oder besticktem Batist, die ellbogenlangen Ärmel der Kleider schmückten (hier ein französischsprachiger Artikel dazu mit vielen Bildbeispielen).

Im 18. Jahrhundert gab es schon einmal einen Trompetenärmel-Trend

Die Engageantes hatten sich ursprünglich aus dem Unterkleid, der Chemise entwickelt, die am Handgelenk unter dem Ärmel des Oberkleids sichtbar war. Die üppige Form des 18. Jahrhunderts bot eine willkommene Gelegenheit, den Reichtum mit teurer Nadelspitze zu zeigen und die zarten Unterarme und Hände der Trägerin zu betonen, um zu verdeutlichen, dass sie keiner ernsthaften Arbeit mit den Händen nachgehen musste.

Das Top mit Volantärmeln


Den Aspekt "verhindert manuelle Tätigkeiten" kann ich bestätigen, da ich seit einiger Zeit mit Nummer 111 aus Burdastyle 10/2017 ein Oberteil mit einer modernen Adaption der Engageantes besitze: Der Ärmel ist zwar weder beim Tippen am Computer noch beim Abschneiden von Stoff hinderlich, aber schon einfache Haushaltstätigkeiten (Abwaschen, Putzen, ein Brot mit Butter bestreichen) werden ein wenig verkompliziert. Und tatsächlich wäre eine kurzärmelige Jacke (mit Trompete oder ohne, egal!) ganz praktisch, damit der Ärmelvolant unter dem Jackenärmel keinen Knödel am Unterarm bilden müsste.

 
Aber von diesen kleinen Alltagsschwierigkeiten abgesehen mag ich mein neues Trompetenärmeltop - der Volant verleiht auch kleinen Gesten eine gewisse Dramatik und verbessert damit das Leben. Der zugrundeliegende Schnitt ist die Nummer 111 aus Burdastyle 10/2017, gekreuzt mit "Pam" aus La Maison Victor.


Ich hielt mich für schlau, die Details des Burda-Schnitts (Ausschnitt, Ärmellänge, Volants) auf die Grundlage von "Pam" zu übertragen, da ich "Pam" schon mal angepasst hatte und der Burdaschnitt für Kurzgrößen gedacht war. Das ist mir nur mäßig gelungen - der V-Ausschnitt ist mir einen Tick zu tief und sitzt äußerst bescheiden, wie man den Bildern vielleicht entnehmen kann. Beim Burdaschnitt besteht das Top aus zwei Stofflagen, die am Ausschnitt miteinander verstürzt werden, so dass man auf einfache Art einen schönen Ausschnitt erhält. Ich habe das Oberteil einlagig genäht und den Ausschnitt mit Schrägband aus demselben Stoff verstürzt und schmal abgesteppt - wahrscheinlich nicht die beste Methode bei dünner Viskose.


Die Ärmel sind aber wirklich ganz lustig - am Ärmelabschluss sind zwei Volants übereinander, die laut Anleitung nicht zum Ring geschlossen werden sollen. Daran habe ich mich gehalten und alle Kanten ganz schmal mit der Maschine gesäumt. Obwohl ich sonst wirklich nicht der Rüschen-Typ bin, finde ich das Top aus der dunkelgrundigen Viskose auch nicht zu niedlich oder zu verspielt.

Schnittmuster: 111 aus Burdastyle 10/2017
Stoff: Leichte gewebte Viskose, 1,50 m
Änderungen: Vorder- und Rückenteil sowie Armkugel des Schnitts mit "Pam" aus La Maison Vistor abgeglichen. Top nur einlagig genäht und den Ausschnitt mit Schrägstreifen verstürzt.

Donnerstag, 9. Juni 2016

Das pradaeske Top im Detail


Am Mittwoch hatte ich das Oberteil à la Prada, das aus dem Prada-Sewalong hervorgegangen war, schon im MeMadeMittwoch-Blog gezeigt. Zu Dokumentationszwecken gehe ich hier nochmal näher auf die Konstruktion und alles Weitere ein.  


Miucchia Prada ist für ihre Vorliebe für seltsame gebrochene Farben bekannt. Einen feinen Baumwollbatist aus meinem Lager in schwierigem Gelbgrün wollte ich für ein Oberteil verwenden, und dabei eine der schrägen Farbkombinationen einsetzen, die ich bei Prada gefunden hatte. Als Schnitt verwendete ich 114 aus Burdastyle 4/2016, von dem es hier und hier schon genähte Versionen gab, die mich von dem Schnitt überzeugten.    


Nach etwas Herumprobieren fand sich dunkelrote Viskose als Kombinationsstoff, aus dem ich die Belege zuschnitt und nicht nach innen, sondern nach außen verstürzte. Die Außenkante des Belegs habe ich dann erst geheftet - siehe allererstes Foto - und dann mit der Hand so unsichtbar wie möglich angenäht.Das ging ganz gut, weil ich leichte Einlage genau in der Form des Belegs, ohne Nahtzugaben an der äußeren Kante, auf die linke Seite des Viskosestoffs gebügelt hatte. An der Kante der Einlage legte sich der Stoff dann quasi von selbst um. 


Den Druckknopf am Riegel im Rückenteil kann man sich schenken - ich habe ihn an beiden Seiten festgenäht, man kommt auch so in das Top hinein.


Um einen weicheren Fall des Stoffes zu erreichen, (am besten näht man den Schnitt wohl aus leichter Viskose) hatte ich Vorder- und Rückenteil im schrägen Fadenlauf zugeschnitten. Für den Fall hat das nicht viel bewirkt - Baumwolle in Leinwandbindung fällt per se nicht weich, in welchem Fadenlauf auch immer - für das Nähen des Rückenausschnitts war der Fadenlauf aber unerwartet günstig, die Kanten des V-Ausschnitts lagen dadurch nämlich annähernd im Fadenlauf und haben sich nicht verzogen. Die Stütznaht hatte ich wie fast immer vergessen.


Der Schlitz im Vorderteil hat nicht ganz die richtige Form - im Schnitt ist als Öffnung ein etwas breiteres U vorgesehen, das bemerkte ich aber erst, als der Schlitz schon verstürzt war. Jetzt bleibt es so.


Zuletzt kürzte ich das Top noch um 4 cm und steppte einen breiten Saum. Den Rock aus Leinenresten hatte ich hier schon vorgestellt. 

Schnitt: 114 aus Burdastyle 4/2016
Material: Baumwollbatist (im schrägen Fadenlauf zugeschnitten), Viskose
Änderungen: Größe 38 zugeschnitten, um 4 cm verkürzt, rückwärtigen Riegel ohne Druckknopf einfach festgenäht

Mittwoch, 1. Juni 2016

Olé Olé, kauft Ananas (MMM am 1. 6. 2016)

 

Auf einem Spaziergang von zuhause über Kreuzberg nach Mitte entstanden am Sonntag diese Fotos, in der Köpenicker Straße vor einem riesigen Paste-Up des Künstlerduos Various & Gould, das zu einer ganzen Serie gehört - wie bei einer Schnitzeljagd bekommt man bei jedem Bild einen Hinweis, wo sich das nächste befindet und kann in den Etappen eine Geschichte über Maik, Paul und Jörg verfolgen. Es war sehr warm, und ich trug eine weitere Bluse aus der Serie Pam/La Maison Victor, über den Schnitt und meine Änderungen hatte ich letzte Woche schon geschrieben.  



Mit der sehr dünnen und weichen Ananas-Viskose war das Nähen nochmal eine neue Herausforderung. Der Stoff fasst sich an wie Seide und ist sehr empfindlich. Ich schaffte es zwei Mal, beim Nähen in Ausschnittnähe einen Faden zu ziehen, der sich glücklicherweise mit etwas Geduld wieder zurückziehen ließ. Blöderweise weiß ich nicht genau, wie das passiert ist, nur, dass die Nähmaschine irgendwie daran beteiligt war - es muss da irgendwas im Bereich der Nadel geben, an dem man leicht hängenbleibt. Den Beleg für den Ausschnitt schnitt ich aus dünnem weißen Baumwollstoff zu. Der Ausschnitt kommt mir trotzdem weiter vor, als bei der Zugvögel-Version von letzter Woche.  



So hat derselbe Schnitt aus anderem Stoff doch wieder einen anderen Fall. Diese Bluse ist sehr leicht, etwas transparent, daher trage ich noch ein Jerseyhemd darunter - an dem der leichte Stoff wie auf dem allerersten Foto gerne mal hängenbleibt.


Die Culotte dazu ist Schnitt 126 aus Burda 3/2015 vom letzten Jahr, die ich sehr gerne anziehe, wenn das Wetter unbeständig ist - auch wenn ich beim Heruntergucken an mir manchmal immer noch "Clownshose" denke.


Beim Nähen hatte ich einen schrecklichen Ohrwurm, den ich youtube sei Dank leicht zuordnen konnte: Ananas aus Caracas, gesungen von Vico Torriani 1957 in dem Film "Siebenmal in der Woche". (Anklicken nicht zu empfehlen, falls ihr demnächst Ananasstoff verarbeiten wollt - das Lied ist hartnäckig).



Damit zurück zum Me made Mittwoch, der Vernetzungsaktion für selbstgemachte Kleidung!

Mittwoch, 25. Mai 2016

Mottotag "Tier" beim MMM und der perfekte Oberteilschnitt


Der MeMadeMittwoch, die Vernetzungsaktion für selbstgemachte Kleidung, steht heute unter dem Motto "Tierstoffe". Animalprints im engeren Sinne, also Fellmusterdrucke von G wie Giraffe bis Z wie Zebra oder gar Schlangenhaut, Federn oder Schuppen finden sich nicht in meinem Kleiderschrank. Aber ich wage die Prognose: Das wird nicht so bleiben. Der Einfluss der Tiermusterträgerinnen im MMM-Team (ich schaue vor allem nach Bielefeld) wird sich durchsetzen - und das ist ja überhaupt das Schöne am Austausch hier beim MMM: Die Ermutigung, auch mal etwas ganz anderes auszuprobieren und Farben, Muster und Schnittformen zu testen, auf die ich ansonsten nicht gekommen wäre.

Für den Mottotag heute konnte ich leider noch kein schönes, zu mir passendes Tierfellmuster beschaffen (aber ich weine einem dunkelroten Viskosestoff mit abstrahiertem Leomuster von Stoff&Stil nach, den es letzten Herbst noch gab und den ich blöderweise doch nicht kaufte). Aber Tiere auf Stoff fand ich, und das Zustandekommen dieser Bluse wäre ohne die Nähbloggerinnengemeinschaft auch nicht möglich gewesen. Den Stoff machte nämlich Yvonet ausfindig, nähte die Bluse "Pam" aus La Maison Victor daraus (Heft Januar/Februar 2016), es ergab sich eine Gelegenheit zum Anprobieren, ich war begeistert, Yvonne hatte nichts dagegen, dass ich ihre Bluse genau so nachnähe, Wiebke bestellte eine größere Menge des Stoffes - den sie heute auch trägt - und der bevorstehende Mottotag führte dazu, dass ich die Zugvögel auf Viskosekrepp nicht übermäßig lange streichelte, sondern nach geringer Ablagerungszeit anschnitt.


Der Schnitt "Pam" war in den letzten Wochen oft beim MeMadeMittwoch zu sehen, ich erinnere mich zum Beispiel an die schönen Versionen von Frau Vau hier und hier, von Birgit - Lila und gelb hier, von Steffi - Einmal Mond und zurück hier und von Andrea - Lya und ich hier aus gestreiftem Jersey. Nach einem guten Oberteilschnitt für leichte Webstoffe habe ich schon sehr lange gesucht, und "Pam" ist meiner Meinung nach ideal: Dank Brustabnäher nicht zu sackig, die Arme lassen sich gut bewegen und die nicht dominierende Schleife ist ein nettes Detail. Ich habe direkt gleich mal drei Stück genäht. 


Bei der leichten Viskose dehnen sich schräg geschnittene Partien schon aus, wenn man die Schnittteile nur hochhebt und zur Nähmaschine trägt. Die Nahtlinien von Ausschnitt und Schlitz habe ich daher als erstes mit einer Stütznaht gesichert. Was sich dann noch dehnte, ließ sich glücklicherweise beim Annähen des Belegs wieder zusammenschieben.

Den Beleg habe ich durch "understitching", Feststeppen auf der Nahtzugabe befestigt, und außerdem in den Schulternähten und der aus Anpassungsründen eingefügten Rückennaht durchgesteppt. Die Nähte sind sämtlich rechts-links-Nähte (sogenannte "französische Nähte").    


Der Schlitz im Vorderteil ist eine Stelle, an der es mit der Zeit leicht zum Ausfransen kommen kann, er ist deshalb zweifach gesichert: einmal durch die Stütznaht auf der Nahtzugabe knapp neben der Nahtlinie, zweitens ist der untere Teil des Schlitzes ganz knapp an der Kante abgesteppt, was bei dem körnigen Stoff kaum auffällt (auf dem Foto leider auch nicht).

Nachdem der in meinen Augen perfekte Schnitt für langärmelige Webstoffoberteile gefunden ist, suche ich nun als nächstes einen ebenso guten Schnitt für kurzärmelige Webstoffoberteile, also eine Art T-Shirt-Ersatz. Luzies vergleichendes Nähen von drei Webstoff-Oberteilschnitten vor kurzem war schon mal sehr aufschlussreich, Miss Margerite hatte letzten Sommer hier ein paar Schnitte zusammengestellt. Oder ich verwende einfach "Pam" als Grundlage und experimentiere mit überschnittenen Schultern, mal sehen. Einstweilen geb ich zurück zum MemadeMittwoch mit vielen schönen Beispielen für Kleidung mit und ohne Tier.

Details Bluse
Schnitt: "Pam" aus La Maison Victor, Januar/Februar 2016, Größe 38
Änderungen: Rücken mit Naht zugeschnitten und etwas ausgeformt, Brustabnäher ca. 1,5 cm nach unten versetzt
Material: ca. 1,30 m Viskosecrêpe

Details Rock (Prada-Sewalong)
Schnitt: Sechs-Bahnen-Rock selbst aus einem Acht-Bahnen-Rock erstellt
Material: Reste schwarzes Leinen, offenkantig verarbeitet und sichtbar zusammengesteppt - weitere Bilder hier.