Freitag, 5. April 2013

Kein Bezirk ohne Wollgeschäft: Wolleria II in Tempelhof

Die weißen Flecke auf der Berliner Selbermach-Landkarte werden weniger: Selbst die DIY-Einöde Tempelhof hat nun ein Wollgeschäft, die Wolleria II in der Albrechtstraße/Ecke Tempelhofer Damm. Ich besuchte den Laden, als ich kürzlich Garn für die Stulpen der Büronachbarin suchte - aus meiner Richtung ist das Geschäft nämlich gut zu erreichen, vom nördlichen Ausgang der U6 Kaiserin-Augusta-Straße fällt man quasi hinein.

Die Wolleria II bietet vor allem eine große Auswahl an industriell hergestellter Strickwolle, Lana grossa, Lang, Regia, die üblichen Verdächtigen eben. Wirklich außergewöhnliche Materialien oder Wolle von kleinen Herstellern findet man dort eher nicht - dafür aber einen ganzen Raum voller Merinogarne, einen Raum mit Strumpfwolle, gleich im ersten Teil des Landes die aktuelle Saisonware, daneben Baumwolle, ein wenig Lacegarn, einige Effektgarne wie z. B. das Material für die beliebten Rüschenschals, und auch mit Strick- und Häkelnadeln (herkömmliche und KnitPro) ist die Wolleria II gut ausgestattet.  

Und warum "II"? Weil es weiter draußen im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, nämlich in Lichtenrade, bereits die Wolleria I gibt - am Berliner Stadtrand hat man eben schon immer gestrickt und gehäkelt, schon bevor es innerhalb des S-Bahn-Rings zum Trend ausgerufen wurde.

Wolleria II
Albrechtstraße 122
12099 Berlin

geöffnet: Mo-Fr 10-18.00 Uhr, Sa 10-14.00 Uhr

Haltestelle: Kaiserin-Augusta-Str. (U6)

Mittwoch, 3. April 2013

Woche 12+13

1. + 2.: Das Daruma ist ein japanischer Imbiss in der Uhlandstraße, nahe Hohenzollernplatz, über den Bescheidwisser sagen, er sei sehr authentisch japanisch. Ich kann das nicht beurteilen, aber der/die/das Shoyu-Ramen mit selbstgemachten Nudeln hat mir geschmeckt. Japanische Lebensmittel, ein paar Schreibwaren und Täschchen gibt es auch, und die Bento-Box des Daruma wurde sogar schon von Suschna gestickt.

3. + 4.: Osterausflug Richtung Süden - dort wird der Osterschmuck gleich von der Frauen-Union übernommen. Am Weinberg bei Ipsheim zeigten sich sogar schon erste Frühlingsanzeichen.

5. Selbermacher geklickt: ich mag Posts, die an ein Problem oder an ein Nähthema systematisch herangehen. Mema beschäftigt sich mit engen Röcken - hier dokumentiert sie Passform, Stoffe, Saumweite, verschiedene Bundverarbeitung und Futter, im zweiten Teil wird es um den Rockgrundschnitt gehen.

6. Stricken elektronisch: über twitter (ich glaube @FrauCrafteln retweetete es) wurde ich auf eine Veranstaltung Ende nächster Woche aufmerksam: Technical textiles ist eine Ausstellung internationaler Textilkünstlerinnen und -Künstler, die Textilien und Digitales zusammenbringen. Die Informationen auf der Webseite sind bislang noch äußerst spärlich, folgt man aber den Links zu den Blogs der Ausstellenden wird klar, dass es zum Beispiel darum geht, dreidimensionale Strickstoffe herzustellen, Strickmuster zu programmieren und Strickmaschinen zu hacken - das erinnert mich an Trikoton, die Strickmaschine, die gesprochene Worte in Strickmuster übersetzt und über die ich im März 2008 schrieb. Vom 11. bis 13. 4. findet die Ausstellung in den Räumen des Electronic + Textile Instituts (vielverspechender Untertitel: "der Kaschmir Hacker Space") im Wedding statt, am 13. laufen zusätzlich Workshops und Talks mit den teilnehmenden Künstlerinnen. Ich werde berichten!

Sonntag, 31. März 2013

Wintermantel für den Laptop


Ich weiß wirklich nicht, warum ich so ungerne Taschen nähe. Seit der Stoffspielerei zum Jahreswechsel, bei der ich die aufgestickten Zackenlitzen zeigte, lag der bestickte Stoff, das Polstervlies, der Futterstoff in einem Stapel auf dem Bügelbrett herum und wurde regelmäßig von A nach B geräumt. Den Laptop transportierte ich solange in einer abgewetzten Tasche, die rundherum 5cm zu groß war. (Wenn ihr übrigens heute auf der Suche nach Stoffspielereien hier seid: die sind auf den 28. 4. verschoben, dann sammelt Karen die Beiträge).  


Als ich mich dann endlich zum Nähen aufgerafft hatte, kam ich bis zur Verschlussblende und räumte dann die halbfertige Hülle mit losem Gummiband ein paar Wochen von A nach B. Gut, dass ich nicht in allen Bereichen an solcher Aufschieberitis leide. Man könnte ja meinen, eine gefütterte Tasche in Form eines Briefumschlags zu nähen, sei so schlimm wie die Steuererklärung. 

Einen positiven Nebeneffekt hatte meine Nähunlust aber doch. Bevor ich ans Werk ging, konnte ich erst noch Andreas Post über ihre neue Kameratasche lesen, in dem sie beschreibt, wie sie von innen nach außen genäht habe: erst eine passende Hülle aus Futter, dann aus Vlies, dann den Außenstoff zugeschnitten. Das war ein guter Tipp und für mich der entscheidende Aha-Effekt, denn wenn man vom Außenstoff ausgeht werden solche passgenauen, dick gefütterten Taschen gerne mal zu eng (an anderer Stelle schon ausprobiert). Ich steppte also erst das Futter aus orange Baumwollsatin mit zwei dünnen Lagen Volumenvlies zusammen, nähte daraus eine passende Hülle und schnitt erst dann nach den Maßen vom Laptop mit Futter- und Vlieshülle den Außenstoff zu, einen Rest vom schwarzen Mantelvelours. (Ja, der Laptop und ich gehen jetzt im Partnerlook). 

Der Verschluss der Hülle besteht aus einem breiten schwarzen Gummiband, wie man es zum Beispiel im Rockbund verwendet, das in einer abgesteppten Verschlussblende aus dem Mantelstoff (ohne Vlies) mitgefasst ist.



Die Gummischlaufe läuft also längs um die Tasche herum, das hält bombenfest und hat sich mittlerweile auch als sehr praktisch erwiesen - auch wenn ich beim ersten Mal an- und ausziehen kurz nachdenken musste, wie ich nochmal diesen Gummi an die richtige Stelle klappe. Die Idee hatte übrigens der Liebste - ich wollte schwarzes Klettband annähen, obwohl auch ich das schreckliche "SCHRAGGG!!!"-Geräusch nicht leiden kann, mit dem man Klettverschlüsse aufreißen muss. Der Einfall, das Gummi längs und nicht quer verlaufen zu lassen, kam dann beim Anhalten und Ausprobieren mit der halbfertigen Hülle zustande, also vielleicht ein weiterer positiver Nebeneffekt des langsamen Nähens.

Weiterhin schöne Osterfeiertage euch - ob nun mit oder ohne entschleunigtem Nähen. Ich werde mich nun mal mit den Ärmeln des Trenchcoats beschäftigen, damit er bereit ist, wenns endlich wärmer wird.

Dienstag, 26. März 2013

Schneiderleins Osterdeko


Wer sagt denn, dass man zu Ostern immer bunte Eier an den Baum hängen muss? Die Hobbyschneiderin wählt eine zünftige Alternative und hängt bunte Garnrollen in knospende Kirschzweige.


Die Bastelei ist lächerlich einfach und ganz schnell gemacht. Am Kompliziertesten ist, so ein buntes Nähgarnset ausfindig zu machen. In meiner Gegend gibt es das in 1-Euro-Läden. Die Röllchen sind keine 3cm lang und es ist kaum Garn darauf, zum ernsthaften Nähen also völlig ungeeignet. Etwas größere Garnröllchen aus Pappe gehen sicher auch. Außerdem braucht ihr kleine Knöpfe mit zwei Löchern und stärkeres Garn zum Aufhängen: Häkelgarn, Perlgarn oder Sternzwirn. Den Knoten im Aufhänger so drehen, dass er in der Mitte des Garnröllchens verschwindet.  


Nun denn, habt schöne Osterfeiertage! Die Stoffspielerei am Ostersonntag ist verschoben - der nächste Spielerei-Terim ist nun am 28. 4., und Karen sammelt dann die Beiträge.


Samstag, 23. März 2013

Welche Schnittmuster gibt es II: Zeitschriften in anderen Sprachen

Die glückliche Selbernäherin ist ja immer und überall auf der Suche nach Futter für ihr Hobby, auch im Urlaub, und das überall Verfügbare wird irgendwann fad, kurz: neue Herausforderungen müssen her. Das gilt auch für Schnittmuster, und was könnte herausfordernder und interessanter sein, als Schnittmuster in Sprachen, die man gar nicht spricht? Glücklicherweise ist die Sprache von Belegen und Zweinahtärmeln und Saumzugaben international. Im zweiten Teil der Schnittmusterübersicht geht es um Schnittmusterhefte aus dem Ausland (den ersten Teil über deutsche Schnittmusterhefte findet ihr hier).


Patrones


Patrones (zu deutsch: "Schnittmuster") ist die monatlich erscheinende Schnittmusterzeitschrift aus Spanien. Die Hefte enthalten Damenmode in den spanischen Größen 36 bis 48 und jeweils sechs bis acht Schnitte in den Größen 50 bis 58. Spanische Größen, das heißt die zugrundeliegende Maße sind etwas anders als bei uns: was bei Burda und Co Größe 38 ist, entspricht bei Patrones der Größe 40 mit Tendenz zu 42. Die Körpergröße wird nur bei dem großen Größen explizit angegeben: Größe 50 ist 1,62 m groß, mit Größe 58 darf frau immerhin 1,70 m messen.

Die Modelle in Patrones ähneln dem Stil, den es auch bei Mango und Zara gibt: modisch, aber nicht avantgardistisch, eher elegant als sportlich, eher Bluse und Rock als Jeans und T-Shirt, oft etwas verspielt, mit interessanten, nähtechnisch anspruchsvollen Schnittdetails. In den älteren Patrones-Ausgaben wurden Designermodelle von Armani bis Gucci kopiert und auch im Zusammenhang mit  den Markennamen abgebildet - ob das wohl so ganz legal war? 

Vor drei oder vier Jahren wechselte die Zeitschrift den Verlag, sie ist dünner geworden, der Schnittbogen unübersichtlicher, die Designernamen weniger, manchmal wurden Modelle aus alten Heften ein zweites Mal aufgelegt, kurz: Patrones leidet sichtlich unter der spanischen Finanzkrise. Seither zeigt die Webseite auch nur noch das Allernötigste, keine Schnittmusterübersichten mehr, keine Bestellmöglichkeit älterer Hefte, und auch Auslandsabos direkt vom Verlag scheint es nicht mehr zu geben. Dennoch ist das Heft immer noch eine interessante modische Alternative zu den Schnitten, die wir hier bei uns bekommen können. 

Die Anleitungen in Patrones sind – klar – spanisch, und außerdem ziemlich knapp. Man sollte also im Prinzip wissen, wie Kleidungsstücke aufgebaut sind und in welcher Verarbeitungsreihenfolge man sie näht, wenn man sich mit einem Patrones-Schnitt befassen möchte. Gerade bei den Modellen, die nicht-alltägliche Schnittführungen und Details haben, muss man sich ganz schön viel zusammenreimen, selbst wenn man Spanisch versteht. Der Schnittbogen ist relativ unproblematisch – nicht mehr so übersichtlich wie der auf dem Bild, der ist aus einer älteren Ausgabe – aber nicht auch nicht unübersichtlicher als Burda. Die Schnittteile sind ohne Nahtzugaben auf dem Bogen.

In Spanien kostet das Heft 3,95€ (4,10€ auf den Inseln), in Deutschland habe ich die Patrones schon oft in großen Bahnhofsbuchhandlungen durchgeblättert, aber doch nie gekauft, weil sie hier mit 10-12€ gehandelt wird. Ein paar Schnittmuster- und Stoffshops bieten einzelne Hefte an, Abonnements über einen deutschen Vertrieb sind ebenso teuer wie die Einzelhefte: 130-140€ für 12 Ausgaben. 

Ergänzung 30. 9. 2013: In der Schweiz kann man Patrones über die Buchhandlung Lehmanns im Abo beziehen, wie Leserin Lisette herausgefunden hat. Unter dem Reiter "Zeitschriften" nach "Patrones" suchen - im Formular für die Anfrage ist zwar "Deutschland" als Bezugsland eingetragen, sie liefern aber auch in die Schweiz. Danke für die Mühe, Lisette!  


La mia Boutique


Kommen wir zu einem weiteren, finanzkrisengeschüttelten südlichen Land und seiner Schnittmusterzeitschrift: La mia Boutique aus Italien, unter Hobbyschneiderinnen als „LMB“ abgekürzt, ist ebenfalls eine Monatszeitschrift mit eleganter, modischer Damenkleidung, oft mit nicht-alltäglichen schnitttechnischen Details. Im Blog von Liselotte  findet man eine ganze Menge umgesetzter LMB-Schnitte. Um den Jahreswechsel herum suchte ich in Italien vergebens nach einem Dezember- oder Januarheft. Wie das allwissende Hobbyschneiderinnenforum vermeldete, fiel diese Ausgabe aus nicht ganz erklärlichen Gründen aus, und man vermutete schon das Schlimmste. Dank guter Verbindungen nach Italien (vielen, vielen Dank nochmal!! Ist wie Weihnachten!) bekam ich aber vor ein paar Tagen das Februar- und das Märzheft, und wie es aussieht (und soweit ich ohne Italienischkenntnisse das Editorial entziffern kann), besteht derzeit kein Grund zur Sorge: Die Zeitschrift hat eine neue Chefredakteurin, einen neuen Modechef, ein neues Layout und neue Büroräume bekommen, und tatsächlich sind die neuen Hefte um einiges schicker als die Ausgabe, die ich im letzten Sommer gekauft hatte. Es gibt jetzt jeweils eine Modestrecke, in der eine Grundgarderobe mit 6 oder 7 kombinierbaren Teilen gezeigt wird, entworfen von einer italienischen Designerin oder einem italienischen Desiger, und auch bei den anderen Modellen steht ganz klein ein Markenname dabei. 

Wie bei Patrones auch, richten sich die Größen der Maßtabelle nach italienischen Gepflogenheiten: die italienische 38 entspricht in etwa einer deutschen Größe 36. Es sind pro Ausgabe etwa 40 Schnitte enthalten, davon etwa 6 für große Größen, also Größe 48-60, und 5-6 Schnitte für Kinder. Die Anleitungen sehen kurz und knapp aus, die Schnittmusterbögen dafür außerordentlich übersichtlich. Auch hier sind die Schnittteile ohne Nahtzugaben auf dem Bogen.

Die Zeitschrift kostet in Italien 4,90€, in hiesigen Bahnhofsbuchhandlungen oder im Versand bei diversen Schnittmustershops um die 12€. Ein Auslandsabo kann man direkt über die LMB-Webseite abschließen. Der Webseite entnehme ich auch, dass bisher zweimal im Jahr Sonderausgaben mit Schnitten für große Größen erschienen sind (Heft 5,50€).


Knipmode


Knipmode, die legendäre Nähzeitschrift unserer holländischen Nachbarn, ist zumindest in Berlin schwer zu finden. Ehrlich gesagt habe ich noch nie eine Ausgabe in freier Wildbahn angetroffen und kann hier nur davon berichten, weil die weit westlicher und damit knip-günstiger wohnende Frau Kirsche eine Ausgabe zum Berlinnähkränzchen mitbrachte, aus der die Bilder stammen.

Auch die Knip ist ein Monatsheft, und wie man es aus Burdastyle oder Ottobre kennt, werden einige  Schnitte im Heft mehrmals in verschiedenen Stoffen oder mit kleinen Variationen gezeigt. Diese Variationen sind aber oft clever gemacht, zum Beispiel gibt es ab und zu eine Art "Kleiderbaukasten", bei dem Kleidoberteile, Rockteile, Ärmel und Kragen nach Wunsch miteinander kombiniert werden können. Die Modelle kommen mir etwas bodenständiger vor - ohne Designernamen, zumindest in der Märzausgabe schön bunt und durchaus mal praktisch. Pro Heft gibt es, Varianten mitgezählt, knapp 40 Modelle, etwa 30 in den Größen 34-36, der Rest in den Größen 44-56. Die Knipmode-Trägerin darf außerdem etwas größer sein: die Maßtabelle geht von 1,72m aus.

Schnittbogen (alle Teile ohne Nahtzugabe) und Anleitungen unterscheiden sich wenig von den anderen besprochenen Heften. Die Zeitschriften kostet in den Niederlanden 8,20€, Einzelhefte sind bei uns im Versand erhältlich, außerdem kann man über einige Stoffläden im Netz ein Abo abschließen, dann kostet ein Einzelheft um 9€.

Zweimal im Jahr (Frühjahr/Herbst) erscheint ein deutschsprachiges Heft namens Knipmode special mit einer Auswahl einiger Modelle aus der holländischen Knipmode, das es anscheinend auch nicht bis in den östlichen Teil Deutschlands schafft und das immer wahnsinnig schnell ausverkauft zu sein scheint. Sewing Addicted zeigte gerade erst ein Kleid aus so einem Heft.

Und das ist bestimmt noch nicht alles: Für Frankreich fällt mir zum Beispiel die Marie Claire Idées ein,  die zweimonatlich erscheint und immer auch ein paar Strickanleitungen und einfache Schemaschnittmuster für Kleidung enthält. Die Schnitte aus La Mia Boutique sollen immer einige Zeit später in einer französischen Zeitschrift namens Idées Couture Boutique auftauchen, für die ich allerdings keine aktuelle Webseite finden kann.

Ergänzt 25. 03.: In Frankreich außerdem Ausschau halten nach Coudre c'est facile - Schnittmuster im japanischen Stil und nach Fait main pas à pas, anscheinend ein weiteres Heft aus dem Hause Burda, in dem es neben Deko und Handarbeiten auch Schnittmuster für Bekleidung gibt. Und ein Blog von Fans des Magazins gibts auch, dort werden genähte Modelle vorgestellt. (Tipps von Nowak, Danke!)

In Brasilien gibt es Manequim, in Russland meines Wissens auch einen La Mia Boutique-Klon, und bestimmt findet man etwas in jeden Land, in dem es Zeitschriften und Nähmaschinen gibt. Habt ihr noch andere interessante Nähzeitschriften entdeckt?

Mittwoch, 20. März 2013

Wetter- aber nicht jahreszeitengerecht

Positiv denken! Dieser immerwährende Winter ist zwar unschön, und ich plane ein weiteres Wochenende zuhause mit gebunkerten Nahrungsmitteln, an dem ich keinen Schritt vor die Tür setzen werde, aber immerhin ist es aufgrund der Witterung noch möglich, hier im Blog gestrickte Handstulpen zu zeigen. Passt vortrefflich. Anderenfalls, würde der Frühling da draußen seine Pflicht erfüllen, wären ja alle schon auf luftige Blümchenkleider eingestellt, die Bilder würden bis zum Herbst (und darüber hinaus) auf der Festplatte vermodern, und vermutlich niemals gepostet werden, weil bis dahin ja schon so viel Neues passiert wäre. Wir dürfen dem Winter also dankbar sein, denn dann hätte die Welt niemals von diesen Stulpen erfahren (Sagt doch selbst, ist das nicht ein total tröstender Gedanke? Na??).

Ein anderer positiver Nebeneffekt dabei ist auch, dass die Büronachbarin so noch jede Menge Gelegenheit hat, ihre Stulpen zu tragen. Ihr ist das mit dem Positiven im Moment nicht so klar, glaube ich, aber wenn sie später an diesen März zurückdenkt, wird es ihr bestimmt auch auffallen. Ein Paar gestrickte Stulpen nach Wunsch waren nämlich ihr Geburtstagsgeschenk im Januar - ich verschenkte nur einen Gutschein, und ließ sie selbst Garnfarbe und Strickmuster aussuchen.

Sie wollte dunkelgrün und die Leaving Cuffs (kostenloses Muster bei ravelry) von Maria Olsson. Dunkelgrün ist ja im Moment so gar keine Modefarbe, ich fand aber ein tolles Garn, Alta Moda Fine von Lana Grossa (Alpaca/Merino), unglaublich leicht und sehr voluminös - ein Knäuel hat 160m auf 25 Gramm, man könnte das Garn aber sogar mit Nadelstärke 5 verstricken. Die Farbe 005 läuft zwar als "petrol", für mich (und auch für die Beschenkte) handelt es sich aber eindeutig um dunkelgrün mit kleinen blauen Einsprengseln. Für solche Kleinigkeiten wie Stulpen ist das Garn sehr gut geeignet, bei einem Pullover hätte ich Bedenken, dass es nicht strapazierfähig genug ist. Und es macht den Eindruck, als würde es leicht verfilzen.

Die Strickanleitung der Leaving Cuffs ist wirklich gut, das Muster liegt als Schema und Reihe für Reihe ausgeschrieben vor. Die Mausezähnchenkanten gefallen mir besonders - alternativ könnte man einige Runden Perlmuster stricken. 

Diese Stulpen hattte ich über Weihnachten und Silvester aus Baby Alpaca Silk (Seegrün) von drops für mich gestrickt. Das Muster, die Anemone Wrist Warmers (Kostenlose Anleitung bei ravelry) war nicht einmal halb so vergnüglich zu stricken wie die Leaving Cuffs. Der Rundenanfang für das Muster wandert laut Anleitung in jeder zweiten Runde um eine Masche nach links, diese Stelle soll mit einem Maschenmarkierer gekennzeichnet werden.

Es war wahrscheinlich die feiertägliche Dösigkeit, weswegen ich mir bis zum Ende der zweiten Stulpe nicht überlegen konnte, wie man das Muster ohne Verschiebung und Maschenmarkierergetue stricken kann. Ich strickte die Stulpen nämlich auf einem Nadelspiel, da ist der Rundenanfang ja sowieso deutlich sichtbar, und welchen Sinn es hat, die Musterabfolge in jeder Musterreihe woanders beginnen zu lassen, ist mir bis zuletzt nicht klar geworden. Wahrscheinlich hätte ich einfach nach dem Schema stricken und die ausformulierte Reihe-für-Reihe-Anleitung ignorieren können - aber entscheidet das mal eben schnell zwischen Gänsebraten und Silvesterfeuerwerk, keine Chance, die Hirnareale, die für Strickarithmetik zuständig sind, lagen im Dämmerschlaf.

Und apropos Gänsebraten und immerwährender Winter und positiv denken: ich überlege, das Wochenende für ein typisches Winter-Weihnachtsessen zu nutzen. Irgendwas, das man bei Temperaturen über 5 Grad nicht mehr essen mag. Irgendwas mit Rotkohl und Klößen. Wenn schon, denn schon.