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Donnerstag, 1. Februar 2018

Stoffspielerei im Januar: Eine Kalenderhülle mit Biesen


Martina Machwerk hatte für die Stoffspielerei im Januar das Thema Biesen vorgeschlagen. Kein Thema, zu dem mir spontan etwas einfiel - Biesen, da denke ich an strenge weiße Blusen oder Frackhemden, bei denen solche feinen, abgenähten Falten ja oft als Schmuck im Vorderteil vorkommen.

Den Kick, Biesen wenigstens auszuprobieren, gab mir ein Prozess-Foto von ihr bei Instagram, in dem sie verschiedene Biesen mit Schnurfüllungen zeigte und dazu schrieb, sie seien mit der Zwillingsnadel genäht. Zwillingsnadel, das war mein Stichwort! Ich habe seit über zwei Jahren eine neue (jetzt nicht mehr ganz so neue) Nähmaschine, bei der ich die Zwillingsnadel immer noch nicht ausprobiert hatte. Meine alte Maschine tat sich mit der Zwillingsnadel schwer, ließ häufig Stiche aus, Jerseysäume mit der Zwillingsnadel konnte man vergessen, mit festem gewebtem Stoff ging es einigermaßen.

Ich spannte also die einzige Zwillingsnadel ein, die ich noch besaß, fädelte rechts rotes und links weißes Garn ein und nähte los. Das klappte tatsächlich tadellos, ja sogar so gut, dass der Stoff ganz glatt lag und sich zwischen den beiden Stichreihen nicht im mindesten hob. Die Zwillingsnadel funktioniert ja so, dass sich die zwei Fäden auf der Unterseite abwechselnd mit dem Unterfaden verbinden. Wenn die Fadenspannung schlecht abgestimmt ist - oder bei meiner alten Maschine auch einfach so - zieht sich die Doppelnaht dabei so zusammen, dass der Stoff zwischen den Stichreihen hochsteht und eine Biese bildet. Diesen Effekt will man normalerweise vermeiden, wenn man mit der Zwillingsnadel säumt - wenn es hingegen Biesen werden sollen, ist genau das das Ziel. Mit einem speziellen Biesenfuß kann man dann auf der Rückseite auch noch einen dickeren oder dünneren Faden mitlaufen lassen, der übernäht wird und die Biese ausfüllt und ihr richtig viel Struktur gibt. Martina hat damit richtig viel experimentiert.


Ich änderte ein bißchen an er Fadenspannung herum und erhöhte schließlich sowohl die Oberfadenspannung, als auch die Unterfadenspannung. Bei der Maschine kann man den Unterfaden durch eine zuätzliche Öse an der Spulenkapsel einfädeln und so die Unterfadenspannung erhöhen, das wird z. B. für Knopflöcher empfohlen. Die Biesen nähte ich dann diagonal in ein rechteckiges Stück Stoff, das sich, wie man oben sieht, durch die Biesen etwas verzieht. Bei einem Kleidungsstück sollte man Biesen auf jeden Fall parallel zum Fadenlauf anordnen.


Der Effekt von dicht an dicht genähten rot-weißen Biesen gefiel mir. Je nach Blickrichtung sieht der Stoff eher rot oder eher weiß aus, und er bekommt eine gewisse Stabilität und Dreideimensionalität, ähnlich wie Wellpappe.


Die Rückseite sieht auch ganz interessant aus.

So weit kam ich am letzten Wochenende, dann lag das interessante Stoffstück ein paar Tage herum. Ich wollte erst ein Reißverschlusstäschchen daraus nähen (naheliegendste Option, kann man immer brauchen, schnell genäht), aber glücklicherweise kam ich nicht dazu. Dann fiel mir ein, dass mein Kalender für 2018 noch eine Hülle brauchte. Ich kaufe immer denselben Kalender in einem Format zwischen A6 und A5 und habe mich an ihn gewöhnt - dieses Jahr gab es ihn nur in Pink mit einem Einhorn und einem blöden Spruch auf dem Umschlag, daher war ein Umschlag für den Umschlag dringend nötig.



Die Hülle - ganz einfach genäht mit zwei Klappen zum Einstecken des Kalenders - gefällt mir sehr, die tolle Haptik und die Dreidimesnionalität des Stoffes kann man mit einem Foto aber gar nicht richtig einfangen.


Auf die Rückseite des Biesenstoffs habe ich zwei Lagen Einlage gebügelt, um den eher dünnen Stoff zu stabilisieren. Da die Hülle  nur für diesen Kalender ist und nicht zum Verschenken und auch nicht ständig an- und ausgezogen wird, habe ich sie nicht gefüttert, sondern nur die Kanten zwischen den Klappen eingeschlagen und von rechts festgesteppt.


Sogar ein Gummiband zum Zusammenhalten des Kalenders konnte ich einbauen! Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis dieser kleinen Spielerei, vielen Dank Martina, für die Vorgabe, mit der ich erstmal nicht viel anzufangen wusste. Wie so oft zeigte sich mal wieder, dass man einfach machen und ausprobieren muss, nur dann passiert auch was!

Alle Stoffspielereien zum Thema Biesen finde sich hier im Machwerk-Blog.

Die nächsten Themen und Termine:

25.2.2018: Gesichter  (Nahtlust)
25.3.2018: Falten (Schnitt für Schnitt)
29.4.2018: Schlipse  (FeuerwerkbyKaze)
27.5.2018: Japan  (madewithBlümchen)
24.6.2018: Thema noch offen  (Nahtzugabe)
 
Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Montag, 6. Oktober 2014

Gestrickte Herausforderung (und eine kurze Anmerkung zur Brigitte-DIY-Debatte)


Von Zeit zu Zeit mag ich beim Stricken die technische Herausforderung. Auf die Entwürfe Kieran Foleys  wurde ich, wie könnte es anders sein, beim Blättern durch ravelry aufmerksam. Er entwirft Ajour- und Fair-Isle-Muster, oft in Kombination, die schon auf den ersten Blick sehr aus dem üblichen Stricktücher-Einerlei herausstechen. Es gibt Lochmuster mit extremen Verästelungen, es gibt Ajourschals, die wie ein Bild auf ganzer Fläche gestaltet sind, es gibt patchworkartig bunte Tücher mit einem Dutzend Farben (bei denen ich mich frage, ob man zum Schluss Dutzende Fäden vernähen muss). Nicht, dass ich alles unbedingt selbst tragen wollen würde, aber mich reizt die Technik, das Ungewohnte.


Der Schal auf den Fotos ist Kieran Foleys Schal Fleece, den es kostenlos bei knitty gibt. Das Muster enthält extreme Zu- und Abnahmen, aus drei Maschen werden in der folgenden Reihe fünfzehn oder umgekehrt. Dadurch entstehen nicht nur extreme Zacken, das Gestrickte bekommt teils eine noppige Struktur, die sich mit durchbrochenen Partien abwechselt. Diese Erweiterung des Maschenrepertoires ist nicht nur interessant (und manchmal anstrengend) zu stricken, das sieht auch interessant aus.


Ich verwendete Delight von Drops in den Farben 04, 08, 09 und 14 und verstrickte es mit Nadelstärke 5., ganz locker, denn anders lassen sich die Zu- und Abnahmen nicht bewältigen. Das Garn hat eine nette handgesponnen-Optik mit dickeren und dünneren Partien, die gut zum Muster passt.


Das Muster (genauer gesagt handelt es sich um zwei verschiedene Mustersätze, die frei kombiniert werden können) konnte ich nach kurzer Zeit auswendig, und es gefällt mir so gut, dass ich mir gerne noch einen einfarbigen Schal stricken würde. Das Stricken geht allerdings ganz schön auf die Handgelenke.


Übrigens: Der Designer Kieran Foley ist ein Mann. Und er strickt, entwirft Strickmuster, verkauft sie  im Internet und bloggt auch noch darüber, wahrscheinlich aus reiner Geltungsbedürftigkeit. Wäre er doch Pilot geworden, oder Verleger, anstatt Strickmuster zu publizieren! Aber vielleicht ist er zu oft durch Prüfungen gefallen und hatte nicht den Mumm, wieder aufzustehen, zu kämpfen und sich anzustrengen und zog sich lieber in seine alpakaweiche Privatheit zurück... Ihr findet solche Spekulationen seltsam? Ja, ich auch - aber nach diesem sehr polemischen Kommentar zu DIY-Blogs bei Brigitte wollte ich diese Argumentation zur Abwechslung mal auf einen handarbeitenden Mann anwenden.

Sachlich und argumentativ hat sich im Gegensatz zu mir Bestrickend umgarnt mit dem Artikel auseinander gesetzt, und ich stimme ihr in allem zu. Ich bin diese häufig wiederkehrenden Feminismus-vs-DIY-Debatten auch ein bißchen leid. Klar, ich kenne auch Bastelblogs, bei denen mir graut, ich schüttele innerlich den Kopf über akademisch gebildete Frauen, die nur noch schlimmen Mutti-Kitsch posten, finde den verzuckerten Familienkult furchtbar, das Freundinnen-Cliquenwesen in manchen Blogs infantil - aber ich würde jede Wette eingehen, dass Blogs zu typischen Männerhobbies wie, sagen wir, Autotuning, im Durchschnitt weder intellektuell anspruchvoller noch geschmackvoller angelegt sind.

Bei den öffentlichen Debatten - und auch bei dem verlinkten Brigitte-Artikel - wundert mich das geringe Reflexionsvermögen, das regelmäßig bei der Handarbeiten-und-Blog-Kritik aus feministischer Perspektive sichtbar wird. Wenn ein Mädchen Kampfsport lernt, ist das super, lernt sie Ballett ist ein Rückschritt? Bedeutet das nicht, männlich konnotierte Tätigkeiten von vorneherein höher einzuschätzen als alles, was in unserer Kultur als "weiblich" gilt und damit genau die Wertehierarchie zu bestätigen, die man eigentlich ablehnt?

Ich fände es durchaus legitim, mal darüber zu diskutieren, woran es liegt, dass gut ausgebildete Frauen es zum Teil attraktiver finden, sich eine Selbständigkeit auf der Basis von Basteleien aufzubauen (zugespitzt gesagt), als in ihrem Beruf zu arbeiten. Aber Schubladendenken und das Abwerten von Lebensentwürfen, die nicht in ein bestimmtes ideologisches Raster passen, bringt uns nicht weiter.

Freitag, 6. Juni 2014

Meine Pannesamt-Beichte


Jede Selbermacherin verbirgt ein schmutziges kleines DIY-Geheimnis, und heute verrate ich euch meines. Seitdem die Nähsteckbriefe veröffentlicht wurden und die Paarungen der Stoffwechsel-Aktion feststehen, wird ja viel über Pannesamt geredet, und zwar nichts Gutes. (Falls ihr Stoffwechsel nicht verfolgt habt: es ging darum, für eine zugeloste Partnerin Stoff auszusuchen, aus dem die Stoffwechsel-Partnerin für sich etwas näht, Genaueres hier bei der Organisatorin Siebenhundertsachen. In den Nähsteckbriefen beschrieb jede Teilnehmerin vorab ihren Stoffgeschmack.)

Pannesamt wurde in den Steckbriefen von vielen als Stoffabneigung benannt. Pannesamt, der verabscheuungswürdigste Stoff des Universums, Pannesamt, das Schlimmste, was man einer Nähmaschine antun kann, Pannesamt, der Paria unter den Stoffen.

Inzwischen wurden bei Twitter Fotos von Pannesamt-Ständen auf Märkten und in Kaufhäusern gezeigt – zum wohligen Gruseln. Vermutungen machten die Runde: Wer kauft das bloß? Und wozu? „Gibt es geheime Verwendungsmöglichkeiten von Pannesamt, von denen wir nichts ahnen?“, fragte Siebenhundertsachen sich und uns. „Sternsingerumhänge und Flohmarktstandtischdecken“; mutmaßte Luzie, Buntekleider hatte von Bauchtanzkostümen gehört, Muriel knipste sogar pannesamttragende LARPer in freier Wildbahn.

Aber erklären diese Hinweise die ungeheuren Pannesamt-Mengen in allen Farben, die jeder, wirklich jeder Stoffmarkt und jedes Kaufhaus anbietet? Vermutlich könnte man halb Deutschland unter einer pannesamtigen Flohmarkttischdecke verschwinden lassen. Es muss Pannesamt-Käuferinnen und -käufer geben, die aus Scham ihre Käufe verschweigen und das Material nicht in der Öffentlichkeit verwenden, was wilde Phantasien und Verschwörungstheorien aufblühen lässt. Gibt es ein Pannesamt-Paradox analog zum Bildzeitungsparadox: Alle kaufen es, aber keiner liest bzw. näht es?

Indizien dafür gibt es durchaus. Denn unter der Hand machten Pannesamt-Geständnisse die Runde. Ein Pannesamt-Sofaüberwurf im Zebramuster wurde gebeichtet, ein selbstgenähtes Pannesamt-Cocktailkleid, damals in den Neunzigern. Und auch ich habe zu beichten: einen selbstgenähten Pannesamt-Schal von etwa 1998, der sich nebst sorgfältig aufgerollten Resten (!) in einem Karton wiederfand.


Das Vorbild für diesen Schal war damals ein Modefoto in der Brigitte mit einem Pannesamt-Patchworkschal in dunkelbraun, grau, rostrot und gelb, ein 200-Mark-Accessoire, vermutlich aus Seide. Was hatte ich nach Pannesamt in den richtigen Farben gesucht! Ich musste mehrere Läden abklappern, bis ich alles zusammenhatte, besonders das Gelb war schwer zu bekommen. Meinen Pannesamt-Patchworkschal für arme Studentinnen trug ich dann mehrere Jahre und wurde in der Uni sehr häufig darauf angesprochen.


Als ich voller Nostalgie den polyestrigen Flor meines Lieblingsschals von ehedem streichelte, fiel mir auf, dass sich seither eigentlich gar nicht viel geändert hat. Immer noch nähe ich, um mir textile Wünsche zu erfüllen, die ich nicht kaufen kann, sei es, weil es das, was ich mir wünsche, gar nicht gibt, oder weil ich mir das, was es gibt, nicht leisten kann. Wenn es gelingt, die Vorstellung in die Realität umzusetzen, entstehen Lieblingsstücke, die mich lange begleiten. Der Geschmack und die Ansprüche ändern sich, die dahinter stehende Haltung nicht.

Und den Pannesamtschal zog ich letzte Woche noch einmal an, als es so kalt war. Das Gefühl von damals ließ sich nicht exakt reproduzieren, aber die Nähnerds, die ich am Freitag auf dem Markt traf, prallten auch nicht entsetzt zurück. Ehrlich gesagt hat das kollektive Pannesamt-Bashing der letzten Wochen meinen Widerspruchsgeist aufgeweckt: man kann doch einen Stoff nicht einfach so abschreiben! Dagegen muss man was tun! Ich bin sehr versucht, mich im Herbst diesem Underdog unter den Stoffen zuzuwenden und zu erproben, ob sich nicht doch etwas Hübsches daraus nähen lässt.

Außerdem vermute ich, dass der Herbst sowieso flauschig-pelzig wird: Kunstpelz war ja letzten Winter schon ein großes Thema, und in letzter Zeit sehe ich sehr oft Plüsch, aber auch Pullover aus Polyesterfransengarn auf der Straße an Leuten, die es wissen müssen. Denkt an meine Worte und werft die Teddyplüschjacken und die Brazilia-Pullover aus dem Neunzigern noch nicht weg!

Samstag, 7. Dezember 2013

Warme Hasenpfoten...

 ... habe ich jetzt, denn die Hasenhandschuhe sind pünktlich zum ersten Schnee fertiggeworden. Ich bin wirklich froh, dass ich den ersten Handschuhversuch mit zwei unterschiedlichen Garnen aufribbelte, auch wenn ich der Farbkombination grau-pink noch etwas hinterhertrauere. Drops Alpaca in hellgrau (Farbe 501) und rot/lila (Farbe 3969) knallt nicht so schön.


Im Vergleich zu klassischen mehrfarbig gestrickten Handschuhmustern sind diese hier einfach konstruiert: kein angestrickter Rand oder zweifarbiger Anschlag, deshalb rollt sich das Bündchen etwas nach außen. Außerdem gibt es große einfarbige Partien, bei denen die zweite Farbe auf der Rückseite viele Maschen überbrücken muss. Bei traditionellen Handschuhen, zum Beispiel aus Estland - ich hatte schon einmal darüber geschrieben - sind die Muster so konzipiert, dass die Farbe alle paar Maschen wechselt, so wie hier auf der Rückseite.   


Aber das macht nichts - warm sind sie trotzdem. Und das Stricken macht großen Spaß, weil man dem Muster beim Wachsen zusehen kann. Norwegerhandschuhe könnten meine neue Strickleidenschaft werden!

Strickmuster: Somerset vs. Norway über ravelry
Garn: drops Alpaca, gestrickt mit Nadelstärke 3

Sonntag, 31. März 2013

Wintermantel für den Laptop


Ich weiß wirklich nicht, warum ich so ungerne Taschen nähe. Seit der Stoffspielerei zum Jahreswechsel, bei der ich die aufgestickten Zackenlitzen zeigte, lag der bestickte Stoff, das Polstervlies, der Futterstoff in einem Stapel auf dem Bügelbrett herum und wurde regelmäßig von A nach B geräumt. Den Laptop transportierte ich solange in einer abgewetzten Tasche, die rundherum 5cm zu groß war. (Wenn ihr übrigens heute auf der Suche nach Stoffspielereien hier seid: die sind auf den 28. 4. verschoben, dann sammelt Karen die Beiträge).  


Als ich mich dann endlich zum Nähen aufgerafft hatte, kam ich bis zur Verschlussblende und räumte dann die halbfertige Hülle mit losem Gummiband ein paar Wochen von A nach B. Gut, dass ich nicht in allen Bereichen an solcher Aufschieberitis leide. Man könnte ja meinen, eine gefütterte Tasche in Form eines Briefumschlags zu nähen, sei so schlimm wie die Steuererklärung. 

Einen positiven Nebeneffekt hatte meine Nähunlust aber doch. Bevor ich ans Werk ging, konnte ich erst noch Andreas Post über ihre neue Kameratasche lesen, in dem sie beschreibt, wie sie von innen nach außen genäht habe: erst eine passende Hülle aus Futter, dann aus Vlies, dann den Außenstoff zugeschnitten. Das war ein guter Tipp und für mich der entscheidende Aha-Effekt, denn wenn man vom Außenstoff ausgeht werden solche passgenauen, dick gefütterten Taschen gerne mal zu eng (an anderer Stelle schon ausprobiert). Ich steppte also erst das Futter aus orange Baumwollsatin mit zwei dünnen Lagen Volumenvlies zusammen, nähte daraus eine passende Hülle und schnitt erst dann nach den Maßen vom Laptop mit Futter- und Vlieshülle den Außenstoff zu, einen Rest vom schwarzen Mantelvelours. (Ja, der Laptop und ich gehen jetzt im Partnerlook). 

Der Verschluss der Hülle besteht aus einem breiten schwarzen Gummiband, wie man es zum Beispiel im Rockbund verwendet, das in einer abgesteppten Verschlussblende aus dem Mantelstoff (ohne Vlies) mitgefasst ist.



Die Gummischlaufe läuft also längs um die Tasche herum, das hält bombenfest und hat sich mittlerweile auch als sehr praktisch erwiesen - auch wenn ich beim ersten Mal an- und ausziehen kurz nachdenken musste, wie ich nochmal diesen Gummi an die richtige Stelle klappe. Die Idee hatte übrigens der Liebste - ich wollte schwarzes Klettband annähen, obwohl auch ich das schreckliche "SCHRAGGG!!!"-Geräusch nicht leiden kann, mit dem man Klettverschlüsse aufreißen muss. Der Einfall, das Gummi längs und nicht quer verlaufen zu lassen, kam dann beim Anhalten und Ausprobieren mit der halbfertigen Hülle zustande, also vielleicht ein weiterer positiver Nebeneffekt des langsamen Nähens.

Weiterhin schöne Osterfeiertage euch - ob nun mit oder ohne entschleunigtem Nähen. Ich werde mich nun mal mit den Ärmeln des Trenchcoats beschäftigen, damit er bereit ist, wenns endlich wärmer wird.

Mittwoch, 20. März 2013

Wetter- aber nicht jahreszeitengerecht

Positiv denken! Dieser immerwährende Winter ist zwar unschön, und ich plane ein weiteres Wochenende zuhause mit gebunkerten Nahrungsmitteln, an dem ich keinen Schritt vor die Tür setzen werde, aber immerhin ist es aufgrund der Witterung noch möglich, hier im Blog gestrickte Handstulpen zu zeigen. Passt vortrefflich. Anderenfalls, würde der Frühling da draußen seine Pflicht erfüllen, wären ja alle schon auf luftige Blümchenkleider eingestellt, die Bilder würden bis zum Herbst (und darüber hinaus) auf der Festplatte vermodern, und vermutlich niemals gepostet werden, weil bis dahin ja schon so viel Neues passiert wäre. Wir dürfen dem Winter also dankbar sein, denn dann hätte die Welt niemals von diesen Stulpen erfahren (Sagt doch selbst, ist das nicht ein total tröstender Gedanke? Na??).

Ein anderer positiver Nebeneffekt dabei ist auch, dass die Büronachbarin so noch jede Menge Gelegenheit hat, ihre Stulpen zu tragen. Ihr ist das mit dem Positiven im Moment nicht so klar, glaube ich, aber wenn sie später an diesen März zurückdenkt, wird es ihr bestimmt auch auffallen. Ein Paar gestrickte Stulpen nach Wunsch waren nämlich ihr Geburtstagsgeschenk im Januar - ich verschenkte nur einen Gutschein, und ließ sie selbst Garnfarbe und Strickmuster aussuchen.

Sie wollte dunkelgrün und die Leaving Cuffs (kostenloses Muster bei ravelry) von Maria Olsson. Dunkelgrün ist ja im Moment so gar keine Modefarbe, ich fand aber ein tolles Garn, Alta Moda Fine von Lana Grossa (Alpaca/Merino), unglaublich leicht und sehr voluminös - ein Knäuel hat 160m auf 25 Gramm, man könnte das Garn aber sogar mit Nadelstärke 5 verstricken. Die Farbe 005 läuft zwar als "petrol", für mich (und auch für die Beschenkte) handelt es sich aber eindeutig um dunkelgrün mit kleinen blauen Einsprengseln. Für solche Kleinigkeiten wie Stulpen ist das Garn sehr gut geeignet, bei einem Pullover hätte ich Bedenken, dass es nicht strapazierfähig genug ist. Und es macht den Eindruck, als würde es leicht verfilzen.

Die Strickanleitung der Leaving Cuffs ist wirklich gut, das Muster liegt als Schema und Reihe für Reihe ausgeschrieben vor. Die Mausezähnchenkanten gefallen mir besonders - alternativ könnte man einige Runden Perlmuster stricken. 

Diese Stulpen hattte ich über Weihnachten und Silvester aus Baby Alpaca Silk (Seegrün) von drops für mich gestrickt. Das Muster, die Anemone Wrist Warmers (Kostenlose Anleitung bei ravelry) war nicht einmal halb so vergnüglich zu stricken wie die Leaving Cuffs. Der Rundenanfang für das Muster wandert laut Anleitung in jeder zweiten Runde um eine Masche nach links, diese Stelle soll mit einem Maschenmarkierer gekennzeichnet werden.

Es war wahrscheinlich die feiertägliche Dösigkeit, weswegen ich mir bis zum Ende der zweiten Stulpe nicht überlegen konnte, wie man das Muster ohne Verschiebung und Maschenmarkierergetue stricken kann. Ich strickte die Stulpen nämlich auf einem Nadelspiel, da ist der Rundenanfang ja sowieso deutlich sichtbar, und welchen Sinn es hat, die Musterabfolge in jeder Musterreihe woanders beginnen zu lassen, ist mir bis zuletzt nicht klar geworden. Wahrscheinlich hätte ich einfach nach dem Schema stricken und die ausformulierte Reihe-für-Reihe-Anleitung ignorieren können - aber entscheidet das mal eben schnell zwischen Gänsebraten und Silvesterfeuerwerk, keine Chance, die Hirnareale, die für Strickarithmetik zuständig sind, lagen im Dämmerschlaf.

Und apropos Gänsebraten und immerwährender Winter und positiv denken: ich überlege, das Wochenende für ein typisches Winter-Weihnachtsessen zu nutzen. Irgendwas, das man bei Temperaturen über 5 Grad nicht mehr essen mag. Irgendwas mit Rotkohl und Klößen. Wenn schon, denn schon.     

Dienstag, 26. Februar 2013

Stoffspielerei im Februar: Schon wieder Alabama Chanin


Etwas verspätet und nicht unbedingt innovativ kommt hier meine Stoffspielerei im Februar – ich beschäftigte mich zum x-ten Mal mit den Applikationstechniken vonAlabama Chanin. Derzeit fehlt mir ein wenig die Muße, um mich auf Stoffspielereien einzulassen. Das ist weniger eine Zeitfrage, denn eine Kopffrage: wenn ich viel zu tun habe und davon gedanklich absorbiert werde, bleibt im Kopf kein Platz, dann suche ich mir besser etwas mit einer Anleitung. Das entlastet.


Da ich mir aber un-be-dingt (seit mindestens zwei Jahren) einen Jerseyrock mit Applikationen oder ausgeschnittenen Applikationen machen möchte, probierte ich im Februar die einfache Jersey-auf-Jersey-Applikation nach Alabama Chanin aus. Erstmal an einem Schal und mit dem denkbar einfachsten (aber selbst ausgedachten) Muster. Anders als bei meinem Versuch mit Jersey-auf-Baumwollvoile gefällt mir die Wirkung schon viel besser. Es ist bei dieser Technik wohl entscheidend, dass die beiden Schichten in Dicke, Festigkeit, Struktur ähnlich sind.


Der Untergrund ist ein altes weißes T-Shirt, unter den Armen durchgeschnitten und später an einer Seitennaht aufgeschnitten. Da ich wie üblich nicht sehr weit vorausplante, kam mir erst nach einiger Zeit die Idee, die Schalenden mit grauem Jersey (ein abgeschnittenes Trägerhemd) abzusetzen.
Die frei Hand ganz unregelmäßig geschnittenen Kreise aus Jerseyresten in blau, grau und rot habe ich mit dreifädigem rotem Sticktwist aufgenäht.


Hier noch einmal im Überblick: Das zweite Schalende ist noch fast unbearbeitet (und unverstürzt). Das kommt aber noch - diese Stickerei ist eine meditative Handarbeit, fast so wie stricken. 


Die Stoffspielereien sammelt diesmal frifris - vielen Dank dafür!

(Nächster Termin: 31. 3. bei Karen.)

Samstag, 12. Januar 2013

Gestrickte Kleinigkeiten oder die Suche nach dem perfekten Tuch

Im Treppenhaus der Kunstfabrik am Flutgraben
Bilder aus sonnigeren Tagen! Ich habe in letzter Zeit (naja, das älteste Teil ist von 2011) einige Schals und Tücher gestrickt, die ich noch nicht gezeigt hatte, vor allem, weil es nicht sonderlich viel darüber zu erzählen gibt. Jetzt, wo wir seit langer Zeit Schalwetter haben und die Teile in Dauerbenutzung sind, stelle ich aber fest, dass ich vollkommen an meinem Bedarf vorbeigestrickt habe. Kennt ihr das? Zu klein, zu kratzig, zu gemustert - irgendetwas stimmt immer nicht. Ich rekapituliere hier also nölenderweise mal meine Schal-Versuche - vielleicht habt ihr ja auch Tipps für Strickmuster und Materialien, die ich ausprobieren könnte, damit der  nächste Schal größer und weniger kratzig und, ja, passender wird. 


Erster Versuch:

Spring Leaves Schal nach der Anleitung von Frau Vau  aus Drops Lace (100g). Angefangen hatte ich ihn im verregneten Sommerurlaub 2011, und ich strickte ziemlich lange daran. Das lag daran, dass mir Lace stricken keinen Spaß macht, wie ich jetzt weiß, und auf keinen Fall an der Anleitung, die wirklich großartig und ausführlich ist. Aber mit baumdicken Stricknadeln dünnen Zwirn verarbeiten - das strickt sich einfach nicht so angenehm, finde ich.


Alles subjektiv, ich weiß, und subjektiv ist sicher auch das Tragegefühl: ich finde Drops Lace ein bißchen kratzig, und so ein Laceschal sieht eigentlich nur schön aus, wenn er gerade frisch gespannt ist.

Zweiter Versuch:


Citron Shawl, gestrickt aus 100g Sockenwolle (Angebot vom dänischen Netto) und einem Rest roter Angoramischung. Hier hätte mich gleich das verniedlichende Wort "shawlette" in der Modellbeschreibung stutzig machen sollen, aber ich kann mir unter Inch-Maßen in Anleitungen nie etwas vorstellen. Und überhaupt: Mein Tuch ist sogar etwas größer - ich strickte einen Musterrapport mehr, die Oberkante ist 44 Inch (112cm) lang, das Tuch 16 Inch (41cm) hoch. Trotzdem tue ich mich schwer, mir das Tuch so wie die modellsitzende Dame bei Knitty.com um die Schultern zu wickeln - dafür ist es einfach zu klein.


Und das Material - naja, was habe ich eigentlich erwartet? Sockenwolle (und noch dazu eine namenlose Marke) ist natürlich nicht so richtig weich. Dafür finde ich das Strickmuster an sich mit den abwechselnd glatten, abwechselnd gerüschten Partien sehr schön, wenn auch langweilig zu stricken. Dieses Muster, aber in länglicherer Form und aus Luxusgarn wäre ein ideales Tuch.

Dritter Versuch:

Out of gas (bei ravelry) von Zhora Designs aus dünner Bluefaced-Leicester-Wolle von Tulliver Yarn, mit Malve gefärbt. Ein klassisches Dreieckstuch, von oben gestrickt, mit Zunahmen in der Mitte und an den Seiten. (Die Fotos des ganzen Tuchs zeigen leider nur ein undefinierbares grüngraues Gestrick - ist ist einfach zu dunkel für gute Fotos.) Dieses Tuch ist kleiner geworden, als es die Anleitung versprach: obere Kante 52 Inch (132 cm), Höhe 22 Inch (56 cm), was ich mir nicht so richtig erklären kann, denn Garn- und Nadelstärke stimmen mit der Anleitung überein. Als Tuch-zum-Pullover ist die Größe gut und das Muster ist auch noch erkennbar wenn es, siehe Foto, nicht frisch gespannt ist.

Vom Material bin ich ziemlich begeistert: die Wolle (blue faced leicester ist eine britische Schafsrasse) fasst sich eher drahtig als flauschig an, kratzt aber nicht. Tulliver Yarn ist eine sympathische Ein-Frau-Firma, die Wolle wird am Rande Berlins mit Pflanzen gefärbt - bei der Textile Art im Sommer konnte ich das Garn am Tulliver-Stand befühlen und vor allem die tollen Farben bewundern.

Bleibt aber die Frage: was stricke ich mir als Tuch oder Schal zum Mantel? Und aus welchem Garn? Wenn ich die Merkmale der nicht-bedarfsgerechten Strickwerke zusammenfasse, dann suche ich ein Muster für einen rechteckigen Schal oder ein bananenförmiges Tuch, mindestens 1,50m lang aus einer Wolle mit mindestens Sockenwollstärke, aber luxuriös und kuschelig und mit einem Muster, das man nicht ständig neu spannen muss. Gibt es das? Habt ihr zufällig sowas schon mal gestrickt?

Mit der Mütze (Brambles von knitty.com, mittlere Größe) aus Drops Merino extra fine bin ich aber ausnahmsweise uneingeschränkt zufrieden.

Sonntag, 25. November 2012

Aus Stoffmanipulation wird Stoffspielerei


Die Stoffmanipulations-Aktion von Suschna startet heute neu als Stoffspielerei und mit etwas verändertem Modus: Die Gastgeberrolle wechselt, heute sammelt Kathrin, annekata die Beiträge.
Ich hatte in meinen Stoffmanipulationsbeiträgen dieses Jahr bisher immer mit weißen Stoffen experimentiert und anschließend aus den Experimenten Stoffbeutel genäht. Nach einer stattlichen Reihe von Beuteln denke ich aber, jetzt ist es genug und nehme den Namenswechsel zum Anlass, die stoffspielerischen Experimente auf andere Objekte auszudehnen, vorzugsweise auf welche zum Anziehen. 


"Origami" oder "Licht und Schatten" waren die Stichworte, die sich Kathrin als Ausgangspunkt ihrer eigenen Stoffspielereiexperimente in diesem Monat gegeben hatte. Das traf sich gut, denn schon lange wollte ich einen Schal aus schwarzem, transparentem Baumwollvoile (eigentlich ein schmal gesäumtes, großzügiges Stück Meterware) "irgendwie" gestalten. Ich liebe solche Baumwollschals, nur ihre meistens indisch-alternativ-ökologische Optik liebe ich nicht. Ein Versuch mit aufgenähten Jerseyapplikationen im Alabama-Chanin-Stil sah nicht so schön aus, wie ich es mir vorgestellt hatte.


Deshalb probierte ich jetzt etwas Einfaches, ohne großartige Muster: aus Resten vom Mantelstoff - dicker schwarzblauer Wollflausch - schnitt ich Kreise in etwa 2-€-Stück-Größe. Sie wurden mit rotem Sticktwist mit einigen Knötchenstichen auf dem Schal befestigt, in einer lockeren, unregelmäßigen Bordüre entlang der schmalen Seiten.


Die Schalenden bekommen dadurch ein schönes Gewicht, die roten Knötchen leuchten aus dem Ton-in-Ton-Schwarz aus feiner Baumwolle und dicker Wolle. Wenn der Schal gewaschen wird, werden sich die Wollkreise vermutlich noch etwas mehr verfilzen und dadurch noch plastischer werden.

Noch einfacher und schneller ließe sich die Idee umsetzen, wenn man die Kreise mit der Maschine aufnäht: mit Garn in einer Kontrastfarbe fast auf der Stelle hin- und hernähen, Anfangs- und Endfäden lang lassen, den Unterfaden auf die Vorderseite ziehen und die Fäden fransig hängen lassen. Vielleicht probiere ich das mit dem zweiten Schal, den ich aus der Meterware geschnitten habe.

Die Stoffspielereien des Tages sammelt Kathrin hier - wegen der Zeitverschiebung etwas später als sonst. Der nächste Stoffspielerei-Termin ist am 30.12., gesammelt wird hier bei mir, Mitmacherinnen sind willkommen - schickt mir eventuell eine Mail mit eurem Link oder schreibt am 30. einen Kommentar, damit ich euch finde.

Freitag, 4. März 2011

Annekatamütze und Sockenblume


Jaja, der Frühling steht nun wohl wirklich vor der Tür, und ich komme hier zur Unzeit mit Mützen an - aber Mütze wie Blume sind noch vom Januar übriggeblieben und stehen unter dem Motto aus alt mach anders. (Und nicht vergessen: am nächsten Sonntag geht Neues Leben für alte Kleider in die zweite Runde - ich sammele wieder Links zu euren Ideen fürs Umarbeiten, Wiederverwerten, De- und Rekonstruieren alter oder nicht mehr geliebter Kleider.)

Aber zurück zur Mütze. Sie entstand Anfang Januar in der ersten Euphorie meines "jetzt-gehe-ich-endlich-die-gesammelten-Kleider-an"-Entschlusses, als ich unbedingt, sofort und auf der Stelle ein Refashion-Projekt suchte. Und mich an die Mütze erinnerte, die Kathrin alias annekata bei ihrem Treffen mit Suschna und mir in Clärchens Ballhaus am Vorabend des Silvesterabends getragen hatte. Ein Nachmittag mit einer ganz eigenen Atmosphäre: Die Stadt war dick verschneit, im Ballhaus waren nur wenige Gäste, so dass einige Kinder mit Dreirädern auf dem Tanzboden herumfahren konnten, und eine graue Katze zeigte sich sehr anhänglich. Und Kathrin, Bloggerin von ganz weit weg, aus Amerika (!) saß in Berlin und war nicht mehr nur eine virtuelle Person.

Deshalb nenne ich die Mütze annekatamütze, auch wenn Kathrin sie in ihrer Bildanleitung als Greta-Garbo-Mütze bezeichnet hatte (eine Anleitung für die gefütterte Version dieser Mütze gibt es auch.). Eine genial einfach herzustellende, unendlich wandelbare Kopfbedeckung - bei Allerleihrauh zum Beispiel als Wendehut.

Meine Version besteht aus einer Art Wollwalk, ehemals Jacke, aus dem schon Hausschuhe entstanden waren, und einem Hemd des Liebsten als Futter. Von dem Oberstoff hatte ich nur schmale Stücke, so dass ich die Mützenteile (ein Teller mit 24cm Durchmesser diente als Schablone) vierteln musste. Sieht fast aus wie gewollt, nur hätte ich den Jackenstoff wenden sollen, denn dass die verschiedenen Partien einer Jacke ganz unterschiedlich ausbleichen sieht man erst, wenn man sie wieder anders zusammennäht. Aber seis drum - im nächsten Herbst nähe ich sie mir bestimmt noch einmal, vielleicht aus den Resten des Mantels, den ich gerade in Arbeit habe.


Aus den Resten der Reste und einer verfilzten grünen Socke entstand dann noch eine Art Blume, weil ich mich von meiner Begeisterung für die schönen leuchtenden Garne auf dem dunklen, wolligen Stoff davontragen ließ. Das genähte Objekt (nennen wirs mal so) finde ich eher interessant als begeisterungswürdig, aber - und das ist mir gestern überhaupt erst aufgefallen - bei meinem Refashion-Projekt für Sonntag verwende ich wieder Kreise aus wolligen Materialien, und auch eine Socke spielt wieder eine Rolle. Es ist eben doch alles für etwas gut, und sei es als Vorstufe für etwas anderes.

Montag, 17. Januar 2011

Geschenk für Nerds

Monika hatte in ihrem Kommentar nicht ganz unrecht - ich hatte mich im Dezember tatsächlich am Musterstricken versucht, allerdings an einem Muster, das stricktechnisch bei weitem nicht so komplex ist wie die Werke der Strickerinnen aus Estland.

"Binary", den Schal mit Binärcode aus Knitty Winter 2006, fand ich von der Idee her einfach genial - und noch dazu ein gutes Geschenk für Männer mit Computeraffinität, die sind ja bekanntlich immer besonders schwer zu beschenken. Die schwarz-grüne Farbgebung wie die Computerbildschirme vor 15 Jahren und das Muster mit jeweils acht Nullen und Einsen pro Zeile wird von jedem Computernerd nämlich sofort als ASCII-Code identifiziert.

Die Knitty-Anleitung schlägt vor, Nullen und Einsen beim Stricken in jeder Zeile zufällig zu verteilen - das lässt sich am schnellsten stricken. Allerdings ergibt das Zufallsprinzip einen ebenso zufälligen Zeichenwirrwarr auf dem Schal, auch wenn das nur die wenigsten Menschen ohne einen Blick auf die Codetabelle erkennen können. Für ein Nerdgeschenk kann man sich aber den Spaß machen, den Schal zu personalisieren und Namen, Daten, sinnige Sprüche oder andere persönliche Botschaften einzustricken. Für diesen Zweck bietet das Internet einige Tools, mit denen man jeden Text mühelos in einem 8-Bit-ASCII-Code umwandeln kann, zum Beispiel hier.

In den ersten Kasten tippt man den Text ein, der umgewandelt werden soll, drückt auf "encode" und erhält im zweiten Kasten den strickbaren Binärcode.
Nahtzugabe wird z. B. zu 01001110 01100001 01101000 01110100 01111010 01110101 01100111 01100001 01100010 01100101

Den Code hatte ich mir mit Kopieren und Einfügen ins Schreibprogramm geholt, etwas übersichtlicher angeordnet, ausgedruckt und beim Stricken jeweils die Zeilen abgestrichen. Der Schal wird als Schlauch auf fünf Nadeln oder einer Rundstricknadel gestrickt, jede Zeile des Schals enthält zweimal acht Ziffern und entspricht zwei Buchstaben oder Zahlen.
Da ich etwas dünneres Merinogarn als in der Anleitung verwendet hatte, fügte ich zwischen den Zahlengruppen zusätzlich fünf Maschen in schwarz ein, um eine angemessene Schalbreite zu erreichen. Für die Fadenspannung im Muster war das nicht förderlich, und auch mit der richtigen Nadelstärke hatte ich mangels Erfahrung etwas Probleme. Mit 5er Nadeln wurde das Gestrick sehr dicht und schwer und damit nicht besonders gut geeignet für einen Schal. Als ich schon zu Dreiviertel fertig war, sah ich endlich ein, dass dieser Schal ungefähr so bequem wie ein Brett werden würde, sollte ich so weitermachen. Daher ribbelte ich knapp zwei Wochen vor Weihnachten alles noch einmal auf, fing mit Nadeln Nr. 6 noch einmal von vorne an und verschenkte schließlich ein Teil, in dem noch die Stricknadeln steckten und das ich erst über die Weihnachtsfeiertage zuenedestrickte. Davon abgesehen hätte ich in der Wohnung ein zwei Meter langes Teil sowieso niemals heimlich spannen und trocknen lassen können.

Decodiert wurde die Schalbotschaft übrigens erst vor wenigen Tagen, da die Computerlesbarkeit des Wollmediums doch noch zu wünschen übrig lässt. Strickmode ist also beispielsweise im Spionagebusiness nicht sonderlich praktisch, aber die Vorstellung, James Bond könnte im nächsten Film im Strickanzug auftreten, dessen Muster die Baupläne für die Atomanlage des Oberschurken enthält, die hat doch was, oder?

Mittwoch, 24. März 2010

Schöner Scheitern

Funktioniert nicht: Stempeln auf Wolle
Beileibe nicht alles, was ich anfange, kommt auch zu dem Ende, das ursprünglich geplant war - oder überhaupt zu einem Ende. Nur falls jemand dachte, im Hause Nahtzugabe gelänge immer alles auf Anhieb.

Zum Beispiel mein Taschenplan. Die Herrenhandtasche ist ja nun schon eine Weile getestet und hat sich als praktisch erwiesen, daher wollte ich auch eine Tasche für mich mit dem gleichen Schnitt. Zufällig kam eine dunkelgraue Anzughose mit Loch dazu, und die Idee, diesen feinen dunkelgrauen Wollstoff für die Taschenklappe und die Vorderseite in Grüntönen zu bestempeln und mit grünen Paspeln abzusetzen.

Guter Plan, nur lässt sich der Stoff nicht bestempeln, jedenfalls nicht mit Stoffarbe auf Acrylbasis. Die Farbe soll zwar ausdrücklich auch für dunkle Stoffe geeignet sein, sie wird aber von der Ex-Hose derartig aufgesaugt, dass die Motive kaum zu erkennen sind. Aha, und nun?

Zuerst fand ich die unkooperative Farbe ärgerlich – mein schöner Plan! - und dachte über Applikation oder Stickerei nach, um doch noch Motive auf den Stoff zu bringen - verschiedene grün gemusterte Stoffe in Blattformen, oder gestickte Blatttumrisse. In der zweiten Runde dachte ich dann über Faltungen, Raffungen und Waffelsmok nach. In der dritten Runde bin ich nun bei einer Patchwork-Falttechnik angekommen, habe mit andauerndem Bügeln, an das ich nicht gerne zurückdenke, das Grundgerüst hergestellt und muss mich nur noch für eine Füllung der Felder entscheiden.


Im Rennen waren schon Wollstoffe (schwarz-weiß-grau-rot) oder Seide (Grüntöne), oder gemusterte Baumwolle (dunkelblau-grau-braun, etwas japanisch). Es wird jetzt wohl erst einmal der selbstgemalte Stoff mit Pinselstrichen vom Foto oben, auch wenn die Farbkombination schwarz-weiß-rot vielleicht schon ein wenig ausgelutscht ist. Nebenher fiel mir noch eine Sommerversion ein (helles Leinen und gemusterte Baumwolle in verblichenen Pastelltönen), dann müsste die Taschenform aber eine andere sein, etwas runder, - oder dünner dunkelblauer Jeansstoff und bunte Patchworkstoffe.
Kurz gesagt: Ideen für ein halbes Dutzend weitere Taschen, und all das wäre nicht passiert, wenn die ursprüngliche Idee funktioniert hätte. So macht Scheitern Spaß.

Dienstag, 16. März 2010

Schalomanie


Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung sagt ja ein Sprichwort. Meine Selbsterkenntnis der letzten Tage: Objektiv betrachtet habe ich zu viele Schals. Ich besitze auf jeden Fall mehr Schals als Pullover, vermutlich sogar mehr Schals als Socken, so genau habe ich das nicht gezählt. Und während Pullover und Socken über Jahre getragen werden - bis sie kaputtgehen nämlich - ist bei den Schals der neueste auch immer der schönste. Die älteren wandern nach unten in den Stapel und sind irgendwie nicht mehr so interessant.


Daher muss ich wohl nicht betonen, welchen Schal ich zur Zeit ununterbrochen trage - der Frühlingsschal ist natürlich von den wunderbaren pastellig-frühlingshaften spitzenumhäkelten Kissenhüllen der kanadischen Bloggerin Beata/ rose hip inspiriert. Angehäkelt in netter Gesellschaft, während etwas Frühlingsschnee vom Himmel fiel, hat mir der Schal nun schon eine Weile gute Dienste geleistet.


Das Häkelgarn (mittelstarke Baumwolle) stammt immer noch aus meinem ertauschten Garnfundus, der auch noch etwas 80er-Jahre-Pink und Lila bereithält. Daher suche ich derzeit nach weiteren umhäkelbaren Objekten jenseits von Kissenhüllen - hm, noch mehr Schals vielleicht? Wie auch immer, demnächst wollte ich noch zeigen, wie die Häkelei an den Stoff kommt, da gibt es nämlich verschiedene Methoden. Das demnächst, denn dazu brauche ich erst einmal Fotolicht, und hier siehts mal wieder aus, als wollte es gleich schneien. Da wickele ich mich doch lieber gleich mal in meinen Schal...