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Sonntag, 25. September 2016
Stoffspielerei im September: Goldstickerei ganz einfach
Für die Stoffspielerei hatte Suschna diesen Monat das Thema Goldstickerei vorgegeben. Eine der witzigen Broschen von Macon et Lesquoy, die ihre Inspiration waren, besitze ich sogar - sie sind in der Art traditioneller Goldstickereien gestickt, wie man sie von militärischen Rangabzeichen und Uniformen des 18. und 19. Jahhunderts kennt. Das ist eine Handwerkskunst mit sehr speziellen Materialien, die man nicht einfach so mal eben für eine Stoffspielerei ausprobieren kann (Wer sich für Details interessiert, unter dem Stichwort "Kantillenstickerei" und "Sprengarbeit" findet man einiges, die Näherinnen historischer Kleider kennen sich gut aus, z. B. hier. In dem Buch "Handarbeiten wie zu Großmutters Zeiten" (Mizi Donner, Carl Schnebel, als Reprint günstig antiquarisch zu bekommen) gibt es ein großes Kapitel über verschiedene Techniken der Goldstickerei.)
Aber ich dachte, wie gesagt, ich probiere es supersimpel und günstig, und kaufe mal so eine Rolle billiges Metallnähgarn und versuche, damit zu sticken.
Das Nähgarn scheint wirklich Metall zu enthalten und ist sehr störrisch - wie das durch die Nähmaschine laufen soll (eigentlich ist das wohl fürs Absteppen oder Zierstiche gedacht), ist mir nicht klar, ich vermute, das geht gar nicht. Mit der Hand sticken funktioniert aber, auch wenn sich der Faden nicht immer so legt, wie man sich das vorgestellt hat.
Ich habe ganz einfache Muster auf schwarzes Leinen gestickt, einmal Kreuze, mit zwei Fäden gestickt.
Hier wollte ich - mit einfachem Faden - abstrakte Dreiecksgebilde sticken, bis ich entdeckte, dass dabei auch so eine Art Blümchen herauskommen können. Die Stickerei ist ganz zart, sowas könnte ich mir auch auf Kleidung vorstellen. Man müsste die bestickten Partien aber auf jeden Fall füttern, denn der Faden ist wirklich kratzig.
Die bestickten Stücke habe ich mit passenden Stoffresten zu Täschchen ergänzt.
Die Reißverschlüsse sind alte Jeansreißverschlüsse. Als ich vor einem Jahr mit dem Upcycling-Buch beschäftigt war, hatte ich einige Jeans verwurstet und die Reißverschlüsse vorsichtshalber aufgehoben - jetzt fiel mir auf, was für schöne, goldige Messingfarben sie haben, die perfekt zu der Metallstickerei passen.
Alle Stoffspielereien mit Metallstickerei sammelt Suschna hier auf "Textile Geschichten" Die nächste Stoffspielerei ist am 30. Oktober bei Griselda/Machwerk zum Thema "Blätter".
Sonntag, 29. Mai 2016
Stoffspielerei im Mai: Schrift auf Stoff - mit Anleitung
Mit der Mai-Stoffspielerei zum Thema Schrift, vorgeschlagen von Karen, möchte ich ein kleines Alltagsproblem lösen: Fleckige Stoffbeutel. Bei mir werden Stoffbeutel immer ziemlich durch den Dreck geschleift, mit nicht ganz sauber gewaschenem Gemüse befüllt, manchmal matscht auch etwas oder etwas anderes läuft aus, und irgendwie endet es immer damit, dass die Beutel gelbliche Flecken bekommen, die jeder Wäsche widerstehen. Zwei besonders fleckige ohne Aufdruck hatte ich mir herausgesucht - natürlich sind sie jetzt mit Aufdruck immer noch fleckig, aber es fällt nicht mehr so auf.
Da es ziemlich einfach ist, mit aufbügel- oder aufklebbaren Schablonen die Schrift auf den Stoff zu bringen und sich die Methode für selbstgemachte Aufdrucke auf allem möglichen eignet, zum Beispiel auch auf T-Shirts, zeige ich kurz, wie das geht.
Das braucht man:
Stoff zum Bedrucken natürlich
Stoffmalfarbe (ich habe Reste von Javana-Stofffarbe für helle Stoffe verbraucht, würde in Zukunft aber nur noch Stofffarbe für dunkle Stoffe kaufen, die besser deckt)
für die Schablone entweder selbstklebende Folie (z. B. Bucheinbandfolie), oder das dickere Papier mit glänzender Rückseite, mit dem Druckerpapier verpackt wird (lässt sich aufbügeln; wenn man im Copyshop nett fragt, holen die einem bestimmt ein paar Verpackungen aus dem Müll), oder amerikanisches Freezerpaper, oder Reste von Heißsiegel-Plotterpapier (das habe ich verwendet, es ist auf der Rückseite zum Aufbügeln beschichtet)
einen Cutter und eine Schneideunterlage (Pappe tuts auch)
ein kleines Stück Schwamm
Zeitungspapier zum Abdecken und einen alten Teller oder einen Blumenuntersetzer für die Farbe
Die Vorlage für die Buchstaben habe ich mir ausgeduckt: Im Schreibprogramm eine Schrift aussuchen, die von vorneherein ziemlich fett ist und darauf achten, dass die Buchstaben nicht zu filigan zum Ausschneiden sind. Manche Schriften (z. B. Arial) werden unproportioniert, wenn man sie sehr stark vergrößert, da muss man einfach ein bißchen herumprobieren, um eine Schrift zu finden, die gut aussieht. Den Text, der schabloniert werden soll, am besten jeweils mit einem Leerzeichen zwischen den Buchstaben schreiben, dann ist Raum zum Ausschneiden.
Vorlage ausdrucken und das Schablonenmaterial mit der klebenden bzw. der glänzenden, aufbügelbaren Seite nach unten unter die Vorlage legen und am Rand mit Büroklammern befestigen. Die Buchstaben mit dem Cutter durch beide Lagen ausschneiden.
Die ausgeschnittenen Buchstaben auf dem Stoff arrangieren und aufbügeln (Freezerpapier, Druckerpapierverpackung, Heißsiegelpapier) oder kleben (Klebefolie). Die Schablonen haften auf dem Stoff, daher gibt es keine Probleme mit darunterlaufender Farbe. Das kann man bestimmt auch gut mit Kindern machen.
Ursprünglich wollte ich die Schrift nur als Negativdruck erscheinen lassen, also als weiße Schrift auf blauem Grund, erst dann fiel mir ein, dass das Papier, aus dem ich sie herausgeschnitten hatte, auch als Schablone genutzt werden kann - das ist das Arrangement links geworden.
Bei Taschen und T-Shirts unbedingt Zeitungspapier zwischen die zwei Stofflagen schieben, falls die Farbe durch den Stoff schlägt!
Etwas Farbe auf dem Teller verteilen, mit dem Schwamm aufnehmen undüber und um die Schablonen herum tupfen. Ich habe die Farbe hier am Rand unregelmäßig-getupft auslaufen lassen, man könnte sich aber z. B. rundherum mit Malerkrepp auch einen sauberen Kasten abkleben.
Farbe trocknen lassen und die Schablonen abziehen - Schablonen aus Klebefolie kann man sogar mehrmals verwenden.
Je nach Stoffqualität fallen die Drucke unterschiedlich aus: Der obere Beutel ist grob gewebt, mit kreppigen Garnen und hat daher eine rauhe, unruhige Oberfläche, die Konturen des Drucks verschwimmen daher etwas. Der untere Beutel ist fein und glatt gewebt, die Schrift wird sehr klar und sauber.
Viele weitere gute Ideen, wie man Schrift auf Stoff bringt, werden heute hier bei Karen - Feuerwerk by KaZe gesammelt. Vielen Dank für den Anstoß!
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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.
Die nächste Stoffspielerei zum Thema "Löcher" ist am 26. 6. bei frifris.
Samstag, 3. Oktober 2015
Verspätete Mini-Stoffspielerei im September: Falten
Ich schiebe einen Berg fast fertiger Blogposts vor mir her, einer davon ist dieser Beitrag für die Stoffspielerei im September, die am letzten Sonntag fällig gewesen wäre. Griselda hatte als Aufgabe das Thema "Falten" gestellt und die Beiträge gesammelt. Ich nähte am Sonntag sehr zügig und erfolgreich an meinem Wintermantel, vervollständigte dieses Täschchen erst am Dienstag und hatte dann Abendveranstaltungen und/oder so viel zu tun, dass ich nicht zum Bloggen kam. Aber jetzt! Dabei ist mein Faltenversuch auch noch unglaublich simpel und schnell hergestellt.
Ich wollte ausprobieren, wie "wilde" Falten wirken, ohne Abmessen gelegt und ein bißchen kreuz und quer verschoben. Die Methode (wenn man das so hochtrabend benennen will), ist ideal zum Herumhuddeln, bei regelmäßigen Falten würde das Messen und Vorbereiten wohl länger dauern als das Nähen, und zum Schluss wären die Falten (zumindest bei mir) dann doch nicht ganz gleichmäßig.
Hier sieht man Vorder- und Rückseite des Grundstoffs: Die schmalen Falten habe ich bewusst nicht parallel und in unterschiedlichen Abständen eingelegt und abgesteppt (damit sind daraus im Prinzip Biesen geworden). Für das Täschchen wurde der Stoff plattgebügelt und bekam eine Lage Wattierungsvlies und ein Futter.
Beim Annähen des Reißverschlusses kamen die Falten mal glatt, mal gegen den Strich zu liegen, auch das ist Zufall. Die Tasche hat eine sehr schöne Haptik, irgendwie organisch, sie fordert dazu heraus, an den Falten entlangzustreichen. Maximler effekt mit minimalem Einsatz sozusagen.
Guckt euch unbedingt auch die anderen, pünktlichen und viel komplizierteren Beiträge der Stoffspielerei an. Der nächste Termin ist am 25. 10., dann geht es um Spitze, und Karen wird die Beiträge sammeln.
Samstag, 26. September 2015
Vivienne-Westwood-Sewalong Teil II oder: Erst das Vergnügen, dann die Arbeit
"Das Unwichtigste zuerst", so könnte man meine Teilnahme am Vivienne-Westwood-Sewalong heute bezeichnen. Ich habe nämlich außer einer groben Planung noch nichts vorzuweisen, nähte in den vergangenen 14 Tagen aber erstmal eine karierte Tasche.
Auf die Idee brachte mich Claudia - Bunte Kleider, die heute auch alle Beiträge des Sew-alongs sammelt, sie erwähnte letztes Mal das Stichwort "karierte Tasche", das bei mir eine Assoziationskette auslöste, die bei einem Stoffrest von diesem Rock endete. Das Bedürfnis nach einer karierten Tasche war so dringend, dass ich mit dem Arya-Schnitt von Machwerk sofort ans Werk gehen musste. Die karierten originalen Westwood-Taschen, die es auf der Westwood-Seite gerade im Webshop gibt, gefallen mir übrigens nicht - niemals würde ich mehrere hundert Euro für eine Stofftasche mit Kunstlederhenkeln ausgeben!
Mein Karostoffrest war so klein, dass die Tasche ein paar Zentimeter schmaler ausfiel, als der Schnitt vorgibt, und die Karos vorne und hinten in verschiedenen Richtungen laufen. Der Wollstoff ist mit einem Stück Quiltwattierung hinterlegt und mit ein paar senkrechten Nähten durchgesteppt. Die Henkel bestehen aus schwarzem Wildlederimitat, mit Bügeleinlage verstärkt und nach der Anleitung für Stoffhenkel genäht, die beim Arya-Schnitt dabei ist. Voilà: Eine Stofftasche mit Kunstlederhenkeln, alle Materialien Reste aus dem Bestand, nur die Reißverschlüsse sind neu gekauft.
Nachdem das Dringende somit erledigt ist, konnte ich noch ein klein wenig an die weitere Planung gehen. Dazu gibt es eine hochprofessionelle Zeichnung - getreu der Schlampenstrickmethode - für eine schwarze Strickjacke mit V-Ausschnitt und langem Bund. Ich möchte den Hauptteil der Jacke aus glattem schwarzem Garn (wahrscheinlich Baby Merno von Drops) stricken und mit einem flauschigen Garn (möglicherweise Drops Kid Silk als Beilauffaden zur Merinowolle) ein Hahnentrittmuster einstricken. Dazu muss ich erstmal ein paar Proben stricken um herauszufinden, welche Größe der Hahnentritt haben muss, um erkennbar zu sein. Falls das Muster gar nicht funktioniert, gibt es abwechselnd glatte und flauschige Ringel.
Die geplante Strickjacke ist allenfalls sehr locker "inspiriert von" Vivienne Westwood, denn bei der Suche nach Bildern von Stricksachen ist mir nichts wirklich Kopierwürdiges untergekommen. Obwohl ich die Jacke mit dem großen Zifferblatt (pinterest-Link) recht nett finde - allerdings würde ich das Zifferblatt aufsticken, nicht aufdrucken.
Bei den Röcken aus Wollstoff mit Drapierung werde ich mich hingegen an einer Kopie versuchen, als Vorbild dient dieser Rock (pinterest-Link), bei dem man Dank gestreiftem Stoff die Konstruktionsweise erahnen kann. Damit habe ich mich aber noch nicht ernsthaft beschäftigt. Möglicherweise legt ja eine andere Sewalong-Teilnehmerin heute schon etwas vor.
Die Sammlung aller Teilnehmerinnen findet sich hier bei Claudia - ich freue mich schon darauf, alles in Ruhe anzuschauen. Mir hat ein Sewalong lange nicht mehr so viel Spaß gemacht, es ist toll, bei jeder Teilnehmerin einen anderen Aspekt von Vivienne Westwood zu entdecken.
Freitag, 17. Oktober 2014
Berlin im Arya-Fieber
Berlin hat sich nicht abgesprochen, Berlin ist im Arya-Fieber, das unabhängig voneinander an verschiedenen Stellen ausbrach. Als Kreuzberger Nähte ihre große Arya am Freitag zum Markttreffen mitbrachte, kam nämlich heraus, dass auch Floh und Yvonet schon ein Auge auf das Schnittmuster geworfen hatten, und meine war schon einige Zeit fertig, aber noch nicht fotografiert. Ohne dass wir vorher darüber gesprochen hatten, flogen wir alle auf denselben Schnitt - so entstehen Moden.
Ich fand den Arya-Schnitt ja schon gut, als Griselda ihn im Mai vorstellte: eine unverkünstelte geräumige Tasche, die noch dazu einfach und schnell zu nähen sein sollte - letzteres fand ich als nicht so taschennähbegeisterte Person wichtig. Für die Reise nach Lyon brauchte ich eine geräumigere Handtasche als normalerweise, weil da auch noch ein Stadtplan herumgetragen werden musste. Ein Abgleich des Schnittteils der mittleren Größe mit meinem Laptop ergab außerdem, dass der Rechner möglicherweise hineinpassen würde. Auf jeden Fall ein Pluspunkt, denn im Moment nehme ich neben meiner kleinen Handtasche meistens einen schwarzen Rucksack von Tchibo, den ich mir gegen Ende meines Studiums gekauft hatte, wenn es etwas zu transportieren gibt. Tja, hätte ich damals in Fjällräven investiert, wäre der jetzt wieder schick (merke: Sachen von Tchibo werden niemals zu Modeklassikern).
Der Oberstoff ist ein ziemlich plastikhaltiger Jeansstoff aus schwarzen und weißen Fäden, der aus einiger Entfernung grau aussieht und auf Fotos interessante Moire-Effekte ergibt.
Der Clou des Schnitts ist der diagonal verlaufende Reißverschluss im Deckel, wodurch man bestens an den Inhalt herankommt. Anders als in der Anleitung habe ich keine Reißverschluss-Meterware verwendet, sondern einen 40 cm-Reißer für den Deckel und 25 cm für die vordere Tasche.
Sichtbare Steppnähte und Taschenhenkel sind bei Taschen immer das Waterloo der Hobbynäherin - das bekommt man mit Bordmitteln einfach nicht so hin "wie gekauft". Beim nächsten Mal werde ich aber den Tipp von Wollixundstoffix beherzigen, und fürs Absteppen dickeres Garn verwenden. Für Taschenhenkel aus Leder gibts bei Griselda eine tolle Anleitung, das will ich auch probieren - schließlich fand ich sogar Nieten (Prym) in meinem Fundus, die ich vor Jahren für ein längst vergessenes anderes Vorhaben gekauft hatte. Die haute ich durch Träger und Schlaufenbefestigung aus Baumwollgurtband (vom Nähkontor), um der Sache einen etwas professionelleren Anstrich zu geben.
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Die Machwerke-Bodenfaltung |
Zusammenfassung:
Taschenschnitt: "Arya" von Machwerk (hier: mittlere Größe)
Oberstoff: grauer Jeansstoff (Markt)
Futter: gelb gemusterter Patchworkstoff und orangeroter Baumwollsatin
Verstärkung: Vlieseline H640 (Wattierung zum Aufbügeln)
Zubehör: Baumwollgurtband (Nähkontor), Nieten (Prym), Metallreißverschlüsse 40 und 25 cm (Yavas)
Samstag, 30. August 2014
Nahtzugabe unterwegs: München (mit der Cargo duffle bag nach noodlehead)
Vor ein paar Wochen verschlug es mich für ein Wochenende mal wieder nach München. Neben einer Geburtstagsfeier ließ sich in die zwei Tage noch ein sehr nettes Blind Date mit Steffi und etwas Shopping mit Nähbezug hineinquetschen, dazu aber später mehr. Zuerst möchte ich aber die hart erkämpfte Cargo duffle bag nach dem kostenlosen Schnittmuster von noodlehead zeigen. Hart erkämpft deshalb, weil ich ja eigentlich keine Taschen nähe und sowohl das Anfangen, als auch das Fertigstellen dieser Tasche ohne externe Motivation nicht möglich gewesen wäre.
Die externe Motivation fürs Beginnen stellte sich durch die Quiltgruppe ein, denn wir hatten uns überlegt, gemeinsam Taschen zu nähen und uns für das noodlehead-Modell entschieden. Ich hatte mir eine zusätzliche Schwierigkeit auferlegt, weil ich die Hauptteile der Tasche aus einem Berg schriller Krawatten patchworkmäßig zusammensetzen wollte. Die Krawatten waren eine gut gemeinte Spende meiner Schwiegertante, die ich seit 2011 von einer Ecke in die andere schob: die Muster waren zwar interessant, aber zu dem furchtbaren Kunstfasermaterial wollte mir lange nichts einfallen. Karen brachte dann - ich glaube es war bei einem kurzen Treffen im Herbst 2011 - die Idee "Reisetasche" ins Spiel - et voilà, nur knapp drei Jahre später ist diese Idee schon umgesetzt!
Ich entschied mich, Krawatten mit blauer Grundfarbe und einen schwarz-weiß gewebten, im Gesamteindruck grauen Jeansstoff zu verarbeiten. Die Krawattenstoffe schnitt ich in Rechtecke und nähte und steppte sie in quilt-as-you-go-Technik direkt mit der Volumenvlieseinlage und dem Futterstoff zusammen, so wie in diesem Tutorial.
Beim Nähtreffen schaffte ich es immerhin, die wichtigsten Teile der Tasche zuzuschneiden, die ersten Streifen zu steppen und mich von den Inch-Maßen in der Anleitung nicht wahnsinnig machen zu lassen. Es gibt offenbar zwei Dinge, durch die mein Hirn sofort in den Schlafzustand versetzt wird: Inch-Maße und Kartenspielregeln. Ich lese "Final project measures 18" x 11" x 5"", sage jaja, lache verunsichert und denke mir nichts dabei. Erst durch das Umrechnen in Zentimeter (was so krumme Maße ergibt, dass es einem beim Zuschneiden auch nicht weiterhilft), wurde mir immerhin klar, dass hier eine richtige Reisetasche am Entstehen war - die fertige Tasche ist etwa 46 cm breit, 28 cm hoch und 13 cm tief.
Alle Teile der Tasche werden aus drei Schichten - Außenstoff, Volumenvlies, Futter - zugeschnitten und durchgesteppt und erst dann zusammengesetzt. Die Nahtzugaben innen werden zuletzt mit Schrägband eingefasst. Man spart sich so zwar das Aufbügeln von Einlage und das Nähen eines separaten Futters, die kilometerlange Stepperei fand ich dann doch etwas ermüdend, und bei den Schrägabandeinfassungen nähte ich die zweite Runde mit der Hand an und versuchte erst gar nicht, die knubbeligen Nahzugaben präzise unter das Füßchen zu schieben.
Die Henkel bestehen aus Baumwoll-Gurtband vom Nähkontor, aufgesteppt auf Bänder aus Jeansstoff. Zum Verschließen der Vordertaschen (die meiner Ansicht nach zu klein sind, um irgendetwas Sinnvolles dort unterbringen zu können - eine einzige große Vordertasche wäre besser), also zum Verschließen der Vordertaschen steppte ich Klettband auf.
Die bevorstehende Reise motivierte mich dann genügend, die Tasche einigermaßen zügig und unbekümmert fertigzunähen und mich mit kleinen Unregelmäßigkeiten nicht aufzuhalten. Ich kenne mich: wenn ich erst anfange, über jede einzelne Naht zu meditieren und zu überlegen, ob das jetzt alles ordentlich genug ist, dann wird so eine Tasche bei mir niemals fertig. Und bei dieser Tasche gäbe es eine Menge Nähte, über die man meditieren könnte. Die Tasche hat sich auf der Reise dann auch bewährt: wie praktisch, das eigene Gepäckstück gleich auf den ersten Blick überall wiederfinden zu können, und eine große Verbesserung gegenüber dem abgewetzten Tchibo-Rucksack, mit dem ich solche Kurzreisen bisher bestritten hatte.
Für die Cargo duffle bag gab es hier übrigens einen Sew-along, in dem alle Nähschritte mit Fotos gezeigt werden. Ich fand in der Anleitung die Abmessungen für Vorder- und Rückseite etwas verwirrend - der Oberstoff soll etwas größer als Futter und Vlies zugeschnitten werden, und mir ist nicht klar geworden, ob damit ein Schrumpfen des Stoffes durch das Quilten ausgeglichen werden soll und welches Maß Vorder- und Rückseite letztlich haben sollen. Glücklicherweise kommt es beim Zusammensetzen der Tasche nicht auf den Zentimeter an.
München für und mit Nähnerds
Am Sonntag traf ich dann Steffi - 81gradnord zum Kaffeetrinken, und sie hatte ein wunderbares Lokal vorgeschlagen, in dem es so viel anzuschauen gibt, dass wir bestimmt auch eine Stunde nur mit Gucken hätten verbingen können, wenn sich unangenehme Gesprächspausen ergeben hätten. Das war aber nicht der Fall, und ich hoffe wir treffen uns bald mal wieder. Ich kann deshalb auch gar nicht so genau sagen, was man alles im Café Marais kaufen kann. Das Café befindet sich in einem großen Eckladen, in dem das Inventar eines alten Textilkaufhauses erhalten geblieben ist. In den tausend Fächern, Schubladen und Vitrinen stehen jetzt schönes altes Geschirr, Deckchen, Spitzenkragen, Schmuck, Abendhandtaschen, es gibt Schals, Hüte, Kosmetik, Bonbons, Tee, Schokolade, kleine Möbel, und mir war so, als hätte ich auch Textilfarben gesehen - leider habe ich vergessen, mir diese Flaschen, die ich nur von weitem sah, genauer anzuschauen.
Außerdem kann man dort natürlich Kaffee trinken, Kuchen und kleine herzhafte Gerichte essen, und auch die Umgebung fand ich ganz interessant: Die Schwanthaler Höhe ist ganz deutlich im Umbruch, die schicken neuen Läden wechseln sich mit den Schaufenstern von Heizungsinstallateuren und Billig-Dönerläden ab, an der einen Ecke verfallen zwei ganze Häuser, an der anderen werden die Häuser schick gemacht. Ein kleine-Leute-Viertel auf dem Weg zum Szenekiez, eine Entwicklung, die ich in München nicht erwartet hätte - ich dachte tatsächlich, dort wäre schon alles durchrenoviert.
Der zweite Nähnerd-Programmpunkt an dem Wochenende bestand in einem Besuch im Orag-Haus in der Münchner Innenstadt, nahe dem jüdischen Museum und dem Stadtmuseum. Die Orag ist eine Genossenschaft des bayerischen Schneiderhandwerks, die seit dem 19. Jahrhundert Schneiderzubehör und Futterstoffe einkauft und die Rabatte bei der Abnahme großer Mengen an ihre Mitglieder weitergibt. Heute kann jeder in dem Laden am Oberanger einkaufen, und der Kontrast zu den schicken, glänzenden Geschäften in der Umgebung, den aufwendig dekorierten Schaufenstern, der raffinierten Beleuchtung, könnte nicht größer sein. Die Einrichtung der Orag ist funktional, und im Grunde immer noch so, wie nach dem letzten Ladenumbau in den 1960er Jahren: Regale mit Knopfschachteln, Reißverschluss- und Garnkisten ziehen sich bis zur neonbeleuchteten Decke, Quittungen werden per Hand ausgeschrieben und die Durchschläge mit einem Mini-Lastenaufzug in die darüber liegenden Büroräume verfrachtet.
Die Orag ist kein Ort für verfeinerte Warenpräsentation, dafür gibt es ohne Übertreibung alles, was im Schneiderhandwerk benötigt wird, unter anderem eine beeindruckende Auswahl an Knöpfen, an Trachtenknöpfen und Miederhaken für Dirndl, jede nur erdenkliche Einlage, jedes nur erdenkliche Nähgarn, außerdem Werkzeuge zum Markieren und zum Schneiden, Futterstoffe und Nähmaschinennadeln, Handnähnadeln für jedes Spezialgebiet und Stecknadeln gleich im 500g-Paket, falls gewünscht. Die Damen hinter den Verkaufstresen waren bei meinem Besuch sehr hilfsbereit und erklärten einer Nähanfängerin geduldig die Unterschiede zwischen verschiedenen Arten Schneiderkreide und diversen Markierstiften. Ich entdeckte dort den Kreideminenstift, von dem ich so begeistert bin und ließ mich zu einem Spontankauf hinreißen. Wäre das Orag-Haus in Berlin, ich wäre sicher eine häufige Kundin.
Viele weitere Einkaufstipps mit Textilschwerpunkt für München finden sich übrigens hier bei Claudia - Machen und Tun. Bei Quilt&Textilkunst konnte ich beim vorletzten München-Besuch zum Beispiel nur einmal ganz kurz reinschauen, da möchte ich mit mehr Zeit unbedingt noch einmal hin.
Donnerstag, 23. Januar 2014
Eine neue Tasche für den Liebsten
Ich hatte mir ja fest vorgenommen, zu Weihnachten keine Tasche zu nähen. Wie ich bestimmt schon zwei- oder dreimal erwähnt habe, macht mir das Nähen von Taschen nicht besonders viel Spaß, deshalb wollte ich für die mittlerweile total verschlissene Herrenhandtasche von 2009 einen Ersatz auf dem Weihnachtsmarkt in der Kreuzberger Markthalle besorgen. Aber als Selbermacherin kommt man eben doch immer wieder aufs Selbermachen zurück.
Auf dem Markt hatte ich zwar eine ganze Menge Taschen in der Hand, aber wirklich keine, die ich gerne gekauft hätte. An dem einen Stand fand ich das Planenmaterial hässlich, die Taschen aus Fahrradschläuchen fand ich - ganz abgesehen vom Geruch - auch nicht sonderlich attraktiv, und an einem dritten Stand gefielen mir zwar Material und Verarbeitung, aber dafür gab es nur ungünstige Formate. Entweder deutlich kleiner als DinA4 oder deutlich größer, so dass man einen großen Aktenordner oder einen großen Laptop transportieren könnte. Für mich liegt die ideale Taschengröße irgendwo dazwischen: so, dass eine Zeitschrift, eine dünne Mappe oder ein kleines Netbook gut hineinpassen.
Zuhause fing ich dann also doch wieder an, aus Zeitungspapier Schnittteile auszuschneiden und mit Tesa zusammenzukleben, hier abzuschneiden und da zuzugeben. Wenn ich keinen fertigen Taschenschnitt benutze, baue ich den Taschenkorpus immer erst aus Papier zusammen, sonst kann ich mir nicht vorstellen, wie groß das ganze wird. Noch am Sonntagabend begann ich mit Zuschneiden und Nähen - lieber die Energie nutzen, solange sie da ist, und der Geheimprojektbegünstigte weilte im Voralpenland.
Bei so einem spontanen Nähvorhaben erweist sich mal wieder der Vorteil eines guten Lagers: Die blaue Plane ist ein Rest der Paco-Tasche - von der Optik und der Strapazierfähigkeit her ein ganz tolles Material, nur nicht ganz einfach zu vernähen, es lässt sich zum Beispiel nicht bügeln. Säume und verstürzte Kanten bekommt man daher nur flach, wenn man sie absteppt, was mit einer Haushaltsnähmaschine aber nur unter Schwierigkeiten möglich ist. Die untere Kante der Taschenklappe bekam darum einen Beleg aus einem Stück dünnem Nylongurtband (ebenfalls Fundus), auf dem zweiten Bild kann man das mehr erahnen als sehen. Weil das Gurtband so steif ist, liegt die Kante flach, das hätte mit eingeschlagener und festgesteppter Plane alleine nie geklappt.
Die Vorderseite der Tasche besteht aus einem Rest grauen Wollstoff, den ich mit einer Lage Gewebeinlage zum Aufbügeln und Vlieseline H630, einem dünnen, aufbügelbaren Volumenvlies verstärkt habe. Das Futter ist ein Rest vom Trenchcoat, es hätte gerne etwas farbiger sein können, aber in diesem Fall geht Strapazierfähigkeit vor Farbe. Reißverschlüsse, Karabiner und Schnallen für den Träger hatte ich ebenfalls zuhause, nur das Gurtband musste ich besorgen. Ich nahm das Baumwollgurtband aus dem Nähkontor, von dem ich übrigens ganz begeistert bin: sieht viel besser aus als Nylongurtband und meine Nähmaschine mag es auch lieber. Außerdem gibt es das Band nicht nur in verschiedenen Farben, sondern auch in unterschiedlichen Breiten, so dass die Schnalle vorne mit einem Band in der gleichen Farbe wie der Träger befestigt werden kann.
Die Schnalle stammt aus einem Onlineshop, den es schon lange nicht mehr gibt und ist eine Verwandte des Magnetdrehknopfes, der an der ersten Tasche befestigt war. Auch die Schnalle namens Fidlock Slider schließt magnetisch
Und nicht zuletzt möchte ich auf Monikas Sammelaktion Winter HerrMann hinweisen - Monika sammelt jetzt vier Mal im Jahr Genähtes und Gestricktes für den Mann. Mit Thread Theory und Walden, der Männer-Schnittmusterlinie von Colette Patterns, gibt es ja nun endlich auch eine größere Auswahl interessanter Schnittmuster für Männersachen. Und wer weiß, vielleicht bald auch einige nähende und bloggende Männer?
Sonntag, 31. März 2013
Wintermantel für den Laptop
Ich weiß wirklich nicht, warum ich so ungerne Taschen nähe. Seit der Stoffspielerei zum Jahreswechsel, bei der ich die aufgestickten Zackenlitzen zeigte, lag der bestickte Stoff, das Polstervlies, der Futterstoff in einem Stapel auf dem Bügelbrett herum und wurde regelmäßig von A nach B geräumt. Den Laptop transportierte ich solange in einer abgewetzten Tasche, die rundherum 5cm zu groß war. (Wenn ihr übrigens heute auf der Suche nach Stoffspielereien hier seid: die sind auf den 28. 4. verschoben, dann sammelt Karen die Beiträge).
Als ich mich dann endlich zum Nähen aufgerafft hatte, kam ich bis zur Verschlussblende und räumte dann die halbfertige Hülle mit losem Gummiband ein paar Wochen von A nach B. Gut, dass ich nicht in allen Bereichen an solcher Aufschieberitis leide. Man könnte ja meinen, eine gefütterte Tasche in Form eines Briefumschlags zu nähen, sei so schlimm wie die Steuererklärung.
Einen positiven Nebeneffekt hatte meine Nähunlust aber doch. Bevor ich ans Werk ging, konnte ich erst noch Andreas Post über ihre neue Kameratasche lesen, in dem sie beschreibt, wie sie von innen nach außen genäht habe: erst eine passende Hülle aus Futter, dann aus Vlies, dann den Außenstoff zugeschnitten. Das war ein guter Tipp und für mich der entscheidende Aha-Effekt, denn wenn man vom Außenstoff ausgeht werden solche passgenauen, dick gefütterten Taschen gerne mal zu eng (an anderer Stelle schon ausprobiert). Ich steppte also erst das Futter aus orange Baumwollsatin mit zwei dünnen Lagen Volumenvlies zusammen, nähte daraus eine passende Hülle und schnitt erst dann nach den Maßen vom Laptop mit Futter- und Vlieshülle den Außenstoff zu, einen Rest vom schwarzen Mantelvelours. (Ja, der Laptop und ich gehen jetzt im Partnerlook).
Der Verschluss der Hülle besteht aus einem breiten schwarzen Gummiband, wie man es zum Beispiel im Rockbund verwendet, das in einer abgesteppten Verschlussblende aus dem Mantelstoff (ohne Vlies) mitgefasst ist.
Die Gummischlaufe läuft also längs um die Tasche herum, das hält bombenfest und hat sich mittlerweile auch als sehr praktisch erwiesen - auch wenn ich beim ersten Mal an- und ausziehen kurz nachdenken musste, wie ich nochmal diesen Gummi an die richtige Stelle klappe. Die Idee hatte übrigens der Liebste - ich wollte schwarzes Klettband annähen, obwohl auch ich das schreckliche "SCHRAGGG!!!"-Geräusch nicht leiden kann, mit dem man Klettverschlüsse aufreißen muss. Der Einfall, das Gummi längs und nicht quer verlaufen zu lassen, kam dann beim Anhalten und Ausprobieren mit der halbfertigen Hülle zustande, also vielleicht ein weiterer positiver Nebeneffekt des langsamen Nähens.
Weiterhin schöne Osterfeiertage euch - ob nun mit oder ohne entschleunigtem Nähen. Ich werde mich nun mal mit den Ärmeln des Trenchcoats beschäftigen, damit er bereit ist, wenns endlich wärmer wird.
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Montag, 3. September 2012
Taschen-Monat September: Bestandsaufnahme und Ideen
Als Streifenmonats-Niete, die über das Planungsstadium nicht hinaus gekommen ist, verspreche ich in punkto Taschen für Meikes Taschenmonat lieber nichts. Denn Taschen auf, in, an Kleidungsstücken schätze ich zwar, weil sie praktisch sind, die dekorativen Möglichkeiten der Tasche habe ich bis dato aber noch nicht ausgeschöpft.
Gerade bei der aufgesetzten Tasche habe
ich den Eindruck, dass es nicht trivial ist, die richtige Form, Größe
und Platzierung auf dem Kleidungsstück zu finden. Wäre ja auch zu
einfach, wenn ich daherkommen, einfach „mal eben schnell“ eine
Tasche aufnähen würde, und es sähe prima aus – schließlich
studieren andere Leute jahrelang Design um sowas zu können. Da halte
ich mich lieber ans Schnittmuster.
Sehr gelungen finde ich zum Beispiel
die aufgesetzten Taschen meines japanischen Rocks. Seitlich reichen die
Taschen bis zur Naht, oben bildet die Verlängerung der Tasche die
Gürtelschlaufe. Das ist aber auch das einzige Stück mit
bemerkenswerten Taschen, das ich bei mir gefunden habe. Wir haben
hier also eine echte Wissenslücke entdeckt.
Der Taschen-Monat wäre eigentlich die richtige Gelegenheit, um diese Lücke zu schließen - aber wie gesagt, ich bin noch unentschlossen. Vielleicht komme ich ja angesichts der Taschen-Beiträge, die Meike hier sammelt, auf Ideen. Einen großartigen Link, der zumindest die technische Seite der meisten vorstellbaren Taschen erklärt, fand ich kürzlich via Natron: Eine Serie auf ikatbag.com zeigt mit Fotoanleitungen, wie man 25 verschiedene Taschen näht.
Der Taschen-Monat wäre eigentlich die richtige Gelegenheit, um diese Lücke zu schließen - aber wie gesagt, ich bin noch unentschlossen. Vielleicht komme ich ja angesichts der Taschen-Beiträge, die Meike hier sammelt, auf Ideen. Einen großartigen Link, der zumindest die technische Seite der meisten vorstellbaren Taschen erklärt, fand ich kürzlich via Natron: Eine Serie auf ikatbag.com zeigt mit Fotoanleitungen, wie man 25 verschiedene Taschen näht.
Sonntag, 26. August 2012
Stoffmanipulation: Zickzack plastisch - aber Schwarz macht eben doch schlank
Wo ist eine Idee, wenn man mal eine braucht? Zur Stoffmanipulation in diesem Monat brauchte ich letzte Woche ganz dringend eine. Glücklicherweise sitze ich tagtäglich an einem Fenster im ersten Stock mit dem Blick auf eine sehr belebte Straße. Wenn man da den Blick schweifen lässt, fällt einem eigentlich immer irgendetwas auf oder ein. Letzte Woche dachte ich über die Stoffmanipulation nach, schaute nach unten - und sah eine weiße Tasche mit schwarzem Zickzackmuster am Arm einer Frau vorübergehen.
Aus dem regelmäßigen, kleinformatigen Zickzack aus der Fabrik wurde bei mir ein einziger Riesenzacken aus schwarzem Leinen, offenkantig mit großen Handstichen (Sticktwist) appliziert. Da alle offenen Kanten schräg zum Fadenlauf geschnitten sind, wird er in der Wäsche nicht oder nur ein bißchen ausfransen.
Die Kanten wollte ich durch eine plastische Füllung hervorheben, was nicht so ganz geklappt hat. Zwischen die beiden parallelen Stichreihen oben und unten habe ich von der Rückseite mehrere Stränge weiches Baumwollgarn gezogen.
Kordelquilten oder Kordelstepperei nennt man das - geht auch mit der Maschine. Das Prinzip ist immer, dass man in eine doppelte Stofflage einen schmalen Tunnel näht, in den eine oder mehrere Kordeln mit einer stumpfen Nadel eingezogen werden. An den Spitzen, wenn der Tunnel die Richtung wechselt, sticht man durch die Rückseite nach draußen, sticht an der gleichen Stelle wieder ein und lässt auf der Rückseite eine kleine Fadenschlaufe stehen.
Allerdings entfaltet das schwarze Leinen eine so schlankmachende Wirkung, dass man die plastische Füllung nur im Gegenlicht wahrnimmt, oder wenn man die Tasche anfasst - jedenfalls nicht auf einem Foto. Kordelstepperei macht auf einem einfarbigen, hellen Stoff definitiv mehr her, so viel zum Lernzuwachs dieses Mal.
Alle August-Stoffmanipulationen sammelt Suschna heute hier (und wir dürfen in ihre Blumenwerkstatt gucken).
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