
Regelmäßige Leserinnen dieses kleinen Blogs werden bemerkt haben, dass recycelte Hemdenstoffe zu meinen Lieblingsmaterialien zählen - ob nun als
Rock oder als
Ansteckblume. Aber auch - Achtung, ganz revolutionär! - das Hemd als Hemd macht sich gut. Oder als Bluse, in meinem Fall.

Denn ehrlich gesagt habe ich Hemden-Neid - wie kann es sein, dass eine hochwertige Bluse ungefähr doppelt so viel kostet wie ein Oberhemd guter Qualität? Warum sitzen Kaufblusen immer so außerordentlich bescheiden? Warum gibt es die weichen, bügelfreien und schön bunt gestreiften Stoffe, aus denen modische Herrenhemden gemacht werden, praktisch nie als Meterware? Solche Fragen stelle ich mir tagaus, tagein (naja).

Die Herrenhemden im Nahtzugabe-Haushalt stehen daher unter verschärfter Beobachtung meinerseits - denn wenn der Kragen durchgescheuert ist, gehört es mir! Ich höre mich vermutlich an wie Gollum, aber diesem speziellen Exemplar - Schweizer Fabrikat, seidiger Stoff, breite tabakbraune und ganz feine veilchenblaue und beige Streifen - gierte ich schon lange hinterher, denn ich sah darin schon die zukünftige Bluse.
Ein Hemd und ein Fat Quarter = eine neue Bluse für mich
Am besten sucht man sich einen Blusenschnitt ohne Passe und Kragen, dann lassen sich die Teile der Bluse aus den entsprechenden Teilen des Hemdes zuschneiden - also die Vorderteile aus den alten Vorderteilen, dabei die Knopfleiste weiterverwenden, das Rückenteil aus dem Rücken und die neuen Ärmel aus den alten. Ich verwendete die
Bluse 118 aus Burda 9/2009, ohne Schleife, und mit etwas weniger Weite in den Ärmeln, mangels Stoff. Der Ausschnittbeleg und die Ärmelbündchen sind aus Patchworkstoff, ein Fat Quarter (50*50cm) war reichlich. Weil die Knopflöcher bis auf das oberste nicht mehr genäht werden müssen, geht die ganze Sache sogar ziemlich fix.

(Was mir noch etwas Kopfzerbrechen macht, sind die ungewohnten Proportionen - ich hatte jetzt bestimmt einige Jahre schon keine so lang geschnittene Bluse mehr und muss noch probieren, wie man die am besten anzieht. Aber pst, das muss der Hemdenspender ja nicht wissen, der ist nämlich jetzt neidisch, dass ich das Hemd noch anziehen kann, und er nicht.)
Viele Ideen zum Hemdenrecycling gibt es übrigens hier bei
Clevergirl.org (der Link war ein Tipp von Suschna).
Schnittmuster: 118 aus Burda 9/2009
Stoff: Ein Oberhemd und ein Fat Quarter (50*50cm) Patchworkstoff, 2002 oder so in den USA gekauft.
Änderungen: Ärmel wegen Stoffmangel etwas verschmälert, Abnäher an den Körper angepasst, Schleifenband weggelassen.