Posts für Suchanfrage strickjacke werden nach Datum sortiert angezeigt. Nach Relevanz sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage strickjacke werden nach Datum sortiert angezeigt. Nach Relevanz sortieren Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 3. Juni 2020

MeMadeMittwoch: Eine Reminiszenz an das beliebteste Sommerkleid Europas 2019

Habt ihr letztes Jahr im Spätsommer die Geschichte des beliebtesten Sommerkleids Europas mitbekommen? Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob es zu diesem Kleid auch in deutschen Medien Berichte gab (und finde jetzt keine Artikel dazu), der britische Guardian berichtete aber ziemlich groß darüber und diverse englischsprachige Frauenzeitschriften folgten.

Das Kleid, ein weites, halblanges Viskosekleid aus weißem Stoff mit schwarzen, unregelmäßigen Tupfen, das in Großbritannien 40 Pfund kostete, in den USA 50 Dollar, hatte sich zum viralen Sommerhit entwickelt. Es wurde von Frauen jedes Alters und jeder Figur getragen, es passte zu allen Schuhen und allen Anlässen, war bequem und unkompliziert und nicht zuletzt bildete es den Gegenentwurf zu einzwängender, körperbetonter Sommerkleidung, die den Körper permanent der Beurteilung anderer aussetzte. Das Kleid wurde so oft verkauft, dass die Wahrscheinlichkeit groß war, es auf der Straße an einer anderen Frau zu sehen - und laut Guardian nickten seine Trägerinnen einander in einer Art verschworener Schwesterschaft zu, wenn sie sich auf der Straße begegneten. Schließlich gab es sogar einen Instagramaccount, der allein diesem Kleid und seinen Trägerinnen gewidmet war. 


Die Erfolgsgeschichte dieses Kleides mit allen seinen offensichtlichen Vorteilen blieb irgendwie bei mir haften und entwickelte sich im Lauf des Frühjahrs zu dem Wunsch, etwas ähnliches zu nähen. Halblang, locker geschnitten, mit halblangen Ärmeln, moderatem Ausschnitt und je nach Zubehör (Strumpfhose oder nicht, Strickjacke oder nicht) für alle Monate zwischen März und November geeignet. Wenn von einem Kleid dieses Typs letztes Jahr vermutlich zehntausende Exemplare (genau weiß man das nicht) verkauft worden waren, dann doch bestimmt nicht ohne Grund.


Einen passenden Schnitt fand ich in Kleid 21 aus Fashion Style 7/2018, dem monatlichen Entwurf des niederländischen Labels Janice, wobei der Originalentwurf einen vorne kniekurzen, hinten langen Rock vorsah. Das Rockteil habe ich gleich am Schnitt großzügig verlängert, so dass es im Rückenteil nur noch zwei, drei Zentimeter länger ist als vorne.


Den Ärmelabschluss bilden Ärmelblenden, die in einem Stoffstreifen zum Knoten auslaufen. Diese Blenden habe ich mit Einlage verstärkt, ebenso wie den Blusenkragen und  die Kanten des Schlitzes darunter, die einfach nur umgeklappt und festgesteppt werden.


Die Teilungsnähte des Schnitts sind durch das Stoffmuster so gut wie nicht sichtbar, das ist etwas schade. Das ziemlich unruhige Muster finde an sich auch nicht einmal wirklich schön, aber für dieses Allround-Kleid ist es genau das richtige. Alle meine Schuhe, Strickjacken und fast alle Jacken und Mäntel passen dazu, und damit habe ich das beliebteste Sommerkleid 2019 recht gut reproduziert - wenn es auch, da Einzelstück, keine verschworene Gemeinschaft der Kleidträgerinnen gibt, was fast ein bisschen schade ist.


Details zu Stoff und Schnitt:

Schnitt: Kleid 21 aus fashionStyle 7/2018
Änderungen: Vorderes Rockteil verlängert, so dass der Rock vorne nur knapp kürzer ist als hinten, Schultern beim Einsetzen der Ärmel etwa 1 cm verschmälert
Material: 2,50 m gewebte Viskose (Viskosebatist), Einlage für Kragen, Ärmelblenden, Schlitzkanten im Oberteil

Menschen in selbstgenähter Kleidung treffen sich wie jeden ersten Mittwoch im Monat beim MeMadeMittwoch - wo Gastgeberin Elke heute mit der Wilder Gown ein Kleid zeigt, das auch eine gewisse Ähnlichkeit zum beliebtesten Sommerkleid des vergangenen Jahres zeigt. (Aber ihres hat Taschen, noch besser!)

Mittwoch, 6. Mai 2020

MeMadeMittwoch, Use-what-you-have-Edition

Die allerbeste private Investition der letzten Jahre: mein Stoff- und Nähzutatenlager. Hand hoch, wer sich in den letzten sechs Wochen auch zufrieden auf die Schulter geklopft hat, beizeiten ausreichende Materialvorräte angelegt zu haben! Ich konnte zuhausebleiben und weiternähen, als ob nichts wäre, und ich hätte noch Material für Projekte für die nächsten paar Monate, wenn nicht Jahre, wenn es darauf ankäme, und danach könnte ich immer noch mit den Resten weiternähen.


Die beiden Kleidungsstücke vom Foto sind aus Resten entstanden, allerdings schon Anfang des Jahres. Ich werfe Stoffreste bis auf ganz kleine Abschnitte nicht weg, sondern hebe sie, ordentlich zusammengefaltet, mit dem Gedanken auf, sie irgendwann als Kombinationsstoff zu verwenden oder mehrere Reste zu etwas ganz Neuem zu kombinieren. Wie man sich unschwer denken kann, ist es dazu bisher nicht so oft gekommen, wie ich mir gewünscht hätte. Nur die Restesammlung wurde immer größer.



Zum Jahreswechsel stand dann "endlich was aus den Stoffresten nähen" ziemlich weit oben auf der Projektliste, und dann erschien auch noch ein Artikel über Daniel Silverstein alias Zero Waste Daniel in der New York Times. Irgendwo hatte ich vor einiger Zeit schon einmal eine Artikel über seine Mode aus Stoffresten gelesen und einen Bericht gesehen (ich glaube es war dieser Beitrag) und daraufhin angefangen, alle Jerseyreste separat zu sammeln, aber es gilt ja das ewige Gesetz: Stoff sammeln ist einfacher als Stoff vernähen. Die Sache war dann doch wieder ins Hintertreffen geraten. Der NYT-Artikel war dann der Anlass, mich zur Inspiration durch Webseite und Instagram zu wühlen - außerdem gibt es einen Zero-Waste-Daniel-Youtubekanal, wo auch ein bisschen gezeigt wird, wie aus Resten ein neuer Stoff zusammengesetzt wird.



Das Shirt ist dann an einem Nachmittag entstanden. Ich suchte farblich zusammenpassende Jerseyreste aus, schüttete sie auf einen Haufen und setzte sie von den größeren Stücken ausgehend mit der Overlock zusammen. Die Schnittteile für das Shirt legte ich immer wieder auf, um gezielt Stoffstücke anzunähen, wo noch etwas fehlte. Es machte Spaß, mal so richtig ausgiebig mit der Overlock zu nähen, ich nähe ansonsten nicht viel mit Jersey. So ein Resteshirt ist das richtige Projekt, wenn man mal viel geradeaus nähen und wenig denken möchte.


Das Futter ist auch ein Rest, und weil es etwas kurz war, habe ich am Saum eine Spitzenborte angesetzt. (Außerdem muss man sich bei dem flutschigen Futterstoff dann nicht mit dem Säumen abplagen.)
Der Rock enstand auch Anfang Januar (in diesem Beitrag lag er schon auf dem Nähstapel). Der Schnitt für den "Skyline Skirt" aus dem Buch "Twinkle sews" eignet sich sehr gut für Reste, ich horte seit Jahren lauter 40-cm-Wollstoffreste allein für diesen Schnitt. Hier kombinierte ich einen Rest dunkelgraue Viskose-Wollmischung mit einem Pfeffer-und-Salz-Tweed mit Glitzer, den ich einmal in Bielefeld vom Tauschtisch mitgenommen hatte (und der beim Bügeln ziemlich giftig roch, wahrscheinlich wegen dem Lurex). Ich hätte aber noch Reste für zwei oder drei weitere Skyline Skirts.



Normalerweise würde ich diese beiden Kleidungsstücke nicht unbedingt miteinander kombinieren. Gerade was das Shirt betrifft, ist die Grenze zu merkwürdiger Ökomode wahrscheinlich fließend (oder möglicherweise je nach Betrachterin auch schon überschritten). Trotzdem hat es etwas sehr Befriedigendes, aus einer Tüte Stoffreste, die man auch hätte wegwerfen können, wieder ein richtiges Kleidungsstück zu nähen, und ich ziehe das Shirt regulär im Wechsel mit meinen anderen Langamrshirts an, meistens unter einer Strickjacke oder einem Pullover. Weitere werden sicher folgen, öko oder nicht - auch Stoff ist ein Rohstoff, mit dem man sparsam umgehen sollte, und davon abgesehen macht auch das Nähen einfach Spaß. Ein Detailfoto vom Shirt liefere ich hier noch nach - mir fällt erst jetzt ein, dass das ja interessant gewesen wäre! Bilder oben eingefügt (7.5.2020)


Menschen in ihrer selbstgenähten Kleidung treffen sich heute - wie jeden ersten Mittwoch im Monat - beim MeMadeMittwoch.

Donnerstag, 16. Januar 2020

Nähen vom Stapel: Skyline Skirt (twinkle), Beryl Bomber dress (named clothing) und stricken mit Brigitte kreativ

Ein gutes neues Jahr wünsche ich euch allen! Ich weiß, woanders werden schon Tulpensträuße gezeigt, aber ich bin erst jetzt im Winter-Nähmodus angekommen, gepaart mit der Erkenntnis, dass ich tatsächlich ein paar neue warme Sachen brauchen kann.


Der aktuelle Stoff- und Projektstapel steht zufälligerweise unter dem Motto "Nutze deine ältesten Stoffe". Da ich in meinem Notizbuch eine Liste meiner Stoffkäufe führe, kann ich meistens genau sagen, wann und wo ich einen Stoff gekauft habe.


Auf dem Stapel liegen von links nach rechts: ein Reststück Tweed mit Glitzer vom Tauschtisch der Annäherung 2017 und ein Rest dunkelgraue Viskose-Wollmischung (erinnert an einen Anzugstoff). Beide Reste zusammen sollen ein Acht-Bahnen-Patchworkrock nach dem Schnitt des "Skyline Skirt" aus Twinkle sews werden, ein einfaches, aber geniales Schnittmuster, das ich schon zweimal genäht habe (hier und hier) und einmal für den Prada-Sewalong adaptiert habe. Die Aufteilung der Bahnen bietet sich dafür an, verschiedene Stoffreste zu verwursten, und so ein Projekt hatte ich mir schon lange vorgenommen - es gibt noch eine Menge andere 40-cm-Wollstoffreste, die dafür gut geeignet wären.

Das Buch Twinkle sews von der New Yorker Designerin Wenlan Chia, aus dem der Schnitt stammt, ist von 2009, aber gut gealtert, wie ich beim Durchblättern finde. Die detailreichen Schnitte könnte man alle jetzt auch noch nähen und tragen und es ist interessant, dass es etwa zehn Jahre gedauert hat, bis mit den Büchern von named clothing und von dp studio etwas Vergleichbares auf den Markt gekommen ist.


Daneben liegt eine graubraune Viskose-Wollmischung mit cremeweißen und beigen Nadelstreifen, ebenfalls anzugstoffähnlich, daraus soll ein Beryl bomber dress von named clothing werden und ich bin ganz stolz auf mich, dass ich diesen Stoff endlich anschneide: Wenn meine Notizen stimmen, dann habe ich ihn im Oktober 2010 auf dem Maybachmarkt gekauft, und danach über Jahre noch viele, viele ähnliche Stoffe.

Meine Begeisterung für feine Wollstoffe in Grau, Dunkelblau, Schwarz mit Nadelstreifen, Kreidestreifen, Hahnentritt, Glencheckkaro oder Pfeffer-und-Salz-Musterung ist so groß, dass sie immer in die Kategorie "zu schade zum Vernähen" fallen und ich bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit wieder einen ähnlichen Stoff kaufe - schließlich habe ich ja keinen, denn Stoffe, die nicht zum Vernähen bestimmt sind, zählen nicht. Auf diese Weise habe ich über die Jahre eine ansehnliche Sammlung erworben und könnte die nächste Vorstandstagung einer durchschnittlichen Großbank mit Anzügen ausstatten. Als ich beim Umzug das ganze Ausmaß meiner Wollstoffsammlung erkannte, wurde mir klar, dass ich sie nun aber wirklich vernähen muss und vor allem keine feinen Wollstoffe mehr kaufen darf. Dieses geplante Kleid ist das erste Projekt, das aus der Sammlung umgesetzt wird, und schon jetzt tut es mir um den "verbrauchten" Stoff etwas leid und ich wünschte, ich hätte damals einfach vier Meter statt zwei Meter gekauft.

Dazwischen liegt ein großes Reststück schwarzer Viskosejersey mit grünen Sprenkeln vom Annäherungs-Tauschtisch 2019. Daraus wird ein simples Langarmshirt - mit etwas Zuschnitttetris und einer zusätzlichen Naht am Ärmel reicht der Stoff gerade so.


Und zuguterletzt erblickt man rechts am Rand ein Problem: Eine angefangene Strickjacke nach einer Anleitung aus Brigitte Kreativ 1/2015, ein Hebemaschenmuster mit Nadelstärke 8. An dieser Jacke stricke ich schon seit dem letzten Winter oder Frühjahr herum. Meine Maschenprobe passte zwar in der Anzahl der Maschen pro 10 cm zur Anleitung, nicht aber in der Anzahl der Reihen: Das Gestrick wurde bei mir erheblich länger, als es eigentlich sein dürfte.

Da es sich bei der Anleitung sowieso um eine "lange, verschlusslose Jacke" handelt, hielt ich eine etwas längere, strickmantelähnliche Jacke für eine gute Idee. Nach dem Stricken von Rückenteil und Vorderteilen stellte ich dann fest, dass so eine längere Jacke erheblich weiter geschnitten sein müsste, als die kurzen Strickjacken, die ich üblicherweise trage. Falls Strickmäntel oder ähnliche Jacken überhaupt etwas für mich sind, ich bin mir noch nicht sicher. Jetzt müsste ich also mit anderen Proportionen (nicht ganz so lang, dafür aber breiter) noch einmal von vorne anfangen, und davor drücke ich mich gerade und stricke lieber an zwei, drei anderen Dingen.

Morgen geht's aber erstmal zur AnNäherung, dem jährlichen Nähwochenende in Bielefeld, und dort werde ich nichts vom Stapel nähen, sondern einen Trenchcoat (Isla von named clothing, Ersatz für diesen Mantel) anfangen. Der Wollmantel, den ich bei der AnNäherung 2019 nähte, hat immer noch kein Futter, und dann bemerkte ich, dass ich das Schnittmuster versehendtlich weggeworfen hatte - aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andernmal erzählt werden. 

Samstag, 15. Juni 2019

Punchen, Sashiko, Hebemaschen und andere Neuigkeiten von der hh Cologne


Ende März war ich auf der handarbeit + hobby in Köln, der deutschen Fachmesse für die Handarbeitsbranche, auf der Stoff-, Garn- und Zubehörhersteller ihre Angebote zeigen. Beim mehr oder weniger systemtischen Wandern durch die vier Hallen (diesmal in netter Begleitung der Drehumdiebolzeningenieurin) habe ich einiges gesammelt, was mir interessant und neu erschien. Sozusagen "die Trends", so weit ich sie erkennen konnte. Denn mir scheint - das war auch ein Thema einiger Gespräche, die ich auf und am Rande der Messe hatte - so ein richtiger neuer Trend ist derzeit nicht sichtbar.

Ob ich Lampenschirme aus Wolle außerhalb einer Handarbeitsmesse cool finde, weiß ich noch nicht.

Die Instagram-Ästhetik ist mittlerweile allgegenwärtig und mehr oder weniger durchgespielt: Weiß und Pastellfarben (im Moment Lachsrosa/Koralle und pudriges Zitronengelb), Kupfer und Gold, dazu Streifen und Rauten, Rattan und Marmor, Dschungelpflanzen und Kakteen und überall Alpakas, die jetzt aber als Lamas bezeichnet werden - war das nicht im letzten Jahr schon genauso? Und findet man diese Versatzstücke nicht auch schon bei den Mittelgangangeboten der Supermärkte? Nicht so einfach, das zu beurteilen, vermutlich hat es nicht viel zu bedeuten, dass unsereiner in der DIY-Blase diese Dinge schon x-mal gesehen hat - "draußen" ist es denkbar, dass makrameegeknüpfte Blumenampeln wirklich noch total neu und aufregend sind.

Puschelkissen bei Rico design


Stricken


Für Handstrickerinnen ist die Messe wirklich ein Eldorado: Neben den großen Garn- und Strickzubehörherstellern gibt es eine Menge kleinerer Garnproduzenten und Handfärberinnen und man kann viele Garne, von denen man sonst nur im Internet liest, tatsächlich in die Hand nehmen.

Hier weiß ich leider nicht mehr, von welchem Stand das Foto stammt...

Die sehr, sehr dicken Garne für Nadelstärke 10 aufwärts, die mir letztes Jahr auf der Messe gerade bei den großen Firmen auffielen, waren jetzt nicht mehr so verbreitet, vor allem wurden sie nicht mehr so oft zu Kleidungsstücken verarbeitet, eher noch zu Kissen und Teppichen aller Art. Es scheint sich herumgesprochen zu haben, dass sich sehr grober Grobstrick nicht besonders gut trägt und für Innenräume meistens zu warm, für draußen aber zu winddurchlässig ist und zu voluminös, um eine Jacke darüber anzuziehen.

Feines Garn bei Rico design

 Mohairgarne und Flauschiges findet man weiterhin sehr viel, sowohl sehr feines in Lacequalität, als auch Garne in mittlerer Stärke, die man mit Nadelstärken von 5 oder 6 verstrickt. Häufig ist ein ganz feiner Lurexfaden dabei, so dass die Garne unter dem Flausch ein ganz leichtes Glitzern zeigen.Im Knäuel sind diese Garne schwer fotografierbar, aber Jetztkochtsie hat gerade so ein Garn verarbeitet und ist schwer begeistert (ich auch!).

Nie wieder kalte Beine! (Stand unbekannt)
 Die dänische Firma Gepardgarn hatte wunderschöne Mohair- und Merinogarne, letztere auch handgefärbt in den seit einigen Jahren beliebten gesprenkelten, sehr kurzen Farbverläufen. Bei den Strickmodellen am Stand wurde Mohair und gesprenkelt gefärbtes glattes Garn gemeinsam in Hebemaschenmustern verstrickt, so dass raffinierte sanfte Farbschattierungen entstanden. Auch haptisch eine Wucht, fühlt sich sehr luxuriös an.

Gepard Garn aus Dänemark

Hebemaschenmuster bei Gepard Garn

Die Hebemaschenmuster - die im Internet schon überall sind - sah man an vielen Ständen, aber bei keinem so virtuos eingesetzt wie bei Gepard Garn. Die Strickanleitungen gibt es auf der Webseite und unter dem Namen Sus Gepard bei ravelry, das Garn in etwa einer Handvoll deutscher Wolläden (Bezugsquellen auf der Webseite). Ich bin vor allem von den vielen schönen Blau- und Blaugrautönen hingerissen.

Dann musste ich noch Jetztkochtsieauchnoch am Stand von Addi Hallo sagen (wenn man schon mal eine kennt, die an einem Stand steht!). Addi ist ein traditionsreicher deutscher Strick- und Häkelnadelhersteller mit wirklich hochwertigen Nadeln, die trotzdem sehr vernünftige Preise haben. Da ich größtenteils immer noch mit einem Fundus alter Rundstricknadeln von meiner Mutter aus den 70ern und 80ern stricke (mit allen Nachteilen wie widerspenstigen Seilen und höckrigen Übergängen vom Seil zur Nadel), sind die Nadeln tendenziell interessant für mich, denn ab und zu muss ich mal die eine oder andere Nadelstärke nachkaufen und außerdem ist es ist spannend zu sehen, wie man am Nadeldesign schrauben kann, um die Stricknadel noch zu verbessern. Neu in diesem Jahr sind Rundstricknadeln mit strukturierten Spitzen, von denen gerade Lacemuster mit vielen Umschlägen nicht so schnell herunterrutschen sollen.

Das sensationelle Strickkleid kann man nur erahnen - und die Strickjacke ist natürlich auch selbstgemacht

Danach besuchte ich natürlich auch noch Feierabendfrickeleien, die andere Hälfte des Frickelcast-Duos am Stand von Pony Needles - wobei ich ehrlich gesagt von den bunten Strick- und Häkelnadeln gar nichts wahrgenommen habe (und dass es auch Nähzubehör gibt, sehe ich erst jetzt auf der Webseite), denn Steffi trug ein sensationelles schwarzes Strickkleid, das - wenn ich das richtig sehe - entstanden ist, bevor sie bloggte, und daher nicht in ihrem Blog zu finden ist. Das Armband mit aufgenähten Druckknöpfen hat eine Pony-Mitarbeiterin aus Indien für die Standbesatzung gemacht.

Stoffe


Für Stoffe ist die h+h im allgemeinen keine so gute Adresse - es gibt vor allem die hyperbunte Holland-Stoffwarktware oft von zweifelhafter Qualität, das war dieses Jahr nicht anders als in den Jahren zuvor.

About Blue - hochwertige Jersey- und Sweatstoffe aus Belgien

Nochmal Stoffe von About Blue

Die Drehumdiebolzeningenieurin und ich suchten also gleich direkt den Stand von Lotte Martens, der Frau mit den tollen, metallisch-handbedruckten Stoffen. Sie teilte sich den Stand diesmal mit der ebenfalls belgischen Firma About Blue. Die lohnt es sich auch im Auge zu behalten - sehr schöne hochwertige Sweat- und Jerseystoffe mit grafischen Mustern und passenden Uniqualitäten gab es da.

Stoffe von Lotte Martens

Und bei Lotte Martens gibt es die Stücke mit metallischen Bordürendruck jetzt auch in doppelter Länge, also 1,20 Meter über die ganze Stoffbreite (vorher gab es nur 60-cm-Stücke), das vervielfacht die Möglichkeiten, was man daraus nähen kann. Unseren Wunsch nach Stoffen in kalten Farben gaben wir für alle Fälle auch zu Protokoll - die Farbtöne, die es gibt, von mattem Pfefferminzgrün über Lachsrosa und Senfgelb sind toll, keine Frage, und passen auch gut zusammen, sind aber für die Drehumdiebolzeningenieurin und mich nichts. Das kalte Farbspektrum ist einfach nicht die Farbwelt der Designerin, aber vielleicht findet sie ja einen Zugang zu Blau- und Blaugrautönen und blaustichigem Rot (wobei ich seit September ja einen dunkelblauen Coupon mit Kupferdruck habe und ihn nur streichle).

Ganz kurz schauten wir auch bei Atelier Brunette, dort durfte man aber nur eingeschränkt forografieren - udn die Musterstoffe sind, da viel senfGelb udn Altrosa, oft auch gar nicht so mein Fall Aber traumhaften Viskosecrêpe in blaustichigem Dunkelgrün und in Bordeauxrot hatte ich da in der Hand - den einfarbigen Crêpe gibt es in 12 Farben, und das ist wirklich bester Stoff.

Neue alte Techniken: Needlepunchen und Sashiko


Der Riesenstand von Rico Design ist immer ein guter Anhaltspunkt für die Großtrends und für andere Techniken als Nähen und Stricken, die in nächster Zeit in Bastelläden wie Idee auftauchen werden und sich dann von da aus den Weg in die Niederungen des Einzelhandels bahnen und womöglich in zwei Jahren als Bastelpackung bei Tchibo zu haben sind. (Kleinere Anbieter gibt es in diesem Bereich auf der Messe nur wenige oder genauer gesagt: Die kleinen Anbieter haben sich fast alle auf Stickpackungen spezialisiert, deren Designs ich unfassbar scheußlich finde. Wer diese ganzen Packungen für Stickbilder mit Pony unter Palmen vor Sonneuntergang eigentlich kauft, muss ich noch herausfinden.)

Einer dieser neuen alten Techniken ist Needlepunchen, needle punch embroidery, eine Technik, für die es meines Wissens keinen deutschen Namen gibt, die aber in englischsprachigen DIY-Blog-Kreisen seit Jahren  immer mal wieder auftaucht. Diese Stickerei kann mit Stickgarn genauso wie mit Wolle ausgeführt werden. Eng verwandt mit der Technik ist das Rug Hooking, eine traditionelle Form der Teppichherstellung aus Stoffstreifen, die mit einer Art Häkelnadel durch Jutegewebe gezogen werden. Beim Needlepunchen arbeitet man aber von der Rückseite der Arbeit aus mit einer speziellen Nadel, durch die das Garn gefädelt wird. Die flauschigen Schlaufen entstehen auf der anderen Seite, auf der man nicht einsticht.

Punchnadeln von Rico design

Mit der Technik lassen sich schön strukturierte Oberflächen gestalten, mit Garnschlaufen in verschiedenen Höhen. Mir gefällt das vor allem mit dickeren Garnen aus Wolle, weil dabei teppichartige Flächen entstehen und man so seinen eigenen Stoff gestalten kann, aus dem man zum Beispiel Taschen nähen könnte.

Punchneedle-Stickerei bei Rico design

Für das Needlepunchen mit feinerem Garn, zum Beispiel Stickgarn, fällt mir hingegen so recht noch keine Verwendungsmöglichkeit ein. Da der Untergrundstoff sowohl durchlässig, also locker gewebt, als auch stabil sein muss, bietet es sich nicht an, gepunchte Verzierungen direkt auf Bekleidung zu sticken.

Rico Design bietet Punchnadeln in zwei verschiedenen Stärken an, Untergrundsroff, Bastelpackungen und ein ziemlich gut gemachtes dickes Anleitungsheft mit Modellen, fast ein Buch zum Thema. Die Variante mit dickem Strickgarn würde ich tatsächlich gerne einmal ausprobieren, und für die Stick-Variante schaut man wohl am besten mal im englischsprachigen Internet nach Anfregungen, da die Technik dort ja nichts Neues ist. Gute Tutorials zum Neeldepunchen gibt es übrigens bei der Schiffchenschieberin.

Neu interpretiertes Sashiko bei Rico design

Das zweite große Thema: Sashiko, die tradtionelle japanische Stickerei, modern abgewandelt, aber in den traditionellen Farben Dunkelblau und Weiß und mit naturfarbenem Garn auf Leinen. Rico Design hat sich Baumwoll-Meterware mit vorgedruckten Mustern ausgedacht, die man ganz oder teilweise nachsticken kann.

Zu der Meterware mit Sashikomustern gibt es verschiedene andere passende Stoffe

Nochmal Sashiko, nochmal Rico design

Da das Übertragen der Muster immer das Langwierigste (und unspaßigste) beim Sticken ist, finde ich das eine ganz gute Idee - die Meterware lässt einem alle Verarbeitungmöglichkeiten offen und es gibt dazu passende einfarbige und gemusterte Stoffe. Und es ist mal nicht Rosa oder Pastell, das begrüße ich sehr! Da es zur Zeit einige neue englischsprachige Bücher gibt, die sich mit Sashiko im weiteren Sinne beschäftigen, wird das vermutlich noch länger ein Thema sein.

Aus der Meterware kann man natürlich auch Kleidung nähen (Rico design)

Bücher


Damit kommen wir zu den Büchern, da ist das Angebot ziemlich übersichtlich und, zumindest bei den Großverlagen Christophorus, Frech, Edition Fischer, in meinen Augen ziemlich uninteressant geworden. Jerseynähbücher, wohin man schaut.

Die Bücher des Stiebner Verlags, der zum ersten Mal bei dieser Messe dabei war (wenn mich nicht alles täuscht) fallen dagegen wirklich positiv auf. Nähnerds kennen Stiebner schon länger, denn sie übertrugen die japanische Pattern-Magic-Reihe ins Deutsche. Jetzt haben sie zum Beispiel ein Buch übers Needlepunchen im Programm, das beim Blättern einen sehr guten Eindruck machte. Der Schwerpunkt liegt darin nämlich auf einem sehr ausführlichen Technikteil, der einen befähigen sollte, eigene Ideen umzusetzen, und nicht so sehr auf dem genauen Nacharbeiten einfacher Modelle, wie das die meisten DIY-Ratgeber handhaben.

Neue Schnittmustertechnik: Pattarina


Auf der Messe gab's auch endlich eine Gelegenheit, die Pattarina- Schnittmusterapp auszuprobieren, nachdem ich immer nur davon gehört und die Entwicklung über Onlinekanäle ein bisschen mitverfolgt hatte. Beim Nähbloggertreffen in Hamburg im letzten November hatte Nora auch einiges erzählt und ich muss zugeben, dass ich skeptisch war, ob nicht das Aufmalen des Schnittmusters auf den Stoff noch nerviger ist als das Herauskopieren oder Zusammenkleben eines Schnittmusters.

Wenn man genau hinschaut sieht man die Schnittlinien in der Pattarina-App

Mit der App werden einem die Linien und Markierungen des Schnittes nämlich auf dem Handybildschirm angezeigt, wenn man die Kamera auf den Stoff und den "Anker" richtet, ein schwarz-weißes Papierquadrat als Referenzpunkt. Die Linien muss man dann mit rechts nachziehen (oder besser: nachtupfen), während man mit links das Handy hält. Für einige Minuten stellt man sich an wie der erste Mensch, weil man den Abstand zwischen Stift und Stoff nicht abschätzen kann, aber nach ein paar Minuten läuft das schon deutlich flüssiger.

Ich kann mir gut vorstellen, dass sich Pattarina gerade bei kleineren Schnitten mit nicht so vielen Teilen - einfache T-Shirts, Röcke, Kindersachen, Taschen - etablieren wird, denn da man für ein Schnittmuster weder Druckerpapier noch Seidenpapier oder Folie braucht, eignet sich die App hervorragend zum spontanen Nähen und Ausprobieren. Das Aufzeichnen komplexerer Schnitte, wenn man eine zwei oder drei Meter lange Stoffbahn auf dem Fußboden unterbringen muss, ist vermutlich eher anstrengend, da würde ich dann doch eher auf einen Papierschnitt zurückgreifen. Die kostenlose App mit einigen Testschnittmustern soll demnächst verfügbar sein, als Schnittmusterpartner konnte unter anderem Burda gewonnen werden. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt!


Was ich verpasst habe


- den laut Erzählungen im Vergleich zum Vorjahr auf doppelte Größe angewachsenen Stand von Merchant & Mills - sie waren nur im Nachtrag zum Ausstellerverzeichnis aufgelistet, einem losen Extrablatt zum Katalog, daher habe ich sie übersehen, und zufällig sind die Drehumdiebolzeningenieurin und ich auch nicht darüber gestolpert.
- sämtliche organisierte Treffen, die Modenschau, Workshops und andere Veranstaltungen. Die Initiative Handarbeit macht dieses Jahr eine Aktion zum Nähen, Häkeln und Stricken von Einkaufsbeuteln, um Plastikmüll zu reduzieren, und stellt dafür Anleitungen zur Verfügung, das Modell im Nähwettbewerb ist dieses Jahr eine Gürteltasche.

Wie immer fuhr ich mit dem Gefühl weg, bei weitem nicht alles gesehen und nicht alle getroffen zu haben - und mit dem Vorsatz, meinen Besuch im nächsten Jahr besser zu planen. Wir werden sehen!

Montag, 7. Januar 2019

Mein neues Hobby: Stoffe stapeln

Jahresanfang, Zeit für Bestandsaufnahmen und Pläne. Ich habe 2018 wirklich wenig genäht. Nach einem Oberteil und einem Kleid bei der Annäherung 2018 (das Kleid habe ich hier immer noch nicht richtig gezeigt, es hat sich aber als ideales Buchmesse-Kleid erwiesen), kam erstmal nicht mehr viel - außer Vorhänge für die neue Wohnung, das endlich fertiggestellte Anna-Kleid aus Batikstoff, ein Spätsommerkleid, ein paar nicht verbloggte schnelle T-Shirts und Pyjamas, schließlich wurde die Flaum-Strickjacke fertig und erst vor kurzem ein Pullover und ein Jeansrock. Die Renovierung der Wohnung zog sich ziemlich hin und der sehr heiße Sommer und bot auch kein ideales Nähwetter.

Der Zwang, für den Umzug wirklich alle Stoffkisten zu öffnen und durchzusortieren (und dabei ein paar fast vergessene Stofflagerplätze zu entdecken, ähem), führte wenigstens dazu, dass ich nur sehr wenig Stoff gekauft habe - insgesamt kamen 2018 ca. 17 Meter dazu, mehr war es wirklich nicht.

Und statt zu nähen machte ich vor allem Pläne, zog Stoffe mit einem konkreten Plan im Kopf aus dem Lager, suchte den Schnitt dazu, stapelte Stoff und Schnitt auf, noch einen Stoff und noch einen Schnitt darüber, und noch einen und noch einen - um das meiste davon, wenn die passende Jahreszeit für das Vorhaben vorbei war, unangeschnitten wieder wegzuräumen.

Das Paradoxe daran ist, ich habe zum ersten Mal seit 2007 wieder ein eigenes Arbeits- und Nähzimmer. Zwar nur mit einem großen Tisch, so dass Laptop und Nähmaschine jeweils wieder weggeräumt werden müssen - aber es ist trotzdem ein großer Fortschritt. Gleichzeitig arbeite ich wieder von zuhause aus, ohne Schreibtisch in einem externen Büro, und da ich im Prinzip sehr gerne arbeite, fällt es mir oft schwer, "Arbeit" und "Freizeit" vernüftig zu trennen und vor allem abends einen Abschluss zu finden. Wer zuhause arbeitet, wird das kennen: Man sucht tagsüber mal eben zwischendurch eine Maschine Wäsche zusammen und hängt sie anschließend auf, aber noch viel häufiger schreibt man abends eben noch schnell eine Mail, während man das Nudelwasser beaufsichtigt. Bis jetzt leide ich nicht besonders unter dieser etwas ausufernden Arbeit, aber da ich weiß, dass das auf lange Sicht wirklich zum Problem werden kann, und weil das außerdem dazu führt, dass ich zu Dingen wie Nähen, die mir auch Spaß machen, nicht mehr komme, habe ich für 2019 nur den einen Vorsatz, Arbeit und Freizeit wieder richtig zu trennen und mir vor allem richtige, echte Freizeit und das heißt vor allem Nähzeit einzuplanen. Denn Stoffe stapeln und wieder umsortieren ist ja nicht mein Hobby. Außerdem ist mein Kleiderschrank durch das Aussortieren vor dem Umzug nur noch locker gefüllt, und ich könnte wirklich einige Dinge brauchen. 


Daher zeige ich hier einfach mal meinen aktuellen Stoffstapel und die dazugehörigen Pläne. Der aktuelle Stapel besteht aus dunkelgrünem, sehr dickem Cord aus Italien (ein Coupon von 1,20 m), der zu einer Jacke 104 aus Burdastyle 11/2018 werden soll, eingefasst mit dunkelrotem Schrägband. Meine Schnittwahl erstaunt mich mittlerweile etwas, aber da das Projekt schon angefangen ist, nähe ich die Jacke jetzt auch, es wird sich ja herausstellen, ob ich sie dann häufig anziehe.


Der zweite grüne Stoff ist Baumwolltwill vom Markt, daraus soll der Hosenrock "Milly" aus La Maison Victor 1/2016 werden.


Der Streifenstoff ist eine locker gewebte, etwas kreppige Viskose, ebenfalls ein Coupon aus Italien, das soll ein Oberteil werden, der Schnitt steht noch nicht fest. Bei der Suche nach Wintermantel-Schnitten begegnete mir bei Burda ein Schnitt für ein Webstoffsirt mit Jerseybündchen, vielleicht wird es das. Oder ich probiere endlich einen Schnitt aus La Mia Boutique aus, der italienischen Nähzeitschrift, die es eine kurze Zeit auch in sehr schlechter deutscher Übersetzung gab. Ich halte euch auf dem laufenden.




Mittwoch, 5. Dezember 2018

Plötzlich Lust auf Pullover


Im Laufe der letzten Jahre habe ich eine Menge Strickjacken gestrickt (wohl dokumentiert in diesem Blog), und keinen einzigen Pullover. In den letzten Monaten passierte etwas Unglaubliches: Ich bekam Lust, Pullover zu tragen. Fragt mich nicht, warum, und was da genau passiert ist - mir ist es auch ein Rätsel. Die Veränderung ging schleichend vor sich. Die strickjackentypische Knopfleiste erschien mir eines Tages als zu viel Gewurschtel, insbesondere wenn ein anderes Kleidungsstück mit Knopfleiste unter der Strickjacke getragen wird. Pullover erschienen mir auf einmal als idealer Partner zu Röcken, nachdem ich jahrelang keinen einzigen Gedanken daran verschwendet hatte.


In den letzten Wochen setzte ich die Idee in die Tat um, nachdem ich einige Pulloveranleitungen von Ravelry und aus den paar Strickheften, die ich besitze, gelesen und verworfen hatte. Ich probierte einige Zopfmuster aus, strickte ein Maschenprobe aus Drops Lima in rubinrot, von dem ich mal auf Verdacht 500 Gramm gekauft hatte, und begann den Pullover von unten.


Wie immer bei meiner Strickschlampen-Methode habe ich keine genauen Aufzeichnungen über das Strickstück, ich habe nach dem Bündchen seitlich etwas zugenommen und von unten bis auf Achselhöhe gestrickt - Dank Nadelstärke 5 ging das ziemlich schnell. Die Ärmel haben nach dem Bündchen erst ein paar verteilte Zunahmen, die nach etwa einer Handbreit wieder abgenommen werden.


Als die Ärmel lang genug waren, nahm ich bis auf jeweils sechs Maschen unter den Armen alles auf eine lange Rundnadel und nahm in jeder zweiten Runde rechts und links einer gedachten Raglanlinie jeweils eine Masche ab, bis mir der Ausschnitt passend erschien. Im Rückenteil habe ich dann mit verkürzten Reihen noch zweimal hin- und hergestrickt, damit der Ausschnitt hinten höher wird als vorne und schließlich ein Bündchen angestrickt.


Der Pullover passt - trotz meines wirklich fahrlässigen und geradezu skandalösen Mangels an Planung - wirklich unverschämt gut, und wie ich es mir dachte ist er ein guter Partner zu Röcken geworden.

Hier trage ich ihn mit einem ebenfalls im Herbst entstandenen Jeansrock nach dem Schnitt 21035, den ich zuerst hier bei Karin dreikah gesehen hatte und schon lange nähen wollte. Ich habe den Schnitt etwa 5 cm verlängert.

Tja, und was soll ich sagen - ich finde das Konzept Pullover so schön warm und kuschelig, dass ich schon über einen weiteren Pullover nachdenke (allerdings auch über eine neue schwarze Strickjacke - über den Sommer ist meine alte den Motten zum Opfer gefallen).

Ich gebe weiter an den MeMadeMittwoch, die allmonatliche Versammlung von Selbernäherinnen und Selbstgenähtem.

Sonntag, 8. Juli 2018

Plötzlich Strickjackenwetter ("Flaum" von Justyna Lorkowska)

 

Die Fußballweltmeisterschaft in Kombination mit sehr, sehr wechselhaften Temperaturen - von 18 auf 28 Grad und zurück in wenigen Tagen - haben mich dazu gebracht, ein schon länger lagerndes Strickjackenprojekt endlich fertigzustellen. Die Strickjacke "Flaum" nach der Anleitung von Justyna Lorkowska war seit letztem Herbst praktisch fertig. Es fehlten nur noch die Ärmelabschlüsse, das Vernähen der Fäden und das Annähen der Taschenbeutel. Wie meistens in solchen Fällen waren die restlichen Arbeiten wirklich schnell erledigt, ein WM-Spiel (ohne Verlängerung) reichte aus, und ich fragte mich nachher, warum ich diese Kleinigkeiten so lange aufgeschoben hatte.


Die Jacke ist ziemlich raffiniert konstruiert: Man strickt zuerst den Schalkragen von der hinteren Mitte aus in beide Richtungen eins rechts-eins links. An der Unterkante des Kragens werden dann Maschen aufgenommen, aus denen die Passe im Rücken ebenfalls im Rippenmuster gestrickt wird. Durch den Wechsel auf Patentmuster wird das Teil immer weiter und ähnelt schließlich von der Konstruktion her einem Raglan von oben, fällt aber glockiger. Die Vorderteile haben eingestrickte Taschen, sind etwas kürzer als das Rückenteil und fallen leicht zur vorderen Mitte.

Insgesamt ein komplexes dreidimensionales Strickwerk, bei dem ich mal wieder staune, wie man sowas entwerfen kann. Ich denke auch beim Stricken in Schnittteilen, wie beim Nähen, und so werden auch die Strickteile, die ich mir selbst ausdenken kann. Für nahtlose Stücke, die die dreidimensionalen Möglichkeiten des Strickens voll ausnutzen, brauche ich eine gute Anleitung wie diese.



Verstrickt habe ich Drops Alpaca zusammen mit einem sehr feinen, dunkelroten Mohairgarn aus einem Fabrikverkauf in Bielefeld. Die beiden Garne passen farblich perfekt zusammen, ergeben gemeinsam ein tiefes, leicht meliertes Bordeauxrot und das Gestrick ist ganz wunderbar leicht und flauschig geworden.

Die Dreiviertel-Ärmellänge entspricht der Anleitung, mal sehen, wie ich das beim längeren Tragen finde. Oft nerven mich solche kürzeren Ärmel etwas - und sie sehen manchmal merkwürdig aus, wenn man ein Kleidungsstück mit normallangen Ärmeln darunter trägt - aber sie passen zu den Proportionen der Jacke. Richtig getestet wird das erst im Herbst, denn nun sind wir gerade schon wieder bei 28 Grad. Dem Fußball sei Dank ist aber auch ein Sommerkleid endlich fertiggeworden - das kommt dann demnächst.


Anleitung: Flaum von Justyna Lorkowska
Material: ca. 300g Drops Alpaca Farbe 5565 (weinrot) zusammen verstrickt mit sehr feinem dunkelrotem Mohairgarn aus einem Fabrikverkauf
Nadeln 4,5 und 5
Gestrickte Größe: L, Maschenprobe etwas kleiner als angegeben