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Mittwoch, 27. Juli 2016

MeMadeMittwoch - Sonderedition: Koffer packen. Ein einfach genähtes Oberteil aus Viskosejersey


Der letzte Me made Mittwoch vor der Sommerpause ist traditionell der Urlaubsgarderobe gewidmet. Ich habe mangels Urlaub im Moment keinen gut gefüllten Koffer vorzuweisen, aber ich habe das Problem der kurzärmeligen, luftigen Oberteile zumindest teilweise gelöst. Einen guten Schnitt für kurzärmelige Webstoffoberteile suche ich noch, aber meinen Restbestand an Viskosejerseys werde ich zu Nummer 125 aus Burdastyle 8/2016, ein T-Shirt mit überschnittenen Schultern und einer Art angeschnittener Schluppe verarbeiten.

Vor ein paar Jahren waren solche Jerseys omnipräsent auf dem Markt, ich hatte einige gekauft, und erst später gemerkt, dass ich Viskosejerseys nicht besonders gerne anziehe: Wenn es wirklich warm ist, finde ich sie zu warm, dicht und schwer, in der kälteren Jahreshälfte sind sie für meinen Geschmack zu dünn und substanzlos. 


Zu dem Schnitt aus der Augustburda passen die flutschigen, fließenden Jerseys aber sehr gut und das Oberteil ist auch noch sehr schnell genäht - man könnte ohne weiteres noch drei bis fünf Stück in der Nacht vor der Abreise runterrattern.

Das Säumen der angeschnittenen Bänder und des vorderen Ausschnitts ist die größte Herausforderung. Mit der Zwillingsnadel traktiere ich mein Nerven nicht mehr (ich sage nur: kilometerlange Probenähte und beim eigentlichen Saum funktioniert dann nichts...), eine Coverlock habe ich nicht, abgesehen davon, dass gecoverte Säume an der Stelle möglicherweise sowieso zu knubbelig wären. Ich mache also etwas vollkommen Verbotenes: Ich klebe die Säume vor, bevor ich sie mit Elastikstich nähe.


Ich verwende einen ganz normalen Klebestift aus dem Bürobedarf - die meisten Marken sind bei 30° oder im kalten Wasser auswaschbar. Die Nahtzugabe schneide ich erstmal nicht zurück, es näht sich besser, wenn das Füßchen über doppelten Stoff gleitet. Stattdessen klebe ich die Nahtzugabe fest, der Rand wird dadurch stabilisiert und dehnt sich beim Nähen nicht aus.


Die Säume nähe ich in etwa 5 mm Breite fest, mit einem schmalen Elastikstich, der wie ein Blitz aussieht. Ein schmal eingestellter Zickzackstich geht genauso gut. Anschließend schneide ich die Nahtzugabe bis an die Stiche zurück - dazu muss man das Geklebte stellenweise wieder abpulen. Das Oberteil ziehe ich dann mit dem Kleber im Saum auch gleich an. Der Saum ist etwas härter als der Rest, das stört beim Tragen nicht und wäscht sich dann nach und nach heraus. Die fertig genähten Oberteile können von der Maschine also gleich in den Koffer wandern.


Bei dem sehr dehnbaren Viskosejersey empfiehlt es sich auch, die Schulternähte und den hinteren Halsausschnitt mit einem eingenhten Band oder einem Streifen Einlage zu stabilisieren. Ich hatte im hinteren Ausschnitt zuerst keine Verstärkung und habe dann in das fertige Oberteil noch einen Streifen Einlage hineinoperiert, weil der relative schwere Knoten vorne das ganze Oberteil nach vorne zieht und der Auschnitt beim Tragen ausleierte - schulterfrei ist der Schnitt ja nicht gedacht. Das T-Shirt hat trotzdem eine gewisse Tendenz zur Formlosigkeit, aber für ein lockeres Sommeroberteil finde ich das in Ordnung.

Ergänzt: Der Schnitt funktioniert auch mit dünnem Webstoff, sagt die Burda-Community, siehe hier und hier.


Die Bilder entstanden am Wochenende in Königswusterhausen - zum Jerseyoberteil trage ich einen (verknitterten) Leinen-Baumwoll-Rock (Nr. 106, Burdastyle 5/2012, genäht 2013).

Später werde ich mal schauen, ob ich in den Urlaubskoffern des MeMadeMittwochs heute doch noch einen Schnitt für Webstoffoberteile finde.

Schnittdetails kurzgefasst:
Schnitt: 125 aus Burdastyle 8/2016 
Material: dünner Viskosejersey
Größe 38, unterhalb der Brustlinie etwas enger genäht, Bund unten weggelassen
Schulternähte mit eingenähtem Band verstärkt, hinteren Halsausschnitt mit einem schmalen Streifen Bügeleinlage stabilisiert

Donnerstag, 9. Januar 2014

Die erste Woche 2014: Bummeln, Kaffeesatzleserei und ein kostenloses Schnittmuster

 
 
Das Schönste an Feiertagen: Ausschlafen und sich durch den Tag treiben lassen. In der Dämmerung über den beleuchteten Kudamm bummeln und Schaufenster gucken. Bei Max Mara einen zweifarbigen Mantel bewundern, mit raffinierten Taschen in der Querteilungsnaht - Preis: niedrig vierstellig - und sich den Schnitt fürs Nachnähen merken. Die Goltzstraße entlangschlendern, Muskatnüsse kaufen und Postkarten, in der Barbarossastraße eine umhäkelte Wasserpumpe entdecken und im Café Savo einkehren.

Das erste Nähprojekt des Jahres: ein Pyjama (mein Standardschnitt dafür: 125 aus Burda 12/2006), mit Streberpaspel an Ärmeln und Tasche. Das nächste Vorhaben steht fest, seitdem zuletzt hier und hier bombastische Morgenmäntel auftauchten und mir klar wurde: Sowas brauche ich auch ganz dringend. Wieso ich die letzten ca. 15 Jahre auf  einen Morgenmantel verzichten konnte, kann ich mir nicht erklären. Meine Lebensumstände müssen sich geändert haben.     


Selbermachlinks der Woche:

Die französische Schnittmusterfirma Deer and Doe bietet einen kostenlosen T-Shirt-Schnitt zum Download an, mit langen, kurzen oder dreiviertellangen Ärmeln, Anleitung englisch und französisch. Zum Herunterladen muss man zuerst ein Kundenkonto anlegen - oben links unter "sign in".

Die Denunziation der Stricknadel: Ein wohltuend differenzierter Artikel im Tagesspiegel über die Vorgeschichte des derzeitigen Handarbeitstrends und über ein neues Buch der Erziehungswissenschaftlerin Juliane Jacobi, ein Grundlagenwerk zur Geschichte der Mädchen- und Frauenbildung in Europa, die häufig eine Geschichte des Handarbeitsunterrichts war. (Via Suschna)

Und dann gabs in der vergangenen Woche ja noch jede Menge Ausblicke und Prognosen: "Was nächstes Jahr wichtig wird" - "Welche Politiker 2014 wichtig werden" - "Die 10 wichtigsten social media/e-commerce/beliebiges_Buzzword_hier _einsetzen -Trends 2014" und so weiter und so fort.  Kein selbsternannter Experte ohne Prognose für sein Fachgebiet.

Das Nahtzugabe-Blog darf dabei nicht fehlen. Selbsternannter Experte bin ich schon lange, Bauchgefühl habe ich jede Menge, außerdem liebe ich Listen. Auf dieser Grundlage ist es ein Leichtes, ein paar wohl fundierte Vorhersagen für die wichtigsten DIY-Trends 2014 zu formulieren. 

Das geht: Eulen, Rehe, Gelb, Grau, Holzfällerkaro
Das bleibt: Füchse, Leder, Paisleymuster, Halbedelsteine
Das kommt: Schmetterlinge, Ameisenbären, Grün, Magenta, Madraskaro

Wichtigste Indie-Schnittmuster-Newcomer 2014: Papercut Patterns (Neuseeland), Named Clothing (Finnland). Indie-Pattern-Absteiger 2014: Colette Patterns.

Werden wir 2014 weniger nähen: Retrokleider
Werden wir 2014 mehr nähen: Blusen, Dirndl, Morgenmäntel

DIY-Absteiger 2014: Häkeln
DIY-Aufsteiger 2014: Makramee, Ministeck

Dienstag, 11. Dezember 2012

Wochenrückblick Kw 49


1. Schneetreiben. Am Wochenende war vorgesehen, die Wohnung winterfest zu machen und die lange geplanten Vorhänge zu nähen, aber diverse Umstände machten uns einen Strich durch die Rechnung: am Samstag fuhren wegen einer Demo am Herrmannplatz keine Busse in Richtung Baumarkt, am verkaufsoffenen Sonntag waren wir schlichtweg eingeschneit - und mit Vorhangstangen zu Fuß durch den Schnee war keine Option. Dass nicht nur ich mit wärmedämmenden Maßnahmen beschäftigt bin, merke ich daran, dass meine alte Anleitung für Zugluftstopper mit Sandfüllung derzeit so häufig aufgerufen wird wie selten.   

2. Nähflow. Da ich keine Vorhänge nähen musste, konnte ich mich ausführlich mit der geerbten Overlock beschäftigen. Ich beginne langsam zu verstehen, was sie mag und was sie nicht mag und sie hat mir sehr schöne Shirts zusammengerattert. Die drei Teile sind nach den Schnitten aus Ottobre Woman 5/2012 entstanden, Rückenteil und Ärmel sind immer die gleichen, nur das Vorderteil ändert sich. Dass die Schnitte und besonders die Ärmel eng ausfallen, wie ich irgendwo gelesen hatte, kann ich nicht bestätigen: ich schnitt Größe 38 zu, und die Shirts sitzen anliegend, aber nicht knalleng, eben so, wie ich es erwartet hatte.

Ganz oben "Cool Grey" aus einem dicken, aber seltsam labberigen Jersey - dieses Oberteil sitzt sogar eher locker, und der Bündchenstreifen (10% kürzer als Halsausschnitt) hätte noch etwas kürzer sein dürfen. Den aufgestepptem Streifen würde ich beim nächsten Mal mit Einlage verstärken - es ist mir schleierhaft, wieso ich am Samstagabend meinte, darauf verzichten zu können. Tragbar, aber es ginge besser.

Rotgestreift darunter: "Patchwork" mit größerem Ausschnitt (dort fast ohne Nahtzugabe zugeschnitten), aus einem dickeren, sehr dehnbaren Viskosejersey, Ausschnittbündchen fast 20% kürzer als Halsausschnittlänge. Gut gelungen, wegen des Materials hauptsächlich zum Unterziehen gedacht.

Ganz unten: "Patchwork" mit Ausschnitt nach Schnittmuster, Halsbündchen ca. 15% kürzer als Ausschnitt. Der dicke Viskose-Baumwoll-Jersey ist toll: dick, dehnbar und mit leichtem Glanz, das Shirt ist für meine Begriffe so ziemlich perfekt geworden, was aber sehr viel mit dem guten Material zu tun hat. Ich bin sehr zufrieden mit der Ausbeute des Wochenendes, stelle aber wieder einmal fest: Shirtnähen ist Erfahrungssache und man hat schon verloren, wenn man den Stoff falsch einschätzt.   

3. Steckerkerlchen (Krüllsstraße, Alt-Treptow)

Mittwoch, 5. September 2012

MMM*: Nur scheinbar grau

Grau ist der Alltag - so sieht es zumindest auf diesem typischen macht-der-Selbstauslöser-jetzt-mal-was-er-soll?-Bild aus der Büroecke aus. Ich stelle die Kamera mit zwei dicken Büchern darunter auf den Tisch und gebe mir drei Versuche. Wenn dann schon ein Foto dabei ist, auf dem ich mir gefalle, auf dem also mein inneres Bild von mir mit dem äußeren zur Deckung kommt, spricht das sehr für das Outfit. Was auf einem Foto nämlich nur in bestimmten Posen und mit Herumgezupfe gut aussieht, wird sehr wahrscheinlich auch im wirklichen Leben nicht so toll sein wie die Vorstellung, die ich mir davon gemacht habe.

In punkto Passform und Wohlfühlen ist bei diesen Teilen alles in Ordnung - dafür wusste ich nicht, dass das Ensemble aus der Entfernung so graumäusig aussieht. Von Nahem ist es nämlich so:



Ein schwarz- weiß geringeltes Shirt nach Burda 114/115 aus Heft 10/2006 (hier kurz besprochen), ein schwarz-weiß karierter Leinenrock mit Passe (122 aus Burda 6/2008, hier vorgestellt) und eine graue, gekaufte Strickjacke. Ich mag das Zusammentreffen unterschiedlicher Musterungen, könnte aber etwas mehr Farbe vertragen, damit ich nicht mit der Wand verschmelze. Das muss der Zebra-Effekt sein, die tragen ja auch schwarz-weiße Muster, damit man sie in der Savanne nicht sieht. Das nächste Mal also lieber eine farbige Strickjacke (habe ich nicht), oder eine dicke Kette in rot, blau, oder grün (dito) oder etwas anderes Buntes dazu, mal sehen.


*) Beim Me-made Mittwoch geht es darum, selbstgemachte Kleidung im Alltag zu tragen und dies zu dokumentieren - alle Teilnehmerinnen wie immer hier bei memademittwoch.blogspot.com.

Mittwoch, 29. August 2012

MMM* - Strumpfhose oder nicht...

...das ist zur Zeit die Frage aller Fragen. Herbst liegt in der Luft, und morgens weiß man nicht, ob nackte Beine so eine gute Idee sind. Ich schätze: nein, aber der Rock muss auch noch nicht aus Wolle sein.

Ich trage einen Acht-Bahnen Rock, den "Skyline Skirt" aus dem Buch twinkle sews, den Rock (der zum Teil aus einem alten Hemd genäht ist), hatte ich hier besprochen, das Buch hier vorgestellt. Auch wenn das Zusammenkleben der Schnitte umständlich, die Anleitungen nicht doll und die Schnittmuster zum Teil fehlerhaft sind - ich mag bisher alle Teile sehr, die ich nach twinkle-Schnitten genäht habe.

Das Oberteil ist ein ganz einfaches Teil aus Jersey mit angeschnittenen Ärmeln, Nummer 108 aus Burdastyle 9/2011 (hier zu sehen im russischen Burda-Archiv). Man braucht knapp 2 Meter Stoff und hat viel Verschnitt, wenn man Vorder- und Rückenteil am Stoffbruch zuschneidet, daher schnitt ich den unteren Teil der Ärmel separat zu und fügte sie mit einer dort nicht vorgesehenen Naht zusammen. Absichtlich so, dass die Streifen nicht übereinstimmen, anpassen wäre nämlich so gut wie unmöglich gewesen. Inzwischen habe ich aber noch einen besseren Stoffspar-Trick bei solchen Teilen mit angeschnittenen Ärmeln gelesen: Nur das Vorderteil im Bruch zuschneiden und ins Rückenteil eine senkrechte Mittelnaht einbauen. Nächstes Mal dann.       



Die Kette ist nicht von mir selbstgemacht - sie stammt aus Brno,  gekauft vor vielen, vielen Jahren.

Rockschnitt: "Skyline Skirt" aus twinkle sews von Wenlan Chia
Material: altes Hemd und Baumwoll-Viskose-Satin

Shirtschnitt: 108 aus Burda 9/2011
Material: Jersey vom Markt

*) Beim MMM, dem Me-made Mittwoch geht es darum, selbst gemachte Kleidung zu tragen und dies zu dokumentieren. Alle Beiträge von heute finden sich hier, im neuen Me-made-Mittwoch-Blog.

Mittwoch, 25. Juli 2012

Schon wieder Näh-Fragezeichen: T-Shirts nähen


 Meike fragte beim vorletzten Nähfragezeichen, das jetzt noch einmal das aktuelle Nähfragezeichen ist:
Shirts nähen?
Warum näht ihr Shirts - wo es doch T-Shirts in großen Mengen und oft auch günstig zu kaufen gibt. Bei Jersey zählen ja auch nicht wirklich Passformprobleme. Was ist der Unterschied zwischen Euren Shirts und Kaufshirts? 
(Da sie die Frage nur noch einmal stellt, weil ich vorwitzigerweise drauf hingewiesen hatte, dass das Nähfragezeichen nur eine Woche im Blog stand, fühle ich mich jetzt auch verpflichtet zu antworten.)

Also: ihr habt alle Recht! Die, die sagen, dass es sich doch nicht lohne Shirts zu nähen, da man doch fast jede Farbe und Form günstig kaufen könne. Und die, die trotzdem selbst nähen, weil sie eben genau die richtige Ärmellänge, Ausschnittform, Schnittvariation und so weiter selbst bestimmen möchten.

Ich würde ja gerne zu der zweiten Gruppe gehören. Einmal habe ich mit dem Markt eine günstige Quelle für passablen Jersey vor der Tür, daher ist das Shirtnähen sogar ökonomisch sinnvoll. Zweitens betrete ich die Läden der großen Ketten derzeit gar nicht mehr, und ich sehe jedes Teil, das ich da nicht kaufe, als Erfolg an.

Allein, es fehlt mir an Übung. Man kann ja nicht erwarten, auf Anhieb perfekte Shirts zu produzieren - ebensowenig wie bei jedem anderen Nähobjekt. Die an sich einfache Konstruktion eines Shirts verleitet aber zu dieser Erwartung, und das macht unbefriedigene Ergebnisse noch umso unbefriedigender. Wer würde sich schon zerfleischen, wenn der asymmetrische Wollmantel nach einem Originalschnitt von 1952 mit 76 Teilen nähtechnisch nicht überall ganz gelungen ist? Eben. Bei einem einfachen Shirt aus 4 Teilen, 6 Nähten und ein paar Säumen fällt ein Verarbeitungsmakel erstens weit mehr auf, und zweitens auch motivationspsychologisch weit stärker ins Gewicht.

Außerdem ist Jerseymaterial nicht nur dehnbar, sondern auch erschreckend wandlungsfähig: ein Patentrezept zu finden - "so nähe ich das jetzt immer" - erscheint hoffnungslos, wenn doch jede neue Jerseyqualität wieder andere Tücken und Mucken hat. Zumindest bei den ersten 50 Shirts, vielleicht setzt danach die Routine ein, ich weiß es noch nicht. Poldis Beobachtung kann ich jedenfalls bestätigen: der Streifen für das Halsbündchen kann immer kürzer sein, als man zuerst denkt!

Ich nähe also mit wechselndem Erfolg weiterhin Shirts und versuche, mich einer konstant guten Verarbeitung und einem passenden Tshirt-Grundschnitt wie ihn Shirtmeisterin Monika verwendet, anzunähern.

Die Shirt-Nähanleitung bei Sandras Samos, die Meike schon verlinkt hatte, ist auf jeden Fall ein guter Ausgangspunkt. Was die Schnitte betrifft, bin ich bisher zu unsystematisch vorgegangen: jeden Schnitt nur einmal nähen und nie-, nie-, niemals Änderungen auf das Schnittmuster zurückübertragen - so kann das ja nichts werden mit dem Lieblingsschnitt.



Derzeit hätte ich gerne ein ganz einfaches Shirtschnittmuster mit angeschnittenen Ärmeln. Ausprobiert habe ich 106 aus Burdastyle 6/2011, eigentlich ein Schnitt für Webstoffe (Schnittmuster bei Burda hier). Ich habe einiges an Weite weggenommen, der V-Ausschnitt ist einen Tick zu breit, das Ergebnis ist OK - nicht brilliant, aber auch nicht schlechter als etwas Gekauftes. Darauf sollte ich aufbauen, und den Schnitt mit den Änderungen gleich noch einmal nähen!

Im Netz gibt es aber auch einige kostenlose T-Shirtschnitte, falls noch jemand schnittlos ist und das Shirtnähen gerne probieren möchte:

- das Blank Canvas Tee von 3 Hours Past the Edge of the World hat auch angeschnittene kurze Ärmel. Steph stellt in ihrem Blog regelmäßig Variationen dieses Schnittes vor und zeigt, wie sie konstruiert werden.

- Ida von schnittchen.com (vorletzter Eintrag auf der Seite) ist ein ärmelloses Jerseytop mit V-Ausschnitt und einem im Nacken hochgezogenen Kragen. 

- das Damen-Shirt von schneidern-naehen.de hat dreiviertellange Ärmel und einen runden Ausschnitt, der laut Anleitung nur umgeklappt und festgesteppt werden soll - hier wählt man wohl besser die Verarbeitung aus der oben verlinkten Anleitung von Sandras Samos mit Halsbündchen.

Die anderen Nähfragezeichen-Antworten, das Shirtnähen betreffend, hier bei Meike.

Mittwoch, 29. Juni 2011

Me-made Mittwoch*: Grün-weiß

Lieber spät als gar nicht: Heute ein Me-made-Mittwoch bei 30°, das Wetter fährt Achterbahn diesen Sommer (morgen sind 19° angekündigt). Ich trage ein Oberteil vom letzten Jahr - 110 aus Burda 4/2009, hier besprochen, und einen schon uralten Leinen-Batist-Rock nach eigenem Schnitt, bzw. weniger hochtrabend: Um einen vorhandenen Rock herumgemalt, aus Leinenrest zugeschnitten, und mit Häkelborte und Volant aus einem Batistrest verlängert.

Einen weißen Rock zu tragen ist übrigens weniger mutig, als einige Kommentatorinnen vor einigen Wochen vermuteten: Ich stelle die immer so zusammen, dass man alle Materialien und damit auch den kompletten Rock bei 60° waschen kann - und wenn nötig, kommt er eben mit den Geschirrtüchern in die Maschine. So habe ich schon komplette Grillpartys von meinen Röcken entfernen können, und das ist ja im Sommer eine gute Sache.

*) Beim Me-made Mittwoch geht es darum, Selbstgemachtes anzuziehen und dies zu dokumentieren. Die Teilnehmerinnen von heute sind hier, und organisiert hat das ganze Catherine.

Mittwoch, 9. Februar 2011

Me-made-Monat Februar

Catherines „Me-made-Monat Februar“ ist eine gute Idee, finde ich. Das Ziel ist es, möglichst jeden Tag etwas Selbstgemachtes zu tragen – ob nun Kleider, Schmuck oder Socken. Nicht nur ist der Blick in andere Kleiderschränke mit Selbstgemachten interessant, für mich ist die Aktion eine Möglichkeit herauszufinden, welche Sachen ich bevorzugt trage und welche nicht und warum. Außerdem kann ich so noch ein paar Informationen zu Schnitten unterbringen, die in Vor-Blog-Zeiten genäht wurden oder die für sich genommen nicht so besonders aufregend sind.

Die erste Februarwoche zusammengefasst:

Dienstag
Mantel vom Winter 2008 – noch immer gut. Wird im Moment täglich angezogen. Näht euch Mäntel, Leute! Das ist nicht per se schwierig, sondern nur etwas zeitaufwendig. Und kaum ein anderes Stück zieht man so oft an.


Mittwoch
Rock 110B aus Burda 10/2006 aus kirschroter Woll-Viskosemischung, genäht im November 2006. Der Schnitt ist wirklich einfach, macht durch die zwei Falten an der Seite aber ein bißchen was her.
Jerseyoberteil 113 aus Burda 12/2008 mit verlängerten Ärmeln. An sich ein schöner Raglanschnitt mit Falten am Ausschnitt. Die kleinste Größe ist bei diesem Schnitt die 38, die aber viel weiter ausfällt als sonst bei Burda üblich. Die Ärmel habe ich mehrfach enger gemacht, dadurch ist das Oberteil tragbar, aber zufrieden bin ich mit der Passform nicht. Und meine Nähbücher geben zur Verkleinerung von Raglanschnitten quasi nichts her. Schade.
Der Schal ist auch selbstgemacht, nicht von mir, sondern von der Hausmaus. Leider finde ich ihren Blogbeitrag über diese Schals nicht mehr, und auch das Tutorial bei This old dress, mit dem alles anfing, scheint es nicht mehr zu geben, nur noch diesen Artikel, in dem man einen Schal etwas genauer sieht - er besteht aus lauter Jerseystreifen, die sich schön einringeln.


Donnerstag
Japanisch inspirierter Karorock, ein Unterziehshirt von 2008, der umhäkelte Schal ist vom letzten März - beim Häkeln schneite es, das weiß ich noch genau. Die Strickjacke ist nicht selbstgemacht, und sie sorgt für den hier schon erwähnten Babuschka-Effekt, der Menschen in Stoffkegel verwandelt.


Montag
Mein verjüngtes Ex-Lieblingskleid, einmal pur getragen. Wißt ihr was? Ich glaube das wird wieder was mit uns! Es ist genauso bequem wie früher.


Im Moment trage ich es aber so - mit dem Strickrock darunter, und bei Bedarf mit Strickjacke. Der bunte Schal ist einfach ein Stück sehr bunter und sehr weicher Baumwollstoff vom Markt mit etwas schwarzer Bommelborte.


Alle anderen Teilnehmer von heute finden sich hier.

Sonntag, 18. Juli 2010

Im grünen Bereich


Na wer sagt's denn! Bei diesem Schnitt - 110 aus Burda 4/2009 - war ich zunächst viel skeptischer, was die Passform betrifft, als bei dem Ganzkörper-Faltenmodell vom letzten Mal, aber siehe da: es funktioniert weitaus besser. Das Material ist ein flutschiger, schwerer Viskosejersey vom Maybachmarkt, damit fallen die ganzen Falten im Unterbrustbereich schön schmal. (An der Hüfte vorne hätte ich es für das Foto noch einmal richtig hinzupfen müssen - das Bild zeigt also den Zustand nach einem halben Tag tragen.)



Das Mittelstück zwischen den Raffungen habe ich um gut einen Zentimeter verschmälert und mit einigen Perlen bestickt - sollte ich den Schnitt noch einmal nähen, würde ich es mit nicht-elastischer Einlage verstärken. Die Anleitung sieht an dieser Stelle gar keine Verstärkungen vor, bei Baumwolljersey mit größerem Ausleierfaktor könnte das fatal werden.


Das Nähen von solchem Flutschjersey mit meiner etwas grobschlächtigen mechanischen Nähmaschine habe ich mittlerweile ganz gut raus. Man muss sich von dem Gedanken verabschieden, dass es genau so aussehen soll, wie ein gekauftes Teil aus Jersey. Das geht ohne Over- und Coverlock einfach nicht, muss aber kein Nachteil sein.

Wenn ich da mal mit Tipps um mich werfen darf:

- Eine Nadel speziell für Jersey ist essentiell, alle anderen verursachen Löcher. Ich markiere die Jerseynadeln gleich nach dem Kauf mit einem Klacks Nagellack am Schaft, denn mit bloßem Auge kann man sie kaum von den anderen unterscheiden.

- Stecknadeln können ebenso Löcher verursachen. Vom Hörensagen weiß ich, dass es sogar spezielle Jerseystecknadeln geben soll. Die habe ich auch nicht, ich stecke vorsichtig mit dünnen Stecknadeln und nur auf der Nahtzugabe.

- Zum Zusammennähen verwende ich einen mittelbreiten Zickzackstich.

- Säume kann man mit einer Zwillingsnadel festnähen, wenn das die eigene Maschine mitmacht. Meine ist gerade in Kombination mit Jersey ausgesprochen bockig - die Fadenführung bis zur Nadel ist nicht so sonderlich ausgeklügelt, die linke Nadel lässt häufig Stiche aus, das Garn reißt.
Mit untergelegtem Seidenpapier beim Nähen oder auswaschbarem Stickvlies lässt sich meistens noch etwas retten, auch wenn das Säumen dadurch oft länger dauert, als das Nähen des Shirts an sich.
Mittlerweile verwende ich einfach einen elastischen Stich für die Säume, meistens den Rautenstich - siehe Foto. Für den Saum plane ich gleich eine breite Zugabe ein, so dass das Nähfüßchen und der Transporteur auf einer doppelten Lage Jersey laufen und schneide den überstehenden Stoff erst nach dem Umnähen zurück.


Schnitt: 104 aus Burda 4/2009
Material: dünner, schwer fallender Viskosejersey
Änderungen: Mittelstück zwischen den Raffungen verschmälert, sollte außerdem verstärkt werden

Montag, 12. Juli 2010

Wieviel Neues braucht der Mensch?


Das war es dann mal wieder mit dem Versuch "mal was anderes" zu nähen oder zu tragen. Volumige Schnitte kommen ja von Zeit zu Zeit immer wieder, und obwohl mir die ganze Richtung vom Konzept her gut gefällt, stelle ich meistens dann doch fest, dass körpernähere Schnitte an mir besser aussehen. Ist das eine Frage des Alters, ist meine modische Sozialisation so weit abgeschlossen, dass ich neue Formen nur noch theoretisch gut finden kann? Weil ein bestimmtes Körperbild eingelernt ist, und das Neue zu sehr davon abweicht? Ist das nun der viel beschworene "eigene Stil", oder ist es schon Erstarrung?

Das Oberteil ist der Schnitt 114 aus Burda 8/2009, genäht aus dunkelblauem Interlock vom Maybachmarkt. Die interessante Fältelung im Vorderteil wird von einem schmaleren Futter in Form gehalten, ich habe das Futter hier auch aus Jersey zugeschnitten und konnte mir daher den eigentlich vorgesehenen Reißverschluss sparen.


Hier auf dem Bild ist es schon etwas stärker tailliert als vorgesehen - das kann aber besonders in der Seitenansicht auch nicht viel an dem unvorteilhaften Eindruck ändern. Wobei die modischen Raffungen und Falten an dünnen Berlinmittemädchen mit breiten Schultern und wenig Oberweite durchaus gut aussehen, die tragen dann Leggings oder sehr kurze Röcke dazu, und alles ist gut.

In hingegen fühle mich etwas unförmig, ja konturlos, und ehe ich Obelix' trotzig-beleidigten Ausspruch "Ich bin nicht dick, ich bin nur dick angezogen!" umändere in "... ich trage nur ein sackartiges, aber gerade deswegen total modisches Oberteil!" ändere ich lieber das Shirt.


Schnitt: 114 aus Burda 8/2209
Material: Interlock

Sonntag, 14. März 2010

Die Berliner Modepolizei empfiehlt


Achten Sie auf die Länge ihrer Ärmel!

(Plakat im U-Bahnhof Möckernbrücke - hinter den Schienen.)

Donnerstag, 6. November 2008

Neues aus meinem kleinen Sweatshop

Bin ich die Meisterin der Übersprungshandlung? Projekt A wird und wird nicht fertig - gut, fange ich einfach mit Projekt B an. Wahrscheinlich brauche ich beim Nähen einfach kleine Erfolgserlebnisse in regelmäßigen Abständen.

Und wo wir gerade bei "brauchen" sind: Langämelige T-Shirts brauchte ich auch mehr als dringend. Außerdem wollte ich schon lange versuchen, ob ich meiner Nähmaschine, einer älteren Dame, das Nähen von Jersey zumuten kann. Fazit: Es geht, nur der Saum mit der Zwillingsnadel ist jedes Mal eine Zitterpartie. Auf der Rückseite dürfen absolut keine Fäden herumhängen und die Schnittkante sollte sich außerhalb des Füßchens befinden, sonst verfitzt sich da irgendwas. Für die normalen Nähte verwende ich einfach einen schmal eingestellten Zickzackstich.

Die Ergebnisse sind noch verbesserungsfähig, aber tragbar und da das Nähen selbst mit einer normalen Nähmaschine wirklich schnell geht, werden sicherlich noch einige solcher Zwischenprojekte folgen.
Aber jetzt kurz und knapp zu den verwendeten Schnitten:

(Ein Klick aufs Bild vergrößert sie)

Shirt 124 aus Burda 6/ 2008 Nicht gerade eine Bügelschönheit. Angezogen zieht sich aber alles (auch der Saum) so hin, wie es sich gehört, ehrlich! Die Ärmel haben Dreiviertellänge, was das Foto im Heft und die Anleitung leider nicht verraten - Ich dachte nämlich die Dame trägt die Ärmel hochgeschoben. Den V-Ausschnitt habe ich etwas verkleinert. Der Beleg rollt sich trotz Einlage (sowas wie Vlieseline H180) innen etwas hoch, das ist aber unerheblich, wenn das Shirt angezogen ist. Ein sehr schöner Schnitt, den ich sicherlich noch einmal nähen werde.




116/117 aus Burda 9/ 2006
Aus dem gleichen blauen Jersey vom Maybachmarkt habe ich dann gleich noch dieses Shirt nachgeschoben - und habe beim Anprobieren ernstlich an meinem Verstand bzw. an meiner Armlänge gezweifelt. Schon wieder Dreiviertellänge! Warum sagt mir das eigentlich keiner? Auf den Modellfotos wieder nicht zu erkennen.
Mittlerweile habe ich mich mit der Ärmellänge ausgesöhnt. Lange Ärmel wären zu diesem Schnitt etwas bieder, Dreiviertelärmel sehen süß und trotzdem nicht zu verspielt aus. Der Rest des Shirts ist ganz schlicht, V-Ausschnitt wieder etwas verkleinert, Wiederholung nicht ausgeschlossen.

Shirt 114/115 Burda 10/ 2006
Zu diesem Schnitt gibt es nichts, aber auch gar nichts zu sagen: Vorderteil, Rückenteil und endlich, endlich lange Ärmel, genau wie erwartet. Beim Säumen dieses kuschelig weichen Jerseys mit kleinem Lochmuster musste ich etwas andere Saiten aufziehen: Ohne Hilfsmittel ging es gar nicht, und untergelegtes Papier ließ sich nur schlecht wieder aus der Zwillingsnadelnaht pulen. Im zweiten Versuch versetzte ich den Saum mit reichlich Sprühstärke in eine Schockstarre, woraufhin er das Absteppen widerstandslos über sich ergehen ließ.

Das Bündchen am Halsausschnitt habe ich etwas anders gearbeitet, als in der Anleitung vorgesehen. Frau Burda schlägt vor, den Bündchenstreifen rechts auf links an der Innenseite des Halsausschnitts anzunähen, ihn nach vorne umzuschlagen und von der Vorderseite aus mit der Zwillingsnadel festzusteppen. Ohne Steppnaht gefällt mir so ein Ausschnitt aber viel besser, also habe ich das Bündchen rechts auf rechts auf die Außenseite des Ausschnitts gesteppt, nach innen umgeschlagen und es mit kleinen Stichen von Hand gegengenäht. Das ist ausreichend elastisch und das Bündchen ohne sichtbare Nähte kommt meinem Perfektionsdrang entgegen.

Montag, 13. Oktober 2008

T-shirt refashion: Aus zwei mach eins

T-shirt grau und T-shirt rotProblem eins und zwei

Die letzten Wochen habe ich nach und nach die Problemfälle in meinem Kleiderschrank ans grelle Tageslicht gezogen. Nach etwas Handarbeit auf dem Balkon konnte ja schon ein halbes Kleid wieder auf die Menschheit losgelassen werden. Diese zwei T-shirts waren jedes für sich eigentlich ein Fall für den Altkleidersack.

Problem eins entstand aus eigener Dämlichkeit: Das ursprünglich langärmelige T-Shirt trug ich "untendrunter" beim Streichen der alten Wohnung. Leider waren die Ärmel des darüber getragenen ollen Pullovers ein ganzes Stück kürzer... Gute 15cm musste ich abschneiden. Problem zwei habe ich in leichter geistiger Umnachtung im Sommer vor zwei Jahren gekauft und vielleicht drei Mal getragen. Farbe und Muster finde ich nach wie vor gut, nur der Ausschnitt ist unpraktisch breit, das Teil ist 5cm zu kurz und die Pailetten (Huch, bin ich das, was hier so glitzert?) irritieren mich.

Getreu dem Refashion-Motto, lieber ein tragbares Teil im Schrank zu haben, als zwei untragbare, habe ich Problem eins zur Ergänzung von Problem zwei verwendet.

Reverse-Applikation oder reverse appliquéReverse-Applikation aus der Nähe

Die Ärmelverlängerung ist aus dem unteren Teil des roten T-Shirts geschnitten, da konnte ich gleich den Saum weiterverwenden. Die Vorderpartie des roten Shirts habe ich dann unter das graue gesetzt und beides mit sogenanntem Reverse Appliqué oder auch Reverse-Applikation, also sozusagen "umgekehrter" Applikation verbunden. Das Muster entsteht, indem die obere Stofflage innerhalb der Motive weggeschnitten wird und so der untere Stoff zum Vorschein kommt. Molas aus Panama werden im Prinzip auch so hergestellt, nur dass sie aus etlichen leuchtend bunten Stofflagen bestehen und die Schnittkanten des oberen Stoffes eingeschlagen und mit allerwinzigsten Handstichen befestigt werden. Bei der Textile Art konnte ich einige Molas aus der Nähe betrachten, sie sind wirklich unglaublich filigran gearbeitet.

Meine T-Shirt-Applikation ist natürlich nicht so feingliedrig. Die Idee für diese Verzierung habe ich auf der Webseite von Alabama Chanin gefunden, die wunderschöne und sehr kostspielige Kleidungsstücke und Dekostoffe anbieten, alles in Handarbeit in Alabama hergestellt. Diese Ton-in-Ton-Applikationen und -Stickereien in gedämpften Farbtönen zwischen naturweiß, Karamell, Mokka und Grau finde ich sehr reizvoll. Weiß steht mir leider gar nicht, aber ich überlege dieses Jahr eine kleine Weihnachtstischdecke zu machen mit Schneekristallen in verschiedenen Weißtönen. Mal sehen.

Hier gibt es auch eine Anleitung für Reverse Appliqué auf T-Shirts. Die Schnittkanten des oberen Stoffes bleiben einfach offen und dürfen beim Waschen ein wenig ausfransen - shabby, aber hoffentlich trotzdem chic.

Freitag, 23. Mai 2008

T-Shirt Refashion oder Mein erster Versuch mit Jersey



Das Ausgangsmaterial


Zugegeben - mein aller-, allererster Versuch mit Jersey liegt nur zu lange zurück, um noch zu zählen. Als ich knapp 18 war, habe ich schon einmal aus einem schwarzen und einem rotem T-Shirt ein neues gemacht - rot mit einem schwarzen Mittelteil und einem eckigen, schwarz eingefaßten Ausschnitt. Auch wenn die Reaktion meiner Mutter ("Willst du wirklich SO in die Schule gehen?") anderes erwarten ließ, wurde ich damals oft gefragt, wo ich denn das schöne Teil gekauft hätte.

Aus vorhandenen Kleidungsstücken andere nähen stand also ganz am Anfang meiner Nähkarriere, und letztlich hat mich Geldmangel, in Kombination mit einer ganz genauen Vorstellung von gewünschten Kleidungsstücken, zum Nähen gebracht. Heute ist das übrigens nicht viel anders, wenn auch auf einem etwas anderen Level als damals.
Über den Begriff Refashion stolperte ich dann vor einiger Zeit bei Bärbel und durch ihren Blogbeitrag lernte ich, dass das, was ich als Teenager gemacht hatte, nicht nur einen schicken englischen Namen hat, sondern dass daraus eine Bewegung mit eigenen Regeln und Theorien geworden ist. Und mit mehr Blogbeiträgen, als ein einzelner Mensch überhaupt lesen kann. So theoretisch überhöhen wie die Protagonisten dieser Bewegung möchte ich das Umarbeiten ja nicht. Aber den Nachhaltigkeitsgedanken, dass nämlich Ressourcen, die schon längst in meinem Kleiderschrank herumhängen, auch genutzt werden sollten, den finde ich bedenkenswert.

In diesem Fall ist die brachliegende Kleidungsressource ein Werbe-T-Shirt des indischen Restaurants Shalimar in Hamburg, das ich vor Unzeiten von dem Inhaber geschenkt bekam. Ich habe es praktisch nie getragen, aber es ist sechs Mal mit mir umgezogen.

Nachher: Ein passender Schnitt

Das T-shirt hatte die übliche großzügige Form, die T-Shirts zu Anfang der Neunziger hatten - also: ich passte zweimal rein. Wie Bärbel so schön geschrieben hatte, es war an mir, aus diesem untragbaren Teil etwas Schönes zu machen.
Da ich Shirts mit Aufschrift nicht sonderlich mag, wurde die Schrift für das Vorderteil umgedreht. Den Schnitt habe ich von einem gut passenden T-Shirt abgenomen, genäht wurde mit einer normalen Nähmaschine (leichter Zickzackstich, Jerseynadel). Säume und Ärmelsäume habe ich weiterverwendet - so schön kriege ich die wahrscheinlich nicht hin.
Um das Weiß und das Blau des Motivs wieder aufzunehmen, habe ich Kirschblüten mit Schablone auf einige Partien schabloniert und die Teilungsnähte mit dem nachgemachten Overlockstich der Nähmaschine abgenäht.
Das Resultat passt und gefällt und das nächste T-Shirt wartet schon auf seine Verwandlung. Dazu demnächst mehr.

Kirschblueten mit Schablone