Mittwoch, 8. Juni 2011

Me-made Mittwoch*: Hitze


Wenn es draußen heiß ist, ist es Dank deckenhoher Fabrikfenster nach Südost in der Büroetage noch viel heißer. Das erste, was dran glauben muss, sind immer die Schuhe: vom Gang tönt schon seit Wochen das Schlappen, Floppen und Schlurren diverser paßformunsensibler Fußbekleidungen auf dem Weg zur und von der Kaffeeküche, und auch ich wechsele jetzt am Schreibtisch in Flipflops.

Luftige Röcke sind auf jeden Fall eine gute Idee, hier der Schirmrock aus Burda Easy Fashion Frühjahr/Sommer 2009. Im Grunde ein aus-alt-mach-anders-Projekt, denn die Godeteinsätze bestehen aus ganz verschiedenen blau gestreiften Hemden, der weiße Stoff war die Aussteuerbettwäsche meiner Mutter. Viel mehr lässt sich der Hitze nicht entgegensetzen, und auch die Technik zeigt erste Ausfallerscheinungen: Der Etagenkühlschrank hat anscheinend den Dienst quittiert, und seit gestern tropft der Wasserhahn. Disziplinlosigkeit allerorten.

*) Beim Me-made Mittwoch geht es darum, selbstgemachte Sachen anzuziehen und dies zu dokumentieren. Die heutigen Teilnehmerinnen finden sich hier, und organisiert wird das ganze von Cat-und-Kascha.

Sonntag, 5. Juni 2011

Neues Leben für alte Kleider im Mai - und noch eine Hemdenverwandlung

Kam euch der Mai auch so lang vor? Tatsächlich sind seit dem letzten Mal Neues Leben für alte Kleider fünf Wochen vergangen, daher nochmal zur Erinnerung, worum es hier geht: Im Januar stellte ich fest, dass der, was sage ich die Stapel mit Sachen, die ich umändern oder zu etwas anderem weiterverarbeite wollte, fast so groß waren wie mein Stofflager. Daher gehe ich seither Monat für Monat ein Teil an, poste das Ergebnis jeweils am ersten Sonntag im Monat, und jeder ist herzlich eingeladen, mitzumachen – denn so einen „da-mach-ich-bestimmt-nochmal-was-draus“-Stapel haben ja viele Leute.

Für mich ist die Aktion schon jetzt ein echter Gewinn: ohne den Druck, jeden Monat etwas Vorzeigbares zu produzieren, wäre keines der bisherigen Refashionprojekte zustande gekommen, dazu kenne ich meinen Schweinehund gut genug. Und die Ergebnisse werden tatsächlich genutzt – die Taschenverschönerung vom März war sogar so erfolgreich, dass ich selbst die Tasche genau ein Mal ausführen durfte, sie ist fast ständig unterwegs, aber eben nicht mit mir.

Aber genug geredet, hier die Links zu euren Projekten im Mai:

Wenn aus einem Teil gleich zwei oder mehr neue Sachen entstehen, dann handelt es sich um einen modischen Pullover aus den Achtzigern. Katha konnte aus so einem Ungetüm nicht nur eine niedliche Strickjacke fürs Kind gewinnen, sondern auch eine tolle Weste für sich: mit angestricktem Bündchen und angestricktem Schalkragen.

Monika/Wollixundstoffix nähte den neuen Taschenschnitt von Machwerk aus einem Vorhang und stellte für den Taschenboden einen Quiltstoff her.

Eine Tasche entstand schon vor längerer Zeit bei Suschna: Ein Sommerkleid mit Erinnerungswert wurde zur mädchenhaften Beuteltasche mit Seilhenkeln, Anleitung inklusive.

Tirabarba verarbeitete altes Leinen und ein handgearbeitetes Deckchen aus der Familienschatzkiste zu einem edlen Kissenbezug.

Seemownay recycelte eine Menge Erwachsenenshirts fürs Kind: Säume und Bündchen lassen sich weiterverwenden, mit großformatigen Applikationen wirds interessant, Beispiele hier, hier, hier oder hier.

Danyeela machte ein Hemd aus dem Secondhandladen wieder tragbar: andere Ärmel, anderer Kragen, und aus aus einem etwas konturlosen Teil wird eine asiatische Bluse mit Charakter.

Und, beim Me-made Mittwoch gefunden: Brigifts Kleid aus einem großen Männerhemd.

Hemd ist auch gleich mein Stichwort: Mein Projekt im Mai war wie schon im letzten Monat eine Hemdenverwandlung. Diesmal kein resozialisiertes Braunhemd, sondern ein dunkelgraues Architekten- oder Kreativenhemd aus reiner Baumwolle mit durchgewetztem Kragen.


Wie ein Oberhemd aussieht, setze ich als bekannt voraus und zeige euch diesmal kein vorher-Foto, sondern wie ich die Teile für meine neue Bluse aus dem aufgetrennten Hemd zugeschnitten habe. Die Knopfleiste samt Knöpfen und den Saum konnte ich so weiter nutzen und sparte mir eine Menge Näharbeit, zumal ja die Knopflöcher einer Haushaltsmaschine nie so gut werden, wie die in der Konfektion gearbeiteten. Dass ich so eine Herrenknopfleiste an der Bluse habe, die Knopflöcher also auf der linken Körperseite sind, macht mir gar nichts – man könnte die Vorderteile natürlich auch über Kopf zuschneiden, falls die Länge reicht.


Der Stoff war an zwei Stellen, wo die Brusttasche aufgenäht war, schon etwas lädiert. Um das zu verdecken, nähte ich neben den Knopfleisten vier schmale Biesen mit türkisem Garn und setzte im Schulterbereich ein halbmondförmiges Stück auf – das sieht jetzt so aus, als solle das so sein.



Die Abnäher wandelte ich ebenfalls in Biesen in abgestufter Länge um – und in der Mitte des Rückenteils wiederholen sich die türkisen Biesen noch einmal. Dass der Kragensteg innen aus einem anderen Hemdenrest besteht, ist einer Panne geschuldet. Eigentlich dachte ich, die Kragenstegteile auch zugeschnitten zu haben – auf dem Schnittfoto oben ist das Teil ja auch noch dabei – aber muss ich sie wohl verschusselt oder als Müll weggeworfen haben. Als es an den Kragen gehen sollte, waren sie jedenfalls nicht mehr da, und der Stoff reichte nur noch für einen Steg. Daher kam der hellblaue Kontraststoff ins Spiel – und der gefällt mir jetzt sogar besser, als mir ein einfarbiger Kragen gefallen hätte.


Schnittgrundlage für die Bluse war 116 aus Burda 5/2007, eine ganz einfache kurzärmelige Bluse mit Brust- und Taillenabnähern, die sich gerade deshalb gut für Abwandlungen eignet.

Das nächste Mal Neues Leben für alte Kleider am 3. Juli 1. Juli – just an diesem Wochenende kann ich voraussichtlich nicht ins Internet, daher dieses Mal die Sammlung schon am Freitag!

Mittwoch, 1. Juni 2011

Me-made Mittwoch*: Mohnblumenrot


Manche Mittwochsteilnehmerinnen schaffen es ja, sich von einer Woche auf die andere etwas Neues zu nähen – ich gehöre definitiv nicht dazu. Der rote Rock nach Schnitt 4 aus Burda Easy Fashion Frühjahr/Sommer 2009 ist schon eine Weile fertig, allein, das Wetter war nicht nach Anziehen. Lustigerwiese zeigte die Honigbärenbiene den gleichen Rockschnitt am Montag - aber bienentypisch gelb gemustert.


Mein Rock ist aus Baumwolleinen von Stoff&Stil, Farbe 4300 - Rot I, ein Material, das wenig knittert und die richtige Festigkeit hat für so ein umfangreiches Unterfangen, eben ein Stoff "mit Stand", wie es bei Burdas immer heißt.

Von dem Schnittmuster bin ich geradezu begeistert: Durch die schräg eingelegten Falten hat der Rock eine moderne Anmutung, obwohl die Grundform ganz klar in die 50er Jahre reicht. Noch dazu braucht man relativ wenig Stoff für so einen voluminösen Rock: 1,70m genügen, und dabei ist der Saumumschlag bei mir gut 20cm breit und der Rock um 8cm verlängert - wenn schon Fifties-Look, dann mit der richtigen Rocklänge! Die untere Rockkante ist gerade und daher leicht zu verarbeiten, das Schnittmuster wäre also auch ideal für Bordürendrucke. Kurzum: ich überlege, ob ich ihn mir noch einmal in blau, grün und schwarz nähe, denn so ein raschelnder, rauschender Rock ist im Sommer unschlagbar, allein schon durch die erfrischenden Luftverwirbelungen, die man damit erzeugt.


Zum Nachschlagen die harten Fakten zum Rock:

Schnitt: Burda Easy Fashion Frühjahr/Sommer 2009, Rock 4 - wirklich anfängergeeignet
Material: 1, 70m Baumwolleinen von Stoff&Stil, Farbe 4300 - Rot I
Änderungen: Rock um 8 cm verlängert, breiter Saumaufschlag, damit der Rock die ausgestellte Form hält


*) Am Me-made-Mittwoch geht es darum, selbstgemachte Sachen zu tragen und dies zu dokumentieren. Die Teilnehmerinnen von heute finden sich hier, und organisiert wird das ganze von Catherine.

Montag, 30. Mai 2011

Nähen mit alten Schätzchen: Veritas 8014/41


Seit einigen Wochen steht eine neue alte Nähmaschine in meinem Fuhrpark: Eine Veritas 1814/41, Baujahr 1978, wenn ich die Gußmarken an den Plastikteilen richtig deute. Aus dem VEB Nähmaschinenkombinat Wittenberge, einst als Singer-Werk eine der größten Nähmaschinenfabriken der Welt, mit eigenem Hafen, Bahnanschluss, Werkssiedlung und in der Inflationszeit sogar mit einer eigenen Währung. Ich bin ganz begeistert von der klar aufgebauten Maschine, besonders von dem Aufbewahrungskoffer, in dem sogar noch eine Box für Spulen, Füße und Zubehör integriert ist.


Und wie näht sie nun? Hierzu muss ich vorübergehend in den Autotester-Jargon verfallen:

Der knurrige Motor der Veritas 1814/41 reagiert sofort auf die Ansprache des Gaspedals, zieht gut durch und offenbart seine relativ geringe Leistung (60 Watt) erst bei höheren Nähgeschwindigkeiten. Das bewährte Umlaufgreifersystem läuft ruhig und weitgehend erschütterungsfrei und steht einer modernen Maschine in nichts nach. Die Oldtimerqualitäten der Veritas 1814/41 zeigen sich vor allem in der ruppigen Steuerung der Stichauswahl (ein Gradstich, drei Zickzackstiche mit fester Breite, sechs Zierstiche), die mit einem Umschalthebel auf der Oberseite des Gehäuses angewählt werden können. Der Fadenspannungsregler reagiert zum Teil überempfindlich – aber das zeichnet eben sportliches Nähen ohne elektronischen Fadenwächter und automatischem Nähfußdruck aus. Mit dem mitgelieferten Gradstichfuß bewältigt die Veritas 1814/41 aber auch dünne Materialien problemlos. Sehr spartanisch ist die Abdeckung des Unterfadenzugangs vor dem Transporteur geraten: sie besteht nur aus einer lose aufliegenden Metallplatte, die im Gelände, etwa beim Quilten, leicht vom Nähgut mitgerissen werden kann. Die Elektrik scheint ein weiterer Schwachpunkt der Veritas 1814/41 zu sein. Bei dem getesteten Modell traten in voller Fahrt unerklärliche Motoraussetzer auf, die sich nach einer Wartezeit von zwei bis drei Tagen auf ebenso unerklärliche Weise behoben.

Fazit: Eine interessante Maschine für sportliche Näherinnen, die auf den heute üblichen Komfort verzichten können oder wollen. Hier ist Nähen fast noch so, wie zu den Anfangszeiten der Motorisierung!


Ja, die Elektrik. Erst lief die Maschine gar nicht – dann auf einmal doch. Dann blieb sie mitten im Nähen stehen und bekam offenbar keinen Strom mehr – Ruckeln an Stecker und Kabel brachte nichts – zwei Tage später wieder probiert: sie näht – und bleibt nach einiger Zeit wieder stehen. Der Wellenstich auf dem Kissenbezug letztens brauchte so fünf Anläufe, und in der Fehlersuche bin ich noch nicht viel weiter gekommen. Im Zuge meiner Ursachenforschung hatte ich das Fußpedal schon aufgeschraubt und ergebnislos hineingestarrt, ein anderes Fußpedal bekommen, das leider einen nicht kompatiblen Stecker hat, diverse Forenbeiträge über den Anlasser gewälzt – und nun näht sie gerade wieder, einfach so.


Falls der Fehler wieder auftritt, konsultiere ich einen der Berliner Veritas-Reparateure, die ich in Berlin ausfindig gemacht habe, Ossis Nähmaschinenladen oder Nähmaschinentechnik Kieselbach. Auf der Seite des Veritasklubs gibt es auch jede Menge Informationen, Bilder und Berichte und Reparaturadressen in anderen Städten (leider eine sehr unübersichtliche Seitenstruktur, die Navigation erfolgt jeweils über einen winzigen "weiter"-Button ganz ganz unten auf der Seite). Hilfreich fand ich auch die zahlreichen Veritas-Threads im Nähmaschinenbereich des Hobbyschneiderinnen-Forums, dort habe ich herausgefunden, dass man das Fußpedal der Veritas durch ein Standardpedal ersetzen könnte, wenn man passende Stecker montiert.Es gibt also jede Menge Hoffnung, dass sich das Problem beheben lässt, wenn es sich noch einmal zeigt.


Abgesehen von diesem Problem mit der Stromzufuhr, das ich als Einzelfallpech bewerte, ist die Veritas eine schöne Maschine, die alles kann, was eine Nähmaschine können muss. Wenn mich Näheinsteiger fragen, mit welcher Nähmaschine sie anfangen sollen, empfehle ich immer so eine alte – fragt eure Mutter, Omas und Tanten, ob sie noch eine ungenutzte Maschine im Schrank haben, gebt eine Suchanzeige am schwarzen Brett im Supermarkt auf, schaut bei Haushaltsauflösungen oder bei Ebay. Ich habe bei Nähtreffen schon viele mit Maschinen von Aldi und Konsorten verzweifeln sehen – mit den alten, entstaubten und frisch geölten näht‘s sich besser.

Freitag, 27. Mai 2011

Folge dem Regenbogen

(Geländer an der alten Bahnbrücke über die Bouchéstraße, Alt-Treptow)

Guerilla knitting ist in meinem kleinen Kiez am Rande der großen Stadt bald kein seltener Anblick mehr.
Ein schöner Fund aus Charlottenburg hier im Gerdiary.

Ergänzung 29. 5. 2011: Wie passend, gerade gefunden bei avelinux: die FAZ titelte gestern mit Guerilla-Stricken, der zugehörige Artikel ist hier.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Zweite Phase


Meine erste Quiltphase liegt Jahre zurück - und die Patchwork- und Quiltwelt da draußen sieht inzwischen ganz anders aus als noch vor ein paar Jahren. Ich trauere den Zeiten nicht nach, als es schon schwierig war, überhaupt halbwegs geeignete Baumwollstoffe zu finden, als die meisten Leute bei dem Begriff „Quilt“ an schottische Röcke dachten – aber wie ich mich nun in meiner zweiten Quiltphase gegenüber diesem Wust an neuen Stoffen, Mustern, Ideen positioniere, weiß ich noch nicht. Natürlich ist es toll, dass einen durch das Internet die Ideen geradezu überfluten, aber manchmal möchte ich lieber gar nichts mehr sehen, denn ist neben diesen übermächtigen Bildern noch Platz für etwas Eigenes?


Jetzt fange ich erst einmal klein an: Mit Kissenbezügen aus dem Vorhandenen. Hier schnitt ich endlich einige Stoffe aus dem Druckaustausch vor eineinhalb Jahren an – das längliche, sehr bunte Kissen mit Drucken von Floh und Kaze hatte ich hier schon in der Planungsphase gezeigt, das zweite mit Drucken von Tally (ein hellgrüner Zweig mit gelben und blauen Punkten) und Suschna (blaue unterbrochene Streifen auf strukturiertem Stoff) wurde mit Stoffen der 50er Jahre ergänzt.


Das Quilten mit der Nähmaschine ist für mich als Ex-Handquilterin ebenfalls völliges Neuland. Im Kissenformat gar kein Problem – aber wie man wohl einen ganzen Quilt unter der Maschine durchschiebt, und dann womöglich noch mit Freihandmustern versieht, ist mir nicht ganz klar.


Für das bunte Kissen verwendete ich den Wellenstich an meiner neuen alten Maschine, die leider nicht zuverlässig arbeitet (ein Kapitel für sich), daher brauchte ich fünf Anläufe, bis das Kissen endlich gesteppt war. Den Wellenstich mit großer Stichlänge (hier: 3,5) kann ich für erste Maschinenquiltversuche aber sehr empfehlen. Unregelmäßigkeiten fallen längst nicht so auf wie bei geraden Linien und die Oberfläche erhält ganz von selbst eine schöne Struktur.


Und was kommt als nächstes? Noch mehr Kissenbezüge! Diesmal ein Muster aus einem Blog, und ich machs wie bei "Stiller Post": Blog nur ein einziges Mal anschauen, Muster aus dem Kopf nacharbeiten und durch Übertragungsfehler auf eine eigene Note hoffen.