Sonntag, 8. November 2009

Winter-Kanzashi

Kanzashi rot Wollstoff
Kanzashi schwarz-weiß Tweed

Auch japanische Stoffblumen ziehen sich im Winter etwas wärmer an und greifen dabei, wie die meisten von uns, zu Wolle - kuschelig! Nein, Quatsch, kuschelig sind sie nicht gerade, aber nach dem Hemdenstoffen wollte ich ausprobieren, wie sich Kanzashi aus Wollstoffen falten lassen.
Fazit: Mit wirklich dünnen Stoffen, wie man sie für Hose oder Rock verwendet, geht das Blütenfalten sogar besser als mit Baumwolle, weil die Wolle kaum knittert und das Gewebe von vorneherein eine gewisse Sprungkraft besitzt. Sprühstärke ist nicht nötig. Die rote Blüte ist so ein Fall, da rundeten sich die Blütenblätter fast von allein.
Die schwarz-weiße Blüte verarbeitet Reste meines Wintermantels vom letzten Jahr und da der Stoff doch ziemlich dick ist, ist die Blüte ein recht rustikaler Klopper geworden. Nicht gerade sehr japanisch, eher schottisch oder irisch.
Alle drei sind längst verschenkt an eine sehr sympathische strickende Bloggerin, die ich unlängst treffen durfte. Cecie hat aber auch eine Nähmaschine und plant kombinierte Strick-Näh-Projekte - ich bin gespannt!

Kanzashi hellgrün

Freitag, 6. November 2009

Eine kleine Alternative zum Maybachmarkt



Der Wochenmarkt am Maybachufer Dienstag und Freitag mit seinen Stoff- und Kurzwarenständen ist ja eine feste Größe im Wochenplan vieler Berliner Stoffjunkies. Habt ihr euch aber auch schon mal gefragt, was die Stoffhändler eigentlich an all den anderen Wochentagen machen? Der Stand von Naturstoffe Lindemann mit seinen ungefärbten Baumwoll- und Leinenstoffen ist am Samstag auf dem Winterfeldtplatz, dort, wo es auch die guten Scheren gibt. Aber alle anderen? Verdienen die an zwei Markttagen genug?

Zum Teil anscheinend ja, zum Teil nein, und diese zweite Gruppe steht am Mittwoch und am Samstag auf dem Markt in der Crellestraße, Nähe Yorckstraße in Schöneberg. Der kleine Wochenmarkt dort hat es bisher noch nicht in die Berlin-Reiseführer geschafft und liegt auch nicht in einem aufstrebenden Szenebezirk, daher ist das Angebot äußerst bodenständig: Weißkohlköpfe im 10kg-Sack und Großmarktware statt Biogemüse, Topfsets und voluminöse Steppdecken für türkische Großfamilien. Und etwa acht Stoffstände, ein großer Kurzwaren- und Perlenstand und ein kleiner Reißverschlussstand.

Die Preise sind eher noch niedriger als auf dem Markt am Maybachufer, ja mir scheint, dass dort auch zwei, drei Händler stehen, die man gar nicht auf dem Maybachmarkt findet (was wieder die Frage aufwirft, wo diese Anbieter denn den Rest der Woche verbringen, aber gut). Was die Auswahl betrifft kann der Markt in der Crellestraße zwar nicht mit dem Maybachmarkt mithalten, aber durch den Samstagstermin kommen Wochenendbesucher mit Stoffkaufwunsch nun auch zum Zuge. (Und wenn man mit der U7 eine Station weiter fährt, ist man nach kurzem Fußmarsch auf dem Winterfeldtplatz und kann dem Besuch noch einen Markt mit ganz anderem Charakter zeigen.)

Wochenmarkt Crellestraße
Mi und Sa ca. 10-15.00 Uhr

direkt am Ausgang Yorckstraße/Großgörschenstraße (S1)
erreichbar auch mit S2/S25 oder U7 (Yorckstraße)

Dienstag, 3. November 2009

Ein anderes Jackenabenteuer

Diese Jacke darf nicht mehr auf die Straße

Nicht nur wir Frauen kennen die Schwierigkeiten, gefallende und vor allem passende Kleidungsstücke zu finden – auch der Liebste, der Einkaufsbummel meidet wie der Hase den Försterball, hat so seine liebe Not, vor allem mit den Jacken. Zur Zeit wirkt die Männer-Jackenmode noch dazu wie aus dem Katalog eines Militärausrüsters entnommen – Herbstjacken in khakigrün, feldgrau, wüstenbeige, mit tausend Taschen und Schulterklappen, da fehlen nur noch die Rangabzeichen. „Wir“ befinden uns ja in Afghanistan ganz sicher nicht im Krieg, das kann man gar nicht oft genug wiederholen, ansonsten könnte man auf die Idee kommen, dass sich hier gewisse gesellschaftliche Befindlichkeiten direkt in Farben und Formen widerspiegeln.

Aber wie auch immer, die Jackensuche im Frühjahr war erfolglos, und nachdem wir einer Verkäuferin ganz alten Schlags in die Hände gefallen waren (die mich fragte „Hat er denn die Jacke schon anprobiert?“, während er, weder taub noch blöd, daneben stand), also danach hatte nicht mal ich mehr Lust, die Suche fortzusetzen. Die einzig wahre Lieblingsjacke, dünnes Leder und schon secondhand gekauft, löste sich mehr und mehr auf, eingerissene Taschenpatten, zerfetztes Futter, abgeschabte Ärmel, durchgescheuerter Kragen, also langsam richtig schäbig.

Aber jetzt gibt es ja einen Klon

Der naheliegende Gedanke, diese Jacke nachzuschneidern, kam mir natürlich erst drei Wochen vor des Liebsten Geburtstag. Auf dem Markt am Maybachufer fand ich wunderbaren mittelbraunen Cord, im Sommer, wenn das kein Zeichen ist!

Den Schnitt des Jackenwracks nahm ich mit Abdeckfolie extra stark aus dem Baumarkt ab. Das war viel einfacher als befürchtet, weil die Jacke aus vielen kleinen übersichtlichen Teilen besteht – allein der Rücken aus sechs Teilen plus Schulterpasse. Ich breitete die Jacke also Schnittteil für Schnitteil möglichst flach aus, steckte die Folie mit Stecknadeln glatt darauf und zeichnete die Nahtlinien jedes Einzelteils mit Folienschreiber nach.

Schon gut eingetragen

Und das funktionierte! Die Teile fügten sich aus Cord ganz problemlos wieder zusammen, und da zeitraubendes Anprobieren und Schnittänderungen wegfielen - der wahre Vorteil von Geheimprojekten - kam ich sogar schnell voran, obwohl ich nur abends und am Wochenende nähte, wenn ich allein zuhaus war. Nur die letzten Tage vor dem Geburtstag musste ich zwei heimliche Tagesschichten einlegen.



Ein paar Fehler sind mir in der knappen Zeit dann doch unterlaufen: Der Oberkragen hätte gut einen Zentimeter mehr Länge vertragen, da habe ich das Volumen des Cords unterschätzt, und jetzt bedeckt der umgeklappte Teil des Kragens eben nicht, wie es sein sollte, den gesamten Kragensteg und die Kragenecken neigen zum Hochstehen. Beim Zuschneiden des Futters vergaß ich, im Vorderteil die Breite des Vorderteilbelegs abzurechnen und wunderte mich dann über zu viel Stoff, aber das ließ sich hinschummeln, obwohl die Innentaschen schon genäht waren.

Der Liebste hatte als Geburtstagsgeschenk zwar eine Hängematte erwartet (fragt nicht!), war dann aber mit der Jacke hochzufrieden, so dass sie auf den Bildern schon gut eingetragen ist. Cord neigt ja etwas dazu, sich den Körperformen anzupassen. Und ich habe jetzt einen wunderbaren Schnitt, den ich auch noch einmal nähen würde, falls Bedarf besteht.

Sonntag, 1. November 2009

Winterfest

Korrekter Sitz eines Zugluftstoppers

Wohnen im Altbau mit Original-Stuckdecke, Dielenboden und Jugendstil-Messingtürklinken ist ja was feines. Wenn allerdings wie bei uns die Doppelfenster auch von circa 1908 sind, dann wird es drinnen doch merklich frischer, sobald der Herbstwind draußen die Blätter von den Bäumen bläst. Aber auch der Neubaubewohner kennt vielleicht den unangenehmen Luftzug von der Haus- oder Wohnungstür. Mit dem Kälteeinbruch haben bei uns auch die Zugluftstopperrollen (was für ein Wort) wieder ihre Plätze in den Fenstern und vor der Balkontür eingenommen.

Dass der nicht-nähende Zeitgenosse hingegen nur die Wahl hat, gegen die Zugluft eine scheußliche Plüschrolle mit Dackel- oder Tigerkopf aus dem asiatischen Sweatshop zu kaufen, oder auf das etwas überteuerte Produkt eines bekannten Gute-Dinge-Versandes zurückzugreifen, wurde mir so recht erst klar, als ich in einem Blog über ein diesbezügliches Lamento stolperte. Dabei lässt sich ein einfaches, optisch unauffälliges Modell auch von Eigentlich-nicht-Nähern leicht und billig herstellen.

Tür- oder Fensterrollen gegen Zugluft erhöhen den Kuschelfaktor der Wohnung beträchtlich, senken den Energieverbrauch und kommen damit der Umwelt zugute, also uns allen. Der Individualitätsfaktor kommt als Bonus noch oben drauf: die selbstgemachten Türrollen kann man sich auch passend zur Wohnungseinrichtung oder im beliebten Fliegenpilzdesign nähen.

Die Rollen gegen Zugluft bekommen bei mir eine Füllung aus Sand - eine Idee aus Spanien. Sand dichtet Ritzen weit besser ab als Füllwatte, und glaubt mir, Spanier wissen, wie man den Winter in schlecht isolierten Wohnungen ohne Heizung übersteht! Der Umfang einer Rolle liegt bei etwa 13 Zentimetern, das passt für Kastenfenster wie ich sie kenne, aber auch für die meisten Türen. Ich nähe für die Rollen außerdem noch einen separaten Bezug, den man abziehen und waschen kann, nötig ist der für die Funktionalität der Rolle aber nicht.

Also man braucht für die Zugluftrollen:
  • dicht gewebten Stoff für den Innenbezug: Nessel, Futtertaft oder einen schon vorhandenen Stoff z.B. Bettwäsche, Hauptsache nicht löchrig. Wenn kein Außenbezug geplant ist, sollte er einem auch gefallen, ansonsten ist das egal
  • Vogelsand (Tierhandlung, Baumarkt) oder sauberen Sand aus anderer Quelle (Strand). Zwei Kilo Sand reichen etwa für eine Rolle mit einem Meter Länge.
  • Nähmaschine, Garn, Schere, ein paar Stecknadeln und ein Maßband oder etwas anderes zum Messen
  • einen großen Trichter oder einen Joghurtbecher, bei dem man den Boden herausschneidet zum Einfüllen das Sandes

1. Messen
(alle Fotos lassen sich durch Anklicken vergrößern)


Für ein Doppelfenster die Breite des Fensters im Zwischenraum zwischen innerem und äußerem Fenster messen, Maß aufschreiben. Zu diesem Maß kommen 8 Zentimeter für den Rollenabschluss und die Nahtzugaben, das ergibt die Länge des benötigten Stoffstreifens. Für eine Tür hängt die Länge davon ab, in welche Richtung die Tür aufgeht, ob sie bündig mit dem Rahmen abschließt und wie viel Platz seitlich vorhanden ist. Plant die Rolle so, dass sie alle Ritzen schön abdeckt. Auch zu diesem Maß kommen 8 Zentimeter dazu. Die Breite des Stoffstreifens beträgt in jedem Fall 15 Zentimeter, da ist 1 Zentimeter Nahtzugabe an jeder Seite schon eingerechnet.

2. Innenbezug nähen
Stoffstreifen der Länge nach in der Mitte falten, mit ein paar Stecknadeln entlang des Bruchs fixieren - so kommen sie einem nicht beim Nähen in die Quere.
An der Maschine eine kleine Stichlänge (etwa 1mm) einstellen, sonst rieselt nachher der Sand aus der Naht.
An einer Schmalseite am Bruch mit dem Nähen beginnen, Naht durch kurzes Rückwärtsnähen befestigen, dann in etwa einem Zentimeter Abstand von der Kante nähen - erst die Schmalseite, um die Ecke, dann die lange Seite. Die zweite Schmalseite bleibt offen.
(Um die Ecke nähen: am Eckpunkt anhalten, die Nadel mit dem Handrad nach unten drehen, falls sie nicht sowieso unten im Stoff steckt. Nähfuß hochstellen, Stoff um 90 Grad drehen, Fuß absenken und weiternähen.)

3. Schlauch umstülpen und Sand einfüllen
Ein Trichter oder ein Becher ohne Boden ist hilfreich. Schlauch nur zu ungefähr vier Fünfteln füllen, dann kann sich der Schlauch flexibel an den Fensterrahmen anpassen.

4. Schlauch zunähen

Kanten am Schlauchende etwa zwei Zentimeter nach innen stülpen und durch alle Stofflagen feststecken.







Ganz dicht an der Kante zunähen. Nahtanfang und -ende mit ein paar Rückwärtsstichen befestigen.







Jetzt ist der Schlauch zu.

Falls die Rolle nicht mit beiden Enden an die Fensterlaibung anstößt, lieber noch einmal auftrennen und länger machen.




Rollenbezug nähen (optional)


Man braucht:
  • Stoff nach Wunsch - aber bedenken, dass die Rollen im Fenster viel UV-Licht abbekommen und viele Stoffe dort nicht lange schön bleiben. Einen tollen Designer-Patchworkstoff würde ich lieber woanders einsetzen
  • dünnen Bindfaden, Baumwollgarn oder etwas ähnliches für den Verschluss (sieht man später nicht mehr)
  • Nähwerkzeug wie oben

1. Zuschneiden
Einen Stoffstreifen in 17 Zentimeter Breite und 7 Zentimeter länger als die gefüllte Rolle zuschneiden.

2. Tunnel für den Verschluss nähen
Schmalseite des Stoffstreifens in etwa drei Zentimeter Abstand zur Kante falten, in den Falz ein längeres Stück Schnur oder Baumwollgarn einlegen.







Tunnel festnähen - in etwa zwei Zentimeter Abstand vom Bruch. Die Schnur dabei nicht mit festnähen.





3. Bezug zusammennähen

Stoffstreifen der Länge nach falten, linke Seite außen. Stecken. In etwa einem Zentimeter Abstand von der Kante nähen. Dabei die Naht nicht ganz oben beginnen, sondern etwa 1,5 Zentimeter freilassen, damit der Tunnel offen bleibt, genauso am Ende der Naht: auch hier den Tunnel offen lassen.



Oben sieht das dann so aus.









Bezug über die Rolle ziehen, Schnur zusammenziehen, verknoten und die Schnurenden nach innen stopfen.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Piroschka, du machst mir Sorgen

Das gefällt mir nicht so.

Habe ich es selbst heraufbeschworen? Oder ist es unvermeidlich? Meine Bemerkung vom letzten Mal, es sei noch Stoff für ein Vorder- oder Rückenteil oder einen Ärmel übrig, hätte ich mir wohl lieber verkniffen.

Denn der Anblick des zusammengenähten Rückenteils gefällt mir nicht so recht. Die Rückennaht der Piroschka-Jacke ist ziemlich stark geschwungen, daher ist sie auch so schön tailliert, und in meiner Naivität nahm ich an, dass sich das Muster einigermaßen symmetrisch und halbwegs ansehnlich aufteilt, wenn ich die Schnitteile in der Nähe des Stoffbruchs auflege. Das tut es aber nicht, wenn es sich wie hier um ein Stoffmuster mit Richtung handelt. Und auch wenn ich meinen Stoffrest hervorhole und einen Musteranschluss versuche, dann erreicht man den letztlich auch nur an einer Stelle (aber immerhin).

Aber ist es so besser?
Oder so? (In den Bildern sind 23 Unterschiede versteckt. Finden Sie sie!)

Ich überlege trotzdem, ein Rückenteil neu zuzuschneiden. Auch wenn die Nähtruppe gestern auf "überhaupt nicht schlimm" plädierte und ganz zu Recht auf alle weiteren Nähte hinwies, die noch kommen würden, und wenn ich da auch noch einen Musteranschluss haben wollte, bräuchte ich nicht nur weitere drei Meter Stoff, sondern könnte mich gleich irgendwo einweisen lassen.

Nennt man es Perfektionismus, oder ist es Wahnsinn? Darüber werde ich noch ein wenig nachdenken müssen. Ich melde mich ggf. wieder (falls man mich lässt).

Verheddert und verknäult




Wieder da! Die vergangene Woche beschäftigte ich mich fern von Berlin mit Knäulen verschiedener Arten - und mit Essen und Schlafen. Bernstein konnte ich trotzdem nicht finden, aber auch so war die Reise sehr erholsam. (Schon wieder was Neues angefangen, jaja. Aber hier werden auch Sachen fertig. Sachen, von denen noch gar keiner weiß, dass ich sie überhaupt angefangen hatte. Fotostau, und das trübe Wetter macht es nicht besser.)

Den Rest der Woche spielten wir noch zuhause Tourist. Als Funktionskleidungsverächterin bin ich ganz froh, wieder mit städtischer Kleidung ohne knisternde (und im übrigen tatzenfreie) Regenjacke unterwegs zu sein. Tja, die Tatzen. So sehr ich mich für die Abgemahnten freue, so wenig schmeckt mir, dass Jack Wolfskin jetzt unwidersprochen behaupten kann, die Dawanda-Anbieterinnen hätten Markenrecht verletzt und man verzichte nur höchst großzügig auf die Verfolgung. Und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Ende? Darauf würde ich nicht bauen - Rotkäppchen, bleib wachsam!

Im Provinz
Burghard Bering (Mitte) und zwei Klingonen

Zum Tourist-Spielen gehören natürlich auch Kulturveranstaltungen, zum Beipiel die sehr sehr lustige offene Bühne im Café Provinz am Mittwoch Abend, zu der in Zukunft aber gern noch mehr Zuschauer kommen dürften. Oder das grandiose Konzert des gänzlich unnervösen Gitarrenduos bøsnervøs am gleichen Ort am Freitag.

Das Gehedder ist ungefähr zur Hälfte fertig. Eine nützliche Nähanleitung für Nicht-Näher ist schon seit vor dem Urlaub zur Hälfte fertig. Und an der viertelfertigen Piroschka-Jacke ist mir gestern etwas aufgefallen, das mir so gar nicht gefällt, aber dazu später mehr.