Dienstag, 15. April 2014

Who made your clothes? Fashion Revolution Day

Logo: fashionrevolution.org
Am 24. April jährt sich zum ersten Mal der Einsturz des Rana-Plaza-Fabrikgebäudes in Dhaka, Bangladesch, bei dem mehr als tausend Textilarbeiterinnen und Textilarbeiter starben. Das Erschrecken über dieses unvorstellbare Unglück währte nur kurz: Nachdem im Mai 2013 eine Reihe von Textilfirmen ein Abkommen zur Feuer- und Gebäudesicherheit abschloss, dessen Überprüfbarkeit allerdings bezweifelt wird, verschwand das Thema weitgehend aus den Medien. Die Entschädigung der Überlebenden und der Familien der Opfer kommt nur schleppend voran, denn viele europäische und amerikanische Bekleidungsfirmen, Auftraggeber der Textilbetriebe in Dhaka, zahlten noch nicht in den Entschädigungsfonds ein. Wir reden hier über ein Volumen des Fonds von 40 Millionen Dollar - zum Vergleich: allein der spanische Textilkonzern Inditex (Zara, Massimo Dutti), der im Rana Plaza produzieren ließ, wies für 2012 einen Gewinn von mehr als zwei Milliarden Euro aus, in diesem Jahr werden allein 1,5 Milliarden Euro an die Anteilseigner ausgeschüttet.

Am 24. April, dem Jahrestag des Unglücks, soll an die unzähligen Menschen erinnert werden, die an der Herstellung der Kleidung beteiligt sind, die wir tragen, und die oft unter erbärmlichen Bedingungen in der Textilindustrie arbeiten: an die Menschen, die Baumwolle anbauen und ernten, die spinnen und färben, weben und nähen. Unter dem Hashtag #InsideOut bei twitter oder facebook gepostete Outfitfotos, bei denen die Kleider mit den Etiketten nach außen getragen werden, verbunden mit der Frage "Who made your clothes?" sollen das Nachdenken über die Herstellungsbedingungen unserer Kleider und den gedankenlosen Textilkonsum in Gang setzen. Ein Textilkonsum, an dem auch Selbermacherinnen beteiligt sind - wenn sie auch die letzten Stufen des Produktionsprozesses selbst ausführen. Die Hoffnung ist, dass mit der Geste #InsideOut eine weltweite Bewegung entsteht, die einen Wandel in der Mode- und Textilindustrie bewirken kann - hin zu einem Wirtschaftszweig, in dem der Gewinn nicht auf Kosten von Menschen, Umwelt und Kreativität erzielt wird.     


Links:
Fashionrevolution.org, Informationen über Veranstaltungen in Deutschland zu Zeit nur auf der dt. Facebookseite. 

Kurz gefasst erklärt: Warum unsere derzeitige Bekleidungsproduktion und unser Textilkonsum ein globales Problem sind.

Freitag, 11. April 2014

Seit einem Jahr in Kreuzberg: 1000Stoff in der Muskauer Straße


Aus unerfindlichen Gründen ist Kreuzberg bisher nicht besonders gut mit Stoffläden ausgestattet. Liegt es an der Nähe zum Maybachmarkt, interessiert sich die typische Kreuzbergerin mehr fürs Ausgehen als fürs Selbermachen, oder ist der Wandel gerade in den früher etwas verödeten Kiezen im östlichen Kreuzberg noch zu frisch? 


1000Stoff hat sich vor etwas über einem Jahr in dieser Gegend angesiedelt, nur ein paar Schritte von der neu belebten Markthalle Neun entfernt. Fast genauso lange hatte ich eine Postkarte des Ladens an der Pinnwand hängen, aber zufällig verschlug es mich  immer nur Sonntags oder am Abend in die Nähe. Es brauchte erst eine Mail von Lara, der Ladenbesitzerin, dass ich mich einmal gezielt zu den Ladenöffnungszeiten auf den Weg machte. Am Montag Vormittag herrscht ein reges Kommen und Gehen: Nachbarn präsentieren frische Babys, Stammkundinnen sagen Hallo, im hinteren Teil des Ladens werden Kinderhosen genäht.


Lara ist von Hause aus Architektin und nähte im Prinzip schon immer. Wie so viele entdeckte sie das Selbermachen nach der Geburt ihrer Kinder wieder neu, entdeckte die Welt der bunten Patchworkstoffe und entschloss sich zur Selbständigkeit, weil die Jobpendelei mit zwei kleinen Kindern kein Dauerzustand werden konnte. In ihrem Laden spezialisierte sie sich dann auch auf die bunten amerikanischen Designerstoffe wie Amy Butler und Riley Blake und die schönen japanischen Druckstoffe von Kokka und Echino. Als großer Fan von graphischen Mustern sucht sie die Stoffe so aus, dass das meiste auch für Erwachsene tragbar ist. Neben einer kleinen Auswahl an Standardstoffen wie Jeans, Cord und einfarbigen Jersey gibt es Schnittmuster von Minikrea, Knöpfe, Bänder und einige fertig genähte Einzelstücke, zum Beispiel Taschen, Kissenhüllen und Kinderkleidung.  


Im zweiten Raum des Ladens - charmant kreuzbergerisch mit verwittertem Stuck an der Decke - finden die Nähkurse statt, bei denen im kleinen Kreis und mit fachkundiger Hilfe an einem eigenen Projekt gewerkelt werden kann. Die Kindernähkurse und die Nähgeburtstage sind Lara zufolge besonders beliebt, so dass wir uns um den Selbermacher-Nachwuchs keine Sorgen machen müssen. Vielleicht wird aus Kreuzberg ja doch noch ein Selbermacher-Dorado. 

1000Stoff
Muskauer Str. 49
10997 Berlin

Geöffnet: MO-FR 11-18.30 Uhr, SA 11-16.00 Uhr

Haltstelle: Görlitzer Bahnhof (U1)

www.1000Stoff.de

Mittwoch, 9. April 2014

Elisalex oder: was macht den Lemming zum Lemming?

Warum wird ein Schnittmuster erfolgreich? Wer Nähblogs verfolgt, dem ist sicher das Phänomen der Lemming-Schnitte nicht entgangen. Ein Schnittmuster wird von einer Bloggerin „entdeckt“, genäht, gezeigt, die Begeisterung ist groß, der Schnitt taucht landauf, landab in den Blogs in immer mehr Varianten auf, was noch mehr Verlangen erzeugt, bis die lemminghafte Begeisterung irgendwann abflaut, weil nun wirklich jede halbwegs vernetzte Selbermacherin den Schnitt schon umgesetzt hat, oder weil das nächste, noch begehrenswertere Schnittmuster den Plan betritt.


Butterick 5951 war so ein Fall, davor war es das Knip-Kleid 17 mit den gewickelten Bändern, das schräg geschnittene Wasserfallkleid aus Burda 10/2012, davor das Jersey-Knotenkleid Onion 2022, davor gab es Wellen der Römö- und Amy-Begeisterung, ganz zu schweigen von den Kinderkleidungsmoden, mit denen alles anfing.


Welche Voraussetzungen muss ein Schnittmuster erfüllen, um den typischen Lemming-Sog auszulösen? Mir scheint, der Schnitt darf zum einen nicht allzu kompliziert sein. Ein Hemdblusenkleid mit zehn, zwölf oder mehr Schnittteilen hat nur geringe Chancen im Beliebtheitswettbewerb, im Gegensatz zu Butterick 5951 mit vier Schnittteilen oder dem Burda-Wasserfallkleid mit drei Schnitteilen. Es ist kein Zufall, dass Jacken und Mäntelschnitte bisher nicht zu Lemmingen geworden sind: den Robson-Mantel von Sewaholic finden bestimmt viele toll, wirklich nachnähen werden ihn nur wenige.

Das Oberteil ist mit dünnem Baumwollstoff gefüttert, das Rockteil mit Futtertaft

Nicht ganz unwichtig sind sicher auch die Vernetzung und die Präsentation: Je besser das entdeckende Blog vernetzt ist, je schöner und den Mund wässrig machender die Fotos, desto schneller nimmt der Lemming an Fahrt auf. Aber es bleibt immer auch ein unerklärlicher Rest: Der Schnitt muss einen Nerv treffen, die Phantasie in Gang setzen, eine Lücke des imaginären Kopfkleiderschrankes ausfüllen.

Den Reißverschluss habe ich sichtbar außen aufgenäht

Was haben diese Überlegungen mit dem Kleid auf den Bildern zu tun? Bei dem Kleid handelt es sich um Elisalex von by hand London, dem Lemmingschnitt des vergangenen Jahres in Großbritannien. Ein britischer Superlemming sozusagen, der in Deutschland aber nur als kleine, unbedeutende Wühlmaus angekommen ist. Interessant, oder? Da geht so ein Schnitt auf der Insel durch alle Blogs und verbreitet sich bis nach Australien, und bei uns gibt es ein paar schöne Umsetzungen von Dodo, Yvonet und Bunte Kleider, einige Versuche mit nicht so zufriedenstellenden Ergebnissen, und damit verschwindet der Schnitt in der Versenkung. Kein Lemming-Hype weit und breit.


Woran liegt das wohl? Konnte die Geschichte von Charlotte, Elisalex und Victoria, den drei Gründerinnen von by hand London bei uns aufgrund der Sprachbarriere nicht so recht zünden? Oder fehlt den deutschen Nähbloggerinnen der Modemut, um sich für die hüftbetonte Silhouette des Elisalex-Kleides zu begeistern? Ist der Kopfkleiderschrank auf den Britischen Inseln anders bestückt als unserer, bunter und verwegener?


Ich denke häufig, dass deutsche Nähbloggerinnen im großen und ganzen recht konservativ und brav nähen (ich auch!), wenn man sich im Vergleich britische Blogs wie Cyberdaze anschaut, die sich bei Voguepatterns immer die avantgardistischsten Schnitte aussucht. Oder Dolly Clackett mit ihrer Vorliebe für ungewöhnliche Musterstoffe, oder Lladybird mit den wechselnden Haarfarben. Näht sich die deutsche Nähbloggerin lieber etwas Solides für alle Lebenslagen, während die britische Nähbloggerin ihre verrückten Klamottenträume verwirklicht?


Ein einfarbiges Elisalex ist nicht verrückt, nur sollte frau ihren Frieden mit ihrer unteren Körperhälfte gemacht haben, dafür sieht der Oberkörper durch den Tulpenrock sehr schmal aus. Ich habe das Elisalex-Kleid schon im Dezember aus einer Art dunkelblau-schwarzem Cord von Philea genäht und es einige Male getragen, unter anderem an meinem Geburtstag und mit böhmischen Strass zu Silvester, und ich mag es: ich mag die Schnittform, die übertrieben breite Hüfte, ich mag, dass es nicht auf die konventionelle Art ein hübsches Kleid ist - aber das Elisalex ist für mich kein Alltagskleid.


Bei Alltagskleidern vergesse ich nach kurzer Zeit, was ich gerade trage, sie funktionieren einfach, und ich kann mich mit anderen Dingen beschäftigen. Das Kleid wird weggeblendet, während ich lebe. Beim Elisalex-Kleid merke ich die ganze Zeit, was ich trage, der große Rückenausschnitt schummelt sich immer ins Bewusstsein, der enge Saum ist hinderlich, wenn ich mal auf einen Stuhl steigen muss oder mich gemütlich aufs Sofa schmeißen will. Aber: das Gefühl des Besonderen kann bei besonderen Gelegenheiten eben genau richtig sein. Ich denke, ich habe mir mit Elisalex ein wunderbares, nerdig angehauchtes Anlasskleid genäht  und damit eine Lücke in meinem Kopfkleiderschrank geschlossen, von der ich vorher noch nicht einmal wusste, dass sie da ist und die ich mit noch so viel bewusster Überlegung nicht hätte schließen können. Und das verbuche ich als großen Erfolg.  

Die Fakten zum Schnitt:


Schnittmuster: Elisalex von by hand London. Der Schnitt ist auf Seidenpapier aufgedruckt, die englische Nähanleitung mit gezeichneten Bildern steht in einem separaten kleinen Heft, beides steckt in einem schick bedruckten Pappschuber. Der Schnitt kam mir im Prinzip technisch ausgereift vor, an den Prinzessnähten im Oberteil gibt es pro Naht zwei Passzeichen, an der Armkugel drei Passzeichen. Die Schnittteile enthalten bereits 1,5 cm Nahtzugabe.

Rockteil kürzen (Klick vergrlößert das Bild)
Änderungen: Ein großes Problem des Schnittes ist, dass das Schnittmuster nicht dem Kleid entspricht, das man auf den meisten Fotos des Modells sieht, worüber Siebenhundertsachen im Februar schon ausführlich geschrieben hatte. Nach Schnittmuster ist der Rock etwa wadenlang, bei Dodo sieht man die Originallänge. Um den Rock auf Knielänge zu kürzen und gleichzeitig die Tulpenform zu erhalten, faltete ich bei den Schnittteilen an fünf Stellen regelmäßig verteilt etwa 3 cm weg. Yvonet schrieb hier und hier über ihre Änderungen. 

Ich verlängerte außerdem das Oberteil um 2 cm, bei mir eine häufige Änderung. Die Taille soll beim Elisalex-Kleid ein bißchen über der natürlichen Taille sitzen.

Nähanleitung: Das Anleitungsheft sieht zwar auf den ersten Blick sehr ausführlich aus, einige wichtige Details sind jedoch gut versteckt oder werden nicht erklärt.

Ich rätselte herum, warum auf der Verpackung ein 65 cm-Reißverschluss angegeben ist, aber in der Anleitung auf einmal ein teilbarer Reißverschluss verwendet wird, der in den Zeichnungen vom Ausschnitt bis zum Saum des Kleides reicht. Im Sew-along auf der Webseite wird es klar: Setzt man in die hintere Mitte einen teilbaren Reißverschluss ein, kann man Elisalex als Wendekleid nähen. Aber natürlich reicht ein 65-cm-Reißverschluss nicht bis zum Kleidsaum, es sei denn man kürzt das Kleid so weit, dass es nur knapp über den Po reicht.

Das ist alles in der Anleitung also nicht sonderlich durchdacht. Am Kleid gemessen würde ich sagen: plant einen 40-cm-Reißer ein, wenn ihr das Kleid mit dem originalen tiefen Rückenausschnitt näht, wenn ihr den Rückenausschnitt höher setzt, sollte der Reißverschluss entsprechend länger sein. Ich nähte den Reißverschluss von außen sichtbar auf, weil mir der Kontrast des Metallreißers zum Stoff an dem ansonsten schlichten Kleid gut gefiel.

Das Oberteil ist wie in der Anleitung angegeben mit dünnem Baumwollstoff gefüttert. Ein Futter für das Rockteil ist nicht vorgesehen, ich fütterte den Rock aber mit glitschigem Futtertaft, den ich gemeinsam mit dem Oberstoff verarbeitete. Die Kellerfalten sind also gemeinsam in Oberstoff und Futter eingelegt, die dabei wie eine Lage behandelt wurden.  

Noch ein Wort zur Stoffwahl: ich glaube ein fester Stoff mit ordentlich Stand ist beim Elisalex-Nähen der wichtigste Punkt, wenn man sich für den Tulpenrock entscheidet. Aus weicherem Stoff funktioniert die Rockform nicht, dann fallen die Falten unansehnlich zusammen. Im Netz gibt es aber viele (britische) Beispiele, bei denen das Oberteil mit einer anderen Rockform, zum Beispiel einem halben Teller kombiniert wurde - dann geht auch ein fließender Stoff.

Dienstag, 8. April 2014

Das Nähbloggerinnentreffen in Bielefeld

Bielefeld, die Stadt der Nähmaschinen und des Leinens - gibt es einen besseren Ort für ein Treffen von Nähbloggerinnen? Am Wochenende fanden sich über 20 Nähbloggerinnen und solche, die es vielleicht bald werden, in der unbekannten kleinen Großstadt zwischen Bremen, Hannover und dem Ruhrgebiet ein. Ich hatte ja vorher überhaupt keine Vorstellung von Bielefeld und bin sehr positiv überrascht am Sonntag wieder weggefahren. Unsere Gastgeberinnen Frau Knopf, Mema, Das Büro für schöne Dinge und Bunte Kleider hatten schöne Cafés und Kneipen ausgesucht, gutes Essen bestellt, ein Besichtigungsprogramm und Besuche im Stoff-Fabrikverkauf organisiert. Vielen Dank, ihr vier!

Ich war mit den Berlinerinnen Yvonet, Kreuzberger Nähte und Santa Lucia Patterns unterwegs, und als wir am Samstag Vormittag in Bielefeld ankamen, stand am Bahnhof schon ein Empfangskomitee und es ging gleich weiter nach Verl zum Outlet von Marc Aurel. 


Die Stoffecke ist klein, aber sehr, sehr fein. Die Winterstoffe kosteten nur noch 3€/Meter, alles andere zwischen 6 und 10€, dazu gabs Körbe mit Reißverschlüssen ab 50 Cent, Knöpfe, Bänder und Schulterpolster. Ich fürchte wenn man einmal die Gelegenheit hatte, in Fabrikverkäufen Stoffe zu begutachten, ist man für Kaufhausware für alle Zeiten verdorben. In Verl gabs zum Beispiel tolle Digitaldrucke auf Seide oder feiner Baumwolle, die in den Schaufenstern als Kleidungsstücke schon überall zu sehen sind. Die pastelligen Fabergé-Eier auf weißem Grund landeten bei Bunte Kleider und Max Lau, bei Frau Knopf fand ein Stoff mit Blumen wie aus einem holländischen Stilleben ein neues Zuhause.


Nachmittags besichtigten wir die Bielefelder Wäschefabrik, eine ehemalige Näherei für Bett- und Tischwäsche, die jahrzehntelang unverändert vor sich hinschlummerte. Man möchte kaum glauben, dass das alles echt ist und keine sorgfältig arrangierte Filmkulisse. Bei Frau Knopf gibt es dazu noch viel mehr Fotos.


Auf dem Weg zum Abendessen in der Tapasbar und dem Absacker in einer Dachgartenbar konnten wir noch die Schaufensterauslage eines Designermodegeschäfts auf Nachnähbarkeit checken, fachsimpeln, uns über ungebügelte Röcke wundern und feststellen, dass Prada fast 900 € für ein simples Jerseykleid mit rundem Ausschnitt, langen Ärmeln und glockigem Rock verlangt, das jeder Nähnerd an einem Nachmittag nachnähen könnte.    


Nach ein bißchen wenig Schlaf trafen wir uns am Sonntag zu einem ausgedehnten Frühstück mit Stoff-und Schnittmustertauschtisch. Wir Berlinerinnen fuhren am frühen Nachmittag wieder nach Hause. Ich habe mich sehr gefreut, euch alle zu treffen und mich mit fast allen länger und intensiver unterhalten zu können, als das bei einem Riesentreffen möglich ist. Ein großer Dank an die Organisatorinnen, die einfach das perfekte Nähnerdprogramm auf die Beine gestellt haben!

Donnerstag, 3. April 2014

Wochenrückblick: Burda-Vorschau, Tage des Kunsthandwerks und Taschengeschichte


Wenn man schon etwas länger bloggt, ist es toll, dass man immer nachschauen kann, was man vor einem Jahr um diese Zeit so getrieben hat. Oder genäht hat. Oder gestrickt hat. Eine gewisse handarbeitstechnische Unlust scheint mit dem Frühjahr einherzugehen, das war schon 2013 so.

Ich kenne das schon: ich bin unfähig, mir im Voraus zu überlegen, was ich im Sommer anziehen möchte. An den ersten richtig warmen Tagen - voraussichtlich am Wochenende - werde ich in meinen schwarzen Strumpfhosen herumlaufen und mir deplatziert vorkommen. Wie jedes Jahr werde ich über hautfarbene Strumpfhosen nachdenken, sie aufgrund von Assoziationen (Weißwürste, Alice im Wunderland, Katharina Witt) verwerfen und mich fragen, wie ich mich am besten in die strumpfhosenlose Zeit hinüberrette. Und wenn es dann richtig Sommer wird, werde ich keine Oberteile haben.

Hilfe zur Kleiderplanung ist da draußen ja reichlich vorhanden, die Serie "Mein Kleiderschrank und ich" bei Tessa habe ich zum Beispiel sehr gerne gelesen, und im Colette-Blog läuft gerade eine Artikelserie zum gleichen Thema. Auch theoretisch ist mir die Abfolge nachdenken - ausmisten - Vorhandenes ergänzen vollkommen einsichtig. Aber die Praxis! Mein Kleiderschrank spricht nicht zu mir, jedenfalls nicht jetzt, der Kopfkleiderschrank bleibt leer, mich kann gerade gar nichts so recht begeistern.

Aber wenigstens das Gärtnern macht Freude. Ich bepflanze ja seit einigen Jahren als Guerilla-Gärtnerin die Baumscheibe des Straßenbaums vor dem Haus, also die freie Erde rund um den Baum. Die Anfänge waren mühsam: Im ersten Jahr war das eine betonharte Fläche, in die ich erstmal einen Sack Blumenerde einarbeitete, ohne wahrnehmbaren Effekt übrigens. Die übereifrige Straßenreinigung harkte meine Pflänzchen weg, ließ aber die Hundescheiße liegen. Andere Pflanzen ergaben sich in kürzster Zeit dem Hundeurin. Mal stand ein kaputter Staubsauger in der Baumscheibe, mal ein halbes Dutzend Schnapsfläschchen. Mal rupfte jemand die blühenden Tulpen mit Stumpf und Stiel ab, dann kam ein Winter mit Temperaturen weit unter Null, ohne Schnee - Kahlfrost. Dieses Jahr habe ich das erste Mal das Gefühl: das wird was! Durch den milden Winter sind die Pflanzen kaum heruntergefroren und die Erde scheint sich belebt zu haben. Letzte Woche pflanzte ich ein paar Hornveilchen und fand in jedem frisch gegrabenen Pflanzloch einen richtig fetten Regenwurm. Zum Vergleich: so sah die Baumscheibe im April 2013 aus.       

Und sonst so? Die Selbermachlinks der Woche:

Die Vorschau für Burdastyle 5/2014 gibts seit einer Woche. Interessant finde ich - so weit man etwas erkennen kann - das Shirt mit dem Knoten am Ausschnitt von Bild 16 und die blaue Bluse von Bild 19. Dann kommen ein paar sehr seltsame Sachen (Federpuschelarmbänder? Lederfransen? Gladiatorentops?), das gestreifte Sommerkleid von Bild 37 könnte auch ganz schön sein, auch wenn ich den Eindruck nicht loswerde, dass es aus Ikea-Dekostoff genäht wurde. Aber das lässt sich eigentlich immer erst beurteilen, wenn das Heft und die Schnittzeichnungen da sind.

Die Tage des Kunsthandwerks gibt es in anderen europäischen Ländern schon länger, dieses Jahr ist zum ersten Mal auch Berlin dabei. Vom 4. bis zum 6. April öffnen zahlreiche Kunsthandwerkerinnen und -handwerker ihre Ateliers und Werkstätten und lassen sich über die Schulter und hinter die Kulissen gucken, das vollständige Programm findet sich hier.

Ich vergesse immer wieder, was für informative und unterhaltsame Artikel das Londoner Victoria and Albert-Museum auf seiner Webseite über seine Sammlungen veröffentlicht, wie zum Beispiel diese  Geschichte der Taschen vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Wahrscheinlich könnte man dort tagelang über Textilien und Mode lesen, warum tue ich das eigentlich so selten?

Was macht eigentlich so eine Modedesignerin? Annette Rufeger erzählt in dem neuen Blog Was machen die da? von ihrem Beruf: "Am allermeisten Spaß macht es, wenn du ein neues Teil genäht hast. Wenn es fertig ist und du siehst: supertolle Hose. Das ist der Hammer!" (via @FrauCrafteln)

Dienstag, 1. April 2014

Frühlingsjäckchen, zweiter Zwischenstand: Der Zweifel strickt mit


Hatte ich mir nicht geschworen, dieses Mal "ordentlich" zu stricken? Meine Maschenprobe zu waschen, Schulterabnahmen und Ausschnitt frühzeitig zu berechnen und meinen Strickplan lesbar und in ganzen Sätzen aufzuschreiben? Stattdessen gebe ich hier ein schlechtes Beispiel ab, denn ich habe - wie immer - ein Rückenteil, ein halbes Vorderteil und einen vollgekritzelten Zettel. Das vorige Knitalong-Treffen habe ich schwänzen müssen, weil ich das Garn immer noch nicht besorgt hatte, und so stricke ich erst seit letztem Mittwoch den anderen Knitalongerinnen hinterher.

Mein wird-schon-passen-Optimismus ist dieses Mal allerdings ziemlich verhalten: die Teile sehen verdammt klein aus. Auch die Maschenprobe beunruhigt mich: ich verstricke das Garn (Cotton-Merino von drops) mit Nadelstärke 3,5 und komme bei glatt rechts auf 19 Maschen auf 10 cm. Die Garnbanderole gibt 21 Maschen auf 10 cm mit Nadel 4 an - wie soll das gehen? Sylvia verstrickte das gleiche Garn sogar mit 3er-Nadeln, und witzigerweise sogar mit dem gleichen Muster wie ich. Ihre Jacke ist sogar schon fertig und ich stricke und frage mich: mache ich gerade alles falsch? 

Der Zwischenstand der Mitstrickerinnen wird im Me-made-Mittwoch-Blog gesammelt. Manche sind sogar schon mit der Zweitjacke beschäftigt, andere fangen jetzt noch einmal von vorne an, das verspricht so oder so ein spannendes Finale am 20. April, und auch ich schließe nicht aus, dass ich dann fertig, aber fertig zum Ribbeln bin, weil die Jacke nicht passt.