Samstag, 23. Juli 2016

Die Nähmaschinen der Zukunft?

Ich bin ja keine große Gadget- und Nähzubehörkäuferin, aber ein bißchen enttäuscht bin ich meistens doch, wenn ich Nähmaschinenprospekte durchblättere. Echte Innovationen gibt es bei den neuen Maschinen nicht, so mein Eindruck, es geht im Wesentlichen darum, das Nähen durch noch mehr Sensoren und noch mehr elektronisch gesteuerte Voreinstellungen komfortabler zu machen und eine noch größere Auswahl von Zierstichen bereitzustellen. Die Maschinen werden tendenziell immer größer und bekommen neuerdings oft einen Touchscreen zur Bedienung, ansonsten hat sich in Sachen Nähmaschinentechnologie in den letzten Jahrzehnten nicht viel verändert.

Nur Spiegel Sewing und Toyota schlagen andere und jeweils ganz unterschiedliche Wege ein, und ich frage mich, ob einer von beiden wohl die Zukunft der Haushaltsnähmaschinen ist.

Screenshot: Spiegel Sewing
Spiegel - von der Marke hatte ich vorher noch nie gehört - ist quasi sowas wie der amerikanische Quelle-Versand. Zum 150jährigen Firmenjubiläum brachte Spiegel eine Nähmaschine heraus, die die Revolution des Nähens einleiten soll, eine Nähmaschine, die sich ins heimische WLAN einklinken kann.

Mit der so genannten "Stitch Cam", einer integrierten, auf den Nähfuß gerichteten Kamera, kann man das Nähen filmen (mit Ton!) und die Videos direkt in sozialen Netzwerken einstellen. Ein Beispiel für so einen Nähfilm einer Nutzerin findet sich hier bei Instagram - wie zu erwarten ist das nicht sonderlich aufregend, aber Spiegel hat auch noch eine App in petto. Mit dieser App lassen sich Videotutorials zu den Funktionen der Maschine oder zu bestimmten Nähtechniken anschauen, im Appstore "Premiumstiche" für die Maschine erwerben (zusätzlich zu den 350 Stichmustern, die sie schon besitzt), und laut Werbefilm auch Schnittmuster, Stoffe und Nähzubehör über die Spiegel-Webseite. Was einen da genau erwartet, bleibt etwas nebulös, weil diese Angebote ohne die App offenbar nicht zugänglich sind, zumindest konnte ich im Spiegel-Shop nichts finden. Das Prinzip ist aber klar: Es wird der Nähmaschinenbesitzerin möglichst einfach gemacht, bei Spiegel auch noch alles andere zu kaufen, das man zum Nähen benötigt. Die Nähmaschine selbst kostet 296 $ und macht auf Bildern einen verhältnismäßig soliden Eindruck, zum Beispiel hier im Auspack-Video einer Nutzerin.

Ich muss ja zugeben, dass ich die Maschine mit diesen goldfarbenen Leisten furchtbar hässlich finde und die App für mich überhaupt kein Grund wäre, eine Nähmaschine zu kaufen - aber ich kann mir vorstellen, dass das Konzept seine Anhängerinnen finden wird. Das Versprechen, dass Schritt für Schritt ganz genau im Film gezeigt wird, wie die Maschine zu bedienen ist, spricht wenig  wagemutige Neu-Näherinnen bestimmt an. Viele sind davon genervt, Schnitte und Stoffe und Kurzwaren selbst zusammenstellen zu müssen und wollen vor allem die Sicherheit, dass alles zueinander passt und sie keine Fehler begehen. Die App vermittelt das Gefühl, dass nichts schiefgehen kann, schätze ich. 

Die zweite Nähmaschine abseits des Üblichen kommt von Toyota, die bei uns bisher ja eher für günstige und in jeder Hinsicht durchschnittliche Nähmaschinen bekannt sind.


Screenshot: Oekaki Renaissance


Die Nähmaschine Oekaki Renaissance fällt zuerst natürlich mit ihrem schnittigen Design aus dem üblichen weißen Nähmaschineneinerlei heraus: Es gibt sie in rot, schwarz oder grün-grau ("Salbei"). Ihre technischen Eigenschaften entsprechen denen der meisten mittelpreisigen Maschinen, das Nähen wird elektronisch gesteuert, es gibt 50 verschiedene Stiche, darunter drei Knopflöcher und ansonsten recht wenig Schnickschnack.

Das Besondere ist die so genannte "Oekaki-Funktion", ein eingebauter Freihand-Stickmodus. Wie man es vom Freihandsticken kennt, wird der Transporteur versenkt und der Stoff frei in alle Richtungen bewegt. Zusätzlich verändert sich in diesem Modus die Stichbreite, je nachdem, wie stark man auf das Fußpedal tritt. Die Maschine wird dann nicht schneller, sondern der Zickzackstich breiter, den sie näht. Hier in diesem kurzen Film lässt sich erahnen, dass es aber einige Übung braucht, ehe man damit schöne, schwungvolle Schriftzüge fabriziert. In der ganz neu eingerichteten Werkgalerie auf der Oekaki-Webseite finden sich schon sehr schöne frei gestickte Beispiele - aber ich habe den Eindruck, dass die Spezialfunktion des Fußpedals dabei gar nicht so offensichtlich eingesetzt wurde, sprich: Mit Geduld und Können und einem Stickfuß könnte man das alles vermutlich auch auf jeder anderen Maschine sticken.

Trotzdem finde ich die Maschine schon aufgrund des Designs sehr reizvoll - ich mag die Form und ich könnte mich kaum für eine Farbe entscheiden, hätte ich die Wahl. Für das, was sie technisch zu bieten hat, erscheint sie mir aber verhältnismäßig teuer (bei uns kostet sie um die 550€). Eine Revolution des Nähens ist die Nähmaschine von Toyota sicherlich nicht, aber ich wundere mich, dass sie die ersten sind, die in Sachen Nähmaschinendesign die ausgetretenen Pfade verlassen haben.

Ist die Zukunft der Nähmaschine bunt und außergewöhnlich? Oder werden wir bald alle irgendwelche Apps nutzen, die uns die Hersteller unserer Nähmaschine zur Verfügung stellen und die uns beim Nähen an die Hand nehmen? Oder noch ganz etwas anderes?

Donnerstag, 14. Juli 2016

Vom preußischen Gardemaß zu 90-60-90: "Uni-Form? Körper, Mode und Arbeit nach Maß" - eine Ausstellung in Potsdam


Der Ursprung der Konfektionsgrößen, wie wir sie kennen, liegt beim preußischen Militär. Bereits im 18. Jahrhundert erstellte man dort drei standardisierte Schnittmustersätze für Uniformröcke, um die unteren Dienstgrade einzukleiden. So eine originale Uniform aus grobem Wolltuch - für einen für heutige Verhältnisse sehr kleinen und schmächtigen Soldaten - zeigt die Ausstellung "Uni-Form? Körper, Mode und Arbeit nach Maß" noch bis zum 24. Juli im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam. Die Entwicklung der Konfektionsgrößen vom Militär, über die zunächst firmenspezifischen Größensysteme der ersten Konfektionsbetriebe bis hin zu den modernen Reihenmessungen, zeichnet die kleine Ausstellung nach.

Selbernäherinnen werden wie ich viele Exponate mit einem wissenden Nicken begrüßen: Wir kennen aus alten Burdas und Pramos die unterschiedlichen Größensysteme in Ost und West, wir kennen die an den eigenen Körper anzupassende Schneiderbüste aus Drahtgeflecht und die immer nur halbwegs funktionierenden Systeme wie den Frohne Schnittzeichner, mit denen kleine Schnittschemata für die individuellen Körpermaße vergrößert werden sollten.


Neben dem Messen und Standardisieren werden weitere Aspekte der industriellen Bekleidungsproduktion angerissen: Die Willkürlichkeit der Größen, der Wandel des idealen Körpers im Verlauf der Zeit, das Absenken der Verarbeitungsstandards, die Notwendigkeit, dass sich ArbeiterInnen in der Bekleidungsindustrie in die industriellen Abläufe einfügen müssen, damit der Laden läuft. Da es sich um eine kleine Ausstellung handelt, werden diese Themen eher assoziativ angegangen, aber die Exponate fand ich gut ausgewählt. So hängt dort zum Beispiel eine Reihe Jacken, die man anfassen und begutachten darf: Eine günstiges Teil von Zara, ein individuell angefertiger Blazer einer Potsdamer Schneiderin, und, für mich besonders interessant, ein Frack und ein Gehrock von 1910 respektive 1915.Was für feste, robuste Stoffe als Außenstoff und Futter verarbeitet wurden! Wie schwer diese Jacken sind, dank mehrerer Einlageschichten - Stücke fürs Leben. Ich hatte sowas noch nie in der Hand gehabt, und freute mich sehr über die Gelegenheit, die Verarbeitung inspizieren zu können und das Gewicht der Materialien direkt spüren zu können,

Sehr spannend fand ich auch die Ausschnitte aus einer Langzeitdokumentation über den VEB für Obertrikotagen "Ernst Lück" in Wittstock/Dosse von Volker Koepp. Der Filmemacher hatte drei Textilarbeiterinnen seit der Eröfffnung des VEBs 1974 bei der Arbeit und in der Freizeit mit der Kamera begleitet, der letzte Film des Wittstock-Zyklus entstand in den 1990er Jahren. Alle sieben Teile kann man sich hier auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung ansehen - ein faszinierender Blick in ein Land, das es nicht mehr gibt und in eine Vergangenheit, die ich größenteils nicht bewusst erlebt habe.


Die in die Ausstellung eingestreuten modernen Kunstwerke, die sich mit dem Thema der Standardisierung von Körpern aus einem anderen Blickwinkel auseinandersetzen, gingen in dem schummrig abgedunkelten Raum - damit die historischen Textilien und Papiere nicht leiden - etwas unter, vielleicht ist es zu viel, auf so kleiner Fläche auch noch eine zweite Perspektive einbringen zu wollen. Aber das ist Gemecker auf hohem Niveau.

In erster Linie freut es mich, dass das Thema Kleidergrößen in dieser Ausstellung für die Allgemeinheit verständlich und dabei unterhaltsam aufbereitet und entmystifiziert wird. Für Menschen, die sich ihre Kleidung nicht selber nähen und sich daher noch nie bewusst mit Maßtabellen auseinandergesetzt haben, wird die Ausstellung sicher viele Aha-Erlebnisse bereithalten. Wenn sich dadurch das Bewusstsein verbreitet, dass unser heutiges Size-Zero-Ideal keine naturgegebene Konstante darstellt, hat sich diese Ausstellung schon gelohnt.   

Uni-Form? Körper, Arbeit und Mode nach Maß.

Ausstellung noch bis 24. 7.
Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte
Am neuen Markt 9, 14467 Potsdam

Geöffnet Di-Do 10-17.00, Fr-So 10-18.00 Uhr

Mittwoch, 6. Juli 2016

Vermischte Näh-Nachrichten

Paste-up, Bouchéstraße, Alt-Treptow
Heute mal eine kleine Wasserstandsmeldung von mir, ich bin nicht verschollen, ich nähe und stricke immer noch und habe mir durch selbst gesetzte Fristen und Termine (beruflich) ein bißchen Druck gemacht - sowas verhindert immer recht erfolgreich das fröhliche Herumbloggen bei mir.

Fußball-Versuchsanordnung aus Neukölln

Ein nicht unerheblicher Teil meiner Freizeit ging zur Zeit der sich überschlagenden Nachrichten in Sachen Brexit auch mit dem Lesen von Nachrichtenseiten und Kommentaren drauf. Meine Filterblase aus britischen Strickdesignerinnen, Textilkünstlerinnen und Kunsthistorikerinnen, die ich bei twitter verfolge, hatte mich vorher nicht eine Minute glauben lassen, eine Mehrheit werde sich für die Trennung von Europa aussprechen, und die Meinungsumfragen und die Quoten der Londoner Buchmacher (die ja angeblich zuverlässiger als jedes Meinungsforschungsinstitut den Ausgang von Wahlen prognostizieren können) wiesen auch in diese Richtung. Der Ausgang des Referendums überraschte und bekümmerte mich mehr, als ich vorher gedacht hatte, und ich verbrachte zwei Tage mit dem Versuch zu verstehen, was da vor sich ging. Über die selektive Wahrnehmung durch Filterblasen habe ich in diesem Zusammenhang viel gelernt, über die der anderen, aber genauso über meine eigene. Das war in mehrfacher Hinsicht lehrreich.

Außerdem kannn ich mich wie jedes Mal dem Sog der Fußball-Europameisterschaft nicht ganz entziehen, auch wenn ich vorher immer denke, es werde mich ganz sicher nicht interessieren. Das KO-System und das Konstrukt, dort würden Länder gegeneinander spielen, erzeugt dann aber sogar für mich Spannung, und außerdem lässt sich beim Fußballgucken hervorragend stricken.


Die vor längerer Zeit angefangene Jacke aus Drops Merino mit Streifen aus Drops Kid Silk ist bis auf die Knopfleiste fertig. Jetzt kommt die Herausforderung, in der Knopfsammlung fünf oder sechs gleiche und zur Jacke passende Knöpfe zu finden.


Das aktuelle Nähprojekt - 106 aus Burdastyle 4/2016 - macht mir weniger Freude: Ich wollte eine lockere, leichte Hose, quasi eine Pyjamahose für draußen haben, und schnitt einen dünnen, sehr fließend-flutschigen Viskosestoff vom letzten Jahr an. Die etwa 5 cm lange Probenaht auf einem Rest fiel befriedigendend aus, also nähte ich die vier Beinnähte - mit französischen Nähten, sonst macht das Trennen ja keinen Spaß. Denn leider fallen die Nähte gar nicht schön, auf der langen Strecke macht sich ein Zug auf der Naht bemerkbar, die fast unmerkliche Kräuselung lässt sich nicht wegbügeln, und so muss ich in der nächsten Zeit versuchen, alles aufzutrennen, ohne den Stoff zu zerstören. Bei erheblich reduzierter Fadenspannung ist der Zug nämlich nicht da, es gibt also Hoffnung.

Regina Relang für "Constanze" aus Paris, 1953

Einige interessante Veranstaltungen und Ausstellungen gibt es zur Zeit auch:

  • In Oberhausen läuft bis zum 22. September eine Ausstellung von Fotografien Regina Relangs. Regina Relang begann in den 1930er jahren als Reportagefotografin auf Reisen und war von den 1950er bis in die 1970er Jahre die erfolgreichste deutsche Modefotografin. Die Bilder in alten "Constanze"-Modeheften stammten zu einem großen Teil von ihr - die Inszenierung der Modelle in lebensechten Situationen auf der Straße oder in Cafés war ihre Spezialität. (Und nochmal vielen Dank für die Hefte in Richtung Süden! Ich freue mich sehr darüber.)
  • Über das Bügeln beim Nähen hatten wir uns hier vor ein paar Wochen unterhalten. Frau Nähkästchen hat sich des Themas angenommen und schreibt eine Serie dazu: Teil 1 über die Ausrüstung fürs Bügeln, Teil 2 über allgemeine Bügel-Tipps und Teil 3 über das Bügeln beim Einsetzen von Ärmeln ist schon erschienen. Besonders den dritten Teil müsst ihr euch unbedingt ansehen - dort zeigt Teresa in einem Video, wie der Ärmel einer Bluse "gezogen", also etwas eingehalten und das Eingehaltene eingebügelt wird. Ich habe das noch nie gesehen, und wie ich den eingenähten Ärmel dann bügeln soll, wusste ich auch nicht. Die sehr allgemeinen Kapitel übers Bügeln in den Hobby-Nähbüchern beantworten diese Fragen überhaupt nicht. Ich freue mich schon auf die weiteren Teile der Serie.

Sonntag, 26. Juni 2016

Sommerrock-SewAlong: Finale mit Rock 101 aus Burdastyle 3/2016

Drüben im MeMadeMittwoch-Blog läuft gerade das Finale des kleinen Sommerock-Sewalongs, den Meike und ich ausgerichtet haben. Hier gibt's noch ein paar Details zu dem Schnitt, den ich genäht habe - Rock 101 aus Burdastyle 3/2016.


Ein schnelles Bild kurz vor dem Wochenendeinkauf. Wie erwartet ist der Rock mittelweit und mittellang ausgefallen, Änderungen waren nicht nötig. Die Taschen sind große Klasse, genau an der richtigen Stelle, und es passt einiges hinein.


Ohne die blaue Paspel zwischen Rockteil und Saumblende wäre der Rock wirklich sehr, sehr unauffällig, so eine Art rockgewordene Tarnkappe. Der Stoff erinnert aus einigem Abstand an das Material grau-beiger Rentnerjacken, hat aber eine gute Qualität. Solche mittelfeste, glatte, wenig knitternde Baumwolle würde ich gerne öfter finden - aber etwas farbiger dürfte sie schon sein. 


Die Paspel habe ich aus fertigem Schrägband und Baumwollgarn selbst gemacht - fertig gekaufte finde ich für viele Projekte zu grob und zu steif, außerdem gab es dieses Blau bei meiner Einkausquelle nur als Schrägband.


Das Blau korrespondiert auch genau mit dem Blauton der Ananas-Bluse - aber auf dem Foto ist mir die Kombination doch zu blass und kontrastarm. Dazu müssen farbige Oberteile getragen werden!

Ich werde den Rock jetzt gleich noch einmal aus bunterem Stoff zuschneiden - aber vielleicht einen Tick länger? Aus gestreiftem Stoff oder einem Stoff, bei dem sich die Struktur in Längs- und Querrichtung unterscheidet, müsste der Schnitt auch gut aussehen: Dann könnte der obere Teil mit senkrechten Streifen und der untere mit Streifen in Querrichtung zugeschnitten werden. Oder aus Waxprint! Beim Sewalong waren ja so viel großartige Waxprint-Projekte zu sehen, dass ich jetzt ganz wild darauf bin, endlich die bisher nur gestreichelten Coupons anzuschneiden. Außerdem habe ich Dank des Sewalongs noch drei weitere Rockprojekte im Kopf und bin mindestens bis Ende des Sommers beschäftigt. Danke, das ihr so zahlreich mitgenäht habt! Zu den Ideen und Inspirationen des Sommerrock-Sewalongs geht es hier.    



Montag, 20. Juni 2016

Sommerrock-Sewalong: Zwischenstand


In der letzten Woche ging fast gar nichts, nähtechnisch und auch sonst, am Mittwoch konnte ich die Erkältung nicht mehr ignorieren und musste einen Tag mit Trash-TV im Bett einlegen, um wieder auf die Beine zu kommen. Gestern, Sonntag, konnte ich endlich am Rock weiternähen - die Taschen waren ja seit letzter Woche schon drin, eine Seitennaht und die Abnäher geschlossen. Reißverschluss, zweite Seitennaht, Bund, Paspel gingen ziemlich schnell, und die Innenseite der doppelt liegenden Saumblenden nähte ich während des Fußballspiels Frankreich-Schweiz mit der Hand an - während die Schweizer Spieler einer nach dem anderen die zerfestzten Trikots wechseln mussten Was war denn da bloß los?

Ganz beglückt bin ich auch darüber, dass ich endlich weiß, wie man einen nahtverdeckten Reißverschluss, der durch den Rockbund durchläuft, ohne Knubbel am Abschluss näht. Mit dieser Bundverarbeitung hatte ich bisher nur selten zu tun und habe es immer irgendwie hingekriegt, aber vor kurzem gab es die Gelegenheit, einen Kaufrock an dieser Stelle sehr genau unter die Lupe zu nehmen, und damit kam die Erleuchtung, wie diese knifflige Stelle garantiert jedes Mal gut wird.

Ich habe das gestern mal kurz mitfotografiert:


Den nahtverdeckten Reißverschluss wie üblich in die linke, noch offene Seitennaht einnähen, beide Seiten in der gleichen Richtung nähen, denn wenn sich was verschiebt, verschiebt es sich wenigstens auf beiden Seiten gleich. Der Bundstreifen ist oben schon angenäht  und wurde vorher schon mal längs zur Hälfte gefaltet und gebügelt. Den Reißverschluss nur bis zu dem Punkt festnähen, wo die Zähnchen anfangen - der Rest des Bandes, wo keine Zähnchen sind, bleibt lose!


Das ist der Trick vom Kaufrock: Das lose Ende des Bandes umklappen und mit ein paar Stichen festnähen - dann liegt es beim Verstürzen des Bundeendes von vorneherein da, wo es hingehört.


Den Bund (Längskante ist schon versäubert) nach außen klappen und die Schmalseite steppen.


Wenn man die Bundecke dann nach innen wendet, hat man eine schöne, flache, ordentliche Ecke fabriziert. Von der Rockaußenseite aus kann man den Bund dann feststecken und ebenfalls von rechts durchsteppen. Dafür kenne ich leider keinen Trick - bei mir sieht es von rechts zwar gut aus, innen ist es Glückssache. Meistens Immer ist die Naht von innen krumm und schief. Eine Frage der Übung? Oder habt ihr Tipps, wie man das verbessert?

Das Schöne am Nähen ist ja, dass einem die Ziele nicht ausgehen... und auch die Schnitte und die Ideen nicht. Im MemadeMittwoch-Blog gibt es den Zwischenstand im Sommerrocksewalong, Meike und ich haben ein bißchen über Taschen und Säume geschrieben. Ich habe beim sewalong noch ein paar Rockideen und Schnitte gefunden, die ich auch gerne umsetzen würde. Mal sehen, wie weit ich bis zum Finale am nächsten Sonntag komme. 

Sonntag, 12. Juni 2016

Sommerrock-Sewalong: Die Taschen-Hürde ist genommen


Seit letzter Woche habe ich schon mal die Paspeltaschen in die Vorderteile von Rock 101 (Burdastyle 3/2016) genäht. Ich mag solche kleinen, etwas kniffeligen Herausforderungen ja, aber die Anleitung, es ist sogar eine Anleitung mit Bildern, verstand ich erst nach fünfmal Lesen. Die Grafiken dazu fand ich ziemlich nutzlos, es sind immer zu viele Teile gleichzeitig abgebildet, als dass man erkennen könnte, was und wie man nähen soll.

Ich habe daher das Nähen der Taschen mitfotografiert (allerdings ist der gestreifte, dunkle Stoff sehr schlecht geeignet - ein gutes Beispiel dafür, was für ein Muster man beim Fotografieren von Tutorials nicht nehmen sollte. Aber vielleicht ergeben zwei schlechte Bilderanleitungen, meine und Burdas, zusammen ja eine gute.)

Paspeltaschen beim Rock 101, Burdastyle 3/2016



1. Markieren: Ich habe mir die Taschenschlitze auf der rechten Seite mit Lineal und Kreide aufgezeichnet,einen großzügigen Streifen Einlage dahinter gebügelt, und die Umrisse der Tasche mit der hand nochmal nachgeheftet, damit man die Markierungen auf beiden Stoffseiten sieht. 


2. Schrägstreifen aufsteppen. Die Beschreibung, was wann wohin zeigen muss, fand ich in der Anleitung sehr verwirrend. Mir hilft es, direkt am Rockteil zu überlegen, aus welcher Richtung man in die Tasche hineingreift und wo dann sinnvollerweise der Taschenbeutel sein muss. Wenn ich mir überlegt, habe, wo die Einzelteile hingehören, kann ich das auch nähen.

Bei den Taschen mit der Papsel auf einer Seite greift man aus Richtung der Seitennaht hinein. Die gefaltete, gebügelte Paspel muss daher so an der inneren Begrenzung der Tasche aufgesteppt werden, dass ihre offene Kante zur Seitennaht zeigt. Sie wird dann später in Richtung Seitennaht umgeklappt.

Ich zeichne mir auf der Paspel mit einem Lineal eine Linie im Abstand von 1 cm zum Bruch an, auf der ich langsteppen muss, und quer eine Markierung oben und unten für Anfang und Ende der Naht. Wenn man die Nadelposition ganz links einstellt, dann ist bei vielen Maschinen der Abstand zur rechten Kante des Füßchens genau 1 cm. Ich setze nicht ganz am Anfang an. sindern kruz vor dem Bergenzungsstich, nähe ein paar Stiche rückwärts bis zum Strich, dann vorwärts bis zur zweiten Begrenzung und wieder ein paar Stiche rückwärts.  


3. Größeren Taschenbeutel ansteppen. Jetzt wird der größere der beiden Taschenbeutel an die äußere Begrenzung der Taschenmarkierung gesteppt. Der Beutel liegt rechts auf rechts und zeigt zur Seitennaht - er wird später im Richtung Rockmitte geklappt. Die offenen Kanten der Paspel stecke ich solange weg, damit sie nicht im Weg sind und aus Versehen mit festgenäht werden.

Bei der Naht gibt es zwei Klippen: Die Steppnaht muss möglichst genau auf gleicher Höhe beginnen und enden wie die Steppnaht der Paspelnaht, damit der Taschenschlitz später rechtwinklig wird. Und außerdem darf die Steppnaht nicht mehr als 1 cm von der Steppnaht der Paspel entfernt sein, damit die Paspel nach dem Umklappen die Verbindungnaht verdeckt.

Zwischen Papsel und Tsdchenbeutel wird die Tasche eingeschnitten, an Anfang und Ende läuft der Schnitt V-förmig auf die Eckpunkte zu.  


4. Dreieck auf der Rückseite festnähen. Hier weiche ich von der Reihenfolge der Burdaanleitung ab, ich ziehe den Taschenbeutel durch den Schlitz, klappe die Paspel um, zupfe sie zurecht und steppe schon jetzt das kleine Stoffdreieck an der Seite auf Paspel und Taschenbeutel fest. Bei Burda wird das erst gemacht, wenn der zweite Taschenbeutel auch festgenäht ist, ich finde es aber in diesem Stadium viel einfacher, die Paspel richtigg zu arrangieren.

(Wobei "einfacher" ist relativ: Bei vier Dreiecken musste ich dreimal trennen, weil die Paspel beulte oder irgendwas doch nicht richtig lag. Es ist also längst nicht so, dass hier immer alles flutscht! Das sieht im Blog nur so aus.) 


5. Bügeln. Jetzt kann man schon mal gucken, wie die Paspeln geworden sind. Bei mir ist wie immer eine Seite gelungener als die andere, aber das lasse ich jetzt so! In Wirklichkeit sieht es auch besser aus als auf dem Foto.



6. Zweiten Taschenbeutel ansteppen. Der kleinere der beiden Taschenbeutel wird jetzt an die Nahtzugabe von Paspel und Rockteil gesteppt. Am besten legt man ihn auf den Taschenbeutel, der schon festgenäht ist, dann weiß man, wohin er gehört, und steckt ihn dann von der Rockseite aus fest. da sieht man die Naht, mit der vorher die Paspel festgesteppt wurde, parallel dazu kann man gut stecken und nähen.

7. ist einfach: Taschenbeutel gemeinsam Richtung Rockmitte klappen, bügeln, und rundherum aufeinander steppen und versäubern. Das war's!

Bei nächsten Termin des Sommerrock-Sewalongs geht es noch einmal genauer um Taschen und technische Details - heute haben wir erstmal eine tolle Anleitung für einen ganz einfachen sommerrock von Sybille und außerdem natürlich den Zwischenstand von allen, die mitnähen Vielen Dank, dass ihr so zahlreich und begeistert mitnähen mögt!