Sonntag, 4. März 2012
Selbstgemacht - KW 9
1. Selbstgefreut I: Sieben Frauen, acht Nähmaschinen - das heißt Frühlingsnähkränzchen in Kreuzberg. Diesmal ein sehr produktives - ich bin kaum zum Essen gekommen, weil ich mir die Nähanleitung für die Nummer 128 aus dem aktuellen Burdaheft mehrmals laut vorlesen musste. Der Rock mit verschlungenem Bund ist fast fertig geworden. Und ich habe die Schritte mitfotografiert, die zur Bundverschlingung führen, demnächst mehr. Einen Live-Bericht von dem Treffen gibt es bei Catherine. Leute, schafft euch auch ein Nähkänzchen an, es gibt nichts besseres.
2. Selbstgefreut II: Die Büronachbarin sortierte wegen einem bevorstehenden Umzug Burda-Hefte aus und ich freute mich über den kompletten Jahrgang 2005. Eine von euch freut sich vielleicht über insgesamt 8 Hefte aus 2004 (1x), 2006 (4x) und 2007 (3x), d. h. über das Nähjournal mit den Anleitungen und dem Schnittbogen? Meldet euch bitte im Kommentar, falls ihr Interesse habt, ich würde die Hefte gerne einer Berlinerin übergeben oder innerhalb Deutschlands verschicken.
Donnerstag, 1. März 2012
Endlich gerüstet (und sag‘ am Ende leise menno...)
| Außen bunt... |
Den Spruch von den Schustern, die immer die schlechtesten Schuhe haben, kennt man ja – gehört ihr auch zu den Selbernäherinnen, die unterwegs nicht mal einen Knopf annähen könnten? Ich muss gestehen, dass ich auf Reisen immer ohne Nähzeug unterwegs bin. Bei einem Notfall musste ich letztens sogar Nähnadeln und Garn in einem Supermarkt kaufen und dafür vergleichsweise ein Vermögen ausgeben.
| ... innen praktisch... |
Deshalb – und weil ich immer öfter auf diversen Treffen außerhäusig nähe – habe ich mir endlich ein Etui für die wichtigsten Nähutensilien gemacht, nach der Anleitung von Where the orchids grow, die ich schon mal verlinkt hatte. Genau nach Anleitung genäht – das heißt außen mit einem improvisiert gepatchten Log Cabin (was mir eigentlich gar nicht so gut gefällt, ich hab‘s gern ordentlicher...), und innen mit diversen kleine Fächern, in denen ich Schere, Garn, Nadeln, Nähmaß, Nahttrenner und so weiter unterbringen kann. Praktisch!
| ... gefüllt: kein Kommentar! |
Aber nicht perfekt: Genau nach Anleitung bedeutet auch, vorher nicht nachzumessen, wie groß das Täschchen werden würde, und Inch-Maße sagen mir erstmal nicht so viel... Der Markierstift passt nicht vollständig hinein, aber – und jetzt bitte alle im Chor: DAS LASSE ICH JETZT SO!
(Menno.)
Dienstag, 28. Februar 2012
Selbstgemacht - KW 8
1. Eine Woche mit wenig Selbstgemachtem. Dafür gabs noch einmal Schnee – am Dienstag.
2. Sonntag war es in Tegel dann schon
vorfrühlingshaft – und der Balkonmöbel-Prospekt von
Ikea ist auch schon da.
2. Selbstgewundert: Deutschland rundet auf – und ich wundere mich. Kunden können ab dem 1. März in vielen Geschäften an der Kasse ihren Rechnungsbetrag aufrunden lassen und so Kleinbeträge spenden. Die aufgerundeten Cents sollen "zu 100% geprüften sozialen Projekten in Deutschland zugute" kommen, so die Presseinformation. Organisiert wird das ganze von einer unabhängigen Stiftung. Klingt erstmal gut - aber unter den beteiligten Handelsketten befinden sich solche bekannten
Menschenschinder wie Kik und Netto Markendiscount. Wäre es nicht das
naheliegendste soziale Projekt, die eigenen Mitarbeiter
und Lieferanten anständig zu bezahlen und zu behandeln, oder habe ich mal wieder nur was nicht verstanden?
Sonntag, 26. Februar 2012
Stoffmanipulationen, Tasche eins: Löcher
Heute ist Zeige-Termin für die Stoffmanipulationen, die eine Reihe von Bloggerinnen dieses Jahr unternehmen. Wie jede das Thema auslegt ist jeder selbst überlassen. Im Prinzip geht es um das Verändern von Stoffen mit Nadel und Faden und anderen Hilfsmitteln und erlaubt ist, was einem einfällt. Ich hatte mir vorgenommen, die Techniken aus Alison Reids Stitch magic auszuprobieren und aus meinen Probestücken Stoffbeutel zu nähen.
Tasche eins kommt mir selbst etwas geschummelt vor, weil nicht wirklich etwas noch-nie-Dagewesenes: die erste Technik aus Stitch magic – das Applizieren von kleinen Stoffstücken - hatte ich in ganz ähnlicher Weise schon früher ausprobiert, im Stil der Applikationen von Alamaba Chanin, die vor allem Jersey in dieser Form offenkantig verarbeitet. (Und Natalie Chanins ganz neues drittes Buch befasst sich ausschließlich mit handgenähter Kleidung, habe ich bei Kathrin gesehen, die das Buch schon hat.)
Der obere Stoff ist jeweils weißer Jersey von einem alten T-Shirt (dem Rest des Lampenschirms) auf einer Unterlage aus Nessel. Vorder- und Rückseite zeigen ein positiv-negativ-Muster: Die Löcher, oder besser gesagt deren Füllung, die ich auf einer Seite ausschnitt, applizierte ich auf ein zweites Stück Stoff. Das rot unterlegte Loch ist ein Unfall, wo ich beim Schneiden aus Versehen den Untergrundstoff erwischte.
Das gute an dieser Art des Applizierens: es kann ruhig ganz ungleichmäßig sein und sieht trotzdem „nach was aus“. Auf der einen Seite stickte ich mit rotem Garn über den Rand hinweg („überwendlich“, wie man in Fachsprech sagt), auf der anderen Seite mit kleinen Vorstichen entlang der Lochränder.
Ganz einfach und trotzdem ziemlich effektvoll - ich bin (nicht zum ersten Mal) hoch motiviert, solche Applikationen auf einem richtigen Kleidungsstück unterzubringen.
Weitere Stoffmanipulationen werden bei Suschna gesammelt, die sich einen Hortensienpelz genäht hat.
Aber schaut doch schon mal bei Siebensachen, die ihren Link hier hinterlassen hatte: Auch sie ließ sich von den Alabama-Chanin-Reversapplikationen inspirieren, verwendete aber Walkstoffe.
Montag, 20. Februar 2012
Selbstgemacht - KW 7
1. Selbstgefreut über geschenkte Stoffproben fürs Patchwork - besonders die Wollstoffe sind toll.
2. Selbstgeknipst für alle Stoffmanipulateurinnen: Auf dem Vorderteil der Bluse sind Rechtecke aus dem Blusenstoff aufgenäht, ganz ähnlich wie in Stitch magic. Die Nähte verlaufen vertikal über das Vorderteil und erfassen die Rechtecke entlang einer langen Kante. Vermutlich ist das ein Kunstfasermaterial, das mit einer heißen Klinge geschnitten wurde, denn die Stücke fransen überhaupt nicht. Gefunden im Fenster von "To die for fashion", Neue Schönhauser Straße.
3. "Give me a wildness whose glance no civilization can endure" - H. D. Thoreau. Schablonengraffiti, Görlitzer Straße, Kreuzberg.
Samstag, 18. Februar 2012
Fashion talks - Mode spricht zu uns
Und wie sie mit uns und über uns spricht, ob wir wollen oder nicht! Diese Ausstellung im Berliner Museum für Kommunikation hatte ich im Oktober schon kurz empfohlen, sträflicherweise, ohne sie selbst gesehen zu haben. Nun, eine Woche vor Ausstellungsende am 26. 2. möchte ich die Empfehlung erneuern.
In Meikes Nähfragezeichen Nummer 22 - Den Kopfkleiderschrank verwirklichen! wurde die Frage "Wer bin ich, und wie kann ich durch Kleidung nach außen zeigen, wer ich bin?" in vielen Blogs diskutiert, und man kann wohl festhalten, dass sich gerade Selbermacherinnen der Außenwirkung von Kleidung sehr bewusst sind, ja dass das Selbernähen eigentlich erst ermöglicht, den Kopfkleiderschrank aus dem Kopf in die Realität zu übertragen. Denn die Unabhängigkeit von dem, was im allgemeinen unter Mode verstanden wird und was uns vorschreiben will, in einer bestimmten Weise zu sein, den abgehobenen Kreationen von den Laufstegen ebenso wie der in aller Abwechslung immer gleichen Fastfood-Mode der Ketten, ist eigentlich nur durch konsequentes Selbermachen möglich.
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| Mantel aus Etiketten von Silke Wawro - Foto: Museum für Kommunikation Berlin, Dulcinéia Gomes |
Hier setzt auch die Ausstellung Fashion talks an: bei der kommunikativen Funktion von Kleidung, die anderen erzählt, wer wir sind oder wer wir sein wollen, und die, sobald sich eine Gruppe von Menschen ähnlich kleidet, zu einem gruppenspezifischen Code wird.
Man darf sich in diesem Spiel aber auch als Selbernäherin nicht einbilden, immer nur genau man selbst zu sein und der Mode zu entkommen. Das Zentrum der Ausstellung, das die typischen Accessoires verschiedener Gruppenidentitäten - Goa und DIY, Emo und Punk, Techno und Gothik und Mods und so weiter - sehr passend in kleinen Apothekenschubfächern präsentiert, öffnet die Augen dafür, dass auch die scheinbar individualistischste, abgefahrenste, exotischste, subkulturellste Subkultur über bestimmte Erkennungszeichen verfügt, die es erlauben, das Gegenüber mit einem Blick in die richtige Schublade einzuordnen.
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| Foto: Museum für Kommunikation Berlin, Dulcinéia Gomes |
Die Ausstellung ist nicht groß, aber gut gemacht, keine prächtige Schau großer Roben (auch wenn durchaus Kleider zu sehen sind), sondern eine anregende Auseinandersetzung mit der Meta-Ebene der Mode. Anregend insbesondere, wenn man sich gerade mit der Frage "Wer will ich sein?" beschäftigt und als Selbermacherin über ein wesentlich größeres Arsenal an Ausdrucksmöglichkeiten verfügt als die durchscnittliche Kaufmodeabhängige.
Fashion talks im Museum für Kommunikation
Leipziger Straße 16, 10117 Berlin
Geöffnet Di 9-20.00, Mi-Fr 9-17.00, Sa u. So 9-18.00
Ausstellung noch bis zum 26. 2. 2012, Eintritt 3€
Hier bei flickr gibts weitere Fotos zur Ausstellung.
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