Mittwoch, 20. Mai 2015

Schnittmusterparade im Frühjahr

Schon lange - genauer gesagt seit Dezember - gab es keine Indie-Schnittmusterparade mehr. Ich habe aber weiterhin Schnitte gesammelt, und damit hier nicht immer nur meine Nase zu sehen ist und dieser Post im Entwurfsordner nicht mehrere Meter lang wird und wir ein Inhaltsverzeichnis brauchen, hier Übersicht über die Indieschnitte des Frühjahrs 2015. Wie es aussieht sind einfache Jerseyschnitte ein großer Trend, auf den nach Colette patterns nun andere Indies aufspringen, die bisher in Webware gemacht hatten. 

Kleider

Das Kleid ist aber immer noch das beliebteste Kleidungsstück bei den Indie-Designerinnen. Und obwohl es Kleiderschnitte ohne Ende gibt, ist doch keines dabei, das mich richtig begeistert aufjubeln lässt. Die Kleider der letzten Monate, von Übergangskleid bis Sommerkleid:

Paprikapatterns (wir erinnern uns: Das verrückte Paar, das in einem Camper durch Südeuropa fährt und mittlerweile in Frankreich in einer Jurte wohnt) brachte ein gemütliches Sweatshirtkleid heraus, wahlweise mit gerafftem Kragen oder mit Kapuze, den Jasper Sweater Dress.

Ebenfalls für elastisches Material ist das Davie Dress von Sewaholic Patterns entworfen, aber dennoch mehr als ein einfaches Tshirtkleid. Das Oberteil wird durch Prinzessnähte geformt, das Rockteil ist schwingend weit.  

Einen Schnitt, drei Kleidungsstücke gibt es bei Muse patterns: Melissa ist ein Hemdblusenkleid mit Prinzessnähten und kurzen Ärmeln, das man auch zur Bluse oder zu einem vorne geknöpften Rock umwandeln kann. Das Oberteil enthält verschiedene Schnittteile für B- oder C-Cups. Nur die Rocktaschen mit einer auffälligen V-förmigen Blende überzeugen mich überhaupt nicht: sie sehen auf den Modellfotos unproportioniert winzig aus.

Jennifer Lauren Vintage lieferte mit dem Felicity Dress ein ärmelloses Kleid mit Kräuseln am Ausschnitt, das mit einem Tellerrock oder mit einem angekräuselten Rock genäht werden kann. Bei der zweiten Variante gibt es für meinen Geschmack insgesamt zu viele Kräusel, aber vielleicht irritiert mich auch einfach nur die Stoffwahl beim Modell vom Foto.

Dass By Hand London den Betrieb herunterschraubt, die Träume vom digitalen Stoffdruck aufgibt und nur noch pdf-Schnittmuster vertreibt, darüber hatten wir hier ja schon diskutiert. Ihr vorerst letztes Schnittmuster, das Sophia Dress, war wieder ein ärmelloses Partykleid, mit engem oder weitem Rock und einer schönen Ausschnitt- oder Kragenlösung. Wenn das Teil Ärmel hätte, würde ich es begeistert nähen wollen. SchnittmusterdesignerInnen, bitte merkt euch: Leute, die leicht frieren, möchten Ärmel. Und Ärmel weglassen ist einfach, Ärmel dazu konstruieren nicht so sehr.

True Bias brachte letztes Jahr mit den Hudson pants den wohl erfolgreichsten Jogginghosenschnitt heraus, den das Nähblogiversum bisher gesehen hat - ihr neuer Sommerschnitt, das Southport Dress ist ebenso simpel, aber vermutlich eben deshalb erfolgreich. Es handelt sich um ein ärmelloses Sommerkleid mit blusig fallendem Oberteil und Schnürung oder Gummizug in der Taille, wahlweise knielang oder in Maxilänge. Im True Bias-Blog gibts außerdem einen sehr ausführlichen Sewalong zum Kleid.  

Röcke


Great British Sewing Bee-Teilnehmerin Tilly and the buttons hat einen neuen Schnitt - und es ist diesmal kein Ringeloberteil! Arielle ist ein gefütterter Bleistift-Wickelrock in zwei Längen, der mit einer auffälligen seitlichen Knopfleiste geschlossen wird. Der Rock ist eine Neuauflage des praktisch identischen Marielle-Rocks von Tilly für die Zeitschrift Sewing World vom Mai 2013. Den Schnittmusterbogen (allerdings ohne Anleitung) kann man hier immer noch kostenlos herunterladen.

Ebenfalls aus Großbritannien und ein Schnitt, der mich spontan sehr anspricht: der Evan Skirt von Marilla Walker. Der A-Linien-Rock kommt ebenfalls in zwei Längen und hat interessante Biesen an den Tascheneingriffen - ich wüsste zu gerne, wie das genäht wird.  

Culottes


Selten schlug eine neue Schnittform so ein wie in letzter Zeit die Culottes, die Hosenröcke. Neu sind gleich zwei Schnitte:

Die Emily Culottes von Itch to stitch mit Kellerfalten, in zwei Längen und mit Details wie einer aufgesetzen Tasche hinten, einer schrägen Eingriffstasche vorne und geknöpften Riegeln am Bund.

Die Nina Culottes von Compagnie M gibt es auch als A-Linien-Rock und mit vielen Taschen und Verschlussoptionen. Das pdf-Schnittmuster wird außerdem in einer Version mit und einer ohne Nahtzugaben ausgeliefert, dazu kann man sich zusätzlich 42 Seiten Anleitung herunterladen, in der Details wie die Paspel am Tascheneingriff erklärt werden - und die Papierschnittkäufer bekommen die digitale Version kostenlos dazu. Zur Qualität der Schnitte von Compagnie M kann ich aus eigener Erfahrung nichts sagen - aber dass sie die Vorteile des Digitalen so konsequent nutzen, gefällt mir.

Oberteile


Nicht nur bei Opfern der Oberteilschwäche ein vernachlässigter Bereich, auch unter den Indie-Schnitten gibt es immer vergleichsweise wenig Auswahl.

Eine locker sitzende Bluse, geeignet für die Viskosestoffe, die man gerade überall kaufen kann,  gehört im Moment zum Repertoire jeder Schnittmusterfirma. Colette Patterns war dieses Mal verhältnismäßig spät dran - das Aster Shirt, ein lockeres Hemd mit drei Ärmeloptionen gibt es erst seit heute (und noch bis Freitag mit 15% Rabatt). 

Nochmal From itch to stitch: der Jacqueline Hoodie ist eine zweireihig geknöpfte Kapuzenjacke mit zusätzlichem Reißverschluss, Schulterklappen und Pattentaschen, also richtig was für Draußen.

Der Morris Blazer von Grainline Studios, ungefüttert und aus stretchigem Stoff oder Romanit zu nähen, ist kurz nach dem Erscheinen schon in vielen Blogs aufgetaucht - ein gutes Zeichen. Frau Strichfaden ist von ihrem Morris jedenfalls ganz begeistert und fertigt bestimmt bald eine ganze Serie davon an.

Ein Schnittmuster, das ich ehrlich gesagt nicht ganz verstehe, das aber in der Schwangerschaft sicher ganz praktisch ist (wenn auch nicht dafür entworfen), ist die Soho Blouse von Seekatesew: eine riesige, spitz zulaufende Passe mit einem angekräuseltem Unterteil, recht unförmig und mit tendenziell schlecht sitzenden Ärmeln. 
   

Indie-Kollektionen


Die Herausgabe jeweils einer ganzen Schnittkollektion scheint ebenfalls ein neuer Trend bei den Indies zu sein. Das Denken in Kollektionen kommt dem Designprozess sicherlich entgegen, und wahrscheinlich verkaufen sich die einzelnen Schnitte besser, wenn die Kundin gleich sieht, wie schön alle Einzelteile zusammenpassen. Selbernäherinnen neigen ja oft zur Produktion nicht kombinierbarer Solitäre.

Named patterns aus Finnland fing ja gleich von Anfang an mit den saisonalen Kollektionen an. Die Sommerkollektion "Ticket" besteht aus 12 Schnitten mit Variationen, die alles umfassen, was frau im Sommer braucht, um für jede Situation gerüstet zu sein: eine kurze oder lange Hose, ein Tshirt oder Tshirtkleid, eine Kapuzenjacke, eine kleine elegante Jacke, eine Bluse mit Paspeln, die an ein Hawaihemd erinnert, einen Bleistiftrock, ein lockeres Kleid, ein Bustierkleid mit Tulpenrock, einen Kimono, Leggings und einen Bikini.

Bluegingedoll patterns geht einen anderen Weg: die pdf- Schnitte April (angekräuselter Rock), Anne (Jerseytop mit 4 Ärmelvarianten), Alicia (weite Shorts) und Abby (geknöpftes Trägertop) gibt es einzeln zu kaufen, oder als Paket etwas günstiger. Hier passen alle Oberteile zu allen Unterteilen. Der Paketpreis beträgt allerdings immer noch 50$. Klar, das ist deutlich weniger als alle Schnitte einzeln - aber geht es nur mir so, dass mir der Betrag abschreckend hoch vorkommt?

Eine Mini-Kollektion aus zwei Schnittmustern für Jersey gabs bei Deer&Doe. Der enge Rock Brume in zwei Längen hat interessante figurformende Teilungsnähte, das taillenkurze Oberteil Ondée mit langen oder kurzen Ärmeln, rundem Ausschnitt oder Kragen sieht dem Astoria Sweater von Colette patterns sehr ähnlich.

Kostenlose Schnitte


Typisch französisch: Robe Caroline, weit und lässig, perfekt für leichte Viskosestoffe, von République du Chiffon.

From itch to stitch zum Dritten: der Petal Skirt für Jerseystoffe.

Schon etwas älter: Das Tate Top von Workroom social.

Neu gefunden


Regelmäßig stolpere ich im Netz über kleine Schnittmusterfirmen, die ich bisher noch nicht kannte, zuletzt zum Beispiel über Bootstrap Fashion. Ein seltsamer Name, unfassbar viele Schnitte zu unglaublich niedrigen Preisen, die noch dazu für die eigenen Maße angepasst werden - kann das funktionieren? Einen Erfahrungsbericht mit einem Schnitt fand ich hier, und dem Artikel hier kann man entnehmen, dass die Firma die Lekala-Software benutzt, was auch die Ähnlichkeit vieler Designs mit Schnitten auf der Lekala-Webseite erklären soll. Sehr gut finde ich ja die Möglichkeit, auf der Seite gezielt nach Schnitten für eine bestimmte Stoffart suchen zu können. Die Designapp, in der man die technischen Zeichnungen mit verschiedenen Stoffen hinterlegen kann, um einen Eindruck von dem genähten Stück zu bekommen, ist eine schöne Spielerei obendrauf. Ich bin gespannt, ob wir die Schnitte jetzt häufiger zu sehen bekommen - mir ist das ja fast schon zu viel Auswahl.

Das Label Oki Style wollte ich euch schon lange vorstellen, seitdem ich einige Schnitte - hier, hier und hier - bei Frau Hild entdeckt hatte. Oki Style kommt nämlich - haltet euch fest! - aus Frankfurt/Main und widerlegt damit meine These, dass es bei uns keine interessanten kleinen Schnittmusterfirmen gäbe. Denn, wie Frau Hild schon feststellte: diese Schnitte sind interessant. Oder für einige sicher auch "interessant", also im Sinne von "was soll das denn sein, aber wenn es dir gefällt, meinetwegen". Im Blog von Oki findet man noch ein bißchen mehr zu den Schnitten, und  auch mal einen kostenlosen Schnitt zum Testen, wie auch auf der Webseite. Ich bin ja ganz begeistert von den Mänteln, werde aber zuerst den Rockschnitt SShady ausprobieren.  

Sonntag, 17. Mai 2015

Me made May - die dritte Woche

Der Me Made May geht in die dritte Woche, und ich habe weiter fleißig Bilder gesammelt. Die zweite Woche hat mir einige neue Erkenntnisse beschert: Ich brauche noch eine, besser zwei schwarze Strickjacken. Die schwarze Jacke aus Merinogarn ist das bei weitem am häufigsten getragene Kleidungsstück. Eine weitere Jacke aus Baumwoll-Merino-Mischgarn für wärmere und eine aus Alpacagarn für kältere Tage würde diese Jacke gut ergänzen.

Zweite Erkenntnis: Das Wetter nervt mich unendlich, ich habe derzeit keine große Lust, mich anzuziehen. Am Mittwoch trug ich nach einem Temperatursturz von mehr als 10 Grad aus Entnervung dasselbe wie am Dienstag, nur mit Strickjacke und Strumpfhose und fror trotzdem. Am Himmelfahrtstag fror ich noch mehr, ebenso wie am Samstag Abend auf einer Hochzeitsfeier (im Wickelkleid) und am meisten fror ich Sonntag Vormittag bei einsetzendem Regen auf dem Rückweg vom Frühstückscafé nach Hause. Fotos wurden daher dort gemacht, wo es trocken und warm war.

Die Bilder des internationalen Me made May finden sich bei flickr - beneidenswert, wie warm es anderswo schon ist!

13. Mai 2015. In meiner Schreibbude, Neukölln.
17°C, bewölkt. Stimmung: sehr müde, am Nachmittag besser.
Oberteil: schwarze Strickjacke wie fast immer.
Rock: Fake-Wickelrock Burda 2008, wie gestern.
Schal: gekauft von H&M.

14. Mai 2015. Himmelfahrtsspaziergang, Neukölln.
13°C, regnerisch. Stimmung: frierend.
Oberteil: Jacke und Schal H&M, uralt
Rock: "Designerschnitt" Karl Lagerfeld, 136 aus Burda 10/2010, hier gebloggt.

15. Mai 2015, beim Stoffladen-Zweitjob, Friedrichshain.
18°C, sonnig. Stimmung: gut.
Oberteil: Tshirt mit Fledermausärmeln, Schnitt von Burda ca. 2012.
Rock: Rock mit Passe aus Viskose mit Digitalprint wie in der ersten Woche.

16. Mai 2015, beim Stoffladen-Zweitjob, Friedrichshain.
17°C, Regenschauer. Stimmung: leicht genervt.
Oberteil: Shirt aus Ringeljersey nach modifiziertem Burda-Schnitt.
Rock: Halbtellerrock aus dunkelgrüner Spitze mit Jerseyfutter, hier gebloggt


17. 5. 2015, zuhause, Alt-Treptow
14°C, Regenschauer. Stimmung: ich mach' gleich die Heizung wieder an. 
Oberteil: Ringelshirt wie gestern, schwarze Strickjacke wie immer.
Rock: Spitzenrock wie gestern.

18. 5. 2015, beim Stoffladen-Zweitjob, Friedrichshain
17°C, bedeckt. Stimmung: ist es bald vorbei?
Oberteil: Standard-Shirt nach modifinziertem Burdaschnitt aus grauem Jersey
Rock: Roter Rock aus Wolle-Viskose-Mischung von 2007, Schnitt 110, Burda 10/2006.

Mittwoch, 13. Mai 2015

Motto-Me made Mittwoch: Das Geheimnis des perfekten Wickelkleides

Wickelkleider gelten gemeinhin als vorteilhaft und schmeichelnd für jede Figur, ob groß, klein, dick oder dünn oder irgendwas dazwischen. Aber stimmt das überhaupt? Und gibt es Wickelkleidschnitte, die besser sind als andere? Der Me Made Mittwoch hat heute das Motto Wickelkleid, das heißt in der Sammlung selbstgemachter Erwachsenenkleidung an echten Menschen findet ihr heute besonders viele Informationen zu guten Wickelkleidschnitten, Verarbeitungs- und Anpassungstips und sicher auch Warnungen vor Wickelkleidflops. Ich bin gespannt, was die Schwarmkompetenz der Nähbloggerinnen heute zusammenträgt!



Ich kann ein älteres Wickelkleid aus Webstoff beitragen, Schnitt 122 aus Burda 2/2007 - als ich es 2012 nähte, hatten wir hier in den Kommentaren schon gemeinsam nach den Merkmalen guter Wickelkleider gesucht.  Nach einigen Jahren Tragepraxis kann ich feststellen: es ist ein schönes Kleid, aber kein Kleid für alle Fälle. Schnelles Laufen, ausgreifende Bewegungen, Bücken zum untersten oder Strecken zum obersten Regalfach - für alle diese Tätigkeiten würde ich nicht ausgerechnet dieses Kleid wählen. Ziemlich in Schwierigkeiten geriet ich einmal, als ich mich damit in einen Liegestuhl setzte - ihr kennt diese ganz einfachen  Dinger bestimmt, die nur aus einem Holzrahmen und einer Stoffbahn bestehen, und aus denen man generell schlecht wieder herauskommt. Ich darf euch verraten, dass es so gut wie unmöglich ist, in diesem Wickelkleid halbwegs elegant aus so einem Liegestuhl aufzustehen. Da der Liegestuhl in einem öffentlichen, gut besuchten Biergarten stand, rollte ich mich dann irgendwie seitlich heraus.

Im normalen Gebrauch klappt das Wickelkleid nicht ungewollt auf, aber es vermittelt das Gefühl, dass es aufklappen könnte - und da es aus Webstoff ohne Elastananteil besteht, gibt es nicht ein bißchen nach. Wunderbar ist es für alle Gelegenheiten, zu denen es gesetzter zugeht: ich trug es schon im Urlaub bei Stadtbesichtigungen, ich trage es, wenn ich am Schreibtisch sitze und ich werde es diese Woche bei einer Hochzeitsfeier tragen.

Da ich das Kleid nicht uneingeschränkt praktisch finde, zögere ich, mir noch ein Wickelkleid zuzulegen. Für einen nächsten Versuch habe ich erstmal ein Fakewickelkleid aus Jersey ins Auge gefasst, und zwar den Schnitt aus der ersten deutschsprachigen Knipmode (alias Fashion style). Aber vielleicht kommen mir in der heutigen Wickelkleid-Sammlung beim Me made Mittwoch ja noch weitere Schnittideen.  

Mittwoch, 6. Mai 2015

Me made Mittwoch am 6. Mai, und der Me made May geht in die zweite Woche

Also, das tägliche Bloggen und Outfit-Fotografieren ist ja gar nichts für mich! Ich mache wie viele andere deutsche Nähbloggerinnen seit einer Woche beim Me made May, sozusagen dem internationalen Vorläufer unseres Me Made Mittwoch mit, und hatte im Vorfeld hochfliegende Pläne, was ich noch alles schnell zuendenähen und was ich mir für großartige neue Kombinationen ausdenken würde. In der Praxis kann ich (wie immer) froh sein, wenn ich nicht drei Tage in Reihe das Gleiche trage und an das Foto denke.

Ich ahnte es schon immer: ich bin der Typ "tägliche Uniform", nicht der Typ "unendliche Bekleidungskreativität". Eine meiner Schreibtischnachbarinnen ist so eine Bekleidungskreative. Ich staune und freue mich jeden Tag, weil sie jeden Tag komplett anders aussieht - mal kommt sie von Kopf bis Fuß in Weinrot, mal schwarz-weiß-gemustert, mal im Hosenanzug, mal in Jeans, mal im Strickkleid. Und immer mit passenden Schuhen, Gürteln, Ohrringen, es ist phänomenal. Ich frage mich, wie sie diesen Bekleidungsfundus lagert und wie sie jeden Morgen immer das Passende findet - ich könnte das nicht, egal wie viele Sachen ich hätte. Da hat mir der Me made May schon was über mich verraten, was ich noch nicht wusste.

Unendliche kreative Bekleidungsvielfalt findet man heute, wie jeden Mittwoch, im Me made Mittwoch-Blog, dieses Mal mit Gastbloggerin Marlene in der Robe Bleuet aus Jeans - und internationales Me made zum Beispiel in der MMMay2015-flickrgruppe.  


6. Mai 2015, in meiner Schreibbude, Neukölln.
19°C, mal sonnig, mal wolkig. Stimmung: besser.
Bluse: Himbeerfarbene Hemdbluse mit dunkelblauen Paspeln, Schnitt 101 aus Burda 3/2007, hier gebloggt.
Rock: Pseudo-Wickelrock wie gestern.

7. Mai 2015, abends zuhause nach Tag in der Schreibbude.
19°C, durchwachsen. Stimmung: gut.
Oberteil: Jerseyshirt Alabama Lydia, wie hier gebloggt.
Strickjacke: Schwarze Jacke mit Schleifenmuster wie fast jeden Tag.
Rock: Skyline skirt aus twinkle sews, hier gebloggt.

8. Mai 2015, beim Stoffladen-Zweitjob, Friedrichshain.
19°C, wechselhaft. Stimmung: in Ordnung.
Oberteil: Jerseyshirt nach Ottobre Winter 2010, Schnitt wie hier gebloggt, aber aus feinem Viskosejersey.
Rock: Skyline skirt wie gestern.

9. Mai 2015, Nähbloggerinnentreffen, Leipzig.
20°C, sonnig. Stimmung: Prima!
Oberteil: Streifenshirt nach modifiziertem Burda-Standardschnitt.
Strickjacke: schwarze Jacke mit Schleifenmuster, unverzichtbar.
Rock: Gärtnerinnenrock Vogue 1247, hier gebloggt.

10. Mai 2015, Nähbloggerinnentreffen, Leipzig, im Bildermuseum.
14°C, sehr windig. Stimmung: unausgeschlafen, aber gut.
Kleid: Dakota von named patterns aus karierter Baumwolle, hier gebloggt.
Unterzieh-Tshirt: uralt von H&M

11. Mai 2015, Arbeitstreffen, Charlottenburg. 
20°C, sonnig. Stimmung: müde, aber inspiriert.
Rock: Gärtnerinnenrock wie vorgestern.
Oberteil: nicht sichtbares Jerseyshirt nach Ottobre, schwarze Srickjacke. Gekaufte Jeansjacke und Schal (uralt von H&M)

 12. Mai 2015, in meiner Schreibbude, Neukölln.
28°C, gewittrig. Stimmung: Matschig im Kopf.
Oberteil: Raglanshirt nach Ottobre.
Rock: Fake-Wickelrock 122 Burda 6/2008, hier gebloggt.

Freitag, 1. Mai 2015

Me made May 2015 - 1. Woche

me-made-may'14
In der englischsprachigen Nähbloggerwelt gibt es schon seit Jahren Blogaktionen, in denen die selbstgemachte Kleidung gefeiert wird. Der Me-made-March, der Self-stitched-September oder in den letzten Jahren der Me-made-May vernetzen Selbernäherinnen aus aller Welt, die auf verschiedenen Plattformen, im eigenen Blog oder bei Flickr, Pinterest und Instagram, einen Monat lang täglich ihre selbstgenähten Outfits präsentieren. Ich wollte dabei schon lange einmal mitmachen und habe mich nun für den Me-made-May angemeldet. Ich werde im Mai ziemlich viel unterwegs sein, der tägliche Outfitschnappschuss sollte also recht abwechslungsreich werden!

Das tägliche Foto ist für mich die erste besondere Herausforderung bei der Aktion, darüber hinaus werde ich natürlich versuchen, mich möglichst abwechslungsreich anzuziehen und möglicherweise sogar an meiner Accessoiresschwäche zu arbeiten. Und nicht zuletzt freue ich mich darauf, Nähblogs aus aller Welt zu entdecken - wie Karin vor ein paar Tagen schrieb, ist die Begegnung mit Nähbloggerinnen aus aller Welt auch ein Beitrag für den Weltfrieden. Menschen, die kein Hobby haben, mögen das vielleicht lächerlich und zu hoch gegriffen finden. Wer aber selbst schon einmal ein Treffen mit bisher unbekannten Nähbloggerinnen erlebt hat, kennt den besonderen Nähnerd-Geist solcher Veranstaltungen. Die gemeinsam geteilte Leidenschaft ist wichtiger als alle Unterschiede und ermöglicht eine Vertrautheit, die sich ansonsten erst nach längerer Zeit einstellt.

Alle Informationen über die Aktion Me Made May hier bei der Organisatorin Zoe, in den Kommentaren zu dem Post findet man die Blogs der Teilnehmenden, außerdem gibt es eine Flickr-Gruppe, ein Pinterestboard und bei Instagram und Twitter findet man die Beiträge unter dem Hashtah #mmmay15.

Dieser Beitrag wird jeden Tag mit einem neuen Bild ergänzt, in einer Woche gibts einen neuen Sammelpost.

1. Mai 2015, Brandenburger Tor, am Rand der Gewerkschaftsdemo.
14°C, windig und sonnig, Stimmung: heiter.
Strickjacke: aus Sockenwolle mit Lochmuster, eigener Schnitt, hier gebloggt.
Rock: Designerschnitt Stephan Schneider, Nummer 130, Burda 8/2005, hier gebloggt.
TShirt: mein modifizierter Standardschnitt, ehemals Burda.

2. Mai 2015, Elsenstraße, Alt-Treptow. Kaffeepause nach dem Wocheneinkauf.
14°C, mal sonnig, mal bewölkt, Stimmung: gut.
Strickjacke: Jacke mit Schleifenmuster aus Drops Babymerino, eigener Schnitt, hier gebloggt.
Rock: uralter Lieblingsrock aus Wollstoff, Nr. 118 aus Burda 9/2005, hier besser zu erkennen.
TShirt (nicht sichtbar): modifizierter Burdaschnitt
Schal: uralt von H&M

3. Mai 2015, Kunstquartier Silent Green, Wedding. Pictoplasma-Festival.
19°C, sonnig und windig, Stimmung: neugierig.
Strickjacke: Jacke mit Schleifenmuster wie gestern
Rock: Rock mit einseitigem Godet, 105 aus Burda 8/2014 aus dunkelblauem Wollstoff, hier gebloggt.
TShirt: Schnitt mit Fledermausärmeln, Schnitt von Burda ca. 2012, ungebloggt.

4. Mai 2015, in meiner Schreibbude, Neukölln.
19°C, wolkig. Stimmung: tatkräftig.
Strickjacke: Jacke mit Schleifenmuster wie gestern und vorgestern.
Rock: angekräuselter Rock mit Passe aus Viskose mit Digitalprint, hier gebloggt.
TShirt: Schnitt mit Fledermausärmeln wie gestern.

5. Mai 2015, in meiner Schreibbude, Neukölln.
20°C, regnerisch. Stimmung: genervt.
Strickjacke: Jacke mit Schleifenmuster wie die letzten zwei Tage.
Rock: Pseudo-Wickelrock aus Nadelstreifenstoff, Nummer 130 aus Burdastyle 8/2013, hier gebloggt.
TShirt: Standardschnitt aus Ottobre.

Morgen zum Me made Mittwoch gibt's einen neuen Post. Fürs Tagebuch: Die Bahn streikt seit heute, daher ist man ewig unterwegs, die Mitarbeiter der Geldtransportunternehmen streiken schon ein paar Tage länger, daher sind die Geldautomaten leer und ich habe kein Bargeld mehr, und die Briefzusteller haben Anfang des Monats gestreikt und möglicherweise liegt deshalb der Vertrag immer noch nicht im Briefkasten, auf den ich warte.

Mittwoch, 29. April 2015

Die Culotte: Clown oder Couture, Amish oder Avantgarde?


Etwas Ungewöhnliches ist passiert: zum allerersten Mal seit Urzeiten interessiert mich ein modisches Kleidungsstück, das in unserer kleinen Stadt sogar schon die Schaufenster von H&M und Konsorten erobert hat. Die Culottes, früher Hosenröcke genannt, beenden das Einerlei der skinny Jeans, das in den letzten Jahre dazu geführt hatte, dass ich die Hosenmode als für mich nicht relevant abgespeichert hatte.

Ich wäre gar nicht darauf gekommen, dass ich einen Hosenrock brauche, wären nicht a) in den letzten Wochen unheimlich viele Hosenrockschnitte neu erschienen und hätte man b) diese Schnitte nicht schon sehr bald an vielen Bloggerinnen sehen können. Hosenröcke scheinen gerade bei vielen einen Nerv zu treffen, ein Lemming-Phänomen wie manche Kleiderschnitte.

Ich habe den Schnitt 126 aus Burdastyle 3/2015 ausprobiert, aus einer schwer fallenden Leinen-Viskosemischung mit Fischgratstruktur (Stoff&Stil Sale, gibt es nicht mehr). Die vorderen, übereinander liegenden Falten änderte ich nach dem Vorbild von Max Lau in zwei tiefe einseitige Falten um, die ursprüngliche Faltenkonstruktion fiel nicht so schön. Den Schnitt 126 (3/2015) findet man zum Beispiel auch bei Elke (originale Falten, etwas kürzer als meiner).


Aber es gibt ja auch noch andere schöne Culotteschnitte: Elke Grüne Blume stellte gerade ihre zweiten Girl Friday Culottes vor - dieser Schnitt hat einen Seitenreißverschluss und große Kellerfalten. Ebenfalls Kellerfalten, aber gleich doppelte, hat der Burda-Einzelschnitt 6905, den Miss Margerite ausfindig machte. In der Burda 4/2015 erschien noch ein Culotteschnitt, Nr. 113, den man sich genäht bei Wollhellis, bei Verstecktes Pfefferminz und bei Brigitte - Overluck angucken kann.

Brigitte spricht in ihrem Beitrag auch aus, was ich bei der ersten Anprobe befürchtete: Habe ich mir etwa eine Clownshose genäht? Der Grat zwischen Clown und Couture ist schmal. Wobei ich mit falschem, weil zu klobigen und zu flachen Schuhwerk, in meiner Culotte eher wie die hinterwäldlerische Anhängerin einer sehr konservativen Glaubensrichtung wirke.

Mit hohen oder zierlichen Schuhen (auch flache Sommerschläppchen gehen) und einem engen, kurzen Oberteil ist aber alles prima und noch dazu unschlagbar bequem. In den letzten, überraschend kalten Tagen, als ich nicht zu den winterlichen Wollröcken zurückwollte, in Sommerröcken aber gefroren hätte, war die Culotte ein sehr guter Kompromiss. Vollends überzeugt wurde ich die Komplimente meiner nähverrückten Kolleginnen bei Nebenjob 1 im Stoffladen, die sehr begeistert waren - während meine schnittkonstruierende Schreibtischnachbarin bei Job 2 das Teil bis jetzt noch nicht einmal bemerkt hat. Auch das ist gut - hätte ich wie ein Clown oder wie eine religiöse Fundamentalistin gewirkt, hätte sie bestimmt etwas gesagt.


Zu der Culotte trage ich eine kurze Walkjacke doppelreihig geknöpft (Schnitt 123 aus Burda 9/2006), die ich mir gleich im Herbst 2006 genäht hatte und die seither ein Lieblingsteil ist. Und nun bin ich gespannt, ob die Culotte-Mode ein Mikrotrend des frühen Frühjahrs 2015 bleibt, oder ob wir solche Rockhosen auch im Sommer noch sehen werden. Beim heutigen Me made Mittwoch, der Verlinkungsaktion für selbstgemachte Erwachsenenkleidung habe ich keine entdeckt. Aber dafür Sybille im Wickelkleid mit Bildern aus Paris und mehr als 100 Teilnehmerinnen - Reinschauen lohnt sich!

Das Wickelkleid wird übrigens auch das Thema des nächsten Motto-Me made Mittwochs am 13. Mai sein. Zeigt eure Wickelkleider und Pseudo-Wickelkleider und berichtet über eure Erfahrungen mit den Schnitten, damit jede das Wickelkleid findet, das zu ihr passt!