Dienstag, 16. Dezember 2014

Loben und Lästern: Burdastyle 1/2015

Neuer Jahrgang, neuer Anlauf: Ihr erinnert euch vielleicht an die Loben-und-Lästern-Artikelreihe im Herbst 2013 und Frühjahr 2014, in der wir gemeinsam mehr oder weniger liebevoll über die neuesten modischen Ideen des Burda-Verlags herzogen. In den letzten Monaten wurde ich virtuell und im echten Leben sehr oft angestupst, diese Rubrik wieder aufzunehmen, und da mir der Austausch über die Schnitte auch immer viel Spaß gemacht hat und man über Geschmack so vortrefflich unterschiedlicher Meinung sein kann, erspare ich euch jetzt jedes unsexy Lamento über Zeitmangel, sondern springe direkt zu ersten Burdastyle-Ausgabe des Jahres 2015. Wie immer: drei Lieblingsschnitte, drei Flops, und alles garantiert höchst subjektiv.


Bevor ich aber zu den Schnitten komme, muss ich noch etwas anderes feststellen: ich hatte Recht! Pannesamt kommt zurück! Beweis ist das Modell 117 auf Seite 15, ein Shirt mit interessanten Querfalten aus Metallic-Pannesamt (92% Polyester, 8% Elasthan). Das Material wird in diesem Zusammenhang als „sinnlich“ bezeichnet und man lobt die unkomplizierte Pflege. Tja, hatte ich nicht schon im Juni vorhergesagt, dass mit der Rückkehr des elektrisierenden Stoffklassikers zu rechnen ist? Das einzige, was mir Sorgen macht: die daraus erwachsende quasi-moralische Verpflichtung, an der Rehabilitation des viel geschmähten Materials mitzuwirken und selbst ein Stück aus Pannesamt zu nähen. Vielleicht finde ich auf dem Markt einen Pannesamt aus Viskose, dann wird die Näherei nicht ganz so schlimm?

Das Januar-Heft ist traditionellerweise die Ausgabe mit den einfachen Teilen aus Pailettenstoff, die man am Nachmittag des Silvestertages noch schnell zusammenrattern kann, mit den Faschingskostümen und in diesem Fall – seit langer Zeit zum ersten Mal – mit Umstandsmode. Also lauter Kleidungsstücke für Spezialbedürfnisse, die bei mir nicht anliegen. Was bleibt übrig?

Das Beste



Der Rock 109 fiel mir in der Ausgabe gleich als erstes auf, wegen der frappierenden Ähnlichkeit mit dem Jupe Anémone von Deer&Doe, einer kleinen Schnittmusterfirma aus Frankreich. Die ausgestellten Seitenteile des kurzen Rocks liegen doppelt und sind aufgedreht, so dass sie kleine, wippende Volants an den Seiten bilden. Die Burda-Redaktion bannte die Niedlichkeitsgefahr dieses Röckchens durch das Material: einmal stark strukturiertes Wollgewebe, das andere Mal Wildlederimitat. An Lederimitate taste ich mich buchstäblich gerade heran. Mein Nebenjob-Arbeitgeber hat eine große Auswahl davon, daher konnte ich in letzter Zeit einiges befühlen. Zum Teil macht das Zeug einen ganz guten Eindruck, es gibt auch Stoffe, die nicht komplett aus PVC bestehen, sondern eher ein beschichteter Stoff sind, der ein bißchen wie Leder aussieht. Was meint ihr – Rock 109 aus Lederimitat, ja oder nein? Es ist durchaus möglich, dass ich nur auf sehr dumme Ideen komme, weil ich in letzter Zeit so oft mit Kunstleder zu tun hatte.

Von diesem Rock abgesehen, macht es mir diese Ausgabe aber schwer, weitere potentielle Lieblingsschnitte zu entdecken: Es gibt eine Menge sehr kastige Oberteile (106, 107, 119) oder solche, die mit einem Gummizug zum Oberteil oder Kleid getrimmt werden (113).


Die schmale Jacke 104 mit einem hohen angeschnittenen Kelchkragen, der aus einer mehrfach unterteilten Schulterpasse herauswächst, finde ich schnitttechnisch interessant, und sie erinnert mich auf die gute Art an die Uniformen bei Raumschiff Enterprise, sollte aber besser passen als das Exemplar auf S. 49 (und die Kombination mit einer ebenfalls patchworkartig zusammengesetzten Hose finde ich unglücklich: das sieht doch etwas nach Clownsanzug aus. Aber das wäre ja schon wieder gelästert, und das wollen wir ja jetzt noch nicht!).


Ein weiteres Stutzen erzeugt bei mir der Wickelrock 108, wobei ich mich innerlich winde, dieses Stutzen tatsächlich positiv zu deuten, vereint dieser Rock doch fast alle Schnittdetails, die ich bis vor kurzen als absolut verabscheuungswürdig angesehen hätte: ein vorne kurzer, hinten langer Saum, der auch noch asymmetrisch ist, also rechts kürzer als links. Außerdem liegen die Vorderteile nur so wenig übereinander, dass der Rock sicher nur bei einem Stehempfang bei Windstille praktikabel ist. Vielleicht liegt meine leichte Sympathie an dem Rockfoto auf Seite 47, das den Rock aus einem hübschen Karostoff zeigt (und auf dem man die Mehrfach-Asymmetrie kaum erkennen kann): man zeige mir irgendetwas – egal was – mit Karos, und ich finde es gut. Oder es ist dieser unerklärliche Reflex, der sich „Mode“ nennt.

Das Schlimmste


Zum Läster-Einstand können wir aber gleich bei dem Foto von Seite 47 bleiben, bei dem krampfhaft originellen Oberteil 115. Es wird als „Plaidjacke“ bezeichnet, übersetzt bedeutet das wohl: eine Jacke mit einer angeflanschten Sofadecke, die schwungvoll über die Schulter geworfen werden soll. Sofadecke. Muss ich mehr sagen? Ja? Dann füge ich hinzu: zugige Dreiviertelärmel. Nochwas? Stellt euch einfach vor, wie ihr in dieser Jacke an einem kalten Buffet steht und versucht, einen Teller mit Kartoffelsalat zu beladen und ein Glas zu halten, ohne dass euch die Decke ins Essen fällt.

Das Oberteil 111 (S. 22 und 39) gefällt mir nicht unbedingt besser – Schals an der Kleidung sind generell nicht so mein Fall, scheint mir - aber wenigstens wird hier alles festgenäht, kann damit nicht in die Soße fallen. Abendessen gerettet, alles gut.

Anderes Thema: Burda und die Rechtecke. Einer der seit Jahren mit großer Beharrlichkeit geäußerten Vorwürfe gegenüber Burda lautet: Das sind doch alles nur Rechtecke! Wir wollen Schnitte, und keine Rechtecke! Ehrlich gesagt nervte mich die Penetranz ein wenig, mit der dieser Vorwurf jeden Monat wieder irgendwo erhoben wurde, und ich fand diese Dauerkritik ungerecht. Ja, ab und zu gab es einen Poncho (ein Rechteck mit Loch für den Kopf) oder einen Sarouel (ein Rechteck, das man um sich herumwickelt), aber generell stimmt es ja so nicht, dass Burda immer und überall nur Rechtecke als Schnitte verkaufen würde.

 

Die Parkajacke 134 auf Seite 70 fiel mir zuerst nur ins Auge, weil ich sie einfach scheußlich fand: ein unförmiges Ungetüm aus Glanzstoff mit Gummizügen überall. Beim Blick auf die Schnittzeichnung kapierte ich: Das sind ja alles nur Rechtecke! Für die Jacke gibt es gar keinen Schnitt – nur Anweisungen, was für Rechtecke zuzuschneiden sind. Ein Gefühl, als würde mir der Boden unter den Füßen weggezogen: Burda gibt Rechtecke als Schnittmuster aus! Alle, alle hatten sie Recht! Ich blicke in einen Abgrund.

Ich hoffe, mit Heft 2/2015 kann ich mich von dem Rechteck-Schock erholen – es wird dort bereits sommerlich.
Und ihr, was sind eure Lieblingsschnitte? Habt ihr noch etwas entdeckt, was ich übersehen habe?

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Wir können mehr als nähen: Spenden, feiern, podcasten!

Heute möchte ich auf drei sehr unterschiedliche, gleichermaßen großartige Initiativen hinweisen, die gemeinsam haben, dass sie auf die eine oder andere Weise aus unserer Selbermacherinnen-Gemeinschaft hervorgegangen sind. Fangen wir mit einem ernsten Thema an:

MeMadeMittwoch-Spendenaktion für die Ausbildung afghanischer Frauen 

 

Wir, also das Team um den Me-made-Mittwoch, organisierten ja schon vor zwei Jahren eine Spendenaktion zugunsten der Bildung marokkanischer Frauen. Dieses Jahr wollen wir wieder ein Projekt unterstützen: der Verein NAZO e. V. sorgt zusammen mit afghanischen Partnern seit mehr als zehn Jahren die Ausbildung von Frauen zur Schneiderin. Die Frauen werden in fünf NAZO-eigenen Werkstätten ein Jahr lang unterrichtet. Nach dem Abschluss können die Frauen die Nähmaschine aus ihrer Ausbildung behalten und werden von NAZO dabei unterstützt, sich zu Werkstätten zusammenzuschließen und selbständig zu arbeiten.

Seit Anfang Dezember sind für dieses Projekt schon mehr als 4000 Euro Spenden von euch eingegangen, das ursprüngliche Spendenziel wurde schon zwei Mal übertroffen und wir sind völlig überwältigt - vielen, vielen Dank! Es ist ein tolles Gefühl zu sehen, dass sich der MemadeMittwoch nicht nur um schöne Kleider dreht, sondern eine Gemeinschaft ist, die mehr bewirken kann. Weitere Informationen und die Spendenmöglichkeit findet ihr hier im MMM-Blog - im Moment sind fast vier Ausbildungen finanziert. Übrigens: wie vor zwei Jahren wird es wieder ein Dankeschön von uns geben - ihr dürft gespannt sein. Wir haben uns da ganz schön was aufgehalst und sind ziemlich nervös, ob wir das in der knappen Zeit schaffen!


Dressmaker's Ball - Der Pott goes Glam oder: Nähnerds und Freunde tanzen


Quelle: Thiophene Guy via flickr.com - unter CC-Lizenz (CC-BY-NC-SA 2.0)
Wer nähen kann, kann auch feiern - und wer sich ein Weihnachtskleid, ein Ballkleid oder ein Cocktailkleid zu einem besonderen Anlass näht, möchte die Robe mehr als ein Mal aus dem Schrank lassen. Im März 2015 gibt es dazu im Ruhrgebiet die Gelegenheit: die großartige und nimmermüde Alex von Mamamachtsachen organisiert den Dressmaker's Ball, einen festlichen Abend mit Musik, Tanz, Essen und Trinken, alles inklusive. Eingeladen sind Selbernäherinnen und Selbernäher - selbstverständlich im Selbstgenähten - und ihre Begleitung. So lässt sich das Feiern auch noch mit dem Fachsimpeln verbinden. Karten - bis zum 15. 12. zum günstigen Frühbucher-Preis - können über Alex' Blog bestellt werden.   

Näh-Podcast


Quelle: Infrogmation of New Orleans via flickr.com - unter CC-Lizenz (CC-BY 2.0)
Es geht doch nichts über ein schönes Stück im Radio und ein Tässchen Tee! Anders als der oben abgebildete Herr nutzen Selbermacherinnen und Selbermachen Serien und Hörbücher aber oft als unterhaltende Begleitung beim Nähen oder Stricken - was liegt also näher, als beim Nähen einer Sendung zum Thema Nähen zu lauschen?

Die neuen Nähpodcasts von Muriel - Nahtzugabe 5cm, die sich in wochenlanger Arbeit mit der ganzen Technik vertraut machte, eignen sich vorzüglich dazu. In der ersten Folge unterhielt sich Muriel mit der Drehumdiebolzeningenieurin, in der zweiten mit Frau Crafteln - und weitere Folgen sind geplant. Ein Podcast ist quasi sowas wie ein Radiobeitrag, den man herunterladen und offline anhören kann (über einen beliebigen mp3-Player, z. B. im Handy), ihr könnte die Beiträge aber auch einfach mit dem Player in Muriels Blog abspielen. Hört mal rein -  es ist spannend, die Stimme zu einem Blog zu erleben, man nimmt die Bloggerinnen noch einmal ganz anders wahr, und das Nähgeplauder sorgt für ein richtiges Nähkränzchen-Gefühl, auch wenn man in Wirklichkeit ganz alleine vor sich hinwerkelt.      

Sonntag, 7. Dezember 2014

Stoffwechsel II - Finale

Also wenn ich eine Bitte äußern dürfte: Falls wir noch einmal einen Stoffwechsel*) machen, dann lasst uns das Finale nicht auf die lichtlosesten Wochen im Jahr legen. Ich hatte schon vor einer Woche beiden geplanten Teile fertig genäht, aber der Dezemberdunkelheit Fotos abzuringen, erwies sich als schwierig. Heute Mittag passte endlich alles zusammen: ganz gutes Wetter und ein nicht erkälteter Fotograf (der beim Fotografieren in einen Hundhaufen stieg und der dann den Weg zum Rixdorfer Weihnachtsmarkt an allerlei Pfützen damit zubrachte, seinen Schuh zu säubern. Vielen Dank für diesen heldenhaften Einsatz!).

Ich hatte ja sogar zwei schöne Stoffe zugeschickt bekommen: einen leichten, dunkelblauen Wollstoff und einen wild gemusterten Viskosestoff. Für den dunkelblauen Wollstoff, der ganz meinem Beuteschema entspricht, hatte ich bei der Stoffvorstellung gleich einen Plan gefasst: ich wollte zuerst einen Bleistiftrock mit rückwärtigem Godet nähen, hatte aber übersehen, dass der geplante Burda-Schnitt für Stoff mit Elasthananteil gedacht ist, und der Stoffwechsel-Stoff überhaupt nicht elastisch ist. Etwas Schnittrecherche ergab, dass die Elastizität bei diesem Schnitt wohl tatsächlich benötigt wird, und da ich mich kenne und weiß, dass ich ein unbequemes Kleidungsstück einfach nicht anziehen würde, wollte ich kein Risiko eingehen und vertagte den Bleistiftrockschnitt auf später und auf einen anderen Stoff.

Was nun? Die Suche nach einer Alternative wurde zuerst davon bestimmt, dass ich unbedingt einen Schnitt finden wollte, der zu dem geplanten Schößchentop aus dem zweiten Stoffwechsel-Stoff passen würde - und da kam eigentlich nur ein schmaler Rock in Frage. Einen anderen schmalen Rock als den ursprünglich ausgesuchten wollte ich aber nicht nähen. Naja, nach etwas gedanklichem Hin- und Her kam ich zu dem Schluss, dass es die Sache nur unnötig kompliziert, wenn ich unbedingt so planen will, dass beide Stoffwechsel-Stücke zusammen angezogen werden können. Der Stoffwechsel-Sache wäre besser gedient, wenn ich einfach Schnitte umsetzen würde, die mir ganz grundsätzlich gefielen und die in meinen Kleiderschrank passen würden.     


Und da tauchte genau zur rechten Zeit der Me-made-Mittwoch-Gastbeitrag von Birgit auf, in dem sie entdeckte, dass die Nummer 105 aus Burdastyle 8/2014 ein sehr schöner Schnitt ist, wenn man in der Lage ist, von der kreischbunten Umsetzung im Burda-Heft zu abstrahieren. Im Prinzip handelt es sich um einen leicht ausgestellten Rock mit einem rechteckigen Ausschnitt im Vorder- und Rückenteil, in den zwei große Godets eingesetzt werden - ideal für so einen weich fallenden Wollstoff wie den Stoffwechselstoff.


Es war ein großes Vergnügen, diesen Stoff zu verarbeiten! Reine Wolle näht und bügelt sich einfach wunderbar, ich könnte auf der Stelle einen ganzen Ballen von dem Zeug wegnähen. Außerdem passte der Schnitt ohne wesentliche Änderungen. Das Futterproblem (der Schnitt sieht kein Futter vor) löste ich einfach, indem ich die Rockschnittteile an der vorderen und hinteren Mitte faltete und die Hälften aus Futter im Bruch zuschnitt. Der Futterrock ist also ein simpler ausgestellter Rock, der oben im Beleg mitgefasst wird. In den Seitennähten ließ ich 15 cm lange Schlitze offen. Die Godets haben eine schmalen, handgenähten Saum, der Saum vom eigentlichen Rock ist 4 cm breit und auch mit der Hand angenäht. Und so siehts aus:


Ich bin von dem Rock ganz begeistert, er trägt sich sehr bequem, passt zu den meisten Sachen in meinem Kleiderschrank und ich bin sicher, dass ich ihn sehr oft anziehen werde. Ein voller Erfolg, da bin ich sicher.

Das zweite Stoffwechsel-Teil aus dem gemusterten Viskosestoff ist nicht so eine sichere Bank, allerdings konnte ich es auch noch nicht so richtig eintragen, denn Strickjacken, meine bevorzugte Oberbekleidung, passen einfach nicht so gut dazu, und um so ein Schößchentop aus dünnem Stoff einzeln zu tragen, dazu ist es mir im Moment zu kalt. Daher gibt es derzeit auch kein Foto davon in freier Wildbahn - ich werde aber noch ein Küchenfoto nachliefern.  


Wie zuerst geplant, nähte ich ein Schößchentop (Nr. 113 aus Burda 8/2012) aus der gemusterten Viskose. Den Ausschnitt, der ganz eng am Hals anlag, vergrößerte und verbreiterte ich etwas. Ich weiß noch nicht, ob diese Schnittform wirklich in mein ständiges Kleiderschrankrepertoire eingehen wird - das muss wirklich der echte Tragetest ergeben - vor dem Spiegel finde ich es aber gut. Dieser fluffelige, schwingende, vorne kürzere, hinten längere Volant macht Spaß.

Hier erkennt man nicht viel, vor allem nicht, dass sich in der Mitte der Rückens ein nahtverdeckter Reißverschluss befindet. Der Musteranschluss ist mir dieses Mal ganz ungewöhnlich gut gelungen. Ob die Musterverteilung die günstigste ist, ist eine andere Frage - die großen Motive waren nicht einfach zu verteilen, und erst jetzt auf dem Foto oben sehe ich, dass ich wohl einen rosaroten Blumentuff mitten auf dem Po haben muss. Die Küchenfotos werden es zeigen.

Wer meine Stoffpatin ist, davon habe ich immer noch keine Ahnung. Bei Siebenhundertsachen haben sich ja schon die meisten Finalistinnen verlinkt, und viele Stoffpatinnen haben sich schon geoutet, so dass ich eine Strichliste anlegen könnte, um herauszufinden, wer noch übrig bleibt. Das mache ich aber besser, nachdem ich mich verlinkt habe, denn die Frist läuft gleich ab. Meiner Stoffpatin auf jeden Fall vielen Dank für die Stoffe! Mit dem Wollstoff hast du mir eine große Freude gemacht, und ich habe mir ein echtes Lieblingsteil nähen können. Der Viskosestoff war eine tolle Gelegenheit zum Experimentieren, und ich glaube, dass das Top im Frühjahr noch seinen großen Auftritt haben wird. Und nicht zuletzt Siebenhundertsachen und Lotti vielen Dank für die liebevolle Organisation des Tauschs!

*) Stoffwechsel - Für die, die erst später zugeschaltet haben: Bei der Aktion suchten die Teilnehmerinnen jeweils für eine zugeloste Partnerin Stoff aus und schickten ihn ihr zu und bekamen selbst von einer anderen Teilnehmerin Stoff geschickt. Die fertigen Werke aus den Stoffen werden jetzt vorgestellt - alle Teilnehmerinnen sind hier verlinkt, und das Geheimnis, wer wem Stoff geschickt hat, lüftet sich.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Schnittmusterparade November

Was gabs im vergangenen Monat Neues auf dem Schnittmustermarkt? Die Frequenz der Schnittmuster-Neuerscheinungen verlangsamte sich im Vergleich zum Oktober tatsächlich etwas - gut so, denn ich fragte mich schon, wer das denn alles kaufen soll (von nähen wollen wir erst gar nicht reden). Ein Blick auf die interessantesten Neuentdeckungen des Novembers:

Papierschnitte


Ein Kleid namens Kim von By Hand London kündigte sich schon letzten Monat an. Über die beständige Ärmellosigkeit der By-Hand-Schnitte hatte ich mich zuletzt ebenfalls schon beschwert, also lasse ich das jetzt und stelle nur fest, dass ich die schmale Tulpenrockvariante mit den abgerundeten Vorderkanten sehr mag. Eine vergleichbare Rockform finde ich sicher auch in meiner Burdasammlung - und dazu ziehe ich dann einfach ein Oberteil mit Ärmeln an!   

Bluegingerdoll entwirft Schnitte mit Retroflair, die gut in moderne Zeiten passen. Ein Jerseykleid fehlte aber noch im Angebot, deshalb gibt es jetzt das Violet dress (auch als pdf) mit zwei Ärmellängen und zwei Rockformen. Die Schulterpassen am Oberteil gefallen mir sehr: das ist doch etwas raffinierter konstruiert als der durchschnittliche Jerseykleidschnitt und bietet sich dafür an, mit verschiedenen Farben oder verschiedenen Materialien zu spielen.

Tilly Walnes von Tilly and the Buttons war 2013 Kandidatin in der ersten Staffel des Great British Sewing Bee, und obwohl sie recht früh ausschied, gelang es ihr doch, ihre Fernseh-Bekanntheit zu nutzen: sie veröffentlichte seither ein Nähbuch für Anfänger, ist mit Nähkursen gut im Geschäft und ab und zu entwirft sie ein Schnittmuster. Das neueste namens Françoise (auch als pdf) ist wieder ein kurzes, ausgestelltes Kleid, das vor allem an kleinen und zierlichen Figuren wie Tilly gut aussieht. In ihrem Blog veranstaltet sie gerade einen super-ausführlichen Sew-along für Françoise, und auch wenn der Schnitt an sich ziemlich banal ist: so eine engmaschige Schritt-für-Schritt-Nähbetreuung ist ja auch etwas wert. Wenn sich Anfängerinnen deshalb an ein Kleid trauen und so fürs Nähen gewonnen werden können, soll mir das nur recht sein. 

Was kleine Schnittmusterfirmen aus Frankreich betrifft, fehlt mir ein wenig der Überblick, oder besser gesagt: ich entdecke ständig neue und bin ganz überrascht, welche Schnitt-Vielfalt es in unserem Nachbarland gibt. Da ist zum Beispiel C'est Dimanche, eine Firma, die 2008 mit Schnitten für Kindersachen anfing und zuletzt zwei lockere Blusenschnitte herausbrachte, Denver und Osaka. Wie in Frankreich üblich gibt es ein Blog der Kundinnen, in dem genähte Modelle bewundert werden können.

Neu entdeckt - obwohl es die Marke schon lange gibt - habe ich in den letzten Wochen auch Aime comme Marie, die neben Schnittmustern auch allerlei dekoratives Schnickeldi für die Wohnung verkaufen, in Frankreich eine beliebte Kombination. Auch hier gibt es ein Kundinnen-Blog mit den umgesetzten Schnitten.


Pdf-Schnittmuster


Über République du Chiffon, ebenfalls aus Frankreich, hatte ich letzten Monat schon geschrieben - BunteKleider ist ja schon lange ein großer Fan und nähte und zeigte gleich flugs den neuesten Schnitt, die Bluse Marthe, ein weites Raglanoberteil mit angesetzter Rüsche und vorne kurzer, hinten langer Saumlinie. Ebenfalls neu, aber nur als Papierschnittmuster zu haben, ist das Kleid Annabelle, ein weites Tunikakleid mit Schulterpassen und Reißverschluss vorne. Die Kreationen der Kundinnen findet man in dem Blog R. D. C. Made by you.

Hinter True Bias steht ebenfalls eine Bloggerin, Kelli aus New York - vielleicht erinnert ihr euch, vor ein paar Monaten gab es die Hudson pant, eine Art schickere Jogginghose. Das neue Schnittmuster die Sutton Blouse ist eine lockere Bluse mit Schulterpassse und V-Ausschnitt, die zu Spielereien mit verschiedenen Stoffen einlädt. Auch zu diesem Schnitt gibt es einen Sewalong, wie er ausführlicher nicht sein sollte: Händchen halten sogar beim Bügeln.  

Und nicht zuletzt stellte sich eine neue Firma aus Neuseeland mit drei sommerlichen Schnitten vor: Pattern fantastique geht auf eine Zusammenarbeit zwischen einer Modesignerin und einem Webdesigner zurück. Die Schnitte - ein Jerseykleid, ein Webstoffkleid und eine Hose - sind auf den ersten Blick schlicht, aber mit interessanten Linien, und, was die Hose betrifft, durchaus anspruchsvoll zu nähen.


Seamwork, ein digitales Näh-Magazin

 

Auch über die rastlosen Aktivitäten von Colette patterns hatte ich letzten Monat schon sinniert, jetzt gibt es schon wieder etwas Neues: Colette gibt mit Seamwork ein monatlich erscheinendes digitales Magazin heraus. Das Magazin kann online angeschaut und gelesen werden, die dazugehörigen Schnittmuster - zu der ersten Ausgabe gehören eine weite Strickjacke und zwei einfache Taschenschnitte - bekommt man nur über ein Abonnement.

In Seamwork will Colette patterns Näh- und Designthemen vertiefter behandeln, als das im Blog möglich ist und gleichzeitig Schnittmuster anbieten, die in zwei bis drei Stunden genäht werden können. Zum Einstand gibt es unter anderen das Porträt einer Brautkleiddesignerin und ihrer Arbeitsweise, das wirklich in die Tiefe geht, Tipps zur Verarbeitung von Leder und Strickstoffen, einen Artikel über die Wollstoffe der Pendleton Mills und Vorschläge zum Besticken von Kleidung mit Schneeflockenornamenten oder mit Strasssteinen. Ich bin recht angetan von dem Konzept: die Ausgabe ist ebenso unterhaltsam wie informativ und im typischen pastelligen Colette-Design auch schön anzusehen. Die Schnitte werde ich wahrscheinlich nie im Leben kaufen, aber ich bin gespannt, wie sich das entwickelt. Vertiefte Näh-Lektüre, die nicht nur an der Oberfläche kratzt, kann es meiner Meinung nach gar nicht genug geben.  

Donnerstag, 27. November 2014

Hosen-Herbst - die erste Probehose oder: Fast so schlecht wie gekauft.

Was wurde aus meinen Hosenplänen zum Hosen-Herbst? Zur Erinnerung: FrauCrafteln hatte den Hosen-Herbst ausgerufen, als kollaborative Wissenssammlung rund um die Themen Hosenformen, Hosenschnitte, Hosenpassform, Hosenverarbeitung. Jeden Monat werden Beiträge zu einem bestimmten Thema gesammelt.

Vor ein paar Wochen nahm ich auch endlich die erste Hose seit etwa sechs oder sieben Jahren in Angriff und hatte schnell etwas aus braunem Cord produziert, das einer durchschnittlich schlecht sitzenden Kaufhose ähnelt. Ich finde das schon deprimierend: bei Röcken und zunehmend auch bei Oberteilen habe ich es im Laufe der Jahre gelernt, mit überschaubaren Änderungen gut passende und bewegungsfreundliche Teile zu produzieren, die mit Gekauftem überhaupt nicht zu vergleichen sind. Selbst genähte Röcke, Kleider, Mäntel, Oberteile sind Kaufkleidung in der Preisklasse, die ich mir leisten könnte, in jeder Hinsicht überlegen. Bei Hosen werde ich wieder auf den Anfängerstatus zurückgeworfen. Das ist hart. 

Den Schnitt hatte ich etwa 2004 von einer verhältnismäßig gut sitzenden gekauften Hose aus Cord abgenommen. Denn wenn ich mal zurückdenke: eine Liebesaffäre war das mit den Hosen und mir noch nie. Meine Hosenerfahrungen sahen immer so aus, dass ich pro Einkaufsversuch etwa 20 verschiedene anprobierte, um dann die am wenigsten schlecht sitzende zu kaufen. (Ja, "die am wenigsten schlecht sitzende". Es verbietet sich, in diesem Zusammenhang von einer "gut sitzenden" oder gar von "der am besten sitzenden" Hose zu sprechen!) Wenn die Hose an den Oberschenkeln einigermaßen passte, konnte ich vorne am Bund immer noch jemanden mit reinnehmen, es war zum Verzweifeln.

Das Nachnähen von Kaufhosen erleichterte dann eine Weile mein Leben. Allerdings machte ich schon vor ein paar Jahren die Erfahrung, dass das Material einen sehr großen Anteil daran hat, wie die Hose ausfallen wird. Die letzte, etwa vor vier Jahren aussortierte Hose mit dem hier verwendeten Schnitt war zum Beispiel aus einem Baumwollcord mit Elasthananteil genäht, der sich nach einer halben Stunde auf dem Sofa perfekt an die Körperformen anpasste. Der jetzt verwendete braune Cord ist zwar schmiegsam, aber nicht im mindesten elastisch und durch den Polyesteranteil neigt er weniger zum Ausleiern.

Nach dem Zusammennähen war die Hose also erstmal zu eng. Da das letzte überlebende Exemplar nach diesem Schnitt schon seit Jahren in textilen Recyclingkreisläufen verweilt, ließ sich nicht überprüfen, ob die Enge auch noch auf Figurveränderungen meinerseits zurückzuführen ist - ich vermute: ja. Aber, wie sagt man so schön: So lange noch Nahtzugabe da ist, ist auch noch Hoffnung da.


Ich ließ die Nahtzugaben aus, wobei die Zugabe der Vorderhose nicht ganz ausreichte, um eine senkrecht verlaufende Seitennaht zu erzielen, an einer Stelle wird sie immer noch nach vorne gezogen. Beim Ansetzen des Bundes (der zu schmal und schlecht verstärkt ist), erging ich mich in lustigem Hin- und Herändern: zu weit, immer noch zu weit, nur noch hinten zu weit, annehmbar. Nach kurzem Probetragen - der Zustand ist auf dem Foto abgebildet - ist die Hose obenrum wieder zu weit, das bleibt jetzt aber erstmal so, ich schaue mir die Passform nochmal genauer an, wenn die Hose frisch gewaschen ist. 

  
Die Passform der Rückseite entspricht ungefähr dem, was ich von einer gekauften Hose erwarten würde. Als ich die Fotos gemacht hatte, fand ich den Anblick zuerst so scheußlich, dass ich nicht sicher war, ob ich diesen Zustand wirklich hier dokumentieren wollte.

Dass ich inzwischen etwas Abstand gewonnen habe und die Falten nicht mehr so schlimm finde, liegt nicht nur an FrauCraftelns klugem Artikel und ihre Argumentation für mehr Gelassenheit und weniger Hosen-Perfektionismus, sondern auch daran, dass ich seit Wochen die Hosenpassform bei fremden Menschen auf der Straße (und bei Menschen in meiner Umgebung) begutachte. Als eine meiner Schreibtischnachbarinnen, eine sportliche Größe 36, Modedesignerin und Schnittdirectrice (also: superschlank und vom Fach) neulich den Geschirrspüler ausräumte, in einer relativ weit geschnittenen Kaufhose, die auf der Rückseite ein einziges, wüstes Faltengebirge zeigte, hatte ich ein Aha-Erlebnis. Wer bin ich, mich über meine moderaten Querfalten in der Selbstgenähten aufzuregen, wenn eine zum Perfektionismus neigende Expertin nichts dabei findet, in einem Faltengebirge unter Leute zu gehen?

Natürlich lässt sich die Passform meines Hosenschnittes noch verbessern, und darauf werde ich im Laufe der Zeit in den nächsten Versionen hinarbeiten. Ich werde zunächst die größten Änderungen auf den Schnitt übertragen, herausfinden, womit ich den Bund am besten verstärke, darauf achten, dass ich den Reißverschlussuntertritt nicht zu kurz zuschneide (ein Fehler bei dieser Hose), und mich in Trippelschnitten der Verbesserung annähern.

Perfekte Hosen werden nicht an einem Tag genäht - und wer sagt, dass es die perfekte Hose überhaupt gibt? Ich glaube nämlich, FrauCrafteln hat recht, wenn sie sich und uns fragt, ob die angebliche "perfekte Hose" nicht nur eine verklärte Erinnerung ist. Selbst bei diesem relativ stabilen Cord hier veränderte sich die Passform schon innerhalb einer halben Stunde. Was wäre also "perfekt": ein Hose, die gleich nach dem Anziehen faltenfrei passt? Eine Hose, die nach einer Stunde faltenfrei passt? Eine Hose, die im Stehen perfekt sitzt? Eine Hose, mit der ich bequem auf dem Sofa herumhängen kann? Das sind wiedersprüchliche Anforderungen, die eine einzige Hose gar nicht erfüllen könnte! Also: eine ganz gute Hose zu nähen reicht vorerst aus. Und wenn ich an die vergangenen Hosenkaufdramen zurückdenke, die in Umkleidekabinen vergeudete Zeit und den Frust, dann bin ich mit der Cordhose gut dran: so eine Hose hätte ich damals gekauft und wäre damit sehr glücklich gewesen.

Mittwoch, 19. November 2014

Mit Dakota II beim Me-made-Mittwoch


Heute bin ich mal wieder Gastgeberin beim Me-made-Mittwoch. Ich trage ein gerade fertiggestelltes Dakota-Kleid (Dakota Shawl Collar Dress) nach einem Schnitt von named clothing aus Finnland. Über die Tücken des Schnitts hatte ich hier bei der ersten Version schon geschrieben. Kurz gefasst: bei nicht-elastischem Stoff kommt man nicht ohne Reißverschluss rein, und die Ärmel sind recht eng.

Letzteres ist für mich gerade richtig und aus meiner Sicht einer der Pluspunkte des Schnitts, je nach Arm kommt das aber manchmal eben nicht hin. Beim BürofürschöneDinge, der Sachenmacherin und  BunteKleider gabs in den letzten zwei Wochen auch Versionen des Schnittes - wie man sieht, funktioniert Dakota in ganz unterschiedlichen Stoffen.


Dass die Passform außerdem je nach Material sehr unterschiedlich ausfallen kann, habe ich bei diesem Kleid auch gemerkt. Dakota I nähte ich aus einem mitteldicken Wollköper, der für seine Dicke aufgrund der Webart recht schmiegsam ist. Außerdem - das lernte ich am Sonntag bei einem Besuch in einem Webatelier hier in Berlin - sind Gewebe aus Wolle immer ein ganz klein wenig elastisch, weil die Wollfaser elastisch ist, im Gegensatz zu Stoffen aus Baumwolle oder Leinen. Das Karo-Dakota sitzt auch um einiges enger als das Wollkleid, oder zumindest ist das Tragegefühl anders.

Grundsätzlich aber scheine ich mit Dakota den für mich in jeder Lebenslage passenden, wandlungsfähigen geht-immer-Kleidschnitt gefunden zu haben (oder ist das nur eine halbbewusste Taktik, mit der ich vor mir den für mich hohen Preis des Schnittmusters rechtfertige?): ich mag den geschwungenen Saum, die Taschen sind ungeheuer praktisch, ich ziehe mich in Herbst und Winter gerne in mehreren Schichten an -  und ich hätte gerne noch ein Exemplar aus einem schönen einfarbigen Wollkrepp und eines aus fließender Viskose, die sicher wieder ganz anders ausfallen und ganz anders wirken würden. Selbstgemachte Kleider gibt es jetzt wieder beim Me-made-Mittwoch. Ich bin gespannt, ob heute wieder Dakotas dabei sind, denn der Schnitt steht bei einigen Bloggerinnen auf der Nähwunschliste.