Nun verbringen wir häufig einen Teil des Samstags auf einem Markt, zum Beispiel auf dem Winterfeldtmarkt, wo es nicht nur fabelhafte Scheren gibt, sondern auch fabelhafte Lebensmittel. Viel umweltfreundlicher ist die Sache auch noch. Anfahrt mit der U-Bahn, über den Markt bummeln, Obst und Gemüse aus der Region kaufen, zum Abschluss noch einen kleinen Kaffee, eventuell ein paar kleine Leckereien am asiatische-Suppen-Stand, am Pelmeni-Stand, am türkische-Zucchinipuffer-Stand oder am italienische-Süßspeisen-Stand essen und gemütlich wieder zurückgondeln – so sieht der entspannte Beginn eines schönen Wochenendes aus.
Nur meine Einkaufsbeutel, die würde ich am liebsten verstecken. Ja, ich gehöre zu den Leuten, die mit total verwaschenen, teilweise fleckigen, teilweise löchrigen Beuteln mit Werbeaufdruck losziehen. Für die Strecke Auto – Wohnungstür reichte das ja auch. Der Häkelbeutel ist ein erster Versuch, mit mehr Eleganz einzukaufen und verdankt sein Entstehen meinem Wunsch, richtig häkeln zu lernen, einem ertauschten Karton Häkelgarn und einer zehneinhalbstündigen Zugfahrt. Den Schnitt schaute ich mir von einem Patchworkbeutel ab, den ich einmal geschenkt bekam.
Man braucht 13 Quadrate aus Stoff oder eben Häkelquadrate, bei meinem Beutel haben sie etwa 15 cm Kantenlänge, kleiner oder größer geht aber auch. Die Quadrate werden erst zu einem Gebilde wie bei dem Schnittschema links zusammengenäht oder -gehäkelt (Bild anklicken, dann wird es größer), dann fügt man jeweils die Kanten zusammen, wie die Pfeile es andeuten. Oben ergeben sich vier Zipfel, an denen die Henkel in gewünschter Länge befestigt werden. Ich häkelte erst einen Rand aus festen Maschen und die Träger ebenfalls aus festen Maschen in eine Luftmaschenkette.
Wie bereits getestet hält die Tasche eine Menge aus - nur mit der Eleganz hapert es. Aber vermutlich wäre es paradox, ausgerechnet von einem Häkelwerk Eleganz zu erwarten. "Häkeln ist, wenn man bei einer Großtante zu Besuch ist, und dann liegt da so ein Deckchen", so lautet eine im Nahtzugabe-Haushalt populäre Arbeitsdefinition des Häkelns. Also kurzgefasst: Häkeln = (Groß-)Tante. Aber lieber Tantentasche als fleckiger Beutel, und da noch eine Menge Garn da ist, kann ich noch einige Versuche in Sachen Häkelbeutel starten. Eventuell lässt sich der Coolnessfaktor durch einen auf-, ein- oder angehäkelten Fernsehturm erhöhen? Auf solche Ideen kommt man nach einem Schaufensterbummel in Berlins Mitte.