Samstag, 25. Oktober 2008

Das Mantel-Projekt II - was bis jetzt geschah

Für Frau Burda sind es Taschenklappen - andere nennen es "Reifen am Bauch" oder "Ohren"

Warum nur, warum musste ich bei diesem Bild sofort an Dumbo, den kleinen fliegenden Elefanten denken? Und wann werde ich endlich die Modellfotos im Burda-Magazin adäquat interpretieren können? Dass schlecht sitzende Stellen gerne mit wallenden Haaren oder großen Handtaschen kaschiert werden, hatte ich ja schon begriffen. Die Dame auf dem Foto von Modell 111A hat den obersten Knopf des Zweireihers nicht geschlossen, hält ihren Mantel in der Taille mit den Händen zusammen und macht einen Ausfallschritt. Was schließen wir nun daraus? Dass der Mantel nicht ganz so tailliert und am Saum ausgestellt ist, wie es aufgrund der Pose den Anschein hat. Eine Trockenübung aka Probemodell hätte mir das gleich verraten. Und möglicherweise wäre mir diese, nun ja, Disproportionalität der Taschenklappen auch aufgefallen.

So trennte ich nach dem Foto die Klappen wieder heraus und ersetzte sie durch drei Zentimeter breite Riegel. (Das stimmt nicht ganz. Vorher habe ich, um das Trennen aufzuschieben, mit einem Tischläufer angefangen und ihn zu zwei Dritteln fertiggenäht. Aber dazu später mehr.)

Aber wenigstens die Rückenansicht mit den Falten von Mantel 101 aus Burda 9/2006 entspricht meinen Vorstellungen, sogar die selbstgebastelten Teilungsnähte fügten sich so zusammen, wie sie sollten.

Die Wettervorhersage verspricht für Montag nur noch 8 Grad... Ich muß mich ranhalten mit dem Elefantenmantel.

Montag, 13. Oktober 2008

T-shirt refashion: Aus zwei mach eins

T-shirt grau und T-shirt rotProblem eins und zwei

Die letzten Wochen habe ich nach und nach die Problemfälle in meinem Kleiderschrank ans grelle Tageslicht gezogen. Nach etwas Handarbeit auf dem Balkon konnte ja schon ein halbes Kleid wieder auf die Menschheit losgelassen werden. Diese zwei T-shirts waren jedes für sich eigentlich ein Fall für den Altkleidersack.

Problem eins entstand aus eigener Dämlichkeit: Das ursprünglich langärmelige T-Shirt trug ich "untendrunter" beim Streichen der alten Wohnung. Leider waren die Ärmel des darüber getragenen ollen Pullovers ein ganzes Stück kürzer... Gute 15cm musste ich abschneiden. Problem zwei habe ich in leichter geistiger Umnachtung im Sommer vor zwei Jahren gekauft und vielleicht drei Mal getragen. Farbe und Muster finde ich nach wie vor gut, nur der Ausschnitt ist unpraktisch breit, das Teil ist 5cm zu kurz und die Pailetten (Huch, bin ich das, was hier so glitzert?) irritieren mich.

Getreu dem Refashion-Motto, lieber ein tragbares Teil im Schrank zu haben, als zwei untragbare, habe ich Problem eins zur Ergänzung von Problem zwei verwendet.

Reverse-Applikation oder reverse appliquéReverse-Applikation aus der Nähe

Die Ärmelverlängerung ist aus dem unteren Teil des roten T-Shirts geschnitten, da konnte ich gleich den Saum weiterverwenden. Die Vorderpartie des roten Shirts habe ich dann unter das graue gesetzt und beides mit sogenanntem Reverse Appliqué oder auch Reverse-Applikation, also sozusagen "umgekehrter" Applikation verbunden. Das Muster entsteht, indem die obere Stofflage innerhalb der Motive weggeschnitten wird und so der untere Stoff zum Vorschein kommt. Molas aus Panama werden im Prinzip auch so hergestellt, nur dass sie aus etlichen leuchtend bunten Stofflagen bestehen und die Schnittkanten des oberen Stoffes eingeschlagen und mit allerwinzigsten Handstichen befestigt werden. Bei der Textile Art konnte ich einige Molas aus der Nähe betrachten, sie sind wirklich unglaublich filigran gearbeitet.

Meine T-Shirt-Applikation ist natürlich nicht so feingliedrig. Die Idee für diese Verzierung habe ich auf der Webseite von Alabama Chanin gefunden, die wunderschöne und sehr kostspielige Kleidungsstücke und Dekostoffe anbieten, alles in Handarbeit in Alabama hergestellt. Diese Ton-in-Ton-Applikationen und -Stickereien in gedämpften Farbtönen zwischen naturweiß, Karamell, Mokka und Grau finde ich sehr reizvoll. Weiß steht mir leider gar nicht, aber ich überlege dieses Jahr eine kleine Weihnachtstischdecke zu machen mit Schneekristallen in verschiedenen Weißtönen. Mal sehen.

Hier gibt es auch eine Anleitung für Reverse Appliqué auf T-Shirts. Die Schnittkanten des oberen Stoffes bleiben einfach offen und dürfen beim Waschen ein wenig ausfransen - shabby, aber hoffentlich trotzdem chic.

Freitag, 10. Oktober 2008

Wie definiert man einen Patchworkschal?



Wieviele verschiedene Stoffe braucht man mindestens für einen Patchworkschal? Zwei, fünf, fünfundzwanzig? Für diesen Schal, ein kleines Geburtstagsgeschenk, habe ich (nur? sogar?) drei verschiedene - Reste vom Mantel, grüne Seide, geblümte Viskose, ein Ripsband und Futterstoff verwendet.

Der Liebste kam hinzu, sah den zusammengefalteten Schal, erinnerte sich an meinen Vorschlag, der gemeinsamen Bekannten einen Patchworkschal (so mein Ausdruck) mitzubringen, hob ihn auf - "Oh, ein Schal..." - und beendete den Satz beim Entfalten desselben irritiert mit "...äh ...aus wenigen verschiedenen Stoffen."
Nunja, ich glaube, dass der Schal zu M., die vorzugsweise braun, schwarz, schlicht trägt, gut passen wird. Nur das Wort "Patchworkschal" werde ich in diesem Zusammenhang vorsichtshalber nicht mehr benutzen.

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Eingesponnen, gefesselt...



...an die Nähmaschine sitze ich auch manchmal da. Aber ohne ein eingesponnenes Brautkleid im Nebenzimmer und, wie mir scheint, im ganzen fröhlicher.

Die Installation von Chiharu Shiota und vieles sehenswerte mehr sind noch bis Sonntag in der Torstraße 166 im Haus der Vorstellung zu sehen. Von der japanischen Künstlerin stammt auch das Schuhobjekt an der Fassade. Hier gibt es ein paar interessante Bilder vom Aufbau.



Torstraße 166 (gegenüber der Einmündung Bergstraße)
täglich 12-22.00 Uhr, noch bis 12. 10. 08

Dienstag, 30. September 2008

Der letzte Spätsommertag


Nicht Südfrankreich, nicht Spanien, sondern Berlin-Köpenick

Am Sonntag noch einmal neben Lavendel und Kübelpalmen Kaffee getrunken, während ein Ahorn seine Blätter auf uns abwirft und da draußen das Weltfinanzsystem zusammenbricht. Der Herbst ist nicht mehr zu übersehen und auch das Futuro 13, das Ufo-Haus vom Strand im Funkpark in der Nalepastraße, ist inzwischen woanders hingeschwebt.



Die zwei Sommerblusen nach meinem Lieblings-Brigitte-Schnitt habe ich in der Woche zuvor vernünftigerweise noch fertig genäht, für den nächsten Sommer. Der Schnitt stammt aus einem der legendären Brigitte-Nähhefte, Modell 57 vom Sommer 2000. Die Hefte erschienen von 1992 bis 2000 einmal jährlich und sind der Grund, weshalb ich als Teenager überhaupt mit dem Nähen von Kleidung angefangen habe. Während ich die Burdahefte damals wegen der spießigen Kostümchen immer nur mit einem leichten Gruseln durchblätterte, gab es bei Brigitte genau die Schnitte, die ich nähen wollte: Leinenkleider, Wickelröcke, Westenoberteile...





Die Brigitte-Schnittmuster sind wunderbarerweise auch kaum gealtert - nur die Hosen trägt man heute etwas länger als damals. Die Schnitte wirkten bei ihrem Erscheinen sehr modern, ich erinnere mich, dass solche Sachen wie im Heft im allgemeinen erst ein Jahr später in den Läden hingen (also in den Läden, in denen ich einkaufen konnte). Brigitte orientierte sich an teuren Designerlabels, aber ohne die modischen Extreme.

Ich blättere die Hefte von Zeit zu Zeit wieder durch und bin jedes Mal überrascht, wie tragbar das meiste heute noch ist, ohne bieder zu sein. Die im Sommer allgegenwärtigen Tuniken zum Beispiel hatte Brigitte auch schon, die langen Röcke kommen jetzt gerade wieder und die Oberteile sind fast alle auch heute noch brauchbar - wenn sie denn in der richtigen Größe dabei sind. Leider (und jetzt kommen wir zum Negativen) sind die Schnitte jeweils nur in einer oder zwei Größen im Heft vorhanden. Es sind zwar Größen von 34 bis 46 vertreten, aber die Chancen stehen gut, dass das Teil, was ich gerne nähen möchte, gerade nur zwei Nummern zu groß oder zu klein zu haben ist. Da heißt es basteln, halt nein, vorher heißt es, den Schnitt aus den außerordentlich unübersichtlichen Schnittmusterbögen herauszukopieren. Die Grafikredaktion hatte offensichtlich die Vorgabe, die Schnitteile für jeweils 80 bis 100 Modelle auf nur vier Bögen unterzubringen und nur rot und schwarz zu benutzen. Nun ja, das ist ihnen gelungen. Dennoch, wenn diese Hürden genommen waren, konnte ich mich meistens über ein gut gelungenes Teil freuen, das ich dann bis zum Auseinanderfallen getragen habe. Der Vorgänger dieser Blusen hat fast acht Jahre gehalten und wird nun dieser Tage im Altkleidersack zur letzten Ruhe gebettet.

Früher war vielleicht einiges besser, die Schnittmusterbögen allerdings nicht

Freitag, 26. September 2008

Das Mantel-Projekt I: Schnittbasteleien

leichter Tweed schwarz-weiß

Das ist er. Den Mantelstoff habe ich auf dem Maybachmarkt gekauft - 4 Meter bezahlt, 4,40 Meter bekommen. Eine Brennprobe und der Schnüffelvergleich mit abgebrannter reiner Wolle haben ergeben, dass es sich wahrscheinlich um Wolle mit Viskose handelt. Ob das Muster einen Namen hat? Der Stoff ist relativ dünn und locker gewebt, liegt in der Mitte zwischen Bouclé und Tweed.

Für meine Verhältnisse geht es geradezu in Lichtgeschwindigkeit voran. Am vergangenen Wochenende habe ich mir den Schnitt zurechtgebastelt und 25 Mantelteile mit reichlich Nahtzugabe zugeschnitten und markiert. Es ist viel weniger Stoff übriggeblieben, als ich dachte, das erhöht nochmal die Spannung.

Beim Schnitt habe ich mich letztlich für eine Kombination von zwei Schnittmustern aus dem guten Manteljahr 2006 entschieden: Die Grundlage bildet Schnitt 111 aus Burda 10/2006, ein zweireihiger, taillierter, unten ausgestellter Mantel mit Reverskragen. Und da ich die Rückseite von Schnitt 101 aus Burda 9/2006 mit den Teilungsnähten und der Kellerfalte so gelungen finde, habe ich die Schnittdetails dieses Mantels in den Schnitt integriert. Und zwar ohne langes Herumüberlegen einfach so, wie es mir logisch erschien. Die Teilungsnähte im oberen Teil des Rückens sind daher "nach Gefühl" entstanden. Der Schulterabnäher gab den Verlauf der Naht schon mal vor, außerdem ist das Rückenteil des Kellerfaltenmantels an der Taillenlinie 1,5cm enger als das Rückenteil meines Ausgangsmantels. Diese 1,5 cm habe ich in der Mitte der Rückenteilhälfte weggenommen und die Linie schön auslaufend zum oberen Rückenabnäher gezeichnet. Unterhalb der Taille habe ich einfach die Schnitteile für den Kellerfaltenmantel mit den Zugaben für die Falten angesetzt.

Das kann kein Mensch nachvollziehen? Umso besser, dieses Schnittbastelverfahren ist nämlich ungetestet und ausdrücklich nicht zur Nachahmung empfohlen.